The Project Gutenberg EBook of Der Soldatenhandel deutscher Frsten nach
Amerika, by Friedrich Kapp

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Title: Der Soldatenhandel deutscher Frsten nach Amerika

Author: Friedrich Kapp

Release Date: October 5, 2014 [EBook #47054]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER SOLDATENHANDEL DEUTSCHER ***




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                                  Der
                   Soldatenhandel deutscher Frsten
                            nach Amerika.

                                  Ein
      Beitrag zur Kulturgeschichte des achtzehnten Jahrhunderts
                                  von

                            Friedrich Kapp.


              Zweite vermehrte und umgearbeitete Auflage.

                                Berlin.
                      Verlag von Julius Springer.
                                 1874.




                           Seinem Freunde
                          Ludwig Bamberger
                           der Verfasser.




Lieber Bamberger!


Als ich Dir vor nunmehr zehn Jahren diese Bltter zuerst bersandte,
lebten wir beide gezwungen im Auslande, der Eine in Paris, der Andere in
New-York. Damals war der Soldatenhandel ein noch ungeshntes Verbrechen
an unsrer nationalen Ehre und darum lastete er auf jedem politisch
zurechnungsfhigen Deutschen wie eine persnliche Schmach.

Seitdem ist der Einheitsgedanke, von welchem in unsrer Jugend
verhltnimig nur wenige Tausend Kpfe erfllt waren, durch Millionen
von Armen verwirklicht, seitdem ist er mit anderen Worten aus der
Theorie zur Praxis unsrer Politik geworden und hat bei Dppel und
Kniggrtz, bei Sedan und Paris solche berwltigende Beweise fr seine
Berechtigung geliefert, da er unser Staatsleben auf neuer nationaler
Grundlage wieder aufbauen konnte.

Heute leben wir Beide wieder im Vaterlande und kmpfen im Reichstage, in
Reih' und Glied mit vielen alten und neuen Freunden, fr die
freiheitliche Entwicklung, die Gre und Ehre unsers endlich nach Auen
hin geeinigten Volkes.

Der Soldatenhandel ist jetzt eine glcklich berwundene Vergangenheit,
ber welche wir uns nicht mehr zu grmen brauchen.

Aber ist auch die Erinnerung daran so ganz berflssig geworden, hat das
schmutzige Geschft gar keine Beziehungen mehr zur Gegenwart?

Das scheint mir eine Frage, welche sich wohl der Beantwortung lohnt.

Allerdings ist seit 1866 der ganz unhistorische, gott- und rechtlose
Souverainittsschwindel deutscher Frsten in seinen schlimmsten
Auswchsen beschnitten; allerdings knnen uns die Kleinstaaten, seit
ihnen die unbeschrnkte Souverainitt entwunden, nicht mehr vor uns
selbst erniedrigen, noch uns dem Spott und Hohn des Auslandes
preisgeben; vor Allem aber tritt den Leidenschaften und den Gelsten der
Kleinen ein fester und groer Staatsgedanke entgegen. Allein das drfen
wir uns nicht verhehlen: der unpolitische Sondergeist ist seit
Jahrhunderten zu tief, zu mchtig in das deutsche Volk eingedrungen und
hat in dessen Seele eine gewisse zhe Anhnglichkeit an die engeren
Stammeseigenthmlichkeiten, einen theils eigenntzigen, theils sogar
uneigenntzigen Partikularismus erzeugt, der von den bewuter und
planvoller handelnden dynastischen Intriguanten noch heute hchst
erfolgreich ausgebeutet wird. Nur auf Grund dieser Denkweise eines
groen Theils unsers Volkes wird der frstliche Widerstand gegen den
einheitlichen Staat, welcher -- wenn ich anders unsre geschichtliche
Vergangenheit recht verstehe -- das letzte Ziel unsrer politischen
Entwicklung ist, zu einer positiven politischen Macht, mit welcher wir
wohl oder bel rechnen mssen.

Vorlufig freilich ist ein leidlicher modus vivendi hergestellt; aber es
bedarf keiner groen Sehergabe, um zu erkennen, da er nur so lange
andauern wird, als ihm nicht mchtige Anste von Auen oder Innen zu
Hlfe kommen. Nicht wir, die Reichstreuen, werden die Feindseligkeiten
beginnen. Die Kleinstaaterei wird und mu, vermge ihrer zentrifugalen
Naturanlage, mit der konsequenten Fortentwicklung der Reichspolitik
zusammenstoen; sie wird den ersten gnstigen Augenblick benutzen und
den ersten besten Vorwand ergreifen, um, wenn auch unter sich nicht
einig, desto einiger im Widerstreben gegen die nationale Einheit, die
verlorene Souvernitt mglichst wieder zu gewinnen. Das ist die
einfache Schlufolgerung aus der Prmisse des hchst unvollkommnen
Bundesstaates. Im Gegensatz zu anderen Bundesstaaten, welche hnliche
Uebergnge zu bestehen hatten, ist glcklicher Weise bei uns die
Zentralgewalt unter Preuens Fhrung strker als alle Glieder
zusammengenommen, so da der Ausgang des Konfliktes, wenn die leitende
Vormacht ihrer Aufgabe nicht untreu wird, keinen Augenblick zweifelhaft
sein kann. Er wird mit dem Siege der Staatsidee, der korrekten
Durchfhrung des einheitlichen Staates enden.

Mglich, da die feindlichen Gegenstze noch lange schlummern, und da
wir ihren Zusammensto nicht mehr erleben werden; aber erspart wird
Deutschland dieser Kampf nicht bleiben. Die Kleinstaaterei ist
unvereinbar mit der fortschreitenden Entwicklung, mit der Ehre und
Gre unsers Volkes; ja selbst einzelne ehrenwerthe Ausnahmen besttigen
nur die Regel. Ihr eigentlicher Charakter, den sie im Soldatenhandel mit
so erschreckender Offenheit, wenn ich so sagen darf, in puris
naturalibus hervorkehrt, ist bis auf den heutigen Tag unvernderlich
derselbe geblieben; hchstens sind die Fragen, in denen er sich uert,
andere geworden. Mge unser Volk darum nicht vergessen, da mit diesen
geborenen Widersachern des nationalen Staates nicht paziszirt werden
kann und nicht paziszirt werden darf.

Von diesem Gesichtspunkte aus schien mir selbst im Jahre 1874 eine neue
Auflage des Soldatenhandels nicht allein nicht berflssg, sondern sogar
politisch lehrreich und frdernd.

Mgest Du auch diese neue Auflage mit den alten freundschaftlichen
Gesinnungen aufnehmen!

                                   Dein

_Berlin_, 13. April 1874.           $Friedrich Kapp.$




Aus dem Vorwort zur ersten Auflage.


     The whole is a mere mercenary bargain, for the hire of troops on
     one side and the sale of human blood on the other; and the devoted
     wretches thus purchased for slaughter, are mere mercenaries in the
     worst sense of the word.

     Lord _Camden_, in dem Hause der Lords, Sitzung vom 5. Mrz 1776.

Was ich in den folgenden Blttern erzhlen will, ist ein trauriges Stck
deutscher Geschichte, ein beschmendes und emprendes Bild unserer
ffentlichen Zustnde gegen Ende des vorigen Jahrhunderts. Allein so
demthigend es fr unser Nationalgefhl auch sein mag, die umstndliche
Beschreibung der nackten und baar bezahlten Schande zu lesen, welche von
dem Namen deutscher Frsten auf den des deutschen Vaterlandes
zurckfllt, so mu dieses Kapitel doch geschrieben werden; denn es ist
keine bloe Vergangenheit, die wir glcklich berwunden htten, sondern
handgreifliche Gegenwart, deren Leiden und Schmerzen heute noch
ungeheilt sind. Das Verbrechen, dessen Erzhlung ich mir vorgenommen
habe, ist noch nicht geshnt; ja es wird noch tglich, wenn auch in
zivilisirteren, minder verletzenden Formen berall da begangen, wo das
Volk, ohne um seinen Willen gefragt zu werden, fr fremde, nicht selten
antinationale Zwecke geopfert wird. Die Ursachen, die es erzeugt haben,
sind noch heute in derselben zersetzenden Kraft vorhanden; sie wurzeln
in unsrer nationalen Zersplitterung, in der deutschen Kleinstaaterei.
Trotzdem, da wir gegenwrtig kaum noch drei Dutzend Souveraine haben,
ist sie, wenn nicht noch unertrglicher, doch ebenso unertrglich und
hinderlich fr unser nationales Gedeihen, als vor nunmehr fast hundert
Jahren, wo wir der Landesvter mehr als dreiig Dutzend zhlten. Die
Fortschritte auf allen brigen Gebieten des Lebens, die Verwendung des
Dampfes und der Elektrizitt, die kolossale Verringerung von Raum und
Zeit, die revolutionirenden Entdeckungen und Erfindungen in Kunst und
Wissenschaft, sie alle haben das Uebel nur noch akuter gemacht,
schroffer zum Bewutsein gebracht und in grellern Widerspruch zu unsrer
brigen Existenz gesetzt. Was im vorigen Jahrhundert noch ein
respektabler Mittelstaat war, der unter Umstnden sogar nationale
Bildungszwecke frdern konnte, ist heut zu Tage eine Anomalie, ein
Gemeinschaden.

Die Grovter feilschten zur Aufrechterhaltung ihrer Scheinexistenz
sogar noch um die zerschossenen Knochen ihrer Landeskinder und lieen
sich ihre Leichen -- 51 Thlr. 15 Sgr per Stck! -- von England baar
bezahlen. Die Shne, die legitimen Herren von Gottes Gnaden, eilten, um
sich nur noch eine Spanne sen Daseins zu erkaufen, unter die
schtzenden Fittige des korsikanischen Advokatensohnes, des brgerlichen
Emporkmmlings, und stifteten unter seiner hohen Protektion den
Rheinbund, wofr sie ihm ebenfalls ihre Landeskinder zu Hunderttausenden
auf die von Spanien bis Ruland reichende Schlachtbank liefern muten.
Das Geschft war ganz dasselbe, nur lautete der Kaufpreis anders und
wurde dies Mal von Frankreich in deutschen Lnderfetzen und Titeln,
statt von England in baarem Gelde bezahlt. Der Kleinhandel des Jahres
1776 wurde eine Generation spter Grohandel: das ist der ganze
Unterschied. Und die Enkel? Sie sitzen noch auf den Thrnchen von
Napoleon's Gnaden. Wenn sich nur ein Gewitter am politischen Himmel
zeigt, so suchen sie natrlich Schutz beim Czaaren, bei Louis Napoleon,
beim Kaiser von Oesterreich, oder beim Meistbietenden, wie es gerade das
Interesse ihrer Person oder Dynastie erheischt. Die deutschen Frsten
also sind und mssen wegen ihrer Ausnahmestellung sein, was sie waren;
sie knnen nicht anders, selbst wenn sie wollten. Was vor hundert Jahren
von ihnen galt, gilt daher noch heute von ihnen.

Das deutsche Volk dagegen strebt mit unwiderstehlicher Macht aus den
feudalen Zustnden heraus. Seit der Reformation seinem Wesen und Beruf
als Gromacht entfremdet, seit dem westflischen Frieden durch die von
diesem anerkannte Souverainitt der frheren Reichsvasallen in sich
uneins und schwach, darum zum Schleppentrger fremder auslndischer
Interessen herabgesunken, in der franzsischen Revolution bei der ersten
Berhrung mit einem starken Feind haltlos in sich zusammenbrechend,
beginnt Deutschland erst in neuester Zeit, sich aus seiner
Zersplitterung und seinem trostlosen politischen Verfall allmlich
wieder zu Wohlstand und nationaler Selbstndigkeit emporzuarbeiten; es
fngt an, einzusehen, da es in sich einig und frei sein mu, wenn es in
der europischen Vlkerfamilie die seiner Gre und Bildung wrdige
Stellung wieder einnehmen will.

Ein groes, freies und einiges Volk, wie es Deutschland dereinst werden
mu und sein wird, ist sich Selbstzweck. Es kennt keine anderen als
seine eigenen Interessen; aber diese seine Interessen, welche durch die
freie Bethtigung seiner Brger geschaffen und gefrdert werden, sind
eben dadurch, da eine mchtige Volksindividualitt sie aus sich
herausarbeitet, im groen Ganzen die Interessen der zivilisirten
Menschheit. Darum ist der Staat, um mit Hegel zu reden, die Wirklichkeit
der sittlichen Idee -- Macht, Gre und Selbstndigkeit sind die
einfachen Ergebnisse des Staates; frstliche Domainen haben keinen
Anspruch auf den Ehrennamen Staat -- darum erzeugt der Staat ffentliche
Charaktere, Hingabe an selbstndige politische Ziele und tiefgehende
politische Kmpfe. Jeder Brger wird durch das Bewutsein gehoben, da
die zwischen seinen konomischen, politischen und sittlichen Rechten und
Pflichten herrschende Harmonie, deren bloes Erstreben in jenen
armseligen Afterstaaten ganz folgerichtig als Hochverrath gilt, ihm den
weitesten Spielraum fr die Verwerthung seiner persnlichen Kraft
bietet. Ein groes und freies Volk kann sich deshalb auch gar nicht von
Anderen und fr Andere mibrauchen lassen.

Es ist ein Augenblick der Sammlung und Selbstprfung, an welchem diese
Schrift sich mitbetheiligen will. Sie setzt sich die zeitgeme Aufgabe,
schonungslos die Schmach aufzudecken, welche die Kleinstaaterei auf
unser Volk gehuft hat, an den Auswchsen des Systems dessen
Verderblichkeit fr Deutschland nachzuweisen, und die Nation dadurch
anzuspornen, da sie sich um jeden Preis aus diesem Labyrinth fort und
fortwuchernder Schande und Erniedrigung befreie. -- -- -- --

_New York_, 6. Mansfield Place, 24. Februar 1864.

                                            $Friedrich Kapp.$




Vorwort zur zweiten Auflage.


Auer den von mir im Vorwort zur ersten Auflage bereits namhaft
gemachten Quellen, nmlich: den Dokumenten des englischen Staatsarchivs
(State Paper Office), mehr als fnfzig handschriftlichen Tagebchern und
Briefen deutscher Soldaten und Offiziere, den amtlichen
braunschweigischen Berichten und den englischen Parlamentsverhandlungen
habe ich fr die vorliegende Auflage noch benutzt: die aus vier
Foliobnden bestehenden handschriftlichen Manual-Akten des anspachischen
Ministers von Gemmingen, betreffend den zwischen Ihro Kniglichen
Grobritannischen Majestt und Serenissimo abgeschlossenen
Subsidien-Traktat und was dahin einschlgt. Diese wertvolle Sammlung
bot mir eine reiche Ausbeute von Privatbriefen, amtlichen Berichten und
ffentlichen Kundgebungen, unter welchen letzteren ich einen uerst
wichtigen, bisher noch nirgend gedruckten Brief Friedrich's des Groen
an den Markgrafen ganz besonders hervorhebe. Auerdem habe ich auch aus
den anspacher Akten manche an sich zwar untergeordnete, aber fr die
geschilderte Zeit charakteristische kleine Thatsachen mitgetheilt,
welche den Gang der Geschichte, die Motive der handelnden Personen und
die Stellung ihrer Untergebenen besser veranschaulichen als
Staatsschriften oder sonstige ffentliche Urkunden. Auch in dem von mir
eingesehenen Tagebuche eines zerbster Offiziers fand ich einige
wertvolle Zge zu dem Bilde, welches ich von den Zustnden in
Anhalt-Zerbst entworfen habe.

Meine Bemhungen, die ehemaligen hessischen Archive zu benutzen, sind
leider fast ganz erfolglos gewesen. Trotz der sorgfltigsten und
zuvorkommendsten amtlichen Nachforschungen, waren in Kassel keine
Aktenstcke mehr zu finden, welche auf die Theilnahme hessischer Truppen
am amerikanischen Kriege Bezug haben; dasselbe war in Hanau der Fall.
Seit dem Sommer 1873 sind die Akten der kurhessischen geheimen
Kriegs-Kanzlei dem Provinzial-Archiv in Marburg einverleibt worden.
Allein auch hier war die Ausbeute gering. Die auf mein Gesuch von
Marburg hierher gesandten Akten habe ich im hiesigen Geheimen
Staatsarchiv eingesehen. Sie enthalten Briefe und Theile einer
regelmigen Korrespondenz des Landgrafen mit seinen Generalen und
Obersten in Amerika, sowie einige Berichte der letzteren, und werfen
einige nicht uninteressante Streiflichter auf die mich beschftigende
Periode, enthalten aber sonst nichts Neues oder Bedeutendes.

Ich sage den Herren Beamten des Geh. Staatsarchivs fr ihr freundliches
Entgegenkommen meinen verbindlichsten Dank.

Um Raum fr die neu aufgefundenen, interessanten Materialien zu gewinnen
und um den Rahmen dieser Schrift nicht zu sehr zu erweitern, habe ich in
den Anhang, welcher in der ersten Auflage ber siebenzig Seiten
einnimmt, nur die wichtigsten Briefe und Dokumente aufgenommen; dagegen
andere Aktenstcke und die Zusammenstellung der englischen Zahlungen an
die deutschen Frsten, wie sie sich in den Bnden 35-40 der Journals of
the House of Commons finden, ganz weggelassen. Aus demselben Grunde der
Raumerspani sind auch die Zitate in der gegenwrtigen Auflage nicht
wiederholt, zumal die von ihnen nachgewiesenen Quellen den meisten
Lesern nicht zugnglich sind.

_Berlin_, 13. April 1874

                                         $Friedrich Kapp.$




Inhalts-Verzeichni.


  $Erstes Kapitel.$                                                Seite

  Geschichtlicher Rckblick auf das Sldnerwesen                    1-22

  $Zweites Kapitel.$

  England's vergebliche Bemhungen um Truppen in Ruland
  und Holland. Uebernahme von fnf hannoverschen Bataillonen       23-31

  $Drittes Kapitel.$

  Der Vertrag mit dem Herzog von Braunschweig. Personen
  und Zustnde in Braunschweig                                     31-48

  $Viertes Kapitel.$

  Die Vertrge mit dem Landgrafen von Hessen-Kassel. Personen
  und Zustnde in Kassel                                           48-70

  $Fnftes Kapitel.$

  Die Vertrge mit dem Erbprinzen von Hessen-Kassel und dem
  Frsten von Waldeck. Personen und Zustnde in Hanau und
  Arolsen                                                          71-86

  $Sechstes Kapitel.$

  Anerbietungen von Bayern und Wrtemberg. Personen und
  Zustnde in Mnchen und Stuttgart. Gescheiterte Hoffnungen      87-106

  $Siebentes Kapitel.$

  Der Vertrag mit dem Markgrafen von Anspach. Personen und
  Zustnde in Anspach und Bayreuth                               107-131

  $Achtes Kapitel.$

  Zusatz-Vertrag mit dem Erbprinzen von Hessen-Kassel. Vertrag
  mit Anhalt-Zerbst. Ein frstlicher Narr                        131-147

  $Neuntes Kapitel.$

  Truppentransporte. Landesvterliche Frsorge. Friedrich der
  Groe und der Soldatenhandel. Folgen seiner Politik            147-177

  $Zehntes Kapitel.$

  Das englische Parlament, die ffentliche Meinung Europa's
  und deutsche Stimmen ber den Soldatenhandel                   177-207

  $Elftes Kapitel.$

  Gewinn- und Verlust-Konto. Charakteristik der deutschen Soldaten.
  Seume                                                          208-227

  $Zwlftes Kapitel.$

  Charakteristik der deutschen Offiziere. Das Haus Rothschild.
  Tapferkeit Einzelner. Gneisenau. Vershnender Schlu           227-242

  $Anhang,$

  enthaltend Briefe und Dokumente                                243-259




Erstes Kapitel.


Geschichtliche Ereignisse werden nur dann richtig begriffen und
beurtheilt, wenn man sie im Lichte und Geiste ihrer Zeit betrachtet.
Will nun der Leser den Soldatenhandel deutscher Frsten nach Amerika
seinem historischen Verstndni nher rcken, so mu er sich vor Allem
die ihn ermglichenden Zustnde vergegenwrtigen. Es wird also zunchst
erforderlich sein, einen kurzen Rckblick auf die mit dem Ableben des
Mittelalters beginnende Entwicklung der deutschen Heereseinrichtungen
und der sie bedingenden politischen Zustnde zu werfen.

Das Lehnswesen bildet die Grundlage aller staatlichen Verhltnisse des
Mittelalters und beherrscht auch die militrischen Einrichtungen
Deutschlands, sowie aller germanischen Lnder. Das Heer war vorzugsweise
ein Lehnsheer und bestand aus Reitern und Rittern. Die Hussitenkriege
machten den ersten Ri in dieses System. Die Ritter und selbst die
befestigten Stdte unterlagen der in Banden organisirten und theilweise
disziplinirten Volkskraft, den Bauern und dem losen Volke der Stdte,
den Abenteurern von brgerlicher Herkunft und Ritterart. Nach der
Hussitenzeit waren die bhmischen Sldner, der Schrecken des znftigen
Kriegerstandes, berall gesucht und zu finden; sie machten den Krieg
selbst zum Handwerk und standen sonst auerhalb der ffentlichen
Ordnung. Die Erfindung und tglich allgemeiner werdende Anwendung des
Schiepulvers, die Reformation und die mit ihr zusammenfallenden
Entdeckungen und Erfindungen zersetzten und zerbrckelten vollends den
alten Feudalstaat. Die Welt strebte aus dem losen Nebeneinander
staatlicher Embryonen zur festen zentralisirten Staatsgewalt, die
moderne Monarchie bernahm die Erbschaft des verfallenden Lehnswesens
und trat langsam, aber sicher und bewut weiter schreitend, ihre
Herrschaft ber Europa an. Der Lehnsadel entzog sich, je lnger die
Einzelkriege dauerten, desto lieber dem ihm unbequem gewordenen
Waffendienste und suchte sich in dem erworbenen Besitze zu behaupten. In
Folge dieser allmlich eintretenden, aber tief eingreifenden Umwlzungen
traten an die Stelle des alten Heerbannes und des sptern
Lehnsaufgebotes, an die Stelle der bis dahin die Entscheidung gebenden
Ritter und Reiter die zunchst blos fr einen Feldzug angeworbenen, aus
Fuvolk bestehenden Sldnerheere. Den Grund dazu legte in Deutschland
Kaiser Maximilian I. Verlassen vom Adel seiner Erbstaaten, nicht
untersttzt von den Unterthanen seiner Gemahlin Maria von Burgund und zu
arm, um die theuren, ihm wegen ihres Abfalls vom Reiche verhaten
Schweizer anzuwerben, stellte er zuerst aus dem Stadt- und Landvolk von
Vorder-Oesterreich, Schwaben, Tyrol und seinen brigen Erbstaaten ein
deutsches Kriegsvolk auf, welches er, weil es weder von den Stnden noch
von den Vasallen gestellt, sondern eben aus den freien Brgern und
Bauern des Landes gebildet war, Landsknechte nannte. Die Wehrhaftigkeit
des deutschen Volkes, die seiner Jugend innewohnende Ueberflle an
Kraft, Abenteuersucht und Thatendrang kamen dem Kaiser dabei sehr zu
Statten. So gelang es ihm, in verhltnimig kurzer Zeit in diese
Landsknechtshaufen Zucht und Ordnung zu bringen und sie vortheilhaft im
Gefecht zu verwenden. Diese _Landsknechte_, welche das Ende des
Ritterthums in der Kriegsfhrung bezeichnen, sind das erste geordnete
Fuvolk; sie betreiben den Krieg wie znftige Handwerker. Die
merkwrdigen Einrichtungen ihres Gemeinwesens bilden die Grundlage aller
spteren militrischen Organisationen. Sie waren tapfer, ungestm und,
so lange sie ihren Sold erhielten, zuverlssig, aber auch wegen ihrer
Rohheit und Beutegier gefrchtet und durch ihre Zgellosigkeit,
namentlich im Trinken und Spielen, bel berchtigt. Sie wurden in der
Folge sowohl von deutschen, als von auslndischen Kriegsherren
angeworben. Schon zu den Zeiten der Reformation war derjenige der
mchtigste Frst, welcher das meiste Geld hatte und die meisten
Miethstruppen aufbringen konnte. Als Ludwig XII. von Frankreich im Jahre
1499 in Neapel erschien, bestand sein Heer vorzugsweise aus deutschen
Landsknechten und Schweizern. Das von Gonsalvo von Cordova, dem groen
Kapitain, am Ende des 15. Jahrhunderts gebildete und befehligte
spanische Heer war ebenfalls aus ganz modernen Elementen, aus
angeworbenem deutschen, italienischen und spanischen Fuvolk
zusammengesetzt. Von der Mitte des fnfzehnten bis ber die Mitte des
achtzehnten Jahrhunderts hinaus bildeten deutsche Sldner einen
Hauptbestandtheil der groen Heere des Kontinents.

Wenn nun die Landsknechte in den ersten Zeiten ihres Auftretens noch mit
ehrbaren Elementen, wie wohlhabenden Brgersshnen oder anstndigen
Handwerkern versetzt und deshalb eines gewissen, ehrenwerthen Sinnes
nicht ganz baar waren, so arteten sie nur zu bald im Laufe der Zeiten in
ein wstes und raubgieriges, verkufliches und gesinnungsloses Gesindel
aus, das heute _fr_ und morgen _gegen_ eine und dieselbe Sache, aber
immer fr _fremde_ Interessen seine Haut zu Markte trug und stets da
sich sammelte, wo lose Disziplin, gute Bezahlung und reiche Beute
lockte. So begegnen wir ihnen denn von den Reformationszeiten an bis zum
dreiigjhrigen Kriege an der Seite der Schweizer in aller Herren
Lndern und Diensten. Sie wurden mit jedem Jahre eine grere Landplage,
die durch bestndige Kriege genhrt, sich heuschreckenmig ber ganz
Deutschland ausbreitete, dabei aber ein notwendiges Uebel, da die
aufstrebenden Territorialherren, von der gewaltigen Wehrkraft der Bauern
aus den Bauernkriegen her erschreckt, ihre Unterthanen zu bewaffnen
frchteten und deshalb in immer grerer Ausdehnung zu den Landsknechten
ihre Zuflucht nahmen, die gerade durch die treulose Behandlung der
Frsten tglich mehr verdorben wurden. Diese fanden nmlich bei ihrer
bestndigen Geldnoth gar kein Bedenken darin, die armen Landsknechte
durch Verschlechterung der Mnze um die versprochene Lhnung zu krzen,
ja sie lieen zu ihrer Auszahlung besonders leichtes Geld schlagen und
demoralisirten die armen Teufel, die sich nun wieder durch Plndern,
Betrgen und Beraubung von Bauer und Brger schadlos zu halten suchten
Ein Landsknecht mu Essen und Trinken haben, bezahle es der Kster oder
der Pfaff. Im siebenzehnten Jahrhundert verlor sich der Name
Landsknechte, weil fortan nicht mehr blo der Knecht, der Angehrige des
Landes, sondern Volk aller Nationen den Bestand der Sldnerheere
ausmachte.

Zu seiner hchsten Blthe gelangte dieses Sldnerwesen im
dreiigjhrigen Kriege, wo der Auswurf von ganz Europa gegen guten Lohn
und reiche Beute Deutschland verwstete. Auer denen, welche ein anderes
Handwerk nicht gelernt hatten, zogen auch viele freiledige Pursche der
Werbetrommel nach; die bisher ein solches betrieben, muthige und unntze
Handwerksgesellen und anderes Gesindel, fr welches sonst kein Platz in
der Welt war, fanden freudiges Willkommen bei Feldwebeln und
Hauptleuten. Dem armen Bauernvolke, wenn es von Freund und Feind rein
ausgesogen worden, blieb oft schon in den ersten Jahren des Krieges
nichts brig, als die Pflugschaar in den Sbel zu verwandeln und, selbst
ruinirt, Andere ruiniren zu helfen. Es ist allgemein bekannt, da
Wallenstein sich fr unfhig erklrte, ein Heer von 20,000 Mann
anzuwerben, da er aber statt ihrer innerhalb dreier Monate 40,000 Mann
auf die Beine brachte, weil, wie er bemerkte, sich diese durch Beute und
Plndern selbst ernhren knnten. Bis auf 100,000 Kpfe schwoll dieses
Heer an und mute von den Landschaften, durch deren Gebiete es zog,
unterhalten werden. Wenn die Schweden unter Gustav Adolph sich anfangs
durch bessere Mannszucht, grere Sittlichkeit und eine hhere taktische
Bildung auszeichneten, so verloren sie diese Vorzge doch bald nach dem
Tode des Knigs, denn in der zweiten Hlfte des Krieges zhlten sie
ebensoviel verlaufenes und ruchloses Volk in ihren Armeen, als die
Kaiserlichen.

Vom dreiigjhrigen Kriege datirt fr das ganze damalige Europa der
Umschwung in seiner Heeresverfassung; aus ihm heraus bildeten sich die
bisherigen _nur fr einen Feldzug_ angeworbenen Sldnerschaaren zu den
auf _lngere Zeit_ geworbenen, darum _stehenden Heeren_ um. Zwar waren
diese schon damals vereinzelt vorgekommen. Im Osten Europas traten die
Janitscharen des gegen den Westen vordringenden trkischen Reiches als
die ersten stehenden Truppen auf. Im Norden hatte unter den
tonangebenden Mchten Gustav Adolph das erste stehende Heer, und
Schweden sowohl, als Trken zeigten sich durch diese Einrichtung
denjenigen Staaten bedeutend berlegen, die mit ihren auf nur einen
Feldzug angeworbenen Sldnern fochten. Allein erst in Folge des
dreiigjhrigen Krieges wurden die _stehenden Heere_ zu einer
bestndigen Staatseinrichtung; die politischen Verhltnisse frderten
ganz ungemein ihre allmlige Verbreitung, und namentlich bediente sich
ihrer das vom Ausland in seinen Anmaungen gegen Kaiser und Reich
untersttzte Territorialfrstenthum zur Befestigung und Erweiterung
seiner Macht.

Es ist jene traurige Periode, welche um die Mitte des siebenzehnten
Jahrhunderts beginnend, mit dem Ende des achtzehnten schliet und die
Entwicklung und Blthe des Landesvaterthums bezeichnet. Der
dreiigjhrige Krieg hatte die nationale Kraft unsres Volkes gebrochen;
sein mittelalterlicher Reichthum, seine persnliche und staatliche
Selbstndigkeit und sein reiches glnzendes Leben waren in Gruel und
Blut erstickt. Der Krieg hatte den deutschen Mittel- und Brgerstand und
damit die Energie der Nation wenn nicht vernichtet, so doch auf
Jahrhunderte hinaus geknickt und lahmgelegt. Es trat zunchst eine
allgemeine Zersetzung und erst allmlich ein Umbildungsproze unsres
brgerlichen und ffentlichen Lebens ein. Die politische Auflsung der
Nation prgte sich erschreckend und deutlich in der tglich
unbeschrnkter und frecher auftretenden Viel- und Kleinstaaterei aus.
Der Kleinstaat wurde zur individuellen Form und zum unverhllten
Ausdruck des deutschen politischen Elends. In unserer Nation hatte seit
uralten Zeiten der Einzelne, das Individuum immer Alles gelten, immer
selbstherrlich sein wollen. Jetzt aber war es die Nemesis der
Geschichte, da diese Tausende und Millionen von Selbstherrlichkeiten
heruntergehetzt wurden zu macht-, recht- und willenlosen
Menschenleibern, um als Waare auf dem Weltmarkte feilgeboten zu werden.
Dieses Schicksal traf den Bauer wie den Brger, den Adligen wie den
Frsten, den Einzelnen wie die Staaten, nur nicht zu gleicher Zeit und
nur jeden in seiner Art. Das Ende aber war der allgemeine Zusammensturz.
Aus den Ueberresten der verarmten, heruntergekommenen Bevlkerung wurde
der gehorsame, in sein Schicksal ergebene und duldende Unterthan
dressirt; der Staat war nichts als eine Domaine, welcher die Mittel fr
die Saturnalien und das bon plaisir des Landesherrn liefern mute. Und
wie klein, wie jmmerlich war dieses Landesvaterthum mit seinem
Egoismus! Es gab kein Band politischer Macht und Einheit, welches, wie
in Frankreich, Herrscher und Beherrschte verknpft und dem Auslande
geachtet und gefrchtet gegenbergestellt htte. Das Land war in eine
Unzahl kleiner Souverainitten zersplittert und das Volk kam nur als
Gegenstand des Seelen- und Quadratmeilen-Schachers in Betracht. Die
rohen, unwissenden und habschtigen Territorialherren hielten durch ihre
unsinnige und engherzige Politik, sowie durch ihre nationalkonomischen
Verkehrtheiten das an sich so reiche Land in bestndiger materieller
Erschpfung und schnitten ihm jede Gelegenheit zur Entwicklung seiner
Hlfsquellen ab. Je rmer und abhngiger das Volk, desto leichter ist es
zu beherrschen, desto eher kann der Herr von Gottes Gnaden als ein Wesen
hherer Art gelten, desto stolzer ragen also auch aus dem allgemeinen
Schiffbruch die briggebliebenen frstlichen Spitzen hervor. Durch die
Waffen und durch das Bndni mit Fremden gegen Kaiser und Reich hatten
sie ihre Stellung gewonnen; durch dieselben Mittel mute diese erhalten
und erweitert werden: das stehende Heer lieferte ihnen zunchst die
Mittel zur Behauptung und Befestigung ihres Territorialbesitzes und zur
Geltendmachung der ihnen vom westflischen Frieden garantirten
Souverainitt.

Die neue Praxis schlich sich um so leichter und unbemerkbarer ins Leben
ein, als seit Jahrhunderten schon Einzelne sich als Soldaten vermiethet
hatten und als die Frsten jetzt nur zu befehlen brauchten, was frher
blos als ein freiwilliger Akt geleistet worden war. Dazu kam, da seit
der Krieg zu einem regelmigen Handwerk ausgebildet worden, diese
Sldner eine nie aussterbende Klasse von Abenteurern, Landstreichern und
gar Rubern ausmachten, die nach jedem Friedensschlusse ihrer Heimath
wieder zur Last fielen und ihren verderblichen Einflu auf die
heranwachsenden Geschlechter ausdehnten. Es war also zunchst eine
Wohlthat fr das Land, wenn diese ruchlosen Banden durch die stehenden
Heere mglichst unschdlich gemacht wurden. Uebrigens wrde die neue
Einrichtung trotzdem nicht sobald festen Fu gefat haben, wenn sie
nicht gleich im Anfange auch andere wesentliche Vortheile gewhrt htte.
Sie brachte Ordnung in die Finanzen und sicherte die Ruhe whrend des
Friedens. Sie schien also den Interessen der Unterthanen und Frsten zu
entsprechen; in der That aber hatten diese den wesentlichen Nutzen, jene
aber nur neue Lasten davon. Der verarmte, ausschlielich mit seinen
nchsten Sorgen beschftigte Brger lie sich leicht einreden, da ihm
mit der Einrichtung der stehenden Heere, die ihn in seinem friedlichen
Erwerbe schtzen wrden, eine groe Last von den Schultern genommen
werde. Die Frsten selbst erhielten durch die stehenden Heere eine kaum
berechenbare Machtverstrkung. Ihre eigenen Mittel reichten selten aus,
eine nur halbwegs respektable Streitmacht ins Feld zu stellen; zu einem
ordentlichen Kriegszug muten sie sich von den Stnden Geld bewilligen
lassen. Erlangte nun der Territorialherr das Recht, ein stehendes Heer
zu halten, so konnte und mute er dafr auch feste Steuern einziehen,
wodurch er eine unendlich gesteigerte Verfgung ber die Steuerkraft des
Landes gewann. Dann aber gehrte ihm das Heer unbedingt, und es lie
sich damit jeder Widerspruch der eigenen Unterthanen zum Schweigen
bringen.

Es dauerte nicht lange, so erklrte der Frst das ganze Land fr sein
Eigenthum, mit dem er nach Belieben schalten und walten knne; er
verlangte unbedingten Gehorsam und hob zuletzt jeden jungen Mann, der
ihm zusagte, fr Lebenszeit zum Kriegsdienste aus. Dahin ward die alte
Heerbannpflicht verkehrt, welche mit Recht jeden freien Brger zur
Fhrung der Waffen fr das allgemeine Beste, fr den Staat
verpflichtete. Jetzt war die frstliche Domaine das allgemeine Beste,
der Staat geworden, und an die Stelle jener politischen und sittlichen
Pflicht trat die polizeilich brutale Pressung, die Aushebung der
Landeskinder, mit welcher die freie Werbung der Fremden Hand in Hand
ging. Das Landeskind war zwar billiger als der Fremde und einmal gehrig
dressirt, auch fr die Zukunft brauchbarer; allein der Fremde konnte
nicht leicht entbehrt werden, weil die blos auf die Unterthanen
beschrnkte Werbung das Land leicht entvlkert htte. Zudem gab es
gewisse Exemtionen fr die Vermgenden oder sozial oder amtlich hher
Gestellten. Die Last der Dienstpflicht ruhte ausschlielich auf den
Aermeren, den Bauern und den Ungebildeten. Uebrigens dauerte es noch
geraume Zeit, ehe die Regierenden es wagten, jeden Mann aus dem Volke zu
langjhriger Dienstpflicht heranzuziehen. Montecuculi, welcher zuerst
den Habsburgern die Einfhrung stehender Heere klar zu machen trachtete,
suchte mit hchster Sorgfalt nach Individuen, die man wohl zum
Kriegsdienste verpflichten knne, ohne dadurch eigentlich individuelle
Rechte zu verletzen und die Steuerkraft des Landes zu beeintrchtigen.
Die Brutalitt in der Rekrutirung stehender Heere wagte sich nur
schrittweise heraus; Deutschland wurde erst allmlich in kaum
scheinbaren Uebergngen das Jagdrevier, auf welchem die frstlichen
Jger ihre Werbehunde auf das tglich wehrloser werdende Volk loslieen.

Es ist vor Allem fr das richtige Verstndni der hier in Betracht
kommenden Epoche unerllich, sich diesen verhltnimig neuen Ursprung
der stehenden Heere und der damit verbundenen Mibruche zu
vergegenwrtigen, umsomehr, da die Vertheidiger des kleinstaatlichen
Gottesgnadenthums thun, als ob die Welt diese durchaus neue Einrichtung
seit Jahrtausenden nicht anders gekannt habe und als ob nur die
ungemthliche Gegenwart ihre hohen Segnungen nicht zu wrdigen vermge.
Es sei also gleich hier darauf hingewiesen, da kaum die Grovter und
Urgrovter derselben Frsten, welche den Soldatenhandel nach Amerika
getrieben, es zu stehenden Heeren gebracht hatten, und da das
historische Recht, welches im Munde ihrer Vertheidiger die einzige
Entschuldigung fr jenen Unfug bildet, statt keinen Datum nicht zu
haben so modernen Ursprungs ist, da man Jahr und Tag seiner
Entstehung genau nachrechnen kann. Der lteste hessische
Subsidienvertrag mit einem auswrtigen Frsten ward 1676 vom Landgrafen
Karl mit Knig Christian V. von Dnemark, also gerade hundert Jahre vor
der uns beschftigenden Zeit abgeschlossen. Der lteste Vertrag
berhaupt, mittelst dessen deutsche Truppen in einer fr sie ganz
fremden Welt, an der uersten Grnze Europa's gegen baare Bezahlung
verwandt wurden, war der schsische von 1685, in welchem Jahre der
Kurfrst Johann Georg III. dreitausend schsische Soldaten um 120,000
Thaler auf zwei Jahre an die Republik Venedig verhandelte. Diese
schickte sie gegen die Trken nach Morea hinber, wo whrend der
Feldzge 1685 und 1686 die meisten von ihnen elend zu Grunde gingen. Die
Wenigsten fielen auf dem Schlachtfelde; die Meisten erlagen der Pest und
rothen Ruhr, und nur 761 von den ausmarschirten 3000 Mann kehrten im
August 1687 in die Heimath zurck.

Die Ausbildung der stehenden Heere begann mit dem Ende des siebenzehnten
und vollendete sich im Laufe des achtzehnten Jahrhunderts. Ludwig XIV.,
der fr jeden kleinen deutschen Zaunknig bald das leuchtende Vorbild
staatsmnnischer Hoheit wurde, bediente sich der kleineren Frsten gern
gegen Kaiser und Reich, und lie es sich groe Summen kosten, um bei
seinen gegen Deutschland gerichteten Plnen ihrer Mithlfe sicher zu
sein. Diese fremde Bundesgenossenschaft wurde auch fr die anfnglich
nicht bei ihr Betheiligten bald sehr eintrglich, denn sie hatte
zugleich den Vortheil, da sie gute Angebote aus der Heimath
verschaffte. Die Subsidien der fremden und einheimischen Mchte
schmeckten vortrefflich. Das Subsidienwesen stand dehalb auch schon zu
Anfang des letzten Drittels des siebenzehnten Jahrhunderts in voller
Blthe. Als Grohndler unter seinen zahlreichen frstlichen
Konkurrenten ragt an der Schwelle dieser Periode der kriegerische
Bischof von Mnster, Bernhard von Galen (1650-1678), hervor, ein
Autokrat von nicht gewhnlichen Gaben, aber mit uerst beschrnkten
Mitteln. In dem kurzen Zeitraum von zwlf Jahren (1665-1677) vermiethete
er gegen entsprechende Subsidien seine aus allen Weltgegenden
zusammengetriebene 6000-8000 Mann zuerst an England, dann an Frankreich,
ferner an den Kaiser, darauf an Spanien und endlich an Dnemark, blieb
aber am lngsten der Vasall und Kunde Frankreich's.

Um also ihre Einknfte zu vergrern und ihr Ansehen unter ihres
Gleichen zu erhhen, vermietheten die Landesvter ihre Soldaten gern
gegen reichliche entsprechende Bezahlung an den Meistbietenden. Was
kmmerte es sie, wenn ihr ruchloses Thun Deutschland zu einem
Menschenmarkte erniedrigte, wo gegen Geld und gute Worte immer Soldaten
zu haben waren? Ueber solche, hchstens der Kanaille verzeihliche
Vorurtheile, wie Vaterlandsliebe und das Gefhl politischer Wrde war
die Mehrzahl der Lenker deutschen Geschickes oder vielmehr Migeschickes
vom dreiigjhrigen Kriege an bis auf die franzsische Revolution
erhaben.

Wer nicht genug Truppen hatte, um einen eintrglichen Handel damit zu
treiben, hielt sich wenigstens ein stehendes Heer, das oft freilich
nur aus einer Handvoll Leute bestand. Whrend es im achtzehnten
Jahrhundert kein oder im besten Falle ein erbrmliches Reichsheer gab,
weil seine Aufstellung lediglich vom guten Willen der einzelnen
Reichsfrsten abhing, hatte jeder kleine Reichsgraf oder Reichsfrst,
das vom grand Louis gegebene Beispiel ngstlich nachahmend, seine
Trabanten, Hatschiere, Schweizer-Garden, Musketiere, Gardes du Corps und
Gensdarmen, und wenn auch nicht alle diese Waffengattungen in
Wirklichkeit existirten, so erzeugten doch die fr dieselben Soldaten
vorhandenen verschiedenen Uniformen den Schein der Wirklichkeit. So
hielt -- um hier aus den tausend Lcherlichkeiten nur ein paar
herauszugreifen -- der Landgraf von Hessen ein Dutzend Haiducken,
mehrere lange Kammerhusaren und Leibjger. Diese Leute steckten whrend
des Exerzierens in der Montur des ersten Bataillons Garde und formirten
das erste Glied der Leibkompagnie whrend des Vormittags, des
Nachmittags aber erschienen sie wieder in der Hoflivree, warteten an der
Tafel auf oder standen auf der Kutsche. Der Herzog Karl Eugen von
Wrtemberg hatte noch 1782 zwei Kavallerieregimenter, das
Grenadierregiment zu Pferde, v. Phull, von dessen 150 Mann keiner
beritten war, whrend vom Husarenregiment v. Bouwinghausen, das 250 Mann
stark war, 50 beritten waren. Ein anderer kleiner Frst -- kaum wird man
die Sache glauben, und doch ist sie wahr -- hielt 50 Mann
Leibgrenadiere, welche, um grer zu erscheinen, alle hohe Abstze
tragen muten und eine Zeit lang nur zwei Grenadier-Brenmtzen hatten,
welche die beiden Schildwachen an dem Portal des Schlosses immer den sie
Ablsenden berlieferten und gegen die Zuckerhte (Blechkappen)
austauschen muten. Noch Einer gab seiner Garde drei verschiedene
Monturen: als Grenadiere, Kuirassiere und Jger, in welchen sie
abwechselnd erscheinen muten. Ein Dritter hielt einige Regimenter
unberittener Dragoner, welche dann und wann die Kavallerie-Evolutionen
zu Fu machen muten und _wobei ihnen whrend des Chocks erlaubt war,
gleich den Pferden zu wiehern_.

Die greren Frsten brachten es aber bald dahin, da es von Ruland bis
Spanien, von den Niederlanden bis zur Trkei kaum einen Feldzug und eine
Schlacht mehr gab, in welcher deutsche Hlfstruppen und Soldaten sich
durch ihre Roheit und Beutegier, ihren Ungestm und ihre
Unverwstlichkeit nicht hervorthaten. In der Regel wurden die Heere des
achtzehnten Jahrhunderts durch Werbung zusammengebracht und ergnzt; nur
Friedrich Wilhelm I. von Preuen hatte durch die Eintheilung seines
Landes in abgegrnzte Kantone, aus welchen seine Regimenter ihre
Rekruten bezogen, eine gewisse territoriale Grundlage fr seine Armee
geschaffen. Den Hauptkern derselben bildete aber auch hier das
angeworbene Volk. Die Werbeoffiziere trieben sich vorzugsweise in den
geistlichen Frstenthmern, den freien Stdten, an den Grnzen
verschiedener Staaten und in den kleineren Territorien herum. Wie wenig
brigens ein solcher Beruf als unehrenvoll galt, mag der folgende Auszug
aus einem Brief zeigen, welchen der als Preuischer Major bei Kunersdorf
rhmlich gefallene Dichter des Frhlings, Ewald v. Kleist, am 12. Juli
1752 an seinen Freund Gleim schrieb. Wenn Sie, heit es dort, im
Zerbstischen, Schsischen und Braunschweigischen oder anderen Orten, wo
sie oft hinkommen, etwa groe Leute antreffen sollten, die freiwillig
und vor Handgeld Dienste nehmen wollen, so engagiren Sie sie doch vor
mich; ich will sie gut halten und sie sollen gar nicht unglcklich durch
mich werden, nur den Abschied kann ich ihnen nicht geben; doch wenn ihre
Kapitulationsjahre um sind, sollen sie auf's Neue Handgeld haben, nebst
einer neuen Kapitulation. Ersuchen Sie doch zum Spa Ihre
braunschweigischen Freunde auch, da sie vor mich werben, wiewohl mir
dieses nicht ganz Spa ist. Der Zufall kann einem zuweilen einen Goliath
zufhren, der Lust zum Dienen hat, und dem noch ein Gefallen damit
geschieht, wenn man ihm Dienste schafft. Ich will zur Vergeltung fr Sie
und Ihre Freunde bei Gelegenheit Mdchen werben, in welcher Werbung ich
glaube Praktik zu haben.

Da die Bande, welche die geworbenen Soldaten an ihre Kriegsherren
knpften, vorzugsweise von der List und Gewalt geknpft waren, also
stets locker blieben, so entschied lediglich der persnliche Vortheil
fr ihr Bleiben und Gehen. Aus diesem Grunde tritt gewhnlich die ganze
Besatzung einer Festung oder ein groer Theil derselben, nachdem sie
kapitulirt, in die Reihen der Sieger. Die Befehlshaber aufgelster Heere
trieben frmliche Spekulation mit kriegerischen Haufen und suchten durch
allerlei Kunstgriffe die hchst mglichen Preise fr ihre Waare zu
erhalten. In der Regel bildeten darum auch die stehenden Heere des
achtzehnten Jahrhunderts die Sammelpunkte des verworfensten Gesindels,
das man sich nur denken kann. Es fehlte ihnen jedes nationale Element,
jeder moralische Halt, und es galt als das grte Unglck fr einen nur
halbwegs anstndigen Menschen, dem Kalbfell folgen zu mssen. Die
Behandlung des Soldaten war roh, die Bestrafung barbarisch, jedes
Ehrgefhl wurde methodisch in ihm erstickt. Der Gemeine wurde vom
Offizier, wie heute noch in England und den Vereinigten Staaten,
verachtet, mihandelt und durch eine unbersteigliche Kluft getrennt.
Die Offiziersstellen wurden fast ausschlielich vom Adel bekleidet, wenn
man die heruntergekommenen, verarmten und dadurch von den herrschenden
Dynasten abhngig gewordenen Junker berhaupt Adel nennen darf. Er fand
in dem Heere Ansehen, Ehre und Geld und konnte die verlorengegangenen
Herrenrechte an den armen Soldaten im hchsten Mae ausben. Natrlich
war bei einem solchen Stoffe an individuelle Bethtigung des einzelnen
Soldaten nicht zu denken. Dieses dnkelhafte System, welches nur durch
Ehre und Ruhm fr die Befehlenden, aber durch Zwang und Furcht fr die
Befohlenen zusammengehalten wurde, fand auch uerlich in der
Lineartaktik seinen Ausdruck und galt namentlich, seit es sich in der
schpferischen Hand eines Genies, wie Friedrich des Groen bewhrt
hatte, als das hchste Ideal eines Heerwesens, bis es zuerst in der
amerikanischen Revolution den unordentlichen Massen schlecht
ausgersteter und noch schlechter eingebter Brger und Bauern unterlag
und schlielich bei Jena einen schmhlichen Bankerott erlitt.

Das letzte Drittel des vorigen Jahrhunderts, oder vielmehr die Zeit vom
Hubertusburger Frieden bis zur ebengenannten Schlacht bei Jena
entwickelte dieses grausame und geistlose Kamaschenthum -- denn etwas
anderes war die damalige Heeresorganisation nicht -- zu seiner hchsten
Blthe, und gerade die Werbungen fr die nach Amerika bestimmten Truppen
offenbarten schroffer als je zuvor oder spter die Nichtswrdigkeit des
Systems mit allen seinen Auswchsen und Hrten. Es wrde heut zu Tage
kaum noch mglich sein, sich einen nur annhernden Begriff von der
Erhaltung und Vervollstndigung der damaligen stehenden Heere zu machen,
wenn es nicht eine bndereiche Literatur ber die Rekrutenwerbung und
die damit zusammenhngenden Dienstzweige gbe.

Es ist zum Verstndni der uns beschftigenden Epoche unerllich,
wenigstens einen flchtigen Blick in diesen nichtswrdigen gedruckten
Schund zu werfen, der trotz seiner reichen Beitrge zur Erkenntni der
damaligen Zeit dem Kulturhistoriker, wie es scheint, kaum dem Namen nach
bekannt geworden ist. Das Schinderhannesthum, auf Seiten der
herrschenden Mchte in System und Ordnung gebracht, starrt uns aus
diesen vergilbten Scharteken entgegen, die namentlich seit Mitte des
vorigen Jahrhunderts zu jeder Ostermesse dutzendweise in Deutschland
erschienen und vorzugsweise junge auf Befrderung hoffende Lieutenants
zu Verfassern hatten.

Zum Beweise dessen mgen dienen: Briefe des Herrn v.S., worin derselbe
seinem in C. zurckgelassenen Freunde verschiedene Werbehistrchen nebst
einigen seiner eigenen Begebenheiten bis zu seiner Vermhlung vor Augen
legt. Leipzig 1765, bei Johann Gottlob Rothen, Buchhndler in
Kopenhagen. Herr v.S. ist einer jener zahlreichen und gewissenlosen
Werbeoffiziere, welche von den Soldaten bedrftigen deutschen und selbst
auswrtigen Staaten, z.B. England, in jeder gnstig gelegenen, greren
Stadt unterhalten wurden und die Aufgabe hatten, mit List und Gewalt,
Versprechungen und Geld, Wein und schnen Kleidern arme Teufel und
leichtsinnige oder arglose junge Menschen als Soldaten anzulocken. Der
Hauptheld dieser Werbehistrchen ist der Bursche des Herrn v.S., ein
gewisser Schwarz, den sein Herr nicht mde wird, als ein Muster von
Schlauheit, Verschmitztheit und Frechheit zu preisen. Der tugendhafte
Schwarz bethrt mit den gewhnlichen Mitteln seine Opfer in den
Wirthshusern, entfhrt wohlqualifizirte Subjekte mit Gewalt oder
verkleidet sich selbst in einen Handwerksburschen und lt sich von
einem nichts Bses ahnenden, neben ihm sitzenden Schustergesellen an
einen Werbeunteroffizier, der im Geheimni ist, verkaufen, worauf dann
Schwarz das Heft umkehrt und seine Beute desto sicherer packt. Natrlich
jubelt Herr v.S. ber den reichen Fang und schafft ihn, von seinem
Vorgesetzten ob seines Diensteifers und Erfolges belobt, rasch nach der
Garnison. Ein ander Mal beraubt Schwarz gemeinschaftlich mit zwei
Unteroffizieren einen Handlungsdiener, dem von ihnen die Wahl zwischen
Soldatwerden und Auslieferung seines Beutels gelassen wurde, um hundert
Dukaten und andere Kostbarkeiten. Der Kaufmann beschwerte sich bei Herrn
v.S. Was thut dieser? Er gerth in solche Wuth, da er seinen an der
Wand hngenden Degen ergreift und den herbeigerufenen, ihres Verbrechens
gestndigen Unteroffizieren einige zwanzig Hiebe aufzhlt. Weil man
aber -- erzhlt Herr v.S. mit Selbstgefhl -- berdies in's Geheim von
einer gewaltsamen Entfhrung des Tanzmeisters zu zischeln anfing,
Lucinde (die Maitresse) mir auch bestndig in Ohren lag, und durch die
Begebenheit mit dem Kaufmannsdiener meine eigene Gefahr zu blhen
anfing, so entschlo ich mich, ohne Abschied zu nehmen, aus der Stadt zu
gehen, und fuhr den dritten Tag mit Lucinden, meinem Kutscher und
Schwarz, der mir ein ander Mal klger zu werden und bessere Vorsicht zu
gebrauchen angelobet, nach M. zu dem Regimente.

So weit Herr v.S. Ein gewhnlicher Mensch, der nicht adliger
Werbeoffizier gewesen wre, wrde, wenn er sich wie Schwarz und Herr
v.S. bei hnlichen zur Nacheiferung empfohlenen Heldenthaten htte
ertappen lassen, sein Leben lang in die Eisen gekommen sein; aber Herr
v.S. ist Kavalier und wirkt als solcher fr den allerhchsten Dienst.
Folgen wir nun dem in Schwarzischer oder Herr v.S.'scher Weise
gestohlenen Rekruten an seinen Bestimmungsort, und lassen wir uns ber
seinen Transport dahin amtlich unterweisen. Wir finden diese Belehrung
in dem Werke: Unterricht fr die Kniglich Preuische Infanterie im
Dienste der Garnison, auf Werbungen und im Felde. Berlin, in der
Himburgischen Buchhandlung 1805. Dieses Buch, welches also wohlgemerkt,
gerade ein Jahr vor der Schlacht von Jena erschien, ist ein merkwrdiges
Zeichen von der erstaunlich raffinirten Schrfe, zu welcher sich der
preuische Dienst damals ausgebildet hatte, aber auch von der ganzen
herzlosen Grausamkeit, deren ein gemeiner, auf schnelle Befrderung im
allerhchsten Dienste sinnender Norddeutscher fhig ist. Da heit es im
vierzehnten Kapitel vom Transport der Rekruten wrtlich: Der
Unteroffizier mu auer einem guten Seitengewehr auf dem Transporte
stets ein Terzerol bei sich fhren; er mu den Rekruten nie hinter,
sondern immer vor sich gehen, ihn nie nahe auf den Leib lassen, und ihn
bedeuten, da der erste falsche Tritt, den er thut, ihm das Leben
koste. Er mu beim Transport das Gebiet des Landes vermeiden, wo der
Rekrute gedient hat, oder auch manchmahl, und unter gewissen Umstnden
sogar, aus dem er gebrtig ist.

Er mu das Transportiren durch groe Stdte und lebhafte Ortschaften,
wo mglich, vermeiden. Des Nachts mu er solche Wirthshuser zum
Quartier whlen, wo er und andere Werber seiner Macht immer einkehren,
und wo der Wirth auf seiner Seite ist. In dem Nachtquartier selbst mu
er die mglichste Vorsicht zur Erhaltung des Rekruten anwenden,
demselben sich ganz auszuziehen und niederzulegen befehlen, dessen, so
wie seine eigene Kleider dem Wirth in Verwahrung geben, und sich neben
ihn, vorne nach der Thre zu, hinlegen. Beim Transport mu er nicht
erlauben, da der Rekrute sich sehr umsehe, stehen bleibe, noch weniger
sich mit Reisenden und besonders gar nicht in einer fremden Sprache
unterhalte. Er mu den Rekruten auf dem Transport so lenken, wie man mit
dem Zgel ein Gespann lenkt; die Worte: Halt, Marsch, Langsam,
Geschwinde, Rechts, Links, Geradeaus mssen von dem Rekruten auf dem
Fleck befolgt werden, sonst ist dies schon ein bles Omen, und des
Unteroffiziers Autoritt ist verletzt.

Nie mu der Unteroffizier da einkehren, wo es dem Rekruten etwa zu
frhstcken beliebt, sondern wo er zu diesem Behuf einmahl fr allemahl
einkehrt.

In solchen Wirthshusern, wo der Transport zu Nacht bleibt, mu eine
eigene, fr die Werber und Rekruten bestimmte Gaststube sein, die,
womglich in einem Oberstock ist und deren Fenster mit eisern Gittern
versehen sind. Nachts mu kein Rekrute aus der Stube zu gehen genthigt
sein, sondern ein Nachtgeschirr zu beiderlei Bedrfnissen sich im Zimmer
befinden.

Die ganze Nacht mu eine Lampe im Zimmer brennen und neben selbiger ein
unangezndetes Licht stehen. Der Unteroffizier mu seine Waffen dem
Wirth Abends bergeben, damit nicht der Rekrute gegen ihn, in der Nacht
davon Gebrauch macht. Morgens mu er sie sich wiedergeben lassen, sie
nachsehen, frisch laden, oder wenigstens frisch Pulver aufschtten, sich
anziehen, reisefertig machen, und dann erst den Rekruten aufstehen
heien, und ihm seine Kleider zum Anziehen wiedergeben. Beim Hineingehen
in ein Wirthshaus und Stube mu der Rekrute der erste, beim Herausgehen
der letzte sein; im Wirthshause selbst mu der Werber vor, der Rekrute
hinter dem Tische sitzen. Hat der Rekrute eine Frau mit, so mu der
Werber seine Aufmerksamkeit verdoppeln, die Frau mu auf dem Marsche vor
dem Manne, niemahls aber hinter demselben, oder gar hinter dem Werber
gehen.

Sie mu eben so denen Commando-Wrtern auf dem Marsche gehorchen als
der Mann, ebenso in den Nachtquartieren beobachtet werden, sich eben so
unterwegens, wenn der Unteroffizier zu frhstcken wo einkehrt, wie der
Mann hinter den Tisch setzen, eben so des Nachts nicht das Zimmer
verlassen. Da ein transportirter Rekrute whrend seines Transportes
keine Feder anrhren, keine Briefe schreiben, keine Schreibtafel sich
halten, selbst keine Bleifeder nicht bekommen darf, ist natrlich, so
wie da man dem Rekruten und seiner Frau vor dem Antritt des Transports,
alle gefhrliche Waffen, Terzerols, groe Messer u.s.w. abnehmen mu und
whrend dem Transport nicht erlauben darf, da der Rekrute so wenig wie
seine Frau, einen Stock, Knppel oder Stab tragen darf.

Auch mu es dem Rekruten nicht erlaubt sein, seine Frau vom Transport
oder Nachtquartier ab, wohin zu schicken, mit selbiger eine fremde
Sprache zu reden, oder ein sachtes Gesprch zu fhren. Alles dies mu
nicht statt finden und berhaupt der Unteroffizier auf alle
Vorsichtsmaregeln beim Transport denken, auf alle Handlungen und Worte
des Rekruten Acht geben und darber seine Ueberlegungen anstellen. Ist
der Rekrut nur irgend zweideutig, so mu er sich auf Befehl des
Unteroffiziers, die Hosenriemen entzwei-, die Hosenknpfe abschneiden
und die Hosen in der Hand tragen.

Hat er aber vollends einen Versuch gemacht, zu echappiren, so mu er
ohne Gnade geschlossen, oder ihm die Daumschrauben angelegt werden. Es
ist schon bel, wenn es der Unteroffizier dahin kommen lt, von seinem
Gewehr Gebrauch zu machen, und den Rekruten blessiren oder tdten zu
mssen.

Bei sehr schnen, scheinbar resoluten, den Unteroffizier an Krften
berwiegenden Rekruten wird der Offizier gewi so vorsichtig und billig
sein und zu dessen Transport zwei Unteroffiziere geben. Ueberhaupt ist
es, wenn es nur irgend angeht, immer besser, wenn einige Rekruten
zusammen transportirt werden, damit mit Recht bald ein paar
Unteroffiziere mit auf den Transport knnen gegeben werden. Es ist wegen
Krankheitsfllen, Nachtwachen, wechselseitiger krperlicher
Untersttzung, Ueberlegung und Berathschlagung, wo Seelenkrfte wirken
mssen, wegen Aufmerksamkeit und Vorsichtsmaregeln, kurz, wegen aller
mglichen auf dem Transport zu beobachtenden und vorkommenden Ereignisse
besser, wenn, selbst bei unproportionirten Verhltnissen der Rekruten zu
den Transportirenden, einige Unteroffiziers beisammen sind. So schwer,
wie es bei gehrigem Diensteifer, wenn sich der Unteroffizier nicht
auf's Glck verlassen will, es demselben wird, einen einzigen Rekruten
allein zu transportiren, so knnen zwei Unteroffiziere doch schon drei
bis vier Rekruten, mit wenigerer Gefahr, drei Unteroffiziere mit noch
weniger Risiquo sieben bis hchstens neun Rekruten transportiren.

Allein, da ein Unteroffizier zwei Rekruten transportirt, mu nie der
Fall sein. Macht die grte Noth diesen Fall unvermeidlich, so ist dies
schon traurig und fr den Offizier sowohl wie den armen Koporal ohne
Grenzen risquant. Wenn es platterdings unmglich ist, da der Offizier
die Rekruten, bis der Transport strker wird, bei sich behalten kann und
deren Absendung durchaus nothwendig ist, so mu der Offizier in diesem
Falle Jemand dingen, der dem Unteroffizier transportiren hilft. Es ist
besser auf Vorsichtsmaregeln einige Ausgaben zu verwenden, als die
Rekruten einzuben, und das Leben des Unteroffiziers unvermeidlicher
Gefahr auszusetzen. So wie dem Offizier, um so mehr noch dem
Unteroffizier ist ein tchtiger Hund uerst ntzlich. Nur mu derselbe
gehrig abgerichtet sein, keinen Stock in der Hand eines Rekruten
leiden, sowie sich derselbe in der Nacht rhrt, oder aufsteht,
anschlagen und seinen Herrn wecken, auf dem Marsche den Rekruten, wenn
er aus dem Wege herausgeht, wieder in den Weg treiben; fngt der Rekrute
an zu springen, denselben packen und nur auf seines Herrn Wort wieder
loslassen, nicht leidend, da der Rekrute etwas von der Erde aufnehme
und lauter Knste knnen, die auf das bessere Transportiren des Rekruten
abzwecken und dem Unteroffizier den Dienst erleichtern.

Mancher Rekrute -- heit es am Schlusse nach Aufzhlung verschiedener
Arten von Befreiungsversuchen -- sucht dadurch seine Befreiung zu
erlangen, da er an einem Orte, wo viele Menschen versammelt sind, oder
beim Durchgange durch eine Stadt, ber Gewalt oder ungerechte Anwerbung
schrie. Hier mu der Unteroffizier den Schutz der Obrigkeit erheischen,
und wird selbigen auch nach Vorzeigung seines Werbepasses und der von
Zeugen unterschriebenen Capitulation des Soldaten gewi erhalten. Der
Unteroffizier mit einem Wort mu sich nicht irre machen lassen, sich
nicht das Herz abkaufen lassen, niemahls die Gegenwart des Geistes
verlieren oder wohl gar unentschlossen handeln, welches noch schlimmer
ist, als wenn er unrecht handelt. Versucht der Rekrute, unternimmt er
nur das mindeste, so mu er geschlossen werden. Alle Kosten, die der
Rekrute durch Desertions-Anschlge nthig macht, mu er selbst tragen,
und kann ihm der Unteroffizier bis zu seiner Ablieferung das Handgeld
abnehmen. Von jedem, in einem Orte vorgefallenen Exzesso, von jeder
Maregel, die der Unteroffizier zu nehmen gezwungen ward, mu er sich,
um sich bei seinem Offizier auszuweisen, von der Ortsbehrde ein Attest
geben lassen.

Besonders mu dies geschehen, wenn der Unteroffizier in die traurige
Nothwendigkeit gesetzt ward, den Rekruten zu schieen, mag er ihn nun
entweder blessirt, oder getdtet haben. Der Fall, da ein Rekrute dem
Unteroffizier entkomme oder entwische, wird garnicht als denkbar, also
auch nicht zu attestiren angenommen.

Endlich ist der Rekrute glcklich eingebracht und wird zum Soldaten
gestoen, gemihandelt und geprgelt: eine gebrochene Existenz, wenn er
noch einen Funken Selbstgefhl in sich bewahrt hat, oder eine willenlose
Maschine, wenn er sich in seine neue Lage findet und pnktlich Ordre
parirt. Denn der Dienst wurde mit barbarischer Strenge und pedantischer
Gewissenhaftigkeit, namentlich in den auf preuischem Fu eingerichteten
Heeren ausgefhrt. Es ist eine trostlose Sache, sich die Gefhle zu
vergegenwrtigen, welche in Tausenden der gepreten Opfer gearbeitet
haben, vernichtete Hoffnungen, ohnmchtige Wuth gegen die
Gewaltthtigen, herzzerreiender Schmerz ber ein zerstrtes Leben. Es
waren nicht immer die schlechtesten Mnner, welche wegen wiederholter
Desertion zwischen Spieruthen zu Tode gejagt oder wegen trotzigem
Ungehorsam gefuchtelt wurden, bis sie bewutlos am Boden lagen. Wer den
Kampf in seinem Innern berstand, und die rohen Formen des neuen Lebens
gewohnt wurde, der war ein ausgearbeiteter Soldat, das heit ein Mensch,
der seinen Dienst pnktlich versah, bei der Attacke ausdauernden Muth
zeigte, nach Vorschrift verehrte und hate und vielleicht sogar eine
Anhnglichkeit an seine Fahne erhielt und wahrscheinlich eine grere
Anhnglichkeit an den Freund, der ihn seine Lage auf Stunden vergessen
machte, den Branntwein. (Freytag, Neue Bilder S. 320.)

Natrlich waren die Desertionen hufig, und je nher der Grenze,
desto zahlreicher, trotzdem da die aus aller Herren Lnder
zusammengetriebenen Soldaten sorgsam gehtet wurden. In Grenzfestungen,
wie z.B. Wesel a.Rh., waren sie zu diesem Behufe in drei Klassen
getheilt: Ganzvertraute, welche Psse erhielten und vor die Thore gehen
konnten, Halbvertraute und endlich Unsichere, die gar nicht oder nur mit
seltenen Ausnahmen in Begleitung eines Unteroffiziers oder eines
Ganzvertrauten aus der Stadt durften. Wurde ein Soldat vermit, so
erfolgten drei Allarmschsse vom Wall der Festung. Auf dieses Zeichen
muten die Grenzbauern die Grenze besetzen und von Posten zu Posten
patrouilliren. Dazu im Voraus kommandirte Offiziere muten sich auf die
in Bereitschaft gehaltenen Pferde setzen und an der Grenze die
Bauernposten revidiren. Fr jeden eingebrachten Deserteur ward ein
Fanggeld von zehn Thalern bezahlt. Wurde der Deserteur nicht gefangen
und gelangte er glcklich auf die Freiheit, d.h. ber die Grenze, wo
sich Wirthshuser zur Aufnahme befanden, so ritt der nachsetzende
Offizier dahin, um ihn unter Zusicherung vlliger Straflosigkeit zur
Rckkehr zu bewegen. Hatte der Ausreier berhaupt die Absicht
zurckzukehren, so stellte er seine Bedingungen -- z.B. Ertheilung eines
Trauscheines, d.h. die Erlaubni, seine Liebste zu heirathen, oder
Ertheilung eines Thorpasses &c. -- was Verhandlungen zwischen ihm und
der Kompagnie herbeifhrte, die meist mit Zugestndnissen von Seiten der
letztern endigten.

Der Rckblick auf diese Einzelnheiten des damaligen Werbegeschfts war
deshalb nothwendig, weil mehr als die Hlfte der nach Amerika
verhandelten Truppen in solcher Weise zusammengebracht wurde, und weil
ohne die Detailkenntni des mit der Rekrutirung verbundenen Unfugs ein
Theil der sptern Erzhlung durchaus unverstndlich bleiben wrde.

Whrend die greren deutschen Staaten, wie z.B. Preuen und Sachsen,
sich hauptschlich durch ihre Armeen und deren _selbstndige_ Verwendung
zu europischer Macht und Bedeutung emporschwangen, bedienten sich die
kleineren Frsten, wie Hessen, Braunschweig, Gotha, und Andere, ihrer
Truppen, um ihre Einknfte zu vergrern und ihren Luxus zu befriedigen.
Sobald nur ein Krieg drohte, boten sie den feindlichen Parteien ihre
Truppen an und, je nach der Konjunktur des Marktes, erhielten sie
hhere oder geringere Preise fr ihre Waare. Bis zum siebenjhrigen
Kriege berstieg das Angebot meistens die Nachfrage, darum war der
Artikel im Ganzen billig. Erst mit dem amerikanischen Kriege schlug das
Verhltni in sein Gegentheil um, so da bei den tglich grer
werdenden Ansprchen an den Markt das Menschenfleisch immer theurer
wurde. Wenn die groen Staaten untereinander und gegen dritte
Subsidienvertrge eingingen, so bernahmen die kleineren deutschen
Frsten fr die kriegfhrenden Mchte einfach Truppenlieferungen gegen
baare Bezahlung. Wenn auch jedes politische Moment von diesem Handel
ausgeschlossen war, so nannten sie das schmutzige Geschft doch des
bessern Scheins wegen Subsidienvertrag oder versteckten es sogar hinter
den komisch erhabenen Phrasen eines Schutz- und Trutzbndnisses. Unter
den Lndern, welche trotz ihres verhltnimig kleinen territorialen
Umfanges, durch ihre politische Machtstellung ein entscheidendes Wort in
der Politik jener Zeit zu sprechen hatten, standen Holland und spter
England oben an, und sie gerade waren wegen des eben bezeichneten
Mangels zur Fhrung ihrer Kriege auf die Benutzung fremder Soldaten
angewiesen. Holland zunchst hatte whrend des ganzen siebenzehnten und
achtzehnten Jahrhunderts sowohl deutsche Frsten als Generale und
deutsche Soldaten als Truppen im Dienst, ein Verhltni, welches durch
die oranischen Statthalter vermittelt und in ein System gebracht wurde.
Selbst die mchtigen Nachbarn der Generalstaaten verschmhten es nicht,
diesen fr grere politische Zwecke ganze Regimenter leihweise zu
berlassen. So gab Preuen whrend der ganzen Dauer des spanischen
Erbfolgekrieges seine Regimenter 8. (v. Scholten, Stettin), 9. (v.
Budberg, Hamm) und 10. (v. Romberg, Bielefeld) in hollndischen Sold.
Fr unsern Zweck kommt jedoch nur England nher in Betracht.

Schon im Laufe des siebenzehnten Jahrhunderts hatte es in seinen Kriegen
gegen Holland kontinentale Miethstruppen in Sold genommen. So nahm z.B.
Karl II. im Juni 1665 das Anerbieten des obengenannten Bischofs Bernhard
von Galen an, wonach dieser ihm gegen die Generalstaaten 20,000 Mann zu
Fu und 10,000 Reiter stellte und fr die Anwerbung der Armada 500,000
Thlr., whrend der Dauer des Krieges aber per Monat 50,000 Thlr.
Subsidien erhielt. Doch erst nach seiner Revolution tritt England Ton
angebend in die groe europische Kontinental-Politik ein, an der es
sich frher nur in vereinzelten Fllen betheiligt hatte. Als Wilhelm
von Oranien von den Whigs eingeladen wurde, nach England zu kommen und
Jakob II. vom Throne zu stoen, gewhrte Wilhelms Onkel, der groe
Kurfrst von Brandenburg, die Mittel zur Untersttzung des Unternehmens,
um England aus seiner schimpflichen Stellung als Vasallenstaat
Frankreichs zu reien. Er stellte 9000 Brandenburger zur Deckung von
Holland; ein Brandenburgischer Feldmarschall befehligte das Heer, mit
welchem Wilhelm in der Bucht von Torbay landete, das Regiment
Brandenburg geleitete ihn nach dem Palast von St. James und nach Irland.
Brandenburgische Truppen fochten unter dem Kommando Wilhelms bei
Steinkirchen und Neerwinden, und ihnen dankte der Knig die
Wiedereroberung von Huy und Namur. Der erste kontinentale Krieg, den
England fhrte, war der spanische Erbfolgekrieg, in welchem Marlboroughs
siegreiche Heere fast ausschlielich aus deutschen Hlfs- und
Miethstruppen bestanden, wie denn berhaupt damals deutsche Truppen auf
beiden Seiten kmpften: Hessen und Braunschweiger unter deutscher,
englischer und hollndischer Fahne, Bayern und Klner unter den
Franzosen. Der Handel, welchen die deutschen Frsten zu Anfang des
achtzehnten Jahrhunderts mit dem Leben ihrer Unterthanen trieben, war
schon zu jener Zeit so schamlos, da alle ffentlichen Bltter in
England sie bitter tadelten und verspotteten, und da die hollndische
Regierung ihren deutschen Bundesgenossen derb und verchtlich vorwarf,
da sie das Geld mehr liebten, als ihre Ehre.

Seit das Haus Braunschweig-Hannover den englischen Thron einnahm, wurden
die englischen Beziehungen zur Kabinets-Politik des vorigen Jahrhunderts
nur noch inniger. Die regierende Dynastie, welche berall ihr spezifisch
hannverisches Interesse in den Vordergrund drngte, konnte um so eher
an allen europischen Verwickelungen und Kmpfen Theil nehmen, als sie
die Truppen ihres Stammlandes zur Disposition hatte und diese zugleich
mit im englischen Interesse verwandte, oder sie im heimischen Interesse
von England in Sold nehmen lie. So sehen wir denn im Laufe des vorigen
Jahrhunderts deutsch-englische Regimenter auf fast allen Schlachtfeldern
Europa's, in Gibraltar und Minorka, ja in Madras und den brigen
englischen Kolonien kmpfen. Auerdem schlossen die Knige Georg I. und
II. zur Erreichung ihrer politischen Zwecke in Deutschland Vertrge mit
ihren dortigen Nachbarn ab und zahlten bedeutende Summen, um ihrer Hlfe
in jedem Augenblick versichert zu sein, wie z.B. im Jahre 1717 mit dem
Landgrafen von Hessen, als Georg I. ein Bndni mit Frankreich einging
und verschiedene schwedische Besitzungen in Deutschland an sich zu
reien gedachte. Im Jahre 1739, nach der Kriegserklrung Englands gegen
Spanien, zahlte Georg II., weil er persnliche Streitigkeiten mit
Preuen hatte und deshalb fr Hannover frchtete, an Hessen und Dnemark
Lstr. 260,000, damit sie 6000 Mann, wie es hie, fr England bereit
hielten. Ein Jahr darauf, beim Ausbruch des sterreichischen
Erbfolgekrieges, zahlte derselbe Knig der Kaiserin Maria Theresia Lstr.
300,000 Subsidien, welche 1742 auf die ganze Dauer des Krieges
ausgedehnt wurden. Im April desselben Jahres bewilligte das Parlament
auf's Neue Gelder fr dnische, hessische und hannverische Truppen, um
daraus ein Heer in Flandern gegen die Franzosen zu bilden. Wie bedeutend
diese Summen waren, kann man aus dem einzigen Beispiel ersehen, da der
Landgraf Friedrich I. von Hessen, obgleich er in jenem Kriege seine
Truppen an beide kriegfhrenden Theile vermietete, von 1730 bis 1750
Lstr. 1,249,699 von England bezogen hatte. Der Sieg des Herzogs von
Cumberland bei Culloden, der 1746 den schottischen Aufstand dmpfte, war
vorzugsweise dem tchtigen Fuvolk zu verdanken, das aus 6000 Hessen
bestand, die vom hollndisch-englischen Heere aus den Niederlanden nach
England eingeschifft worden waren. Im Jahre 1749 erhielt Maria Theresia
noch nachtrglich zur bessern Befestigung der Freundschaft zwischen
beiden Hfen eine Summe von Lstr. 100,000. Einige Monate spter schlo
Knig Georg II. zur Frderung seiner politischen Zwecke in Deutschland
einen Subsidienvertrag mit Bayern, welches gegen das Versprechen, 6000
Mann Hlfstruppen bereit zu halten und in den Reichsangelegenheiten mit
Hannover zu stimmen, von 1750-1756 im Ganzen Lstr. 120,000 empfing.
Unter denselben Bedingungen wurden Sachsen in den Jahren 1751-1755 von
England Lstr. 128,000 gezahlt. Im September 1755, gleichzeitig mit dem
Ausbruch des englisch-franzsischen Kolonialkrieges und kurz vor Anfang
des siebenjhrigen Krieges in Europa, schlo England einen
Defensiv-Traktat mit Ruland, damit dieses zur Vertheidigung Hannovers
gegen baare Bezahlung 55,000 Mann bereit hielte. Dieser Vertrag wurde
zwar nicht erfllt, da Ruland sich in der Folge mit Frankreich und
Oesterreich verband, whrend England mit Friedrich II. in eine Allianz
trat. Zu gleicher Zeit jedoch erhielten die kleinen deutschen Frsten,
wie Hessen, Gotha, Anspach und Wrzburg bedeutende Summen, damit sie
mit ihren Soldaten fr England in's Feld rckten, Bayern nahm damals
ebenfalls Lstr. 10,000 von England an, obgleich es von dessen Feinden
schon gewonnen war und mit franzsischem Gelde 6000 Mann zu den
Oesterreichern stoen lie. Um den Herzog von Braunschweig zu gewinnen,
erffnete ihm Georg II. die Aussicht auf die Vermhlung seiner ltesten
Tochter mit dem Prinzen v. Wales und erbot sich, seine Truppen
gegen doppelt so hohe Zahlung in Sold zu nehmen, als der
preuisch-franzsische Vertrag ihm gewhrte. Natrlich war der Herzog
nicht abgeneigt, nach Ablauf seines Vertrages mit Frankreich auf dieses
Anerbieten einzugehen. Im zweiten Jahre des siebenjhrigen Krieges
zhlte das englische Heer in Westfalen 48,000 Mann, darunter u.A. 20,000
Hessen, 6000 Braunschweiger und keinen einzigen geborenen Englnder.
Aber Pitt brauchte keinen seiner Landsleute zu opfern, denn er fand
gegen gute Bezahlung genug Auslnder, die, wie er ganz richtig berechnet
hatte, in Deutschland fr England's Besitzungen in Amerika und Ostindien
kmpften. Die Bundesgenossenschaft Friedrich des Groen allein kostete
England jhrlich vier Millionen Thaler.

In dem Bndni, welches Oesterreich und Frankreich am 1. Mai 1756 in
Versailles schlossen, ward der damalige Marktpreis der Infanterie und
Kavallerie genau festgesetzt. Es behielten sich nmlich diejenige der
kontrahirenden Mchte vor, welche die Hlfe der andern in Anspruch
nehmen wrde, statt der effektiven Mannschaft (24,000 Mann) ein
Aequivalent in Geld zu fordern, und zwar 8000 Reichsgulden monatlich fr
je 1000 Mann Infanterie, 24,000 Reichsgulden aber fr je 1000 Mann
Kavallerie. Das hie mit anderen Worten soviel, da man fr diese Summen
die betreffenden Soldaten auch anderweitig beschaffen konnte, da also
ein Infanterist nur 96 fl. und ein Kavallerist 288 fl., einschlielich
Werbung und Leichnam, werth war.

Es waren kaum zwlf Jahre nach Beendigung des siebenjhrigen Krieges
vergangen, als die Revolution in Amerika ausbrach, zu deren Bekmpfung
England natrlich wieder bedeutende Truppenmassen nthig hatte.




Zweites Kapitel.


Die Zahl der englischen Truppen, welche bei Erffnung der
Feindseligkeiten ber die amerikanischen Kolonieen zerstreut waren,
reichte zur Fhrung des Krieges durchaus nicht hin. Im Norden betrug die
knigliche Streitmacht etwas mehr als 8000 Mann, in den mittleren und
sdlichen Kolonien fanden sich deren hchstens 6000 bis 7000, so da der
ganze Effektivbestand der englischen Armee sich in smmtlichen
amerikanischen Provinzen, von Neu-Schottland bis Florida, bis in den
Sommer 1776 hinein auf allerhchstes 15,000 Mann belief. Ihre Zahl mute
also wenigstens verdoppelt, wenn nicht verdreifacht werden, wenn man den
Kampf mit Aussicht auf Erfolg fhren wollte.

Die Hauptschwierigkeit bestand nun zunchst darin, woher man die fr den
Krieg erforderlichen Truppen nehmen sollte, da die im eignen Lande
vorhandenen Mittel nicht gengend waren. Die geborenen Englnder wollten
und sollten in Amerika nicht dienen. Der dortige Konflikt war namentlich
in den unteren Volksklassen von Anfang an sehr unpopulr gewesen und
wurde jetzt durch die Aussicht, mglicher Weise selbst noch zur
Niederwerfung der Revolution herangezogen zu werden, bei ihnen noch
unpopulrer. Dann aber nahm die seit dem letzten Kriege in kolossalem
Mastabe entwickelte Industrie die verfgbaren Krfte der Nation mehr
als je in Anspruch. Die Regierung, welche im Parlamente und in den
hheren Klassen ohnehin schon genug Widerstand gegen ihre
Unterwerfungsplne fand, war zudem einer Berufung an's Volk und an die
ffentliche Meinung abgeneigt. Es lag ihr deshalb auch von Anfang an der
Gedanke fern, die Zahl ihrer Regimenter durch Werbungen in England voll
zu erhalten oder zu vermehren. Irland und die Hochlande, Canada und die
amerikanischen Loyalisten konnten zusammen keine Armee auf die Beine
bringen; sie kamen deshalb um so mehr erst in zweiter Reihe in Betracht,
als man noch nicht sicher war, ob und wie weit sie den an sie gestellten
Anforderungen berhaupt entsprechen wollten und konnten. Die Indianer
hatten sich bei frheren Gelegenheiten als so unzuverlssige
Bundesgenossen erwiesen, da man sie am liebsten gar nicht zu Hlfe
gerufen htte.

In der am 14. Juni 1775 abgehaltenen Kabinetssitzung, der ersten,
welche nach dem Eintreffen der Nachricht von dem Gefechte bei Lexington
stattfand, verhandelten Knig und Minister lange ber die Frage, wie der
jetzt unvermeidlich gewordene Krieg gefhrt werden knne. Nachdem
Vorschlge, wie Blokirung der amerikanischen Kste, Besetzung der
bedeutendsten Hfen und Aushungerung (!) der Kolonieen, der Reihe nach
durchgegangen und verworfen worden waren, kam man endlich zu dem
Entschlu, im Einklang mit der fast seit einem Jahrhundert befolgten und
bewhrten Praxis unverzglich fremde Hlfstruppen anzuwerben. Am
nchsten lag natrlich Deutschland. Die deutschen Frsten waren zwar
habschtige, aber pnktliche Truppen-Lieferanten, und ihre Soldaten
galten seit Jahren als die willigsten und brauchbarsten; allein man
wollte dies Mal, um ja keine Zeit zu verlieren, mglichst schnell statt
einzelner Korps eine ganze Armee haben und sich nicht mit einem halben
Dutzend Frsten in lange dauernde Verhandlungen einlassen.

Die englische Regierung glaubte, was sie brauchte, am leichtesten und
ersten in Ruland zu finden. Sie stand mit der Kaiserin Katharina seit
deren Thronbesteigung auf uerlich sehr gutem Fue, hatte sich ihren
Plnen auf Polen nicht widersetzt, ja ihr sogar in dem eben beendeten
Trkenkriege durch Parteilichkeit gegen die Trken wesentlich gentzt
und ihre Allianz als ein Gegengewicht gegen die Bourbonen gesucht. Das
russische Heer war seit dem im Jahre 1774 abgeschlossenen Frieden von
Kudschuk Kainardsche zu stark, und in den Finanzen des Kaiserreichs
herrschte groe Ebbe, whrend Katharinens Gnstlinge fr die stumme
Beredtsamkeit des Goldes durchaus nicht unempfindlich waren. Zudem hatte
sich die russische Kaiserin bei frheren Gelegenheiten einem Bndni mit
England durchaus nicht abgeneigt erklrt, wofern sie im Falle eines
neuen Krieges mit der Pforte auf Englands Hlfe rechnen konnte, bei
welcher Erklrung sie freilich mehr an die europische Politik als an
die amerikanischen Verwicklungen dachte. Alle diese Grnde lieen auf
eine gnstige Aufnahme der englischen Vorschlge schlieen.

Der englische Gesandte Gunning erhielt also bereits im Juli 1775 den
Auftrag, die russische Regierung um Ueberlassung eines Hlfskorps von wo
mglich 20,000 Mann zu ersuchen. Bei der ersten Unterredung, die er nach
Empfang dieser Instruktionen zu Anfang August mit Panin, Katharinens
erstem Minister hatte, fragte er, nachdem er sich ber die Unfehlbarkeit
der zur Niederwerfung des amerikanischen Aufstandes ergriffenen Mittel
ausgelassen, Panin wie zufllig im Laufe des Gesprchs, ob der Knig von
England, falls er fremde Hlfe zur Niederwerfung des amerikanischen
Aufstandes brauchen sollte, auf ein Korps russischer Infanterie rechnen
knne? Der Minister berichtete diese Frage seiner Kaiserin, deren
Antwort Gunning am 8. August mitgetheilt wurde. Sie erwhnte kein Wort
von Truppen oder russischen, an England zu berlassenden und ber den
Ozean zu versendenden Bataillonen, erklrte sich vielmehr nur in
allgemeinen Redensarten bereit, dem Knig Georg III. aus Dankbarkeit fr
seine frheren, Ruland geleisteten Dienste in irgend einer ihm gut
dnkenden Weise beizustehen und sprach von ihrer angeborenen Vorliebe
fr die englische Nation.

Der leichtglubige Gesandte nahm diese nichtssagenden Worte fr ein
feierliches Versprechen und berichtete unbegreiflicher Weise sofort nach
Hause, da die russische Regierung der englischen mit 20,000 Mann
Infanterie in Amerika zu Hlfe kommen wolle. Seine Depesche traf am 1.
September in London ein und ward hier mit Freude und Entzcken
aufgenommen. Whrend der Knig einen eigenhndigen Danksagungsbrief an
Katharina schrieb, wurde Gunning von Lord Suffolk, dem Minister des
Auswrtigen, angewiesen, bei der Kaiserin in feierlicher Audienz um
20,000 Mann Infanterie zu bitten, die im Frhjahr bei Erffnung der
Schifffahrt nach einem Ostseehafen und ber England nach Kanada
eingeschifft werden sollten. Knig und Minister waren im Voraus ihres
Erfolges so sicher, da sie, obgleich die schnellste Reise von London
nach Moskau damals drei und zwanzig Tage dauerte, doch auf ein
definitives Versprechen bis zum 26. Oktober, dem Beginn der
Parlamentssitzungen, rechneten. Lord Dartmouth schrieb zu gleicher Zeit
an die beiden in Amerika kommandirenden Generle Howe und Carleton, da
die russische Kaiserin England die weitgehendsten Versicherungen fr
eine beliebige Anzahl Infanterie zur Bekmpfung des Aufstandes gegeben
habe. Am 8. September 1775 berschickte Suffolk seinem Gesandten durch
einen zweiten Feldjger den Entwurf eines Vertrages, welcher die Annahme
eines Korps russischer Truppen in den englischen Dienst bezweckte.
Dieser Vertrag sollte zwei Jahre dauern, da man innerhalb dieser Zeit
des Aufstandes Herr geworden zu sein hoffte. Das Werbegeld ward auf
sieben Pfund Sterling per Mann festgesetzt, wovon die eine Hlfte baar,
die andere bei der Einschiffung bezahlt werden mute, und endlich wurde
eine Subsidie nicht ausgeschlossen.

Diese Instruktionen waren brigens kaum abgegangen, als Gunning am 10.
September von der Kaiserin, whrend eines Hoffestes bei einer
gelegentlichen Besprechung der amerikanischen Wirren, auf die
Nothwendigkeit hingewiesen wurde, dem Kampfe mit den Kolonieen unter
allen Umstnden und am besten durch Milde ein Ende zu machen. Am 24.
September traf der erste englische Kourier mit dem Briefe Georg's in
Moskau ein; Gunning sollte die zufllig abwesende Kaiserin aber erst am
30. nach ihrer Rckkehr sehen. Der Brief des Knigs sprach ganz positiv
von einem ihm seitens der Kaiserin gemachten Anerbieten von Truppen;
Panin stellte in Abrede, da es je gemacht worden, und Gunning rumte
endlich ein, da von einer Ueberlassung von Soldaten nicht ausdrcklich
die Rede gewesen sei. Panin weigerte sich unter diesen Umstnden, den
englischen Gesandten zur Audienz bei Katharina einzufhren, und diese
lie ihr Bedauern darber ausdrcken, da sie ihre Truppen nicht an
England vermiethen knne.

Gunning bat dann um 15,000 Mann, allein auch diese wurden in den ersten
Tagen des Oktober, ohne da er die Kaiserin sehen konnte, von ihr als
unvertrglich mit der Wrde Rulands und seinem Verhltni zu den
brigen europischen Mchten verweigert. Der zweite Kourier kam am 4.
Oktober mit dem Vertrags-Entwurf in Moskau an. Gunning las ihn Panin vor
und wollte sich mit 10,000 Mann begngen; allein der Kanzler bergab ihm
statt aller Gegenuerung Katharinens Antwort an den Knig von England
und brach die Unterhaltung ab.

Natrlich waren diese Verhandlungen den fremden Diplomaten und Hfen
kein Geheimni geblieben. Als am 31. Oktober 1775 der franzsische
Gesandte den russischen Premierminister nach der Wahrheit der in dieser
Angelegenheit umlaufenden Gerchte fragte, antwortete dieser, die
Annahme des englischen Antrages sei physisch unmglich, und ebenso
unvereinbar sei es mit der Wrde Englands, fremde Miethstruppen gegen
seine eigenen Unterthanen zu gebrauchen. Die Kaiserin selbst war nach
wie vor uerlich sehr zuvorkommend und verbindlich gegen den englischen
Gesandten und gegen den Knig Georg, welcher ihr die abschlgige Antwort
zwar nicht nachtrug, indessen nie vergessen konnte, da sie seinen
eigenhndigen Brief nicht selbst, sondern nur durch einen Privatsekretr
hatte beantworten lassen.

Noch whrend die Unterhandlungen mit Ruland schwebten, hatte die
englische Regierung anderweitige Schritte gethan, um sich Hlfstruppen
zu sichern; indessen war sie in Holland, wo sie zuerst anfragte, ebenso
wenig erfolgreich in ihren Bemhungen als in Ruland.

In den Diensten der Generalstaaten stand schon seit lnger als einem
Jahrhundert die sogenannte schottische Brigade, deren Ursprung auf die
Zeiten der Knigin Elisabeth zurckging. Die Niederlande hatten ihr im
Jahre 1599 als Sicherheit fr ein Darlehen drei wichtige Festungen
verpfndet, welche sie mit ihren eigenen Truppen besetzte. Im Jahre 1616
bezahlten die Hollnder die Schuld, und smmtliche englische Truppen
wurden aus den besetzten Festungen zurckgezogen, mit Ausnahme einer
englischen und schottischen Brigade, welche in den Dienst der
Generalstaaten bertraten. Als Jakob II. sie zur Verstrkung seiner
Armee verlangte, wurde sie von den Generalstaaten verweigert. Man habe
-- so lautete die Antwort -- die schottische Brigade allerdings
geschickt, als es sich darum gehandelt, die Rebellion des Herzogs von
Monmouth zu unterdrcken; allein sie solle nie gebraucht werden, um die
Freiheiten Englands zu vernichten. Wilhelm III. rief die englische
Brigade zurck; so blieb denn nur die schottische Brigade, welcher im
Jahre 1749 auch das Recht genommen wurde, in Schottland zu rekrutiren.
Obgleich die Mannschaft des aus 2100 Mann bestehenden Regiments fortan
von Angehrigen aller Nationen, namentlich Wallonen und Deserteuren
gebildet wurde, so waren die Offiziere doch immer noch Schotten oder
deren Nachkommen. Diesen Umstand machte der Knig von England bei seinem
Gesuch um Ueberlassung der schottischen Brigade geltend. Die Offiziere
schuldeten ihm, so hie es, in Folge ihrer Geburt schon Treue und
Gehorsam, zudem herrschten zwischen beiden Lndern schon lange intime
Beziehungen und gemeinschaftliche Interessen, und endlich biete diese
Gelegenheit dem Prinzen von Oranien den ganz besonderen Vortheil und die
hohe Ehre, die Bande enger Freundschaft, welche durch die Neutralitt
der vereinigten Provinzen whrend des letzten franzsischen Krieges mehr
oder weniger geschwcht worden, wieder zu strken.

Als Georg dieses Verlangen zum ersten Mal stellte, wurde er vom jungen
Statthalter kurzer Hand abgewiesen. Als er aber sein Gesuch erneuerte,
hatte er hauptschlich mit dem Widerspruch der Generalstaaten zu thun.
Seeland und Utrecht kamen dem Wunsche des Knigs zwar nach; aber der bei
weitem mchtigste der Generalstaaten, Holland, wandte ein, da ein
Handelsvolk nur im uersten Nothfall sich in fremden Streit mischen
drfe. Namentlich trat der Baron Johann Derk van der Capellen, Mitglied
des Adels von Oberyssel, so entschieden gegen das Ansinnen der
englischen Regierung auf, da er, wenn auch nicht direkt, so doch
indirekt dessen Annahme vereitelte. Es hiee Theil an dem Kampf nehmen
-- das ungefhr war der Inhalt von Capellen's beredtem Proteste -- ja
wir wrden selbst mit in den Krieg verwickelt werden, wollten wir
England Truppen berlassen und die Grundstze unbedingter Neutralitt
aufgeben. Wir haben bisher England unser Wohl und Gedeihen geopfert,
ohne irgend einen Vortheil dafr erlangt zu haben. Frankreich wird sich
voraussichtlich mit in den Kampf mischen -- welche wird dann unsere
Stellung sein? Bleiben wir neutral, so fllt uns fr den Fall eines
Krieges zwischen England und Frankreich der Handel des letztern Staates
zu, welcher unser natrlicher Bundesgenosse in der Vertheidigung der
Handelsfreiheit ist. Zudem hat England uns stets so bermthig
behandelt, als ob wir gar kein selbstndiges Volk wren, und, whrend
wir gewissenhaft die mit ihm geschlossenen Vertrge befolgten, gegen den
Grundsatz der Freiheit der Waare in freien Schiffen gehandelt und
willkrlich unsere Schiffe durchsucht und konfiszirt. Statt also die
Truppen eines freien Volkes zur Niederwerfung der sogenannten Rebellion
zu verlangen, sollte England lieber Janitscharen miethen. Wie gehssig
wrde eine solche Rolle fr uns sein, fr uns, ein freies Volk, welches
selbst unter dem Joch der Tyrannei geseufzt und sich mit dem Schwerte
davon befreit, das ebenfalls den stolzen Namen Rebellen gefhrt hat,
doppelt gehssig den Amerikanern gegenber, die uns niemals beleidigt
haben, die sich der Achtung der ganzen gebildeten Welt wrdig zeigen und
mit Migung und Wrde ihre Rechte vertheidigen. Aus diesen Grnden mu
der Wunsch des Knigs von England abgeschlagen werden.

Obgleich die Staaten von Oberyssel beschlossen, die England beleidigende
Motivirung des Antrages van der Capellens aus den Protokollen ihrer
Sitzung zu streichen, so verfehlte die Beredsamkeit dieses Staatsmanns
doch ihre Wirkung nicht. Die Generalstaaten willigten zwar ein, um jeden
Schein der Unhflichkeit gegen den mchtigen Nachbarn zu vermeiden, die
schottische Brigade an England zu berlassen, fgten aber die Bedingung
hinzu, da sie nicht auerhalb Europa's verwandt werden drfe. Diese
Bedingung kam beinahe einer abschlgigen Antwort gleich. England fate
sie auch als eine solche auf und lie, vielleicht auch deshalb, weil
sich ihm im langgedehnten Laufe der Verhandlungen andere Bezugsquellen
erffnet hatten, die ganze Angelegenheit fallen.

Weniger Schwierigkeiten verursachte die Verlegung von fnf hannverschen
Bataillonen nach Gibraltar und Port Mahon, weil der Knig von England
hier als Kurfrst von Hannover handelte und hchstens mit dem
Widerspruche des eigenen Parlaments zu kmpfen hatte. Uebrigens war die
ganze Maregel schon ausgefhrt, als sie den Lords und Gemeinen
vorgelegt wurde, wie denn berhaupt in jener Zeit die Regierung die
Genehmigung des Parlaments als eine bloe Formsache auffate und in
allen wichtigen Dingen so handelte, als ob gar kein Parlament existirte.

Oberst William Faucitt, der den siebenjhrigen Krieg in Deutschland
mitgemacht hatte und Volk und Frsten dort kannte, wurde bereits zu
Anfang August 1775 von Georg III. nach Hannover geschickt, um die
Uebernahme der dortigen Bataillone in den englischen Dienst zu besorgen.
Da Wir -- so lauteten die vom 11. August 1775 datirten kniglichen
Instruktionen -- unter dem Beirath unseres geheimen Rathes beschlossen
und fr thunlich erachtet haben, fnf Bataillone unsrer kurfrstlichen
Infanterie in englische Dienste zu nehmen und sie in unseren Garnisonen
von Gibraltar und Minorka zu verwenden, um desto besser im Stande zu
sein, eine gleiche Anzahl englischer Truppen, welche jetzt dort
Garnisonsdienste thun, nach England zurckzuverlegen und auf Grund
dessen unsere Streitkrfte zu vermehren, welche zur Unterdrckung des
unnatrlichen Aufstandes eines Theils unserer nordamerikanischen
Kolonien verwandt werden; da ferner besagte Truppen sich in Stade
sammeln sollen, um nach den genannten Garnisonspltzen eingeschifft zu
werden, so haben Wir es fr rathsam befunden, Sie zu unserm Kommissr zu
ernennen, um diese Truppen in Empfang zu nehmen und in den Dienst zu
mustern.

Faucitt reiste also sofort ber den Haag, wo er von dem englischen
Gesandten Sir Joseph Yorke, einem langjhrigen Kenner und Beobachter
deutscher und kontinentaler Politik, Rath und Auskunft erhielt, nach
Hannover ab und kam dort am 20. August an. Die Truppen waren zwar fr
den 1. September segelfertig, erhielten aber Gegenbefehl, weil die Lords
der Admiralitt die erforderlichen Transportschiffe nicht frh genug
hatten absenden knnen. Der hannversche General Sprken war beauftragt,
die fraglichen fnf Bataillone marschfertig zu machen, so da dem
Obersten Faucitt nichts zu thun blieb, als sie vor ihrer Annahme in den
englischen Dienst zu mustern und einzuschwren. Indessen wurde auch von
der letztern Bedingung abgesehen, weil die Soldaten eine Abneigung gegen
die See htten, also mglichen Falls zu marschiren sich weigern mchten,
dann aber, weil die Verfhrung zur Desertion sehr gro sei, indem die
ganze hannversche Grenze von preuischen und anderer Frsten Werbern
umringt sei, die alle auf die Unzufriedenheit der Soldaten spekulirten
und diese fr sich zu gewinnen hofften.

Faucitt fand smmtliche fnf Bataillone, die aus je 473 Mann bestehend,
im Ganzen 2365 Mann ausmachten, und von den Regimentern von Reden, von
Goldacker, de la Motte, Prinz Ernst und von Hardenberg genommen waren,
gut bewaffnet und gekleidet und die Mannschaften mit wenigen Ausnahmen
krftig und diensttchtig, dabei willig und gehorsam. Trotz aller
Verfhrung desertirte nicht ein einziger Soldat. Es verging brigens
noch der ganze September mit den Vorbereitungen zur Verschiffung, die
mit Bewilligung des Hamburger Senates ber Ritzebttel, statt, wie
Anfangs beabsichtigt war, ber Stade erfolgte. Die beiden fr Minorka
bestimmten Bataillone, Prinz Ernst und Goldacker, wurden am 2. Oktober,
die fr Gibraltar bestimmten am 6. Oktober eingeschifft. Der Wind war
jedoch whrend des ganzen Monats so ungnstig, da die aus siebenzehn
Transportschiffen bestehende Flotille erst am 1. November 1775 in See
ging.

Die Frage, ob die Regierung das Recht habe, ohne Genehmigung des
Parlaments fremde Truppen in irgend einen Theil der englischen
Besitzungen einzufhren, rief in beiden Husern ernste Debatten hervor.
Der Knig hatte am 26. Oktober 1775 bei Erffnung des Parlaments in
seiner Thronrede u.A. die Mittheilung gemacht, da er einen Theil seiner
kurfrstlichen Truppen nach Gibraltar und Port Mahon beordert habe, um
eine grere Zahl englischer Truppen zur Aufrechterhaltung des
kniglichen Ansehens zur Verfgung zu haben. Die Opposition beider
Huser sttzte sich darauf, da dieses Verfahren, einen huslichen
Streit beizulegen, eine gefhrliche und schimpfliche Maregel sei, da
sie den anerkannten Landesrechten zuwiderlaufe und da die fremden
Truppen mglichen Falles gegen die englische Freiheit verwandt werden
knnten. Das Ministerium wandte ein, da es weder dem Geiste noch dem
Buchstaben nach gegen die Constitution verstoe, indem die Bill of
rights und Aufstandsakte nur bestimme, da in Friedenszeiten keine
stehende Armee im Knigreiche ohne Genehmigung des Parlaments gehalten
werden drfe. Nun befinde man sich aber im Kriege und eine Dependenz,
wie Gibraltar und Minorka, sei nicht das Knigreich Grobritannien. Der
betreffende Paragraph verdanke seine Entstehung dem Knige Jakob II.,
der in Friedenszeiten ohne Genehmigung des Parlaments eine stehende
Armee in England gehalten habe. Die Garnisonen in Dnkirchen, Calais und
Tanger seien ohne jede Genehmigung des Parlaments gehalten worden, und
nie habe dieses dem Knige den Vorwurf der Ungesetzlichkeit daraus
gemacht. Zudem sei es zweckmiger, fremde Truppen in Sold zu nehmen,
weil diese leichter und wohlfeiler beschafft werden knnten, und weil
die waffenfhige Bevlkerung Englands fast ausschlielich mit den
Arbeiten und den Knsten des Friedens beschftigt sei.

Die Debatte ber diese Frage beschftigte die Lords am 26. Oktober und
1. November und das Haus der Gemeinen am 3. November 1775. Dieses
erklrte sich schlielich mit 203 gegen 81 Stimmen und jenes mit 75
gegen 32 Stimmen mit dem Verfahren der Regierung einverstanden. Die fnf
hannverschen Bataillone blieben whrend des ganzen amerikanischen
Krieges als Besatzung in Gibraltar und Minorka und verloren deshalb auch
so wenig Leute, da sie erst zu Anfang des Jahres 1778 die ersten
Rekruten erhielten. Sie kehrten im Sommer 1784 ber England nach
Deutschland zurck.




Drittes Kapitel.


Die Verhandlungen mit Ruland und Holland waren also gescheitert.
Politische Beziehungen zu fremden Mchten und bedeutende eigene
Interessen hatten die beiden um Hlfe angegangenen Staaten bewogen, das
englische Gesuch um Ueberlassung von Soldaten von der Hand zu weisen.
Unter diesen Umstnden mute denn das Ministerium sich anderwrts nach
Truppen umsehen und sie nehmen, wo sie nur zu haben waren. So blieb denn
Deutschland die einzige Quelle, aus welcher man seinen Bedarf an
Soldaten zu schpfen hoffen konnte.

Wie England im ganzen vorigen Jahrhundert in Kriegszeiten
Truppenlieferungs-Vertrge mit den dortigen kleinen Frsten
abgeschlossen hatte, so war es auch seit langen Jahren gewohnt gewesen,
von dort auf eigne Hand seine Rekruten zu beziehen. Zwar verbot der
Regensburger Reichstag zu Zeiten das Rekrutiren; allein nichts
destoweniger hatten die britischen Werbeoffiziere am ganzen Rhein, in
Frankfurt a.M., Neuwied und an der preuischen Grenze bei Kleve ihre
Stationen. Die Kurfrsten von Kln, Trier und Mainz wandten auch jetzt
so wenig als frher etwas dagegen ein, da die durch den amerikanischen
Krieg, Desertion und Krankheit gelichteten Reihen der englischen
Regimenter durch deutsche Rekruten wieder vollzhlig gemacht wurden. Wie
viele Deutsche auf diese Weise jhrlich in den englischen Kolonien und
namentlich whrend des Krieges in Amerika verbraucht wurden, ist schwer
zu sagen, weil jeder Anhaltspunkt fr ihre Schtzung fehlt, und weil
viel wichtigere Dinge die ffentliche Aufmerksamkeit in Anspruch nahmen.

Kaum wurde brigens in Deutschland die Verlegenheit bekannt, in der sich
der Knig von England wegen der Ergnzung seiner Regimenter befand, als
entlassene Offiziere aller Grade, vom Kroaten-Obersten an bis zum
hannver'schen Obristlieutenant, und sonstige durch den Frieden
berflssig gewordene, aus dem siebenjhrigen Kriege stammende
Abenteurer sich zur Beschaffung deutscher Rekruten erboten. Georg III.
war trotz der bertriebenen Auffassung seiner kniglichen Machtflle
doch ein gewissenhafter und ein im brgerlichen Sinne des Wortes
durchaus moralischer Mann. Er hatte deshalb auch seine Bedenken, die ihm
angetragenen Dienste anzunehmen. Deutschen Offizieren Patente zu geben,
damit sie mir Rekruten schaffen -- sagte er -- heit eigentlich auf gut
Englisch nichts als mich selbst zu einem Menschendiebe machen, welches
Geschft ich durchaus nicht als ehrenvoll betrachten kann. Indessen
berwog doch zuletzt die politische Nothwendigkeit derartige Skrupel.

Georg lie also zuvrderst mit dem hannver'schen Obristlieutenant
Scheither einen Vertrag abschlieen, wonach dieser unverzglich 4000
Rekruten in Deutschland anwerben sollte. Diese Rekruten waren in Stade
an Faucitt abzuliefern, der zu diesem Zwecke noch nach Einschiffung der
fnf hannver'schen Bataillone in Deutschland blieb, jedoch bis Mitte
November nur 150 Rekruten in Empfang nahm. Das Ministerium berzeugte
sich bald, da es auf diesem langsamen Wege nie zum Ziele gelangen
wrde, lie dehalb den ursprnglichen Plan auch fallen und entschlo
sich zur Anknpfung von direkten Verhandlungen mit den kleineren
deutschen Frsten. Diese kannten weder politische Bedenken, noch hatten
sie auer ihrem Geldbeutel eigene Interessen. Geld, Subsidien und
standesgemes Leben waren, wie ein ausgezeichneter Kenner des
achtzehnten Jahrhunderts meint, der Grundton, welcher fr das ganze
politische Handeln an den kleinen Hfen in Einem fort und ohne Scham und
Scheu angeschlagen wurde. Zudem erfreuten sich die kleinen Frsten des
zweifelhaften Glckes, in der europischen Staatenfamilie einen so
untergeordneten Rang einzunehmen, da man sich um ihr Thun und Treiben
gar nicht kmmerte, geschweige denn von ihren Handlungen eine Strung
des knstlichen europischen Gleichgewichts abhngig machte.
Andererseits war der deutsche Reichsverband in sich so lose und
zerfallen, da der Kaiser ihnen kein ernstliches Hinderni in den Weg zu
legen wagte.

Jetzt endlich, nachdem man in London gegen ihre direkten und indirekten
Winke sich so lange blind gestellt hatte, jetzt nach dem Fehlschlage der
bisherigen Verhandlungen und aller sonstigen Versuche zur Beschaffung
von Truppen, erffnete sich den Landesvtern eine sichere Aussicht auf
glnzende Geschfte. Die Geschichte ist ihnen das Zeugni schuldig, da
sie sich fr die beleidigende Hintenansetzung in ihrer Weise empfindlich
zu rchen und die gnstigen Konjunkturen des Marktes gehrig auszubeuten
und zu verwerthen verstanden. Das englische Ministerium hatte sich mit
der Anknpfung von Unterhandlungen mit den deutschen Frsten dehalb
nicht bereilt, weil so lange es noch Aussicht auf Erlangung einer
einzigen groen, einheitlich organisirten Hlfsarmee zu haben glaubte,
es dieser im Interesse des Dienstes den Vorzug gab, weil es andererseits
aber ganz gut wute, da einzelne deutsche Korps zu jeder Zeit zu haben
waren, und da die dortigen Frsten Nichts sehnlicher wnschten, als
ihre Soldaten an England verkaufen zu knnen. Ueber die deutschen
Verhltnisse und die Gewiheit, Truppen in Deutschland zu erlangen, war
es ganz gut durch Sir Joseph Yorke, den bereits erwhnten Gesandten im
Haag, unterrichtet, welcher im Sommer 1775 den Auftrag erhalten hatte,
sich auf dem Kontinent des guten Willens der Freunde des Knigs und der
Zahl und Bedingungen der von ihnen mglicher Weise zu liefernden
Soldaten zu vergewissern. Yorke berichtete schon im September 1775 nach
Hause, da Hessen-Kassel, Hessen-Darmstadt, Wrtemberg, Sachsen-Gotha
und Baden zu irgend einer Zeit eine beliebige Anzahl Truppen zu
billigen Preisen zu liefern im Stande und bereit seien. Vor Allem
bemhte sich schon im August 1775 der Erbprinz von Hessen-Kassel um
einen Lieferungsvertrag mit England, und ihm folgte zunchst der Frst
von Waldeck. Ihre im servilsten Tone gehaltenen Anerbietungen, welche
der Leser im Anhang findet, verdienen im Original gelesen zu werden.
Braunschweig und Kassel verhielten sich vorlufig abwartend.

Es war brigens jetzt Gefahr im Verzuge. Wollte die Regierung den
Feldzug von 1776 energisch erffnen, so mute sie an eine schleunige
Verstrkung denken. Sie beauftragte also den Obersten Faucitt mit der
Leitung der Verhandlungen. Lord Suffolk, der Minister des Auswrtigen
schickte ihm am 14. November 1775 folgende Instruktion nach Stade:

Reisen Sie sofort nach Empfang dieser Depesche unter irgend welchem
Vorwand nach Braunschweig, und suchen Sie dort zu ermitteln, ob der
Herzog Willens ist, dem Knig eine Anzahl seiner Truppen fr den Dienst
in Amerika zu berlassen. Sie knnen sich darber leicht beim Erbprinzen
unterrichten. Wenn Serenissimus geneigt ist, dem Knig beizustehen, so
berreichen Sie unverzglich das einliegende Beglaubigungsschreiben und
beginnen Sie ohne jeden Zeitverlust Ihre Unterhandlungen.

Ich sende Ihnen zugleich einliegend Abschriften der frheren, namentlich
im letzten Kriege abgeschlossenen Subsidien-Vertrge. Sie knnen diesmal
im Nothfall die hchsten der frher festgesetzten Preise zahlen.
Abweichende Bestimmungen in den einzelnen Punkten, wenn sie sonst im
Ganzen auf dasselbe herauskommen, bleiben Ihrer Diskretion berlassen.
Obgleich uns in unserer gegenwrtigen Lage weniger als sonst an den
Kosten liegt, so drfen Sie auf der andern Seite doch auch nicht
verschwenden, und es wird Ihnen hoch angerechnet werden, wenn Sie
mglichst billige Bedingungen zu erlangen im Stande sind. Es wird mit
einem gewissen Grade von Recht und Billigkeit geltend gemacht werden,
da der von uns verlangte Dienst neu und fr ferne Lande bestimmt ist.
Wenn wir das auch zugeben mssen, so hat der amerikanische Krieg doch
nichts mit irgend einer europischen Macht zu thun, und kann die
Betheiligung daran fr keinen Deutschen nachtheilige Folgen haben. Was
nun die weite Entfernung betrifft, so mu zugestanden werden, da die
Truppen zum Theil wenigstens durch neue Aushebungen vollzhlig zu
erhalten sind, die fr den aushebenden Frsten zu einer neuen Last
werden, wenn irgend ein glckliches Ereigni den Kampf bald beenden
wrde. Sie knnen diesem Einwande, wenn er stark betont werden sollte,
damit begegnen, da Sie sich verpflichten, da die Subsidie whrend der
wirklichen Verwendung der Truppen in Kraft bleiben und erst sechs Monate
nach gegebener Kndigung aufhren soll. Wenn mehr als sechs Monate
beansprucht werden, so berichten Sie vorher darber an mich. Bei
frheren Gelegenheiten war es nichts Ungewhnliches, da der seine
Truppen vermiethende Frst den Ueberschu fr sich behalten hat, der
sich aus dem Unterschiede zwischen englischer und deutscher Lhnung
ergab. Das kann im gegenwrtigen Falle nicht gestattet werden, weil es
fr uns sehr wichtig ist, da der Soldat ermuthigt wird, seinen Dienst
in Amerika freudig zu thun. Wir glauben kaum, da der Herzog von
Braunschweig mehr als 3000 bis 4000 Mann liefern kann. Ihre Aufgabe ist,
so viel als mglich fr den Krieg in Amerika von ihm zu erlangen. Der
Knig giebt Ihnen zugleich einen hnlichen Auftrag fr Kassel. Finden
Sie in Ihrer Unterhaltung mit dem Erbprinzen, da sich in Braunschweig
Nichts machen und erwarten lt, so reisen Sie sofort nach Kassel, wo
Sie Mittel und Wege finden werden, dem Landgrafen auf den Zahn zu fhlen
und im Uebrigen gerade so wie in Braunschweig zu handeln. Es lt sich
kaum voraussetzen, da der Landgraf mehr als 5000 Mann liefern kann;
versuchen Sie jeden Falls auch hier soviel als mglich zu bekommen. Wenn
Sie in Braunschweig Aussicht auf Erfolg haben, so ergreifen Sie den
ersten gnstigen Moment und machen Sie einen Vorschlag, oder nehmen Sie
einen Ihnen gemachten an. Reisen Sie, nachdem Sie mir Bericht erstattet
haben, sofort nach Kassel. Sind Sie dort sicher durchzudringen oder
abschlgig beschieden zu werden, so gehen Sie nach Braunschweig zurck
und schlieen Sie mit dem Herzog ab.

Es ist in dieser Sache berhaupt die grte Thtigkeit erforderlich, da
der Knig sich in der einen oder anderen Weise ohne Zeitverlust darber
verlssigen will, ob und wie schnell er fremde Truppen fr Amerika
erhalten kann. Zu diesem Ende schicke ich Ihnen zwei Kouriere, welche
Ihnen als Ihre Bediente nach Braunschweig und Kassel folgen sollen, und
deren Einen Sie sofort, nachdem Sie selbst Gewiheit darber erlangt
haben, ob Truppen zu haben sind, noch vor Erledigung aller
Frmlichkeiten hierher zurckschicken wollen.

Es entspricht weder der Wrde noch dem Interesse Ihres Hofes, da Sie,
wenn es berhaupt vermieden werden kann, als erfolgloser Bittsteller bei
irgend einem der Frsten auftreten. Meine eigenen Hoffnungen fr den
gnstigen Abschlu des Ihnen anvertrauten Geschftes, ich gestehe es
offen, sind nicht sanguinisch. Treten Sie also in Ihrer amtlichen
Eigenschaft nicht eher auf, als bis Sie eine sichere Aussicht auf Erfolg
vor sich haben.

Faucitt erhielt dieses Schreiben am 24. November 1775 in Stade, wo er
durch die Einmusterung der Scheither'schen Rekruten noch aufgehalten
worden war, und reiste einige Stunden nach seinem Empfange mit Extrapost
ber Hannover nach Braunschweig ab. Die Nchte waren aber so dunkel und
die Wege so schlecht -- Faucitt nennt sie in seinem Bericht die
schlechtesten in Europa -- da er erst nach fnftgiger Reise in
letzterer Stadt ankam. Der englische Gesandte war hier kein Fremder. Er
war whrend des siebenjhrigen Krieges, wo er unmittelbar unter dem
Erbprinzen gedient hatte, fters in Braunschweig sowohl als in Kassel
gewesen und von jener Zeit her mit den jetzt einflureichsten Personen
beider Residenzen bekannt. Die Vortheile dieser persnlichen Beziehungen
wurden von ihm aber nicht gehrig ausgebeutet, indem er in seinem
Auftreten nicht entschieden genug und in seinem Urtheil nicht
selbstndig war. Ein stolzer englischer Lord, der die hinter der
glnzenden Auenseite lauernde Misere jener Hfe sofort erkannt und
diese Welt des Scheins rcksichtslos in seines Landes Interesse
auszubeuten verstanden htte, wre besser am Platze gewesen. Faucitt war
blos eine subalterne Natur und als solche allen Details der Aufgabe
vollstndig gewachsen. Er arbeitete in der That von Morgen bis Abend mit
dem gewissenhaftesten Fleie, mit der anerkennenswerthesten
Uneigenntzigkeit; allein es fehlte ihm das richtige Verstndni seiner
Stellung. Er war zu sehr untergeordneter Hofmann, den ein freundliches
Lcheln des Frsten leicht erobert, ein Snob, der vor Titeln, Rang und
uerm Glanz einen angeborenen Respekt hat und fr jede Herablassung der
Hhergestellten dankbar ist. Aus diesem Grunde wurde er ein Spielball in
den Hnden einsichtiger, khler und berechnet handelnder Personen,
whrend er mit Entschiedenheit und Grobheit jede Forderung, selbst die
hrteste durchgesetzt und England hundert Tausende erspart haben wrde.

Der Herzog Karl I. von Braunschweig (1735-1780), mit welchem Faucitt
zunchst zu thun hatte, war einer der prachtliebendsten,
leichtsinnigsten und verschuldetsten Frsten, von denen Deutschland im
vorigen Jahrhundert heimgesucht war. Sein Lndchen, das bei einer Gre
von einigen sechszig Quadratmeilen mit etwa 150,000 Einwohnern kaum
anderthalb Millionen Thaler Einknfte abwarf, war allerdings durch den
siebenjhrigen Krieg hart mitgenommen worden, allein erst des Herzogs
ble Wirthschaft hatte es an den Rand eines Bankrottes gebracht. Die
Schulden beliefen sich auf nahezu zwlf Millionen Thaler. Karl lebte
aber auf einem Fue, als ob ihm die reichen Hlfsquellen eines groen
Knigreichs zu Gebote stnden. Italienische Oper und franzsisches
Ballet, auswrtige und einheimische Maitressen, Militrspielerei und
Alchymie verschlangen ungeheure Summen. Der Theater-Direktor und Kuppler
Nicolini, ein unbedeutender italienischer Abenteurer, hatte 30,000
Thaler jhrlichen Gehalts; unser groer _Lessing_ aber, der zu jener
Zeit in der bescheidenen Stellung eines herzoglichen Bibliothekars
einem verschchterten Geschlecht mihandelter Kleinbrger zuerst die
Seele mit freien, menschlich heiteren Empfindungen erfllte und unser
Volk zum Bannertrger des freien Geistes erheben half, _unser Gotthold
Ephraim Lessing_ bezog ein Gehalt von 300 Thalern jhrlich. Dort lernte
er lieber hungern als niedertrchtig sein; mute er doch um eine
armselige Gehaltszulage von 200 Thaler lnger als drei Jahre
suppliziren! Es ist ein Irrthum, -- schrieb er seiner Freundin und
sptern Gattin, Eva Knig, aus Wolfenbttel -- da kleine Souveraine den
Gelehrten und Knstlern frderlich seien; sie sind es nur in dem Mae,
als Wissenschaft und Kunst ihnen Amusement machen und man ihnen
hofmnnisch schmeichelt. Das verstehe ich nicht. -- -- Ich fhle mich
hier, als wre ich in einen Sarg gedrckt; ich kann keine Bcklinge
machen, um mich zu empfehlen. Lichtenberg verkmmert im kleinen
Gttingen, Mser im kleinen Osnabrck; beide zehren von den Erinnerungen
aus England, wie ich aus Leipzig und Berlin.

Erst zu Anfang der siebenziger Jahre ward in diese wste Braunschweiger
Wirthschaft etwas Ordnung eingefhrt, indem in Folge der bestndigen
Finanznoth von dem zum Mitregenten ernannten Erbprinzen Karl Wilhelm
Ferdinand die Landstnde einberufen wurden. Es durfte ohne dessen
Mitunterschrift fortan kein Geld mehr ausgegeben werden. Karl Wilhelm
Ferdinand, der seinem Vater whrend des amerikanischen Krieges 1780 als
Herzog folgte, als preuischer General 1787 in Holland und 1792 in
Frankreich kommandirte und in der Schlacht bei Auerstdt seiner Augen
beraubt, bald darauf in Ottensee bei Hamburg starb, war ebenso sparsam
als sein Vorgnger verschwenderisch. Ein Zgling des bekannten Abts
Jerusalem, dem Ordens- und Gesellschaftswesen jener Zeit von Herzen
zugethan, zwischen mystischem Glauben und Voltaire'schem Unglauben
schwankend, ein begeisterter Verehrer des franzsischen Wesens, dabei
ein schner Mann, sinnlich, gefallschtig und Meister der
Reprsentation, stand er in engeren Beziehungen zum englischen Hofe,
indem er eine Schwester Georg III., Lady Auguste, zur Frau hatte. Da sie
unbedeutend und ungebildet war, so entschdigte sich Ferdinand durch
schne und geistreiche Maitressen, wie die von Goethe bewunderte
italienische Grfin Branconi, deutsche Baroninnen und franzsische
Schauspielerinnen. Im Uebrigen knauserte er, wo er nur konnte, um die
Schulden seines Vaters zu bezahlen und war ebenso gewissenlos als
unermdlich in der Auffindung neuer Hlfsquellen zur Verbesserung seiner
konomischen Lage. Ein italienisches Lotto, dessen Pacht dem Geheimen
Rath und Minister Feronce berlassen war, that in dieser Beziehung zwar
sehr gute Dienste, reichte indessen zur Hebung der zerrtteten Finanzen
allein noch nicht aus. Es galt also, da sich die Goldmacherei des alten
Herzogs nicht bewhrt hatte, noch andere auerordentliche Mittel flssig
zu machen.

Mitten ber diesen Versuchen und Plnen zur Verbesserung des
herzoglichen Haushalts traf Faucitt in Braunschweig ein. Ein Engel vom
Himmel htte zu keiner gnstigern Stunde zum dortigen Hofe
herniedersteigen und goldenen Segen spenden knnen als der englische
Kommissr. Es kam jetzt darauf an, ihn gehrig auszubeuten. Er hatte,
wie aus seiner Instruktion ersichtlich, den Auftrag, zuerst den damals
fast allein gebietenden Erbprinzen zu sondiren und diesem einen
Privatbrief des Knigs zu berreichen. Faucitt, statt erst die
Verhltnisse zu prfen und sich der fr ihn daraus ergebenden Vortheile
zu versichern, hatte kaum die Reisekleider ausgezogen, als er am Abend
des Tages seiner Ankunft, am 29. November dem Erbprinzen seine
Aufwartung machte. Sobald dieser sich berzeugt hatte, da der Englnder
nichts von seinen huslichen Verlegenheiten und der Finanznoth blasser
Wehmuth wute, nahm er die ihm so gut stehende Miene des herablassenden
Gnners und Beschtzers an. Der Erbprinz -- so berichtet Faucitt am 1.
Dezember 1775 an Suffolk -- gab mir die strksten Versicherungen, da
er den kniglichen Vorschlag billige und da er allen seinen Einflu auf
den regierenden Herzog zu dessen Durchfhrung aufbieten wolle. Er
verbrgte sich brigens nicht dafr, da sein Vater unbedingt darauf
eingehen werde, da er nur ungern so viele seiner Unterthanen in einem
unbekannten, so sehr entfernten Lande verwandt sehe, und fragte mich, ob
nicht die Bestimmung der braunschweigigen Truppen besser nach Irland
statt nach Amerika gendert werden knne, was ich natrlich unbedingt
verneinte. Dann wnschte der Erbprinz, da wenigstens ein Theil der
Truppen nach Gibraltar und Minorka geschickt werden mge. Ich erwiderte
ihm, da bereits fnf Bataillone aus dem Kurfrstenthum dahin gesandt
seien, da also eine Aenderung nicht mehr stattfinden knne. Schlielich
forderte mich der Prinz auf, von meinem Beglaubigungsschreiben nicht
eher Gebrauch zu machen, als bis ich sicher sei, da der Herzog auf
meinen Antrag eingehen wolle.

Der Erbprinz hatte jetzt das Spiel in den Hnden und dabei den Vortheil,
es mit einem hchst unerfahrenen Anfnger zu thun zu haben. Am 30.
November rieth er ihm in einem freundschaftlichen, elegant geschriebenen
franzsischen Briefchen, das natrlich seinen Eindruck auf den Empfnger
nicht verfehlte, vorlufig nur als Privatmann bei Hofe zu erscheinen, da
der Herzog sich sehr schwierig zeige, erklrte ihm aber seine
Bereitwilligkeit, ihn von Allem in Kenntni zu setzen, was dazu dienen
knne, die Absichten des Knigs zu frdern. Am 1. Dezember fhrte er
weiter aus, wie schwer es sei, den Herzog trotz seiner finanziellen
Verlegenheiten zu dem beabsichtigten Vertrage zu bewegen, da die
Soldaten in seinen alten Tagen sein einziges Vergngen, seine einzige
Erholung seien. Am dritten Tage endlich, am 2. Dezember ward durch die
unausgesetzten Bemhungen des Erbprinzen die Zustimmung des Herzogs
erlangt.

Der regierende Herzog -- schreibt Faucitt am 2. Dezember an Suffolk --
hat endlich (!! nach zwei Tagen!!) eingewilligt, einen Truppenkrper fr
Sr. Majestt Dienst in Amerika zu stellen. In Folge dessen habe ich
heute mein Beglaubigungsschreiben berreicht. Der Herzog empfing mich
uerst gndig, erklrte, des Knigs Wunsch aus allen Krften erfllen
und ein so starkes Korps stellen zu wollen, als die Lage der Dinge ihm
gestatten werde. Er sagte, er habe Herrn von Feronce mit den
Verhandlungen in dieser Angelegenheit betraut. Ich kenne diesen Minister
schon lange. Er ist ein fhiger und erfahrener redlicher Mann, der
Schlichen und Kniffen feind ist. Ich wei noch nicht, wie gro die Zahl
der Soldaten sein wird; jedoch gab mir der Erbprinz zu verstehen, da
sie nicht weniger als 4000 Mann betragen wrde und da wir sie zu Anfang
des Frhjahrs haben knnten.

Der Herzog beantwortete des Knigs Brief am 5. Dezember, und zwei Tage
darauf war schon der Vertrag zwischen Faucitt und Feronce abgeschlossen,
der mit einigen nicht sehr erheblichen Abnderungen schlielich am 9.
Januar 1776 angenommen wurde.

Der Herzog verpflichtete sich in diesem Vertrage, der Krone England 3964
Mann Infanterie und 336 Dragoner, im Ganzen 4300 Mann in zwei Divisionen
fr den Krieg in Amerika zu berlassen. Von diesen, mit Ausnahme der
Pferde, vollstndig auf Kosten des Herzogs zu equipirenden, mit Zelten
und sonstigen Utensilien zu versehenden Truppen sollte die erste, aus
2282 Mann bestehende Division bereits am 25. Februar im Hafen sein, die
letzte Division aber in der letzten Woche des Mrz 1776 abmarschiren.
Sie mssen am Orte der Einschiffung vom englischen Kommissr besichtigt
werden, der jeden, ihm untauglich erscheinenden Soldaten verwerfen kann
und den Truppen den Eid der Treue fr den Knig von England abnimmt. Die
Besetzung der vakanten Stellen behlt sich der Herzog vor, die
Verwendung der Truppen in Amerika bestimmt aber der Knig. Um ihre
Desertion auf dem Marsche zu verhindern, erlt der Knig von England
als Kurfrst von Hannover an seine eigenen Behrden den Befehl, jeden
Deserteur aufzugreifen und am Einschiffungsplatz dem Regimente zu
berliefern. Ebenso verpflichtet sich der Herzog von Braunschweig, die
nthig werdenden Rekruten jhrlich zu liefern, nachdem ihm wenigstens
vier Monate vorher Kenntni von der zu ergnzenden Zahl gegeben ist. Die
Truppen stehen in Lhnung und sonstigen Vortheilen, wie Verpflegung,
Behandlung in den kniglichen Hospitlern, Fourage &c. ganz den
kniglichen Truppen gleich, und verpflichtet sich der Herzog, ihnen
namentlich ihre ganze Lhnung ungeschmlert zukommen zu lassen. Die
Schwerverwundeten und Dienstunfhigen werden auf knigliche Kosten an
die Mndung der Elbe und Weser zurckgeschafft, und die Dragoner sollen
von dem Tage an, da sie beritten gemacht werden, auf demselben Fue mit
der kniglichen leichten Kavallerie stehen. Der Herzog erhlt fr jeden
Fusoldaten dreiig Kronen Banko (gleich 51 Thlr. 15 Sgr. preuisch)
Werbegeld, wovon ein Drittel einen Monat nach Zeichnung des Vertrages
und die anderen zwei Drittel zwei Monate spter gezahlt werden sollen.
Fr die Soldaten, die am Tage der Musterung nicht anwesend sind, wird
dieses Werbegeld natrlich entweder gar nicht oder erst dann gezahlt,
wenn sie sich bei ihren Regimentern gestellt haben. Drei Verwundete
gelten als ein Todter, und ein Todter wird nach der Rate des Werbegeldes
mit dreiig Kronen bezahlt. Sollte durch eine Seuche, einen Schiffbruch,
eine Belagerung oder eine Schlacht ein auerordentlich groer Verlust in
einem Regimente oder Korps eintreten, so wird der Knig von England
auerdem in der billigsten und liberalsten Weise den Verlust der
Offiziere oder Soldaten ersetzen und die Kosten fr neue Rekrutirungen
tragen, um das von einem solchen Unglck betroffene Korps wieder
vollzhlig zu machen. Zur Vergtung fr die auerordentlichen Kosten,
welche durch die pltzliche Mobilmachung erwachsen sind, wird der
Uebertritt der Truppen in den englischen Dienst antedatirt und ihnen
Lhnung fr zwei Monate vor dem Tage ihres Abmarsches ausgezahlt. Die
jhrliche an Braunschweig zu zahlende Subsidie, welche mit dem Tage der
Unterzeichnung des vorliegenden Vertrages beginnt, ist eine einfache fr
die Zeit, da die braunschweigischen Truppen in englischen Diensten
stehen und betrgt 64,500 deutsche Kronen (gleich Lstr. 11,517. 17. 1)
per Jahr; sie wird aber eine doppelte, beluft sich also auf 129,000
Kronen von dem Tage an, an welchem die braunschweigischen Truppen in
ihre Heimath zurckkehren, und wird von diesem Zeitpunkt an noch zwei
Jahre lang an den Herzog gezahlt.

Sehen wir jetzt, wie der Vertrag in dieser seiner definitiven Fassung zu
Stande kam und lassen wir Faucitt und Suffolk die Geschichte der
Verhandlungen selbst erzhlen.

Einliegend -- schreibt jener am 7. Dezember 1775 an Suffolk -- Entwurf
eines Vertrages mit dem Herzog von Braunschweig fr 4000 Infanteristen
und 300 leichte Dragoner. Ich wollte eigentlich keine Kavallerie, da ich
zu wissen glaube, da Sie keine wnschen. Ich lie sie mir aber gefallen
und bestand nicht auf meinem Widerspruche, weil das Korps dem zum
Kommando bestimmten Obersten Riedesel gehrt und weil ich es fr das
Beste hielt, beim Anfang der Verhandlungen lieber etwas nachzugeben, als
schwierig zu erscheinen. Das Werbegeld ist so niedrig, als ich es nach
langem Hin- und Herreden nur festsetzen konnte. Von den zuerst
verlangten 60 deutschen Reichsthalern habe ich es auf 30 Banko-Thaler
(gleich 43 deutsche Reichsthaler) gebracht; es ist dies derselbe Preis,
der bei der Marburger Uebereinkunft bewilligt wurde. Ihr entsprechend
mute ich mir auch gefallen lassen, da der Anfang der englischen
Lhnung auf zwei Monate vor dem Abmarsch des Korps festgesetzt wurde.
Man bestand sogar Anfangs auf drei Monaten; es gelang mir aber, einen
Monat abzuhandeln.

Der Subsidien-Artikel war brigens der wichtigste und schwierigste.
Zuerst wurden, bis das Korps die englische Lhnung bezog, 120,000
Banko-Thaler verlangt, 70,000 Banko-Thaler so lange, als es dieselbe
erhielt, und wieder 120,000 Banko-Thaler fr den Zeitraum von sechs
Jahren nach der Rckkehr der Truppen in ihr Vaterland. Nach zweitgigem
Streit ber diesen Punkt kamen wir endlich dahin berein, da jeder
Theil seinen Vorschlag zu Papier bringen und Ihnen zur Entscheidung
vorlegen sollte. Uebrigens wird sich der Herzog in diesem Punkte dem
Knig fgen. Er bittet nur, da er im Falle einer pltzlichen Beendigung
des amerikanischen Krieges in den Stand gesetzt werde, die
auerordentliche Last zu tragen, welche diese neue Aushebung ihm
auferlegen wird. Der letzte (im definitiven Vertrage gestrichene)
Artikel, worin der Herzog verlangt, da zwei Bataillone seiner Truppen,
nmlich 1160 Mann, irgendwo in Europa garnisoniren sollten, wurde von
mir auf das Aeuerste bekmpft. Der Herzog drang aber darauf, da sein
Vorbehalt dem Knige vorgelegt werden solle; er sei, wie er sagte,
diesen Regimentern ganz besonders zugethan und dann eiferschtig auf die
den Hannoveranern im Mittelmeere zugewiesenen Garnisonen. Er wird sich
aber mit der Zeit den Wnschen des Knigs fgen. In der Voraussetzung,
da der Vertrag in der einen oder andern Form abgeschlossen wird, habe
ich fr jeden Rekruten, der diensttchtig in Harburg abgeliefert wird,
30 Thaler versprechen mssen, indem der Herzog, um keine Zeit zu
verlieren, sofort rekrutiren wollte. Sie sind natrlich verloren, wenn
der Vertrag nicht zu Stande kommt.

Suffolk war so sehr ob der gnstigen Aussichten erfreut, welche
Faucitt's Bericht ihm bot, da er gar nicht handelte und feilschte,
wofern er nur sein Ziel, schnelle Verschiffung der Truppen nach Amerika
erreichen konnte. Ich gebe Ihnen -- schreibt er am 22. Dezember 1775
von St. James an Faucitt -- meine volle Zufriedenheit ber Ihren Eifer
und Ihre Geschicklichkeit zu erkennen und lege Vollmacht fr den
Abschlu des Vertrages mit Braunschweig bei. Ihr Entwurf ist auf
fnfzehn Artikel reduzirt. Alle braunschweigischen Truppen mssen nach
Amerika; ihre anderweitige Verwendung ist durchaus unzulssig. Nur keine
Verzgerung! Die Zeit, von der Sie sprechen, ist zu lang. Drei von den
fnf Bataillonen mssen in der letzten Woche des Februar und der Rest
Ende Mrz am Einschiffungsplatze sein. Dieser Punkt ist von der
uersten Wichtigkeit. Sie mssen darauf dringen und bestehen. Da die
englische Lhnung, wie ich hoffe, ein Mittel ist, ihn durchzusetzen, so
ist Se. Majestt damit einverstanden, da sie zwei Monate vor dem
wirklichen Dienst beginnt. Wenn aber die erste Division noch frher
marschiren kann, so knnen Sie die Lhnung verhltnimig noch mehr
vordatiren.

Die 300 Dragoner sind mehr als wir brauchen; indessen will der Knig sie
unberitten nehmen, und sollen die Leute die Lhnung unsrer leichten
Kavallerie haben. Sie haben Recht gehabt, da Sie sich verpflichteten,
selbst dann fr die Rekruten zu zahlen, wenn der Vertrag nicht zu Stande
kommen sollte. Dringen Sie auf Riedesel's Befrderung zum General. Wird
den Wnschen Sr. Majestt berall entsprochen, so sind Sie selbst
bevollmchtigt, die von Herrn von Feronce verlangte Subsidie zu
bewilligen.

In diesem letztern Punkte war Faucitt sogar noch vorsichtiger als der
Minister, denn es gelang ihm am 9. Januar 1776, den sich auf die
Subsidie beziehenden Theil des Vertrages zu gnstigeren, als den ihm
aufgegebenen Bedingungen abzuschlieen.

Der Herzog -- schreibt er am 9. Januar 1776 an Suffolk -- hat endlich
alle Einwendungen gegen die Verschiffung seiner Truppen nach Amerika
aufgegeben. Die zwei Bataillone, welche er in Europa behalten wollte,
sind eigentlich die einzigen, fr uns bestimmten regulren Truppen, sie
bilden sein Veteranen-Regiment, das hauptschlich aus seinen eigenen
Unterthanen besteht, whrend die drei anderen Bataillone, mit einer
geringen Ausnahme alter gedienter Soldaten und Offiziere, grten Theils
rohe Rekruten sind, die aus aller Herren Lnder zusammengestohlen
wurden. Wir werden jetzt aber sechs Bataillone haben, die der Mehrzahl
nach Braunschweiger sind. Sie sollen in zwei Divisionen an den
Einschiffungsplatz Stade marschiren, und die erste derselben 2282 Mann,
die letztere aber 2018 Mann zhlen. Im Ganzen weicht der nunmehr
endgltig abgeschlossene Vertrag wenig von Ihrem Entwurfe ab. Nur die
Subsidie ist gendert. Sie ist aber von Anfang an bis zur Rckkehr der
Truppen nur eine einfache. Die zweimonatliche Lhnung vor der Uebernahme
in den englischen Dienst ist beibehalten.

Erlassen Sie sofort die erforderlichen Befehle zum Transport der Truppen
und zur Vorbeugung ihrer Desertion in Hannover. Beifolgend eine
Aufstellung der Mannschaften, fr welche das Werbegeld und die
zweimonatliche Lhnung im Voraus verlangt wird. Der Herzog bittet um
sofortige Zahlung. Ebenso lege ich auf seinen und des Erbprinzen Wunsch
einen Separat-Artikel bei, der auf das mglicher Weise zu erlassende
Verbot des Kaisers gegen Truppenanwerbungen fr fremde Mchte Bezug
hat.

Suffolk sandte am 20. Januar den ratifizirten Vertrag an Faucitt zurck.
Die verschiedenen Aenderungen desselben -- sagte er in seinem
Begleitschreiben von demselben Datum -- sind nicht gemibilligt; aber
hinsichtlich der Subsidien enthielten meine Instruktionen keineswegs
eine Bevorzugung des Vorschlages von Feronce, sondern nur die Erlaubni
fr Sie, ihn dann anzunehmen, wenn Sie dadurch weitergehende Absichten
erreichen konnten. Sagen Sie dem Herzog, da der Knig den
kurfrstlichen Behrden die geeigneten Befehle zur Verhinderung der
Desertion gegeben hat. Der vom Herzog und Erbprinzen vorgeschlagene
Separat-Artikel wegen des mglicher Weise vom Kaiser zu erlassenden
Truppen-Aushebungsverbots fr den Dienst fremder Mchte ist genehmigt.
Wir halten diesen Vorbehalt fr eine berflssige Vorsichtsmaregel und
haben ihm nur unter der Voraussetzung zugestimmt, da der Herzog Alles
aufbieten wird, sein Korps zu vervollstndigen und jedes Hinderni, von
welcher Seite es auch kommen mag, zu vereiteln.

In einem durchaus privat bezeichneten Anhange zu obiger offiziellen
Depesche giebt Suffolk seinem Agenten auf, den Herzog wo mglich zu
bestimmen, da er den Separat-Artikel ganz fahren lasse. Sie mssen ihm
begreiflich machen, da der ganze Vertrag im Laufe der parlamentarischen
Verhandlungen ein Gegenstand der ffentlichen Debatte werden wird, da
der fragliche Artikel, obgleich dem Anscheine nach obligatorisch fr
uns, ohne auf der andern Seite Sicherheit zu gewhren (und folglich sehr
vielen gehssigen Bemerkungen ausgesetzt) nicht allein aus diesem
Grunde anstig ist, sondern da er sogar einen feindseligen Ausdruck
gegen eine andere Macht enthlt, und zwar ber einen Punkt, der wenn
nicht viel strkere Grnde dafr sind, besser unerwhnt bliebe. Der fr
den Herzog daraus herzuleitende Vortheil ist unbedeutend und hngt von
einem hchst unwahrscheinlichen Ereigni ab. Wenn aber des Kaisers
Proklamation wirklich in Kraft tritt und unser Rekrutenbedrfni nach
wie vor dasselbe bleibt, so kann es aus anderen Quellen leicht
befriedigt werden, so da kein vernnftiger Grund zur Befrchtung
vorliegt, da whrend der Zeit ihrer Dauer irgend ein Abzug von den
Subsidien gemacht werde. Lassen Sie diesen Artikel nur im uersten
Nothfalle stehen; thun Sie aber, was Sie knnen, dagegen.

Der Herzog stand, wie Faucitt am 20. Februar 1776 antwortete, ohne groe
Schwierigkeit von dem Verlangen des Separat-Artikels ab, der
hauptschlich vom Erbprinzen angeregt war, worauf denn am 18. Februar
die Ratifikation ausgewechselt wurde. Faucitt erhielt einen Diamantring
zum Werthe von 100 Pfund Sterling zum Geschenk. Er habe, sagte er,
dessen Annahme nicht ausschlagen knnen, da ein solches Geschenk von
frheren Vertrgen her blich sei. Der Kanzlei des englischen
Ministeriums des Auswrtigen wies der braunschweigische Minister Feronce
150 Pfund zur Vertheilung an und versumte zu gleicher Zeit nicht,
Suffolk um eine Abschlagszahlung von 20,000 bis 30,000 Pfund zu bitten.
Natrlich erhielt auch Feronce ein Geschenk. Es bestand in baarem Gelde;
wie viel, wird in unseren Quellen nicht gesagt, und auch Feronce
schweigt darber in seinem Danksagungsbriefe vom 3. April 1776.

Die erste braunschweiger Division war zur festgesetzten Zeit
marschfertig, mute indessen in ihre Quartiere zurckbeordert werden,
weil die englischen Transportschiffe noch nicht in Stade angekommen
waren. So marschirte sie unter Kommando des Generals Riedesel erst am
22. Februar und kam am 5. Mrz in Stade an, ohne auch nur einen einzigen
Mann durch Desertion verloren zu haben. Ich habe -- schreibt Faucitt am
12. Mrz an Suffolk -- die Grenadire und Dragoner bereits eingemustert;
sie haben viel zu viel alte Leute unter sich. Die vorderen und hinteren
Glieder sind aus gesunden und krftigen Mannschaften gebildet, aber das
Centrum ist nichts werth. Es besteht aus lauter frischen Rekruten, die
nicht allein zu klein, sondern auch schlecht gewachsen und theilweise zu
jung sind. Prinz Friedrich's Regiment ist das beste. Die Waffen sind
alt, aber gut und in Ordnung. Die Disziplin ist ausgezeichnet, kein
Soldat war betrunken. Jedes Korps wurde einzeln beeidigt. Das dabei
beobachtete Verfahren ist dieses: das ganze Regiment wird in einen Kreis
formirt, der Auditeur liest den Eid vor, ermahnt die Truppen, sich als
treue, tapfere und ordentliche Soldaten aufzufhren, worauf Offiziere
und Mannschaften den rechten Arm erheben und den Eid Wort fr Wort
nachsprechen. Alles das ging sehr gut ab und vom 12. bis 17. Mrz wurde
die ganze erste Division eingeschifft.

Derselbe Herzog von Braunschweig, der seinem Theater-Direktor jhrlich
30,000 Thlr. Gehalt zahlte, der die schnsten und theuersten Maitressen
unterhielt und Millionen fr den sinnlosesten Luxus vergeudete, wollte
oder konnte brigens nicht einmal brauchbare Uniformen fr seine Truppen
beschaffen. Sie hatten keine Mntel und kamen Ende Mrz ganz zerlumpt
und zerrissen in Portsmouth an. Hier muten sie erst mit Schuhen und
Strmpfen versehen werden. Das englische Ministerium streckte dem
General Riedesel 5000 Pfund Sterling vor, damit seine Soldaten sich
wenigstens die nothwendigsten Bedrfnisse kaufen konnten. Die englischen
Kaufleute waren nicht die letzten, aus dieser Noth ihren Vortheil zu
ziehen. Als man auf der See die Kisten mit dem englischen Schuhwerk fr
die Grenadiere ffnete, fand man dnne und leichte Damenschhchen und
berhaupt lauter nutzlose Waare. Sie mssen im Interesse des Dienstes
darauf dringen -- schreibt Suffolk an Faucitt am 2. April 1776 -- da
sofort neue Uniformen angeschafft werden. Der Herzog mu sie bei Zeiten
schicken, damit seine Truppen nicht unter der Ungunst des Wetters leiden
und damit sie nicht unzufrieden werden, wenn sie ihre Kameraden besser
gekleidet sehen. Es gelang denn auch den Vorstellungen Faucitt's, da
der ersten Division gegen Ende Juni neue Uniformen nach Kanada
nachgeschickt wurden.

Um dazu in den Stand gesetzt zu werden, mute sich der Herzog erst einen
Theil seiner Forderungen an England auszahlen lassen. Die Lhnung, die
vom Augenblick der Ankunft in Amerika fllig wurde, schickte die
englische Regierung direkt an ihren dortigen General-Zahlmeister, der
sie wieder an die Unterzahlmeister verabfolgte, von welchen sie den
betreffenden Befehlshabern eingehndigt wurde.

Diese Vorsichtsmaregel hatte ihre ganz bestimmten Grnde. Da die
englische Lhnung doppelt so gro war als die deutsche, so hatten bei
frheren Gelegenheiten Braunschweig und Kassel die Differenz in die
Tasche gesteckt, eine Summe, die sich whrend des siebenjhrigen Krieges
auf mehrere Millionen belief. Diesem Unfug nun wollte England vorbeugen,
um die deutschen Soldaten, die jetzt in einem andern Welttheile an der
Seite der Englnder kmpften, auf gleichen Fu mit diesen zu stellen und
nicht aufzureizen. Die Sache schien sogar mit Recht dem Minister Suffolk
wichtig genug, um sie zum Gegenstand eines besondern Paragraphen zu
machen. Der arme deutsche Soldat, der fr eine ihm ganz fremde Sache
seine Haut zu Markte trug, mute vom Kufer gegen die niedrige Habsucht
des Verkufers geschtzt werden! Natrlich wurde dasselbe Verfahren auch
den Hanauern, Anspachern und brigen Landesvtern gegenber eingehalten.
Sie versprachen zwar, ihren Truppen die volle englische Lhnung zukommen
zu lassen, um auf diese Weise das ganze Geld in die Hnde zu bekommen;
England traute ihnen aber nicht und handelte in der oben angegebenen
Weise. Nur Kassel lie sich diese Behandlung nicht gefallen und setzte
es durch, da die Lhnung fr seine Soldaten dem Kriegszahlmeister des
Landgrafen direkt verabfolgt wurde.

Die zweite Division Braunschweiger, bestehend aus dem Bataillon Barner
und den Regimentern Rhetz und Specht, kam in den letzten Tagen des Mai
in Stade an und wurde am 28. und 29. Mai von Faucitt in den englischen
Dienst eingemustert. Das Bataillon Barner, das ausdrcklich fr den
Dienst in Amerika ausgehoben ist, -- berichtet Faucitt an Suffolk --
besteht fast nur aus Rekruten; es befinden sich viele halbausgewachsene
Jungen darunter, die kaum stark genug sind, das Gewehr zu tragen. In den
Regimentern Rhetz und Specht fand ich viele alte Mnner und im Zentrum
eine Menge kleiner, schlechtgewachsener Jungen. Uniformen und Waffen
sind gut. Die Offiziere beklagen sich ber die nichtswrdig engen und
schlechten Schiffseinrichtungen. Die Marineoffiziere selbst, welche die
Transportschiffe unter sich haben, geben zu, da diese gar keine
Bequemlichkeiten bieten. Die Kajten sind zu eng, die Leute mssen
frmlich auf einander gepkelt werden. Zudem haben die Lieferanten in
Bristol arg betrogen. Die Betten sind drftig und dnn; die Kopfkissen
nur fnf Zoll lang und sieben Zoll breit, kaum grer als Nadelkissen.
Ein ganzes Bett, bestehend aus Matratze, Kissen, grober wollener Decke
und Oberdecke, wiegt kaum sieben Pfund.

Die Verpflegung war nicht viel besser. Schinken mit Wrmern, faules
Trinkwasser und Schiffsvorrthe, die noch seit dem siebenjhrigen Kriege
in den englischen Magazinen gelagert hatten, wurden fr gut genug zur
Verpflegung der deutschen Soldaten befunden. Warum sollten auch die
Englnder da Rcksicht nehmen, wo die deutschen Landesvter keine andre
Sorge kannten, als mglichst viel Geld aus den verkauften Landeskindern
herauszuschinden?

Diese zweite Division ging am 1. Juni 1776 in See, an demselben Tage, an
welchem die erste unter Riedesel in Quebeck ankam.




Viertes Kapitel.


Faucitt war, nachdem er in den ersten Tagen des Dezember 1775 den
Vertragsentwurf in Braunschweig abgeschlossen und an Suffolk eingesandt
hatte, seinem Auftrage gem, sofort nach dem benachbarten Kassel
abgereist, wo er am 10. Dezember ankam.

Kassel war zu jener Zeit und berhaupt whrend des ganzen achtzehnten
Jahrhunderts eine der schnsten und glnzendsten Stdte Deutschlands; es
verdankte seine Pracht gerade dem Geschfte, wegen dessen Faucitt es
jetzt besuchte, dem Soldatenhandel. Das Blut und die Kraft des Landes
wurde in der Residenz in Marmor und in Prachtbauten umgemnzt. Seit
hundert Jahren war dort ein Frst auf den andern gefolgt, der seinen
Vorgnger in theils geschmackvollem, theils geschmacklosem Luxus, in
groen Palsten und Gartenanlagen, Kunstsammlungen und Bildergallerien
berbot. Hand in Hand mit dieser tglich reicher und kostspieliger
auftretenden Baulust und Verschwendung ging natrlich auf der andern
Seite der Menschenhandel und die Verarmung des Landes an Einwohnern. Die
hessischen Landgrafen trieben die Unterhaltung eines theuern stehenden
Heeres, die bei dem Einen ihrer Kollegen oft ein kindliches Spiel war
oder bei dem Andern ein ernstes Ziel bedeutete, lediglich als ein
regelmiges kaufmnnisches Geschft. Ihre Soldaten, aus einem
krftigen, unverdorbenen und tapfern Volksstamme hervorgegangen, wurden
durch Disziplin und Uebung bald die besten und zuverlssigsten, darum
auch gesuchtesten Truppen in Europa, und von England bis Griechenland
gab es vom Ende des siebenzehnten bis zum Ende des achtzehnten
Jahrhunderts kaum ein Schlachtfeld, auf welchem sich die hessische
Infanterie nicht rhmlich ausgezeichnet htte.

Landgraf Karl I. (1677-1730), der Kasernen- und Kirchen-Erbauer, der
zuerst die Wasserwerke auf dem Weienstein (der sptern Wilhelmshhe)
anlegte, und dort den Herkules aufstellte, fing den Soldatenhandel mit
dem Auslande an. 1687 berlie er 1000 Mann an Venedig zum Krieg gegen
die Trken in Morea, 1702 gab er 9000 Hessen an die Seemchte, 1706
dienten deren 11,500 Mann in Italien und nach dem Utrechter Frieden
vermiethete er wieder 12,000 Unterthanen an Georg I. Seit der
Thronbesteigung Georg's II. zahlte England jhrlich 240,000 Pfund
Sterling Subsidien an den Landgrafen, eine fr jene Zeit sehr bedeutende
Summe. Sein Nachfolger Friedrich I. (1730-1751), der als Gemahl der
Schwester Karl's XII. zugleich Knig von Schweden war und deshalb wenig
in Hessen lebte, vermehrte gleichwohl sein Heer auf 24,000 Mann. Sein
Bruder Wilhelm VIII., der zuerst als sein Statthalter und dann
selbstndig von 1751-1760 regierte, betrieb das Soldatengeschft in noch
grerer Ausdehnung, ja er versah sogar im sterreichischen
Erbfolgekriege beide kriegfhrenden Mchte mit Truppen, indem er 1743
sechstausend Hessen an Georg II., den Bundesgenossen Maria Theresia's,
und ebensoviel Landeskinder an Karl VII., den ephemeren deutschen
Kaiser, vermiethete. Es stand also Hesse gegen Hesse: es war ein
Bruderkrieg auf fremde Bestellung, auf hhern Befehl und aus keinem
andern Motive als zum Besten des landesvterlichen Sckels! Einige Jahre
spter bildeten die Hessen den Kern der hollndischen Hlfstruppen, mit
welchen der Herzog von Cumberland die Schlacht bei Culloden gewann, und
im siebenjhrigen Kriege kmpften wieder 12,000 Hessen fr englische
Interessen gegen die Franzosen in Deutschland.

Landgraf Friedrich II. (1760-1785), mit welchem wir es zunchst zu thun
haben, gehrte durch seinen Reichthum, seine Familienverbindungen und
die gnstige Lage seines Landes trotz dessen verhltnimig geringen
Umfanges (156 Quadratmeilen mit nicht ganz 300,000 Einwohnern) zu den
mchtigsten und angesehensten Reichsfrsten. Er hatte mit seinen
Vorgngern einen gewissen nchternen Blick, geschftsmigen
Ordnungssinn, rcksichtslosen Egoismus, grobe Sinnlichkeit und
hartnckigen Eigensinn gemein. In der innern Verwaltung seines Landes
hatte er sich das Preuen Friedrich Wilhelm's I. und Friedrichs des
Groen zum Muster genommen; sie war sparsam und gut. Das Heer erfreute
sich natrlich seiner ganz besondern Vorsorge; indessen nahm er auch
ber die dienstlichen Angelegenheiten hinaus einen freundschaftlichen,
oft sogar herzlichen Antheil an dem Wohlergehen und den Schicksalen
seiner Offiziere. Mit seinen Obersten und Generlen fhrte er whrend
des ganzen amerikanischen Krieges einen regelmigen Briefwechsel und
entschied selbst ber deren Wnsche und Beschwerden. Friedrich war
katholisch geworden, weil ihm der Protestantismus zu wenig vornehm
erschien, verhielt sich im Uebrigen aber nicht allein gleichgltig gegen
die Religion, sondern gefiel sich darin, den Aufgeklrten, den
Beschtzer der Knste und Wissenschaften zu spielen und mit Voltaire zu
korrespondiren. Er grndete sogar hhere Lehranstalten und Museen, ja
trug in einzelnen Gesetzen eine gewisse Humanitt und franzsisch
gefrbte Bildung zur Schau. Wie wenig aber hinter diesem Scheine
steckte, beweist die Anekdote, wonach er den Versknstler Casparson fr
ein Lobgedicht, welches ihm dieser auf Seidenpapier gedruckt auf dem
Abtritt hatte berreichen lassen, zum ordentlichen Professor am
Carolinum ernannte. Es war eben eine kluge Berechnung, da man, wie
Schlosser sagt, die stille Klage und das verborgene Weinen im Lande
durch lautes Zeitungsgeschrei von Kunst und Wissenschaft ersticken lie.
So sehr der Landgraf als Gemahl der englischen Prinzessin Marie, Tochter
Georg's II., das englische Geld liebte, so sehr bewunderte er auf der
andern Seite franzsische Sitte und Unsitte. Das offizielle Kassel war
unter ihm eigentlich nur eine franzsische Kolonie. Franzsische Theater
und Oper, franzsische Tnzerinnen und liederliche Weibsbilder,
franzsische Weichlichkeit und Ueppigkeit, franzsische von Voltaire
empfohlene Abenteurer, wie de Luchet und Trestondam traten in
verantwortliche Stellungen und gaben dort den guten Ton an. Eine vom
Herzog von Bouillon in Paris abgedankte Maitresse wurde nach Kassel
verschrieben und erhielt, auer 2000 Thaler Gold Reisegeld, jhrlich
10,000 Thaler Gold Gehalt. Auer dieser Maitresse en titre erfreute sich
noch ein ganzer Harem der landesvterlichen Gunstbezeugungen. Die Zahl
der unehelichen Kinder des Landgrafen lt sich gar nicht bestimmen; es
sollen deren ber hundert gewesen sein. Seine rechtmigen Kinder,
welche in Hanau von ihrer Mutter erzogen wurden, sah er, ohne da sie
ihm etwas zu Leide gethan htten, volle neunundzwanzig Jahre nicht.
Ihre Mutter hatte aber das Verbrechen begangen, sich von ihrem Manne,
nachdem er katholisch geworden, zu trennen.

Trotz aller dieser Ausgaben und namentlich trotz seiner kostspieligen
Bauten, wie Opernhaus, katholische Kirche, Museum und Paradeplatz,
hinterlie Friedrich bei seinem Tode nahe an sechzig Millionen Thaler
baares Vermgen. Es war, auer dem von dem Mailnder Sinistrario 1777
begrndeten italienischen Lotto, hauptschlich durch den Soldatenhandel
erworben. Der Landgraf hatte, indem er zuerst System und Methode in
dieses Geschft brachte, schon im Jahre 1762 das freiwillige Werbesystem
in Hessen aufgehoben und nach dem Vorbilde Preuens das Land in Kantone
eingetheilt, deren jeder eine gewisse Anzahl Rekruten fr ein bestimmtes
Regiment liefern mute. Sein Heer in Friedenszeiten belief sich auf etwa
16,000 Mann. Nur Kassel blieb nach wie vor frei von der Aushebung; blos
diejenigen jungen Leute der Hauptstadt, die sich freiwillig meldeten,
wurden Soldaten. Wenn die Eltern der weggenommenen Shne klagten, so kam
der Vater in die Eisenarbeit, die Mutter in's Zuchthaus. Wer desertirte,
mute zwei Tage hinter einander Spieruthen laufen, jeden Tag zwlf Mal,
zuweilen bis zum Tode. Nie -- sagt Carl Julius Weber in seinen Briefen
eines in Deutschland reisenden Deutschen -- sah ich mehr arme Teufel
durch die Gassen jagen, als einst in Kassel; die Trauermusik hrte ich
in meiner Wohnung, und die Offiziere belehrten mich, da Gassenlaufen
der Gesundheit weniger nachtheilig sei als die alten Stockprgel. Den
Reisenden jener Zeit fllt immer das traurige gedrckte Wesen der Hessen
auf, namentlich bemerken sie ber den Gesichtern der Frauen eine tiefe
Trauer, eine schmerzliche Resignation ausgebreitet. Die Hessen, welche
um den bestndigen Aushebungen zu entgehen, haufenweise nach Ungarn und
Polen auswanderten, pflegten sich sehr bezeichnend selbst Herrenmnner
zu nennen. Sind wir todt, so sind wir davon, war eine gewhnliche
Redensart der armen Leute im Lande. Nach dem siebenjhrigen Kriege war
ganz Hessen von aller jungen Mannschaft entblt, und kaum war wieder
einige nachgewachsen, so mute sie, der zwanzigste Theil der Bevlkerung
des ganzen Landes, nach Amerika ziehen. Bei dieser Gelegenheit griff man
natrlich auch zu Werbungen im deutschen Auslande; namentlich war
Frankfurt eine Haupt-Rekrutenstation fr die hessischen Werber.

Der Minister dieses Frsten nun, Ernst Martin von Schlieffen, ein
geborner Pommer, war einer der geistreichsten, sonderbarsten, unter dem
Anscheine der Sentimentalitt nchternsten und der Maske des
Biedermannes berechnendsten Mnner aus der Aufklrungszeit des vorigen
Jahrhunderts. Natrlich verehrte auch er Voltaire und die franzsischen
Enzyklopdisten als eine Art hherer Wesen. Als Jngling durch eine
Laune des groen Knigs aus dem preuischen Dienste getrieben, hatte er
in Hessen unter Wilhelm VIII. freundliche Aufnahme gefunden, den
siebenjhrigen Krieg unter dem Herzog von Braunschweig mitgemacht und es
1772 zum Generallieutenant gebracht. Schlieffen ist der eigentliche
Vater der sogenannten Triasidee und der Vorlufer von Beust und v.d.
Pfordten; er ersann nmlich nach dem siebenjhrigen Kriege, um das
Gleichgewicht zwischen Oesterreich und Preuen zu wahren, einen Bund der
Mindermchtigen und suchte durch diesen in die groe Politik
einzugreifen. Derartigen Humbug duldete aber der alte Fritz nicht; er
lie sich vom diplomatischen Kroppzeug nicht drein reden. Zur Zeit der
Ankunft Faucitt's war Schlieffen zugleich Minister und die rechte Hand
des Landgrafen, dessen Vortheil er nie auer Augen lie. Dieser htte in
der That nirgends einen aufmerksamern, umsichtigern und gewissenhaftern
Unterhndler als Schlieffen finden knnen. Faucitt war seiner
Ueberlegenheit, seiner Weltkenntni und Feinheit im Verkehr durchaus
nicht gewachsen, wie denn berhaupt Schlieffen sich ebenbrtig an die
Seite der besten Diplomaten seiner Zeit stellt. Spter trat er wieder in
preuische Dienste, wurde Kommandant von Wesel und Generallieutenant.
Die Franzosen wollten ihn 1792 zum Befehlshaber unter Dumouriez machen.
Schlieffen lehnte das Anerbieten ab, diente aber auch nicht gegen die
von ihm so hoch bewunderte Nation und zog sich auf sein Gut Windhausen
bei Kassel zurck, wo er ein beschauliches, den Wissenschaften
gewidmetes Leben fhrte, sich selbst ein Grab mit sonderbarer Inschrift
setzte und erst 1825, dreiundneunzig Jahre alt, starb. Seine
Familiengeschichte der von Schlieben oder Schlieffen enthlt eine der
besten Abhandlungen ber die Entstehungsgeschichte des deutschen Adels;
seine Ansichten sind immer originell und geistreich, wenn sie oft auch
den Autodidakten verrathen; nur werden sie leider durch einen bis zur
Komik getriebenen Purismus oft ungeniebar. So nennt er sich als General
und Minister einen Feldherrn-Geschftsfhrer, ein Adjutant heit bei ihm
Feldhandbieter, die Musen sind Wissensgttinnen, und der Staatssekretr
ist ein Reichsschriften-Verweser.

Mit diesem Manne nun hatte Faucitt bei seiner Ankunft in Kassel zu thun.
Von dem siebenjhrigen Kriege her noch oberflchlich mit ihm bekannt,
hielt er sich an die weltmnnische Auenseite, an die glatten und
gewinnenden Formen des Ministers und wnschte sich schon Glck, da er
weit besser mit ihm als mit dem pedantischen Feronce zum Ziel kommen
werde. Er sollte aber bald zu seinem Schaden finden, da er mit dem
braunschweigischen Minister ein viel leichteres Spiel gehabt hatte.
Faucitt berbrachte Schlieffen ein Einfhrungsschreiben des
Erbprinzen von Braunschweig, der darin den Abschlu eines
Truppenlieferungsvertrages mit England anzeigte, da man doch aus
Rcksichten der Freundschaft und Verwandtschaft dem Wunsche des Knigs
von England habe Folge leisten mssen, und der zugleich den Besuch
Faucitt's in Kassel zu demselben Zwecke ankndigte. Schlieffen erklrte,
da der Landgraf unwohl sei und zur Zeit Niemanden empfangen knne,
zeigte sich im Uebrigen aber geneigt, auf den Vorschlag einzugehen und
seinen Herrn dafr zu gewinnen. Derselbe sei, fgte er hinzu, sehr
verstimmt und leicht reizbar; man msse deshalb vorsichtig mit ihm
umgehen und ihn schrittweise auf die Absichten Faucitt's vorbereiten.
Ganz so schlimm mu es in der Wirklichkeit mit der blen Laune des
Landgrafen nicht gestanden haben, denn schon zwei Tage nach dem ersten
Empfang des englischen Gesandten erklrte Schlieffen diesem, da
Serenissimus nicht allein keine Einwendungen mache, sondern den
Vorschlag des Knigs von England mit Vergngen annehme und ihm so viel
Truppen berlassen wolle, als er nur entbehren knne. Der General --
schreibt Faucitt am 12. Dezember 1775 an Suffolk -- fragte mich, wieviel
Soldaten wir brauchen wrden? worauf ich erwiederte, 10,000 bis 12,000
Mann, mir nicht einbildend, da der Landgraf eine so groe Zahl zu
liefern im Stande sei. Der General versprach sie mir aber sofort, da
sich die Kriegseinrichtungen Hessen's seit dem letzten Kriege auf einem
ausgezeichneten Fue befnden, und sagte zugleich zu, da die Truppen
bis zum April sptestens marschfertig sein sollten. Am Schlusse unsrer
Unterredung erwhnte Schlieffen noch eine Forderung fr
Hospital-Ausgaben, welche Hessen angeblich im letzten Kriege fr uns
gemacht und deren Bezahlung er bisher vergeblich gefordert habe. Ich
erklrte, von der Sache gar nichts zu wissen, und hoffe, die
Verhandlungen schlieen zu knnen, ohne da mir deshalb Bedingungen
auferlegt werden. Ich benachrichtige Sie sofort von diesem Anspruche,
weil des Landgrafen Minister leicht aus unsrer gegenwrtigen
Verlegenheit Nutzen ziehen und auf Befriedigung dieses angeblichen
Anspruches bestehen knnte.

Schlieffen las aus der Eile und Hast, mit welcher Faucitt die
Unterhandlungen betrieb, sehr schnell seinen Vortheil heraus und fand
darin nur eine Aufforderung mehr fr sich, den Gunst bewilligenden
Gnner zu spielen und langsam, ja anscheinend widerwillig sich ein
Zugestndni nach dem andern entreien zu lassen. Die Bedingungen,
welche er aber in der That vorschrieb, gingen soweit, da sie das
eigentliche Verhltni zwischen beiden Kontrahenten auf den Kopf
stellten und den englischen Gesandten und Minister des Auswrtigen zu
Bittstellern herabsetzten, die froh sein muten, da ihnen nur ein Theil
ihrer Wnsche gewhrt ward. Die Situation war einfach diese: der
Landgraf hatte Geld und konnte warten; der Knig von England aber hatte
keine Truppen und konnte nicht warten. Der verschuldete Herzog von
Braunschweig hatte wie ein hungriger Klient mit seinem reichen Patrone
verhandeln mssen und wrde, wenn Faucitt seinen Vortheil verstanden
htte, auf jedes Gebot, auf jede Bedingung eingegangen sein. Schlieffen
aber wute, da er unentbehrlich war und konnte deshalb durch
Zurckhaltung nur gewinnen.

Der Vertrag, dessen definitiver Abschlu die Zeit vom 12. Dezember 1775
bis zum 31. Januar 1776 in Anspruch nahm, stimmt in seinen Zwecken und
wesentlichen Grundzgen mit der Braunschweiger Konvention berein. Es
gengt deshalb, hier nur diejenigen formellen und materiellen
Bedingungen hervorzuheben, durch welche sich beide von einander
unterscheiden.

Zunchst schlo also der winzige Landgraf von Hessen mit dem mchtigen
Knig von England keinen Truppenlieferungsvertrag, wie Braunschweig,
sondern eine Allianz, ein Schutz- und Trutzbndni, worin der eine Theil
(. 1.) dem andern treue Freundschaft und die Frderung seiner
Interessen wie seiner eignen verspricht, und sich verpflichtet, alle
Verluste und Nachtheile vom andern abzuwenden. Ja England ging in den
Paragraphen 10. und 11. so weit, dem Landgrafen den ungeschmlerten
Besitz seines Gebietes zu verbrgen, falls er angegriffen werden sollte,
und natrlich verpflichtete sich auf der andern Seite der Landgraf, dem
Knige von England im Falle eines Angriffes zu Hlfe zu kommen und
seine Besitzungen vertheidigen zu helfen. Wir werden spter sehen, wie
heftig diese Bestimmung, als der englischen Krone unwrdig, vom
Parlament angegriffen wurde.

Ueber dieser Wahrung seiner politischen Gleichberechtigung bersah
Schlieffen durchaus nicht die materiellen Vortheile. Zunchst setzte er
durch, da aus allen frheren mit England abgeschlossenen Vertrgen die
Hessen gnstigsten Bestimmungen in den neuen Vertrag aufgenommen wurden,
wie dies auch aus seiner Einleitung hervorgeht. Natrlich htete sich
Schlieffen wohl, irgend welche nachtheilige Klauseln aus der
Vergangenheit hervorzuziehen, dagegen war er, wo es seinem Interesse
entsprach, in einzelnen Fllen um so geschickter, eine Uebereinstimmung
zwischen der Gegenwart und lngst obsolet gewordenen Paragraphen der
frheren Vertrge zu entdecken. Schlieffen wollte es zuerst als einen
unsere Verhandlungen leitenden Grundsatz anerkannt sehen -- schreibt
Faucitt am 20. Dezember 1775 an Suffolk -- da die Vertrge, welche
frher zwischen beiden Hfen abgeschlossen wurden, als die Basis gelten
sollten, auf welcher auch der gegenwrtige Vertrag abzuschlieen sei,
und da wir im Laufe unsers Geschftes nur dann davon abgehen drften,
wenn die vernderten Umstnde es unbedingt verlangten. Eine Zustimmung
zu diesem Vorschlag meinerseits wrde mich, wie ich frchtete, einer
unangenehmen Beschrnkung ausgesetzt haben. Ich widersprach also, indem
ich einwandte, da augenblicklich kein allgemeiner Krieg herrsche, da
ferner Hessen nicht in Gefahr schwebe, von einem fremden Feinde
berfallen zu werden, da demnach die Verhltnisse, welche die Mehrzahl
der alten Vertrge hervorgerufen, nicht existirten, weshalb es rathsamer
sein und unsre Arbeit bedeutend abkrzen wrde, wenn wir unsere
Berathungen hauptschlich auf diejenigen Punkte beschrnkten, welche der
vorliegende Fall erheische. Der General bestand aber darauf, da den
frheren Vertrgen anhngen, auf geebneten Wegen gehen heie, und da
dadurch der Abschlu unserer Verhandlungen eher gefrdert als gehemmt
werde. Auerdem, sagte er, sei es seines Herrn bestimmter Befehl, nur
auf der alten Grundlage zu verhandeln und weiter zu gehen. Der Landgraf
verlange also, da seine Verbindung mit England nur im Einklang mit den
frher befolgten Prinzipien erneuert und keine ungnstigere, als irgend
eine der ihm bei frheren Gelegenheiten bewilligten Bedingungen
angenommen werde, um so mehr, da seine Truppen zum Dienste in einem so
entfernten Lande verwandt werden sollten. Ich mute also nothgedrungen
nachgeben. Der Vertrag ist in der gewhnlichen Form entworfen; viele
seiner Artikel sind den frheren Vertrgen, namentlich demjenigen von
1755 entnommen (dem vom Herzog von Newcastle abgeschlossenen, gegen den
Pitt damals auftrat).

Suffolk behandelte brigens die Frage sehr oberflchlich und
leichtsinnig und meinte, es sei nichts als eine Pedanterie, ein Spielen
mit inhaltsleeren Worten, in welchen man sich an kleinen Hfen gefalle,
wo es keine wirklichen Geschfte gebe, hatte deshalb auch nichts gegen
Faucitt's Nachgiebigkeit einzuwenden. Schlieffen zeigte diesem aber
bald, welche praktische Folgerungen sich aus dieser vermeintlichen
Prinzipienreiterei ziehen lieen.

Zuerst also setzte er durch, da das Werbegeld auch fr die Offiziere
bewilligt wurde, whrend es der Herzog von Braunschweig nur fr die
Soldaten verlangt und erhalten hatte. Indessen war es im Vertrage von
1755 als eine Art Geschenk auch fr die Offiziere gezahlt worden, damit
sie sofort ausrcken knnten. Es mute mithin auch jetzt, obwohl unter
gnzlich vernderten Umstnden, auf Schlieffen's Verlangen gezahlt
werden. Der Mehrbetrag, der auf diese Weise in die Tasche des Landgrafen
flo, war um zwanzig Prozent hher, als wenn das Werbegeld nur fr die
Gemeinen in Ansatz gekommen wre. Dann wurde die Subsidie nicht, wie bei
Braunschweig in deutschen Kronen, sondern in Kronen Banko[1] ( 1 Thlr.
21 Sgr.) festgesetzt und zur Erzwingung dieses Anspruches auch
wieder der Przedenzfall aus dem Jahre 1755 geltend gemacht. Die
Subsidie war eine doppelte whrend der ganzen Dauer des Krieges d.h.
450,000 Kronen (gleich 772,600 Thlr. Pr. Ct.) fr 12,000 Mann, also
37 Krone per Kopf. Der Knig von England mute sie ein volles Jahr
vor ihrem Ablaufe kndigen, doch durfte er diese Kndigung erst nach der
Rckkehr und Ankunft der Truppen in Hessen geben.

Diese Bedingung erwies sich in der Folge als die hrteste und lstigste
von allen. Faucitt und mit ihm Suffolk gingen von der Voraussetzung aus,
da der Krieg nur ein, hchstens zwei Jahre dauern werde; beide
arbeiteten deshalb von Anfang an darauf hin, da die Subsidie nicht
noch Jahre lang nach dessen Beendigung bezahlt zu werden brauchte. In
frheren Fllen war sie gewhnlich nach dem Friedensschlu noch zwei,
einige Mal sogar noch vier Jahre und zwar zum doppelten Betrage der
whrend des Krieges gezahlten Summe in Kraft geblieben. Auch
Braunschweig erhielt im Einklang mit dieser Praxis whrend des Krieges
eine einfache und nach Beendigung desselben noch zwei Jahre lang eine
doppelte Subsidie. Schlieffen dagegen sah weiter und glaubte von vorn
herein nicht an einen baldigen Friedensschlu, sondern hielt einen
langjhrigen Krieg fr wahrscheinlich und schlug deshalb fr dessen
Dauer eine doppelte Subsidie vor. Im ungnstigsten Falle verlor er im
Verhltni zu Braunschweig nur ein Jahr, da die Subsidie selbst nach
Beendigung des Krieges noch ein Jahr nach der Ankunft der Truppen in
Hessen gezahlt werden mute. Dauerte dagegen der Krieg lnger als ein
Jahr, so war aller Vortheil auf Seiten Schlieffen's. Dieser that, als
bringe er dadurch ein Opfer, da er auer der einjhrigen auf jede
Subsidie nach dem Friedensschlu verzichte, und erklrte Faucitt, es sei
ihm eigentlich das alte Verfahren lieber; indessen wolle er in
Anbetracht anderer Vortheile im vorliegenden Falle gern nachgeben.
Dagegen behielt er sich zum Schein die Wahl vor, die Truppen nach vier
Jahren zurckzurufen oder dann einen neuen und zwar bessern Vertrag
abschlieen zu drfen. Natrlich war das nur eine Spiegelfechterei, an
deren Geltendmachung Schlieffen auch in der Folge niemals dachte. Allein
Faucitt bi an, Suffolk lie sich auch fangen, und der Landgraf von
Hessen steckte einen Mehrgewinn ein, der sich whrend der zehnjhrigen
Dauer des Vertrages auf ungefhr 600,000 Pf. Sterl. oder vier Millionen
Thaler belief.

Sodann durften die hessischen Truppen im Dienste England's nur auf dem
Kontinent von Nordamerika verwandt werden; sie hatten ihre eigenen
Aerzte und Hospital-Einrichtungen, die ebenfalls vom Knig von England
unterhalten werden muten, und erhielten ihre Lhnung nicht vom
englischen Zahlmeister, sondern direkt vom Landgrafen, in dessen
Kriegskasse die zu diesen Zwecke bestimmte Summe eingezahlt werden
mute. Ich bestand -- schreibt Faucitt in demselben Briefe vom 20.
Dezember 1775 an Suffolk -- mit aller Energie darauf, da die hessischen
Truppen ihre Lhnung so reichlich und ungeschmlert erhalten mten als
die englischen. Der General erkannte ohne Weiteres die schmachvollen
Gaunereien an, unter denen die Hessen whrend des letzten Krieges in
Deutschland gelitten hatten und versicherte mich, da er zwar, um nicht
das Mivergngen des Landgrafen zu erregen, keinen besonderen Artikel
ber diesen Punkt in den Vertrag bringen drfe, da ich mich aber darauf
verlassen knne, da sie dies Mal auf einem ebenso guten, wenn nicht
bessern Fue gehalten werden sollten, als zur Zeit, wo sie in England
gewesen (1745).

Der Landgraf willigte also nicht ein, da seine Soldaten direkt von
England bezahlt wurden, noch gab er die bestimmte Erklrung, da sie auf
demselben Fue mit den englischen Truppen stehen, sondern stellte nur in
Aussicht, da sie dies Mal besser als frher behandelt werden sollten.
Der Grund fr die Erzwingung dieser Bedingung war kein andrer, als da
sich auf diese Weise mehr Leute in Anrechnung bringen lieen, als
wirklich im Dienste waren. Da der Landgraf dieses ehrlose Mittel, einen
unerlaubten Gewinn zu machen, nicht verschmhte, ergiebt sich aus den
bestndigen Klagen und Berichten der englischen Musterungsoffiziere und
General-Kriegskommissaire, die in den Zahlungslisten stets mehr Soldaten
aufgefhrt fanden, als wirklich bei den Fahnen standen. Nur aus diesem
Gesichtspunkte lt es sich erklren, da Schlieffen nicht, wie
Braunschweig, dreiig Kronen Banko fr jeden Todten oder fr je drei
Verwundete verlangte, sondern, da er bei den Verhandlungen das
Hauptgewicht auf die Auszahlung der hessischen Lhnung durch den
Landgrafen legte. Ein Hesse, der nur drei Monate lnger auf den
Prsenzlisten gefhrt wurde, brachte schon mehr ein, als ein
braunschweigischer Verwundeter.

Obgleich der Vertrag erst am 31. Januar abgeschlossen wurde, so mute er
auf den Wunsch des Landgrafen, der fr die eingetretene Verzgerung dem
englischen Ministerium Schuld gab, doch auf den 15. Januar vordatirt und
von diesem Tage an auch die doppelte Subsidie bezahlt werden. Die
Lhnung fr die erste Division, die am 16. Februar marschiren sollte,
fing ebenfalls schon zwei Wochen frher, nmlich am 1. Februar an,
whrend die zweite Division sie sieben Tage vor ihrem wirklichen
Abmarsche erhielt, um sie fr die mit der schnellen Ausrstung
verursachten auerordentlichen Ausgaben zu entschdigen. Auerdem wurde
den Truppen die englische Lhnung noch bis zum Ende des Monats
zugesichert, in dessen Laufe sie in ihre Heimath zurckgekehrt sein
wrden.

Wohl hatte Schlieffen Ursache, sich spter dieses Meisterstckes seiner
Diplomatie zu rhmen und zu sagen, da keiner der Vertrge, deren
Hessen's Landesherren frher mehrere mit England geschlossen, je fr sie
so vortheilhaft gewesen sei, als der von ihm eingegangene. Der einzige
Punkt, in welchem er nachgab, war das Verlangen, da das ganze Korps
noch ein ganzes Jahr nach seiner Rckkehr in englischem Solde stehen
sollte. Er sttzte sich fr diese Forderung auf den fnften Artikel des
Londoner Vertrages vom 1. April 1760, mute sie aber bei nherer Prfung
des Originals fallen lassen, weil die damals berlassenen beiden
Truppenabtheilungen nur aus Geflligkeit von England bezahlt waren, um
dem Landgrafen in seiner eignen Hauptstadt die Residenz zu ermglichen.

Der Vertrag mit Braunschweig -- schreibt Suffolk am 2. Januar 1776 an
Faucitt -- mag Ihnen als Muster fr den mit Hessen abzuschlieenden
dienen. Der Knig wnscht, da wo mglich ein Vertrag dem andern
gleiche. Knnen Sie daher den Schlieffen'schen Entwurf dem
braunschweigischen Vertrag nher bringen, so ist es desto besser. Sollte
Schlieffen dagegen auf seiner Parade mit Redensarten bestehen, so
beharren Sie nicht auf ihrer Verwerfung, sondern behalten Sie sich
wesentliche Punkte vor. Eine Ersparni wrde uns allerdings sehr
erwnscht sein, indessen darf sie nicht unserm groen Zwecke im Wege
stehen, welcher darin besteht, da wir so schnell als thunlich mglichst
viele Soldaten erhalten. Wenn deren 10,000 Mann zu erlangen sind, so
wird hoffentlich ein Theil derselben frher als zur festgesetzten Zeit
zu marschiren im Stande sein. Sie wissen selbst, von welch' ungeheurer
Wichtigkeit eine frhzeitige Einschiffung ist.

Der erste Gegenstand, der Ihre ernste Aufmerksamkeit verdient, ist die
Geldwhrung, in welcher das Werbegeld und die Subsidien bezahlt werden
sollen. Der Vortheil von fast fnfzig Prozent, welchen der Kassler Hof
auf diese Weise ber den Braunschweiger gewinnt, sollte eigentlich durch
die auerordentliche Schnelligkeit in der Befrderung der Truppen
ausgeglichen werden. Darauf kommt Alles an. Diesen Vorzug mssen wir
wenigstens vom Landgrafen erlangen. Gehen Sie schlimmsten Falles aber
auf alle seine Bedingungen ein, wenn Sie keine besseren festsetzen
knnen. Das Verlangen der Werbegelder fr Offiziere ist neu, sollte also
nicht zugegeben werden. Die von Ihnen angenommene Art der
Subsidienzahlung ist vom Knige gebilligt. Hoffentlich wird der Landgraf
nicht darauf bestehen, da die doppelte Subsidie noch ein ganzes Jahr
nach der Rckkehr seiner Truppen in ihre Heimath gezahlt wird. Geben
Sie hchstens sechs Monate zu. Die Lhnung der Truppen sollte eigentlich
mit ihrer Rckkehr aufhren, jeden Falls aber mu sie mit dem Monate
ihrer Rckkehr enden.

Der Separat-Artikel, welcher der Desertion der Truppen im Kurfrstenthum
Hannover vorbeugen soll, kann keinen Theil eines Vertrages mit dem
Knige von England bilden. Der Landgraf wird sich am besten gegen
Desertion und die Abneigung der deutschen Soldaten gegen eine Seereise
schtzen, wenn er ihnen alle Vortheile der englischen Lhnung sichert.
Sie drfen diese Lhnung nur im Einschiffungshafen oder da anfangen
lassen, wo die Truppen des Landgrafen Gebiet verlassen. Richten Sie ihre
ganze Aufmerksamkeit darauf, da die Einschiffung ohne Zeitverlust
erfolgt, da die schnelle Befrderung der Hessen auf den Kriegsschauplatz
von der hchsten Wichtigkeit ist. Wir mssen vor Allem jede Art
Verzgerung verhten, indem diese den Hauptvortheil der erwarteten Hlfe
zu nichte machen wrde.

Die Vorschriften und guten Lehren, welche Suffolk hier gab, kamen zu
spt. Schlieffen bestand auf seinen Forderungen und Faucitt mute wohl
oder bel nachgeben, weil sonst das ganze Geschft gescheitert wre.
Der Landgraf -- schreibt der Unterhndler am 1. Februar 1776 an Suffolk
-- der keine Schulden, sondern sehr gute Finanzen hat, ist in diesen
Dingen schwer zu behandeln; er htte einfach sein Korps nicht marschiren
lassen. Er hlt den Krieg von nur kurzer Dauer und will sich sicher
stellen. Jetzt entdeckte denn endlich Suffolk auch, warum Schlieffen
immer auf die alten Vertrge zurckgegangen war. Seine Vorliebe fr
Przedenzflle -- meint er bei Uebersendung der Ratifikation am 12.
Februar 1776 -- hat sich hier nicht auf bloe Formalitten beschrnkt,
sondern mit besonderm Geschick alle ihm gnstigen zuflligen
Bestimmungen aus frheren Vertrgen zusammengesucht. In Anbetracht der
Tchtigkeit und Zahl der Truppen aber, und der Schnelligkeit, mit
welcher sie marschfertig gemacht sind, sowie der Unbestimmtheit der
Zeit, fr welche sie in unsern Dienst treten, billigt der Knig die
gegenwrtige Fassung der Artikel.

Trotz aller dieser Zugestndnisse waren brigens die Forderungen des
Landgrafen noch nicht erschpft. Er verlangte ferner die Erledigung
seiner angeblichen Rechnungen fr Hospitalauslagen, die aus dem
siebenjhrigen Kriege her rckstndig sein und Lstr. 41,820. 14. 5
betragen sollten. Alles, was Faucitt erreichen konnte, war die
Einwilligung, da diese Ansprche keine Paragraphen des neuen Vertrages
bildeten; wogegen er deren sofortige Prfung und eventuelle Erledigung
versprechen mute. Auch Suffolk beeilte sich, dem Landgrafen die
beruhigendsten Zusicherungen zu geben, verzgerte aber die endliche
Entscheidung und wagte, durch den zu diesem Zwecke eigens nach London
gekommenen Schlieffen gedrngt, erst im Mai 1777 gegen Ende der Sitzung
die Sache dem Hause vorzulegen.

Die Opposition fhrte den Beweis, da der Anspruch schon vor vierzehn
Jahren erhoben und als ungerecht verworfen worden sei. Die Minister
waren nicht im Stande, das Gegentheil zu beweisen, behaupteten dagegen,
da der Anspruch nur geruht habe und in Ermangelung erschpfender
Beweise blos vorlufig abgewiesen sei. Obgleich seitdem keine neuen
Beweise beigebracht waren, so erschien er ihnen jetzt doch in jeder
Weise gerecht und billig, da es galt, einen so eigensinnigen und
zugleich unentbehrlichen Geschftsfreund wie den Landgrafen nicht vor
den Kopf zu stoen. Thomas Bishop, der zur Zeit des siebenjhrigen
Krieges mit diesem Zweige der Verwaltung der verbndeten Armee
beauftragt gewesen war, wurde jetzt vom Ministerium auf's Neue
angewiesen, die vorgelegten Rechnungen zu prfen. Bei dem besten Willen,
sich Lord Suffolk und dessen Kollegen gefllig zu zeigen und unbewiesene
Belege fr erwiesene anzunehmen, konnte er als hchste Summe doch nur
Lstr. 29,321. 16. 8 zusammen rechnen, so da also der Landgraf selbst im
gnstigsten Falle Lstr. 12,498. 17. 9 zu viel verlangte. Bishop gesteht
aber selbst zu, da er die Versicherung des Herzogs oder Erbprinzen von
Braunschweig und anderer hochgestellter Personen, da eine Rechnung
richtig sei, stets als gengenden Beweis angenommen habe.

Bei den Verhandlungen im Hause selbst meinte der Oberst Barre, man knne
sich zu den kleinen deutschen Frsten jeder Schandthat versehen, sie
wren froh gewesen, wenn sie fr manche ihrer Forderungen aus dem
siebenjhrigen Kriege einen Penny fr den Shilling erhalten htten; auch
der gegenwrtige Anspruch sei nichts als versuchter Schwindel. Baldwin
wandte ein, da der hessische Landgraf, wenn er eine gerechte Forderung
gehabt htte, nicht vierzehn Jahre auf ihre Bezahlung gewartet haben
wrde; er, der Redner, wisse aber, da sie, weil unbegrndet, ihrer
Zeit unbedingt verworfen worden sei. J. Townshend betrachtete die
geforderte Summe als neue Subsidie, als einen, jeden Englnder
beschimpfenden Tribut. Burke erklrte die Ehre der Nation dafr
verpfndet, da der Anspruch nicht bezahlt werde. Booth erschien die
ganze Sache deshalb verdchtig, weil sie so spt gegen Ende der Sitzung,
wo die meisten Mitglieder vom Lande schon nach Hause zurckgekehrt
seien, vorgebracht werde. Die Abstimmung erfolgte am 8. Mai 1777 und
ergab eine Majoritt von nur fnfzig Stimmen gegen zwei und vierzig zu
Gunsten des Ministeriums. So wurden denn dem Landgrafen von Hessen unter
dem Titel eines bisher unbefriedigten Anspruches fr Hospital-Rechnungen
aus dem siebenjhrigen Kriege noch Lstr. 41,820. 14. 5 gleich 268,804
Thlr. 15 Sgr. bezahlt. Auf die inzwischen angelaufenen Zinsen
verzichtete der Empfnger. Ob er es wohl gethan haben wrde, wenn er
seine Forderungen als richtig htte nachweisen knnen?

Der Landgraf bot brigens, nachdem das gegenseitige Verhltni einmal
vertragsmig festgesetzt war, Alles auf, um seinen Verbindlichkeiten
auf's Gewissenhafteste nachzukommen. Bei seiner bermigen Geldgier,
wie Faucitt seine Plusmacherei bezeichnet, hinderte ihn diese
Gewissenhaftigkeit jedoch nicht, berall seinen Vortheil zu ersphen und
wo sich nur eine Gelegenheit bot, die Ausgaben hher zu treiben. So
benutzte er den im Vertrage gebrauchten unbestimmten franzsischen
Ausdruck attirail der Artillerie (Zurstung und Gerth) zur Berechnung
aller mglichen Posten und Nebenforderungen, so da Suffolk ganz
erschrocken ob der angeschwollenen Rechnung Faucitt eiligst bat, doch ja
in Zukunft unbestimmte franzsische Ausdrcke zu vermeiden. Auerdem
wurde fr Fuhren und Fuhrdienst, Transportwagen und Lederzeug besonders
liquidirt; allein das englische Ministerium mute, wenn auch
widerwillig, Alles bezahlen, da es vorher auf die schleunigste
Mobilmachung der hessischen Truppen gedrungen hatte.

Diese waren zur ursprnglich bestimmten Zeit, d.h. Mitte Februar,
marschfertig, konnten aber so wenig wie die Braunschweiger ausrcken,
weil seitens des englischen Marineministeriums die Vorkehrungen fr die
Befrderung der fremden Soldaten so liederlich und versptet getroffen
waren, da die Transportschiffe erst zu Anfang Mrz von England nach
Bremerlehe abfahren konnten. So blieben die Hessen denn noch vierzehn
Tage lnger in ihren Quartieren. Die erste Division marschirte erst am
2. Mrz zum Einschiffungshafen ab, wo sie zwischen dem 15. und 20. Mrz
eintraf. Faucitt musterte sie am 20. Mrz in den englischen Dienst ein.

Er war ganz entzckt von den prchtigen Regimentern und schrieb in
diesem Sinne am 25. Mrz 1776 an Suffolk, wie folgt: Die mit guten
Bchsen bewaffneten Jger sind krftige und schne Leute und von Jugend
an gelernte tchtige Schtzen. Das Grenadierbataillon Linsing ist ein
prachtvolles Korps, ein herrlicher Menschenschlag; die Mannschaften
stehen smmtlich noch in ihrer ersten Jugend und besten Kraft. Die
Regimenter Garde du Korps (Oberst Wurmb), Prinz Carl (Oberst Schreiber),
General Ditfurth (Oberst Bose), General Trmbach (Oberst Bischhausen)
sind gleichfalls ausgezeichnet und fr jede Art Dienst geeignet. Es ist
schwer zu sagen, welches von ihnen das beste ist. Alle zusammen haben
nur sechs Kranke und sechs Deserteure. Vier Regimenter sind schon
eingeschifft, die Grenadiere werden morgen eingeschifft und die Jger,
sobald ein andrer Transport ankommt. Die Disziplin der Soldaten ist
ausgezeichnet. Fnf andre Korps -- fhrt Faucitt am 2. April fort --
sind vor diesen Tagen eingemustert: ein Grenadierbataillon, Oberst
Block, die Fsilier-Regimenter Erbprinz, Oberst Hachenberg, Knyphausen,
Oberstlieutenant Borck, Mirbach, Oberst Loos und Donop, Oberst Rosen.
Alle fnf sind ungewhnlich schne Regimenter, vollstndig uniformirt
und bewaffnet und fr jeden Dienst in der ganzen Welt tauglich. Ich
erwhne die alten Leute nicht, weil ihrer kaum zehn bis zwlf sind, die
lter als vierzig bis fnfundvierzig Jahre sein mgen. Nur in der Hhe
der Mannschaften herrscht ein kleiner Unterschied vor; das erste Glied
ist vielleicht einen halben bis einen Zoll grer als die brigen,
allein kein Mann war unter fnf Fu acht Zoll, und alle Glieder waren
einander gleich. Das Centrum war ein wenig kleiner, aber auch dieses
besteht aus jungen, gesunden und gut aussehenden Burschen. Nur sieben
Mann sind von diesen letzten fnf Regimentern desertirt, einer gestorben
und drei krank. Die drei letzten Korps dieser Division -- so schliet
Faucitt seinen Bericht vom 12. April -- sind das Grenadierbataillon,
Oberstlieutenant Minnigerode, das Fsilier-Regiment Losberg, Oberst
Heringen und das Rall'sche Regiment. Die beiden ersten sind
ausgezeichnet und in jeder Beziehung tchtig, sie sehen aus wie
Veteranen; Rall's Regiment ist das schlechteste von Allen, die ich
gesehen habe, sowohl was Gre als krperliche Strke der Mannschaften
betrifft. Es war bisher eines der Friedens- und Garnisons-Regimenter,
welches schnell vollstndig rekrutirt werden mute. Der thtige und
ausgezeichnete Oberst wird sie aber schnell einexerziren.

Die Zahl der hier spezifizirten, die erste hessische Division bildenden
und vom Generallieutenant Heister kommandirten Truppen belief sich im
Ganzen auf 8397 Mann, nmlich Generalstab 25, drei Bataillone Grenadiere
mit Stab jedes 529, also 1587, zehn Regimenter Infanterie mit Stab jedes
663, also 6630, und die Jgerkompagnie mit 150 Mann. Dazu kam noch die
Artillerie, die aus 38 Geschtzen und 557 Mann bestand, wovon 13 Stcke
und eine Kompagnie mit dieser ersten Division eingeschifft wurden. Der
letzte Mann derselben ward am 14. April in den englischen Dienst
gemustert. Gegen Ende des Monats kam sie nach Spitehead und Portsmouth,
mute hier aber wieder einige Zeit liegen bleiben, weil auf den bisher
benutzten Schiffen nicht Raum genug vorhanden war und erst einige neue
beschafft werden muten. So traf die erste Division, denselben Leiden
und Beschwerden wie die Braunschweiger ausgesetzt, erst zu Anfang August
in Staaten Island ein.

Die zweite Division Hessen konnte von Faucitt erst am 2. Juni in
Ritzebttel in den englischen Dienst gemustert werden, weil frher
keine Transportschiffe zu ihrer Befrderung nach dem Kriegsschauplatze
vorhanden waren. Sie hatte nach seiner Beschreibung nicht so krftige
und schne Leute, als die erste Division, indessen bertraf sie doch
seine Erwartungen. Das Zentrum hatte viele kleine Leute, doch waren
sie jung und krftig. Kaum ein einziger Soldat schien lter als
siebenzehn bis achtzehn Jahre alt zu sein. Diese ganze zweite Division
bestand mit Ausnahme des Wuttgenau'schen Regimentes aus lauter
Garnisons-Regimentern, die besonders fr den amerikanischen Dienst
ausgehoben und kompletirt wurden und deshalb in jeder Beziehung
schlechter als die erste Division, aber Alle noch geborne Hessen
waren. Sie war gebildet aus den Regimentern Huyne, Stein, Knyphausen,
Wuttgenau, Bnau und Wissenbach, sowie dem Grenadierbataillon Khler
und zhlte nebst entsprechender Artillerie im Ganzen 3997 Mann.
Divisions-General war der General-Lieutenant v. Knyphausen, whrend
der General-Major Schmidt und der Oberst Loberg die beiden Brigaden
kommandirten. Beide Divisionen zhlten somit im Ganzen 12,394 Mann.
Die zweite kam erst Mitte Oktober in Amerika an und landete am 18.
Oktober in der Nhe von New Rochelle am Long Island Sund, so da sie
noch einen rhmlichen Antheil an den militrischen Bewegungen des
Herbstes 1776 nehmen konnte. --

Uebrigens begegnete der Landgraf schon bei der Aushebung und
Vervollstndigung dieser zweiten Division nicht unbedeutenden
Schwierigkeiten, deren bedeutendste in der Desertion seiner eigenen
Unterthanen bestand. Diese entliefen nmlich, um die Einreihung in eins
der nach Amerika bestimmten Regimenter zu vermeiden, in hellen Haufen
nach Hannover und in die benachbarten Staaten. Obgleich im . 13. des
Vertrags mit England versprochen war, da die Flchtlinge von den
hannverschen Behrden ausgeliefert werden sollten, so trat doch der
aktive und passive Vorschub, den das Volk diesen Flchtlingen berall
leistete, der Ausfhrung dieser Bestimmung hindernd in den Weg. Das
hannversche Ministerium verhielt sich den Beschwerden des Landgrafen
gegenber ebenfalls ablehnend, indem es die Entlaufenen auf dessen bloe
Angabe hin nicht einfangen und sich nicht zum Jger und Bttel eines
fremden Frsten hergeben wollte. Der hessische Landesvater wandte sich
deshalb durch Faucitt direkt an Suffolk, und lie ihn bedeuten, da
dieser haufenweisen Flucht ein Ende gemacht werden msse, wenn er in den
Stand gesetzt werden solle, die erforderlichen Mannschaften und Rekruten
zu stellen. Whrend einige Monate vorher jede Einmischung in diese
Angelegenheit als unvertrglich mit der Wrde Englands kategorisch
abgewiesen worden war, wurde jetzt im Interesse des Dienstes dem
hannverschen Ministerium befohlen, da zur Verhinderung fernerer
Desertion eine Art Kartell oder zeitweilige Uebereinkunft mit
Hessen-Kassel geschlossen werden msse. Gleichwohl hrte aber die Flucht
dienstpflichtiger und tchtiger Hessen nicht auf, soda der Landgraf
vergebens selbst zu auerordentlichen Mitteln seine Zuflucht nahm.
Dasjenige, von welchem er sich den meisten Erfolg versprach, war der
Erla der halben Kontribution und des Schreckenbergers.[2]

Es gereicht uns alle Mal zur beruhigenden Zufriedenheit -- heit es in
der Verordnung vom 30. Juni 1776 -- wenn wir unseren getreuen
Untertanen Merkmale von unserer Landesvterlichen Zuneigung geben und
ihnen, so oft es die Bedrfnisse des Staates nur immer erlauben wollen,
die auf sich habende ffentliche Lasten erleichtern oder gar vermindern
knnen.

In dieser gndigsten Gesinnung, und damit erwnte unsere getreue
Untertanen von dem noch nicht berall verschmerzten letzteren Kriege und
darauf erfolgten Mijaren und Teuerung sich desto eher wieder erholen,
haben wir aus eigener Bewegung gndigst beschlossen, da dem ganzen
Lande vom 1. Juli dieses Jares an, und so lange das der Krone England
berlassene Auxiliaire-Corps abwesend sein wird, die Hlfte der ersten
monatlichen ordinairen Contribution, wie sie in den Etats Unseres Kriegs
Zal-Amts dermalen festgesetzt ist, oder durch die Ratifikation nach
Publikation der neuen Katastern anderweit requirirt wird, nicht nur
gnzlich erlassen, sondern auch die Erhebung der zu unserer Kriegs-Kasse
flieenden _Schreckenberger_ bis zur Zurckkunft des Corps sistirt
werden soll: jedoch also und dergestalt, da unter der Contribution, die
statt der Naturalleistung zu entrichtende Fourage und Militair Bau
Fuhr-Gelder, keineswegs, unter dem Schreckenberger aber weder der
zur Tilgung derer vom letzteren Kriege her noch unbezalten
Gemeinde-Schulden, im Jare 1773 von Unsrer hessischen Landschaft
verwilligte halbe Schreckenberger, noch auch die von Unsrer Grafschaft
Schaumberg zu einigem Abtrage der Stadt Rinteln und Oldendorfischen
Kriegs-Schulden ausgeworfene halbe Frulein-Steuer zu verstehen, sondern
so ein als andre, nach wie vor, zu erheben und beizutreiben ist.

Diese landesvterliche Huld klingt wie ein Hohn auf das unglckliche
Land. Serenissimus streicht fr jeden der 13,000 an England verhandelten
Unterthanen zuerst 30 Kronen Werbegeld, dann noch einmal 37 Krone
jhrlicher Subsidie ein; England bezahlt und verpflegt auerdem seine
Armee, die ihn also fr die Dauer des Vertrages gar Nichts kostet, und
er ist so gndig, die halbe Kriegs-Kontribution und den Schreckenberger
zu erlassen! Noch blutete Hessen an den Wunden, welche der siebenjhrige
Krieg ihm geschlagen, an den Kontributionen und Lasten, welche Freund
und Feind volle sieben Jahre lang ihm auferlegt hatten; Gemeinde, Drfer
und Stdte waren in Folge dessen tief verschuldet. Hier also wre zu
retten, zu lindern und zu helfen so leicht und lohnend gewesen; aber da
htte ja Serenissimus von seinem Gewinn zuviel abgeben mssen.

Was von dem Blutgelde -- sagt ein konservativer Geschichtschreiber,
W. Wachsmuth -- zur Verschnerung der Hauptstadt, Stiftung des
Karolinums, einer Akademie &c. verwandt wurde, war wie wenn einem
Hungernden Bonbons statt Brod gereicht werden. Der Schatz fllte sich
vom Blut und von den Thrnen des Volkes, das blos den Trost hatte,
von den Kriegs-Kontributionen einstweilen nur die Hlfte bezahlen zu
mssen.

Ein Familienvater, der nur zwei Shne als Soldaten stellte und etwa 50
Fl. jhrlicher Steuern zahlte -- in diesem Falle wird sich die Mehrzahl
der Bauern befunden haben -- erhielt davon einen halben Schreckenberger
(also 3 Sgr.) und vielleicht ein paar Gulden halber Kriegs-Kontribution
geschenkt; dagegen bereicherte er seinen Landesvater ein fr alle Mal um
60 Kronen Werbegeld und um 75 Kronen jhrlicher Subsidien. Das Volk
scheint in der That so undankbar gewesen zu sein, die Sache von diesem
nchternen Zahlenverhltni aus betrachtet und dem entsprechend die
landesvterliche Gnade in ihrer ganzen Schbigkeit gewrdigt zu haben,
denn es entzog sich nach wie vor dem Dienste durch die Flucht, trotzdem
da die ganze hessische Grenze Tag und Nacht von berittenen Landjgern
bewacht wurde.

Diese wohlbegrndete Abneigung der Hessen gegen den Eintritt in das nach
Amerika bestimmte Heer erschwerte dem Landgrafen sein Geschft um so
mehr, als die Anforderungen Englands tglich wuchsen; ja sie drohte
seinem Sckel sogar sehr gefhrlich zu werden. Zunchst wurden gegen
Ende 1776 noch hessische Jger verlangt. General Heister hatte ihre
Bedeutung in den Long Islander Gefechten vom 27. bis 29. August 1776
erkannt und in einem aus Brooklyn am 3. September 1776 an Lord Suffolk
datirten Briefe ihrer 800 Mann zur Vermehrung der englischen Armee fr
unbedingt nothwendig erklrt. Er wollte in ihnen einen den
amerikanischen Riflemen ebenbrtigen, wenn nicht berlegenen Gegner
schaffen. Der englische Oberbefehlshaber stimmte dem deutschen General
bei, dessen leichte, von Donop gefhrte Truppen soeben die Siege bei
Flatbush und Brooklyn entschieden hatten, und Suffolk bat sich in Folge
dieser Gesuche sofort von Schlieffen die geforderte Anzahl, sowie 100
unberittene Husaren aus. Um sich den hessischen Minister geneigt zu
machen, erklrte er ihm in einer Zuschrift vom 15. November 1776, da
der Knig von England den damals noch schwebenden Streit ob der an die
Artillerie zu zahlenden Subsidien auf sich beruhen lassen und sich an
den Geist des abgeschlossenen Vertrages halten wolle, da Seine Majestt
demnach, obgleich in demselben nichts ber die Artillerie gesagt sei,
die Subsidie fr das Korps von 12,000 Mann im Verhltni der drei
Kompagnien Artillerie vermehren werde.

Fr Schlieffen war dies eine Zugestndni nur eine Aufforderung, ihrer
noch mehrere zu verlangen. Der Landgraf freut sich -- antwortet er am
25. November 1776 -- da die Schwierigkeiten wegen der Subsidien der
Artillerie endlich gehoben sind und hofft, da seine Hospitalforderungen
jetzt auch bald geordnet werden. (Es geschah, wie oben berichtet, im
folgenden Mai.) Er wird sein Mglichstes thun, die 800 Jger zu liefern.
Sein eigenes Land hat deren allerdings nicht genug, allein Deutschland
wimmelt davon. Wir werden sie in den benachbarten Staaten anwerben,
falls nicht die Furcht vor der Seereise hindernd dazwischen tritt. Wir
wollen brigens gleich mit der Werbung anfangen, um zu sehen, wie
schnell wir Erfolg haben werden. Der Landgraf will nur Freiwillige; das
dauert etwas lnger. Wir mssen also mglichst viel Zeit haben.

Als Faucitt Anfang Dezember 1776 zum Abschlu des Vertrages wegen der
Jger in Kassel ankam, war der Landgraf bereits nach Italien abgereist.
Indessen hatte Schlieffen Vollmacht, in seinem Namen zu handeln und
abzuschlieen. Es ist ein Glck fr Sie -- sagte er dem glubigen
englischen Kommissar bei dessen erstem Besuche -- da Sie nur mit mir zu
thun haben, denn der Landgraf ist uerst bel gelaunt und in einer sehr
vernderlichen Gemthsstimmung (most exceedingly whimsical and uncertain
in his homours and dispositions); es ist daher schwer mit ihm fertig
werden. Diese Erffnung bedeutete natrlich nichts als neue
auerordentliche Forderungen, die der gute Faucitt, wie wir gleich sehen
werden, ebenso natrlich bewilligte.

Ich habe -- schreibt Faucitt am 16. Dezember 1776 aus Kassel an Suffolk
-- mit Schlieffen abgeschlossen und lege den Vertrag bei. Heister und
Donop wollen keine Husaren, sondern berittene Jger, wie sie im letzten
Kriege hier verwandt wurden. Ich habe sie deshalb statt der Husaren
engagirt. Fr jeden Mann werden (auer dem gewhnlichen Werbegeld von
dreiig Kronen) noch fnfzehn Kronen Extra-Werbegeld bezahlt, da Sttel,
Sbel, Pistolen, Sporen, Schuhe &c. auerdem geliefert werden mssen.
Die Lhnung beginnt mit dem Tage der Aushebung. Ich wollte sie sieben
oder fnfzehn Tage vor dem Abmarsch festsetzen, mute aber nachgeben,
weil das Korps vorher noch gar nicht bestanden und die Kosten seiner
Aushebung ganz ausschlielich auf den Landgrafen fallen. Die Jger
werden hier erst geprft werden, ob sie tauglich sind, und Anfang
Februar marschfertig sein. Ich werde sie die Weser hinunter schicken.

Uebrigens war kaum die erste Hlfte dieser Jger Mitte Mrz 1777
marschfertig. Wir thun, was in unseren Krften steht -- schreibt
Schlieffen am 24. Mrz 1777 an Faucitt -- fr die Aushebung und
Ausrstung der Truppen, namentlich der Jger; _ein_ Mann kostet uns
jetzt mehr als Ihre dreiig Kronen. Angesichts der groen Zahl, die wir
marschiren lassen, thut man uns in London Unrecht, wenn man nicht mit
uns zufrieden ist. Man legt uns fast berall Hindernisse in den Weg. Die
Hannoveraner behandeln uns, als ob wir zu Gunsten der Amerikaner
aushben. Wir haben deshalb unsere Rekruten-Depots soweit als mglich
von der hannver'schen Grenze weg verlegen mssen. Die Jger kommen
uerst langsam und werden nur sehr allmlig vollzhlig. Die
gleichzeitige Aushebung in Hanau und die catastrophe choquante bei
Trenton, die hier mit den grten Uebertreibungen bekannt wird,
verzgern unsere Operationen sehr. Viele von diesen Schurken
verschwinden wieder, nachdem sie eben eingekleidet sind. Die
Nachbarschaft von Hannover sichert ihnen alle nur denkbaren Vortheile.

Faucitt musterte diese ersten Kompagnien erst am 26. Mrz in den
englischen Dienst ein, worauf sie sofort eingeschifft wurden. Die Jger
-- sagt er -- sehen gut aus. Es sind krftige Leute; einige von ihnen
zwar sehr alt, allein da sie im Walde aufgewachsen, uerst gewandt;
andere dagegen sehr jung, und wissen als Shne von Frstern
ausgezeichnet mit dem Gewehr umzugehen. Ihre Waffen und ganze Equipirung
fand ich sehr gut. Eine Kompagnie darunter waren berittene Jger.

Die Beschaffung des Restes nahm noch lngere Zeit in Anspruch. Der
Landgraf bot deshalb, um die Rekrutirung zu beschleunigen, am 20. Mrz
1777 statt des bisher gezahlten _einen_ Friedrichsdors fr jeden fremden
Jger, der sich vor dem 15. April anwerben lie, vier Friedrichsdors und
fr jeden gebornen Hessen drei Friedrichsdors Handgeld. Auf diese Weise
setzte er sich in den Stand, die bedungene Zahl bis Ende Mai zu liefern.
Faucitt fand dies Mal, als er die letzten Kompagnien am 26. Mai in
Bremerlehe einschiffte, schon mehr Vagabonden und sonstige lose Gesellen
unter ihnen, da die hessischen Behrden jeden armen Teufel, den sie
betrgen knnen, einfangen und uns aufhalsen. Es ist deshalb unbedingt
nthig, da fr die Zukunft ein besserer und genauerer Plan fr die
Rekrutenlieferung vereinbart wird, denn sonst erhalten wir nur Schund.

Natrlich wurde die Verlegenheit mit jedem Tage grer; die englischen
Anforderungen wuchsen im Verhltni zu den bereits geleisteten
Truppenlieferungen in geometrischer Proportion. Nicht allein die
Rekruten muten geliefert, sondern auch die Gefangengenommenen ersetzt
werden. In Folge des Verlustes von 933 Hessen bei Trenton gab sich der
Landgraf besondere Mhe, Seiner Majestt seine Anhnglichkeit und
seinen Eifer fr den englischen Dienst von Neuem zu beweisen und den
Verlust von Mannschaften und Waffen mglichst schnell zu ersetzen.
Allein England brauchte jetzt die Soldaten schneller und zahlreicher als
Deutschland sie liefern konnte. Um die Chikanen seitens der rheinischen
Frsten fr die Zukunft zu vermeiden, wurde das kassel'sche
Rekruten-Depot von Rheinfels nach Ziegenhayn verlegt.

Am 14. Dezember 1777 verlangte der englische General-Adjutant Harvey
nicht weniger als 1230 Hessen-Kasseler zur Kompletirung ihrer
zusammengeschmolzenen Regimenter, von denen u.A. eins, ein
Grenadier-Regiment allein, im Mrz und April 1777 zu New Brunswick in
New Jersey wegen schlechter Hospital-Einrichtungen 300 Mann am
Faulfieber verloren hatte. Gleichwohl wurden die Ersatzmannschaften fast
alle und sogar ziemlich pnktlich geliefert. War doch der Gewinn ein
ungeheurer! Man stahl eben die Unglcklichen aus aller Herren Lnder
zusammen. Wer sich ein treues und richtiges Bild von den in Bewegung
gesetzten Mitteln und von den auf diese Weise gepressten Menschen machen
will, der lese die einfache, nirgend bertreibende, darum doppelt
ergreifende Schilderung eines der Opfer des frstlichen Menschenraubes
nach; er findet sie in der Selbstbiographie eines _deutschen Dichters,
Johann Gottfried Seume's_.




Fnftes Kapitel.


Faucitt hatte kaum seine ersten Geschfte in Kassel beendigt, als er am
2. Februar nach Hanau eilte, wo er bereits am 5. Februar 1776, dem Tage
nach seiner Ankunft, mit Wilhelm, dem Erbprinzen von Kassel und
regierenden Grafen von Hanau, einen Vertrag abschlo.

Die Grafschaft Hanau war im Jahre 1736 an Kassel gefallen und seitdem
von den kassel'schen Erbprinzen als selbstndiges Frstenthum verwaltet
worden. Wilhelm I. -- der Grovater des letzten Kurfrsten von
Hessen-Kassel -- war als neunjhriger Knabe 1754 nach Hanau gekommen und
wurde 1764 selbstndiger Regent des Lndchens. Sein Vater hasste ihn,
trotzdem da, oder vielleicht nur weil er ihm hnlich war. Er theilte
alle schlechten Eigenschaften mit ihm und fgte dazu noch einige neue,
eine wo mglich noch grbere Sinnlichkeit, den Mangel jeder persnlichen
Wrde und den schmutzigsten Geiz. Selbst der Schein der Bildung und
Kunst war ihm zuwider; er war eine rohe Unteroffiziersnatur, die nur den
Kamaschendienst kannte.

Unter seinen vier und siebenzig unehelichen Kindern haben sich die
Gebrder Haynau eine traurige Berhmtheit erworben. Seine langjhrige
Maitresse war ein Frulein von Schlotheim, die spter zur Grfin
Hessenstein erhoben, ihm allein zwei und zwanzig Kinder und zwar, wie
sie selbst ihrer Erzhlung im sptern Alter hinzuzufgen pflegte, alle
ohne Liebe gebar. Dieser Frst hatte brigens ein sehr einfaches Mittel
erfunden, seine unehelichen Sprlinge zu versorgen. Er vertheuerte den
Preis des von den Unterthanen aus den Salinen zu beziehenden Salzes um
einen Kreuzer auf den Sack und belehnte den Neugeborenen mit dieser
Rente. Die Schlotheim weigerte sich anfangs, den Lsten des Landgrafen
zu dienen, ward an diesen aber von ihren Eltern, als sie entflohen war,
zurckgeliefert. Eine Kasseler Dame erzhlte einer Freundin im Auslande
die Geschichte von der gewaltsamen Entfhrung des Fruleins von
Schlotheim, deren anfngliche Weigerung und Flucht, sowie ihre durch die
eigenen Eltern bewirkte Auslieferung an den Landgrafen. Als die Fremde
ihre Entrstung ber dieses Betragen der Angehrigen nicht verbergen
konnte, erwiderte die Dame unbefangen: Aber der hessische Adel durfte
sich doch diesen Vortheil nicht entgehen lassen. Auch ein Ehrenkranz
zur Verherrlichung dieser verarmten Junker, die spter, gesinnungslos
und gemein wie sie waren, mit einem franzsischen Abenteurer, wie
Hieronymus Napoleon, morgen wieder loustick zu sein, sich zur hchsten
Ehre rechneten!

Der Prinz nun, mit welchem Faucitt zu thun hatte, ist derselbe Wilhelm,
der 1785 als Landgraf seinem Vater folgte, der 1803 Kurfrst ward und
als solcher von Napoleon 1806 weggejagt wurde (das hessen-kassel'sche
Haus hat seine Unterthanen seit vielen Jahren an England verkauft, und
dadurch hat der Kurfrst so groe Schtze gesammelt; dieser schmutzige
Geiz strzt nun sein Haus -- heit es wie zum Hohne im 27. Bulletin)
derselbe hochgesinnte Frst, der den zu seinen Gunsten unternommenen
Drnberg'schen Aufstand mit ein paar Hundert Dukaten baar bezahlen zu
knnen glaubte, derselbe stolze Souverain, der Stein um Entschuldigung
bitten mute, da er ihm seinen Orden anzubieten gewagt hatte; derselbe
1814 zurckgekehrte legitime Landesvater, der Zopf und Perrcke in
Hessen wieder einfhrte und die Geschichte der letzten sieben Jahre als
nicht geschehen behandelnd, durch seinen Starrsinn und seine
Beschrnktheit unsgliches Unheil und Elend ber sein Volk brachte.

Als Faucitt nach Hanau kam, war Prinz Wilhelm noch ein junger Mann von
kaum ein und dreiig Jahren, der unter der strengen Zucht der Mutter
aufgewachsen, seinen eigentlichen Charakter noch wenig herauskehrte,
durch Unterwrfigkeit zum Ziele zu gelangen suchte und vor Allem dahin
strebte, Georg III., dem kniglichen Onkel, seinem hochherzigen
Beschtzer und erhabenen Herrn zu gefallen. Er versteckte seine
Geldgier und Habsucht unter der Maske der Uneigenntzigkeit und der
prinzipiellen Ueberzeugung von der Gerechtigkeit der kniglichen Sache,
bot deshalb auch, was er hatte, ganz umsonst an, natrlich nur, um von
seinem reichen Patrone den doppelten und dreifachen Kaufpreis als
Geschenk zu erhalten. Es giebt kaum eine demthige und erniedrigende
Wendung in der englischen und franzsischen Sprache, deren sich der
Prinz in seinem Briefwechsel mit dem Knig von England und dessen
Minister nicht bedient htte, um sich deren Wohlwollen, Gnade und Schutz
zu sichern. Der alte Landgraf, so sehr er feilschte und handelte, wahrte
wenigstens berall seine persnliche Wrde und imponirte sogar Faucitt
und Lord Suffolk durch sein knappes und vielfach schroffes Wesen; der
Sohn dagegen erniedrigte sich, um selbst den kleinsten Vortheil zu
erlangen, zum willenlosen kriechenden Supplikanten, zum aufdringlichen
Bettler. So erscheint der Charakter des jungen Mannes widerwrtig und
bemitleidenswerth zugleich.

Prinz Wilhelm war brigens kaum von der Verlegenheit des Knigs von
England unterrichtet, als er, wie wir im dritten Kapitel gesehen, diesem
bereits am 19. August 1775 in den servilsten Redensarten ein Regiment
sogenannter Hlfstruppen anbot. Suffolk hatte sich nicht mit der
Beantwortung dieser Zuschrift beeilt, sondern Faucitt beauftragt, erst
dann nach Hanau zu gehen und Gebrauch von dem Angebote zu machen,
nachdem er sich die Hlfe des lieferungsfhigern Herzogs von
Braunschweig und des noch lieferungsfhigern Landgrafen von Kassel
gesichert haben wrde. Von letzterer Stadt aus setzte Faucitt den
Prinzen von seiner Mission und seinem demnchstigen Besuche in Kenntni.
So fand er denn in Hanau auch nicht die mindeste Schwierigkeit und
konnte nach braunschweigischem oder kassel'schem Muster kaum vier und
zwanzig Stunden nach seiner Ankunft einen Vertrag mit dem Erbprinzen
abschlieen. Dieser verpflichtete sich darin, bis zum 20. Mrz
sptestens ein Infanterie-Regiment von 668 Mann marschfertig zu machen
und der Krone England fr die Dauer des amerikanischen Krieges zu
berlassen. Er erhielt dafr dreiig Kronen Werbegeld fr jeden, von
Faucitt als diensttchtig angenommenen Mann und die Zahlung der
englischen Lhnung fnfzehn Tage vor dem Abmarsche zugesichert; ein
Todter oder je drei Verwundete, die gleich einem Todten galten, wurden
ebenfalls mit dreiig Kronen vergtet, und auerdem ward dem Prinzen
unter denselben Bedingungen wie Kassel eine doppelte Subsidie von 25,050
Kronen Banko im Verhltni von 668 Mann eventuell selbst noch ein Jahr
nach Rckkehr der Truppen in die Heimath gezahlt.

Ich kam hier gestern von Kassel an -- schreibt Faucitt am 5. Februar
1776 aus Hanau an Suffolk -- gab mich sofort an's Werk, wurde dem
Erbprinzen vorgestellt und kann Ihnen heute bereits den Vertrag
einsenden. Der Minister von der Malsburg ging auf Befehl seines Herrn
ohne Weiteres auf alle meine Bedingungen ein und zeigte sich sehr wenig
interessirt. Ich bewilligte ihm aus diesem Grunde auch die
vierzehntgige Lhnung vor dem Abmarsch der Truppen und den Bezug der
Subsidie noch fr ein Jahr nach der Rckkehr derselben in ihre Heimath.
Dem auerordentlichen, ja ungestmen Eifer Sr. Hoheit, die Wnsche Sr.
Majestt zu erfllen, vermag ich kaum gerecht zu werden. Das Regiment
kann brigens erst Mitte nchsten Monats marschfertig sein. Der Prinz
zeigte es mir heute Morgen bei der Parade. Ich mu gestehen, da ich
seit langer Zeit keinen schnern Truppenkrper gesehen habe; alle
Soldaten sind Eingeborene des Landes und prchtig ausgerstet, sie
handhaben ihre Waffen ausgezeichnet und marschiren wie alte gediente
Leute. Der Prinz war selbst in den verschiedenen Aemtern, um die
Rekruten auszusuchen und das Korps zu kompletiren. Ich halte es fr das
Beste, da es den Rhein herunter befrdert und in Wilhelmstadt,
Rotterdam oder Helvetsluys eingeschifft wird. Ein Rheinschiffer will den
ganzen Transport von hier bis Nimwegen fr zwei hollndische Gulden per
Kopf bernehmen und das Regiment in sieben bis acht Tagen vom Zeitpunkte
der Abreise an in Nimwegen abliefern. Der Prinz ist ganz damit
einverstanden, umsomehr als auf dem Marsche durch Hessen-Kassel
voraussichtlich viele Soldaten desertiren wrden. Wenn Sie mit diesem
Plane einverstanden sind, so senden sie geflligst Ihre Instruktionen an
Sir Joseph Yorke im Haag, damit dieser das Regiment von Nimwegen aus
weiter befrdern lt.

Bereits am 23. Februar sandte Suffolk den genehmigten Vertrag zurck und
beauftragte Faucitt, den Abmarsch der Truppen den Rhein hinunter soviel
als mglich zu beschleunigen. Die Transportschiffe sollten am 20. Mrz
in Wilhelmstadt sein, wo zugleich der Oberst Rainsford als kniglicher
Kommissr das vom Obersten Gall kommandirte Regiment in den englischen
Dienst einzumustern hatte.

Die Befrderung dieser und aller spteren Truppen auf dem Rhein war mit
ungleich mehr Schwierigkeiten verknpft als der Marsch der
braunschweigischen und kasselschen Soldaten an die Mndung der Weser.
Diese hatten nur ihr eigenes und englisch-hannversches Gebiet zu
berhren und konnten im Nothfalle die paar Quadratmeilen bei preuisch
Minden umgehen, waren also von keiner fremden Erlaubni abhngig,
whrend die Hanauer und spter die Anspacher die Territorien von
wenigstens einem Dutzend grerer und kleinerer Landesherren passiren
muten, ehe sie nach Holland gelangten. Da lagen auf ihrem Wege von
Mainz bis hinter Dsseldorf die Staaten der drei geistlichen Kurfrsten
Mainz, Trier und Cln und des Kurfrsten von der Pfalz, das Knigreich
Preuen von Duisburg bis Emmerich, die freie Reichsstadt Kln und
verschiedene kleine Gebiete, wie Neuwied. Wenn man sich auch nicht viel
um die letzteren kmmerte, so mute man doch, um spteren Belstigungen
und Unterbrechungen der Reise vorzubeugen, vorher die Erlaubni der
erstgenannten greren Uferstaaten fr eine freie Passage der Truppen
einholen. Die englischen Werbe-Offiziere, welche sich am Rhein
umhertrieben, waren wegen ihrer Gewaltthtigkeit und Rohheit gar nicht
gut angeschrieben und hatten sogar ihre Regierung oft in uerst
unangenehme Verlegenheiten verwickelt. So war noch im Herbste 1775 der
englische Major Masters de Savage von dem Kommandanten von Deutz aus
diesem Orte verjagt und sein Werbe-Depot geschlossen worden, soda der
englische Gesandte fr gut fand, ihn zu desavouiren. In Mlheim am Rhein
wurden im Januar 1776 von den pflzischen Truppen dreiundzwanzig fr das
60. englische Regiment gestohlene Rekruten angehalten und nach
Dsseldorf in Sicherheit gebracht. Als die kaiserliche Regierung in Wien
von den bevorstehenden englischen Truppenankufen hrte, erlie sie an
alle ihre Gesandte im Reich den Befehl, den englischen Werbe-Offizieren
so viel Hindernisse als mglich in den Weg zu legen, und schrieb im
gleichen Sinne an die geistlichen und weltlichen Frsten am Rhein.
England -- hie es in der betreffenden Zuschrift -- habe mit dem Reiche
so wenig Verbindung als Ruland oder Spanien, und keine dieser Mchte
drfe im Reiche rekrutiren. Dieser kaiserliche Befehl wollte an sich
wenig bedeuten, da ihm die Mittel zu seiner Erzwingung fehlten; allein
es war Gefahr vorhanden, da sich die Reichsfrsten dahinter steckten,
um England Schwierigkeiten zu bereiten. Denn eine feststehende,
politische Tradition oder ein bestimmtes Vertragsverhltni gab es zu
jener Zeit noch nicht. Jeder Frst handelte in jedem einzelnen Falle
nach Belieben, gerade wie die Laune oder sein Vortheil es bedingte.

Der bei dem kur-klnischen Hofe in Bonn beglaubigte englische Gesandte
Cressener erhielt deshalb, sobald die Reiseroute des hanauschen
Regimentes feststand, Befehl, die betreffenden Hfe zu sondiren und im
Verein mit dem Erbprinzen ein offizielles Gesuch um Passirung der
Truppen an sie zu richten. Dies Mal wurde demselben berall
bereitwilligst entsprochen. Das Regiment hatte Hanau am 15. Mrz
verlassen, fuhr am 16. Abends bei Mainz vorbei und langte am 18. Mrz in
Bonn an. Es kam hier so frh an, da die Erlaubni des Knigs von
Preuen auf die Bitte um freie Fahrt durch sein Gebiet noch nicht
eingetroffen sein konnte. Auf Cressener's Anfrage erklrte sich aber der
Kommandant von Wesel, General von Salenmon, bereit, das Regiment in
Anbetracht des guten zwischen Berlin und London herrschenden
Einvernehmens ungestrt das preuische Gebiet passiren zu lassen;
dagegen msse, da ihn die Steuer nichts angehe, das Gepck untersucht
und von der Kontrebande Zoll bezahlt werden, den aber, wie er sicher
glaube, die Kriegs- und Domainen-Kammer in Kleve spter dem englischen
Knige zurckerstatten werde. Auf diese Zusicherung hin wagte sich das
Regiment auf preuisches Gebiet, erlegte 200 Pfd. zur Deckung der
etwaigen Steuer und fuhr am 21. Mrz unbelstigt bei Wesel vorbei, wo
brigens am Tage zuvor die Erlaubni von Berlin eingetroffen war. Auch
die zur Sicherheit deponirten 200 Pfd. wurden spter auf Befehl des
Knigs von Preuen zurckbezahlt.

Von Rainsford in Emmerich in Empfang genommen, trafen die Hanauer am 22.
in Nimwegen an. Er lie sie noch am Abend Revue passiren und hatte die
Genugthuung, in ihnen eines der schnsten Regimenter, die er je gesehen,
zu finden. Es fehlte auch nicht ein Mann, nicht ein Einziger war krank.
Er konnte jedoch bei dieser Gelegenheit den Soldaten den Eid der Treue
nicht abnehmen, da, wie er hinzufgte, es gegen ihr religises Gewissen
sei, einen Eid zu leisten, wenn sie nicht einen Tag vorher gefastet
htten. Er lie sie deshalb erst am andern Morgen durch die Auditeure in
den englischen Dienst schwren. Darauf wurde das Regiment auf Schuyten
eingeschifft und kam am 25. Mrz nach Wilhelmstadt. Am 26. Mrz ward
seine Einschiffung vollendet. Alles ging glcklich -- schliet
Rainsford seinen Bericht -- von Statten. Der Geist der Truppen ist
vortrefflich. Hoffentlich werden sie noch heute Abend abfahren, da der
Wind gut ist.

In demselben Briefe vom 17. Mrz 1776 (Siehe Anhang), in welchem der
Erbprinz von Hessen dem Knig von England, seinem groherzigen
Beschtzer und edlen Wohlthter, den Abmarsch seiner Soldaten anzeigte,
bot er demselben noch eine Kompagnie Artillerie von 120 Mann und sechs
Geschtzen an, die von einem ausgezeichneten Kapitaine befehligt sei und
gegen Ende April marschfertig sein knne. Er wollte nicht -- sagte er --
an Eifer hinter seinem Vater, dem Landgrafen, zurckstehen, der ja auch
noch ein Korps Artillerie ber den ursprnglichen Vertrag hinaus an
England geliefert habe. Der Knig nahm, trotzdem da die Strke der
Artillerie im Verhltni zum hanau'schen Regimente zu gro war, das
Anerbieten am 2. April an, weil er mit der bisherigen ehrenwerthen
Auffhrung und anstndigen Vertrags-Erfllung Seitens des Prinzen
zufrieden sei. Faucitt erhielt also Anweisung, einen neuen Vertrag mit
demselben abzuschlieen, und that so am 25. April, wo er zugleich den
Hauptvertrag mit ihm auswechselte.

Baron Malsburg -- schreibt Faucitt am 26. April 1776 an Suffolk -- kann
sich gar nicht darber trsten, da fr diese Kompagnie Artillerie keine
besonderen Subsidien bewilligt werden sollen, und meint, da er mit dem
Werbegeld zu kurz komme, da die Ausrstung der Mannschaft zu viel koste.
Ich habe sie heute gemustert. Die Leute sind tchtig, krftig und stark
und sehr gut fr ihren Dienst eingebt. Der Prinz lie sie in meiner
Gegenwart mit den fr Amerika bestimmten Geschtzen exerziren. Sie haben
neue Uniformen, neue Sbel, keine Gewehre, nach dem vom Knig von
Preuen empfohlenen Muster, welches vom Landgrafen sowohl als vom
Erbprinzen aufs Aengstlichste und Gewissenhafteste nachgeahmt wird. Die
Kompagnie kann in drei Wochen marschfertig sein; ihre Lhnung beginnt
vierzehn Tage vor dem Abmarsch. Ich habe ihren Transport bis Helvetsluys
fr 150 Pfd. verdungen.

Wie aus diesem Briefe hervorgeht, wollte die englische Regierung fr die
Artillerie keine weitere Subsidie zahlen; der Erbprinz bestand aber auf
einer solchen. Um sich Suffolk fr seine Wnsche geneigt zu machen,
schrieb er ihm am 1. Mai einen Brief in englischer Sprache, dessen
entsetzlicher Stil und halsbrechende Wortbildung selbst ber die Grenzen
der Komik hinausgreifen. Suffolk lehnte hflich ab, lobte den Prinzen
aber ob seiner im Englischen bewiesenen Fertigkeit (Siehe Anhang). Dem
Minister von Malsburg dagegen erklrte der englische Staatssekretr
kategorisch, die Vertrge, wie sie abgeschlossen seien, lgen einmal dem
Parlamente vor, knnten also nicht mehr gendert werden; der Erbprinz
erhalte ohnehin schon im Verhltni so viel als der Landgraf, weshalb
von einer Vermehrung einer Subsidie wegen der gelieferten Artillerie gar
nicht die Rede sein knne.

In einer vertraulichen Note an Faucitt sagt Suffolk dagegen, da er
Willens sei, den Erbprinzen in irgend einer andern Art zufrieden zu
stellen. Ich wollte -- schrieb er in seinem Briefe vom 7. Mai 1776 --
fr sptere Gelegenheiten und fr die anderen Hfe keinen Przedenzfall
schaffen. Nur die Gefahr, da von unseren Verhandlungen anderswo etwas
verlautete und da hnliche Ansprche geschaffen wrden, hat mich
bewogen, des Baron Malsburg Begehr in viel strkeren Ausdrcken
abzulehnen, als ich eigentlich meine. Sie knnen ihm das sagen, mssen
ihm aber Stillschweigen anempfehlen.

Fr Malsburg und seinen Herrn war dieser Wink natrlich nicht verloren.
Sie erklrten sofort, da man sich auf ihre Verschwiegenheit unbedingt
verlassen knne, und da ihnen jedes Arrangement recht sei, welches sie
nur entschdige. Die Art und Weise der Schadloshaltung selbst sei ihnen
vollstndig gleichgltig; vielleicht werde sich eine Verlngerung der
Subsidienzahlung als das geeignetste Mittel zu einer Verstndigung
empfehlen. Malsburg schlug deshalb Faucitt vor, den zwlften Artikel des
Vertrages dahin abzundern, da die hanau'schen Truppen nach ihrer
Rckkehr nach Deutschland statt der bisherigen zwlf Monate noch sechs
und mehrere Jahre im englischen Dienste bleiben sollten. Wir wnschen
-- so schlo er seinen Brief am 18. Mai -- fr diese Zeit nicht die
ganze Subsidie, sondern nur eine Friedenssubsidie, sehr mig, gerade
hinreichend, um im Frieden ein Regiment vollzhlig und auf dem Kriegsfu
zu erhalten, und immer bereit, wieder in die Dienste des Knigs zu
treten. Wir verlangen also nur so viel, als die englischen Regimenter
auf dem Friedensfu beziehen. Diese Gunst wird den brigen Hfen
gegenber keine blen Folgen nach sich ziehen. Man kann ihnen dann der
Wahrheit gem versichern, da fr die Artillerie des Erbprinzen keine
Extrasubsidie gezahlt ist. Wenn der Frieden wieder hergestellt und in
England Alles ruhig sein wird, mu es dem Ministerium ein Leichtes sein,
die nothwendigen Fonds fr eine so kleine Ausgabe zu finden und sie
unter einer andern Rubrik als der gegenwrtigen durchzubringen, wo man
schon so viele auerordentliche Kosten hat, um einen theuern Krieg zu
fhren.

Der Erbprinz sandte selbst diese Vorschlge an Suffolk ein und
bevorwortete sie in einem servil schmeichlerischen Briefe (Siehe
Anhang). Wenn anders seine erbliche Kenntni߫ der englischen Sprache
sich deutsch richtig deuten lt, so sagt er: Meine Zuneigung und
unterthnigster Respekt vor dem Besten der Knige hlt jeden Gedanken an
mein eigenes Interesse von mir fern. Seiner Majestt besondere Huld
giebt mir die Versicherung, da Sie es nicht bel nehmen wird, wenn ich
selbst nach dem Erlschen des gegenwrtigen Vertrages den Wunsch habe,
noch in einer gewissen militrischen Verbindung mit Seinem Dienste zu
bleiben. Ich hoffe, Mylord, Sie werden mein Verlangen nicht zu weit
gehend finden und aus diesem Grunde bitte ich Sie, mein Gesuch mit Ihrem
ganzen Ansehen zu untersttzen. Meine Dankbarkeit gegen Sie wird ohne
Grnzen sein und kann nur der vorzglichen Hochachtung gleichstehen, mit
welcher ich Ihr gehorsamster und zu Dank verpflichteter Diener bin.

Die doppelten Subsidien fr die 668 Hanauer betrugen jhrlich 25,050
Kronen Banko, d.h. 37 Kronen pro Kopf; sie wrden also fr die
nachtrglich gelieferten 120 Artilleristen 4500 Kronen pro Jahr
ausgemacht haben. Wenn sich nun der Erbprinz erbot, auf diese Summe
unter der Bedingung zu verzichten, da ihm eine einfache Subsidie
wenigstens noch sechs Jahre nach beendigtem Kriege gezahlt werde, so
verlangte er mit anderen Worten 12,525 Kronen pro Jahr, also eine
Extrazahlung von mindestens 75,150 Kronen auf sechs Jahre. Wre der
englische Minister darauf eingegangen, so wrde er trotz der
unerwarteten langen Dauer des Krieges an 40,000 Kronen selbst ber die
doppelten Subsidien hinaus verloren haben. Dieser aber whlte
schlielich von zwei Uebeln das Geringere und entschlo sich gegen Ende
des Jahres 1776, dem Erbprinzen fr die Artillerie verhltnimig
dieselbe Subsidie zu zahlen, die er fr sein Regiment erhielt.
Serenissimus empfing also fortan 4500 Kronen pro Jahr mehr.

Die Artillerie war brigens schon am 15. Mai von Hanau abgegangen und,
ohne den mindesten Schwierigkeiten auf der Passage rheinabwrts zu
begegnen, am 24. Mai in Nimwegen angekommen. Rainsford musterte sie am
letztgenannten Tage in den englischen Dienst ein und schiffte sie,
sowohl mit den Leuten als mit ihrer Ausrstung sehr zufrieden, am 27.
Mai bei gutem Winde nach ihrem Bestimmungsorte ein.

Uebrigens behielt der Erbprinz von Hanau nicht den ganzen Profit fr
sich, den er aus seinen Unterthanen zog. Dem erhabenen, vom Vater in
Kassel gegebenen Beispiele folgend, bewilligte auch der junge
Serenissimus, um dem Lande einen Beweis seiner landesvterlichen
Anerkennung fr die ihm gebrachten Opfer zu liefern, einen Steuererla
fr die Dauer des amerikanischen Krieges. Wie aber der Sohn noch
geiziger und geldgieriger als sein hochherziger Erzeuger war, so
erstreckte er auch sein Wohlwollen nicht auf alle Unterthanen, sondern
nur auf die Eltern und Eheweiber der im Kriege abwesenden Soldaten und
Unteroffiziere. Derselbe Frst, den wir eben noch dem Auslande
gegenber als einen Bedienten, als einen Gnade und Gewinn suchenden
Bittsteller haben reden hren, lt sich im Inlande, vor seinem
eigenen Volke als Herr und Gnadenspender also vernehmen:

Wenn Wir nun, nach der fr alle unsere getreue Untertanen hegenden
waren Landesvterlichen Huld und Gnade, nichts mer wnschen, als
dieselben sammt und sonders, so viel es mglich ist, von unserer waren
Landesvterlichen Zuneigung und Vorsorge ttig zu berzeugen, und ihnen
ihr Schicksal auf alle Weise zu erleichtern, so haben wir aus
hchsteigenem Antrieb und Bewegung uns entschlossen, den _Eltern_ und
_Eheweibern_ smmtlicher bei unserm hanauischen Regimente sowol als bei
der Artillerie, dermalen in Amerika befindlichen _Unteroffiziere_ und
_Gemeinen_, einen gndigsten Erla aller ihrer Herrschaftlichen Abgaben
in der Weise angedeihen zu lassen, da:

I. Die _Eltern_ und _Eheweiber_ dieser unserer dermalen im Kriege
abwesenden Untertanen, fr ihre Person und Gter, von Entrichtung aller
Kontribution, Steuern und sonstigen Landkassen-Abgiften an Geld und
Frchten, desgleichen von allen und jeden brigen zu unsern
Cameral-Intraden gehrigen Geld- und Fruchtabgaben, sie mgen Namen
haben, wie sie wollen (die Pacht- und Zinsgeflle allein ausgenommen,
welche nach wie vor entrichtet werden mssen) von dem Tage des
Ausmarsches des Regimentes und der Artillerie an gerechnet, bis zu deren
Zurckkunft in die hiesigen Lande, befreit und entledigt sein sollen;
wie dann auch

II. Denjenigen _Unteroffizieren_ und _Gemeinen_, welche keine Eltern
mehr am Leben haben, oder auch ledigen Standes, und selbst rezipirte
Untertanen sind, und ihre _eigenen Gter_ besitzen, alsdann fr sotane
ihre Gter, die nmliche obenbestimmte Befreiung von allen und jeden
Landkassen- und Rentkammer-Abgiften gndigst hiermit erteilt ist.

Da Wir aber nicht gemeint sind, den unserer frstlichen Landkasse durch
einen solchen Erla zur Bestreitung der notwendigen Bedrfnisse zu
wachsenden Abgang auf unsere hiesige Lande wiederum ausschlagen, und
unseren brigen getreuen Untertanen durch Erhhung ihrer bisherigen
herrschaftlichen Abgaben aufbrden zu lassen: So soll, zu desto
strkerer Bewrung jener unserer gndigsten Gesinnungen, ersagter
_Landcasse_ dieser Abgang aus unserer frstlichen _Cammercasse_ ersetzt
und vergtet werden.

Indem Wir uns nun ein wesentliches Vergngen daraus machen, unseren
getreuen Untertanen ein solches Merkmal unserer Gnade zuflieen zu
lassen, und dadurch unserer unvernderlichen Neigung, ihnen auf alle
Weise wol zu thun, auch hierinnen folgen zu knnen: So leben Wir der
zuversichtlichen Hoffnung, unsere getreuen Untertanen werden sich dieser
Gnade und Woltat wrdig zu machen, folglich auch die in unseren
Kriegsdiensten dermalen abwesenden Soldaten sich bestreben, solche durch
Treue, Mut und Tapferkeit, die allhier im Lande zurckgebliebenen
Untertanen aber durch Rechtschaffenheit, Flei und wirtschaftliches
Benehmen, zu verdienen suchen.

Nach den zu Ende des vorigen Kapitels gemachten Bemerkungen ist jede
Kritik dieses Erlasses vom 23. September 1776 berflssig. Wenden wir
uns darum sofort nach _Waldeck_, wohin sich Faucitt von Hanau aus
begeben hatte.

Das Haus _Waldeck_ hatte seit beinahe einem Jahrhundert im
Soldatenhandel ausgezeichnete Geschfte gemacht. Sein ltester und
bester Kunde war Holland, und nur in Ausnahmefllen oder bei besonders
gnstigen Konjunkturen des Menschenmarktes berlie es seine Truppen an
andere Mchte, wie z.B. im siebenjhrigen Kriege an England. Dieser
Handel lieferte auch den Chefs der Firma die Mittel zu einer
grenzenlosen Verschwendung, ja er machte es mglich, da sich die
kleinen Frsten von Waldeck vor den brigen und mchtigeren Nachahmern
des Versailler Treibens hervorthun und die ffentliche Aufmerksamkeit
auf sich ziehen konnten. Ihr Lndchen schien fr sie nur zu dem Zwecke
vorhanden zu sein, da sie darauf zurckfielen, wenn sie von den noblen
Passionen erschpft und von Schulden gedrngt, das Leben im groen Stil
zeitweise aufgeben muten. Karl August, der Vater des Frsten, mit
welchem wir es hier zu thun haben, gelangte 1728 zur Regierung, trieb
sich aber volle zwanzig Jahre in Frankreich und Italien herum, ehe er
sich nur der Heimath erinnerte. In Venedig traf ihn Casanova in den
Armen der Tnzerin Tintorella, der berhmtesten Kourtisane der Republik.
Spter wurde er hollndischer Generalfeldmarschall und bewies groe
Tapferkeit. Eine im Jahre 1755 erlassene Verordnung bestimmte, da alle
Burschen, mit Ausnahme derer, welche studirten, Soldaten werden muten,
natrlich nur, um das Waldeck'sche Vaterland in Batavia und sonstigen
hollndischen Kolonien zu vertheidigen. Der Frst war ein
leidenschaftlicher Parforcejger und machte sein ganzes Frstenthum zu
einem einzigen Wildpark. Die Bauern muten den Befehlen der Jger
gehorchen, widrigen Falls sie empfindlich bestraft wurden. Sein Sohn
Friedrich, der im Jahre 1743 geboren, von 1763-1812 regierte, war in
Lausanne erzogen und machte zu seiner Ausbildung die groe Tour durch
Frankreich und Italien. Auch er trat, nachdem er zur Regierung gelangt
war, gnzlich verschuldet als General der Infanterie in den Dienst der
hollndischen Republik. Schon 1767 beschwerten sich die Landstnde ber
landesverderbliche gewaltsame Aushebung der Unterthanen und bewilligten
dem Frsten, um seiner Geldnoth nur einiger Maen abzuhelfen und dem
Uebel zu steuern, ein Geschenk von 10,000 Thalern.

Fr einen so tief verschuldeten Mann, wie den Frsten Friedrich von
Waldeck, war der Ausbruch des amerikanischen Krieges eine wahre
Wohlthat, denn er konnte hoffen, seinen zerrtteten Finanzen wieder
aufzuhelfen, wenn es ihm gelang, einen Truppenlieferungs-Vertrag mit der
englischen Krone abzuschlieen. Er beeilte sich deshalb, wie wir oben
gesehen, schon zu einer Zeit, wo deren Absichten noch nicht klar
vorlagen, Lord Suffolk ein Regiment anzubieten. Der Brief ist vom 13.
November 1775 datirt, also einen Tag lter als Faucitt's Instruktionen.
Mit Leib und Seele dem Monarchen ergeben -- schreibt der Frst aus
Arolsen an Suffolk -- dessen Minister zu sein Sie das Glck haben, halte
ich es fr meine Pflicht, was nur in meinen schwachen Krften steht,
aufzubieten, um wenigstens meinen guten Willen zu zeigen, wenn es sich
um Seinen Dienst handelt. Ich nehme mir deshalb die Freiheit, Mylord,
Sie gehorsamst zu ersuchen, Sr. Majestt versichern zu wollen, da im
Falle irgend welche Verhltnisse es nthig machen, fremde Truppen
anzuwerben, ich es als eine groe Gunst Ihrerseits betrachten werde,
wenn Sie ein Regiment von 600 Mann annimmt, das wie sein Frst vor
Verlangen brennt, sich fr Sie (die Majestt) zu opfern.

Suffolk nahm am 24. November das Anerbieten an und setzte am 19.
Dezember den Frsten davon in Kenntni, da Faucitt seiner Zeit nach
Arolsen kommen und den betreffenden Vertrag mit ihm abschlieen wrde.
Als der englische Kommissr am 28. Januar 1776 von Kassel aus in Arolsen
anfragte, ob das Regiment bis Ende Februar marschfertig sein werde,
erhielt er die Antwort, da es frhestens im Mai so weit sein knne. Er
reiste deshalb erst nach Hanau, um mit dem Erbprinzen den oben erwhnten
Vertrag abzuschlieen. Ich frchte -- schreibt Faucitt am 5. Februar
1776 von Hanau aus an Suffolk -- wir knnen auf das Waldeck'sche
Regiment nicht rechnen. Der Frst hat blos zwei Kompagnien in seinem
Lande, die hchstens 200 Mann betragen und bisher nur dazu gebraucht
wurden, um die Honneurs bei Hofe zu machen. Es ist sehr schwer, auf
einer so kleinen Grundlage innerhalb so kurzer Zeit ein Regiment zu
bilden. Vielleicht ist der Frst auch unerwarteten Schwierigkeiten
begegnet, um die bestimmte Anzahl aus seinen in hollndischen Diensten
stehenden Regimentern zu erlangen.

Suffolk verlngerte dem entsprechend die Zeit fr die Einschiffung des
Waldeck'schen Regimentes; der Frst aber versprach, es bis Ende April
marschfertig zu haben. Am 18. Mrz berichtete Faucitt, da derselbe in
den Vorbereitungen fr den Marsch seiner Truppen bedeutende
Fortschritte gemacht, da er zum Ankauf von Uniformen und sonstigen
Ausrstungsgegenstnden einen Offizier nach Frankfurt gesandt habe, und
da das Regiment gewi fr den sofortigen Dienst tchtig sein werde,
vorausgesetzt, da der Frst bei dessen Bildung nicht zu rcksichtsvoll
gegen seine eignen, eine Art Landmiliz bildenden Unterthanen gewesen
sei. Mitte April war endlich Alles so weit, da der Vertrag
abgeschlossen werden konnte. Faucitt reiste also nach Arolsen ab und kam
dort am 19. April an. Ich wurde -- schreibt er am 20. April an Suffolk
-- sofort dem Frsten vorgestellt, der mich ber den Fortschritt in der
Bildung und ber den gegenwrtigen, erfreulichen Zustand seines
Regimentes so sehr zufriedenstellte, da ich mich ohne jede
Schwierigkeit mit dem Minister von Zerbst ber die Hauptpunkte des
abzuschlieenden Vertrages verstndigte. Heute haben wir die letzte
Feile an denselben gelegt und das Geschft abgeschlossen. Der Vertrag
lautet gerade wie der hanauische; nur habe ich auf Bitten des Ministers,
da die Ausrstung des Regimentes die Finanzen des Frsten vllig
erschpft hat, die erste Zahlung des Werbegeldes auf drei statt sechs
Wochen nach dem Datum des Abschlusses und die zweite Zahlung auf zwei
statt drei und einen halben Monat nach dieser Frist festgesetzt. Ebenso
habe ich eingewilligt, zwei Geschtze mit vierzehn Kanonieren zu nehmen;
sie sind aber nicht in den Subsidien mit einbegriffen. Das Regiment,
welches in Korbach steht, mu laut der Versicherung des Frsten ein
sehr gutes sein, da Soldaten und Offiziere alle schon gedient haben. Es
wird in der ersten Woche des Mai marschfertig sein.

Faucitt wrde vielleicht besser gethan haben, den Worten des Frsten
nicht so unbedingt zu trauen, da die Wirklichkeit sich von dessen
rosigen Schilderungen sehr zum Nachtheile des Regiments unterschied.
Statt am 6. Mai zu marschiren, wie zuletzt versprochen war, setzte es
sich, einschlielich des Stabes 670 Mann stark, erst am 20. Mai in
Bewegung. Dieser vierzehntgige Verzug strzte den ganzen
Einschiffungsplan um, den Faucitt fr die zweite hessische Division
gemacht hatte. Am 30. Mai endlich trafen die Waldecker in Bremerlehe
ein, whrend Faucitt, dem von seiner Marschroute keine Mittheilung
gemacht war, sie bei Vegesack suchen lie. Indessen konnten sie am 2.
Juni noch mit den brigen Truppen nach Amerika eingeschifft werden. Die
vorderen und hinteren Glieder in diesem Regimente -- schreibt Faucitt am
31. Mai 1776 an Suffolk -- bestehen aus groen und gut gewachsenen
Leuten, aber das Centrum aus halbwchsigen, von der Grafschaft Waldeck
gelieferten Jungen, die noch nicht alt und stark genug fr den
sofortigen Dienst sind und kaum das Gewehr tragen knnen. Ebenso fand
ich sehr viele alte Leute vor. Dagegen sind die Uniformen und Waffen gut
und neu; der Frst hat daran keine Kosten gespart.

Der Grund fr die Verzgerung in der Absendung des Regimentes war sehr
einfach. Der Frst konnte es nicht so schnell kompletiren, als er
gehofft und gewnscht hatte. Sein Land mute schon zwei Regimenter in
Holland vollzhlig erhalten; bei einer Gre von kaum 20 Quadrat-Meilen
mit etwa 30,000 Einwohnern war aber diese Leistung schon zu gro. Die
armen Waldecker waren also gar nicht so bereilig, sich zu den
Beschwerden des hollndischen Dienstes noch die des amerikanischen
aufzuladen. So blieb denn zuletzt nichts brig, als zu den zwei
vorhandenen Kompagnien Schlobedienung im Frstenthum und in den
benachbarten geistlichen Staaten, wie namentlich im Bisthum Hildesheim,
so viel alte Leute und halbwchsige Jungen zu pressen, da das Regiment
nothdrftig gebildet werden konnte. Das erforderte aber viel Zeit, List,
Gewalt und Ueberredung. Johann Georg Rauch, der Vater unsers groen
Bildhauers, Christian Daniel Rauch, war damals Kammerdiener des Frsten
Friedrich von Waldeck. In einem Briefe, den er am 18. Januar 1778 an
einen Schwager richtete, entschuldigt er seinen Herrn wegen des
Menschenhandels. Es seien, sagt er, lauter Auslnder, bis auf Etliche,
denn der Frst wolle keine Waldecker hinschicken, es sei denn, da der
Kerl partout mit will. Man sieht aus dieser kammerdienerlichen
Entschuldigung, da das schnde Geschft sogar in den untersten Kreisen
der Gesellschaft unangenehmes Aufsehen machte. Der Frst hatte eben nur
noch ber wenig Waldecker zu verfgen; wen er von seinen Unterthanen
packen konnte, den lie er sich so leicht nicht entgehen. Zu welchen
niedrigen Mitteln Serenissimus greifen mute, um 20,100 Kronen Werbegeld
und 25,050 Kronen jhrlicher englischer Subsidien zu erlangen, beweist
der an die Pfarrer des Lndchens ergangene Befehl, wonach sie von der
Kanzel herab ihre Pfarrkinder zum Anschlu an das nach Amerika verkaufte
Regiment auffordern muten. Im schroffen Gegensatze zu den bei dieser
Gelegenheit gemachten schnen Versprechungen wurde den Soldaten der
Preis der Gesangbcher von ihrer Lhnung abgezogen, das abzusendende
Regiment aber wie ein Haufen Strflinge von berittenen Landjgern an die
Grenze bis auf die Weserschiffe in Beverungen eskortirt.

Bis ber die Grenze unsers Vaterlandes (Waldeck nmlich!) -- so erzhlt
in seinem Tagebuche der Fourir Karl Philipp Steuernagel des Waldecker
Regiments, ein verstndiger Beobachter und zuverlssiger
Berichterstatter -- oder vielmehr bis Beverungen wurden wir mit einem
Korps waldeckscher grngekleideter Scharfschtzen zu Pferde begleitet
und bewacht. Diese vor's Regiment, besonders vor jeden rechtschaffenen
Soldaten mitrauische Veranstaltung gab bei den meisten zu allerhand
Argwohn Anla, und solche trug auch sicher dazu bei, da auf dem Marsche
bis Beverungen verschiedene desertirten.

Freilich -- fhrt Steuernagel an einer andern Stelle fort -- mu ich
den Dienst einen Beruf nennen, obgleich der mehrere Theil dazu
gezwungen, beschwtzt, beredet und so verleitet waren, ja sogar von den
Kanzeln hierzu aufgefordert. Auf diese letzte Art soll denn auch dem
Vernehmen nach der dreizehnte Vers aus dem vierundvierzigsten Psalm
nicht unangefhrt geblieben sein (Du verkaufest dein Volk umsonst und
nimmst nichts darum. Welcher Hohn!). Ich selbst erinnerte mich der
Worte des alten Herrn Oberjgermeisters von Leliwa zum Oeftern, als
derselbe, whrend wir am 2. Mai beim Abmarsch durch Arolsen
marschirten, sagte: Die hiervon wieder zurckkommen, will ich alle in
Kutschen fahren lassen. Ich selbst glaubte damals noch allen hohen
Gnadenversprechungen.

Das waldecksche Regiment wurde am 2. und 3. Juni mit der zweiten
hessischen Division eingeschifft und landete am 21. Oktober 1776 in New
Rochelle bei New York. Die Seereise selbst mu schlimmer als das
Fegefeuer gewesen sein. Unsere Lagersttten -- erzhlt Steuernagel --
waren so enge eingerichtet, da wir so hart aneinander liegen muten,
da sich fast keiner vor dem andern rhren, noch weniger umwenden
konnte. Sechs und sechs Mann hatten alle Mal einen Platz, ringsum von
einem Brett umgeben, welcher fnf Fu lang und sechs Fu breit war. Wenn
wir uns nun in diesem engen Behlter auf einer Seite mrbe gelegen
hatten, so gab der Aelteste oder der das Kommando von diesen sechs Mann
hatte, ein Zeichen, damit sich alle sechs zu gleicher Zeit auf die
andere Seite legen konnten, und ohne dieses, da wir so gepackt liegen
muten, kamen wir doch zum Oeftern mit den Kpfen hin, wo wir zuvor mit
den Fen gelegen hatten oder fielen durch das starke Wanken des
Schiffes aufeinander oder zum Oeftern aus unseren Betten heraus.

Obgleich tglich Luseparade gehalten wurde, so kam dies Ungeziefer
doch durch die Lnge der Zeit so hufig unter uns, da sich sogar der
Offizier nicht zu schmen brauchte, eine Laus auf seinem Rockrmel zu
erhaschen und ber Bord zu werfen. Die Ursache von dieser ekelhaften
Gesellschaft auf dem Schiffe kam daher, weil der mehrste Theil der
Soldaten lauter Leute waren, welche durch die in viele Gegenden
ausgeschickten Werber waren zusammengebracht, mit keinem Hemde versehen
waren, mithin die pro Mann empfangenen zwei Kommishemden nicht
hinreichten, um einen so starken Besuch der Luse abhalten zu knnen.

Die Waldecker kamen kaum einen Monat nach ihrer Landung zuerst bei Fort
Washington in's Feuer und verloren bei dieser Gelegenheit viele Leute.
Da hrte man -- berichtet Steuernagel -- die grausamsten Verwnschungen
und Vorwrfe dieser unglcklichen Verwundeten, unter Berufung auf das
allgemeine unparteiische Vergeltungsgericht, welche ich nicht wage hier
anzumerken.

In die offizielle Sprache des Frsten bersetzt, hieen diese Flche
soviel, da seine Truppen vor Verlangen brannten, sich fr Se. Majestt
von Grobritannien zu opfern.




Sechstes Kapitel.


Der ganze Feldzug des Sommers 1776 war bekanntlich fr die englischen
Waffen von seiner Erffnung an bis Weihnachten ein entschieden
siegreicher. Machten sie bis zum nchsten Frhjahr eben so schnelle
Fortschritte, so war die schnelle Beendigung des Krieges in weniger als
einem Jahre durchaus nicht unwahrscheinlich. So lange diese gnstigen
Aussichten dauerten, beeilte sich die englische Regierung durchaus
nicht, von den ihr Seitens der deutschen Frsten gemachten
Truppen-Anerbietungen Gebrauch zu machen. Sie whlte vielmehr nur unter
den ihr am besten geeignet erscheinenden Angeboten aus, um ihre deutsche
Streitkraft in Amerika auf 20,000 Mann zu bringen.

England galt im Verhltni zu den verkmmerten deutschen Zustnden und
namentlich den verschuldeten Frsten als ganz unermelich reich, weshalb
seine Kundschaft von den letzteren auf's Eifrigste gesucht wurde. Einer
von ihnen machte dem andern in der Weise der gemeinsten Krmer
Konkurrenz. Jeder wollte einen gnstigen Vertrag fr sich und glaubte zu
verlieren, wenn sein Nachbar schnellern Erfolg hatte. Als der Anspacher
hrte, da der Wrtemberger auch im Markte war, lie er Lord Suffolk
durch seinen Minister insinuiren, da die wrtembergischen Stnde sich
dem beabsichtigten Vertrag widersetzten, da also voraussichtlich die an
eine Verhandlung mit dem Herzog verwandte Zeit verschleudert sein werde.
Der Hesse wieder gab dem englischen Minister zu bedenken, da der
Kurfrst von der Pfalz, von dem man auch eine Zeit lang 4000 Mann zu
nehmen beabsichtigte, zu viele Katholiken unter seinen Soldaten habe,
und da diese fr das protestantische England ein zu gefhrliches
Element seien. An diesen Kder bi natrlich Suffolk an. Trotzdem, da
sich spter bei nherer Untersuchung herausstellte, da die Mehrzahl der
Soldaten reformirt und nur die Offiziere meistens Katholiken waren,
wurde doch aus dem Vertrage nichts. Es kmmerte den Landgrafen bei
diesem uneigenntzigen Eifer fr das englische Seelenheil natrlich gar
nicht der Umstand, da er selbst katholisch geworden war.

Die katholischen, namentlich die geistlichen Reichsfrsten, blieben
brigens ihren alten Verbindungen mit Frankreich treu, so da England
nur mit protestantischen Reichsstnden Vertrge eingehen konnte. Blos
Baiern, das seit einem Jahrhundert sich zu verkaufen gewohnt war, wenn
es einen fetten Profit zu machen gab, wollte sich selbstredend auch dies
Mal die gnstige Gelegenheit zu einem so gewinnreichen Geschft nicht
entgehen lassen. In welcher fr einen deutschen Reichsfrsten
entwrdigenden Weise der alte Kurfrst den englischen Gesandten
anbettelte, wie hhnisch dieser ihn abfertigte und wie klug er ihn fr
seine Zwecke ausbeutete, wird der Brief Elliott's selbst am Klarsten
darlegen. Der Kurfrst von Baiern -- schreibt er am 1. April 1776 aus
Regensburg an Suffolk -- drckte mir wiederholt auf's Wrmste seinen
Wunsch aus, mit dem Knig Subsidien-Vertrge einzugehen und gab mir
auf's Unzweideutigste zu verstehen, da ich mich ihm in keiner Weise
angenehmer machen knne, als indem ich eine Verhandlung befrderte, auf
deren Gelingen er so groes Gewicht lege. Ich antwortete, da ich keine
Befehle in dieser Angelegenheit habe, und mit der Absicht, des
Kurfrsten Verbindungen mit Oesterreich und Frankreich zu sondiren, that
ich, als wenn ich erstaunt sei, sagte, ich habe geglaubt, Seine Hoheit
seien zu eng mit den anderen Mchten verbunden, als da Sie ohne deren
Zustimmung ihre Truppen habe vermiethen knnen. Obgleich von dem Wunsche
beseelt, ihr zu gefallen, sei ich doch mit einer Menge von Dingen nicht
bekannt, so da ich nicht wagen knne, den Gegenstand zu Hause zur
Sprache zu bringen. Der Kurfrst erwiderte mir dann, da es ihm ganz
frei stehe, ber seine Truppen in der fr ihn gewinnreichsten, seinen
Interessen entsprechendsten Weise zu verfgen. Zugleich bat er mich,
seinen Ministern nichts von seinem Wunsche mitzutheilen, da er sich ohne
die Aussicht auf einen daraus herzuleitenden Vortheil der
Unannehmlichkeit seines Bekanntwerdens nicht aussetzen wolle. Ich glaube
kaum, da der Knig das Anerbieten annehmen wird; zudem sind die
bairischen Truppen die schlechtesten, die ich in Deutschland gesehen
habe. Ich sagte aber, ich wolle die Angelegenheit zu Hause in der
gewnschten Weise anregen, Seine Majestt werde natrlich das ihr
bewiesene Vertrauen sehr hoch schtzen. Ich war um so vorsichtiger, die
Mglichkeit einer derartigen Verbindung mit Baiern nicht zu zerstren,
als die Intimitt, mit welcher der Kurfrst mich jetzt behandelt, mir
eine Quelle der besten Information ber wichtige Dinge erffnet, die ich
an einem, an Oesterreich und Frankreich verkauften Hofe nicht anders
erlangen kann, wo der Frst selbst es fr geeignet hlt, mich gegen
seine eigenen Minister zu warnen.

Natrlich lehnte Suffolk auf Grund der obigen Schilderung seines
Gesandten jede Unterhandlung mit Baiern ab und hielt es nicht einmal fr
der Mhe werth, Faucitt zur nhern Prfung der Thatsachen an Ort und
Stelle zu schicken. Er that recht daran, denn in dem ganzen damaligen
heiligen rmischen Reiche gab es keine liederlichere, verkommenere und
durch Pfaffen-, Gnstlings- und Weiber-Regiment herunter gebrachtere
Wirthschaft als das Kurfrstenthum Baiern. Es wrde eine Beleidigung
gegen ein hochstehendes Wort unsers Sprachschatzes sein, wollte man
diesen verchtlichen Klngel Staat nennen. In allen ffentlichen Fragen
ist hier das kleinlichste persnliche und Privat-Interesse magebend.
Ein hnliches Bild servilster Steifbettelei und anspruchvollster
Hohlheit, wie es der Mnchener Hof bietet, hat selbst die Phantasie des
Dichters im spanischen Bedientenroman nicht zu zeichnen vermocht. Wie
die Indianer mit Spielzeug, Glasperlen und bunten Steinen sich kdern
lassen, so sind diese jmmerlichen Trpfe, welche die Regierung Baierns
besorgen, stets fr baares Geld zu haben, wenn sie nur im wesenlosen
Scheine und erborgten Schimmer weiter vegetiren knnen. Ob der Herr
zufllig Maximilian Joseph oder Karl Theodor heit, ist dem hungrigen
Hofgesinde ganz gleichgltig. An diesem Hofe wird heute
Minister-Konferenz darber gehalten, ob das Band des Georgs-Ordens von
links nach rechts oder von rechts nach links getragen werden soll;
morgen entspinnt sich ein heftiger Streit darber, ob der ppstliche
Nuntius an der kurfrstlichen Tafel einen Pagen hinter seinem Sessel
erhalten soll oder nicht. Dann wieder entsteht groe Freude darber, da
der Papst endlich einwilligt, den Kurfrsten als Sohn eines Kaisers
seinen filius dilectissimus statt dilectus zu nennen, oder ein ander Mal
droht auch eine Kabinetskrise ber die schwierige Frage zu entstehen, ob
der sterreichische Gesandte Exzellenz genannt, und ob seine Frau bei
Tafel vor den Hofdamen (Hofmenscher sagt der Bericht weniger hflich,
aber vielleicht desto wahrer) sitzen soll. Wenn die Finanznoth
unertrglich wird, so miethet man einen Goldmacher fr den Hof; flieen
die Subsidien dagegen willig, so schafft man ihn bei Seite, und tritt
wieder Ebbe im Schatz ein, so lt man ihn von Neuem kommen. Den
ungehorsamen Unterthanen gegenber versteht aber Serenissimus keinen
Spa. So ward am 9. Februar 1771 der Beimautner Joseph Schmoeger zu
Ploettenberg auf der gewhnlichen Richtsttte durch das Schwert vom
Leben zum Tode hingerichtet, weil er unter strafbarer Verletzung der
diesfalls erlassenen kurfrstlichen Generalien 900-1000 Scheffel
Getraide auer Landes gelassen hatte. Eine vom Kurfrsten auf seine
eigenen Kosten ausgebildete Tnzerinn, Gertrud Ablscher, welche von
Mnchen nach Wien durchgegangen war, ward mit einer so ungewohnten
Energie und Erbitterung verfolgt, da Baiern mit Maria Theresia, welche
in die von ihr verlangte unbedingte Auslieferung nicht einwilligen
wollte, in heftigen Streit und die unerquicklichsten Verhandlungen
gerieth. Die Tnzerinn erhielt in Mnchen 150 fl. jhrlichen Gehalts und
50 fl. persnliche Zulage, whrend sie in Wien viel besser gestellt
wurde. Steckt der Staatskarren zu tief im Sumpfe, so wird vom ganzen
Hofe nach Alt Oetting gewallfahrtet und der Zorn des Himmels durch
Gebete beschworen. So lebte man eigentlich nur vom Gebete und vom
Bettel, den man euphonistisch Subsidien nannte. Smmtliche europische
Regierungen wuten das, und sie selbst begnstigten dieses ehrlose
Geschft, da sie bei vorkommender Gelegenheit Baiern in ihrem Interesse
zu benutzen und gegen ihren jeweiligen Feind zu verwenden suchten.

Ganz kenntlich -- schreibt Maria Theresia am 23. Juni 1751 an ihren
Gesandten Widmann in Mnchen -- gehet das Absehen des Mnchener Hofes
dahin, nebst dem von Uns und beiden Seemchten ziehenden Gold annoch von
Frankreich Geld zu ziehen, ohne fr den ein noch andern Theyl etwas
werkthtiges zu thun. Mit allem dem trauete Frankreich dem
churbayerischen Hofe nicht recht und hat von dessen meisten Ministris
die belste, von dem Churfrsten selbst aber die Meynung, da er ein
schwacher zaghafter Herr seye. Aus dem hier habenden Grundsatze
antwortet Widmann am 4. Juli -- von allen Seithen Geld und Subsidien zu
nehmen, machet man fast kein Geheimni. Unmittelbar vor dem
siebenjhrigen Kriege erklrte der Kurfrst lieber die dreifachen
Subsidien von Frankreich ausschlagen zu wollen, wenn ihm Oesterreich die
einfachen Subsidien garantire, und der Minister Freiherr v. Berchem
sagte: Ohne Subsidie knnen wir nicht seyn und unsere Interessen mssen
wir auf der einen oder andern Seithen finden. Wenn nicht in Blde,
schreibt Widmann am 26. Dezember 1755 -- von London aus wegen Erneuerung
des Subsidienvertrages vergngliche Nachrichten einlaufen, drfte der
Kurfrst nicht lnger mehr anstehen, endlich solche von Frankreich
anzunehmen.

Bekanntlich zeichneten sich die whrend des siebenjhrigen Krieges bei
der Reichsarmee stehenden bayrischen Truppen durch nichts weniger als
durch Heldenthaten aus. Von welcher Beschaffenheit sie aber bei Ausbruch
des amerikanischen Krieges gewesen sein mssen, geht aus der von Seb.
Bruner in seinem Buche: Der Humor in der Diplomatie mitgetheilten
Korrespondenz hervor. Es schreibt nmlich der kaiserliche Gesandte Graf
Lehrbach am 24. Mrz 1778, also zwei Jahre nach dem Anerbieten des
Kurfrsten und einige Monate nach dessen Tode, an den Minister Frsten
Kaunitz-Rittberg: Der Militrstand ist nach der Cameral-Einrichtung auf
15,000 Mann, dermalen kaum 3000 Mann unter Gewehr, nebst einem
Invaliden- und Garnison-Regiment. Zum Unterhalt dieser 15,000 Mann,
worunter 39 Generale, sind alle Monat 93,000 fl. Vorschu bestimmt,
wovon der Unterhalt der Festungen, des Generalstabs und Alles, was zum
Militrstand gehrig, zu bestreiten wre, welche auch so verwandt
werden, als ob dieser Stand wirklich vollzhlig wre. Welches auch
leicht begreiflich, wenn man unter Anderem diesen Unfug beherziget, da
wenn eine Offiziers- oder andere Frau gesegneten Leibes war, hat man es
entweder durch bloe Protektion oder mittelst Geldverwendungen, welches
in diesem Lande fr alle Gattungen von Bedienstungen oder
Gnadenerweisungen der schicklichste Erhaltungsweg war, dahin gebracht,
da fr noch nicht geborene und zur Welt gebrachte Leibesfrucht eine
Offiziersstelle ertheilt worden ist. Wenn dann entweder eine todte
Frucht zur Welt gekommen oder gar eine Tochter oder ein Sohn, der aber
gleich oder nicht lange nachher gestorben, so hat die Familie oder
Eltern der Kinder doch immer die Ertrgnisse der gegebenen
Offizierspatente fortgenossen. Die fr die Beurlaubten ersparten Gelder
flieen in die Tasche des Kurfrsten. Natrlich gerieth unter solchen
Umstnden Alles in Unordnung; es herrschte unter den Truppen
Unzufriedenheit und Desertion. Kurz vor Ausbruch der franzsischen
Revolution waren bei den Chevauxlegers-Regimentern 150 Pferde und 40
Sttel und fr erstere nicht einmal die gehrigen Pferdestriegel
vorhanden.

Es war also kein Wunder, wenn die bayrischen Soldaten zu jener Zeit nach
den ppstlichen als die schlechtesten in Europa galten, und es war weise
von Suffolk, da er kurzer Hand das kurfrstliche Anerbieten verwarf.
Dagegen zog er die ihm im Dezember 1776 gewordenen Offerten Wrtemberg's
und Brandenburg-Anspach's nher in Betracht und betraute zu Anfang des
Jahres 1777 den Obersten Faucitt mit einer Sendung an die Hfe von
Stuttgart und Anspach, um womglich sofort mit ihnen einen
Truppenlieferungs-Vertrag abzuschlieen.

Da dieses Kapitel nur den verfehlten Versuchen Suffolk's, deutsche
Hlfstruppen zu erlangen, gewidmet ist, so mgen hier zuerst die
Verhandlungen mit Wrtemberg ihren Platz finden, wenn sie auch, der Zeit
nach, einige Wochen nach dem mit Anspach geschlossenen Vertrage begonnen
und beendigt wurden.

Sir Joseph Yorke hatte Suffolk im September 1775 den Herzog von
Wrtemberg als einen Frsten genannt, der wohl im Stande sein werde,
einige Tausend Mann zu liefern; auch der Herzog selbst hatte sich dem
Minister angeboten. Es kam also zunchst auf den Versuch an,
Verhandlungen mit ihm anzuknpfen.

Das Herzogthum Wrtemberg zhlte zu jener Zeit bei einer Gre von
ungefhr 200 Quadratmeilen 514,575 Einwohner. Der Herzog Karl Eugen
(1744-1793), der berchtigte Peiniger Schubart's und Moser's, sowie
sptere Grnder der Karlsschule, war zu jener Zeit noch der Landes- und
Volksquler, der nach dem von ihm zuerst ffentlich aus dem
Franzsischen bersetzten zynischen Grundsatz handelte: Was Vaterland!
Ich bin das Vaterland! und sich erst im Jahre 1778 unter dem Einflu
einer verstndigen und sanften Frau zu einem bessern Lebenswandel
bekehrte. Zwanzig Jahre frher nannte er die Beschwerde seiner Stnde
ber den ohne ihr Wissen mit Frankreich abgeschlossenen
Subsidien-Vertrag, der ihm drei Millionen Gulden einbrachte,
aufrhrerisch und unanstndig und drohte der stndischen Vertretung mit
dem Asperg. Herzog Karl Eugen hat brigens die Ehre, durch seinen
Ex-Feldscherer Schiller der Nachwelt viel genauer bekannt geworden zu
sein, als er verdient; so dankbar ist das deutsche Volk gegen seinen
groen Dichter, da es den kleinen Tyrannen, weil er frdernd und
hemmend in dessen Jugend eingriff, sogar in Dichtung und Sage
verherrlicht hat. Der Leser kann fr die nhere Charakteristik dieses
Mannes deshalb fglich auf die populren Lebensbeschreibungen Schiller's
von Palleske und Scherr verwiesen werden. Hier nur ein Zug, der ihm
unter seinen Zeitgenssischen Brdern und Vettern als den rohesten und
grausamsten kennzeichnet. Als er Schubart mit gerade demselben Recht
eingekerkert hatte, mit welchem ein tunisischer Seeruber seiner Zeit
Menschen an den Ksten des Mittelmeeres stahl, zwang er sein volle zehn
Jahre eingesperrtes und gemartertes Opfer sogar, ihn, den gndigsten
Peiniger, an seinen Geburtstagen zu besingen. Der arme gebrochene Mann
lie sich leider zu dieser Entehrung mibrauchen. Die Sammlung der
Schubart'schen Gedichte ist reich an derartigen, auf Bestellung
gelieferten Ergssen. Ein paar Proben, auf gutes Glck herausgegriffen,
mgen in der Anmerkung Platz finden.[3]

Auch die Herzge von Wrtemberg machten wie ihre frstlichen Kollegen
seit Menschenaltern gern Geschfte in Truppenlieferungen und waren in
der Herbeischaffung von wohlqualifizirten Subjekten durchaus nicht
bedenklich. In dieser Beziehung ist Karl Eugen nicht schlechter als
seine Vorfahren; er handelte hchstens noch rcksichtsloser und
konsequenter als sie. Man ist in der That oft in Verlegenheit, wem von
ihnen man den Preis zuerkennen soll, aber in letzter Instanz mu man
sich doch fr Karl Eugen als den niedertrchtigsten entscheiden.

Die langjhrigen Zwistigkeiten des Herzogs mit seinen Stnden wurzeln
zum groen Theil in der Willkr, mit welcher er seine Truppen aushob und
erhielt; sie geben uns das aktenmig beglaubigte Material an die Hand,
zur Beurtheilung der Soldateska whrend der letzten Hlfte des vorigen
Jahrhunderts. Nirgend im damaligen Deutschland war das Rechtsbewutsein
so ehrlich und schroff entwickelt als bei den braven Schwaben. Eine
kurze Uebersicht ber ihre Streitigkeiten mit dem Herzog ist uerst
lehrreich fr das Verstndni der uns beschftigenden Epoche. Ex uno
disce omnes!

In den ersten Jahren seiner Regierung enthielt sich Karl Eugen jedes
gewaltthtigen Eingriffs in die Rechte seiner Unterthanen und zwang sie
namentlich nicht zum Dienste. Erst allmlig entwickelte sich der Sultan
in ihm. Als der siebenjhrige Krieg ausgebrochen war, und als der Herzog
neben den 6000 Mann Hlfstruppen, die er Frankreich geliefert hatte,
sein Reichskontingent stellen sollte, das bis dahin nicht vorhanden war,
da schritt er mit einer Rcksichtslosigkeit zur gewaltsamen Aushebung
seiner Brger und Bauern, die im schroffsten Gegensatze zu deren
verbrieften Rechten stand und zu langjhrigen Zwistigkeiten mit den
Landstnden fhrte. Der berchtigte Major Rieger erhielt Vollmacht, in
krzester Zeit die nthige Truppenzahl zu liefern. So schwer das war, da
die Schwaben gegen Friedrich den Groen als Beschtzer des
Protestantismus in Deutschland nicht dienen wollten -- Karl Eugen war
katholisch -- so erfllte Rieger doch seinen Auftrag. Wer achtzehn Jahre
und sonst tauglich war, mute Soldat werden; vom Feld und aus den
Werksttten, aus den Husern und aus den Betten holte man die Leute,
umstellte Sonntags die Kirche und lie sie von da gewaltsam
fortschleppen; zur Unterzeichnung der Kapitulation aber zwang man sie
durch Hunger und Gefngni. Beamte, die sich hierbei nicht recht thtig
zeigten, wurden mit strengen Strafen bedroht. Die auf solche Art
zusammengeraffte Mannschaft emprte sich jedoch, als sie in's Feld
ziehen sollte, und Rieger mute mit noch grausamerer Strenge ein neues
Heer zusammenbringen. -- Ueber dies Verfahren entstand allgemeiner
Unwille im Lande; indessen fruchteten die wiederholten wehmthigsten,
aber respektvollsten Vorstellungen des stndischen Ausschusses nicht.
Weil aber die Desertionen so sehr berhand nahmen, da die Truppen in
kurzer Zeit 360 Deserteure zhlten und im September 1757 allein aus dem
Feldlager bei Linz 62 ausrissen, so wurden die Gesetze gegen das
Desertiren bedeutend verschrft. Selbst wer mit Gewalt zum Kriegsdienst
weggenommen war, wurde, sobald man ihn wieder ergriff, gehngt und mit
Vermgensverlust bestraft. Wer einem Deserteur half, verlor das
Brgerrecht, wurde ohne weitern Proze ins Zuchthaus abgefhrt und hier,
unter wiederholtem Willkomm (d.h. Stockprgeln) zu harter Arbeit
angehalten. Um das Entkommen der Ausreier zu verhindern, wurde befohlen
-- in der Wrtembergischen Geschftssprache nannte man die Maregel
Deserteur-Attrapirungs-Anstalten -- da die Nachtwchter auf den
Nebenwegen lngs den Drfern alle Nchte streichen muten. Wenn Lrm
gemacht wurde, so hatte die aufgerufene Gemeinde augenblicklich alle
Straen, Brcken, Nebenwege und Fusteige zu besetzen und wenigstens
vier und zwanzig Stunden lang besetzt zu halten. Wegen eines einzigen
Ausreiers hatte in solchen Fllen Tbingen 106, Herrnberg 92, Bblingen
101, Besigheim 48 Mann auszuschicken; der kleine, aus fnfzig Familien
bestehende Ort Dachtel stellte in einem Jahre 1488 Mann auf die
Alarmpltze. Nicht selten verloren beim Widerstand bewaffneter Ausreier
arme Familienvter Leben oder Glieder. Derjenige Ort aber, auf dessen
Gemarkung ein Deserteur nicht aufgehalten wurde, obgleich es htte
geschehen knnen, mute einen Mann von der Gre des Entwichenen
stellen, und namentlich sollte dann bei den Shnen des Ortsvorstehers
der Anfang gemacht werden. Dieser Befehl war alle Monate von der Kanzel
zu verkndigen. Am 1. Oktober 1758 erhielten die Beamten den Auftrag,
die Aushauser fortwhrend namhaft zu machen und allenfalls gleich
einzuschicken, und zwar nicht blos solche, die ihr Vermgen schon
verthan htten, sondern berhaupt Alle, welche ein liederliches Leben
fhrten, Trunkenbolde, Raisonneure, illegale Miggnger, unruhige
Kpfe, subtile und schleichende Aufwiegler oder andere dem Publikum
politisch oder zur Last fallende Leute, welche nicht ber 60 Jahre alt,
nicht gebrechlich und wenigstens 5 Fu 8 Zoll hoch seien. Als Grund fr
diesen Befehl wurde vom herzoglichen Zuchtmeister angegeben, da viele
Beispiele von solchen Leuten vorhanden seien, die sich im Militrdienst
ganz und gar gendert und der hier herrschenden preiswrdigsten Ordnung
und Disziplin dergestalt folgsam erzeigt htten, da man sich bei ihrer
einstigen Entlassung gehorsame, ruhige und vernnftige Brger an ihnen
zu versprechen habe.

Die Beschwerden der Landstnde mit ihrer in Staatssachen schwachen
Einsicht, wie der Herzog meinte, wurden keiner Antwort gewrdigt, der
Landschafts-Konsulent Moser aber, die Seele der Opposition und der
berhmte Staatsrechtslehrer, ward verhaftet und auf den Asperg
geschafft.

Als 1760 nach Ablauf des Subsidienvertrages mit Frankreich der Plan
milungen war, 6000 Mann Fuvolk in spanische Dienste zu bringen, wurde
die um's Vierfache gesteigerte Militrlast von 10,290 Mann auf's Land
gewlzt. Der Herzog versprach zwar, da er sich alle Mhe geben werde,
um durch einen neuen Subsidienvertrag seinen lieben und getreuen
Unterthanen eine nicht geringe Erleichterung des verlangten
Militrbeitrags zu verschaffen; es wollte aber kein soldatenbedrftiger
Frst die Wrtemberger. Whrend diese unter tchtiger Fhrung zu den
allerbesten deutschen Soldaten gehrten, war zu jener Zeit ihre
Abneigung gegen den Dienst ganz berechtigt. Damals war das Militr bei
seinen eigenen Landsleuten verachtet und verabscheut. Den jungen
Wrtemberger wandelte ein Schauder an, wenn er nur Soldaten sah; lieber
verlie er das elterliche Haus oder erlegte starke Majorittsgelder, um
heirathen zu drfen, wenn er von einer Aushebung hrte. Die Ursachen
dieser Abneigung vor dem Militrstand lagen in den allzuschroffen
Kriegsartikeln, in dem klglichen Sold, der zerlumpten Kleidung, den
abgedrungenen Kautionen, in der schlechten Behandlung der Soldaten, in
den nicht gehaltenen Kapitulationen, den erzwungenen Loskaufungsgeldern
und dem Schicksal der verwahrlosten, Abscheu und Ekel erregenden
Invaliden und der abgedankten als Bettler herum ziehenden Soldaten.
Dewegen whnte man damals, das Militr sei blos ein Zuchtinstitut,
wohin nur Taugenichtse, Aussauger, Faullenzer, Verschwender, mirathene
Shne und Strflinge gehrten. Der Bauernbursche glaubte, da das
Soldatenhandwerk nur durch Stockprgel und Regimentsstrafen erlernt
werden knne. Selbst noch zu Anfang der franzsischen Revolution waren
die Wrtembergischen Soldaten blo ein Haufen zusammengestoppelter, der
Strapazen ganz ungewohnter Leute, von denen die meisten nur darum gern
in's Feld zogen, um eine schickliche Gelegenheit zum Ausreien zu
finden. Der Abgang wurde zwar durch Werbungen wieder ersetzt, aber die
Rekrutentransporte waren fters, noch ehe sie die Standquartiere
erreichten, unterwegs durch Desertion oder durch die Knste fremder
Werber auf die Hlfte herabgeschmolzen, so da man sie zuletzt stets
durch Husaren begleiten lie. Lange Zeit war daher auch das Desertiren
und Rekrutiren die grte Kompagnieneuigkeit und Desertion der
gewhnliche Frhrapport. Ein Theil des Kontingentes aber bestand aus
alten und gebrechlichen Leuten, welche tglich um ihren Abschied oder
den Invalidengehalt baten, und der kleinere Theil war durch die vielen
Vernderungen und das bse Beispiel der Deserteure ganz mimuthig und
verdrielich geworden. Die Artillerie allein machte eine Ausnahme von
diesem schlechten Zustand. (Pfaff's Geschichte des Militrwesens in
Wrtemberg. Stuttgart. 1842. pp. 66-87.)

So viel sich auch die Landstnde beklagten, sie fanden kein Gehr. Im
Jahre 1764 beliefen sich ihre Militrbeschwerden auf mehr denn fnfzig,
darunter die Klage ber die ohne Wissen der Landschaft geschlossenen
Bndnisse und Subsidienvertrge, ber die gewaltsamen Aushebungen, ber
die den jungen Leuten abgedrungenen Loskaufgelder von 50-100 fl., ber
das Verfahren gegen diejenigen, welche ihre Kapitulationszeit vollendet
hatten und nun durch Fuchteln, Stockschlge, Einkerkerung und andere
harte Strafen zu lngerm Dienste oder zu Arbeiten beim herzoglichen
Bauwesen gezwungen wurden, wo sie oft lange Zeit weder Sold noch Lohn
erhielten und daher in zerrissenen Monturen, ohne Schuhe und Strmpfe
auf dem Bettel umherziehen muten. Die Stnde klagten ferner ber die zu
strengen Strafen gegen Deserteure, ber die Wegfhrung der mit Gewalt
weggenommenen Unterthanen in's Ausland, ber die harte Bestrafung der
verheiratheten Brger, welche bei der angeordneten Landesdefension nicht
erschienen, und der Eltern und Verwandten der Rekruten, wenn sie diese
verbrgen, ber das auf Befreiung vom Militrdienst gesetzte hohe
Lsungsgeld, welches im Ganzen gegen 500,000 fl. betrage und welches
selbst solche zahlen mten, welche ihre Kapitulationszeit schon
berstanden htten, ber die Fortdauer der Einquartierung, ungeachtet
der ansehnlichen Beitrge des Landes zum Kasernenbau, ber die durch den
hufigen Garnisonswechsel verursachten Unkosten, ber die hchst
beschwerlichen Deserteurs-Attrapirungsanstalten, ber die Bedrohung
und Bestrafung der Gemeindevorsteher, welche beschuldigt wrden, da sie
Ausreier htten durchkommen lassen, ber die Erleichterung der
Soldaten- und die Erschwerung der brgerlichen Ehen, ber den Schaden,
welchen Gewerbe und Landwirthschaft durch die gewaltsame Wegnahme der
Handwerksburschen und Dienstknechte erlitten, ber die erzwungene
Uebernahme der ausgemusterten Wagen- und Artilleriepferde, wodurch den
Aemtern ein Schaden von 200,000 fl. erwchse, ber die vielen Leistungen
von Vorspann bei Campements und Garnisonswechseln, den Ruin der
Felder und die Verhinderung der Leute an ihren Feldarbeiten, sowie
endlich ber den bergroen Generalstab, die zahlreichen Offiziere und
die kostbaren Montirungen und Equipirungen.

Der Herzog, erbittert ber den nur zu gerechten Tadel, schickte die
Landstnde nach Hause. Diese lieen sich aber durch seine Drohungen
nicht einschchtern, sondern reichten, durch die Knige von Dnemark,
England und Preuen als Garanten der Wrtembergischen Verfassung
untersttzt, am 30. Juli 1764 eine gerichtliche Klage gegen des Herzogs
verfassungswidriges Betragen beim Reichshofrath ein, welcher am 15. Mai
1765 den Landstnden Recht gab und Karl Eugen zur gtlichen Beilegung
des Streites aufforderte. Jetzt gab dieser nach. Das Resultat der
Verhandlungen war der sog. Erbvergleich vom 2. Mrz 1770, welcher die
Rechte des Herzogs und der Landschaft festsetzte. Von jetzt an hrten
die schreiendsten Mistnde wenigstens eine Zeit lang auf; im Uebrigen
ging bald Alles wieder seinen alten Schlendrian. Als 1782 die Stnde
sich von Neuem darber beschwerten, da die Ursache der starken
Auswanderung neben den Forst- und Jagdklagen in den Beschwernissen
liege, welche der Unterthan durch das Militrwesen zu erdulden habe,
nannte der Herzog ihre Bemerkungen eine ganz unanstndige Zensur.

Wie sehr brigens die Stnde in ihren Streitigkeiten mit dem Herzog
Recht hatten, beweist u.A. die von dem letztern 1765 und 1766 bewirkte
Reduktion seines Offizierkorps, um dem Reichshofrath weniger schuldig
gegenber treten zu knnen. So entlie er im erstgenannten Jahre
3 Generalmajore, 3 Obersten, 1 Obristlieutenant, 5 Majore,
62 Hauptleute, 113 Lieutenants und 26 Fhndriche, whrend er 1766 noch
1 Feldzeugmeister, 1 Generallieutenant, 5 Generalmajore, 3 Obersten,
1 Major und 1 Rittmeister pensionirte. Die Offiziere selbst waren
nichts als rohe Landsknechte, denn sie wurden nicht so sehr nach der
Tchtigkeit als nach den Vorzgen der Geburt gewhlt, am Willkommensten
aber waren Auslnder. Hierdurch aber kam ein Geist des Uebermuths unter
die Offiziere, durch welchen smmtliche Klassen des Brgerstandes
schwer leiden muten; denn diese wurden recht rittermig gehudelt,
selbst an Ober- und Staatsbeamten wurden Rippenste und Stockprgel
ausgetheilt, das Heiligthum der Landesrechte und Freiheiten aber mit
Fen getreten. Nur eine einzige, dem Ende der uns beschftigenden
Periode angehrige und in Schlzer's Staats-Anzeigen erzhlte Anekdote
mge hier als charakteristisch fr den Geist des wrtembergischen
Kriegsheers einen Platz finden. Am 24. Mai 1783 lie ein Lieutenant von
Bhnen in Stuttgart einen an der Hauptwache vorbeigehenden Kammerrath,
weil er den Hut nicht vor ihm abgezogen, in die Wachtstube schleppen
und ihm fnfundzwanzig Stockschlge aufzhlen. Der Geprgelte erhielt
einzelne Hiebe auf den Kopf und schwebte mehrere Tage in Lebensgefahr.
Es sei der hochmthigen Schreiberseele schon recht geschehen, meinte
das Hofgesindel. Natrlich kam der adlige Lieutenant so gut wie
straffrei davon.

Der Herzog wute zu gut aus eigener Erfahrung, da man mit rebellischen
Unterthanen so leicht und schnell nicht fertig wird und lchelte
unglubig ob der Naivett Suffolk's, als dieser die Revolution in einem
Feldzug niederwerfen zu knnen erklrt hatte. Karl Eugen wartete deshalb
auch seine Zeit ab. Kaum hrte er von den Siegen der Englnder auf Long
Island, als er dem Knig zur glcklichen Niederwerfung der Rebellion
Glck wnschte und zugleich seine Truppen fr den nchsten Feldzug
anbot. Dieser Brief wurde von Wilhelm Rmer, dem wrtembergischen
Agenten in London, am 9. Dezember 1776 berreicht. Bald darauf kam der
Herzog selbst. Es scheint aber nicht, da sein persnliches Erscheinen
einen gnstigen Eindruck auf Suffolk gemacht habe, wenigstens frderte
es die Verhandlung nicht. Am 19. Januar 1777 bot Rmer in aller
Frmlichkeit 3000 Wrtemberger an, die gegen Mitte Mrz in Heilbronn
eintreffen und sich dort einschiffen sollten. Ich erlaube mir --
schrieb Rmer -- am Schlusse zu versichern, da der Herzog bei seiner
hohen persnlichen Ehrerbietung vor Seiner Majestt Alles aufbieten
wird, sich bei dieser Gelegenheit durch sorgfltig ausgewhlte
Mannschaften und gute Ausrstung der Offiziere und Soldaten
auszuzeichnen, und da er den Knig, Ew. Lordschaft und den
Oberbefehlshaber in Amerika zu befriedigen suchen wird.

Als Suffolk am 14. Januar 1777 Faucitt seine Instruktionen fr Anspach
gab, fgte er einen gleichlautenden Auftrag fr Wrtemberg bei. Der
Knig -- sagte er -- will die 3000 Mann, welche der Herzog ihm angeboten
hat, annehmen. Die zu liefernden Truppen sollen aus 100 Mann per
Kompagnie, mit je vier Offizieren und eben so viel Sergeanten, ein
Sechstel des Ganzen aber aus Jgern bestehen, falls Sie so viel gute und
erfahrene Jger haben knnen. Je jnger die Offiziere, desto besser!
Jedes Bataillon mu seine Geschtze mitnehmen und das ganze Korps am
10. Mrz zur Einschiffung fertig sein. Die Mittheilung mag Ihnen von
Nutzen sein -- fgte Suffolk in einem vertraulichen Schreiben hinzu --
da der Herzog von Wrtemberg und der Markgraf von Anspach besonders
warm wnschen, ihre Truppen Seiner Majestt zu vermiethen, und da die
desfallsigen Vorschlge nicht von uns ausgegangen, sondern von ihnen
gemacht sind. Rmer, des Herzogs hiesiger vertrauter Agent, hat mir
zudem versprochen, da die zu liefernden 3000 Mann mglichst auf den
englischen Fu gestellt und mit so wenig berflssigem Zubehr versehen
sein sollen, als nur mglich ist. Hoffentlich denkt der Herzog nicht
daran, einem Offizier von hherm Rang als General-Major den Befehl ber
seine Truppen zu bertragen.

Als Suffolk das Anerbieten des Herzogs annahm, war er von der falschen
Voraussetzung ausgegangen, da dessen stehendes Heer doppelt so gro als
das versprochene Kontingent sei, in welchem Irrthum er durch einen im
englischen Kriegsministerium befindlichen Bericht des Hauptmanns
Pleydell bestrkt wurde. Dieser Offizier hatte nmlich Stuttgart zu
Anfang September 1775 besucht und war offenbar durch die glnzende
Auenseite der wrtembergischen Residenz, durch den Herzog und seine
Minister geblendet worden; er hatte die auf dem Friedensfu stehende
Armee des Herzogs auf 5500 Mann geschtzt und sich uerst anerkennend
ber die guten Eigenschaften der Truppen, die schnen Kasernen, die
prchtigen Uniformen und die guten Pferde ausgesprochen.

Anders lautete die Lesart, die jetzt Faucitt bei genauerer Besichtigung
gab.

Ich wurde -- schreibt er am 7. Februar 1777 von Stuttgart -- dem
Herzoge am Tage meiner Ankunft von Anspach (3. oder 4. Februar)
vorgestellt. Er versprach mir sofort, dem Knige die 3000 Mann zur
festgesetzten Zeit zu liefern; die Minister versicherten aber, da
dieses Versprechen sich unmglich erfllen lasse. Ich bedaure, da meine
Verhandlungen an diesem Hofe voraussichtlich zu Nichts fhren werden.
Der Herzog ist nicht im Stande, ein Drittel der in Aussicht gestellten
Truppen zu liefern. Sein Kredit und seine Finanzen sind bei einer so
niedrigen Ebbe angekommen, da er, selbst wenn er die Truppen auszuheben
vermag, unmglich gute Waffen und Uniformen anschaffen kann, um sie
fr's Feld auszursten. Seit ich in Deutschland bin, habe ich schon viel
von des Herzogs ruinirten Verhltnissen gehrt; ich finde jetzt die
weitgehendsten Schilderungen besttigt, namentlich aber sind seine
Mittel so erschpft, da er gar nicht an die Ausrstung eines Korps fr
Amerika denken kann. Seine ganze Armee besteht aus 1690 Mann (Offiziere
und Unteroffiziere nicht mit eingeschlossen). Die Kavallerie betrgt 410
Mann; die Infanterie 1060 und die Artillerie 220 Mann. Ein
Infanterie-Regiment hat im Durchschnitt 240 Mann und ein
Kavallerie-Regiment 120 Mann! Ein groer Theil der Soldaten ist
beurlaubt. Was bei den Fahnen steht, ist der steif, alt und dekrepit
gewordene Ueberrest aus dem letzten Kriege. Um die Desertion zu
verhindern, giebt man den Soldaten, deren Zeit lngst abgelaufen ist,
ihre fllig gewordene Lhnung nicht. Ihre Waffen stammen aus dem letzten
Kriege, sie sind von allen Kalibern, dabei abgenutzt und werthlos. Ihre
Feld-Ausrstung und Zelte sind von noch schlechterer Beschaffenheit. Die
Offizierszelte sind in Stcke geschnitten und in verschiedene Formen
gebracht, um bei den lndlichen Festen des Herzogs zu dienen. Ohne neue
Zelte knnen sie gar nicht marschiren. Dieser entmuthigende Zustand der
wrtembergischen Armee erschreckte mich derartig, da ich mir des
Herzogs Gestndni, er knne nicht alle 3000 Mann in der
vorgeschriebenen Zeit liefern, zu Nutze machte und erklrte, ich msse
auf der ganzen Zahl bestehen, jedenfalls Ihnen aber erst Bericht
erstatten. Der Herzog ernannte zwei seiner Minister und einen Major zur
Unterhandlung mit mir, welche keinen der bisherigen Vertrge kannten.
Ich entwarf einen nach dem Muster des braunschweigischen, da dieser der
migste von allen ist. Die Subsidien beschrnkte ich auf sechs Monate,
statt zwei Jahre wie in Braunschweig einzurumen. Ebenso bewilligte ich
vor dem Abmarsch nur sieben Tage Lhnung statt zwei Monate. Ich war
natrlich bereit, bessere Bedingungen zu gestatten, falls es verlangt
wrde. Die Herren machten aber nicht die geringsten Einwendungen.

Ich kann mich noch immer nicht -- fhrt Faucitt von Kassel aus am 17.
Februar 1777 fort -- ber den Aerger der Enttuschung in Stuttgart
beruhigen. Ich frchte, da dieser bedeutende Ausfall an Truppen
ernstliche Unannehmlichkeiten nach sich ziehen wird. Ich bin mir aber
bewut, recht gehandelt zu haben. Alle Manver schlugen bei mir fehl.
Weder die schmeichelhaften Hflichkeiten, noch die ausgesuchteste
Artigkeit und Aufmerksamkeit haben mich verlockt. Ich habe auch nicht
fr einen Bruchtheil der Truppen abgeschlossen, da diese, ganz abgesehen
von ihrer schlechten Equipirung und Bewaffnung, doch fr den aktiven
Dienst nicht getaugt haben wrden. Der Herzog hat sich seit einigen
Jahren so sehr weibischen Vergngungen hingegeben, da er das
Militrwesen ganz vernachlssigt und in Verfall gebracht hat. Was ich in
seinem Arsenal in Ludwigsburg sah, hat mich in meinen ersten ungnstigen
Eindrcken nur bestrkt. Ich fand daselbst nur einen schnen
Artillerie-Train, den wir aber nicht brauchen knnen; die dort
befindlichen Gewehre verschiedensten Kalibers sind alt, ihre Schlsser
zerbrochen oder auer Ordnung; die wenigen Zelte sind alte schbige
Ueberreste aus dem letzten Kriege. Ich zog mich deshalb so gut ich
konnte aus der Schlinge, sprach von gegenseitigem Miverstndni ber
Zahl und Lieferungszeit der Truppen und reiste ab.

Suffolk gab Faucitt unbedingt Recht und meinte nur, ob man nicht
Malsburg einen Wink geben und die brauchbaren wrtembergischen Jger
nicht zur Vervollstndigung der hanauischen Jger-Abtheilung benutzen
knne. Malsburg verstand den Wink und fast ein Drittel der letzten drei
hanauer Jger-Kompagnien, die im April in Nimwegen ankamen, waren
Wrtemberger.

Uebrigens regte Faucitt selbst im April 1777 von Kassel aus den Plan
wieder an, wenigstens 1000 bis 1500 Mann vom Herzog von Wrtemberg zu
miethen, der nach wie vor von Ehrerbietung gegen den Knig von England
berstrmte und es sich als besondere Gnade ausbat, da seine Truppen
einigen Antheil an der Niederwerfung der amerikanischen Rebellion nehmen
drften. Suffolk meinte zwar, diese Dienstwilligkeit ziele mehr darauf
hin, eine bedeutende Summe Geldes nach Stuttgart zu ziehen, als Sr.
Majestt Streitkrfte bedeutend zu verstrken, allein er bevollmchtigte
Faucitt, die Verhandlungen mit Karl Eugen wieder anzuknpfen und ihm die
den Hessen gewhrten Bedingungen einzurumen, wenn er bis zum Frhjahr
zwischen 1500 und 4000 Mann erhalten knne. Indessen hatte der englische
Minister immer noch Mitrauen in die Tchtigkeit der wrtembergischen
Truppen und brach im Dezember die schwebenden Unterhandlungen ganz ab,
als -- wie wir spter sehen werden -- in Folge der vom Knig von Preuen
gegen die deutschen Hlfskontingente ergriffenen Maregeln ihre
Verschiffung den Rhein hinunter vorlufig unmglich wurde.

Uebrigens verschmhte es Suffolk zu gleicher Zeit nicht, mit
hergelaufenen Abenteurern, alten Werbe-Offizieren und prahlenden
Landsknechten direkt zu verhandeln, wofern sich ihm nur eine Aussicht
bot, ein paar tausend Mann mehr fr den Dienst in Amerika zu gewinnen.
So lie er sich u.A. Monate lang in einen ausfhrlichen Briefwechsel mit
einem schwbischen Baron Eichbegg ein. Dieser Mann bot seine Dienste in
London selbst an und fand dort, wo man seinen Aufschneidereien und
abenteuerlichen Plnen anfangs ein glubiges Ohr schenkte, eine uerst
freundliche Aufnahme. Da ich glaube, -- schrieb er in einem
barbarischen Franzsisch am 12. Juni 1777 an Suffolk -- da der Hof von
Wien und das ganze Reich neue, fr Amerika bestimmte Truppen-Aushebungen
in Deutschland mit keinem gnstigen Auge ansehen wird, so erlaube ich
mir, Mylord, Ihnen einen Vorschlag zu machen, ber den kein Mensch Lrm
schlagen kann. Mein Geheimni besteht darin, da ich eine
Rekruten-Niederlage auf der Insel Minorka bilde, dort eine betrchtliche
Anzahl Deutscher sammle und von da aus stets die deutschen in Amerika
dienenden Regimenter vervollstndige. Ein geborner Schwabe, habe ich die
beiden letzten Kriege in Deutschland mitgemacht und kenne nicht allein
besser als jeder Andere das Land, sondern auch die Mittel und Wege, auf
denen man, ohne Skandal zu machen, alle mglichen Rekruten zu zwanzig
Pfund pro Stck nach Genua und von da nach Minorka schafft. Ich wrde
natrlich meinen Wohnsitz in Minorka aufschlagen.

Suffolk fand diesen Plan denn doch etwas zu weit aussehend; aber der
erfinderische Herr von Eichbegg machte ihm bereits am 8. August 1777
einen neuen verbesserten Vorschlag. Er hatte diesmal nichts Geringeres
vor, als Slowaken und Kroaten nach Amerika zu schaffen und aus diesem
Gesindel zugleich nach beendigtem Kriege eine den Amerikanern furchtbare
Niederlassung zu bilden. Meine alten Waffengefhrten -- schreibt
Eichbegg unter jenem Datum -- wollen Niemandem anders dienen, als
England; ich erneuere deshalb meine Bitte um Prfung meines sehr
beachtenswerthen Vorschlages. Ich wei nicht, was fr Grnde Sie
bestimmen, denselben abzulehnen. Meine Leute sind tapfere Slowaken, die
ich im Kriege gegen Trken und Russen kommandirt habe; sie folgen mir,
wohin ich gehe, bis an's Ende der Welt; zugleich sind sie gute Matrosen.
Es wre aber wichtig, nicht allein Soldaten und Matrosen nach Amerika zu
schaffen, die sich whrend des dortigen Krieges ntzlich machen knnten,
sondern zugleich von der hchsten Bedeutung, spter aus ihnen eine den
Amerikanern furchtbare Kolonie zu bilden. Sie wrden in ihnen eine
natrliche Garnison gewinnen und die Transportkosten doppelt und
dreifach wieder herausschlagen.

Es schien aber selbst Suffolk vor dieser Bande bange zu werden; er
lehnte deshalb den Antrag am 12. September 1777 definitiv ab und
beharrte bei seiner Weigerung, als Eichbegg am 6. Januar 1778 sein
Anerbieten von Hamburg aus erneuerte. So blieben denn die armen Rebellen
vor der Gesellschaft der Halsabschneider, Rattenfallenhndler und
Militrgrnzer verschont.

Je lnger aber der Krieg in Amerika dauerte, desto grer wurden die
Verlegenheiten des englischen Ministeriums. Es hatte gar keine Wahl
mehr, sondern mute seine Truppen nehmen, wo sie nur zu finden waren.
Der frhere Hochmuth Suffolk's machte deshalb auch seit der
Gefangennahme der Hessen bei Trenton und namentlich seit der Uebergabe
Burgoyne's bei Saratoga einer ebenso groen Verzagtheit Platz. Die
Verwickelungen mit Frankreich und Spanien wurden namentlich seit dem
zuletzt genannten, fr die englischen Waffen so traurigen Ereignisse
immer drohender, und tglich trat ein Krieg mit den bourbonischen
Mchten mehr in den Vordergrund. Waren die Amerikaner, als sie noch ohne
fremde Hlfe kmpften, nicht niedergeworfen, wie wollte man erst mit
ihren europischen Bundesgenossen fertig werden?

Auer in Deutschland waren aber nirgend Hlfstruppen fr England
aufzutreiben, und auch in Deutschland wurde die Aufgabe immer
schwieriger. Das an Soldaten so reiche Land hatte kaum zwlf Jahre nach
dem siebenjhrigen Kriege sich wieder einen Abflu von etwa 20,000
Menschen gefallen lassen mssen; einen grern Aderla konnte es kaum
noch aushalten. Gleichwohl fiel Suffolk immer wieder auf Deutschland
zurck, weil nirgend anderswo anzukommen war. Schon nach Fehlschlagen
seines Versuches in Wrtemberg hatte er sich wieder an Sir Joseph Yorke,
seinen Gesandten im Haag, gewandt, dem er von allen englischen
Diplomaten die genaueste Kenntni der deutschen Verhltnisse zutraute.
Ich habe Sie -- schrieb er ihm am 4. Mrz 1777 -- bereits am 1.
September 1775 nach der Mglichkeit befragt, fremde Truppen fr den
amerikanischen Dienst zu erlangen. In Ihrer Antwort vom 5. September
1775 wiesen Sie mich auf den Landgrafen von Hessen-Kassel, den Herzog
von Wrtemberg, den Herzog von Sachsen-Gotha, den Frsten von Darmstadt
und den Markgrafen von Baden als Mchte hin, welche uns unter Umstnden
und bei richtiger Behandlung eine ansehnliche Truppenzahl zu liefern im
Stande sein drften. Seit jener Briefwechsel zwischen uns stattfand, hat
Seine Majestt mit dem Landgrafen von Hessen-Kassel, dem Herzog von
Braunschweig, dem Erbprinzen von Hessen-Kassel, dem Frsten von Waldeck
und jngst mit dem Markgrafen von Anspach Vertrge abgeschlossen. Ich
glaube kaum, da wir alle nthigen Mannschaften von diesen Frsten
erlangen knnen. Der Herzog von Wrtemberg hat Seiner Majestt
wiederholt seine Truppen angeboten. Es war auch unsre Absicht, einen
Theil davon in Sold zu nehmen; indessen entdeckten wir bald die
Unfhigkeit des Herzogs, uns irgend welche zu liefern, so da wir den
Plan zu unsrer groen Enttuschung haben aufgeben mssen. An die brigen
in Ihrem Briefe genannten Frsten, den Markgrafen von Baden, den Frsten
von Darmstadt und den Herzog von Sachsen-Gotha haben wir uns weder
gewandt, noch sind uns ihrerseits Erffnungen gemacht worden. Der Zweck
dieses vertraulichen Schreibens ist nur der, Ew. Exellenz zu bitten, da
Sie sich darber vergewissern wollen, welche Streitmacht diese Frsten
im Nothfalle zu stellen im Stande sind. Natrlich drfen Sie den
Verdacht nicht aufkommen lassen, da wir uns mglichen Falls an sie
wenden werden. Der Ausfall der 4000 Mann die wir von Wrtemberg zu
beziehen hofften, verringert in der That unsere Verstrkungen fr den
nchsten Feldzug erheblich. Es ist natrlich unmglich, diesen Ausfall
vor dessen Erffnung wieder auszugleichen allein vielleicht liegt es in
unsrer Macht, Sir William Howe zur Wiedererffnung der Feindseligkeiten
nach den heien Augusttagen eine ansehnliche Truppenzahl zu senden,
falls er deren berhaupt noch bedrfen sollte. Beschrnken Sie sich in
Ihren Nachforschungen ja nicht auf die genannten Frsten, sondern dehnen
Sie dieselben berall hin aus, wo Sie eine Verstrkung erwarten zu
knnen glauben. Es ist von der grten Wichtigkeit, schon im Voraus zu
wissen, wo fernere militrische Hlfe zu finden ist, sei es fr Amerika
oder fr irgend einen Punkt in Europa.

Ich bedaure unendlich -- antwortet Yorke umgehend am 7. Mrz 1777 --
da der Herzog von Wrtemberg sein Anerbieten nicht ausfhren konnte,
und bin doppelt berrascht, da die schweizer Offiziere im hollndischen
Dienste, welche von hier aus ihre Heimath besuchten, eine ganz andere
Sprache fhrten und mir oft Glck wnschten, da wir in den
Wrtembergern die besten deutschen Truppen in unsere Dienste nehmen
wrden. Ich werde es mir natrlich zur Aufgabe machen, Ew. Lordschaft
Befehlen nachzukommen. Der Herzog von Sachsen-Gotha knnte uns, glaube
ich, leicht Truppen liefern. Der Landgraf von Darmstadt ist, wie ich
seit meinem damaligen Briefe gefunden habe, zu verliebt in seine
Soldaten, als da er sie auer Sicht liee; vielleicht drfte er sich
aber doch in Versuchung fhren lassen. Das geschah nun nicht. Das
Paradespiel ward dem groen Trommler eine Sttze seiner Tugend.

Aus verschiedenen Ursachen schlugen auch alle spteren Versuche
Suffolk's fehl, mehr Truppen zu erlangen. Meistens ergab sich bei
nherer Prfung der Verhltnisse, da entweder die angebotene Zahl nicht
vorhanden war oder da sonst ein Hinderni im Wege stand. So schien sich
schon im Frhjahr 1777 eine Aussicht auf Gewinnung von zwei
Hildburghauser Bataillonen zu bieten. Unterm 9. April 1777 schrieb der
englische Gesandte in Wien, Robert M. Keith, an Suffolk, da der
Feldmarschall Prinz von Sachsen-Hildburghausen ihm als Vormund seines
Neffen, des regierenden Frsten, fr den nchsten Feldzug zwei
Bataillone unter den dem Landgrafen von Hessen bewilligten Bedingungen
angeboten habe, und da die Truppen in sechs Monaten marschfertig sein
knnten. Der Marschall hielt sein Gesuch sehr geheim und lie es nur
durch die Hnde der englischen Gesandtschaft in Wien gehen. Ob er sich
desselben schmte? So viel steht aber fest, da er sein Anerbieten nicht
ausfhren konnte, denn Suffolk, der es so gern angenommen htte, kommt
nie wieder darauf zurck. Dagegen wies der englische Minister im
Dezember 1780 kurzer Hand das letzte ihm gemachte grere Angebot ab.
Gotha und Darmstadt hatten dem englischen Gesandten in Regensburg durch
ihren dortigen Residenten, einen Herrn von Gemmingen, erklren lassen,
da sie froh sein wrden, wenn der Knig von England 4000 Mann fr den
amerikanischen Dienst von ihnen nehmen wollte. Es stellte sich spter
heraus, da der Suffolk'sche Agent entweder zu viel gehrt oder das
Gehrte nicht recht verstanden hatte.

Somit behielt es fr die ganze Dauer des amerikanischen Krieges bei den
sechs, in den Jahren 1776 und 1777 mit Braunschweig, Kassel, Hanau,
Waldeck, Anspach und Zerbst abgeschlossenen Truppenlieferungs-Vertrgen
sein Bewenden. Die ersten vier sind bereits dargestellt worden; die
beiden letzteren werden in den folgenden Kapiteln erzhlt werden.




Siebentes Kapitel.


Der Markgraf Karl Alexander von Anspach, zu welchem wir uns nunmehr
wenden, hatte schon im Herbst 1775, kurz nach Ausbruch des Krieges der
englischen Krone zwei Bataillone angeboten, indessen statt ihrer Annahme
nur eine grobe abschlgige Antwort auf seine im demthigsten Tone
vorgebrachte Bitte erhalten knnen. Er war aber nicht der Mann, der sich
so leicht abweisen lie, denn er kannte die Annehmlichkeit fremder
Subsidien aus frheren Kriegen zu gut, seine Vorgnger waren zu oft
Lieferanten des Reiches, Frankreichs und Englands gewesen, als da ihr
Nachfolger nicht auch jetzt seinen persnlichen Vortheil aus der
Verlegenheit des englischen Kabinets angestrebt htte. Sein Unglck war
nur, da die englischen Waffen im ersten Jahre des Krieges zu viel Glck
in Amerika hatten, da also Knig Georg III. ohne weitere
Truppensendungen mit den Kolonien fertig zu werden hoffte. Daher auf der
einen Seite der servile Eifer, das unterthnige Betteln des Markgrafen,
und auf der andern als natrliche Antwort darauf der brutal hochmthige
Ton der englischen Minister. Karl Alexander bedurfte aber gerade damals
des Geldes mehr als je, wute er doch nicht, wie er sonst die ungeheuren
Schulden, die sein Lndchen fast erdrckten, anders los werden sollte,
als durch die aus der Vermiethung seiner Truppen zu ziehenden
Hlfsquellen.

Als gegen Ende des ersten Kriegsjahrs ein zweiter Feldzug unerllich
schien, um den Aufstand vollends nieder zu werfen, hielt der Markgraf
seine Zeit fr gekommen. Sein Minister Reinhard Freiherr von Gemmingen
mute am 9. November 1776 durch den in Privatgeschften in London
weilenden markgrflichen Kammerherrn von Seckendorff bei dem Ministerium
anfragen, ob die beiden Anspachischen Bataillone jetzt nicht anzubringen
seien. Die Grnde, welche uns zu diesem Geschfte veranlassen, brauche
ich Ihnen kaum einzeln anzufhren, erkundigen Sie sich unter der Hand,
handeln Sie so geheim als mglich, aber thun Sie Ihr Mglichstes -- mit
diesen Worten schlo Gemmingen seine erste Aufforderung an Seckendorff.
Auf Grund derselben begann eine Verhandlung, welche sich bei der khl
ablehnenden Haltung des englischen Kabinets ber zwei Monate lang
hinzog.

Seckendorff wandte sich zuerst an Faucitt, erhielt von ihm aber die
Antwort, da man voraussichtlich in Amerika keine Truppen mehr brauche,
zumal dort ein Erfolg den andern berbiete, zudem kenne er die Absichten
seiner Regierung nicht (obgleich er nach Kassel zu reisen im Begriffe
stand, um dort eine Abtheilung Jger zu engagiren). Lord North lie
Seckendorff krzer abfahren, indem er ihm stehenden Fues erklrte, der
Anspachische Unterhndler irre sich in dem Ressort, er msse sich
deshalb an Suffolk wenden. Dieser aber wies ihn ohne Weiteres ab, da er
keine gehrig beglaubigte Vollmacht vorzulegen vermge: erst wenn er
diese beibringe, knne man ihm eine offizielle Antwort geben.
Seckendorff bat also um die nthigen Papiere, und unter obligaten Klagen
ber seine eigene Mittellosigkeit, so wie ber das theure Londoner
Pflaster, zugleich um einen Vorschu von hundert Pfund, von welchen er
sich zugleich ein Galakleid machen lassen wolle, um am Geburtstag der
Kniginn der Kur (18. Januar) beizuwohnen und seinen Auftrag mglichst
zu frdern. Er zweifelte brigens trotz seines guten Willens an seinem
Erfolge, da in Amerika Alles zu gut gehe, und hielt es, ehe er formelle
Antrge stellte, fr klger, erst bessere, d.h. fr England schlechtere
Nachrichten abzuwarten. So viel ich weitlufig gehrt habe -- schlo er
einen seiner ersten Berichte an Gemmingen -- so soll noch ein sehr alter
Groll und eine noch unter voriger Regierung und des kaiserlichen
Geheimen Raths v. Seckendorff's Ministerio gespielte Untreue schuld an
der abschlgigen Antwort im November 1775 gewesen seyn. Ew. Exzellenz,
welche den Schlssel zu unseren secretis haben, kann diese Sache leicht
beyfllig werden.

Gemmingen, der sich bei diesen Verhandlungen als ein billig denkender
und verstndiger Herr, sowie als erfahrener und tchtiger Geschftsmann
zeigt, dringt in jedem Briefe auf Beschleunigung des Geschfts. Er mu
Alles selbst schreiben, da er sich vor einem Vertrauensbruch seiner
Untergebenen und dem unzeitigen Bekanntwerden der sehr leicht noch fehl
schlagenden Unterhandlung frchtet. Es erscheint mir immerhin sehr hart
-- sagte er u.A. -- mit Truppen Handel zu treiben; allein der Markgraf
ist um jeden Preis entschlossen, seine Angelegenheiten zu ordnen und
alle seine, sowie seiner Vorgnger Schulden zu zahlen. Das Gute, welches
aus einem solchen Subsidienvertrage hervorgehen kann, wrde also die
Gehssigkeit dieses Geschftes bedeutend berwiegen. Wir knnen, wenn es
verlangt werden sollte, auer der Infanterie noch ein Korps
ausgezeichneter Jger stellen, welches jetzt schon aus 200 Mann, lauter
gelernten Leuten, besteht. Der Markgraf hat sich an die verwittwete
Herzoginn von Sachsen-Hildburghausen, Tante der Kniginn von England,
gewandt, damit diese sein Anliegen beim Knig bevorworte. Er hofft viel
von dieser Vermittlung, mir scheint jedoch der Erfolg sehr fraglich.
Erkundigen Sie sich unter der Hand nach den, Hessen bewilligten
Bedingungen und bermitteln Sie die eventuellen Vorschlge ad
referendum.

Der Markgraf schickte am 5. Dezember 1776 seine Instruktionen nebst
Vollmacht an Seckendorff und beauftragte diesen, die beiden Anspacher
Bataillone und ein Jgerkorps der englischen Regierung formell
anzubieten. Wenn es verlangt wird, sagte er am Schlu seines Briefes,
so knnen Sie hinzufgen, da ich fr die Tchtigkeit und Tapferkeit
meiner Soldaten einstehe. Im Uebrigen versichern Sie den Minister oder
denjenigen, welchen man mit der Verhandlung mit Ihnen beauftragen wird,
da ich mich sehr geschmeichelt fhlen werde, wenn ich dem Knig von
einigem Nutzen sein und durch meinen Eifer in der Erfllung der von mir
einzugehenden Verbindlichkeiten das Unrecht wieder gut machen kann,
welches der Minister meines verstorbenen Vaters in einem frher
abgeschlossenen Subsidienvertrage begangen hat. (Bezieht sich offenbar
auf die Subsidienvertrge im sterreichischen Erbfolgekriege.) An
Suffolk selbst schrieb der Markgraf am 13. Dezember 1776: Nichts in der
Welt kommt dem Eifer gleich, mit welchem ich Sr. Majestt ntzlich zu
sein wnsche, und nichts wird meiner Dankbarkeit gleich kommen, wenn Ew.
Exzellenz dazu beitragen, mich in den Stand zu setzen, da ich den
Beweis fr diesen meinen Eifer liefere.

Im Besitz seiner Vollmachten giebt sich Seckendorff heute den
bertriebensten Erwartungen hin und glaubt, den sofortigen
befriedigenden Abschlu des ihm aufgetragenen Geschfts in sichere
Aussicht stellen zu knnen, morgen wieder verliert er, von den
englischen Ministern schnde behandelt, das gestrige Vertrauen und lt
jede Hoffnung fahren. Ob aber hoffend oder verzagt, er hat die
bertriebenste Ansicht von seiner Bedeutung und Stellung in der
diplomatischen Welt, er hlt sich von allen Seiten fr beobachtet und
bemerkt. Als ein junger, wegen leichtsinniger Streiche aus Anspach
durchgegangener Offizier, ein der Aristokratie des Lndchens angehriger
Lieutenant v. Forstner eines Tages Seckendorff in London besucht und ihm
mittheilt, da er in amerikanische Dienste zu treten im Begriff stehe,
fllt der neue Diplomat vor Schrecken fast in Ohnmacht. Denken Sie sich
mein Erstaunen -- schreibt Seckendorff am 31. Dezember 1776 an Gemmingen
-- als der alten Frau v. Forstner Sohn pltzlich bei mir eintritt und
mir erklrt, bei den Rebellen Dienste nehmen zu wollen. Ich habe ihm das
auszureden gesucht und statt dessen Empfehlungsbriefe nach Bengalen
angeboten, allein er sagt, dafr habe er kein Geld. Er will nach Paris
zu Franklin, von welchem er Alles erwartet. Da hier die eifrigsten
Amerikaner taub fr seine Bitten sind, soll ich ihm helfen. Der Mensch
bereitet mir die entsetzlichsten Verlegenheiten. Whrend ich in unserer
Sache negoziiren soll, will er die Royalisten in Amerika bekmpfen, fr
welche ich werbe. Ich zittere vor der Entdeckung! Forstner mu seinen
Mann gut gekannt haben, denn er beutete dessen Furcht, im Verkehr mit
einem, den Republikanern geneigten unbekannten deutschen Offizier
entdeckt zu werden, gehrig zu seinem Vortheil aus und machte
verschiedene Zwangsanleihen bei ihm. Seckendorff, um ihn los zu werden
und wieder zu seinem Gelde zu kommen, vermittelte dann in der Folge auch
Forstners Eintritt in eins der nach Amerika bestimmten Anspacher
Bataillone, in dessen Reihen er in der Schlacht am Brandywine tapfer
kmpfend fiel.

Seckendorff's Berichte bis Mitte Januar 1777 sind in der wechselndsten
Stimmung geschrieben. Seinen unbedingten Erfolg voraussehend, brtet er
die abenteuerlichsten Plne aus, zu denen sich nicht einmal die in
derartigen Dingen fruchtbare Phantasie des Landgrafen von Hessen
verstiegen hatte. Da der Krieg mglicher Weise mit dem ersten Feldzuge
beendigt sein werde, so solle man durch den abzuschlieenden Vertrag der
Gefahr vorbeugen, da die anspachischen Truppen, nachdem sie kaum
engagirt worden, auch schon wieder verabschiedet wrden. _Vielleicht
wre es auch gut, jeden Soldaten, der sich in Amerika niederlt und
dadurch seinen Souverain eines Unterthans beraubt, vorher schriftlich
sich verpflichten zu lassen, da er zu Gunsten des Fiskus auf einen
Theil seines Vermgens verzichtet und auch den Knig von England zu
bestimmen, da er einen Theil des Verlustes trgt._ (!!)

Mittler Weile hatte auch die verwittwete Herzoginn Louise von
Sachsen-Hildburghausen von Heilbronn aus, wo sie wohnte, dem Wunsche des
Markgrafen entsprechend, ihre Frsprache bei der Kniginn von England
eingelegt, indessen die Erfolglosigkeit ihrer Schritte gemeldet, da der
Knig alle ihm nthigen Truppen in Amerika habe, diese also nicht zu
vermehren gedenke.[4]

Zudem lauteten die Nachrichten fr die markgrflichen Plne, wie
Seckendorff, von der grten Hoffnungsfreudigkeit wieder in die uerste
Verzagtheit fallend, schreibt, tglich trauriger, wenn auch gut fr den
Knig und die Menschlichkeit, und zuletzt frchtete er bei den ewigen
Siegen der englischen Waffen doch, da man die Zahl der Truppen in
Amerika nicht weiter vermehren wrde. Endlich aber wurde er am 7. Januar
1777 zu einer neuen Audienz bei Suffolk zugelassen. Dieser versprach
jetzt, dem Knig ber die Sache zu berichten, da man inzwischen im
englischen Kabinet zu dem Entschlu gekommen sei, die amerikanischen
Streitkrfte zu ergnzen. Am 11. Januar also nahm Suffolk Seckendorff's
Anerbieten an, nachdem dieser ihm erklrt hatte, da die Anspacher
marschfertig seien, und beauftragte den bereits in Kassel weilenden
Faucitt mit dem sofortigen Abschlu eines Vertrages.

Da der Markgraf von Brandenburg-Anspach -- so lautet seine vom 14.
Januar 1777 datirte Instruktion -- durch einen an mich gerichteten Brief
dem Knig ein kleines Korps fr Amerika angeboten hat, das sofort
marschbereit gemacht werden kann, so erhalten Sie Vollmacht, den
betreffenden Vertrag mit ihm abzuschlieen. Reisen Sie also unverzglich
nach Anspach und erledigen Sie dieses Geschft so schnell als mglich.
Ich kann Ihnen, dem jetzt bereits eine Erfahrung von sechs Vertrgen zur
Seite steht, berlassen, eine solche Konvention abzuschlieen, wie sie
der Knig billigen wird. Suchen Sie also die mglichst besten
Bedingungen zu erlangen und gestatten Sie keine neuen. Als Sie 1775 die
ersten Vertrge abschlossen, war eine Expedition nach Amerika den
Deutschen noch ganz neu und galt, abgesehen von den Schrecken der
Seereise, noch fr schlimmer als sie in der That ist. Jetzt aber
versteht man diesen Dienst besser. Wir brauchen uns also nicht lnger
bervortheilen zu lassen; suchen Sie namentlich Geld zu ersparen.
Mglichen Falls thut die Anspacher Verstrkung bei der gegenwrtigen
Lage der Dinge (die Niederlagen bei Trenton und Princeton waren in
England noch nicht bekannt geworden) gar keine Dienste mehr. Dies mu
Ihr Hauptgesichtspunkt bei der Bestimmung der Subsidien sein. Diese
drfen nur vom Tage der Genehmigung des Vertrages an und whrend der
aktiven Verwendung der Truppen, nicht aber auf eine Reihe von Jahren
gewhrt werden und hchstens noch sechs Monate nach dem Kriege
fortdauern. Die Lhnung mu mit dem Monate aufhren, in welchem die
Truppen zurckkehren. Das Korps selbst mu am 10. Mrz zur Einschiffung
bereit sein. Diese Winke mgen Ihnen als Richtschnur dienen.

Faucitt kam am 28. Januar 1777 in Anspach an. Der regierende Markgraf
Karl Alexander, geboren 1737, hatte 1757 die Regierung von Anspach
angetreten, 1769 Bayreuth geerbt und herrschte zu jener Zeit ber ein
Land von etwa 140 Quadratmeilen und etwa 400,000 Einwohnern. Im Jahre
1791 trat er Anspach-Bayreuth an die ltere Linie der Hohenzollern, die
Knige von Preuen, ab und starb 1806 im Ausland. Die frnkische Linie,
welcher der Markgraf angehrte, hatte keinen einzigen der Vorzge der in
Preuen regierenden Vettern, dagegen desto mehr Fehler und Laster, vor
Allem aber eine malose Heftigkeit und den alten Hohenzollernschen
Jhzorn. Die Regenten von Anspach und Bayreuth sind vom Scheitel bis zur
Sohle die schlechtesten Exemplare der Landesvter des achtzehnten
Jahrhunderts. Land und Volk sind nur zu ihrer Ausbeutung, zu ihrem
Vergngen vorhanden; fr sie giebt es kein Gesetz, keine Schranke, ihre
ruchlose Willkr steigert sich zum Mord und Todtschlag. Rohe Gewaltthat
und despotische Laune vererben sich vom Vater auf den Sohn; der
Sultanismus ist der ihnen Allen gemeinschaftliche Charakterzug. Man
gerth fast in Verlegenheit zu entscheiden, wer von ihnen der
schlechteste und nichtswrdigste ist. Whrend Friedrich Wilhelm I. und
sein groer Sohn durch unermdliche Arbeit im Dienste des Staates und
treue Pflichterfllung Preuen zu einer der leitenden europischen
Mchte erheben, ruiniren Friedrich Alexander und Friedrich Christian von
Bayreuth, Karl Friedrich Wilhelm und Karl Alexander von Anspach ihre von
der Natur so sehr gesegneten Lndchen durch den sinnlosesten Luxus und
eine fast wahnsinnige Verschwendung. Darin thaten es ihnen andere
Zeitgenossen, die schsischen und wrtembergischen, die pflzischen und
bayrischen Frsten ganz gleich, wenn auch nicht zuvor; bezeichnender
aber ist fr die Bayreuther und Anspacher Markgrafen der Werth und der
Preis, welchen ein Menschenleben in ihren Augen hat. Der vorletzte
Markgraf von Anspach, Karl Friedrich Wilhelm (1723-1757) scho sich,
seiner Maitresse zum Spa, einen Schornsteinfeger vom Dach des
Bruckberger Schlosses. Sie hatte den Wunsch geuert, den Menschen
herunterpurzeln zu sehen. Der seine Gnade anflehenden Wittwe des
frevelhaft Ermordeten gab der biedere Frst _fnf Gulden_. Wenn man die
in der Mitte des vorigen Jahrhunderts in Anspach herrschenden Zustnde
trkische nennen wollte, so wre das eine durchaus ungerechtfertigte
Beleidigung der Muselmnner; sie nhern sich vielmehr der durch das
Negerknigreich Dahomey reprsentirten Kulturstufe: Serenissimus ist
echt patriarchalisch Anklger, Richter und Henker in _einer Person_!

Die weiteren Beweise dafr finden sich in Hlle und Flle in einer
interessanten Schrift des bekannten Ritters K.H. von Lang ber den
vorletzten Markgrafen von Brandenburg-Anspach. Ein Jude, Namens Isaak
Nathan -- heit es dort u.A. -- war 1740 von Weienborn in Franken nach
Anspach gezogen und hatte sich hier durch Flei und Gewandtheit ein
bedeutendes Vermgen erworben, man sagte an 200,000 fl. Er erhielt u.A.
Darlehne aus der Anspachischen Landschaftskasse, wofr er Juwelen
verpfndete, die aber im Grunde nicht ihm selber, sondern einem
jdischen Hause Ischerlein in Amsterdam gehrten, dem sie ein Frther
Jude Gumbert in Versatz gegeben. Der Markgraf verlieh ihm den Titel
eines Residenten, der Reichthum und Einflu dieses Juden erregte aber
mancherlei Migunst und verdchtigende Angaben. Noch stand aber der
Resident damals so fest in der Gnade, da der Frst den Landschreiber
Wolf, welcher ihn denuncirt hatte, als Verlumder in Ketten und Banden
legen, und am Ende als einen unruhigen Kopf des Landes verweisen lie;
und als bald darauf der Resident seinen Sohn verheirathete, mute die
jdische Trauung im Schlohof selbst, unter den Glckwnschen der
Markgrfin, des ganzen umgebenden Hofstaates, und den stattlichsten
Beschenkungen gefeiert werden; und doch, etliche Monate spter, erfolgte
der frchterlichste Sturz. Ein Jahr vorher, 1739, hatte der Resident
seine der Landschaftskasse versetzten Juwelen zurckgenommen; zu
gleicher Zeit erhielt aber der jetzt nach Gunzenhausen gezogene Jude
Ischerlein vom Markgrafen den Auftrag, den fr den Knig von England
bestimmten rothen Adlerorden mit Brillanten besetzen zu lassen, was er
mit denen vom Residenten Isaak Nathan zurckgenommenen Juwelen alsbald
bewerkstelligte und dafr 40,000 fl. berechnete und empfing. Der
Markgraf empfindlich darber, da er fr solch ein kostbares Geschenk
auch nicht einmal ein Wort des Dankes aus London zurck empfing, erfuhr
endlich aus den Nachfragen seines Beauftragten daselbst, da die
angeblichen Brillanten lauter bhmische Steine gewesen, und da der
Knig, wenn auch den Markgrafen ber ein solches Geschenk nicht
beschmen, ihm doch auch dafr nicht habe danken wollen. Es lt sich
denken, mit welcher Zorneswuth der Markgraf den in das tiefste Versteck
sich geflchteten Rab Ischerlein hervorziehen lie. Er wurde alsbald
nach Wlzburg geschleppt, und nach kurzen Verhren und Umstnden in
einen groen Saal gebracht und dem Scharfrichter bergeben, der ihn auf
den nchsten besten Stuhl festband und dann eben das Schwert ber ihn
schwingen wollte, als der Gefangene mit sammt dem angebundenen Stuhle
sich aufraffte, und, um eine lange Tafel laufend, und um Gotteswillen
nur um eine Minute Gehr beim Markgrafen hlfeschreiend, dem
Todesstreich entrinnen wollte, der ihm aber doch vom Scharfrichter ber
die Tafel hinber beigebracht wurde. -- Die vielfachen Verwickelungen
des Residenten Isaak Nathan mit diesem Ischerlein, das Spiel mit den
Juwelen, die bald in des Einen, bald in des Andern Hnde gegangen,
andere Anklagen, die jetzt lauter und gnstiger angehrt wurden, konnten
jedoch nicht verfehlen, auch ber ihn die Wolken des schwersten
Verdachts zu sammeln. Er wurde aus seinem Haus in die Frohnfeste
geschleppt, und ber denselben Schlohof, worin man frohlockend die
Hochzeit seines Sohnes gefeiert, brachte man nun alle vorgefundenen
Schtze und Kostbarkeiten in die Sle des Schlosses zurck. Man
beschuldigte ihn auerdem, 25,000 fl. Chatullgelder, in den an den
Markgrafen ber seine besonderen Auftrge gestellten geheimen
Rechnungen, unterschlagen und in seinem Nutzen verwendet zu haben. Vom
weitern Schicksal desselben besagen unsere Nachrichten nichts. Auch sein
Haus und Grundbesitz wurde eingezogen. -- Vermuthlich haben sich seine
Angehrigen von hier entfernt, und er selbst ist entweder im Gefngni
verkommen oder ebenfalls im Stillen des Landes verwiesen worden.

Allein nicht blos jdische Opfer fielen zur selben Zeit, sondern sogar
Groe des Hofes. Nicht nur ein Oberst Enzel zu Wlzburg wurde daselbst
1740 wegen gewisser Staatsverbrechen, sie sind nicht genannt, durch das
Schwert hingerichtet, sondern auch kurz darauf ein Graf von Schaumburg.
Es scheint, da sich dieses auf unerlaubte Kommunikationen und
Einverstndnisse in den damaligen sterreichisch-preuischen
Verhltnissen bezogen. Christoph Wilhelm von Rauber wurde beschuldigt,
famose Gemlde und Pasquille wider die landesfrstliche Regierung und
die Rathskollegien angeschlagen zu haben. Durch den Inquisitionsrath
Joh. Chr. Schnitzlein wurde ihm auf der Feste Wlzburg, wo er verhaftet
lag, in Gegenwart mehrerer Ober- und Unteroffiziere und Konstabler das
Urtheil vom 30. Mai 1740 dahin verkndet: da er sich selbst freiwillig
(was auerdem durch den Scharfrichter vollzogen werden soll) auf das
Maul zu schlagen habe, seine Pasquille unter seinen Augen vom
Scharfrichter zu verbrennen seien, er selbst aber hierauf mit dem
Schwert hingerichtet werden solle; welches letztere jedoch der Markgraf
aus Gnaden in eine ewige Gefangenschaft zu Wlzburg verwandelte. Sein
schon 1722 unter Vorbehalt des lebenslnglichen Niebrauches der
frstlichen Kammer verkauftes Rittergut Steinhart (bei Oettingen) wurde
eingezogen, 1768 aber dem von Krailsheimischen Fideikommi um 78,500 fl.
wieder verkauft. Die Gattin des Unglcklichen, Friederika Helena, war
selbst eine geborene von Krailsheim. Die Ordres zu all diesen blutigen
Exekutionen ergingen immer an den geheimen Rath, Generalmajor und
Festungs-Kommandanten August Friedrich von Pllnitz.

Der Reise-Oberstallmeister von Reitzenstein -- fhrt unser Gewhrsmann
S.90 fort -- stand bei allem dem, und wo man ihn auch noch eines
schmhlichen Geizes und der Bestechlichkeit bezchtigte, unter dem
sichern Geleit der Volksgunst, darum, weil er berall doch eine gewisse
Achtung fr das Menschenleben bezeugte, und da, wo der Markgraf in
seiner Wuth auf einen Dritten losstrmen wollte, ihn mit seiner eigenen
Gefahr und gewaltsam zurckhielt. So, als ihm der Markgraf einmal in
solcher Zornwuth die Pistolen abgefordert, um einen Schfer
niederzuschieen, der ihm und seinem scheuenden Pferde durch seine
Heerde nicht schnell genug den Weg offen gelassen, verweigerte der
Oberstallmeister kalt das abverlangte Gewehr mit dem kurzen Bescheid:
Es ist nicht geladen. Als sie aber im Nachhauseritt unfern der
Schlothore waren, lie der Reise-Oberstallmeister rechts und links
seine beiden Pistolen krachend los, da der berraschte und erschrockene
Frst kaum zu fragen vermochte: Was ist's? Was ist's! Der
Oberstallmeister aber versetzte: Gndigster Herr, ich meine nur, da
Sie heut Nacht viel ser schlafen werden, nachdem Sie meine Pistolen
jetzt erst haben krachen hren, statt eine Stunde frher.

Den Frsten -- so schliet Lang S.92 und 93 dessen Charakteristik --
wrde seine gromthige Freigebigkeit, seine Pnktlichkeit in Besuchung
des ffentlichen Gottesdienstes und die mehr als anstndige Unterhaltung
der Kirchen und Pfarrhuser beim Volk hchlich empfohlen haben, wenn
nicht der Abscheu vor so manchen schrecklichen und blutigen Exekutionen
ihm die Herzen entfremdet htte. Unter diesen fhrt man besonders an:
die militrischen Exekutionen in Triesdorf in den Jahren 1733 bis 1745,
neun an der Zahl, einer arquebusirt, sechs gehangen, ein Ungar Stephan
Nagy aus Ketschkemet, der des Markgrafen Bchsenspanner erschossen,
wurde lebendig gerdert, einer verbrannt. Im Jahre 1738, den 11. August,
die Katharina Gallin, ein preuisches Soldatenweib, an einem
Lindenbaume, unweit des Falkenhauses, aufgehngt, weil sie einen
Gefreiten der Leib-Kompagnie, Namens Johann Heublin, zur Desertion
verleitet, wobei sie, der Soldat und der preuische Werbe-Offizier bei
Stein ertappt worden. Der preuische Werbe-Hauptmann mute die Exekution
mit ansehen und wurde dann auf die Veste Wlzburg gebracht. Den
Deserteur hat man wahrscheinlich zum Aufhngen allzu schn befunden.
1744 lie der Markgraf an der anspachischen Kirchweih einen vom Wirth
Heumann am obern Thor ob einer kleinen Mauserei ertappten Soldaten, dem
Wirth zu einer argen Genugthuung, vor seinem Haus an einen
aufgerichteten Galgen hngen. Im Jahre 1747, als Georg Krmer von Hausen
bei Wlzburg mit der Dorothea Lindnerin aus Gunzenhausen, Dienstmagd des
Marketenders in Triesdorf, desertirte, wurde dieselbe am 2. September
ohne weiteres rechtliches Verfahren, auf bloen Befehl des Markgrafen,
zu Anspach aufgehngt. Einem Brger von Gunzenhausen, der vor dem
Schlothor Wache hielt, forderte er, als er eben ausreiten wollte, zur
Versuchung das Gewehr ab, und als dieser, in solchen Dingen wenig
erfahren, es ihm gutwillig hinreichte, wurde er vom Frsten als Memme,
als Hundsfot behandelt, und zweien Husaren bergeben, die ihn an den
Pferdeschwanz binden und durch die Altmhl hin- und wiederschwemmen
muten, worauf er bald hernach krank geworden und verstorben ist. Dem
Fallmeister bei Gunzenhausen, durch elende Menschen angegeben, da er
die Hunde des Markgrafen, die er in Pflege hatte, vernachlssigte, ritt
er alsbald vor das Haus, rief ihn an die Hausthr und scho ihn dann auf
seiner eigenen Hausschwelle nieder. Nach etlichen Tagen, als der Frst
einen langen Zug von Menschen aus allen Orten her begegnete, und er ohne
Antwort von den anderen Hflingen blieb, was denn das fr ein Auflauf
sei? ritt endlich auch hier der Reise-Oberstallmeister von Reitzenstein
herbei und sagte: Es wird der Mann begraben, den Euer Durchlaucht vor
drei Tagen erschossen haben. Der Markgraf ward heftig ergriffen und
befahl, man sollte ihm die Wittwe schicken, damit sie sich eine Gnade
ausbte.

Nicht viel besser war es in Bayreuth. Der letzte Markgraf Friedrich
Christian hatte als junger Prinz einen Jgerburschen erschossen, weil
dieser ihm zu widersprechen wagte. Der jugendliche Mrder nahm sich
dieses Verbrechen wenigstens zu Herzen und wurde darber tiefsinnig. Als
Markgraf (1763-1769) liebte er seine Unzufriedenheit durch Stockschlge
an den Tag zu legen. Hoch und Niedrig, Brgerliche und Adlige,
Kammerherren und Offiziere waren vor diesen handgreiflichen Beweisen
landesvterlichen Unwillens nicht sicher. Als diese patriarchalische
Liebhaberei des regierenden Herrn tglich rger und unertrglicher
wurde, beriefen Ein hoher Adel und Ein Hochlbliches Offizier-Korps
eine Versammlung nach Bayreuth, um zu berathen, wie sich der Adel und
namentlich das Militr zu verhalten habe, der immer mehr berhand
nehmenden Neigung des Markgrafen gegenber, seine nchsten Umgebungen
mit Stockschlgen zu traktiren, oder, wie ein Herr von Reitzenstein
sagte, wenn Serenissimus die Neigung beibehalten oder noch wohl weiter
ausdehnen sollten, Allerhchst dero Umgebungen mit denen Manifestationen
Allerhchst dero lebhaften frstlichen Temperaments in Kollision kommen
zu lassen. Ein Hoher Adel und Ein Hochlbliches Offizier-Korps faten
denn auch den tapfern Beschlu, den Hofprediger zu ersuchen, er mge
Hochfrstliche Durchlaucht zur grern Schonung des militrischen
Ehrgefhls ermahnen. Zugleich ward festgestellt, die vom Landesvater
empfangenen Prgel als die persnliche Ehre nicht touchirend zu
betrachten und die von demselben gezahlten Schmerzensgelder in eine
gemeinschaftliche Kasse flieen zu lassen. (C. Gutzkow, Fritz Ellrodt
II, 59.)

Markgraf Karl Alexander von Anspach-Bayreuth, der Erbe des ebengenannten
Friedrich Christian, war nicht aus der Art seiner Vter und Vettern
geschlagen. Er hatte aber eine bessere Erziehung als diese genossen und
zeigte auch, wenn es noth that, grere persnliche Kraft und
Entschiedenheit. Seine Mutter Friederike Louise, die erste Tochter
Friedrich Wilhelm's I. und Schwester Friedrich des Groen, hatte darauf
bestanden, da ihr Sohn auf einer republikanischen Universitt studire,
damit er dort den Werth der brgerlichen Tugend desto besser erkennen
und wrdigen lerne. In Folge dessen ward der Prinz Studirens halber nach
Utrecht geschickt, wo er brigens den Absichten der verstndigen Frau
durchaus nicht entsprach. Einige Jahre darauf trat er eine grere Reise
nach Italien an; allein diese Reise erregte die Unzufriedenheit des
Vaters im hchsten Grade, denn der Prinz vermochte bei seiner Rckkehr
nicht die Spuren jener krperlichen Leiden und Erschpfungen zu
verbergen, die er sich durch unvorsichtige Gensse mancherlei Art mochte
zugezogen haben. Ruhe und verstndiger Rath stellten ihn zwar mglichst
wieder her, aber desto heier ergo sich der Zorn des frstlichen Vaters
ber das Haupt des unglcklichen Gesellschafters, des Hofrath Mayer, der
beschuldigt wurde, den Prinzen, wo nicht gar verfhrerisch selber
migeleitet, doch nicht seiner Pflicht gem, treu genug bewacht,
gewarnt und zurckgehalten, oder seine hheren Obern, auch den
Markgrafen selbst, ber die Lage der Dinge unterrichtet zu haben. Der
Markgraf lie ihn ergreifen und nach Sayn-Altenkirchen abfhren, von da
er durch ein Kommando hannverscher Dragoner, dem Ansuchen des
Markgrafen gem, abgeholt und nach Zelle in's Zuchthaus gebracht wurde,
wo er dann ohne fernere Spur verkommen. Eine andere Sage dagegen will,
der Markgraf habe ihm den Garde-Offizier von Leubelfing nach
Altenkirchen nachgeschickt mit dem Befehl, ihn daselbst hinrichten zu
lassen. (Lang.)

Diese wenigen Zge zeigen, we Geistes Kind Karl Alexander war. Da wir
seines Gleichen schon in den hessischen und braunschweigischen Frsten
kennen gelernt haben, so knnen wir uns hier fglich seine nhere
Charakteristik ersparen. Bei diesen Menschen ist Alles Schablone, die
abschreckende Einfrmigkeit ihrer innern Leere und Hohlheit sowohl als
ihre geistlose Uebereinstimmung in uerer Verschwendung und Prunksucht.
Vom Grovater und Urgrovater an haben sie alle dieselbe Schule der
Entfremdung vom deutschen Wesen, der bedientenhaften Erniedrigung vor
dem Auslande und der despotischen Gewalt gegen die eigenen Unterthanen
durchlaufen. Der bloe Gedanke an Pflichten, soweit sie dessen berhaupt
fhig, scheint bei diesen Landesvtern eine Gefhrdung ihrer
Souverainitt in sich zu schlieen. Die naiv-derbe, wenn auch oft rohe
Eigenart der deutschen Frsten des sechzehnten und theilweise des
siebenzehnten Jahrhunderts ist durch den Versailler und Venetianer
Firni, durch den halb zivilisirten, halb zivilisirenden franzsischen
und italienischen Einflu zurckgedrngt. Wo frher Luther's Hymnen
erklangen, da singen jetzt italienische Kastraten ihre lateinischen
Verse. Ueberall an den Hfen finden sich franzsische Abenteurer und mit
ihnen franzsische Mode und franzsische Unsitte. Jeder Zaunknig hat
sein Monplaisir, Belvedere, Eremitage, Solitude oder Monbijou, seine
groen Feste und Spiele, seine Tourniere und Karoussels, seine
Maskeraden und Banketts, wofr die armen Teufel von Unterthanen mit
ihrem Gelde zahlen, wenn sie welches haben, und mit ihren Knochen und
ihrem Blut, wenn sie sonst nichts haben. Natrlich huldigt Serenissimus
unter den noblen Passionen vor Allem dem Spiel und der Jagd. Er verliert
am Spieltisch ein ganzes Dorf oder setzt ein halbes Bataillon auf eine
Karte gegen das schne Bein einer Tnzerin. Der Markgraf von Anspach
gewinnt 1783 von dem ihn besuchenden Herzog von Gloucester, dem Bruder
des Knigs von England, 180,000 fl. im Spiel. Der verlierende Gastfreund
ist so edel, sich selbst als Pfand zu geben, vermehrt aber whrend
seines verlngerten Besuches seine Schuld durch neue Anlehen um noch
270,000 fl., die aber der knigliche Bruder erst recht nicht zahlen
will, so da der Markgraf froh ist, als der Englnder nach Straburg
abzieht. Das eminenteste von allen eminenten Privilegien ist aber
smmtlichen Landesvtern die Jagd. Wo sie beeintrchtigt ward, da kennt
ihre Grausamkeit keine Grnzen. Schon als Friedrich der Groe auf dem
Throne sa, wagte noch ein Herzog von Sachsen-Weimar zu verordnen, da
alle Wilderer als offenbare Straenruber und Mrder angesehen und auf
Betreten sofort aufgehengt, deren Weiber gebrandmarkt und in's Zuchthaus
gesetzt werden sollten, da ein Frster und Jger, der einen Wilddieb
todtschiet, 50 Thlr. verdient, whrend seine Wittwe, falls er selbst
todtgeschossen wird, lebenslnglich 200 Thlr. Pension erhlt (eine fr
jene Zeit sehr hohe Summe!), da aber ein Jger, der den Wilddieben
durch die Finger sieht, selbst aufgehenkt wird. Was uns vom Weimaraner
urkundlich erhalten ist, das trieben auch seine Herren Brder, sind sie
doch alle nach demselben Muster gebildet. Darum bleibt es sich im Grunde
auch gleich, ob der eine Landesvater eine franzsische oder der andere
eine englische Maitresse hat; ob der Anspacher mit einer in kararischem
Marmor gehauenen Bste Voltaire's auf seinem Arbeitstische prahlt, oder
ob der Kasseler einen Frstenkatechismus in Voltaire'schen Redensarten
schreibt; ob der Bayreuther seinen Trost in Smilch's gttlicher
Ordnung sucht oder ob ein geistlicher Herr, wie der Frstbischof von
Wrzburg, Goldmacherei treibt und einen Talisman am Leibe trgt, oder ob
der Herzog Ernst August von Sachsen-Weimar den Stein der Weisen gefunden
zu haben glaubt und in einem eigenen Reskripte die Kunst des Goldmachens
fr ein Regal erklrt. Ebensowenig ist es charakteristisch, da der
Markgraf eine Armee von Kammerherren, Hofjunkern und Kammerjunkern hlt
und da zur Bestreitung des Unterhalts dieser Tagediebe das Genuesische
Lotto eingefhrt wird, denn dieser ganze Unfug findet sich bei seinen
smtlichen Kollegen wieder. Noch weniger befremdend ist es aber, da die
brgerlichen, an den anspacher Hof gezogenen Damen dort kein deutsches
Wort fallen lassen drfen, weil Alles, was deutsch ist, die Lady Craven
anekelt, und noch weniger auffallend ist es, da die deutschen Frauen
jener Zeit solche Beleidigungen als eine Auszeichnung ansahen.
Bezeichnend ist nicht einmal die liebevolle Frsorge, welche der
anspachische Markgraf seinem Wildstande angedeihen lie. Als sein Land
1791 preuisch wurde, erlaubte der damalige Statthalter und sptere
Staatskanzler Hardenberg den Bauern, das Wild auf ihren Feldern
niederzuschieen. Seither hatten sie Sommer und Winter die Nchte mit
Schreien zubringen mssen, um ihre Felder vor dem in Massen
herumstreifenden Hochwilde zu schtzen. Verschliefen sie eine Nacht, so
war auch die Saat zertreten. Denn nur schrecken durften sie das Wild,
und es war ihnen bei _Zuchthausstrafe_ verboten, ein Gewehr oder einen
Knittel, ja selbst einen Hund mit sich zu fhren. Da der Markgraf
keinen Spa verstand, wenn sein noch wertvolleres Wild, die Soldaten,
sich ihm durch die Flucht entzogen, werden wir sehr bald zu sehen
Gelegenheit haben.

Sobald Karl Alexander die Aussicht auf einen Vertrag gesichert erschien,
traf er in aller Stille die Maregeln, um seine beiden Bataillone in
guten Stand zu setzen. Fr Beschaffung neuer Uniformen und
Ausrstungsgegenstnde wurde ein Darlehn aufgenommen und dessen
Rckzahlung aus der spter von England zu zahlenden Lhnung festgesetzt.
Namentlich aber ward alle Aufmerksamkeit auf das zu errichtende
Jgerkorps verwandt und zu diesem Zwecke besonders Bayreuth
heimgesucht, welches bei seinen herrlichen Gebirgswaldungen auch ein
tchtiges Forst- und Jagdpersonal aufzuweisen hatte. Bessere Jger,
meinte Gemmingen, gebe es in der ganzen Welt nicht, denn sie htten sich
alle ihrem Berufe aus Neigung gewidmet. Der Bayreuther Minister v.
Seckendorff, ein Bruder des in London thtig gewesenen Kammerherrn,
fate das Geschft denn doch etwas bedenklicher auf, als der die
Erlsung von seinen Schulden ersehnende Markgraf, besonders aber wollte
er nicht in die Aushebung smmtlicher Jger und Jgerburschen willigen.

Das wegen der englischen Subsidien zu Stande gebrachte negotium --
schreibt er am 31. Januar und 2. Februar 1777 an Gemmingen -- wird in
Kurzem im ganzen Lande eklatiren. Es wird an Vorstellungen der
Landstnde, ja des ganzen Bauernstandes nicht fehlen. Ich werde auch
laut Serenissimi Befehl's auf Vorschlag solcher Mittel denken, die zur
Beruhigung dienen knnen. Ich mchte den Vertrag kennen, um daraus zu
beurtheilen, ob die Unterthanen durch einen erklecklichen Steuer-Nachla
werden consolidirt werden knnen? Die hiesige (Bayreuther) Brgerschaft
wird am Meisten leiden, weil durch den Abgang der Truppen sich die
Consumtion in der Stadt um wenigstens 60-70,000 fl. verringert, da es
den Brgern ohnehin an Nahrung fehlt.

Mein Schwager v. Spiegel hat die Ordre erhalten, nicht nur alle
hiesigen Feldjger, sondern auch alle und jede Forstbedientenshne, von
den Oberforstersshnen an bis zu den Grnzschtzen-Shnen, keinen
ausgenommen, nebst deren Lehrjungen nach Anspach zu schicken.
Vermuthlich wird man nur die Absicht haben, eine Auswahl unter ihnen zu
treffen, welche als zu Hause entbehrlich unter das in Subsidie tretende
Korps gestellt werden und mitmarschiren knnten. Im Falle aber die
Intention dahin ginge, alle und jede dieser Jgerpursche,
Forstbedienten-Shne und Lehrjungen in's Feld zu schicken, so befrchte
ich, es werde dadurch das Jagd- und Forstwesen nebst den damit
verknpften Rechnungen gnzlich zum Nachtheil der Revenuen und derer
herrschaftlicher Gerechtsame Nothleiden und darniederliegen.

Diese in ihren verderblichen Folgen ausfhrlich motivirten Einwendungen
hatten denn doch das Resultat, da der Markgraf sich in seinen
Ansprchen an das Land beschrnkte und nur die Hlfte der anfangs
beabsichtigten Zahl Jger (100 statt 200) aushob. Wegen der
Jgerburschen knnen sie sich beruhigen, antwortete Gemmingen am 5.
Februar begtigend -- sie stehen unter dem Kommando des
Hofjgermeisters von Schilling, der nur die unumgnglich nthigen
aushebt und im Uebrigen die Bedrfnisse unsers Forstwesens kennt.

Die Verhandlungen mit Faucitt nahmen nur die beiden Tage des 30. und 31.
Januar in Anspruch; der Vertrag selbst wurde am 1. Februar 1777 von den
beiden Bevollmchtigten unterzeichnet und vom Markgrafen am 13. Februar
unter Ausdruck seiner hchsten Zufriedenheit fr Gemmingen genehmigt.
Dieser erwies sich als der gewandtere und umsichtigere Unterhndler, ja
er verstand es meisterhaft, Faucitt durch eine zur Schau getragene,
wenig aufrichtige Biederkeit, anscheinend groe Einfachheit und
Unterordnung, sowie kluges Nachgeben in Nebenpunkten zu bertlpeln.
Htte sich der englische Bevollmchtigte die Finanznoth seines
frstlichen Geschftsfreundes mehr vergegenwrtigt, und htte er vor
Allem Suffolk's deutlichen, bei Gelegenheit der Wrtembergischen
Instruktion gegebenen Wink (Seite 100) mehr beachtet, wonach der
Markgraf sich anbot, nicht aber England das erste Gebot machte, so wrde
er die Anspachischen Truppen unter viel gnstigeren Bedingungen erlangt
haben. Zudem war er doppelt hochmthig, weil er immer noch in der
selbstgeflligen Einbildung lebte, da der Krieg in hchstens einem
Feldzuge beendigt sein werde, whrend Gemmingen auf eine lngere Dauer
desselben rechnete. Die ein paar Wochen spter in Europa eintreffenden
Nachrichten von den Niederlagen bei Trenton und Princeton sollten dem
letztern nur zu sehr zum Schaden Englands Recht geben. Wenn Gemmingen
auch nicht durchsetzen konnte, da die englische Lhnung einen Monat vor
dem Abmarsch vorausbezahlt wurde und wenn er sich mit einer nur
siebentgigen Vorausbezahlung begngen mute, so erreichte er doch, da
dem Markgrafen dieselben Subsidien wie Hessen-Kassel bewilligt wurden,
die allerdings erst mit der Unterzeichnung des Vertrages begannen und
nur noch drei Monate (statt wie bei Kassel zwei Jahre) nach der Rckkehr
der Truppen fortdauerten. Faucitt nahm also zwei Regimenter Infanterie
zu je 570 Mann, 101 Jger und 44 Artilleristen, im Ganzen 1285 Mann,
ausschlielich fr den amerikanischen Dienst, deren Lhnung und sonstige
Behandlung ganz derjenigen der englischen Truppen gleich gestellt wurde,
bewilligte fr jeden Soldaten dreiig Kronen Werbegeld, dessen eine
Hlfte sechs Wochen und dessen andere drei Monate nach Unterzeichnung
des Vertrages zu berichtigen war, und zahlte auerdem eine jhrliche
Subsidie von 45,000 Kronen. Im Uebrigen kam der Vertrag dem
Braunschweigischen am Nchsten, ja er war noch gnstiger als dieser,
wenn der Krieg, wenn es der Fall war, lnger als zwei Jahre dauerte.

Nach Gemmingen's Berechnung stellt sich das Verhltni fr Braunschweig
und Anspach fr ein Jahr, die Truppenzahl auf 1200 Mann geschtzt, wie
folgt:

  Braunschweig erhielt
    Einfache Subsidien fr ein Jahr    18,970 Rthlr.

  Am Ende des Krieges
    Doppelte Subsidien fr zwei Jahre  75,880   "
                                       -----------------
                                       94,850 Rthlr. = 142,275 fl.

    (den Thaler nach dem Konventionsfue zu 1 fl. 30 kr. gerechnet.)

  Dagegen erhielt Anspach
    Einfache Subsidien fr ein Jahr    45,000 Thlr. Banko.

  Am Ende des Krieges
    Dreimonatliche Subsidien  . . .    11,250   "     "
                                       -------------------
                                       56,250 Thlr. Banko = 135,000 fl.

(den Bankothaler zu 2 fl. 24 kr. gerechnet) also 7275 fl. weniger als
Braunschweig. Setzt man dagegen den Fall, da die Subsidie zwei Jahre
dauerte, so erhielt Braunschweig nur fr ein Jahr 18,970 Thlr. mehr,
also im Ganzen 113,820 Thlr. = 170,730 fl.; Anspach aber 101,250
Banko-Thlr. = 240,000 fl., also 72,270 fl. mehr als Braunschweig. Nun
zog sich aber der Krieg, mithin auch die Subsidie noch volle sieben
Jahre hin. Braunschweig erhielt somit 18,970 Rthlr.  7 = 132,970 Rthlr.
+ 75,850 Rthlr. doppelte Subsidien = 208,670 Thlr. oder 313,005 fl.;
Anspach aber 45,000 Thlr. Banko  7 = 315,000 Thlr. Banko + 11,250
Bthlr. dreimonatliche Subsidie = 326,250 Banko-Thlr. oder 783,000 fl.,
mithin einen Mehrbetrag von annhernd einer halben Million Gulden.

Man sieht aus dieser Zusammenstellung, da der bon homme Gemmingen gar
kein schlechter Rechenknstler war. Er selbst uerte sich am 2. Februar
in einem Briefe an Seckendorff ber seinen Triumph in durchaus nicht
berhebender Weise; sein Brief sieht vielmehr wie eine Rechtfertigung
sich selbst und dem Adressaten gegenber aus. Der eben abgeschlossene
Vertrag, sagt er, ist viel gnstiger als wir erwarten konnten, zumal
wenn Sie bedenken, da wir uns angeboten hatten und da die kniglichen
Waffen bis jetzt so groe Erfolge in Amerika erkmpft haben. Es ist ganz
natrlich, da diese Angelegenheit unter allen mglichen, uns wenig
gnstigen Gesichtspunkten von denjenigen beurtheilt und verdammt werden
wird, welche eine Staatsaffaire weder in ihrer Totalitt noch in ihren
bestimmenden Motiven aufzufassen verstehen. Sobald indessen diese
Menschen das fremde Geld in unser armes Land flieen, sobald sie uns
dessen Schulden mit den bereitwillig einstrmenden Mitteln zahlen sehen
werden, dann werden sie, und wird die ganze Welt entzckt sein und
erkennen, da das Militr, welches die Feinde des Staates (welches
Staates?) bekmpfen mu, auch den allerschlimmsten Feind besiegt hat,
unsere Schulden nmlich. Selbst der niedrigste nach Amerika verschiffte,
wohlbezahlte und mit dem Nothwendigsten versehene Soldat wird mit seinen
Ersparnissen zurckkehren und stolz darauf sein, fr sein Vaterland und
fr seinen eigenen Nutzen gearbeitet zu haben. (NB. zog der Markgraf fr
die Uniformen und Ausrstung zwei Pence oder fnf Kreuzer an der
tglichen Lhnung ab, so da dem Soldaten nur sechs Pence oder fnfzehn
Kreuzer in dem theuern Amerika blieben!) Wenn man meinen Rathschlgen
folgt, so wird die Bayreuther Landschaft gewinnen, und die Bayreuther
Kammer wird ebenfalls aus dem Vertrage groen Vortheil ziehen. In
wenigen Jahren wird Ordnung in unseren Finanzen herrschen und der grte
Theil unserer Schulden bezahlt sein. Ich hoffe, Sie werden die Reinheit
meiner Motive billigen und mich nach besten Krften untersttzen. Ich
bin im Allgemeinen der abgesagte Feind eines derartigen Handels mit
Menschen, allein es giebt besondere Flle, in welchen das Uebel sich in
eine verhltnimige Wohlthat verwandelt, und ein solcher ist, wenn ich
nicht irre, der unsrige. Selbst wenn der Krieg und die Subsidien nur ein
Jahr dauern sollten, so wrden der Markgraf oder vielmehr das Land
400,000 fl. gewinnen, whrend eine lngere Dauer der Subsidien unsern
Gewinn betrchtlich steigern wird.

Faucitt dagegen schreibt am 10. Februar 1777 aus Hanau an Suffolk: Am
Tage nach meiner Ankunft wurde ich dem Markgrafen vorgestellt, bei
welcher Gelegenheit die gewhnlichen Redensarten gewechselt wurden. Der
Markgraf bedankte sich dann ganz besonders dafr, da der Knig so
gndig und herablassend gewesen war, auf seinen Wunsch einen Theil der
anspachischen Truppen in seine Dienste zu nehmen. Ich schlo darauf
sofort einen Vertrag mit dem Minister, Freiherrn von Gemmingen ab, der
sich zu unserm Nachtheil die gedruckten Vertrge verschafft hatte und
diese natrlich seiner Unterhandlung zu Grunde legte. Es waren in der
That Waffen, die wir gegen uns selbst geschmiedet hatten, und die
Gemmingen sehr gut zu gebrauchen wute. Die Hauptvernderungen von den
frheren Vertrgen sind diese: Die Lhnung beginnt nur sieben Tage
(statt einen und zwei Monate) vor dem Abmarsch der Truppen und hrt mit
dem Monat ihrer Rckkehr auf. Die Subsidie, die ich vergebens
herunterzudrcken suchte, ist verhltnimig so gro als die an Hanau
und Waldeck gezahlte, fngt aber, statt mit der Unterschrift, erst mit
der Genehmigung des Vertrages an und endet drei Monate statt ein Jahr
nach der Rckkehr der Truppen. Die gewhnlichen Ausgaben fr deren
Marsch, Wagen und Pferde &c. fallen, statt wie in den bisherigen
Vertrgen auf die Krone, jetzt auf den Markgrafen, der Alles bezahlen
mu, bis die Soldaten auf die Mainboote geschafft werden.

Ich war jeden Morgen auf der Parade, und fand die Truppen sehr schn,
gro und gut gebaut. Sie handhaben ihre Waffen, die brigens sehr gut
sind, vortrefflich, exerzieren so regelmig, da kaum eine Uhr besser
gehen kann, und marschiren und schwenken sehr gut. Ihre Uniformen, blaue
Rcke mit rothen Aufschlgen und gelber Weste, sind neu und rein. Wenn
der Rest so gut ist, so knnen wir uns zu einem ausgezeichneten Handel
Glck wnschen. Das andere Regiment steht noch in Bayreuth. Die Leute
sollen nicht so gro, aber sonst ebenso tchtig sein. Einige
sterreichische Offiziere sagten mir, sie seien sogar besser. Beide
Regimenter werden am 28. Februar marschfertig sein; sie haben nur zwei
bis drei Tage nach Stefft am Main, wo sie nach Dortrecht eingeschifft
werden sollen. Die Wasserreise dauert etwa fnfzehn Tage.

Das Bayreuther Regiment verlie zur festgesetzten Stunde, am 28. Februar
seine Garnison und marschirte ber Streitberg, Muggendorf, Bayersdorf,
Frth und Heilsbronn nach Anspach, wo es am 4. Mrz eintraf. Vom ersten
Nachtquartier Muggendorf an wurden aus Vorsicht (um die Desertion zu
verhindern) beide Orte, Muggendorf und Streitberg, mit Feldmiliz und
Landjgern entourirt und die ausgestellten Posten durch
Husaren-Patrouillen visitirt. Auf dem Wege durch Bayersdorf fand sich
der Bambergische Husaren-Rittmeister v. Gravenreuth ein, und meldete,
da er Ordre habe, nach den Befehlen des Kommandeurs seine Husaren
dergestalten zu detachiren, da alle Desertion in das Bambergische
desto besser verhindert werde. Serenissimus kam dem Regiment bis
Kloster Heilsbronn entgegen. Am 5. Mrz war in Anspach Rasttag und groe
Tafel von achtzig Couverts bei Hofe. Smmtliche Offiziers speisten mit
den gndigen Herrschaften und hatten die Gnade, vor der Tafel der Frau
Markgrfinn Durchlaucht die Hand kssen zu drfen. Serenissimus zeigten
jedem Offizier auerordentlich viel Gnade. Am 7. Mrz marschirten das
Anspacher und Bayreuther Regiment mit den Jgern von Anspach ab,
erreichten am 8. Uffenheim und am 9. Ochsenfurt am Main. Statt in Stefft
sollten sie hier in die Mainboote umgeschifft werden, als ein Aufstand
unter ihnen ausbrach, der nur durch die Geistesgegenwart des in aller
Eile herbeigekommenen Markgrafen unterdrckt werden konnte. Am 9. d.M.
entstand -- heit es in einem Bericht des Hamburger Korrespondenten vom
18. Mrz 1777 -- unter gewissen, auf der Reise nach England begriffenen
deutschen Kriegsvlkern ein Aufstand, welcher gefhrliche Folgen htte
nach sich ziehen knnen, wenn nicht noch in derselben Nacht der
Landesherr selbst in aller Eile bei den Schiffen persnlich angekommen
wre, und durch seine hohe Gegenwart die Vlker in Gehorsam zu halten
vermocht htte. Indessen war es dennoch zu solchen Thtlichkeiten
gekommen, da ein Mann getdtet und fnf verwundet worden sind, dreiig
andere aber sich davon zu machen Gelegenheit gefunden haben. Die Herren
Kriegskommissarien, welche ihres Lebens nicht sicher gewesen, muten in
einer benachbarten Stadt ihre Zuflucht suchen.

Lassen wir noch einen Augenzeugen die Ereignisse dieses Tages erzhlen:

Wir marschirten durch Ochsenfurt, welches dem Bischof von Wrzburg
gehrt -- schreibt Johann Conrad Doehla, Soldat im Bayreuthischen
Regimente von Voit, in seinem Tagebuche -- und wurden da am Abend des 9.
Mrz das erste Mal eingeschifft und hielten da vor Anker ber Nacht auf
dem Main. Weil wir nun dieses Quartier noch nicht gewohnt waren und sehr
wenig Platz war auf den Schiffen, indem wir sehr dichte zusammenlagen
und der hufige Schiffsrauch uns sehr beschwerlich war, auch war es
ziemlich kalt: Dieses alles gab daher Gelegenheit zum Raisoniren an die
Hand und erstunde auch Tags darauf ein ganzer Aufstand und Rebellion
nemlich. Zu Frh mit Tagesanbruch machte das Anspacher Regiment den
Anfang dazu, indem da ein Schiff von ihnen nahe am Lande vor Anker lag,
so legten sie ein lang Brett vom Schiff an's Land hinaus, und gingen
alle aus diesem Schiff an's Land heraus, zogen hernach mehr Schiffe zu
Lande; auch eines vom Bayreuther Regiment. Unsere Leute stimmten auch
diesem Unternehmen bey und brachen mit Gewalt und ohne Erlaubni der
Herrn Offiziere aus den Schiffen; so da in einer Stunde kein Soldat von
den zwei Regimentern mehr in Schiffen anzutreffen war; alles war in der
grten Furie aufgebracht. Und obgleich die beiden Herrn Obristen und
Commandanten, sammt allen Offizieren, sowohl gute als bse Worte und
alle Mittel hervorsuchten, um die Leute wieder zufrieden zu stellen,
auch Brod, Fleisch und andere Victualien nebst Holz hufig aus der Stadt
herbeischaffen lieen, um damit die Leute kochen sollten, und wann die
Leute gegessen und getrunken htten, wiederum zu Schiffe sich begeben,
so half doch dieses alles im Geringsten nichts, sondern der viele Wein,
den die Einwohner von Ochsenfurt hufig herbei brachten, machte, da die
Soldaten noch furiser wurden und auf keinen Offizier nichts mehr gaben,
ein Jeder lie sich verlauten, nicht mehr in's Schiff sich nthigen zu
lassen. Daher gegen Mittag hin die Leute sich stark gegen den
berliegenden Bergen zu wanderten und in ihrer Tollheit und
Betrunkenheit den Reisaus nahmen. Es wurde daher das Jger-Corps
befehligt, sich gegen die Anhhen auszupostieren und Schreckschsse auf
die rebellierenden Ausreisser zu thun. Allein unsere Leute gaben auch
Feuer auf die Jger. Es wurden daher einigen Leuten von den unerigen
die Beine blessirt, die Rebellion gab daher Anla, da die Stadt
gesperrt wurde und die Zugbrcken aufgezogen wurden, weil sich die
Brger bei dergleichen Aufruhr nichts Guts versahen, es wurde fat auf
zwei Stunden gegen einander gefeuert, und weil endlich die Jger einige
von uns blessirten, so gab es auch Anla zu einer groen Antipathie
zwischen uns und ihnen, so auch einige Jahre noch in Amerika fort
dauerte. Endlich gegen Abend hin, als der Wein den Leuten etwas aus den
Kpfen gekommen war, so wurden sie doch wieder etwas zufriedener, es
wurde auch von dem Herrn Obrist v. Eyb als Chef vom Anspacher Regiment
die Versicherung ertheilt, da wir wieder Uffenheim gingen; dieses
veranlate, da die Regimenter sich wieder in Ordnung stellten, und
endlich auf vieles Zureden, von denn Herrn Offizieren in Zufriedenheit
und Ruhe gebracht wurden. Es waren bei diesem Aufstande gegen 40 Mann
von unsern Bayreuther Regimente echappiret. Daher wurde auch sogleich
ein Expresser nach Anspach abgeschickt, um von diesen Vorgegangenen
allen Ihro hochfrstlichen Durchlaucht zu rapportiren. Dieser sobald er
Nachricht bekam, machte sich sogleich mit einigen Begleitern zu Pferd in
der Nacht auf den Weg und kam mit hchster Bestrzung ganz schleunig. In
aller Frhe kam der Markgraf bei uns an, unsere zwei Regimenter wurden
sogleich aufgestellt, und der Markgraf ging Mann fr Mann durch und
fragte einen jeden, was seine Einwendungen wren und versprach dabei
alle Gnade und Frstengunst alle denen, die mit nach Amerika in
englischen Solde gehen wrden, die so aber nicht wollten mit hinein,
sollten heraustreten und dagegen aber ihres Vermgens sammt ihren
Vaterlande und aller frstlichen Gnade verlustigt sein. Hierauf sind wir
beide Regimenter wieder eingeschiffet.

Der Markgraf, fr den ein so gewinnreiches Geschft auf dem Spiele
stand, stellte sich mit der gespannten Bchse in der Hand und in
seine Wildschur gehllt, selbst auf das Mainschiff, um jeden
Erneuerungsversuch der Flucht zu verhindern, was ihm denn mit Hlfe
wrzburgischer Husaren auch gelang. Ja Serenissimus, bei dessen
Erblickung der rechtschaffene Soldat Freudenthrnen vergo und seinen
Marsch mit Ruhe antrat (wenn wir anders jenem Berichte des Hamburger
Korrespondenten glauben drfen) beschlo der grern Sicherheit wegen,
seine Truppen jetzt nicht mehr auer Augen zu lassen, und sie den Main
und Rhein hinunter bis zu ihrer Einschiffung in Holland zu begleiten. So
schnell war er von Anspach weggeeilt, da er seine Uhr auf dem Tische
liegen gelassen und nicht einmal Kleider mitgenommen hatte, so da er
sich vom Erbprinzen von Hanau reine Wsche und Hemden borgen mute.

Diese Meuterei, so unbedeutend sie an sich auch war, verursachte eine
gewaltige Aufregung unter den kleinen deutschen Frsten und im
englischen Ministerium. Beide Theile frchteten, da dieser Geist der
Unzufriedenheit und offenen Widersetzlichkeit leicht um sich greifen,
also zuknftigen Aushebungen hindernd in den Weg treten knne. Die
Revolte der Anspacher -- meldet der englische Gesandte Cressener am 17.
Mrz an Suffolk -- konnte nur durch die freundliche Hlfe der Truppen
des Frstbischofs von Wrzburg gedmpft werden. Der Markgraf erzhlte
mir gestern beim Essen, wie sehr er diesem zu Dank verpflichtet sei. Die
Anspacher sind lauter schne Leute; wenn sie nur nicht so abgeneigt
wren, nach Amerika zu gehen! Bedanken Sie sich im Namen Ihres Hofes
beim Frstbischof von Wrzburg fr seine uns bei der Niederwerfung des
Aufstandes der Anspacher gewhrte Untersttzung, antwortete Suffolk.

Die Meuterei in Ochsenfurt -- schrieb Graf Wartensleben aus Mainz am
16. Mrz an Cressener -- brach, so viel ich hrte, aus, weil das
Regiment Bayreuth sich nicht von den Jgern transportiren lassen wollte,
weil die Schiffe zu eng waren und zu stark rauchten. Der Bischof von
Wrzburg schickte ein Korps Husaren und ein Dragoner-Regiment. Das
half.

Faucitt meldete am 17. April, da der Aufstand so schlimm nicht gewesen
sei. Die Offiziere htten gleich drein hauen sollen, statt zu viel
Nachsicht zu beweisen. Eine gute Disziplin werde die frechen Burschen
schon mrbe machen, man solle beide Regimenter in Amerika zu besonders
schwerem Dienst verwenden. Der Markgraf bekannte mir -- fuhr er am 24.
April fort -- da er bei jener Ochsenfurter Meuterei 18 bis 20 Mann
durch Desertion verloren habe, eine keineswegs groe Zahl, wenn man die
hier zu Lande berwiegende Parteilichkeit fr die Amerikaner und die
Vortheile bedenkt, welche sterreichische und andere Werbe-Offiziere aus
diesem Stande der ffentlichen Meinung fr ihre eigenen Zwecke ziehen.
Es ist mir kaum mglich, Ew. Lordschaft einen nur annhernden Begriff
von der hierorts herrschenden gehssigen Abneigung gegen England und von
den Bemhungen zu geben, welche von belgesinnten Menschen angewandt
werden, um die Soldaten von dem englischen Dienste abzuschrecken. Des
Markgrafen kluges und beherztes Handeln und seine Begleitung der Truppen
bis zum Hafen vereitelte jedoch die schndlichen Absichten dieser
Schurken. Leider werden wir aber aus Franken in diesem Jahre schwerlich
neue Truppenlieferungen erhalten, umsoweniger als der Markgraf
entschlossen ist, in Zukunft keine Rekruten mehr aus seinem eigenen
Lande, sondern nur Fremde anzuwerben.

Die Anspacher Soldaten fgten sich brigens fortan der auf's Strengste
gegen sie gehandhabten Disziplin und machten weder auf der Reise, noch
in Amerika einen weitern Aufstandsversuch, der beste Beweis dafr, da
die Ochsenfurter Meuterei nur das Ergebni einer augenblicklichen
Aufwallung, wenn nicht einer trunkenen Stimmung war. Die Deutschen jener
Zeit fhlten eben in ihrer groen Mehrzahl nicht das an ihnen begangene
Verbrechen. So ging denn auch dieses Ereigni ziemlich unbemerkt
vorber. Nur eine einzige Ausnahme findet sich in den Gemmingenschen
Manual-Akten. Es ist ein pseudonymer Brief, den ein angeblicher Hans
Frstenfeind an Ihro Durchlauchten, den Herrn Markgraf zu
Brandenburg-Anspach &c. zu Anspach schrieb. Der Inhalt entsprach nicht
der geschftsblichen Anrede; er lautet wrtlich:

Durchlauchtiger Barbar, Gndiger Menschen Verkufer!

So wie der Oxsen Treiber sorgsam ist, seine Heerde glcklich und ohne
Zufall an den Markt zu bringen, so lassen Ew. Durchlaucht es sich auch
angelegen seyn, die an England verkaufften Menschen wolbehalten zu
berliefern, um fr die Ihnen davor versprochenen Lst. 39,588 in die
Wolle zu kommen. Der Zug ist schn. Sie gehen vorauf als Eigener der zu
Markte gebrachten Troupes. Hinten an folgen die Jger wie Hunde. Sobald
einer ausweicht, bellen und beien sie und geben Feuer.

Die nun mit Wiederwillen und ohne Gewehr hingefhrten Menschen warten,
bis ihnen die Gelegenheit wieder die Waffen in Hnden spielen, um sich
an den Jgern zu rchen. Anstatt gegen die Amerikaner zu fechten, werden
sie sich unter sich selbst aufruben und den Englndern mehr schdlich
wie ntzlich sein.

Gantz Europa siehet dieses als eine natrliche Folge ein. Nur Ew.
Duchlauchten sind zu kurzsichtig. England wird Ihnen aber das Rtzel
erklren, Ihnen und Ihren Truppen zurckschicken und anstatt 39,000 Lst.
zu geben, vor der gantzen Welt lcherlich machen.

Der Vorfall zu Oxsenfurth freuet der ganzen Welt, besonders macht man
den vier verabschiedeten Soldaten die grsseste Eloge. Man sagt, da man
diese zu Ew. Durchlaucht Schande ein ewiges Ehrendenkmahl aufrichten und
Ihnen darinnen als Menschen Verkuffer unter den Elendesten der
Verbrecher setzen wird.

So wie man bereits in England und Frankreich von den Menschen Handel der
Teutschen Frsten Comoedien schreibt, so wird man auch bald davon
Tragdie auffhren. Es wird nicht lange nicht an Stoff dazu fehlen. Die
Unterthanen werden zu klug, als nicht solche Tyrannen, die ihnen wie das
Vieh verkauffen, abzusetzen und fortzujagen.

Ich habe brigens die Ehre zu seyn Ew. Durchlaucht Barbaresk ergebenster
Diener Hans Frstenfeind.

Dieser Brief, in schner Frakturschrift geschrieben, traf am 20. April
1777 in Anspach ein. Gemmingen war auer sich vor Aerger und Schrecken:
Es lag ihm Alles an der Ermittelung des frechen Pasquillanten; er
wollte an ihm womglich ein abschreckendes Exempel statuiren. Der
Minister schickte also sofort das Kouvert an den kaiserlichen
Postmeister Welz in Nrnberg, um zunchst den Absendungsort zu
ermitteln. Die Antwort dieses Beamten vom 29. April lautete dahin, da
der Brief von Straburg gekommen sei. Eine dahin gesandte Anfrage ergab
kein weiteres Resultat, als da nach der Ansicht des dortigen
Postmeisters Mouilleraux der Brief seinem Stempel nach in Bordeaux
aufgegeben sein msse. Die Schrift ist allerdings entschieden
kaufmnnisch; auch auf dem Pettschaft sieht man den geflgelten Stab des
Merkur. Wahrscheinlich also hat ein deutscher Kaufmann in oder bei
Bordeaux in obiger Weise seinem Patriotismus Luft gemacht. Gemmingen
hielt es, nachdem er diese Auskunft empfangen, fr besser, die Sache auf
sich beruhen zu lassen, konnte er doch bei der den Amerikanern gnstigen
Stimmung Frankreichs von dessen Regierung keine Untersttzung seiner
Racheplne gegen den frechen Pasquillanten erwarten!




Achtes Kapitel.


Unmittelbar nach der Unterzeichnung des Vertrages mit Anspach war
Faucitt nach Hanau geeilt, um mit dem Erbprinzen von Kassel und Grafen
von Hanau wegen der ihm von diesem angebotenen Jger abzuschlieen. Seit
die englischen Generale ihre unbedingte Vermehrung anempfohlen hatten,
wurden auf einmal, wie wir bereits im vierten Kapitel gesehen, die
deutschen Frster und Jagdgehlfen ein uerst gesuchter Artikel. Der
Erbprinz Wilhelm, obgleich er deren nur wenig an der Hand hatte und
deswegen Anfangs nur 160 anbot, machte sich, um aus den gnstigen
Konjunkturen des Marktes Vortheil zu ziehen, doch anheischig, ihrer so
viel als Suffolk verlangte zu liefern, zumal sein Vater, der Landgraf
von Hessen-Kassel, schon im Vorsprung war.

Wir hatten -- schrieb Malsburg am 17. Januar 1777 an Faucitt -- auf
Ihren ablehnenden Brief hin den Plan, Ihnen fr das Frhjahr Jger zu
liefern, schon ganz fallen lassen. Seine Ausfhrung ist jetzt auch
schwieriger als damals, wenn nicht ganz unmglich, nicht allein durch
den Zeitverlust, sondern auch durch Rekrutirungen, die der Landgraf
seitdem in unsrer ganzen Nachbarschaft vorgenommen hat und auf welche
wir ganz besonders gerechnet hatten. Nur der Eifer meines Herrn fr die
gute Sache und seine unwandelbare ehrfurchtsvolle Anhnglichkeit an den
Knig ist im Stande, diese unvorhergesehene Schwierigkeit zu heben. Der
Prinz wird jeden Nerv anstrengen, um das Jgerkorps mglichst bald
zusammen zu bringen. Voraussichtlich knnen wir aber vor Mai Niemanden
liefern. -- Es ist eine Abgeschmacktheit, zu erwarten -- antwortet
Suffolk am 4. Februar 1777 -- da man die Jger noch im Mai nimmt. Der
Knig will deshalb nur soviel als bis zur Einschiffung der Anspacher
fertig sein knnen.

Der hanauische Minister Malsburg that nach dem Zeugnisse Faucitt's nur
so ngstlich, um sich aus der Erfllung des Vertrages in verhltnimig
krzerer Zeit ein besonderes Verdienst zu machen. Faucitt rieth, dem
geldbedrftigen Prinzen 2000 Pfd. auf Abschlag zu schicken, das werde
helfen. Natrlich half es. Der Vertrag, durch welchen zugleich die
Subsidie im Verhltni zur Zahl der gelieferten Jger vermehrt wurde,
kam am 10. Februar 1777 fr 412 Mann zu Stande. Seine Einleitung lautet:
Nachdem der Knig von England seine Zustimmung dazu gegeben hat, da
die in seinem Dienste befindlichen Truppen des Erbprinzen um ein Korps
Jger vermehrt werden sollen, und nachdem der Erbprinz im Einklang mit
der tiefsten Dankbarkeit, der ehrfurchtsvollsten Ergebenheit an Seine
Majestt und dem unbegrenztesten Eifer fr die Interessen und den Dienst
des Knigs mit der grten Freudigkeit die Aushebung und Ausrstung
eines solchen Korps bernommen hat, so sind die beiderseitigen Minister
bereingekommen &c.

Es werden sodann in acht Paragraphen die Bedingungen festgestellt, unter
welchen dieses Korps in den englischen Dienst tritt. Es darf mehr, aber
nicht weniger als vier Kompagnien, jede zu 100 Mann, zhlen. Die erste
Kompagnie mu zu Anfang Mrz marschfertig sein. Die Lhnung erfolgt mit
dem Augenblick der Anwerbung jedes einzelnen Mannes, der ein gelernter
Jger sein mu. Das Werbegeld beluft sich auf dreiig Kronen pro Mann,
das in zwei gleichen Zahlungen, je einen und je zwei Monate nach
Unterzeichnung des vorliegenden Vertrages, zu berichtigen ist, und wird
auch die an den Erbprinzen zu zahlende Subsidie im Verhltni zur Zahl
der neu angeworbenen, resp. von England angenommenen Jger erhht.
Schlielich werden die hanauer Jger mit den kasselschen auf ganz
gleichen Fu gestellt, und ist ihre Lhnung hher als die der
Infanterie.

Der erste Transport (117) Jger und 100 Rekruten verlieen Hanau am 7.
Mrz; der aus drei Kompagnieen bestehende Rest wurde zu Anfang April auf
dem Main und Rhein eingeschifft.

Faucitt und der Prinz von Hanau hatten diesmal versumt, sich zur
rechten Zeit die Erlaubni zur Durchreise der Truppen durch die Gebiete
der rheinischen Frsten zu erbitten. Diese Vernachlssigung sollte sich
aber jetzt bitter rchen. Der Mainzer und Trierer Kurfrst beschlossen
nmlich auf Anstiften des kaiserlichen Gesandten Grafen Metternich
(Vater des sptern Frsten), die vorbei passirenden Kontingente
anzuhalten und jedes mit Truppen gefllte Fahrzeug nach ihren
Unterthanen zu durchsuchen. Am 8. Mrz also lie der Kurfrst von Mainz,
ohne den Einspruch des hanauischen Offiziers zu beachten, aus dessen
Booten acht Jger nehmen, die er als seine Unterthanen reklamirte.
Einige, hie es, seien Deserteure aus seinem Dienste und namentlich
befinde sich Einer darunter, den er vergebens von Hanau reklamirt habe;
dann aber seien auch einige Leibeigene dabei gewesen, an deren Krpern
ihm das Eigenthumsrecht zustehe; diesen Eingriff in Privatrechte habe
man sich unter keinen Umstnden gefallen lassen knnen, wenn man selbst
wegen der Deserteure ein Auge habe zudrcken wollen. Der Prinz von Hanau
habe wissen mssen, da diese Eigenthumstitel wieder aufgelebt seien,
sobald einer von diesen Leuten das mainzische Gebiet betreten habe.

Selbstredend verfehlte Malsburg nicht, Suffolk die gefhrlichen Folgen
dieses Verfahrens in den strksten Farben zu malen. Der Akt ist gegen
England gerichtet -- schrieb er diesem am 9. Mrz. -- Wenn Sie ihn
dulden, so knnen die mit Soldatenlieferungen betrauten Frsten auf die
Dauer ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Man mu, um die
Nachahmung des gegebenen Beispiels zu verhindern, hnliche Eingriffe
gleich von vornherein durch lebhafte Vorstellungen unterdrcken. Mein
Herr, der kein Kartell mit Mainz hat, also jeden Mainzer anwerben kann,
hat sie gemacht und Genugthuung fr die begangene Gewaltthat verlangt.
Thun Sie jetzt auch das Ihrige.

Da sich herausstellte, da die acht Mainzer wirklich Deserteure aus der
Festung und da sie noch von keinem englischen Kommissr in den Dienst
des Knigs eingemustert waren, so verweigerte Suffolk mit Recht jede
Einmischung in die Sache und empfahl dem Erbprinzen, die von Mainz
gestohlenen Rekruten in Zukunft nicht mehr der Gewalt des Kurfrsten
preiszugeben.

Dieser hatte auch den einige Tage spter eintreffenden anspacher
Schiffen einen Besuch zugedacht, welche am 13. Mrz in Hanau und zwei
Tage darauf vor Mainz eingetroffen waren. Als er aber hrte, da der
Markgraf selbst sich in Begleitung der Erbprinzen von Hanau und
Darmstadt an Bord befand, zog er, aus Furcht vor ihnen, die zur
Durchsuchung der Boote bestimmte Abtheilung von einigen Offizieren und
dreiig Unteroffizieren zurck. Dagegen wurde die Schiffbrcke anfangs
nicht geffnet. Der Kurfrst hatte ein groes Essen anrichten lassen,
weil er den Markgrafen mit den beiden Erbprinzen als Gste erwartete. Ob
sie sich nun nicht an's Land wagten, weil sie, wie Oberst Rainsford
berichtet, von den Mainzern arg verhhnt und beschimpft wurden, oder ob
sie dem Kurfrsten ihren Unwillen ob seiner wenig brderlichen
Handlungsweise zu erkennen geben wollten --, es kam Niemand als ein
anspacher Offizier, der kurz die Frage stellte, ob man die Brcke ffnen
wolle oder nicht? Als man mit dem Bescheid zgerte, erklrte er, die
Brcke im Weigerungsfalle sprengen zu lassen. Lcherlicher Weise
antwortete man ihm darauf, da man sie auf eigene Gefahr ffnen wolle,
da es der Kurfrst aber nicht erfahren drfe, da er Befehl gegeben
habe, die Brcke unter keiner Bedingung zu ffnen. So fuhr denn Abends
in der Dunkelheit die anspacher Flotille durch.

Auch bei Koblenz zog der Markgraf ungehindert vorbei, indem man ihn zu
stark fand, als da man ihn anzuhalten gewagt htte. Die dortige
Regentschaft verlangte nur, er solle den Hessen nicht helfen, was er
natrlich seinem Konkurrenten gegenber gern versprach. Darauf begrte
man ihn in aller Freundschaft von Ehrenbreitstein aus mit vierundzwanzig
Kanonenschssen. Als der Markgraf Koblenz passirte, war dort nmlich
gerade der hessen-kasselsche Oberst Benning mit einem von Rheinfels
kommenden Rekruten-Transport angehalten, damit er auf Befehl der
Regentschaft dem kaiserlichen Gesandten, Grafen Metternich, die unter
seinen Leuten befindlichen kaiserlichen Unterthanen herausgebe. Am Rhein
waren die Posten verdoppelt und die Kanonen auf die hessischen Boote
gerichtet, den Flu entlang aber Feuer angesteckt, um sie an der Abfahrt
zu verhindern. Kurz die Sache sah ganz ernst aus. Indessen wren Hessen
und Anspacher stark genug gewesen, dem Ansinnen erfolgreichen Widerstand
zu leisten. Da aber der Markgraf den Obersten im Stich lie, so wurden
ohne Weiteres siebenzehn Soldaten aus den Schiffen genommen, die dem
Kaiser gehren sollten. Diese Maregel verursachte einen Aufenthalt von
mehreren Tagen. Der Verzug war um so gefhrlicher, als es gerade damals
sehr stark fror, die Boote aber zum Theil offen waren und weder
hinreichendes Stroh noch Oefen hatten, so da die Rekruten massenhaft
krank und die Gesunden stndlich unzufriedener wurden. Faucitt und
Cressener befrchteten deshalb jeden Augenblick eine Meuterei. Indessen
kamen die Hessen dies Mal noch ohne weitern Verlust als die obigen
siebenzehn Mann davon.

Cressener schrieb einen entrsteten Brief an den Kommandanten von
Koblenz und die Regentschaft. Er fragt darin verwundert, wie der
kaiserliche Gesandte es wagen drfe, derartig den Kurfrsten von Trier
zu beleidigen, der doch Herr in seinem eigenen Lande sei. Uebrigens
hoffe er, dem Kommandanten liege die Ehre seines Frsten zu nahe, als
da er die Hand zu einer solchen Gewaltthat bieten werde, die ganz gegen
das Vlkerrecht verstoe, und weist schlielich die Regentschaft auf die
angebliche Rettung Deutschlands durch den Herzog von Marlborough und die
Schlacht von Dettingen (!!) hin. Selbst Suffolk scheint diese Art
englischen Geschichtsunterrichtes doch etwas zu khn gefunden zu haben,
denn er meint in einem Briefe an Cressener, dieser htte lieber von den
Marlborough'schen Feldzgen und der Dettinger Schlacht, als im Interesse
des Reiches unternommen, nicht sprechen sollen; zur Sache selbst aber
hoffe er, der Kurfrst werde seine eigene Wrde zu sehr fhlen, als da
er Metternich gestattete, seine Rechte so schmhlich zu verletzen.

Uebrigens behielt es bei den Beschwerden sein Bewenden. Es wird in
unsern Quellen auch nicht berichtet, ob die Rachedrohungen des kasseler
Vaters und des hanauer Sohnes wegen Beschimpfung ihrer Flagge (!!)
wirklich ausgefhrt wurden. Es scheint vielmehr, da sich ihr Zorn
allmlich abgekhlt und ganz verlaufen hat.

Die Fahrt der Hessen und Anspacher verlief bei der freundlichen
Gesinnung des Kurfrsten von Kln gegen England und in Ermangelung jeder
Chikane seitens der preuischen Behrden ohne jede uere Strung.
Dagegen war die Stimmung der Truppen selbst desto erbitterter. Der
Markgraf gab den Seinigen, um ihnen jede Ursache zur Klage zu nehmen,
auf der ganzen Reise eine Extra-Ration von einem Pfund Brod und einem
Pfund Fleisch per Tag auf den Mann und theilte, als bis Nimwegen Alles
gut gegangen war, unter jedes Regiment hundert Dukaten als Geschenk aus.
Unter den Soldaten der hanauischen Kompagnie Kornrumpf entstand dagegen
am 25. Mrz auf dem Rhein bei S'Gravendael in Holland eine Meuterei.
Sieben Mann sprangen ber Bord. Vier von ihnen wurden von ihren
Verfolgern wieder eingefangen, die drei brigen retteten sich in ein
Haus. Die Bauern der Ortschaft nahmen ihre Partei und vertheidigten sie
gegen die ihnen nachsetzenden Offiziere und Soldaten, so da diese sich,
um nicht todtgeschlagen zu werden, unverrichteter Sache zurckziehen
muten.

Die Anspacher wurden am 25. Mrz vom Obersten Rainsford in den
englischen Dienst gemustert. Es sind schne, prchtige Kerle -- meldet
dieser am 28. Mrz aus S'Gravendael an Suffolk -- jung und gut gebaut,
kurz ein herrliches Korps. Ich frchtete, sie wrden nicht ohne Weiteres
den Eid der Treue leisten, da ihr Gemurre noch kurz vorher ihre eigenen
Offiziere beunruhigt hatte; allein die Anwesenheit ihres Frsten, des
Markgrafen, der sie von Ochsenfurt bis hierher begleitet hatte,
verhinderte den Ausbruch selbst der geringsten Unzufriedenheit. Am
zweiten Tage brachten wir sie nach Dortrecht, wohin sie der Markgraf in
seiner Yacht begleitete, und gestern Abend wurden sie Alle zugleich mit
den hessischen Jgern und Rekruten eingeschifft. Ich hielt es im
Interesse des kniglichen Dienstes fr geboten, ihnen bei ihrer Ankunft
an den Schiffen, um sie guten Muthes zu erhalten und jede
Unannehmlichkeit zu vermeiden, frisches Fleisch und Brod zu versprechen,
da sie sonst schwerlich dem Knig den Eid der Treue geleistet haben
wrden. Es ging aber Alles gut ab. Die Leute waren sehr zufrieden, als
sie an Bord frisches Brod und Fleisch erhielten.

Auch die hanauer Jger fand Rainsford in ausgezeichneter Ordnung fr den
Dienst.

Nicht so gnstig spricht er sich ber die hessen-hanau'schen Rekruten
aus, die er am 27. Mrz in den englischen Dienst musterte. Nur die
frher in preuischen Diensten gestandenen Leute seien hbsche Kerle;
die brigen habe er nur deshalb zugelassen, meldet er, weil es bereits
sehr schwer geworden sei, gute Mannschaften zu bekommen; sie seien
meistens zu alt oder zu jung, ja sogar mehrere Einugige htten sich
darunter befunden. Wegen der hier bewiesenen Nachsicht schenkte, wie es
scheint, der Erbprinz von Hanau dem Obersten Rainsford eine goldene
Schnupftabacksdose, welche mit seinem in Brillanten gefaten Portrait
geschmckt war. Dieser hielt sie nicht fr echt und lie sie deshalb
sofort von einem Juwelier abschtzen. Das htte ich nicht gedacht --
vermerkt der ob der Schtzung freudig erstaunte Oberst in seinem
Tagebuche -- die Dose ist wahrhaftig Lstr. 160 werth: Lstr. 100 die
Brillanten, Lstr. 20 das Gold, Lstr. 10 das Bild und Lstr. 30 die
Arbeit; der Prinz ist doch anstndig!

Am 29. Mrz segelten die Anspacher nach Portsmouth ab und kamen am 4.
Juni in Staaten Island bei New York an; der Markgraf selbst traf von
seiner Berufsreise am 10. April wieder in Anspach ein.

Die drei letzten hanau'schen Jger-Kompagnieen gelangten unter Oberst
Creuzburg am 9. April 1777 ganz unbehelligt nach Nimwegen und wurden am
11. in den englischen Dienst eingeschworen. Rainsford schildert sie als
ein schn ausgerstetes Korps von vortrefflichen Schtzen und bedauert
nur, da Suffolk keine Transportschiffe zu ihrer Befrderung gesandt
habe.

Wie gefgig brigens diese Truppen waren, wie wenig man sich zu ihnen
der Desertion oder gar einer Meuterei zu versehen brauchte, beweist am
Besten die Anrede, welche der Auditeur Becher in Hanau an die anspacher
und hanauer Soldaten bei ihrer Vereidigung richtete. Der Leser wird
bemerken, da das patriarchalische _Er_ und das vertrauliche _Du_, um
jeden uern Ansto zu vermeiden, dem hflichern _Sie_ Platz gemacht
hat. Diese Anrede und dieser Eid lauten wrtlich:

Ich bin berzeugt, da Sie auch ohne dies schon das allergndigste und
gndigste Zutrauen erfllen werden, welches Se. Kniglichen Maj. und
beyde durchlauchtigste Frsten in Ihre Redlichkeit und Tapferkeit
setzen, und da Sie bey allen Kriegs-Vorfallenheiten zeigen werden, da
Sie Deutsche sind, welche jederzeit den groen Ruhm der Treue und
Tapferkeit behauptet haben. Werden Sie, wie man es von Ihnen erwartet,
mit diesen redlichen Entschlieungen von hier abgehen und denselben
getreu bleiben und nachkommen, so erwartet auch unfehlbar in einem
fremden Welttheil, Ehre, Glck und Belohnung auch Sie. Sie streiten fr
die gerechteste Sache eines der erhabensten und gtigsten Monarchen. Sie
knnen sich nicht weniger der hchsten Gnade Ihrer theuersten Landes-
Frsten versichern, von deren Liebe und Zuneigung Sie schon so viele
Beweise haben. Machen Sie sich dieser wrdig und ehren Sie durch
Unerschrockenheit und edelmthige Khnheit Ihren Stand und Ihr
Vaterland, und Jeder von Ihnen sei dem Andern zum Muster, wie sich ein
braver und rechtschaffener Soldat hervorthun mte.

Hren Sie nunmehr die Formul aufmerksam an, wonach Sie einen leiblichen
Eid zu Gott dem Allmchtigen schwren sollen: Ihr sollt geloben und
schwren einen leiblichen Eid zu Gott dem Allmchtigen, da Ihr Sr.
Knig. Grobritannischen Majestt in allen Kriegsvorfallenheiten
treulich, willig und redlich dienen, dem Commando folgen und Euch
berhaupt dergestalt erweisen wollt, wie tapferen und redlichen Soldaten
wohl anstehet, eignet und gebhret, jedoch vorbehaltlich und
ohnabbrchig derjenigen Eides-Pflichten, mit denen Ihr Eurem gndigsten
Frsten und Herrn ohnehin bereits zugethan seid. Alles getreulich und
ohne Gefhrde. Hierauf wird mit Emporhebung der zwei vordersten Finger
nachgesprochen.

Da ich dem also, wie mir jetzo vorgehalten worden und ich
wohlverstanden habe, in allem steif, getreu und unverbrchlich
nachkommen wolle, solches gelobe und schwre ich, so war mir Gott helfe
durch seinen Sohn Jesum Christum, unsern Erlser und Seeligmacher.
Amen!

Mittler Weile hatte sich die Lage der Dinge in Amerika sehr zum
Nachtheil Englands gestaltet. Washington's Erfolge im Winterfeldzuge
1776-1777 machten es selbst dem hochmthigen Londoner Kabinet klar, da
die Unterwerfung der Aufstndischen noch mehr als einen Feldzug in
Anspruch nehmen wrde. Suffolk wurde deshalb auch weniger whlerisch und
suchte Truppen zu erlangen, wo sie sich ihm nur anboten. Wir haben im
sechsten Kapitel gesehen, wie er in den ihm von Sir Joseph Yorke namhaft
gemachten kleinen deutschen Staaten, Baden, Darmstadt, Gotha und
Hildburghausen seinen Zweck nicht erreichte. In dieser seiner
niedergeschlagenen Stimmung trat von Neuem das Angebot des Frsten v.
Anhalt-Zerbst an ihn heran, welches sein Agent Faucitt im ersten Jahre
des Krieges verchtlich abgelehnt hatte. Der Frst von Anhalt-Zerbst
hat mich und Faucitt -- schrieb Yorke am 7. Mrz 1777 an Suffolk -- oft
mit seinen Truppenanerbietungen geplagt; ich habe ihn indessen stets
hflich abgewiesen. Er will, glaube ich, zwei Bataillone, er kann aber
vielleicht mehr stellen. Sie sollen in guter Ordnung sein. Es hngt von
Ihren Befehlen ab, ob ich den Frsten auf Privatwegen sondiren und mir
bei ihm ein Verdienst daraus machen soll, mich ihm ntzlich zu zeigen.
Thun Sie ja, was Sie knnen, antwortete er jetzt Sir Joseph Yorke am
11. Mrz -- um dem Frsten von Anhalt-Zerbst in nicht offizieller Weise
auf den Zahn zu fhlen. Wenn ich wei, wieviel, wie und wo er liefern
kann, werde ich ermessen knnen, ob es rathsam ist, in dem Geschft
fortzufahren.

Auf diesen Briefwechsel hin wurden die Verhandlungen mit dem Frsten
erffnet.

_Friedrich August_, der letzte Frst dieses Lndchens (1747-1793) gebot
ber ein Territorium von etwa fnfzehn Quadratmeilen mit ungefhr 20,000
Einwohnern, das (1793 bei seinem Tode unter die drei Vettern von Dessau,
Bernburg und Cthen verloost) in Folge der seit dem dreiigjhrigen
Kriege dort erblichen Miwirthschaft zu den rmsten und ausgehungertsten
Deutschlands gehrte. Seit 1716 wurden in Zerbst weniger Menschen
geboren als starben! Das unglckliche Frstenthum hatte in den letzten
hundert Jahren alle nur denkbaren Landplagen ausgestanden,
Ueberschwemmungen und Hungersnoth, Auswanderung und Krieg. Es besa
keine Industrie und keinen Handel, litt dagegen desto mehr Mangel an
Nahrung. Nirgend in Deutschland gab es verhltnimig mehr Hagestolze,
namentlich unter den Beamten, weil die im siebenzehnten Jahrhundert
festgesetzte Besoldung kaum halb zum standesgemen Haushalt ausreichte.
Seit 1698 war kein Landtag mehr berufen worden. Die Frsten herrschten
despotisch, und Friedrich August, mit welchem wir es zu thun haben,
bertraf selbst seine Vorgnger in launenhafter Willkr und frechem
Souverainittsdnkel. Er ist, was viel heien will, die Karrikatur des
Landesvaters des achtzehnten Jahrhunderts, die komische Figur unter
seinen Kollegen und verdient der Held eines tragi-komischen Gedichts zu
werden. Friedrich August war der Bruder der berhmten Kaiserin Katharina
II. von Ruland. Ob in den winzigen Verhltnissen der Heimath
Verrcktheit wurde, was bei der groen Schwester auf einem mchtigen
Thron des Auslandes Genialitt des Denkens und Handelns war, lt sich
schwer entscheiden; jedenfalls aber wre bei Katharina, wenn wir uns
anders einen so gewaltigen hochstrebenden Geist auf dem Zerbster
Thrnchen denken knnen, Vieles Karrikatur gewesen, was wir jetzt als
gro und imponirend an ihr bewundern. Natrlich mute ein so angelegter
Mann, wie Friedrich August, aus ganzer Seele seinen mchtigen Nachbar,
Friedrich den Groen, hassen, der Leben schuf, wo noch keines vorhanden
gewesen war, der mit alten Vorurtheilen und Mibruchen unbarmherzig
umging und sich in seinem revolutionren Vorgehen am allerwenigsten
durch eingebildete Gren hindern lie. Der Knig behandelte den Frsten
wie einen unbedeutenden Landjunker, in dessen Rechte er allerdings sehr
gewaltsam eingriff, wie er denn z.B. einen von dessen Schtzlingen im
Jahre 1758 ohne Weiteres im Zerbster Schlosse verhaften lie. Nach dem
Frieden von 1763 ging der Frst nach Basel, um nur nicht in der Nhe des
verhaten Knigs zu sein, und regierte bis 1780 von hier und von 1780 an
von Luxemburg aus sein Lndchen durch Reskripte und Befehle in einem
Stil, den in neuerer Zeit ein anderer deutscher Potentat, Frst Heinrich
LXXII. von Reu-Schleiz-Lobenstein glcklich nachgeahmt hat. Als seine
Unterthanen sich einst wegen Abstellung eines Unrechts an ihn wandten
und um seinen Schutz baten, antwortete er ihnen, derartige Lapalien
gingen ihn gar nichts an und wnsche er sehr, in seiner
Zurckgezogenheit nicht mit ihren elenden Klagen belstigt zu werden. Da
diese gleichwohl fortdauerten, verbot er durch einen auf Querfolio
gedruckten Anschlag vom 1. Mrz 1788, da ihm ferner Niemand mehr
nachlaufe noch ihn behellige, bei Vermeidung unausbleiblicher Ahndung
und Absetzung der Dienerschaft. Auf der Insel Wangeroge, die als Theil
der Herrschaft Jever ihm damals gehrte, errichtete er einen groen
Galgen, an welchem die beim Austernsammeln ertappten Fischer gehngt
werden sollten; es wurde aber keiner abgefat.

An Stelle Serenissimi regierte in Zerbst ein Geheimer Rath, dessen zwei
oder drei Mitglieder die smmtlichen Instanzen bildeten. Bekannt ist die
von dem pdagogischen Schriftsteller Sintenis erzhlte Anekdote, wonach
er von dem Geheimen Hofrath Haase, durch den Geheimen Hofrath Haase
nochmals an denselben Geheimen Hofrath Haase appelliren mute. Der
franzsischen Revolution mu zu den vielen Snden, die sie bereits auf
dem Gewissen hat, auch der Tod dieses Frsten zugeschrieben werden. Als
er von ihrem Ausbruche hrte, wurde er unruhig und erlie lange, sehr
schwer verstndliche Schreiben an seine Unterthanen, in welchen er sie
im Namen der heiligen Dreieinigkeit ermahnte, treu und gehorsam zu
bleiben, im Falle des Ungehorsams ihnen aber mit den himmlischen Strafen
drohte. (Warum wohl nicht mit den irdischen?) Friedrich August starb
aus Kummer ber die Hinrichtung Ludwig's XVI. Auf die erste Nachricht
von diesem Ereigni hin weigerte er sich, ferner Speise und Trank zu
sich zu nehmen -- und einige Wochen spter war der Mrtyrer der
Legitimitt todt. Dieses frstliche Prachtexemplar hatte es in
sterreichischen Diensten bis zum Feldmarschall-Lieutenant gebracht,
hielt sich nach 1783 auch selbst eine Armee von 2000 Mann mit nicht
weniger als elf Obersten. Seine Werbepltze waren ber ganz Deutschland
zerstreut, einmal gab es deren nicht weniger als sechzehn. Gleichwohl
bezahlte sich das Geschft, denn er fand fast immer Verwendung fr seine
Truppen.

Schon bei Erffnung der englisch-amerikanischen Feindseligkeiten war
Friedrich August mit seinem Angebote in den Markt gekommen; indessen
nahm man anfangs nicht die mindeste Notiz von ihm, und ohne Yorke's
Empfehlung wrde er voraussichtlich wohl nie bercksichtigt worden sein.
Er hatte sich zunchst unmittelbar an Georg III. gewandt, aber keine
Antwort auf seinen Brief erhalten, weil der Knig seinen Inhalt nicht
entziffern konnte. Um direkt zu seinem Ziele zu gelangen, lie der Frst
im Mai 1776 durch den Erbprinzen von Hanau seine Vorschlge an Suffolk
machen. Wenn Sie je -- schreibt der Minister Malsburg am 27. Mai 1776
an Faucitt -- von der sonderbaren Denk- und Handlungsweise dieses
Frsten gehrt haben, so werden Sie ber die Unregelmigkeit dieses
Schrittes nicht erstaunt sein. Da Sie aber mglicher Weise ein Regiment
mehr brauchen knnen, so hat mein Herr mir befohlen, Ihnen den Brief des
Frsten vertraulich im Original mitzutheilen. Die Verwirrung, die in
seinem Stil und in seinen Ausdrcken herrscht, hat mir nicht erlaubt,
eine franzsische Uebersetzung davon zu machen. Zudem werden Sie wohl
Jemanden haben, der ihn lesen kann und, soweit dies berhaupt mglich
ist, seinen Sinn erklrt. Der Frst will also ein Regiment von 627 Mann
an England berlassen. Mein Herr mchte brigens in der ganzen Sache
nicht genannt sein. Der Brief an den Knig ist in einer so merkwrdigen
Art geschrieben, da es mir ein Problem scheint, ob er berhaupt dem
hohen Adressaten bergeben werden kann.

Faucitt legte in seinem Berichte an Suffolk den Original-Brief des
Frsten nicht einmal bei, um dem Knig die Unbequemlichkeit der
Beantwortung eines in so befremdender Weise gemachten Anerbietens zu
ersparen. Suffolk billigte sein Verfahren und lie den Zerbst'schen
Antrag auf sich beruhen.

Uebrigens war der Frst so leicht nicht abgeschreckt. Er suchte Ende
November 1776 durch den Herzog von Braunschweig seine Absicht zu
erreichen. Der Frst von Anhalt-Zerbst -- schreibt Feronce am 17.
November 1776 an Suffolk -- hat den Herzog instndigst ersucht, durch
Ihre Vermittlung dem Knig 800 Mann Infanterie fr Amerika anzubieten.
Das Regiment ist gut einexerzirt und ausgerstet; es kann sich, sobald
es gewnscht wird, mit zwei Geschtzen in Marsch setzen und, falls der
Knig noch mehr fremde Truppen anwerben sollte, mit unseren Rekruten
einschiffen. Die einzige Gunst, um die ich bitte, besteht darin, da der
Herzog in den Stand gesetzt wird, dem Frsten eine Antwort zukommen zu
lassen. Suffolk lehnte am 26. November das Gesuch aber auch wieder ab,
weil der Knig bei der gnstigen Wendung, welche die Dinge in Amerika
genommen htten, keine fremde Truppen dort mehr nthig zu haben glaube.

Friedrich August war jedoch nicht der Mann, den ein zweimaliger
abschlglicher Bescheid entmuthigt htte. Er empfahl sich also dem
englischen Gesandten im Haag, Sir Joseph Yorke noch einmal zur
geflligen Bercksichtigung. Yorke hatte offenbar Mitleid mit dem
Zerbster und wollte seine Standhaftigkeit belohnen. Er verfehlte also
nicht, ihm die durch Suffolk's letztes Schreiben in Aussicht gestellte
gnstige Wendung der Dinge mitzutheilen. Als Antwort auf diese freudigen
Erffnungen empfing er eine wahre Sndflut von frstlichen Briefen,
Plnen und Vorschlgen, die sich sogar bis auf die Vermehrung der
englischen Marine erstreckten. Bei dem dunkeln und verworrnen Stil
dieses frstlichen Don Quixote ist es leider nur ausnahmsweise mglich,
seine Gedanken ganz zu errathen, ein Proze, der durch ein barbarisches
Franzsisch bedeutend erschwert wird, da es die abgerissenen Sentenzen
noch verrckter erscheinen lt. Doch der Leser mge selbst nach den im
Anhang mitgetheilten Proben urtheilen.

Der Frst schien also endlich am Ziele seiner Wnsche zu sein, und seine
khnsten Hoffnungen und Gedanken schwelgten jetzt schon in einem
Kreuzzug fr die von den amerikanischen Rebellen bedrohte Legitimitt.
Vier Brder in Dessau -- schreibt er an Yorke in dem im Anhange
vollstndig mitgetheilten Briefe vom 29. April 1777 -- besaen
gemeinschaftlich mehr als sechshundert Hetzhunde, die bei den Dessauer
Brgern einquartirt waren. Schne Garnison! und beim ersten
Peitschenknall oder Hrnerschall eilten diese Hunde zusammen wie die
Soldaten beim Klang der Trompete. Teufel! wenn man die Amerikaner wie
diese Hunde laufen machen knnte! Das wre herrlich! Aber dazu braucht
man Truppen.

Inzwischen hatte Faucitt am 29. April 1777 auch von Suffolk Auftrag
erhalten, sich von der Beschaffenheit der Zerbster Bataillone zu
unterrichten, um beurtheilen zu knnen, ob sie des Knigs weitere
Aufmerksamkeit verdienten. Er sollte nicht weniger als 500 und nicht
mehr als 800 Mann nehmen und seinen Verhandlungen mit Zerbst den
anspacher Vertrag zu Grunde legen. Kaum war aber Aussicht fr die
Vermiethung der Landmacht vorhanden, so fate der Frst auch schon den
Plan, die Vortheile seiner an der Nordsee gelegenen Grafschaft Jever zu
verwerthen. Wenn England -- schrieb er am 23. Juni 1777 an Yorke -- an
der deutschen Kste gegen die Rebellenkaper zwei Fregatten von je zwlf
und zwanzig Kanonen und zwei kleinere Fahrzeuge von je acht und zehn
leichten Geschtzen wnscht, so kann ich ihm dieselben berlassen. Meine
Schiffe sind Schnellsegler und aus folgenden Grnden fr Sie
unentbehrlich: 1) stellen sie die Verbindung zwischen mir und meinen
Truppen her; 2) vermitteln sie die von Deutschland abzusendenden
Verstrkungen; 3) erlangen sie dadurch so viel Schiffe und Matrosen
mehr, was bei der Frechheit der Rebellen, die leur canaille de pirates
berall hinschicken und sogar im Stande sind, die deutschen Ksten
heimzusuchen, gar nicht gering anzuschlagen ist.

Komischer Weise nahm Yorke diesen letzten Vorschlag im Ernste auf und
meint am 15. Juli 1777 in seiner Bevorwortung desselben bei Suffolk, da
er deshalb Beachtung verdiene, weil England durch ihn eine groe Zahl
von Seeleuten erlangen knne, die sonst vielleicht gegen dasselbe vom
Feinde verwandt werde. Als wenn der Frst auer vielleicht ein paar
Fischerbooten ein einziges seetchtiges Fahrzeug gehabt htte! Der Mann
lebte in Basel und wollte von hier aus eine Flotille ausrsten!

Suffolk hatte nur unter der Voraussetzung mit dem Frsten angeknpft,
da sein Regiment bis zum April marschfertig in Jever sein und bis zur
Erffnung des Herbstfeldzuges in Amerika eintreffen knne. Als aber der
Geheime Rath Haase, welcher zerbstischer Seits mit Faucitt den
eventuellen Vertrag in Braunschweig abzuschlieen bestimmt war, dort zur
verabredeten Zeit nicht erschien, und als Faucitt auerdem noch Anfang
Juni 1777 nach Hause meldete, da das Zerbster Regiment, statt wie
versprochen schon in Jever, noch in Zerbst sei, nahm Suffolk unmuthig
seinen Befehl fr Annahme der zerbstischen Truppen zurck. Die
Jahreszeit, erklrte er, sei zu weit vorgerckt, als da sie noch im
Laufe des Sommers in den englischen Dienst genommen werden knnten. Der
Frst hatte in der Person der Herren von Oppeln und von Wietersheim zwei
Gesandte nach London geschickt, um durch sie den Vertrag zwischen den
Kronen Zerbst und Grobritannien abschlieen zu lassen. Suffolk
bedeutete sie kurzer Hand, London sei nicht der Platz fr ein derartiges
Geschft und empfahl ihnen sofortige Abreise.

Trotz Ihrer Versprechungen -- schreibt der Frst am 25. Juni 1777
wehklagend an Yorke -- hat man in London meine Truppen abgelehnt; man
will bis zum nchsten Jahre warten. Das ist unmglich, ich werde mich
dann nicht wieder hnlicher Behandlung aussetzen. Andere Mchte werden
diese schnen Truppen (ohne Eitelkeit!) mit offenen Armen aufnehmen. Ich
hoffe, Sie werden aber noch Alles arrangiren.

Yorke suchte denn auch die Sache bei Suffolk wieder in den Gang zu
bringen. Ich sende Ihnen -- schrieb er ihm am 15. Juli 1777 -- durch
den hannver'schen Kourier verschiedene Briefe, welche ich von meinem
merkwrdigen Korrespondenten, dem Frsten von Zerbst erhalten habe. In
seinem letzten ist er ber den eingetretenen Zeitverlust aufgebracht.
Ich lege meine eigene Korrespondenz nicht bei, da sie nur ermdend fr
Sie sein wrde; ich habe mich brigens genau an meine Befehle gehalten.
Ich habe dem Frsten heute geschrieben und mich bemht, ihn guten Muths
zu erhalten und zu besnftigen. Bei allen seinen Verrcktheiten ist er
doch ein guter Kerl, der besser handelt als er schreibt. Ich wnsche,
seine Truppen mchten in diesen schwierigen Zeiten doch noch genommen
werden.

Die Ereignisse auf dem Kriegsschauplatz lieen es denn auch Suffolk noch
im Laufe des Sommers wnschenswerth erscheinen, die englische Armee in
Amerika, sei es auch nur durch ein oder zwei zerbstische Bataillone zu
verstrken, ja er mute froh sein, da sich ihm wenigstens eine Aussicht
auf ein sofort bereites Hlfs-Korps bot. So beauftragte er denn im
Herbste 1777 Faucitt, fr zwei Regimenter mit dem Zerbster Ministerium
abzuschlieen. Dieses unterwarf sich ohne jeden Widerspruch den vom
englischen Kommissar gestellten Bedingungen und begngte sich sogar mit
der bloen Punktation eines Vertrages, die gegen Ende Oktober 1777 zu
Stande kam, die es aber England freistellte, seine endgltige
Genehmigung so lange zu verschieben, bis die zerbstischen Truppen von
Faucitt im Einschiffungshafen in den englischen Dienst gemustert sein
wrden. Jedes der beiden zu liefernden Regimenter sollte aus 614 Mann,
einschlielich der Offiziere, bestehen; jedes derselben aber nur zwei
Stabsoffiziere, Oberst und Major, haben und im Frhjahr marschfertig
sein.

England bernahm also nicht die mindeste Gefahr oder Verantwortlichkeit;
diese fiel vielmehr ausschlielich der Zerbster Regierung anheim, die,
wie wir im nchsten Kapitel sehen werden, in der Folge hart genug daran
zu tragen hatte.

Whrend die brigen, mit England arbeitenden Frsten wenigstens
Offiziere und Kadres fr ihre Regimenter hatten, stand das Regiment des
Frsten von Anhalt-Zerbst, als er mit Lord Suffolk in Unterhandlungen
trat, vorlufig nur auf dem Papiere. Nicht einmal fr die
Offizierstellen konnte er unter den paar armen adeligen Teufeln seines
Lndchens gehrig qualifizirte Subjekte finden, und aus der
Nachbarschaft boten sich erst recht keine an, weil es allgemein bekannt
war, da Serenissimus kein Geld hatte. Er wute aber, da fr gutes
englisches Geld Werber und Offiziere in Hlle und Flle zu haben waren
und leitete deshalb als vorsichtiger Geschftsmann die erforderlichen
Maregeln erst ein, als sie auf englische Rechnung gingen. Kaum war also
die Punktation mit Faucitt geschlossen, so betrieb auch die Zerbster
Regierung das Werbegeschft mit groem Eifer. Es tritt uns hier beraus
naiv in seiner unverhlltesten Gestalt entgegen, als das, was es seiner
innersten Natur nach ist, als die gemeinste frstliche Spekulation auf
das Fleisch ihrer Unterthanen und der Unglcklichen, die sich durch gute
Worte oder Gewalt einfangen lieen.

In der Stadt Zerbst wurde sofort ein Werbebureau errichtet, und mit
allen in diesem Geschfte blichen Listen die nthige Mannschaft
angelockt. Im Anfang ging Alles ber Erwarten gut, Meister, Gesellen und
Lehrlinge, Bewohner der Stadt und Umgegend, welche sonst kein Auskommen
hatten, nahmen Dienste. Schon im November waren mehr Soldaten als das
von England geforderte Minimum beisammen. Da die Zerbster Brger sich
weigerten, das zum groen Theil verlorene Gesindel in's Haus zu nehmen,
so mute es im frstlichen Schlosse untergebracht werden. Ueberhaupt
scheint der Respekt der Zerbster vor Serenissimo nicht zu gro gewesen
zu sein, denn sie redeten den Soldaten zu, da sie doch nicht marschiren
mchten, da sie schnde verkauft wren und elendiglich umkommen wrden,
und was dergleichen grobe Lgen und strafbares Beginnen mehr, wie der
Stadt-Kommandant General v. Rauchhaupt in einem Garnisonsbefehl
erklrte. Da die Grnze nicht weit war, so wurde es den Brgern auch
nicht schwer, den Desertionslustigen zur Freiheit, d.h. zum Thore hinaus
zu verhelfen. Um den Mangel an Offizieren zu beseitigen, machte die
Regierung in den Zeitungen bekannt: Wer Dienste als Offizier zu nehmen
wnsche, vorzglich aber sich getraue, Chef eines Regiments Infanterie
zu werden, der knne sich sogleich bei der Hochfrstlichen Regierung in
Zerbst melden und werde von derselben nhere Auskunft erhalten. Diese
Aufforderung hatte sehr bald den gewnschten Erfolg. Schon im Oktober
und November waren so viele Meldungen eingegangen und angenommen, da
alle Stellen besetzt werden konnten. Als Regiments- und
Bataillons-Kommandeure hatten sich zwei Brder v. Rauschenplatt aus dem
Braunschweigischen angeboten. Beide wurden in Dienst genommen. Der
ltere Johann ward Oberst und Regimentschef; sein Bruder Georg Heinrich
dagegen Major und Bataillonskommandeur, im Sommer 1782 aber sein
Nachfolger im Kommando des Regiments, weil der ltere Bruder wegen
Krnklichkeit nach Europa zurckkehrte. Stabsadjutant war Oberlieutenant
Mhring und Regimentsquartiermeister ein geborener Anhaltiner, J.A.
Pannier, der im April 1772 in Jena einen nassauischen Studenten im Duell
erstochen hatte. Drei Feldprediger, ein lutherischer, ein reformirter
und ein katholischer, hatten fr das Seelenheil und die geistliche
Verpflegung der Soldaten zu sorgen, whrend 34 unter Anfhrung einer
Unteroffiziersfrau stehende Marketenderinnen ihnen den Bedarf an
leiblicher Speise zu liefern und zu ergnzen hatten.

Schon in den ersten Tagen des November 1777 konnte das Regiment dem
englischen Unterhndler auf dem Schloplatz von Zerbst zur Musterung
vorgefhrt werden.

Ich bin -- schreibt Faucitt am 15. November 1777 aus Braunschweig an
Suffolk -- soeben von Zerbst zurckgekehrt, wo ich das eine der beiden
uns angebotenen Regimenter sah. Es besteht aus lauter schnen und jungen
Leuten, die indessen ihre Waffen nicht so gut handhaben und nicht so
gut exerziren, als ich erwartet hatte. Ihr Oberst, Herr von
Rauschenplatt, versicherte mich aber, da sie erst vor drei bis vier
Tagen von ihrem Urlaub einberufen seien, nachdem sie den grten Theil
des Jahres abwesend gewesen, und da er sich anheischig mache, sie bis
zur Zeit ihres Abmarsches gut auszuexerziren. Es scheint mir, da der
Oberst das wohl fertig bringen wird; er ist ein gebildeter und thtiger
Offizier, der whrend des ganzen letzten Krieges in dem sterreichischen
Heere gedient hat. Es fehlt den Leuten berhaupt nicht an guten Willen.
Zu jedem Regiment gehren zwei Grenadier-Kompagnieen. Das eine Regiment
ist marschfertig, whrend das andere, welches in einiger Entfernung von
Zerbst liegt, es vor nchstem Februar nicht werden kann. Ich werde sie
die Elbe hinunter bis Stade verschiffen. Die Reise dauert acht bis zehn
Tage. Rauschenplatt sagte mir, er werde sofort nach Eintreffen der
Erlaubni der Uferstaaten marschiren und zur Noth gar nicht auf die
Antwort der Frsten warten.

Dieser Plan war an sich ganz gut und leicht ausfhrbar, wenn nur
Friedrich der Groe sein Veto nicht eingelegt htte.




Neuntes Kapitel.


Die in den vorhergehenden Kapiteln erzhlten Verkufe und Verschiffungen
deutscher Soldaten reichen bis zum Herbste 1777. Die Zustze zu den
bereits ausfhrlich besprochenen Vertrgen sind im Wesentlichen eine
Wiederholung der ursprnglichen Bestimmungen; sie beziehen sich nur auf
Lieferungen von Rekruten, Jgern und Artilleristen und erfordern darum
auch kein nheres Eingehen auf ihren Inhalt.

Unerllich dagegen ist wenigstens eine kurze Beschreibung des
Transports dieser Ersatztruppen, der bei seinen groen Gefahren und
Schwierigkeiten ganz besondere Umsicht und Sorgfalt verlangte. Vor Allem
galt es, die Desertion zu verhindern und die Chikanen, Eingriffe oder
lteren Ansprche der zu passirenden Staaten abzuwehren. Der englische
Kommissar Faucitt berechnete natrlich nur die im Hafen auf die Schiffe
gelieferten Soldaten; wer also unterwegs desertirte, lief zugleich mit
den oft nicht unbedeutenden baaren Auslagen des Lieferanten davon,
whrend eine sptere Desertion diesen nicht so sehr schdigte. Es wurden
deshalb nur erfahrene Offiziere von groer Geistesgegenwart,
persnlicher Gewandtheit und Entschiedenheit im Auftreten mit dem
Truppentransport betraut. Aus den zahlreichen, bei den Akten
befindlichen Berichten solcher Offiziere mge nur der des Obersten von
Wllwarth hier Platz finden, der Mitte Mai 1777 einige hundert hessische
Rekruten von Kassel nach der Weser-Mndung fhrte und ein Gesammtbild
der mit der glcklichen Ausfhrung eines derartigen Auftrages
verknpften Schwierigkeiten giebt.

Ich habe mich -- meldet Wllwarth am 30. Mai 1777 dem Landgrafen von
Hessen-Kassel -- am 14. Mai unweit der Pulvermhlen bei Kassel
eingeschifft, am 15. Abends bei Herstelle Anker geworfen und bin am 16.
gegen 11 Uhr Abends nach Hameln gekommen. Am 17. verursachte die
Passirung der dortigen Schleuse einigen Aufenthalt, so da bereits eine
Stunde auerhalb Hameln bei Lachem angehalten und Mittag gemacht werden
mute. Von da wurden nach der erhaltenen gndigsten Instruktion die
Rekruten, so preuische Deserteur oder Landeskinder waren, an Anzahl
fnfzig, unter Kommando des Lieutenants Hagen und dreier Unteroffiziers
mit geladenem Gewehr, auch Begleitung einer Patrouille von dem
Estorffischen Dragonerregiment, bis Rodenberg abgeschickt, und nahm
gedachter Lieutenant Hagen zur Vermeidung derer mehren preuischen Orten
und des Bckeburgischen die Detour ber Neustadt am Rbenberge, wo
derselbe das zweite Nachtlager nahm. Aller gebrauchten Vorsicht
ungeachtet ist ein Jger, Namens Britt, so ein Franzose von Geburt, von
da die Nacht desertirt, durch Hlfe der Patrouille aber in der Gegend
von Nienburg wiederertappt worden und als Arrestant mitgebracht. Am 18.
wurde Preu. Minden passirt. Vom Kommandanten geschah nicht die mindeste
Nachfrage, als wie stark der Transport sei. Am 19. ankerten wir bei
Stolzenau unterhalb Nienburg. Lieutenant Hagen traf daselbst erst den
Nachmittag um fnf Uhr ein. Bei diesem langen Aufenthalte entfernte
sich, ohngeachtet ich von dem Schiffe Posten ausgesetzt hatte, ein
Jgerrekrute, Namens Seidenfaden, welcher um so leichter, da er noch
keine Montirung hatte, unter der Menge Leute solches bewerkstelligen
konnte. Den Lieutenant Plier, von dessen Schiff der Rekrute war,
schickte ich, weil er diesen Unmontirten hatte vom Schiff gehen lassen,
auf vierundzwanzig Stunden auf das Staatsschiff in Arrest, an dessen
Stelle ich Lieutenant Braumann kommandirte. Nun ereignete sich der
Vorfall, da der Unteroffizier Sugling, welcher von dem Kommando des
Lieutenant Hagen erst zurckgekommen, sich etwas betrunken und einem
Juden, welcher im Vorbeigehen bei denen Schildwachen Taback geraucht,
nach eigener Willkr die Pfeife weggenommen. Da nun der Jude bei dem
Lieutenant Braumann sich dieserhalb beschwerte und die Herausgabe der
Pfeife forderte, ertheilte mehrgedachter Lieutenant Braumann dem
Unteroffizier die geschrfte Ordre, solche sogleich wieder
herauszugeben. Der Unteroffizier aber, welcher in dieser Verwirrung
nicht wute, da Lieutenant Plier arretirt sei, mithin das Schiff nicht
mehr kommandirte, versetzte, er wrde keines Andern Kommando Folge
leisten als besagten Lieutenants Plier. Es wurde der Unteroffizier zu
Gehorsam angewiesen. Da er aber durch Raisonniren einen Aufstand
erregte, so begab ich mich auf die Meldung des Lieutenants Braumann
dahin, um solchen zu stillen. Der Unteroffizier nebst noch zwei
Raisonneurs, so Anla dazu gegeben, wurden arretirt. Den erstern habe
ich mit starken Fuchteln bestrafen lassen und degradirt bis zur Ankunft
in Amerika, wie denn die beiden Andern ebenfalls zu harter Strafe
gezogen wurden. Am 21. Mai haben wir die Bremer Brcke passirt und allda
vom Kapitain v. Webern die achtzehn groen Ballen Bagage richtig
erhalten. Am Abend dieses Tages trafen wir in Vegesack ein; am 24. aber
wurden wir durch Faucitt gemustert, der nur zehn Mann ausrangirte, und
am 25. auf fnf Schiffen eingeschifft, welche am 31. Mai von Bremerlehe
absegelten.

Was nun insbesondere die Rekrutenlieferungen betrifft, so beweisen sie,
da das Geschft nicht blos in Kassel, sondern auch bei den brigen
betheiligten Frsten eigentlich nur kurze Zeit in Blthe stand, und da
bereits im Laufe des Jahres 1777 der Markt weniger ergiebig wurde. Nur
Anspach machte eine Ausnahme von der Regel, weil es durch den
siebenjhrigen Krieg nicht so viel als die norddeutschen Staaten
gelitten hatte. Seine Rekruten zeichneten sich bis an das Ende vor allen
anderen aus, im Februar 1779 fand Faucitt sie so schn und so gut von
Ansehen, da er froh sein wrde, wenn die anderen Rekruten ebenso
ausshen, und noch im Mai 1782 wurden die groen schnen munteren und
wohlgezogenen Anspacher bei ihrer Einschiffung ebenso bewundert, wie die
ersten Bataillone des Jahres 1777. Dagegen ward es schon zu Anfang des
Jahres 1777 den norddeutschen Lieferanten schwer, ihre Verbindlichkeiten
zur festgesetzten Zeit zu erfllen. Schon jetzt mssen sie an allen
Ecken und Enden ihre Waare zusammenstehlen und das so gestohlene
zweibeinige Gut mit groen Kosten und auerordentlicher Vorsicht
bewachen lassen. Die Schilderungen, die wir in den Berichten Faucitt's
und Rainsford's ber ihre Rekruten-Inspektionen finden, wrden komisch
und erheiternd sein, wenn die Ruchlosigkeit, mit der die armen Teufel
auf die Schlachtbank geliefert werden, fr unser Volk nicht gar zu
beschmend wre.

Am 21.d.M. -- meldete Faucitt am 24. Mrz 1777 aus Bremerlehe an
Suffolk -- habe ich die 250 braunschweiger Rekruten in Stade besichtigt
und eingeschifft. Der Herzog hatte es fr nthig erachtet, sie durch
eine starke Infanterie-Abtheilung von einem Hauptmann, zwei Lieutenants,
vierzehn Unteroffizieren und vier und achtzig Gemeinen nach dem Hafen
transportiren zu lassen. Ich habe 36 von den Rekruten wegen
Krperschwche, Alter und Einugigkeit und sonstiger Gebrechen
verworfen; es sind also nur 214 Mann brig geblieben. Ich erinnere mich
nicht, je in meinem Leben einen solchen Haufen schlecht aussehender
Kerle zusammen gesehen zu haben. Kaum diejenigen, welche ich passirte,
waren diensttchtig. Die Grben und die Stadt sind gefroren, es ist also
groe Gefahr der Desertion vorhanden. Noch grer wird diese Gefahr in
Bremerlehe sein, wo die hessischen und waldeck'schen Rekruten jeden
Augenblick ankommen mssen, und wo ich nicht das geringste Zwangsmittel
gegen sie habe.

Nicht viel gnstiger als Faucitt ber die braunschweigischen, spricht
sich Rainsford ber die vom Rheinfels gekommenen hessischen Rekruten
aus. Sie sind -- schreibt er am 28. Mrz 1777 aus Gravendael bei
Dortrecht an Suffolk -- uerst ungleich, Viele sehr alt, Viele bloe
Jungen und Andere wieder durchaus unbrauchbar. Es finden sich fnf bis
sechs Einugige darunter. Wir drfen aber nicht zu whlerisch sein, weil
es zu schwer ist, Leute zu bekommen. Ich wies deshalb Keinen zurck,
bezeichnete aber die Anstigsten auf der beifolgenden Liste. Die Jger
dagegen sind gut und uerst brauchbar fr den Dienst. Die Zahl der
Rekruten belief sich auf etwa 400; der Bayreuther Minister v.
Seckendorff fand darunter viele unausgewachsene Kinder, die kaum fnf
Fu maen; zu ihrer Bewachung und Begleitung wurden ein Offizier, sechs
Unteroffiziere und fnfzig Gemeine mitgeschickt.

Die waldecker Rekruten dagegen waren viel besser; ihre Mehrzahl bestand
aus krftigen und starken Leuten, wenn auch manche klein und zu jung
darunter waren. Da der Frst von Waldeck keine Festung hatte, worin er
sie bis zu ihrem Ausmarsche sichern konnte, und da er, laut Bericht
seines Ministers Zerbst an den englischen Kommissr, schon viele durch
Desertion verloren hatte, so verschaffte ihm dieser die Erlaubni vom
hannver'schen General Hardenberg, sie bis zur Einschiffung in dem
damals befestigten Hameln unterzubringen, eine Gunst, die, wie Faucitt
schreibt, den Frsten ganz erleichterte und glcklich machte, und jeden
Falls zur bessern Ausbildung der Leute viel beitrug.

Der waldecker Lieferant erwarb sich berhaupt durch seinen groen
Diensteifer die besondere Gnade des Knigs von England und die
wohlwollende Gunst Suffolk's. Die Rekrutirung geht besser als ich mir
geschmeichelt hatte -- schreibt er am 7. Dezember 1777 an Faucitt -- ein
Transport von 23 gut gewachsenen Leuten, lauter Schwaben, deren keiner
lter als dreiig Jahre ist, befindet sich seit zwei Monaten auf dem
Wege. Hier in Arolsen haben wir deren 20; wir erwarten auch noch einige
aus der Wetterau (Also Dutzendweise wurden die armen Teufel in den
verschiedenen deutschen Landschaften zusammen getrieben!) Sie sehen, wir
sind nicht mig; rechnen Sie immer auf mich, wenn es sich um den Dienst
des Knigs Georg III. und seiner gerechten Sache handelt.

Ich lese so eben in der Leidener Zeitung, da unter den Truppen, die
General Lord Howe ausgeschickt, um die Rebellen auf der Rechten zu
umgehen, sich die Waldecker an's Plndern gegeben und geweigert htten,
einen Schritt vorzurcken, ehe sie mit dem Plndern fertig wren. Um
Gotteswillen, ist das wahr? Bei meiner Kenntni des Charakters des
Obristlieutenants von Hanxleden und der Hlfte seiner Offiziere kann ich
das kaum glauben. Sie wissen, besser wie ich, da einsichtige und
entschlossene Offiziere es verstehen, eine ungehorsame Truppe zu ihrer
Pflicht zurckzufhren. In einem solchen Falle zerschmettert man einem
Dutzend der Hauptmeuterer das Gehirn oder sticht sie nieder. Hanxleden
ist mir stets als der Mann erschienen, der bei hnlicher Gelegenheit
energisch handeln wrde. O, knnten Sie mich doch ber die Haltung
meines Regiments beruhigen; ich mchte lieber, da es 300 Mann verlre,
als da es sich schlecht auffhrte!

Faucitt beruhigte denn auch umgehend den Frsten, da die obige
Nachricht eine der vielen in Holland fabrizirten Erdichtungen sei. Die
Waldecker Truppen hielten sich vielmehr in Amerika zur vollen
Zufriedenheit ihrer englischen Vorgesetzten, welche nur das an ihnen
auszusetzen fanden, da sie nicht reinlich genug waren und aus Mangel an
Sorgfalt zu viel Kranke hatten. Die Desertion bei ihnen war
verhltnimig gering.

Knnte ich doch bald erfahren -- schrieb der Frst sofort nach dem
Bekanntwerden der Gefangennahme Burgoyne's, an Suffolk -- da Howe und
Clinton das Unglck von Saratoga ausgeglichen haben! Wenn ich nur ein
Korps von 6000 Mann zu meiner Verfgung htte! Ich wrde es Ihnen
berlassen, ohne einen Heller dafr zu nehmen. Diese leeren Redensarten
gefielen in London gar sehr.

Kaum zwei Jahre nach Absendung deutscher Truppen nach Amerika brach der
bayrische Erbfolgekrieg aus, der natrlich eine groe Konkurrenz im
Markte erffnete und dem besser zahlenden und listiger oder gewaltsamer
auftretenden Werber den Vorsprung lie. Die kleinen Frsten wollten zu
wenig von ihrem Gewinn abgeben; ihre Werbeoffiziere suchten deshalb
durch Rohheit und Gewaltthtigkeit zu ersetzen, was ihnen an Geld
fehlte. Die groen deutschen Mchte dagegen, die sich nunmehr
gegenbertraten, statteten ihre Werber mit greren Mitteln aus und
zogen deshalb mehr Rekruten an. Zum Glck fr die deutschen
Truppen-Lieferanten dauerte der bayrische Erbfolgekrieg nicht lange; vom
Sommer 1779 an konnten sie das ihnen nur fr kurze Zeit erschwerte
Geschft wieder ausschlielich betreiben. Im Mai 1779 wandte sich ein
Hauptmann v. Langsdorff, Kommandant des Reichs-Volontr-Korps, das sich
aufzulsen im Begriffe stand, von Prag aus an den Minister v. Gemmingen
in Anspach. Es ist nicht schwer, sagte er, einen Theil der Leute, der
mir zu folgen gesonnen ist, zu engagiren und nach Anspach zu bringen,
ich wnsche zu wissen, wie viel Serenissimus mir vor jeden Mann, den ich
nach Anspach schaffen werde, zahlt, damit ich Handgeld und die brigen
Depensen darauf reguliren kann. Die Leute sind meistens jung und schn
und vom besten Willen. Wie viel Unteroffiziere knnte ich engagiren, und
was wird fr sie bezahlt? Man sieht, der Mann verstand sein Geschft.
Gemmingen meldete dieses Angebot sofort nach London, erhielt aber eine
abschlgige Antwort, da es in diesem Jahre (1779) zu spt sei, Truppen
nach Amerika zu senden. So zerschlug sich diese Sache. Anspach that
nichts mehr darin, da es wegen der nthigen Rekruten und Jger nie in
Verlegenheit war.

Am schlimmsten dagegen war der Erbprinz von Hessen-Kassel daran, der so
ziemlich auf demselben Jagdgrund mit seinem Vater auf Rekruten pirschen
mute. Er war deshalb genthigt, sich anderwrts, ja im ganzen Reiche
nach Werbepltzen umzuthun. Die hessischen Werber waren aber berall so
gefrchtet, verhat und verachtet, da der Erbprinz es sich als einen
freundnachbarlichen Gefallen vom Anspacher Markgrafen erbat, da seine
Werber in anspachischen Uniformen ihrem Geschfte nachgehen durften.
Ihro Durchlaucht der Erbprinz -- schreibt der hanauische Minister
v. Gall am 15. Februar 1781 an Gemmingen -- schmeicheln sich von der
Hand des durchlauchtigsten Herrn Markgrafen und von der Freundschaft
und Geflligkeit der Herren, welche zu dem guten Erfolg in dieser
Werbungssache einen Beitrag leisten knnen, da solche, da sie
vermuthlich nur einige Wochen dauern kann, auch in dieser kurzen Zeit
uns zum Theil aus der Verlegenheit ziehen wird, die die Einrichtung
eines solchen Korps natrlich mit sich fhrt, wenn wenig Zeit und
an allen Orten und Enden Hollndische Werbung ist, die ihre Dukaten
und den Umstand sehr geltend macht, da die Leute den Rheinstrom
nicht verlassen. Vielleicht finden sich unter deren Arrestanten
verschiedener Art solche Leute, denen eine Wohlthat und dem Lande ein
Vortheil geschhe, wenn sie nach Amerika geschickt wrden. Vielleicht
sind auch unter deren geworbenen Auslndern einige, die klein und
also entbehrlich sind; hoffentlich aber werden es Ew. Exzellenz
geflligst in die Wege leiten, da, Dero eigene Werbung unbeschadet,
die Kommandirten an die unsrigen behlflich und befrderlichst sein
drften. Ew. Exzellenz wollen geflligst gestatten, da allen Falls
Herr Hauptmann v. Geismar (der hessische Werbeoffizier) seine Rekruten
mit dem hochfrstlich Brandenburgischen Transport den Mayn herunter
schicken drffe.

Der Markgraf kam den Wnschen des Erbprinzen um so lieber nach, als
dieser sich ihm bei frheren Gelegenheiten besonders gefllig erwiesen
hatte, und verehrte ihm als besonderes pretium affectionis einen
wahrscheinlich ebenfalls gestohlenen zwei und zwanzigjhrigen, 10
Zoll groen Rekruten. Serenissimus behielt natrlich den prchtigen
Kerl fr sich und dankte seinem Geschftsfreunde in den
berschwenglichsten Ausdrcken fr diesen kostbaren Beweis seiner
Zuneigung. Solche Geschenke von Menschenfleisch waren brigens nichts
Seltenes unter den regierenden Herren jener Zeit, ja diese machten sie
sogar den im Range unter ihnen Stehenden. Schenkte doch sogar der
aufgeklrte Kaiser Joseph II. dem berhmten preuischen Reitergeneral
v. Seidlitz, um ihn besonders auszuzeichnen, eine schne zirkassische
Sklavinn, die dem alten Haudegen so sehr gefiel, da er sich einige Zeit
darauf noch eine zweite auf eigene Rechnung nachkommen lie.

Am Emprendsten von allen deutschen Frsten handelte brigens der Herzog
von Braunschweig. Dieser Mensch hatte die Stirn, die englische Regierung
flehentlich zu bitten, seine in Gefangenschaft gerathenen Truppen, wenn
sie berhaupt ausgewechselt werden sollten, ja nicht in die Heimath
zurckkehren zu lassen, damit ihm, dem besorgten Landesvater, das
Rekrutirungsgeschft nicht verdorben werde. Es befanden sich bekanntlich
etwa 2000 braunschweigische, unter dem braven Riedesel stehende Soldaten
bei Burgoyne, als sich dieser leichtfertige und unbedeutende General am
17. Oktober 1777 bei Saratoga dem amerikanischen General Gates ergeben
mute. In dem zwischen diesem und Burgoyne abgeschlossenen Vertrage der
Uebergabe war bestimmt worden, da die Truppen baldmglichst in Boston
nach England eingeschifft oder ausgewechselt werden sollten. Gates'
Zusicherung wurde jedoch spter vom Kongre nicht genehmigt. In Folge
dessen blieben die deutschen Gefangenen unter unsglichen Entbehrungen
und Krnkungen zuerst im Winter auf dem Winterhill bei Boston und wurden
spter nach Charlotte in Virginien internirt, aber erst Ende 1782 nach
mehr als fnfjhriger Gefangenschaft ausgewechselt.

Man hat vielfach den Grund fr diese schlechtere Behandlung der
Braunschweiger in der englischen Engherzigkeit und Parteilichkeit
gesucht. Man thut aber den Englndern Unrecht, denn der eigene
Landesherr war es, welcher seine Unterthanen benachtheiligte. Als das
erste Gercht von der Gefangennahme bei Saratoga und der baldigen
Zurckkunft der englischen Truppen, also auch der Braunschweiger nach
Deutschland drang, schrieb nmlich der Minister Feronce am 23. Dezember
1777 an Faucitt:

Wenn man uns hilft, wie man kann und soll, so werden wir unsere Truppen
bald wieder auf den erforderlichen Etat bringen. Soll es geschehen, und
darin werden Sie, General, mit mir bereinstimmen, so drfen wir unter
keiner Bedingung die armen Teufel von Kapitulanten nach Deutschland
zurckkehren lassen. Sie werden natrlich mivergngt sein, und ihre
Uebertreibungen werden ebenso natrlich von jeder fernern Betheiligung
an Ihrem amerikanischen Kriege abschrecken. Sie lassen sie besser, wenn
sie denn einmal ausgewechselt werden sollen, nach einer Ihrer
amerikanischen Inseln oder selbst z.B. nach der Insel Wight schaffen.
Denn dadurch haben Sie weniger Kosten und verlieren weniger Zeit. Ich
bitte Sie also, bester General, ber das, was ich Ihnen hier sage,
nachzudenken und, wenn Sie sich ebenso dafr interessiren, wie wir,
meine Ansicht auch Mylord Suffolk zu unterbreiten, der zu viel Einsicht
hat, als da er eine derartige Maregel in dieser uns ganz
gemeinschaftlichen Sache nicht dem Interesse und Dienste des Knigs fr
entsprechend hielte.

Als wenn aber Faucitt nicht zuverlssig genug gewesen wre, schrieb
Feronce zwei Monate spter, am 23. Februar 1778 noch direkt an Suffolk.
Der Herzog -- sagte er in seinem Briefe -- ist zu sehr von dem
Wohlwollen des Knigs und der Klugheit seines Ministeriums berzeugt,
als da er voraussetzte, da man je daran denken wird, die deutschen
Truppen, die bei Saratoga kapitulirt haben, nach Deutschland zu
schicken, denn ihre Rcksendung wrde in ihrem gegenwrtigen zerrtteten
Zustande die traurigsten Wirkungen hervorrufen und die schmerzlichste
Sensation erregen, uns aber verhindern, unsere drei Regimenter in Kanada
 600 Mann zu kompletiren.

Natrlich wuten die armen in Amerika gefangen gehaltenen Braunschweiger
nichts von dieser freundlichen Frsorge ihres Serenissimus, denn sonst
wrden sie sich wohl nicht so oft ber Zurcksetzung hinter die
Englnder beschwert oder ihrem Frsten selbst unter den hrtesten
Entbehrungen die unverbrchlichste Treue bewahrt haben. Es ist ein
rhrendes Bild, wie die mitgefangene deutsche Generalsfrau die Fahnen,
um sie zu retten und unverletzt nach Hause zu bringen, bei Nacht in ihre
Betten einnht, und wie ein, wenn auch miverstandenes Ehr- und
Pflichtgefhl die Unglcklichen selbst in der Gefangenschaft
zusammenhlt; aber es ist eine jeder Charakteristik spottende, selbst in
jener Zeit einzig dastehende Infamie, wie der herzlose braunschweiger
Herzog dieselben Soldaten, welche ihre Haut fr ihn zu Markte trugen und
ihn dadurch vom Bankerott retteten, jetzt im unverdienten Unglck nicht
wieder sehen will, weil sie ihm das Geschft verderben knnten. Also
nicht genug, da die eigenen Landeskinder verkauft sind; jetzt nachdem
es geschehen, drfen sie sich nicht mehr blicken lassen, damit ihrer
noch mehr verkauft werden knnen. Und der braunschweiger Herzog war noch
lange nicht der schlimmste unter seinen frstlichen Zeitgenossen, er
galt im Gegentheil als aufgeklrt, liberal und leutselig.

Wie stolz und Ehrfurcht gebietend steht diesen kleinen Frsten der groe
Knig von Preuen gegenber! Friedrich ist fast der einzige deutsche
Regent jener Zeit, der, weil er seine persnliche Verantwortlichkeit vor
der Welt fhlt, auch persnliche Wrde hat; der einzige Herrscher, der
mit klarem Auge groe politische Ziele verfolgt, und der sich mit
wahrhaft erhabener Vorurtheilslosigkeit nicht scheut, die Dinge beim
rechten Namen zu nennen. Man kannte auer beim Knig kaum eine
selbstndige Politik mehr in Deutschland, die meisten kleinen Staaten
fristeten ihre klgliche Existenz nur durch geschmeidiges Anklammern an
fremde Interessen. Deshalb ist der souveraine Hohn und die kalte
Verachtung, welche er England und seine Lieferanten berall fhlen lt,
doppelt wohlthuend.

Friedrich's Verhltni zum Soldatenhandel ist vielfach entstellt und
bertrieben worden; fhren wir es deshalb auf den richtigen Thatbestand
zurck!

Der Knig sowohl wie der deutsche Kaiser hatten ein naheliegendes
politisches Interesse an den Truppenlieferungen. Einmal verstieen
dieselben gegen die Reichsgesetze, deren Hter der Kaiser sein sollte,
dann aber raubten sie ihm, sowie dem Knig von Preuen bei dem damaligen
Werbesystem einen groen Theil der Mittel zur Fllung ihrer eigenen
Regimenter, wenn der amerikanische Krieg noch unbestimmte Zeit
fortdauerte.

So lange die ersten Verhandlungen schwebten, erwartete man hchstens
einige tausend Mann als ihr Ergebni, denn Niemand hatte geglaubt, da
die kleineren Frsten kaum dreizehn Jahre nach dem siebenjhrigen Kriege
im Stande sein wrden, innerhalb weniger Monate nahe an 20,000 Mann zu
liefern. Gleichwohl wurden der Verschiffung der Hauptkorps nicht die
mindesten Hindernisse in den Weg gelegt. Erst mit den Sendungen des
Jahres 1777 begann, wie wir im siebenten Kapitel gesehen haben, auf
Anstiften des kaiserlichen Gesandten, sich unter den rheinischen Frsten
eine, vorlufig noch in kleinen Chikanen auftretende Feindseligkeit
gegen die Truppenlieferanten zu entwickeln, die gleichwohl diesen und
England die ernstlichsten Besorgnisse einflte, weil sie fr die Folge
das Geschft bedeutend verzgern und dadurch beeintrchtigen konnte.
Schlimmsten Falls war aber mit den geistlichen und pflzer Kurfrsten
durch diplomatische Vorstellungen und Drohungen, Geschenke,
Baarzahlungen und sonstige Aufmerksamkeiten an ihren Hfen schon fertig
zu werden. Auch des Kaisers Befehle waren unter Umstnden zu umgehen und
fielen mehr durch ihr moralisches Gewicht als durch ihre praktische
Tragweite in die Wagschale.

Bereits im Oktober 1777 hatte der Wiener Hof allen seinen Gesandten bei
den verschiedenen deutschen Frsten Auftrag gegeben, die
Truppenlieferungen an England soviel als mglich zu verhindern, da sie
das Reich entvlkerten und sonstige schlechte Folgen nach sich zgen.
Die Wahrheit ist -- schreibt Cressener am 17. November 1777 aus Bonn an
Suffolk -- da die sterreichischen Werbe-Offiziere groe
Schwierigkeiten beim Rekrutiren fanden, da die Rekruten den Dienst in
Amerika vorzogen, und da selbst die kaiserlichen Regimenter in Folge
dessen mehr als gewhnlich durch Deserteure verloren. Aehnliche
Beschwerden brachten die preuischen Werbeoffiziere vor. Namentlich
klagten sie darber, da seit dem amerikanischen Kriege ihre Rekruten
nur selten noch das erforderliche Ma htten, also blo Ausschu wren.

Ein zu derselben Zeit den Direktoren des westflischen Kreises vom
Kaiser gemachter Vorschlag, innerhalb ihres, ganz Westfalen und
Niedersachsen umfassenden Gebietes, die Truppenaushebungen fr England
zu verhindern, scheiterte gleichwohl mit am Widerspruch des preuischen
Residenten Emminghaus, da der Knig sich dem Kaiser nicht unterordnen
wollte und er selbst mglichen Falls unter den Konsequenzen des Verbots
zu leiden gehabt haben wrde. Uebrigens kmmerte sich England in der
Folge gar nicht um den Widerspruch von Kaiser und Reich, und diese
lieen es auch ruhig gewhren.

Anders dagegen bei Friedrich, der seiner Politik bei Freund und Feind
Respekt zu verschaffen wute. Sein Verhltni zu England war seit dem
Jahre 1761, wo er so schmhlich durch Bute im Stich gelassen wurde, sehr
lau gewesen und seit der ersten Theilung Polens, wo es seinen Ansprchen
auf Danzig mit entschiedenem Erfolge entgegengetreten war, sogar ein
erbittertes geworden. Aeuerlich hflich, verachtete Friedrich die
damals England beherrschende Aristokratie und sprach sich bei jeder
Gelegenheit mit der uersten Geringschtzung gegen sie aus, diese
Menschen, bei denen die Liebe zum Gelde und der persnliche Vortheil
den Sieg ber das ffentliche Wohl davon trage. Dieser Englnder --
hatte er frher einmal von Bute gesagt -- glaubt, er knne mit Geld
Alles erreichen. Jetzt war die Gelegenheit gekommen, England
empfindlich zu krnken, ohne ihm gerade feindlich gegenberzutreten --
und Friedrich lie sich diese Gelegenheit nicht entgehen. Andererseits
frchtete er aber wirklich, da die bedeutenden Truppenlieferungen nach
Amerika ihn in seinem eigenen Bedarf verkrzen wrden, und das zu einer
Zeit, wo der tglich drohende Tod des Kurfrsten Maximilian Joseph den
bei den sterreichischen Ansprchen unvermeidlich gewordenen Krieg wegen
der bairischen Erbschaft zum Ausbruch bringen konnte.

Der Knig von England -- sagt Friedrich in seinem Anhang zu den
Memoiren seit dem Frieden von Hubertsburg bis zum Ende der Theilung
Polens -- unterhandelte mit allen Hfen Deutschlands, um die wenigen
Leute daraus zu ziehen, die es noch zu liefern vermochte. Deutschland
sprte schon die Nachwehen der zahlreichen Menschenlieferungen, die in
fremde Welttheile geschickt waren, und der Knig von Preuen sah mit
Sorge, da im Falle eines neuen Krieges das Reich seiner Vertheidiger
beraubt sein wrde, denn im Jahre 1756 hatten Niedersachsen und
Westfalen allein eine Armee auf die Beine gebracht, mit welcher man die
Fortschritte des franzsischen Heeres aufhalten und vereiteln konnte.
Aus diesem Grunde chikanirte er die Truppen der mit England verbndeten
deutschen Frsten, sobald sie durch Magdeburg, Minden und das Gebiet am
Niederrhein passiren muten. Es war das eine schwache Rache fr das
schlechte Verhalten, welches der Hof von London ihm gegenber
rcksichtlich der Stadt und des Hafens von Danzig beobachtet hatte. Der
Knig wollte brigens die Dinge nicht zu weit treiben, denn eine lange
Erfahrung hatte ihn gelehrt, da man immer eine Menge Feinde findet,
ohne da man sie sich aus Uebermuth auf den Hals zu laden braucht.

Wenn man sich die damalige deutsche Politik des Knigs vergegenwrtigt,
so wird man finden, da er erst dann, als der Krieg mit dem Kaiser gewi
geworden war, ernstliche Maregeln gegen England und seine Lieferanten
ergriff. Friedrich hat in den obigen Worten ihnen gegenber ganz genau
seinen Standpunkt bezeichnet. Wir werden spter sehen, da jede seiner
Handlungen damit bereinstimmt; gleichwohl haben selbst angesehene
deutsche Geschichtsschreiber, wie z.B. Schlosser, von den Amerikanern
nicht zu reden, seine Motive und Akte in dieser Beziehung grblich
entstellt. Diese tendenzise Auffassung der Opposition Friedrich's
verrth namentlich amerikanischer Seits einen eben so groen Mangel an
Einsicht in die Politik jener Zeit als in den Charakter des Knigs. Ein
Frst, der, um seine Zwecke zu erreichen, ohne jedes Bedenken hundert
Tausende von Menschenleben opfert; ein Feldherr, der sich wundert, da
die Hunde von Grenadiere ewig leben wollen, wenn sie sich nicht gleich
in den Rachen von hunderten, Tod und Verderben speienden Geschtzen
strzen, ein solcher Mann wird, ohne das moralische Ungeheuer zu sein,
als welches ihn hchst oberflchlicher Weise Macaulay karrikirt, nie wie
ein junger sentimentaler Lyriker fr die Sache unterdrckter Unterthanen
in die Schranken treten und am allerwenigsten ihnen zu Liebe seines
Gleichen den Krieg erklren. Nichts ist deshalb ungerechtfertigter als
die Annahme, da Friedrich aus Sympathie fr die amerikanischen Rebellen
dem Landgrafen von Hessen und seinen Kollegen feindselig
gegenbergetreten sei.

Um hier nur eine der bekannteren falschen Geschichten hervorzuheben, so
ist es zum Beispiel eine von Kortm zuerst Franklin nacherzhlte und
spter von Schlosser wiederholte Anekdote, da die hessischen Soldaten
auf Befehl des Knigs bei Minden den Viehzoll htten entrichten mssen,
weil sie ja wie Vieh verkauft seien[5]. Schlosser druckt den Passus
sogar mit gesperrter Schrift. Nie hat Friedrich eine derartige Maregel
angeordnet. Er beschrnkte sich einfach, wie er das selbst ausdrcklich
hervorhebt, auf die Chikane und zwang die Miethstruppen, eine Zeit lang
sein Gebiet bei Magdeburg, Minden und Wesel zu umgehen oder er
besteuerte ihr Gepck. Zudem haben wir es hier nicht mehr mit dem
jugendlich bermthigen Knig zu thun, der die hallischen Fasen zum
Theaterbesuch zwang, sondern mit dem gewiegten Staatsmann, der nur das
Interesse seines Staates im Auge hat und jedes Ereigni in diesem
Verhltni auffat und benutzt. Sodann darf man nicht bersehen, da die
preuische Armee damals auch noch keine Landwehr hatte, sondern fast in
derselben rohen Weise wie jede andere durch Werbungen rekrutirt wurde,
und da der Knig viel zu klug war, um seine eigenen Soldaten einer
hnlichen Behandlung Seitens eines belgesinnten oder mchtigen Nachbarn
auszusetzen.

Schon bei einer frhern Gelegenheit, im Anfang seiner Regierung, hatte
der Knig, als die Hollnder Truppen von Braunschweig mietheten, die
Kufer mit Metzgern verglichen, welche nach Podolien wandern, um dort
schwere Ochsen einzuhandeln. Eine hnlich klingende gelegentliche
Aeuerung findet sich in einem am 18. Juni 1776 an Voltaire
geschriebenen Briefe Friedrich's, worin er diesem gegenber die Ehre
ablehnt, der Lehrer des Landgrafen von Hessen gewesen zu sein, der
gerade einen Katechismus fr Frsten geschrieben und ihn Voltaire
geschickt hatte. Wre der Landgraf -- schrieb Friedrich -- aus meiner
Schule hervorgegangen, so wrde er den Englndern seine Unterthanen
nicht verkauft haben, wie man Vieh verkauft, um es auf die Schlachtbank
zu schleppen. Der Knig nahm allerdings aus Ha gegen England
unbedingte Partei fr die Amerikaner und gefiel sich sogar dem
englischen Gesandten gegenber darin, deren Erfolge zu bertreiben oder
die den englischen Waffen ungnstigen Berichte gehssig zu erlutern
oder geschftig zu verbreiten. Nur von diesem rein persnlichen
Gesichtspunkte aus darf man daher seine Stellung in der Subsidienfrage
beurtheilen.

Gleichwohl aber liegt in Friedrich's Worten und Maregeln eine solche
geistige Ueberlegenheit, und eine solche souverne Verachtung der
elenden Bereicherungsmittelchen der kleinen Reichsfrsten ausgedrckt,
da man sich den Jubel der Unterdrckten und die Freude der bei dem
schmachvollen Handel Unbetheiligten sehr wohl erklren kann. Das Volk
liebt es, seinen Helden seine eigenen besten Gedanken unterzuschieben,
es macht sie zu Trgern seiner liebsten Wnsche und Hoffnungen. So wurde
denn auch allmlich auf Grund von ein paar scharfen Aeuerungen, die der
amerikanischen Revolution gnstig waren und die geizigen und gierigen
Frsten brandmarkten, in Friedrich der Ha und die Verachtung aller
denkenden Zeitgenossen gegen die Seelenverkuferei verkrpert.

Der Knig von Preuen hatte, wie wir bereits gesehen haben, den bis zum
Herbst 1777 durch sein Gebiet fahrenden und nach Amerika bestimmten
Truppen so gut als keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt. Den ersten
Ansto dagegen nahm er an 308 anspacher Jgern und Rekruten, die am 31.
Oktober jenes Jahres mit den neuen Uniformen fr das erste Regiment in
Stefft eingeschifft waren und Main und Rhein hinunterfahrend, am 15.
November in Dortrecht eintreffen sollten. Der Markgraf dachte so wenig
an Hindernisse irgend welcher Art, da er am 16. Oktober, um seine durch
die englischen Zahlungen verbesserte Vermgenslage zu genieen, mit
seiner Maitresse Lady Craven nach Paris abgereist war, wo er sich
whrend des Winters aufzuhalten gedachte. Unmittelbar vor seiner Abreise
hatte er die an den Rhein grnzenden Staaten um freie Durchfahrt fr
seine Truppen gebeten und sich am 14. Oktober auch an den Knig gewandt.
Er betrachtete diese Requisitionen als bloe Formsache und lie deshalb
auch seine Leute, ohne nur eine Antwort abzuwarten, marschiren. Pfalz,
Mainz und Trier gaben am 5. und 6. November die gewnschte Erlaubni und
bewilligten zugleich Zollfreiheit fr Mannschaft und Gepck. Der
Kurfrst von Mainz knpfte an seine Genehmigung zwar die Drohung, da er
den anspacher Transport nach mainzer Landeskindern oder Deserteuren
durchsuchen lassen werde. Da indessen der Oberst Schlammersdorff die
letzteren am 7. November, als er bei Mainz vorbeifuhr, auf den Rath
Gemmingen's versteckte, so fanden die mit der Durchsuchung beauftragten
Mainzer Offiziere Niemanden und trennten sich nach einer gemthlichen
Kneiperei von ihrem neuen anspacher Freunde. So harmlos lieen nun der
alte Fritz und seine Untergebenen nicht mit sich handeln. Der Knig
schlug dies Mal ganz wider Erwarten das anspachische Gesuch rund weg ab.
Sein Antwortschreiben, welches in der Gesammtausgabe seiner Werke nicht
enthalten, noch berhaupt sonst irgendwo verffentlicht ist, findet sich
in den anspacher Manual-Akten. Es ist vom 24. Oktober 1777 aus Potsdam
datirt und lautet wrtlich (das Original findet sich im Anhang) wie
folgt:

Ich gestehe Ew. Hochfrstlichen Durchlaucht, da ich niemals an den
gegenwrtigen Krieg in Amerika denke, ohne von der Gier einiger
deutscher Frsten unangenehm berhrt zu werden, welche ihre Truppen
einer sie gar nichts angehenden Sache opfern. Mein Erstaunen vergrert
sich, wenn Ich Mir die alte Geschichte und jene weise und allgemeine
Zurckhaltung unserer Vorfahren in's Gedchtni rufe, welche sie
verhinderte, deutsches Blut fr die Vertheidigung fremder Rechte zu
vergieen und welche sogar als Gesetz in das deutsche Recht bergegangen
ist.

Aber Ich merke, da Mein Patriotismus Mich fortreit und Ich komme auf
das Schreiben Ew. Hochfrstlichen Durchlaucht vom 14.d.M. zurck,
welches ihn so stark angefacht hat. Sie verlangen darin die freie
Durchfahrt fr die Rekruten und das Gepck, welches Sie Ihrem, im
grobrittanischen Dienste befindlichen Truppen-Korps zuschicken wollen.
Ich nehme Mir die Freiheit, Ihnen zu bemerken, da wenn Sie dieselben
nach England gelangen lassen wollen, Sie durchaus nicht nthig haben,
sie durch meine Staaten passiren zu lassen, sondern da Sie dieselben
einen krzern Weg zum Einschiffungshafen einschlagen lassen knnen.

Ich unterbreite diese Ansicht dem Urtheil Ew. Hochfrstlichen
Durchlaucht, und Ich bin nicht weniger mit aller Zrtlichkeit, die Ich
Ihnen schulde, mein Herr Neffe, Ew. Hochfrstlichen Durchlaucht guter
Onkel Friedrich.

Dieser Brief gelangte in der ersten Woche des November nach Anspach.
Gemmingen und Benckendorff, welche whrend der Abwesenheit des
Markgrafen eine Art Regentschaft bildeten, erbrachen ihn, hielten es
aber fr das Beste, seinen Inhalt zunchst ganz zu ignoriren. Sie
dachten offenbar, in Potsdam herrschte dieselbe Wirthschaft wie in
Anspach, und die preuischen Minister knnten hinter dem Rcken des
Knigs thun und lassen, was Sie wollten. Sie schrieben also am 16.
November noch einmal an Hertzberg und Finckenstein und baten, als ob der
Markgraf noch keinen abschlgigen Bescheid vom Knig erhalten htte,
noch einmal dringend um endliche Gewhrung des freien Durchzugs. Der
unerwartete Aufenthalt dieses Truppentransports -- so motivirten sie ihr
Gesuch wrtlich -- wird der Hochfrstlichen Durchlaucht zu einem gar
empfindlichen Schaden gereichen, zumalen Hochdieselbe, wie Ihro Knigl.
Majestt bereits bekannt ist, die Ueberlassung Ihro Trouppes in
Kniglich Grobritannischen Sold und Dienst blo in der patriotischen
Absicht bewilligt haben, durch die erlangenden Subsidien mehrere
Landesschulden zu tilgen.

Die kniglich preuischen verordneten wirklich Geheimde Estats-Rthe,
Finckenstein und Hertzberg antworteten aber am 22. November 1777, da
sie das Gesuch der anspachischen hochgeehrtesten Herren Sr. Majestt
zwar gebhrend mit ihrem Berichte vorgelegt, da Hchstdieselbe aber
befohlen habe, darauf zu erwidern, da Sie bei der des Herrn Markgrafen
Durchlaucht ertheilten Antwort beharre. Auch der englische Gesandte
Elliot in Berlin, der sich in derselben Angelegenheit in Suffolk's
Auftrag an den Knig gewandt hatte, erhielt dieselbe abschlgige Antwort
mit dem Zusatze, da die im vorigen Jahre unter den Rekruten
vorgekommenen Unordnungen Se. Majestt veranlaten, in Zukunft hnlichen
Transporten die Durchfahrt zu verweigern. Das durch einen solchen Zusatz
motivirte Verbot klang wie ein Hohn, weil die Truppen damals gar nicht
hatten an's Land gehen drfen; allein es fiel wie eine Bombe unter die
von ihm betroffenen englischen Agenten und deutschen Frsten sammt ihren
Ministern. Mit Recht schreibt Sir Joseph Yorke, als er diesen
merkwrdigen Vorwand hrte, am 15. November 1777 an Rainsford:
Jedermann hat eine zu heilige Scheu vor Seiner Preuischen Majestt und
schwebt vor ihr in zu groer Furcht, Leute auf der Passage durch ihr
Gebiet zu verlieren, als da er es wagen wrde, dort irgend eine dem
Knige mifllige Handlung zu begehen. Expresse und Kouriere wurden
jetzt aber schleunigst von einem Hofe zum andern geschickt, Noten
gewechselt und Versuche bei dem preuischen Gesandten in Kln und dem
Kommandanten von Wesel gemacht, damit sie ein Auge zudrckten; aber
Alles war vergebens. Bisher -- ruft Faucitt aus -- war der Rhein der
ganzen Welt offen, jetzt wird er unerwartet und pltzlich geschlossen.
Es ist zu spt, unsere Route zu ndern. In Minden droht dieselbe
Unterbrechung. Ich habe sofort nach Berlin, Hanau, Anspach und Kassel
geschrieben und Schlieffen gerathen, die Hessen an der Weser das
preuische Gebiet umgehen zu lassen. In demselben Tone jammerte
Cressener: Zu Lande knnen die Truppen nicht marschiren, zudem ist es
den Rhein entlang unmglich, das preuische Gebiet nicht zu berhren,
und dann werden die Boote mit den Uniformen doch in Wesel angehalten
werden. Wenn Ihr Hof -- wehklagt der anspachische Oberst
Schlammersdorff in seinem Briefe an Rainsford d.d. Bendorf 18. November
1777 -- keine Mittel findet, den Entschlu des Knigs von Preuen zu
ndern, so ist Alles verloren, so sind wir ruinirt, denn es ist absolut
unmglich, zu Lande zu marschiren. Rainsford selbst, der bereits in
Nimwegen auf die neue Zufuhr wartete, fand den Verzug um so
unangenehmer, als die Transportschiffe schon in Holland eingetroffen
waren, das Wetter ganz prachtvoll war und ein paar Tage hingereicht
htten, die Truppen einzuschiffen. Hier war also guter Rath theuer.

Inzwischen waren die anspachischen Truppen am 12. November nach Bonn
gelangt, wo Oberst Schlammersdorff durch den englischen Gesandten
Cressener mndlich und durch Oberst Faucitt schriftlich Kenntni von dem
Verbot des Knigs erhielt. Es ist somit -- schreibt er am 13. November
an Gemmingen -- die Transportirung unmglich 1. weil das preuische
Gebiet doch nicht zu evitiren; 2. keine Requisitoriales fr die
Landmrsche ergangen sind, folglich die Einquartirung refusirt werden
wird; 3. die Baggage nicht mit fortgebracht werden kann und 4. die
Desertion inevitabel sein wird, wofr ich absolute nicht responsabel
sein kann. Ich fahre also zurck nach Bendorf, um dort oder in
Altenkirchen die Leute einzuquartiren. Ich habe per Estafette sofort
Serenissimo Bericht nach Paris erstattet. Als die kurfrstlich
klnischen Behrden von dem preuischen Verbote hrten, wurden sie auch
unangenehm. In Bonn wollten sie die Anspacher nicht lnger dulden, und
tglich fragte der dortige General Kleist hflich bei Schlammersdorff
an, wann er abzufahren gedenke? Dieser verlie Bonn am 18. und traf am
19. November Abends in Bendorf ein.

Der Markgraf von Anspach besa zu jener Zeit die seinem Vater im Jahre
1741 anerfallene Grafschaft Sayn-Altenkirchen mit der Stadt Bendorf (am
rechten Rheinufer zwischen Neuwied und Ehrenbreitstein). Oberst
Schlammersdorff gab, um dort Platz zu bekommen, dem Gouverneur der
Grafschaft Befehl, die in Bendorf stehende Kompagnie tiefer in's Land zu
legen. Als Schlammersdorff aber selbst nach Bendorf kam, fand er, da
die Stadt keine Wlle hatte, da er also seine Leute nicht sicher
bewachen konnte. Er beschlo deshalb, dieselben in den Booten zu
behalten und diese mit Oefen zu versehen, die Soldaten aber von Zeit zu
Zeit truppweise unter Aufsicht an's Land zu lassen, damit sie sich
Bewegung machen und erholen knnten. So lagen sie etwa vier Wochen lang
Bendorf gegenber auf dem Rhein. Ihnen zur Seite hatte sich ein hanauer
Transport von etwa 250 Rekruten gelagert, welcher am Rheinfels von dem
preuischen Verbote benachrichtigt und jetzt auf Wunsch des Erbprinzen
zu den Anspachern gestoen war, nachdem dieser sich feierlich
verpflichtet hatte, alle Bedrfnisse fr seine Leute baar zu bezahlen.
Diese nach Anspach oder Hanau zurckzuschicken, durften der Markgraf und
Erbprinz nur im alleruersten Nothfall wagen, weil sie sich dadurch
den Markt fr die Zukunft verdorben, die Desertion befrdert und
zugleich die englischen Subsidien und Lhnung geschmlert htten.

Die Schlammersdorff'sche Korrespondenz mit Gemmingen wirft einige
interessante Streiflichter auf die Mittel, welche whrend jener Zeit zur
Aufrechterhaltung der Zucht und zur Verhinderung der Desertion der
Soldaten fr nthig erachtet wurden.

Es ist nicht thunlich, -- schreibt Schlammersdorff am 20. November 1777
-- die Leute in Bendorf einzuquartieren. Es sind keine Huser dafr
vorhanden; das Rathhaus, das grte Gebude, fat nicht mehr als 60
Mann. Ich werde deshalb meine Leute so lange als mglich auf den
Schiffen halten. 24 Mann vom Altenkirchener Kontingent und 6 Jger sind
hier, die mir das Ufer garantiren. Meine Leute fangen an, mrrisch zu
werden; sie frchten sich vor der Rckkehr nach Anspach. Nach
Altenkirchen zu marschiren, dauert zwei Tage; ich mu in einen
geschlossenen Ort. Aus meinem Beutel habe ich fr etwa 80 fl. den Leuten
dann und wann Gemse, Fleisch, Bier und Taback reichen lassen, um sie
gut zu erhalten bei dieser uerst unangenehmen, nakalten Saison.
Hingegen konnte ich bis vor zwei Tagen Alles mit sie machen, ohnerachtet
ich in Fllen rigid strafe. Allein seit gestern mu ich sehr auf meiner
Hut sein. Gott gebe eine baldige Aenderung in dieser Lage! Es ist zum
rasend werden! Auf den Schiffen -- heit es am 29. November weiter --
ist Alles gesund und noch ruhig. An Peroriren, Schlagen,
Viktualien-Prsenten und Krummschlieen lasse ich es nicht fehlen, um
den Klumpen in der sehr rauhen Witterung in Ordnung zu halten. Meine
Nachbarn, die Hanauer, haben schon 23 Kranke, worunter viele mit
hitzigem Seitenfieberstechen. Ich will hier bleiben und nicht nach
Altenkirchen marschiren. Es ist zehn Stunden von hier entfernt; wir
mssen also zwei Mrsche dahin machen. Zur Nachtstation ist nur
Diersdorf geeignet, die Residenz des regierenden Grafen, quaeritur, ob
er uns einnimmt, und wenn er es thut, wie viel wird man nicht fr das
bloe Nachtquartier zahlen mssen? Dann ist der Ort Diersdorf mit
kaiserlicher, preuischer, franzsischer und hollndischer Werbung
angefllt. Die Soldaten werden unruhig -- fhrt Schlammersdorff am 8.
Dezember fort -- Gestern Abend nach dem Zapfenstreich wurde mir
entdeckt, da zwei Mann Komplot gemacht, zu desertiren, und den Dritten,
als den Denunzianten mit haben wollten. Diese wurden nun sogleich in
die Eisen geworfen und heute verhrt. In der Nacht um ein Uhr sind aber
von der Hauptwache zwei Mann vom Posten mit Ober- und Untergewehr
desertirt, worunter ein Mainzer, sechs Zoll messend, die Kanaille, die
mich damals, als wir Mainz passirten, bat ihn zu verbergen. Was auch
kommen mag, die Desertion bleibt unvermeidlich. Etliche 20 bis 30 Mann,
verdchtige liederliche Pursche, sind beim ganzen Transport. Wie wre
es, wir bten den Erbprinzen von Hanau um Quartiere im Winter? Wir
mten unseren Leuten nur den englischen Sold geben (Serenissimus gab
ihnen natrlich nur den anspachischen und steckte die gestohlene
Differenz in seine Tasche). Die Verhre haben ergeben -- schliet
Schlammersdorff seine Berichte am 12. Dezember 1777 auf dem Rhein unweit
Koblenz -- da 3-4 Mann desertiren wollten. Gottlob, da nicht mehr
mitimplizirt waren! Zwei Jger und drei Musketiere habe ich aber der
altenkirchener Mannschaft geschlossen mitgegeben zur Bewahrung bis auf
weiteren Befehl, und damit solche nicht noch greres Unheil anstellen.
Den Knichtel aus dem Bayreuthischen und den Hubel, ein schner, junger,
groer Pursch, der von die andere Kanaille verfhrt worden, den habe ich
wieder losgelassen. Einen franzsischen Werber vom Regiment Anhalt, der
gleich andern Tages nach meiner Ankunft vor Bendorf an das Ufer kam und
einer Soldatenfrau ein Goldstck versprach, wenn sie ihm etliche schne
Pursche brchte, habe, sobald die Frau es mir angezeigt, aufsuchen,
arretiren und in die Eisen schmeissen lassen.

Die Verhandlungen mit der englischen Regierung hatten schlielich dahin
gefhrt, da die Hanauer und Anspacher in Hanau berwintern sollten,
welches, wie Cressener zur Beruhigung an Suffolk schrieb, befestigt war,
so da die Desertion verhindert werden konnte. Jene trafen am 16.
Dezember in letztgenannter Stadt ein; diese zwei Tage spter. Beim
Abmarsch wurde um Bendorf ein Kordon von 40 Jgern und 12 Altenkirchener
Musketieren gezogen und das Ufer links zur Abfahrt besetzt gehalten. So
ging Alles gut von Statten.

Whrend der hier geschilderten, die letzte Hlfte des November und die
erste Hlfte des Dezember 1777 einnehmenden Vorgnge hatten sich die
englischen diplomatischen Agenten und Gesandten, sowie die betreffenden
beiden deutschen Frsten den Kopf darber zerbrochen, wie sie die also
aufgehaltenen Soldaten am schnellsten und sichersten an's Meer schaffen
knnten. Es gab nur zwei Wege, sich aus dieser Verlegenheit zu ziehen.
Entweder marschirten sie auf dem linken Rheinufer ber Aachen und
Mastricht nach Holland und wurden hier zu Wasser nach einem dortigen
Hafen geschafft, oder sie wandten sich auf dem rechten Rheinufer durch
die jetzige preuische Provinz Hessen-Nassau bis zur Weser und fuhren
von da nach Bremerlehe.

Der Markgraf von Anspach-Brandenburg -- meldet Cressener am 26.
November 1777 -- hat nach Berlin geschrieben und den Knig um Erlaubni
der ungehinderten Passage fr seine Truppen gebeten, da er sonst zu viel
verlieren werde. Ich erwarte aber keinen Erfolg von diesem Schritte. Der
Knig von Preuen, der sagt, seine Freundschaft fr uns habe sich nicht
verndert, aber mittelst eines kleinen Umweges knnten die von uns
gemietheten Mannschaften doch an das Ziel ihrer Bestimmung gelangen,
giebt uns mit dieser Erklrung einen Futritt und bittet dabei mit
lchelnder Miene, wir mchten diesen Tritt nicht als einen Bruch seiner
Freundschaft betrachten. Wenn er uns nur einen Weg auf der Karte zeigen
wollte, wie wir an's Meer kommen knnen! Es bleibt uns nur brig,
entweder die Truppen zurckzuschicken, oder sie ber Aachen nach Holland
marschiren zu lassen. Der Weg ber Lechenich, Dren, Eschweiler und
Aachen ist der krzeste und leichteste; die Truppen brauchen dann nur
klner, pflzer, aachener und General-Staaten-Gebiet zu berhren. Von
hier ber Dren nach Aachen ist nicht ber achtzehn Meilen (?), von
Aachen nach Mastricht sieben Meilen, von da nach Herzogenbusch
zweiundzwanzig Meilen, zusammen also siebenundvierzig Meilen. Endhofen,
welches auf dem geraden Wege nach Herzogenbusch liegt, gehrt zwar der
Kaiserin, kann aber leicht umgangen werden. Mastricht ist die einzige
Festung, die im Wege liegt. Um Desertion zu verhindern, knnen der
Markgraf und Erbprinz zur Begleitung und Bewachung der Truppen die
erforderliche Anzahl von Subaltern-Offizieren und Soldaten schicken.

Schlammersdorff weigerte sich aber entschieden, diesen langen Landweg
einzuschlagen, da er bei dem Mangel an Bedeckungsmannschaften und in der
gefhrlichen Nhe der Festung Mastricht nicht dafr stehen knne, da er
mit fnfzig Mann in Nimwegen ankommen werde. Auch Cressener lie diesen
Plan fallen, nachdem er sich berzeugt hatte, da die Gefahr der
Desertion in hohem Grade vorhanden. Denn ich wei -- so schlo er
seinen Bericht vom 1. Dezember an Suffolk -- aus was fr Volk seine
Rekruten bestehen.

Es handelte sich also zunchst darum, vom rechten Rheinufer bis an die
Weser und auf ihr an's Meer zu gelangen. Ich habe -- berichtete Faucitt
aus Hannover am 21. November an Suffolk -- die erforderlichen
Vorkehrungen getroffen, da die Anspacher und Hanauer von Bendorf nach
Mnden und von dort, mit Vermeidung des preuischen Gebietes bei Minden,
nach Bremerlehe geschafft werden. General von Hardenberg hat mir einen
in diesen Dingen sehr erfahrenen Offizier, den Hauptmann von Wangenheim,
beigegeben, der sofort nach Bendorf gehen und unterwegs alle Anordnungen
fr den ungehinderten Durchzug der Truppen treffen wird. Die
Transportschiffe mssen also nach Bremerlehe fahren. Ich habe die
endgltige Entscheidung ber meinen Plan Sir Joseph Yorke berlassen.
Der Haupteinwand, der sich dagegen machen lt, ist die Gefahr der
Desertion. Ich glaube ihr dadurch vorgebeugt zu haben, da ich dem
kommandirenden Offiziere anbefohlen habe, aus den besten und sanftesten
Rekruten eine Art Eskorte zu bilden, ihnen eine auerordentliche
Belohnung fr ihre Treue und ihr gutes Verhalten auf dem Marsche zu
sichern und sie fr den Eifer zu beloben, den sie zeigen werden, um ihre
Kameraden von der Desertion abzuhalten und Unordnungen zu verhindern.
Sollte Frost eintreten, so knnen die Truppen, wenn sie einmal im
Kurfrstenthum sind, in Nienburg oder Stade untergebracht werden, was
mir General Hardenberg auch versprochen hat.

Faucitt berechnete die Entfernung von Bendorf ber Montabaur (Trier),
Weilburg (Nassau), Wetzlar (freie Reichsstadt), Marburg (Hessen-Kassel),
Gesberg und Fritzlar (Mainz), und Kassel nach Mnden auf 26 Meilen
und zwlf Marschtage nebst fnf Ruhetagen, bis Bremerlehe aber auf im
Ganzen vierzig Marschtage und zehn Ruhetage, whrend nach seiner
Berechnung der Weg ber Dren bis Herzogenbusch nur sechszehn
Tagemrsche in Anspruch nahm. Diese Entfernungen wren brigens der
geringste Nachtheil gewesen; ein viel grerer bestand in der von den
betreffenden Frsten zu erlangenden Erlaubni zum Durchmarsche durch ihr
Gebiet. Nur unter dieser Bedingung und Voraussetzung genehmigte Yorke
den Faucitt'schen Vorschlag.

Anfangs lieen sich die Aussichten gut an. Man htte glauben sollen, da
der Landgraf von Hessen-Kassel als englischer Soldaten-Lieferant gar
nicht weiter befragt worden wre, allein er war so eiferschtig auf
seine Rechte, da Faucitt, der sogar ein Verbot des Durchzuges der
Hanauer befrchtete, sich an ihn, wie an jeden andern Frsten, um freie
Passage wenden mute. Es waltete hier nmlich noch eine besondere, und
zwar hchst lcherliche Schwierigkeit ob. Der Landgraf stand seit 1754
mit seinem Sohne, dem Erbprinzen und Grafen von Hanau auf gespanntem
Fue und hatte ihn seit dieser Zeit nicht gesehen, ja selbst sein Name,
wie berhaupt die souveraine Grafschaft Hanau durfte bei Vermeidung des
allerhchsten Mifallens vor dem Serenissimus nicht genannt werden. Der
Landgraf gestattete zwar in einer hflichen Antwort an Faucitt den
Durchmarsch der hanauer und anspacher Rekruten und Jger durch seine
Staaten, bestand aber ausdrcklich darauf, da sie unter dem Namen
Anspacher gehen muten, und da sie Kassel nicht berhren durften. Er
ertheilte demnach freie Passage fr 534 Anspacher, obgleich sie fr 234
Hanauer und 300 Anspacher verlangt worden war. Die anderen Souveraine
waren aber nicht so gefllig als der Landgraf. Der Kurfrst von Trier
gab die Erlaubni nicht. Als die von den Hanauern vorausgeschickten
Quartiermeister in Montabaur ankamen, wurden sie vom Magistrat der Stadt
abgewiesen, weil sie sich nicht ausweisen konnten. Auch die freie
Reichsstadt Wetzlar wollte die Rekruten nicht durch ihr Gebiet ziehen
lassen. Man befrchtete eben von ihnen Exzesse, fr welche weder die
englische Regierung, noch ihre deutschen Lieferanten aufkommen wollten.
So lie man den Plan ganz fallen.

Im Februar 1778 wurde man endlich mit Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt
ber eine neue Marschroute einig, so da in der letzten Woche dieses
Monats die Anspacher und Hanauer ihr zeitweiliges Quartier Hanau
verlassen konnten. Faucitt nahm ihnen hier den Eid der Treue fr den
Knig von England ab, weil dieser Akt einen mchtigen Eindruck auf die
Rekruten mache und die Desertion auf dem Marsche verhindere. In der That
war diese uerst gering, was aber wohl hauptschlich der tchtigen
Fhrung durch erfahrene Offiziere zu verdanken war. Zudem lie zur
grern Vorsicht der Erbprinz den Transport durch ein Korps seiner
Haustruppen bis Mnden eskortiren. Der Weg ging von Hanau ber
Windecken, Friedberg, Butzbach, Gieen, Marburg, Felsberg, Mnden und
Hannover nach Nienburg, wo die Truppen am 8. Mrz eintrafen und auf die
fr Bremerlehe bestimmten englischen Transportschiffe warten muten.
Erst am 23. Mrz konnten sie in Nienburg weiter nach Bremerlehe
eingeschifft werden; von hier fuhren sie am 8. April nach Portsmouth
ab. Diesen Hafen verlieen sie am 24. Mai, aber erst am 8. September
1778 kamen sie in Newyork an. Die Unglcklichen hatten Anspach und Hanau
in den letzten Tagen des Oktober resp. ersten Tagen des November 1777
verlassen, waren also im Ganzen lnger als zehn Monate unterwegs
gewesen.

Natrlich hatte die englische Regierung die Kosten fr alle diese
unvorhergesehenen Zwischenflle zu tragen. Suffolk gab schon Ende
Dezember 1777 Anweisung an Faucitt, Alles, was recht und billig sei, zu
berichtigen. Wir mssen den Markgrafen und Erbprinzen natrlich
entschdigen -- schrieb er am 23. Dezember an Faucitt -- Sie htten sich
das selbst wohl denken und dieserhalb nicht lange Briefe an mich
schreiben lassen sollen. Thun Sie also, was verstndig ist. Zahlen Sie
alle nothwendigen Ausgaben, welche wir ohnehin gehabt haben wrden, wenn
die Einschiffung stattgefunden htte, binden Sie sich aber nicht die
Hnde fr die Zukunft. Ist Gefahr vorhanden, da wir die Leute bis zum
Frhjahr nicht einschiffen knnen, so lassen Sie die Kerle laufen und
bezahlen Sie dieselben bis auf den letzten Tag. Offenbar, um sich zu
entschuldigen, erklrte Faucitt in seiner Antwort vom 8. Januar 1778 aus
Hannover, da die Frsten von Anspach und Hanau die malosesten
Ansprche erhoben htten. Die auerordentliche Aengstlichkeit --
schrieb er -- womit Gemmingen und Malsburg, die Minister von Anspach und
Hanau, ihre Entschdigungsforderungen bei mir geltend gemacht haben,
erschien mir so unanstndig und unbegrndet, da ich nicht umhin konnte,
ihnen ernstlich den Kopf zu waschen. Seitdem ist der Ton ihrer Briefe
ein anderer und athmet nichts als Unterwrfigkeit und Zufriedenheit.
Das gerade Gegentheil war der Fall. Statt unterwrfig zu sein, traten
die Minister, namentlich Gemmingen, seit sie das Spiel in der Hand
hatten, sehr selbstbewut und positiv fordernd auf; Faucitt aber hielt
es im Interesse seiner Aufgabe fr das Beste, sich ihnen stets
willfhrig und entgegenkommend zu zeigen. Statt bermige Forderungen
zu erheben, verlangten die Minister von Anspach und Hanau nur den Ersatz
der Transport- und Unterhaltungskosten der Truppen whrend des Winters;
Malsburg im Ganzen 1600 Pfund Sterling, Gemmingen bei der grern
Entfernung und lngern Zeitdauer etwas mehr. Faucitt gab das selbst zu,
indem er am 30. Januar 1778 von Hanau aus an Suffolk schrieb, da die
Rechnungen billig seien und da sich anstndiger Weise nichts davon
abziehen lasse.

Von jetzt an legte Friedrich der Groe den Soldatenhndlern keine
Hindernisse mehr in den Weg; die Befrderung der Truppen an den Ort
ihrer Bestimmung konnte also ohne Umwege erfolgen. Die Baggage lie er
ebenfalls ungehindert passiren und sogar den im Herbst 1777 von seinen
Beamten auf die Uniformen und das Gepck der Anspacher erhobenen Zoll
von 600 Dukaten niederschlagen.

Am Lstigsten waren brigens die Nachtheile, welche das Verbot des
Knigs von Preuen fr die zerbstischen Truppen nach sich zog. Die
preuischen Minister, an welcher sich die zerbster Behrden um Aufhebung
desselben gewandt hatten, erwiderten ihnen am 20. November hhnisch, da
nachdem Anspach und Hanau mit ihren Gesuchen um den Durchmarsch durch
preuisches Gebiet abgewiesen worden seien, auch Zerbst nicht besser
behandelt werden drfe, und gaben den wohlfeilen Rath, das zerbster
Regiment auf einem kleinen Umwege durch den Harz nach dem Kurfrstenthum
Hannover marschiren und von da an den Ort seiner Bestimmung gelangen zu
lassen. Da der Knig von Preuen -- schreibt Faucitt am 27. November
1777 an Suffolk -- auf seiner Weigerung besteht, so mu das zerbster
Regiment Stade oder Bremerlehe auf Umwegen durch Sachsen, Braunschweig
und Hannover zu erreichen suchen; allein bis es so weit sein wird, haben
wir Frost und sind die Flsse gefroren. Ich wei nicht, welcher Ursache
ich diese pltzliche Maregel des Knigs zuschreiben soll, es mte denn
die sein, da seine Werbeoffiziere sich neuerdings vielfach darber
beschweren, da sie keine Rekruten mehr bekommen knnen und da so viele
preuische Soldaten desertiren, um sich fr Amerika anwerben zu lassen.
Namentlich haben die Hessen viele Deserteure aus Preuen aufgefangen und
die Weser hinuntergeschmuggelt. Im Ganzen ist aber ihre Zahl zu
unbedeutend, als da sie den Gegenstand ernstlicher Errterungen bilden
knnten, zumal es unter den deutschen Frsten als erlaubt gilt, einander
Unterthanen und Soldaten abzufangen und zu verfhren.

Suffolk hielt es unter diesen Umstnden fr das Gerathenste, den
Abmarsch der Zerbster bis zum Frhjahr zu verschieben, und wies Faucitt
an, sich in diesem Sinne mit der dortigen Regierung zu verstndigen. Der
zerbster Frst mute sich also in sein Schicksal fgen und gedulden. Er
wthete in seinen Briefen barocker denn je; sein Ha gegen Preuen
erreichte jetzt die hchste Spitze. Der Selbstherrscher aller Zerbster
wandte sich sogar an die Selbstherrscherin aller Reuen, um sie zur
Intervention gegen Friedrich den Groen zu veranlassen, allein Katharina
von Ruland erklrte Preuen weder den Krieg, noch erwirkte sie fr
ihres Bruders Truppen die Oeffnung des preuischen Theils der Elbe.
Uebrigens war fr Friedrich August die Gefahr des Verlustes durch
Desertionen grer als bei jedem andern Soldatenhndler, weil er im
eigenen Lande so gut wie gar nicht werben konnte und fr seine Leute
fast ausschlielich auf das deutsche Ausland, bei dem damaligen lngst
fhlbaren Mangel an tauglichen Subjekten aber vorzugsweise auf
Menschenraub und Zwang, List, Betrug und Gewalt angewiesen war. Sobald
Serenissimus sein in dieser Weise zusammengebrachtes Regiment unter
gehriger Bewachung direkt bis an's Meer schaffen lassen konnte, erlitt
er verhltnimig geringe Verluste; ein langes Migliegen in offenen,
unbefestigten Garnisonsorten drohte ihm aber mit unerhrter Desertion
und Widersetzlichkeit. Noch vor Weihnachten brach denn auch unter den
Soldaten eine Meuterei aus. Es sollten ein paar Dutzend Zerbster
Kavalleristen, um das nach Amerika bestimmte Infanterie-Regiment zu
verstrken, in dieses gesteckt werden. Sie nahmen aber die Maregel als
Beleidigung auf und emprten sich, bei welcher Gelegenheit einige
Offiziere gefhrlich verwundet wurden. Die Meuterer flohen, nachdem sie
berwltigt waren, zum Theil nach Sachsen, wo ihnen natrlich niemand
etwas anhatte. Bei einer andern Gelegenheit machte sich sogar ein
Lieutenant mit seinem ganzen Kommando von fnfzig Mann aus dem Staube
und ging ebenfalls nach Sachsen.

Endlich war der Winter berstanden und das zerbstische Regiment trat,
841 Mann stark, am 21. Februar 1778 seinen Marsch, wie die preuischen
Minister hhnisch gerathen hatten, durch den Harz und Hannover nach
Stade an. Als es am nchsten Tage die Elbe erreicht hatte, lie der
Oberst halten; die Sappeure muten ihre Aexte in die Brckengelnder
einhauen und das Ganze einen Kreis bilden. Der Kommandeur lie hierauf
die Kriegsartikel noch einmal verlesen und dann beschwren; darauf hielt
er eine geharnischte Anrede und warnte namentlich vor den preuischen
Werbern. Er drohte, da derjenige, der dawider handle und ertappt werden
wrde, sofort erschossen werden solle; aber trotzdem desertirten schon
an demselben Tage der Regiments-Tambour, ein Feldwebel, ein Korporal und
einige Soldaten. Weiterhin wurden deshalb die Stdte und Flecken auf
dem Marsche mglichst umgangen, um weitere Desertionen zu verhten, da
die Entwichenen berall rege Hlfe und Theilnahme fanden. Um das
Betreten des preuischen Gebietes zu vermeiden, ging die Marschroute
ber Dessau (Anhalt), Merseburg, Laucha, Birchlingen (Kursachsen),
Greuen (Sondershausen), Mhlhausen (freie Reichsstadt), Duderstadt
(Kurmainz), Eimbeck (Hannover), und von da durch's Braunschweigische
wieder durch Hannover nach Stade.

Trotz der strengen Ueberwachung und der angedrohten Todesstrafe kamen
noch tglich Desertionen und allerlei Exzesse vor. Im Dorfe Zeulenrode
entsprang ein Mann, der von einem Korporal verfolgt wurde, und lief in's
Wirthshaus. Ohne weiter nachzusehen, scho der allzu diensteifrige
Verfolger blindlings durch das Fenster in die Wirthsstube hinein, wo die
Kugel die ruhig dasitzende Wirthin traf, so da diese sofort todt zu
Boden sank. Durch diese Gewaltthtigkeit wurden die Bauern sehr
aufgebracht. Als die Baggage nachkam, bei der sich ein Oberlieutenant
befand, kam es erst zu einem Wortwechsel und dann zu Thtlichkeiten,
wobei der Offizier so bel zugerichtet wurde, da er am andern Tage zu
Stadtworbis starb. Die Bauern, durch deren Drfer der Transport ging,
nahmen auch anderwrts Antheil an dem Schicksal der nach Amerika
bestimmten Soldaten und verschafften ihnen berall Gelegenheit zu
entkommen. In Greuen kam es mit den preuischen Werbern, die hier
Geschfte machen wollten, zu einer Schlgerei, wobei auf beiden Seiten
viel Blut flo.

Am 3. Mrz meldete der Oberst Rauschenplatt dem damals in Hannover
weilenden Faucitt, da er in den ersten zehn Tagen nach dem Abmarsch
durch Desertion nicht weniger als _dreihundertvierunddreiig_ Mann
verloren habe. Am 21. Mrz waren sogar nur noch 494 Mann bei der Fahne.

Was soll ich thun -- fragte Faucitt am 23. Mrz 1778 bei Suffolk an --
wenn die Uebrigbleibenden nicht mehr stark genug sind, um ein Bataillon
daraus zu bilden? Die Lcken sind zu gro, als da sie zur rechten Zeit
ausgefllt werden knnten. Ich frchte, da der grte Theil des
Regiments vor der Ankunft in Stade desertirt sein wird. Ich hoffe, aus
den Resten wenigstens noch ein Bataillon formiren zu knnen. Die
Zerbster fanden brigens berall in Sachsen schlechte Aufnahme, waren
tglich von den Werbe-Offizieren verschiedener Frsten umgeben, die in
Verbindung mit den Eingeborenen des Landes jedes Mittel benutzten, um
die Soldaten zu verfhren. In hnlicher Lage wrden die besten Truppen
gelitten haben.

Yorke besttigte im Wesentlichen Faucitt's Schilderung und nahm sich des
Zerbster Frsten warm an. Seinen Bemhungen -- schreibt er d.d. Haag,
7. April 1778 -- des Knigs Schutz und Freundschaft zu verdienen, ist
von so vielen Seiten entgegengewirkt, da ich es meinem persnlichen
Verhltni zu ihm schuldig bin, den gegenwrtigen Stand der
Angelegenheit zu melden. Des Knigs von Preuen Weigerung, die
zerbstischen Truppen durch sein Gebiet passiren zu lassen, (obgleich
rechtlich nichts dagegen gesagt werden kann) veranlate den Frsten,
sich an den russischen Hof zu wenden, damit dieser seinen Einflu in
Potsdam geltend mache; aber ich wei nicht, ob diese Bitte irgend
welchen Erfolg gehabt hat. Inzwischen setzte der Frst, da es bei der
vorgerckten Jahreszeit mit der Einschiffung zu spt geworden sein
wrde, seine Truppen in Bewegung, ohne ein vorheriges Uebereinkommen mit
England wegen eventueller Entschdigung getroffen zu haben, und schickte
sie durch Kursachsen auf Umwegen nach Hannover. Auf diesem Marsche waren
sie jeder Chikane und Schwierigkeit ausgesetzt, sowohl seitens der
Preuen als Sachsen und bei mehr als einer Gelegenheit haben sich seine
Offiziere ihren Weg erkmpfen mssen. Sie bewiesen dabei groe
Entschiedenheit und Tapferkeit. Natrlich war die Desertion sehr stark;
ich wundere mich berhaupt, da nur noch Soldaten beisammen blieben; die
brig gebliebenen sind aber wahrlich nicht schlecht. Seit Ankunft im
Kurfrstenthum Hannover hat die Desertion aufgehrt, und mit Hlfe der
von Jever geschickten Rekruten ist immer noch ein gutes Bataillon
zusammen zu bringen. Ich trete fr den Prinzen ein und hoffe, da
angenommen werde, was er mit so groer Mhe, Kosten und Gefahr an's Meer
geschafft hat. Ich thue es um so mehr, als ich hre, da die
Transportschiffe fr die Zerbster zurckbeordert sind; es wre eine zu
groe Enttuschung fr den Frsten, wenn er nicht endlich angenommen
werden sollte. Viel Gewinn bleibt doch fr ihn nicht brig.

Suffolk bedauerte, da die Zerbster so viele Leute verloren hatten, da
sie kaum noch in Betracht kmen und befahl Faucitt, sie sammt und
sonders wieder nach Hause zu schicken, wenn er nicht wenigstens ein
Bataillon aus ihnen formiren knne. Die fr sie bestimmten
Transportschiffe wurden sogar abbestellt. Indessen gelang es dem
Obersten Rauschenplatt und den mit den seinigen vereinten Bemhungen
seines Bruders, des Majors Rauschenplatt, den auf weniger als ein
Bataillon zusammengeschmolzenen Bestand seines Regimentes in Jever und
Nachbarschaft auf 625 Mann, einschlielich der Offiziere, zu erhhen,
soda Faucitt keinen Anstand nahm, sie in den englischen Dienst
einzumustern. Er lie sie am 22. April in Stade einschiffen. Erst
nachdem dies geschehen, schlo er am 23. April 1778 den Vertrag mit den
Bevollmchtigten des Frsten ab, die sich selbstredend jede von dem
englischen Kommissr beliebte Bedingung gefallen lieen.

Dieser Vertrag wurde am 12. Mai 1778 dem englischen Parlament vorgelegt
und am 13. Mai von ihm genehmigt. Er stimmt im Wesentlichen mit dem
anspacher berein, soda wir uns wegen seiner nheren Bestimmungen
fglich auf diesen beziehen knnen.

Das Regiment kam nach einer berraschend schnellen und gnstigen Fahrt
in den letzten Tagen des Mai vor Quebeck an. Die groe Freude, das
ersehnte Ziel so glcklich erreicht zu haben, wurde pltzlich in bittern
Verdru verwandelt, als den Zerbstern das Ausschiffen vom Gouverneur
untersagt wurde. Durch eine grobe Nachlssigkeit der englischen
Behrden, wie solche so hufig vorkam, hatte man vergessen, den
britischen Befehlshaber von der Ankunft dieses Regiments zu
benachrichtigen, der nicht wenig dadurch berrascht wurde und, so nthig
er diese Verstrkung auch hatte, auf diese dennoch so lange verzichten
zu mssen glaubte, bis er von der britischen Regierung die weiteren
Instruktionen erhalten haben wrde. Am belsten war der Oberst von
Rauschenplatt daran, der auf dieses fatale Intermezzo ebenso
unvorbereitet war. Als ihn der Gouverneur, trotz aller Versicherungen
und Betheuerungen nicht an's Land lassen wollte, schickte er endlich mit
der nchsten Schiffsgelegenheit seinen Quartiermeister Pannier direkt
nach London, um ber diese Vernachlssigung Beschwerde zu fhren und die
weiteren Weisungen des Ministeriums einzuholen. Erst Anfang August
kehrte Pannier wieder zurck. Die armen Zerbster hatten demnach gegen
drei Monate nutzlos und unthtig und Angesichts der Stadt Quebeck in den
engen und ungesunden Schiffsrumen aushalten mssen.

Das Regiment blieb vorlufig in Quebeck und wurde, da es in seiner
Ausbildung noch gegen die anderen Truppen sehr zurck war, vorzugsweise
zu Arbeiten, sowie zu Munitions- und Gefangenen-Transporten benutzt.
Nach Einstellung der Feindseligkeiten ward es 1783 nach Halifax
versetzt. So kam es, ohne an irgend welchen kriegerischen Bewegungen
Theil genommen zu haben, im September 1783 wieder zu Hause an. Whrend
es in den ersten Jahren nach seiner Aufnahme in den englischen Dienst
nur 613, resp. 625 Mann gezhlt hatte, belief sich sein Aktivbestand in
den beiden letzten Jahren des Krieges auf 945 Mann.

Empfindlicher als diese Verzgerungen war brigens fr die Ergnzung der
englischen Armee in Amerika der Ausfall, den sie durch den in Folge des
preuischen Verbotes nothwendig gewordenen Abbruch der Verhandlungen mit
dem Herzog von Wrtemberg erlitt. So schlecht dessen Armee auch
beschaffen sein mochte, so wre er, selbst nach dem Zeugnisse Faucitt's,
doch mit einiger Nachhlfe an Geld immerhin im Stande gewesen, noch
1500-2000 Mann auf die Beine zu bringen. Es war lediglich die Sperrung
des Rheins, welche die Wrtemberger zu Hause hielt und den in Amerika
kommandirenden englischen General ihrer Hlfe beraubte. Karl Eugen lie
zwar aussprengen, da er, fr seine berrheinischen Besitzungen
Unannehmlichkeiten frchtend, auf die Einsprache Frankreichs den Vertrag
mit England rckgngig gemacht habe; aber das ist nicht wahr, Suffolk
hat nie einen Vertrag mit ihm geschlossen. Der Herzog htte nur zu gern
englische Hlfsgelder genommen; indessen der alte Fritz verdarb ihm das
Spiel. Uebrigens wute sich der Wrtemberger Soldatenhndler bald darauf
zu helfen, zumal sich durch den groen Konsum der letzten Jahre das
Geschft bedeutend schnell wieder hob. Ohne nur seine Landstnde zu
fragen, berlie er nmlich im Jahre 1786 das von Rieger fr den
englischen Dienst geworbene Regiment, welches er nach dem Fehlschlagen
der Unterhandlungen mit Faucitt auf den Asperg in Garnison geschickt
hatte, auf 1000 Mann vermehrt, den Hollndern, welche diese Truppen
ebenso gut als die Englnder bezahlten und sie theils in Afrika am Kap
der guten Hoffnung, theils in Ostindien verwandten. Fr ihren Abmarsch
dichtete Schubart das ergreifende Lied: Auf, auf, ihr Brder und seid
stark!

Wenn wir uns die damalige Lage der Dinge auf dem amerikanischen
Kriegsschauplatze vergegenwrtigen, so werden wir die bedeutenden, wenn
nicht entscheidenden Folgen der Politik Friedrich's des Groen noch
besser wrdigen knnen. _Washington_ lag nach dem fr ihn unglcklichen
Feldzuge des Herbstes 1777 von Mitte Dezember bis Mitte Juni 1778 in
seinen Winterquartieren zu Valley Forge, allen Entbehrungen der
Jahreszeit preisgegeben, unter allen Mibruchen und Mngeln einer
desorganisirten Verwaltung leidend. Nie bis jetzt, selbst nicht nach den
Niederlagen auf Long Island, hatte die Sache der jungen Republik so
schlecht gestanden, denn nie war der Geist des Volkes und seine
Widerstandskraft so sehr gebeugt und entmuthigt gewesen. Die zerlumpten
und hungernden armen Teufel, die kaum mehr als 5000 Mann stark zu Anfang
1778 das amerikanische Heer vorstellten und damals unter _Steuben_ erst
die Anfangsgrnde der Disziplin lernten, wren keines ernsten
Widerstandes fhig gewesen, wenn Howe sie mit einer berlegenen
Streitmacht angegriffen htte. Aber der englische General lie die ihm
gnstigste Zeit zum Angriffe ungentzt verstreichen und entschuldigte
seine Unthtigkeit mit dem Mangel an Leuten. Und gerade in diesem
entscheidenden Augenblicke erlangte er die Kenntni von Friedrich's
Verbot, das ihm verlufig jede Aussicht auf weitere Verstrkungen
abschnitt. Es sind darum nicht sowohl die 2000, hchstens 3000 Mann,
deren verzgerte Ankunft oder gnzlicher Ausfall England so empfindlich
schadete, als vielmehr die Ungewiheit fr die Zukunft, welche jede
sichere Berechnung ausschlo und England die Bezugsquellen fr seine
deutschen Verstrkungen ganz abzuschneiden drohte. Eben darin liegt die
Bedeutung der Politik Friedrich's fr den amerikanischen Krieg. Sie war
in ihren Folgen fr Washington soviel als ein neuer Bundesgenosse werth,
sie gnnte ihm Zeit zur Erholung und half das Kriegsglck wenden. Ohne
es zu wollen, erwies also der groe Knig dem republikanischen Feldherrn
einen wesentlichen Dienst.




Zehntes Kapitel.


Die Vertrge, deren Abschlu in den vorhergehenden Kapiteln erzhlt
worden ist, muten, wenn sie gltig werden und in Kraft treten sollten,
selbstredend erst vom englischen Parlamente genehmigt werden, von dessen
Entscheidung sogar wie bei der Armee des eigenen Landes, so auch bei den
Hlfstruppen die Fortdauer und Auszahlung des Soldes fr jedes neue
Verwaltungsjahr abhing. Das Ministerium North konnte im damaligen
Parlamente mit Hlfe der Abgeordneten vom Lande stets auf eine
dienstbereite Majoritt rechnen, behandelte deshalb auch in allen
entscheidenden Fragen die Legislative mit einer geflissentlich zur Schau
getragenen Geringschtzung und trat namentlich nach Auen hin mit einer
so absoluten Sicherheit auf, als ob gar kein gesetzgebendes Votum in
England existirte. Gleichwohl aber konnte es sich seinen
konstitutionellen Verpflichtungen nicht entziehen und legte deshalb
schon Ende Februar 1776 die mit Braunschweig, Kassel und Hanau
abgeschlossenen Vertrge dem Hause der Lords und Gemeinen vor.

Suffolk hatte rechtzeitig Sorge getragen, den betreffenden deutschen
Frsten die formelle Nothwendigkeit dieser Maregel in mglichst
gnstigem Lichte darzustellen. Man werde sie allerdings angreifen, sogar
ohne jede Schonung und in sehr harten Ausdrcken; allein das sei in
einem konstitutionellen Staate einmal nicht zu vermeiden und ndere im
Uebrigen nichts an dem bestehenden Vertragsverhltni, indem Lhnung und
Subsidien nach wie vor bezahlt werden wrden. Diese letztere Gewiheit
beruhigte denn auch die deutschen Landesvter. Eine deutsche unabhngige
Presse gab es zu jener Zeit nicht. Der in allen anderen Fragen
entscheidende und unabhngige Hofrath Schlzer stand als Gttingen'scher
Professor mit seinem _Briefwechsel_ auf Seiten des Knigs von England,
druckte also keine feindseligen Parlaments-Verhandlungen ab, und so
hrten denn die Unterthanen nichts von der Charakteristik, welche die
Minoritt des englischen Parlaments von den deutschen Herrschern
entwarf. Daran, da die Mehrheit des gebildeten und denkenden Europa sie
verachtete und durch die hier mitzutheilenden Verhandlungen sie erst
recht verachten lernte, lag ihnen bei der guten Bezahlung herzlich
wenig.

Die Vertrge wurden im Hause der Gemeinen am 29. Februar 1776 zuerst
debattirt. Lord North hatte bei Motivirung ihrer Einreichung auf die
Nothwendigkeit der Maregel hingewiesen und groe Wirkungen von ihr
erwartet. Es knne, sagte er, hier berhaupt nur auf die Beantwortung
von drei an sich ganz klaren Fragen ankommen, nmlich:

  1. ob die zur Miethe vorgeschlagenen Truppen nthig,
  2. ob die Bedingungen, auf welche hin sie beschafft wrden,
     vortheilhaft seien,
  3. ob ihre Strke hinreiche, um die beabsichtigten Zwecke zu
     erreichen?

Ad 1. antwortete er, da, da es die Absicht des Parlamentes sei, die
amerikanischen Kolonieen zum Gehorsam zurckzubringen, dieselbe nicht
besser als durch die Annahme dieser Maregel erreicht werden knne, denn
diese deutschen Soldaten seien wohlfeiler zu haben als englische
Rekruten;

ad 2. kosteten die fremden Truppen, selbst abgesehen von ihrer
verhltnimigen Wohlfeilheit weniger als je vorher, zumal wenn der
Krieg nur ein Jahr dauere;

ad 3. aber werde diese Streitmacht im Stande sein, vielleicht ohne
fernern Blutverlust die Kolonien zu unterwerfen.

Lord _Cavendish_ hielt die vorgeschlagene Maregel in allen ihren
Theilen fr verderblich. Sie sei die erste beunruhigende Folge des
amerikanischen Krieges und entehre England in den Augen von ganz Europa.
Es msse sich in der erniedrigendsten Weise an einige kleine deutsche
Staaten wenden und sich Unwrdigkeiten gefallen lassen, die bisher noch
nie einem gekrnten Haupte, geschweige denn dem Beherrscher eines
mchtigen und reichen Knigreichs geboten worden. Der Redner erklrte
sich aus folgenden Grnden gegen den Vertrag: Einmal erhalte das
Hlfskorps Bezahlung, ehe es nur marschirt sei, dann empfange es ein zu
hohes Werbegeld per Kopf; ferner zahle man den kleinen Frsten doppelte
Subsidien, die selbst dann noch fortdauerten, nachdem die Truppen in
ihre Heimath zurckgekehrt seien, und endlich fhre man ein Korps von
17,000 Fremden in die Besitzungen der englischen Krone ein, ohne es der
Kontrolle des Knigs oder Parlaments zu unterwerfen, indem es laut
Vertrag nur unter dem Kommando seiner Generale stehe.

Lord _Irnham_ errterte die staatsrechtliche Seite der Frage und
erklrte die betreffenden Frsten fr nicht kompetent, solche Vertrge,
wie die zur Annahme vorliegenden, abzuschlieen. Sie seien dem Kaiser
Gehorsam schuldig und drften ihr Land nicht einer Sache zu Liebe
entvlkern, die in keiner Weise etwas mit dem Reiche zu thun habe, und
welche dieses in den Augen Europa's verchtlich machen msse als eine
Pflanzschule fr Menschen, die von Reicheren, aber Ungerechten und
Sittenlosen gegen Bezahlung zur Unterdrckung der Schwachen und zur
Aufrechterhaltung der Willkr gemiethet wrden. Ich will hier nicht
von den Gefhlen jener Frsten sprechen, die ihre Unterthanen fr solche
Zwecke zu verkaufen im Stande sind. Wir haben von Sancho Pansa's heiterm
Wunsche gelesen, der fr den Fall seiner Erhebung zum Frsten bat, da
alle seine Unterthanen Mohren sein mchten, damit er sie alle verkaufen
knnte und recht viel baares Geld in die Hand bekme; aber dieser
Wunsch, so lcherlich und unanstndig er auch fr einen Herrscher
erscheinen mag, ist viel unschuldiger als die Handlungsweise der
deutschen Frsten, die ihre Unterthanen in einem zerstrenden Kriege
opfern, und zu diesem Verkauf noch das Verbrechen hinzufgen, sie zur
Vernichtung viel besserer Menschen, als sie selbst sind, auszusenden.
Dann aber knne die Verpflichtung, im Nothfalle den Lnderbesitz des
Landgrafen zu schtzen, sehr unangenehm werden. Wenn nun der Kaiser,
ber die Handlungsweise seiner Vasallen entrstet, eine Exekution
vornehme und an England Entschdigungs-Ansprche mache? Dann sei der
Knig von Preuen an seiner Thr, der offenbar die Gelegenheit ergreifen
werde, die diesseitige Regierung zur Zahlung der Lstr. 600,000 zu
zwingen, um die sie ihn bei dem letzten Friedensschlu gebracht haben
solle. Die Vertrge seien in jeder Beziehung nicht rathsam und sogar
schmachvoll fr die Nation; man msse ihnen also unbedingten Widerstand
entgegensetzen.

Whrend _D. Hartley_ die vorgeschlagene Maregel fr die schmachvollste,
unnatrlichste und heilloseste von allen bisher dem Parlament zur
Annahme vorgelegten Vorschlgen erklrt, und whrend er vor den
schlimmen Folgen warnt, welche eine derartige Hereinziehung fremder
Mchte in den Streit haben msse, und welche vor Allem jede Aussicht auf
Wiedervershnung abschneide, spricht James _Luttrell_ sein Erstaunen
darber aus, da sich das Ministerium jetzt an das Parlament wende, um
17,000 Deutsche nach Amerika zu senden. Groer Gott, fr welchen Zweck!
Um 180,000 ihrer Landsleute zu Sklaven zu machen, von denen viele, um
unsern Schutz zu suchen, ihren Tyrannen entflohen. Meine Schtzung ist
noch sehr gering, denn indem ich von Georgia und West-Florida ausgehe,
wo einige deutsche Niederlassungen sind, komme ich nach Pensylvanien,
einer der blhendsten und grten unserer amerikanischen Kolonieen, von
deren Bevlkerung mehr als die Hlfte Deutsche sind, die kaum englisch
sprechen. Die deutschen Niederungen am Mohawk-Flu, die sich hinter
New-York und New-Yersey ausdehnen, sind sehr kultivirt und gelten als
das beste Land jener Provinzen. Einige tausend Deutsche sind die
Ansiedler und Verbesserer jenes Landes und die nchsten Nachbarn der
fnf Nationen. Sie handeln mit ihnen, sprechen ihre Sprache, und die
Voraussetzung ist sehr natrlich, da sie die Indianer berreden werden,
die Streitaxt gegen die Truppen des Knigs zu ergreifen. Die Deutschen
haben einige bedeutende Niederlassungen am Connecticut-Flu, wenn auch
nur wenige in Neu-England und im Norden leben. Es scheint mir durchaus
unthunlich, diese Ansiedler durch Waffengewalt mit einer solchen
Handvoll deutscher und englischer Streitkrfte erobern zu wollen, allein
ich glaube, diese Maregel bietet unseren gemietheten Truppen eine
ausgezeichnete Gelegenheit zur Desertion, weil ihnen von ihren bereits
angesiedelten Landsleuten Land und Schutz versprochen werden wird. Diese
kriegerischen Transporte, die wir ausrsten, dienen so gut wie die mit
Pflzern beladenen Schiffe dazu, Amerika mit Deutschen zu bevlkern. Es
scheint mir deshalb keine gute Politik, diese fremden Truppen zu
miethen, einmal weil sie fnf mal soviel von ihren Landsleuten in
Amerika und viele Indianer veranlassen werden, in die Provinzial-Armee
einzutreten, dann aber, weil sie desertiren und Land brauchen werden,
wodurch wir also die gemietheten Truppen gegen uns bekommen.

Das Ministerium gab zu, da die Bedingungen hart und die Ausgaben stark
seien, kam aber wiederholt auf die Nothwendigkeit der Maregel zurck,
da es sich im gegenwrtigen Stadium des Kampfes nur um die Frage handle,
ob England Amerika aufgeben oder seine Souvernitt ber die dortigen
Kolonien wiedererlangen solle.

Das Knigreich habe immer fremde Truppen nthig gehabt, meinte der
Kriegsminister Lord _Barrington_ -- um seine Kriege zu fhren und die
Regierung zu sttzen; im Lande selbst seien jetzt keine Rekruten zu
haben, und wenn der Handel mit den fremden Truppen nicht so vortheilhaft
gewesen sei, als er wohl habe sein knnen, so habe man, nur durch die
Nothwendigkeit gezwungen, die von den fremden Frsten vorgeschriebenen
Bedingungen annehmen mssen.

Edmund _Burke_ warf dem Ministerium mit vernichtendem Hohne vor, da
selbst zu einer Zeit, wo der Aufstand im Innern des Knigreiches
gewthet und die vllige Auflsung der gesetzlich herrschenden Gewalt
gedroht habe, kein so schimpflicher und theurer Handel abgeschlossen
worden sei. Beim Beginne der Sitzung habe es geheien, es solle kein
fremder Soldat zur Bekmpfung der amerikanischen Kolonieen verwandt
werden, jetzt knne auf einmal nichts ohne fremde Hlfe gethan werden,
und zwar aus dem Grunde, weil diese letztere wohlfeiler sei. Zur Stunde
lasse man auch den Vorwand der Wohlfeilheit fallen, denn es ergebe sich,
da England fr jedes Tausend Fremder, die es in seinen Dienst nehme,
gerade so viel bezahle als fr fnfzehnhundert Eingeborene. Wenn Lord
North beschuldigt werde, der Befrderer dieser Maregel zu sein, so
leugne er die Thatsache und behaupte, nur mit den brigen Ministern des
Knigs gearbeitet zu haben; wenn sie aber einer andern Klasse Menschen
zugeschrieben werde, so beanspruche er das ganze Verdienst dafr.

Oberst _Barr_, der alte Freund der amerikanischen Unabhngigkeit,
fragte die Minister, ob das Tuch fr die deutschen Truppen in England
oder in Deutschland gekauft werden solle? Er bezweifle nicht, da dieser
Verkauf von Menschenfleisch sich fr das Geschft der Tuchfabrikanten
von Hessen und Braunschweig als eben so vortheilhaft erweisen werde, als
er sich schon gewinnreich fr den Beutel der betreffenden Frsten
bewhrt habe. Der Knig solle in einer Petition gebeten werden, seinen
Einflu dahin aufzubieten, da die jetzt oder spter in englischem Sold
stehenden deutschen Truppen mit Tuch aus den englischen Fabriken
bekleidet werden mchten. -- (Es sei hier in Parenthese bemerkt, da der
Knig in Folge dieses Antrages den Landgrafen von Hessen auch
aufforderte, das Tuch fr seine Soldaten in England zu kaufen, da
dieser aber die Bitte, als auer jeder Beziehung zu seinem Vertrage
stehend, kurzer Hand abwies.)

Der letzte Redner im Unterhause war der Alderman _Bull_, der vom
Standpunkte des liberalen Londoner Brgers aus die Vertrge angriff. Der
Krieg, sagte er, den man gegen Amerika fhre, sei ein ungerechter; er
sttze sich auf Unterdrckung und sein Ende werde Elend und Schande
sein. Das Ministerium solle es nicht dahin bringen, da die
Geschichtsschreiber sagen, da russische und deutsche Sklaven gemiethet
worden, um die Shne Englands und der Freiheit zu unterjochen, und da
unter der Herrschaft eines Frsten aus dem Hause Braunschweig der
nichtswrdige Versuch gemacht worden sei, jenen Geist auszurotten, der
seine Vorfahren auf den Thron brachte und sie trotz Verrtherei und
Rebellion dort befestigte.

Aber alle diese Appellationen an Ministerium und Knig halfen nichts,
die Minoritt war zu schwach, und mit 242 gegen 88 Stimmen wurden die
Vertrge vom Hause an das Committee of Supplies verwiesen, welches
selbstredend am 4. Mrz zu deren Gunsten berichtete.

Bei den Lords kamen die Vertrge am folgenden Tage, am 5. Mrz 1776, zur
Verhandlung.

Der Herzog von _Richmond_ beantragte zunchst, den Knig zu bitten, da
er Befehl gebe, den Marsch der deutschen Truppen und zugleich die
Feindseligkeiten in Amerika einzustellen. Der Redner gab eine kurze
Geschichte der mit dem Landgrafen von Hessen von 1702 bis 1762
abgeschlossenen Vertrge, wies nach, wie sie bei jeder Gelegenheit ihre
Forderungen erhhten, bessere Bedingungen erpreten und nie verfehlten,
die frhere Erpressung als Przedenzfall oder als Basis fr einen
sptern Vertrag aufzustellen. Das sei auch jetzt der Fall. Der vorletzte
Vertrag habe die Subsidien nur fr eine gewisse Zeit gewhrt, der
gegenwrtige verdoppele sie und werde England wohl anderthalb Millionen
Pfund an Extrasubsidien kosten. Schlimmer als das seien aber der
unbestimmte Wortlaut der Vertrge, ihre zweideutige Ausdrucksweise und
die darin aufgestellten gefhrlichen Przedenzflle. Allerdings spreche
der Vertrag von gegenseitiger Hlfsleistung und Bundesgenossenschaft,
allein die betreffenden Ausdrcke seien nichtssagende Redensarten.
Seinem Wesen nach sei der Vertrag nichts anderes, als ein nichtswrdiger
Handel, um eine Anzahl Miethsknechte in Dienst zu nehmen, die gleich so
und so viel Stck Vieh auf die Schlachtbank gefhrt werden sollten. Kein
anderes gemeinschaftliches Interesse verbinde die beiden abschlieenden
Theile, als da der eine mglichst viel Geld zahle und der andere
mglichst viel erhalte. Aber selbst angenommen, da die Vertrge ein
wirkliches Bndni vorstellen sollten, was werde die Folge sein? England
msse im Falle eines Angriffes jenen Frsten helfen, also fr die
Untersttzung von ein paar Tausend fremder Sldlinge nicht allein
doppelt zahlen, sondern auch ihre Herren im Besitze ihres Gebietes
schtzen. Zu Ende des letzten franzsisch-amerikanischen Krieges habe
Herr Mauduit berechnet, da jeder franzsische Skalp 10,000 Pfd.
gekostet habe. Die Lords mchten danach berechnen, was ein
amerikanischer Skalp koste, wenn fr 17,000 fremde Sldlinge anderthalb
Millionen Pfund per Jahr zu bezahlen seien. Endlich aber sei die Gefahr
vorhanden, da Differenzen zwischen den Offizieren entstehen mchten und
da ein hessischer General den Oberbefehl erhalte, wenn dem
Kommandirenden in Amerika etwas zustoen sollte.

Lord _Suffolk_ (der uns schon bekannte Minister des Auswrtigen)
vertheidigte natrlich dem Vorredner gegenber die Politik der
Regierung. Es habe derselbe -- sagt er -- keinen einzigen gewichtigen
und stichhaltigen Grund gegen die zur Annahme vorliegenden Vertrge
vorgebracht, noch ein einziges Beispiel angegeben, wo von den frheren
Vertrgen mit den betreffenden Frsten im Wesentlichen abgewichen sei.
Im Inhalte stimmten sie beide berein, nur enthalte einer der
gegenwrtigen Vertrge einige pomphafte, hochtnende Phrasen mehr. Die
Absicht des Ministeriums sei kein Bndni mit Hessen gewesen, sondern
nur die, ein Korps Truppen zu miethen, welches der Krieg in Amerika
nthig gemacht habe. Wenn der Krieg in einem Jahre beendet werde, so sei
der Handel uerst vortheilhaft, weil dann nur _eine_ jhrliche doppelte
Subsidie gezahlt zu werden brauche, die einer einfachen Subsidie fr
zwei Jahre gleich komme. Wenn nun der Krieg zwei Jahre dauere, so
verliere die Regierung weder, noch gewinne sie, weil zwei Jahre
doppelter Subsidien vier Jahren einfacher Subsidien gleich seien. Wenn
aber der Krieg lnger als zwei Jahre dauere, dann msse er bekennen, sei
der Vertrag unvortheilhaft fr England. Aber selbst ungnstige
Bedingungen msse man hinnehmen, wenn man die Truppen brauche. Die Frage
knne also nur lauten, ob man sie nthig habe? Diese Frage msse
unbedingt bejaht werden. Zudem seien die Bedingungen, unter denen die
Truppen geliefert worden, leicht und gnstig, denn unter
Bercksichtigung aller Umstnde, der kurzen Frist, der Unannehmlichkeit
des Dienstes in solcher Entfernung von Europa, sei er, der Redner, fast
erstaunt, da England diese Soldaten so billig erhalten habe. Der zum
Schlusse vom Herzog von Richmond vorgebrachte Einwand zerfalle in sich,
da der kommandirende General immer hher stehe als ein selbst im
Dienstalter ber ihm stehender General; die Gefahr, durch irgend welchen
Zufall oder ein Unglck einen Fremden zum Obergeneral zu erhalten, sei
also nicht vorhanden.

Der Earl von _Carlisle_ stimmte mit der Ausfhrung des Lord Suffolk
berein und wies darauf hin, da, da einmal Zwangsmaregeln gegen
Amerika angewandt werden mten, man auf das Ausland zur Beschaffung der
auerordentlichen Werkzeuge zur Ausfhrung dieses Zweckes angewiesen
sei. Die groe Zahl der Hnde, welche zur Betreibung der englischen
Manufakturen tglich nthiger werde, die geringe Erfahrung neu
Ausgehobener und der Wunsch, die gegenwrtigen Unruhen so schnell als
mglich zu beenden, habe die Verwendung fremder Truppen an Stelle der
einheimischen als am geeignetsten erscheinen lassen. Kein unbefangen
Urtheilender werde leugnen, da England beim besten Willen nicht die
erforderliche Anzahl Soldaten besitze, um die Operationen auszufhren,
welche der Dienst in Amerika nothwendiger Weise verlange.

Des Knigs Bruder, der Herzog von _Cumberland_, stimmte dagegen mit der
Opposition. Ich bin von Anfang an -- sagte er -- gegen jede Art
Gewaltmaregel gewesen, und mibillige deshalb die Politik der Minister.
Ich bedauere aus diesem Grunde auch, da ich sehen mu, wie
Braunschweiger, die einst zu ihrer eigenen groen Ehre die Freiheiten
der Unterthanen so tapfer vertheidigten, jetzt ausgesandt werden, um die
konstitutionellen Freiheiten in einem andern Theile dieses groen
Reiches zu unterdrcken.

Die brigen Redner, wie der Herzog von _Manchester_, Earl von
_Effingham_ und Lord _Camden_, welche sich dem Herzog von Cumberland
anschlossen, sagten mit Ausnahme von Lord Camden nicht viel Neues. Wenn
ich die Vertrge recht verstehe -- meinte dieser -- so enthalten sie ein
Uebereinkommen mit dem Herzog von Braunschweig, mit dem Landgrafen von
Hessen-Kassel und dem Grafen von Hanau fr eine bestimmte Anzahl Truppen
zu einem bestimmten Preise. Um diesem Handel den Schein dessen zu geben,
was er nicht ist, wurde das Ganze mit hochtnenden Redensarten von einer
Allianz ausstaffirt, die sich auf gemeinschaftliche Interessen und
gemeinschaftliche Hlfeleistung sttzt, als ob diese kleinen Staaten
beim Ausgang des zwischen uns und Amerika schwebenden Krieges irgend wie
betheiligt wren. Die ganze Verhandlung ist nichts als ein Gewebe von
Lug und Trug, wie es noch nie einem Hause des Parlaments aufgeschwindelt
wurde; sie ist nichts als ein gemeiner Schacher fr die Miethe von
Truppen auf der einen Seite und der Verkauf menschlichen Blutes auf der
andern Seite, und die armen in ihr Schicksal ergebenen Teufel, welche so
fr die Abschlachtung verkauft worden, sind armselige Sldlinge im
schlimmsten Sinne des Wortes. Jetzt blicken Sie auf die Vertrge in
ihrem wahren Lichte, in ihrer ganzen Nacktheit! Wir bezahlen nicht
allein mehr fr diese Miethlinge als je vorher, sondern treten sogar,
statt die uns gebotenen Vortheile zu benutzen, in ein Offensiv- und
Defensiv-Bndni mit jenen kleinen Frsten, ja wir verpfnden die Ehre
der Nation und setzen uns allen bsen Folgen eines Kontinentalkrieges
aus. Aber schlimmer als das ist die Behauptung, da wir die zur
Durchfhrung des Krieges erforderlichen Mannschaften hier zu Lande nicht
auftreiben knnen, und da folglich die vorliegenden Vertrge, welchen
begrndeten Einwendungen sie auch ausgesetzt sein mgen, eine bittere
Nothwendigkeit fr uns sind. Diese Behauptung als richtig vorausgesetzt,
wrde unsre Rettung ausschlielich von Fremden abhngen, und all unsre
gerhmte Macht, Vorzge, wie Reichthum und Ansehen im Ausland wren sehr
wenig werth, ja wir knnten keine einzige Segnung uerer Strke oder
innern Glckes lnger genieen, als es unsere wrdigen Freunde, die
Soldatenvermiether, uns gndigst erlauben wrden. Ich bin einer
entgegengesetzten Ansicht. Sollten wir aber wirklich von den Fremden
abhngen, so sind auch unsere Freiheiten und unsere Unabhngigkeit
dahin.

So wenig sich auch gegen diese Anklagen und Beweisfhrung einwenden
lie, so blieb die Opposition doch mit 32 gegen 100 Stimmen bei der
Abstimmung in der Minoritt. Das Ministerium hatte offenbar darin Recht,
da, nachdem einmal beschlossen worden war, den Krieg zu fhren, man
auch die Soldaten zu seiner Durchfhrung beschaffen mute, und da diese
in England selbst beim besten Willen nicht zu erlangen waren. Die
parlamentarischen Gegner der Maregel sahen zwar recht gut ein, da ihr
Widerstand die bereits feststehende Politik Englands nicht ndern wrde,
indessen benutzten sie die ihnen noch einmal gebotene Gelegenheit, ihrer
Abneigung gegen den Krieg mit Amerika Worte zu leihen und die verlangten
Truppen zu verweigern. Von diesem Gesichtspunkte aus mu man auch die
nachstehende Adresse auffassen, welche die in der Minoritt gebliebenen
zweiunddreiig Lords an den Knig richteten:

Wir, Ew. Majestt getreue und gehorsame Unterthanen und im Parlament
versammelte geistliche und weltliche Lords, bitten gehorsamst, Ew.
Majestt vorstellen zu drfen, da wir mit dem tiefsten Kummer die
Vertrge gesehen haben, welche Ew. Majestt auf den Rath Ihrer Minister
mit ihren Durchlauchten, dem Herzog von Braunschweig, dem Landgrafen von
Hessen-Kassel und dem Grafen von Hanau abzuschlieen und diesem Hause
mitzutheilen geruht haben.

Wir erlauben uns gehorsamst, Ew. Majestt die Gefahr und Schmach
vorzustellen, welche diese unbesonnene Maregel im Gefolge hat, wenn es
bei dem ersten Versuche Grobritanniens, seine Kolonieen zu
unterjochen, schon fr nthig erachtet wird, eine Armee fremder
Sldlinge zu miethen und dadurch vor ganz Europa anzuerkennen, da diese
Knigreiche entweder aus Mangel an Menschen oder aus deren Abneigung fr
diese Art Dienst unfhig sind, eine fr den ersten Feldzug hinlngliche
Anzahl Eingeborener zu stellen. Zu gleicher Zeit ist es fr uns eine
traurige Betrachtung, da die Herausziehung der nationalen Streitkrfte
aus dem Lande (so schwach sie auch fr den beabsichtigten unseligen
Zweck sein mgen) das Knigreich seiner Vertheidigung berauben und den
Einfall mchtiger Nachbaren und fremder Vlker preisgeben wird.

Wir bitten ferner, Ew. Majestt gehorsamst vorstellen zu drfen, da,
wenn auch die Gerechtigkeit und Billigkeit dieses unnatrlichen Krieges
von einem so groen Theil Ihrer Unterthanen nicht in Frage gestellt
wird, doch eine selbst von einzelnen Zugestndnissen begleitete
Vershnung mit den Kolonieen einer gesunden Politik weit mehr
entsprechen wird, als da man die Verfolgung der Feindseligkeiten
Auslndern anvertraut, auf die wir uns nicht verlassen knnen,
Auslndern, welche bei einer so groen Entfernung von ihrer Heimath und
unter dem Einflu der Strapazen des Krieges, der sie nichts angeht und
ihnen so viele Versuchungen bietet, die Knechtschaft mit der Freiheit zu
vertauschen, viel eher zur Meuterei und Desertion neigen, als treu und
gewissenhaft mit Ew. Majestt geborenen Unterthanen handeln und kmpfen
werden.

Ebensowenig drfen wir Ew. Majestt die Besorgni verhehlen, die wir
wegen der Tragweite einzelner in den verschiedenen Vertrgen enthaltenen
Artikel fhlen, wonach Sie die Macht haben, diese Truppen in irgend
einem Theil vor Europa zu verwenden. Dadurch werden also Mittel
beschafft, selbst in dieses Knigreich eine fremde Armee einzufhren.
Wir knnen aber Ew. Majestt Ministern nicht so weit vertrauen, um
vorauszusetzen, da sie zu gewissenhaft sein wrden, um Ihnen eine
solche Maregel anzurathen, zumal sie schon fremde Truppen in zwei
unserer wichtigsten und strksten Festungen gelegt und sich erboten
haben, noch 4000 Fremde ohne vorherige Genehmigung des Parlaments nach
dem Knigreich Irland zu schicken. Wir haben vielmehr gerechten Grund
zur Befrchtung, da die Kolonieen, wenn sie hren, wie England
auswrtige Bndnisse eingeht und fremde Truppen zu ihrer Vernichtung
miethet, sich fr berechtigt halten werden, das gegebene Beispiel
nachzuahmen und hnliche Hlfe zu suchen; ja da Frankreich, Spanien,
Preuen und andere europische Mchte sich ebensogut wie Hessen,
Braunschweig und Hanau fr befugt erachten werden, sich in unsern
huslichen Zwist einzumischen. Wenn dann, was sehr mglich ist, aus
diesen Schritten die Flammen eines europischen Krieges angefacht werden
sollten, so denken wir mit Schrecken an die Lage dieses Landes, welches
den furchtbaren Angriffen mchtiger Feinde zu einer Zeit Widerstand
leisten soll, wo die Kraft und Blthe der Nation auf der andern Seite
der Welt zu nutzlosen Kriegszgen vergeudet wird.

Sodann frchten wir, da der Vertrag, der dem Landgrafen von Hessen
nicht blos im Falle eines Angriffes oder einer Beunruhigung in seinen
Besitzungen allen in der Macht Ew. Majestt liegenden Beistand sichert,
sondern diesen Beistand sogar so lange fortsetzt, bis der Landgraf volle
Sicherheit und gerechte Schadloshaltung erlangt haben wird; da dieser
Vertrag das Knigreich zwingt, ohne irgend eine Gegenleistung an jedem
Streit auf dem Kontinent Theil zu nehmen, in welchen Seine Durchlaucht
verwickelt werden sollte. Oder was fr Hlfe knnte diese Insel von
einem winzigen Lndchen im Herzen Deutschlands erwarten, aus welchem
schon mehr Truppen gezogen sind, als es zu seiner eigenen Vertheidigung
nthig hat, und dessen Einknfte nicht hinreichen, ohne die gezahlten
Subsidien selbst diejenigen Soldaten zu unterhalten, welche es
vermiethet hat? Es will uns deshalb scheinen, als ob diese Verpflichtung
Grobritanniens zur Vertheidigung und Entschdigung des Landgrafen als
ein Theil des Preises, zu welchem es die gemietheten Truppen bezahlt,
angesehen werden mu. Wenn diese Kosten, die unmglich abgeschtzt
werden knnen, zu den enormen Ausgaben fr Werbegeld, fr
Vervollstndigung der in den verschiedenen Korps eingetretenen Verluste
und fr ordentliche und auerordentliche Subsidien, selbst nach der
Rckkehr der Truppen in ihre Heimath, hinzugefgt werden, so knnen wir
in Wahrheit sagen, da England noch nie zuvor einen so kostspieligen,
ungleichen, unehrenhaften und in seinen Folgen so gefhrlichen Vertrag
abgeschlossen hat.

Wir flehen deshalb Ew. Majestt unterthnigst an, sofortigen Befehl zu
geben, da die hessischen, braunschweigischen und hanauischen Truppen
nicht marschiren, und da die Feindseligkeiten in Amerika eingestellt
werden, damit eine schleunige und dauernde Wiedervershnung zwischen den
streitenden Parteien dieses in sich zerrissenen Reiches angebahnt werden
knne. --

Natrlich diente dieser Protest nur dazu, den Standpunkt der Minderheit
zu wahren; auch er wurde mit 100 gegen 32 Stimmen von den Lords
verworfen und blieb deshalb ein todter Buchstabe. Nachdem sich das
Parlament einmal mit groer Majoritt fr die Zweckmigkeit der vom
Ministerium befolgten Politik ausgesprochen und die drei ersten Vertrge
mit Braunschweig, Kassel und Hanau genehmigt hatte, standen den ferneren
Truppenlieferungen seitens Waldeck's, Anspach's und Zerbst's um so
weniger Hindernisse im Wege, als die betreffenden Vertrge sich in ihren
wesentlichen Bestimmungen an ihre Vorgnger anlehnten und zum Theil
gnstiger fr England waren. Es gengt hier also die kurze Bemerkung,
da die drei letzten Vertrge ohne jede Debatte von beiden Husern
angenommen wurden.

Uebrigens verhielt sich die ffentliche Meinung Europa's diesem
Menschenhandel gegenber im Ganzen ziemlich gleichgltig. Es waren nur
die hervorragendsten Geister Englands, Frankreichs und Deutschlands,
welche das Verbrechen in seiner ganzen Tragweite erkannten und an den
Pranger stellten. Whrend die Worte der Opposition im englischen
Parlament ungehrt verhallten oder in den unvollstndigen Berichten
seiner Sitzungen begraben wurden, nahm ein zu jener Zeit in Holland
lebender, kaum bekannter franzsischer Flchtling, der zwlf Jahre
spter Europa's grter Volkstribun wurde, im Namen der Menschlichkeit
und der Ideen des Jahrhunderts das Wort gegen England und die es
bedienenden deutschen Frsten. Dieser Mann war kein geringerer als
_Mirabeau_, der revolutionre Titan, der mit der alten Ordnung der Dinge
kmpfte und sie endlich glcklich ber den Haufen werfen half, damals
noch nicht der vom Kampf ermdete, vom Lebensgenu erschpfte Ringer,
der mit dem unterliegenden Knigthum einen Vergleich eingehen wollte.
Seine der ffentlichen Meinung des denkenden Europa vorgelegte Anklage
hatte gerade deshalb einen so unermelichen Erfolg, weil ihre
begeisterten unwilligen Worte in der Sprache Rousseau's gedacht waren,
weil ihre ganze Anschauung in der Philosophie jener Zeit wurzelte; sie
wirkte deshalb so drastisch und unmittelbar, weil sie unbekmmert um
Herkommen, Ueberlieferung und Geschichte die schlummernde Thatkraft in
den Unterdrckten zu wecken suchte. Was uns jetzt als Phrase erscheint,
war im Munde Mirabeaus und seiner Zeitgenossen das hchste Pathos.

Der Titel dieser vom Landgrafen von Hessen eiligst aufgekauften und
darum hchst selten gewordenen Flugschrift heit[6]: _Rath an die
Hessen und die brigen von ihren Frsten an England verkauften Vlker
Deutschlands_. Ihr Inhalt folge hier unverkrzt; er lautet:

Unerschrockene Deutsche! Welches Schandmal lat Ihr Euch auf Eure edle
Stirne brennen? Ist es dahin gekommen, da am Ende des achtzehnten
Jahrhunderts die Vlker Mittel-Europa's die Sldlinge eines verhaten
Despotismus spielen? Ist es dahin gekommen, da die braven Deutschen,
die ihre eigene Freiheit so verzweifelt gegen die Eroberer der Welt
vertheidigten und den rmischen Heeren Trotz boten, gleich elenden
Negern verkauft werden und ihr Blut im Interesse der Tyrannen zu
verspritzen suchen? Ist es dahin gekommen, da unter Euch Menschenhandel
getrieben, Eure Stdte entvlkert, und Eure Lande ausgesaugt werden, um
bermthige Lords in der Verwstung einer andern Hemisphre zu
untersttzen? Wollt Ihr die blinde Verstocktheit Eurer Herren noch
lnger theilen? Ihr, wackere Soldaten! Die treuen und festen Sttzen
ihrer Macht! jener Macht, die ihnen nur zum Schutze ihrer Unterthanen
anvertraut wurde! Ihr seid verkauft und fr welchen Zweck? Gerechter
Himmel! Wie Vieh in fremden Schiffen zusammengepfercht, werdet Ihr
ber's Meer gefhrt! Ihr trotzt den Klippen und Strmen, um gegen Leute
zu kmpfen, die Euch nicht gekrnkt haben, die eine gerechte Sache
verfechten und die Euch das herrlichste Beispiel geben! Ach! warum ahmt
Ihr sie nicht nach, diese muthigen Mnner, anstatt da Ihr sie zu
verderben sucht? Sie brechen ihre Ketten, sie kmpfen fr die Wahrung
ihrer natrlichen Rechte, fr die Sicherung ihrer Freiheit. Sie reichen
Euch die Hand entgegen; sie sind Eure Brder; die Natur hat sie dazu
gemacht und gesellige Bande haben diesen heiligen Titel besttigt. Mehr
als die Hlfte dieses Volkes besteht aus Euren Landsleuten, Freunden und
Verwandten. Sie sind bis an's Ende der Erde geflohen, um der Tyrannei zu
entgehen, und die Tyrannei verfolgt sie bis dahin. Unterdrcker, die
ebenso habgierig als undankbar sind, haben Ketten fr sie geschmiedet
und die hochsinnigen Amerikaner haben Waffen aus diesen Ketten
geschmiedet, zum Widerstande gegen die Unterdrcker. Die neue Welt steht
daher im Begriffe, Euch zu den Ungeheuern zu zhlen, welche sie aus
Geld- und Blutdurst verheert haben! Deutsche, die Ihr Euch immer durch
Biederkeit auszeichnetet, schreckt Ihr nicht zurck vor einem solchen
Vorwurfe?

Mu man zu diesen Beweggrnden, die auf alle Mnner so berzeugend
wirken, auch noch jene fgen, welche das Interesse von Sklaven ebenso
nahe berhren, wie das freier Brger? Wit Ihr denn auch, welch ein Volk
Ihr anzugreifen im Begriffe seid? Wit Ihr wohl, welche Kraft im
Fanatismus fr die Freiheit ruht? Es ist dies der einzige Fanatismus,
den man nicht hassen kann, sondern achten mu, und doch ist er der
mchtigste unter allen Arten von Fanatismus. Ihr kennt ihn nicht, blinde
Menschen, die Ihr vor dem gehssigsten Despotismus kriecht, welcher Euch
zum Verbrechen treibt, und Euch doch noch frei dnkt; Ihr kennt ihn
nicht, Ihr, welche die Laune der Habgier eines Despoten gegen Leute
bewaffnen kann, die sich um das ganze Menschengeschlecht verdient
machen, weil sie dessen Sache verfechten und ihm ein Asyl bereiten.

Oh ihr Sldlinge und Tyrannenknechte! Entnervte Europer! Ihr geht zum
Streit gegen Mnner, die strker, tchtiger, khner und rascher sind als
Ihr mglicher Weise sein knnt! Sie sind von groartigen Interessen
beseelt, Euch leitet nur schmutziger Gewinn; sie vertheidigen ihr
Eigenthum und kmpfen fr ihren huslichen Heerd, Ihr verlat Euren
Heerd und kmpft nicht fr Euch selbst. Sie fhren Krieg im Schooe
ihres Vaterlandes, unter einem gewohnten Klima, untersttzt von allen
Hlfsmitteln, welche die Heimath bietet, und zwar gegen eine Bande,
welche der Ozean ausgespieen hat, nachdem er sie zur Niederlage reif
gemacht. Die mchtigsten und heiligsten Beweggrnde entflammen ihren
Muth und leiten ihre Schritte zum Sieg. Fhrer, die Euch verachten,
whrend sie Euch bentzen, werden der unwiderstehlichen Beredsamkeit der
Freiheit, des Bedrfnisses und der Nothwendigkeit, nur leeren Wortkram
entgegenzusetzen haben. Endlich, um das Ganze in _ein_ Wort
zusammenzufassen, ist die Sache der Amerikaner eine gerechte, whrend
Himmel und Erde diejenigen verdammen, die zu untersttzen Ihr Euch nicht
schmt.

Deutsche, wer hat Euch diese Kampfwuth, diese barbarische Mordlust,
diese abscheuliche Hingebung an die Tyrannei eingeflt?.... Nein! ich
will Euch nicht mit den fanatischen Spaniern vergleichen, die aus Lust
an der Zerstrung zerstrten, die sich in Blut badeten, als die
erschpfte Natur ihre unersttliche Habgier einer noch wildern
Leidenschaft Platz zu machen zwang. Edlere Gefhle und leichter zu
entschuldigende Irrthmer mileiten Euch. Diese Treue gegen Eure
Frsten, welche schon Eure Vorfahren auszeichnete; diese Gewohnheit zu
gehorchen, ohne zu bedenken, da es Pflichten gebe, die heiliger sind
als der Gehorsam und welche allen brigen vorangehen; diese
Leichtglubigkeit, welche Euch der Leitung einiger unberlegter und
ehrgeiziger Mnner folgen heit -- das sind Eure Fehler; aber sie werden
zu Verbrechen, wenn Ihr nicht am Rande des Abgrundes inne haltet. Schon
sind sich Eure Landsleute, die Euch vorangegangen, ihrer Blindheit
bewut und die Wohlthaten dieses Volkes, das sie noch vor kurzer Zeit
abschlachten halfen und welches sie jetzt, wo es nicht mehr das Schwert
des Henkers in ihren Hnden sieht, wie Brder behandelt, erschweren ihre
Gewissensbisse und vervielfltigen ihre Reue.

Zieht Nutzen aus ihrem Beispiele, Soldaten! Denkt an Eure Ehre, denkt an
Eure Rechte! Habt Ihr nicht denselben Anspruch darauf wie Eure Frsten?
Ja, ohne Zweifel, aber diese Wahrheit ist noch nicht genug
ausgesprochen. Menschen stehen hher als Frsten, die grtentheils
dieses Namens nicht wrdig sind. Ueberlat es ehrlosen Hofschranzen und
Gotteslsterern, die kniglichen Vorrechte und deren Unbeschrnktheit zu
preisen, und verget nicht, da Alle nicht fr Einen gemacht wurden, da
es eine hhere Macht giebt als frstliche Macht, da der, welcher ein
Verbrechen zu begehen befiehlt, keinen Gehorsam verdient und da mithin
Euer Gewissen der hchste unter Euren Herrschern ist. Fragt dieses
Gewissen, und es wird Euch sagen, da Ihr Euer Blut nur fr das eigene
Vaterland vergieen sollt, da es abscheulich ist, einige tausend Meilen
weit zu gehen, um Leute niederzumetzeln, die kein anderes Verhltni zu
Euch kennen als ein solches, das ihnen Euer Wohlwollen sichern sollte.

Das Mutterland giebt vor, einen gerechten Krieg zu fhren, whrend es
sich selbst erschpft, um seine Kinder zu verderben. Es verlangt seine
Rechte und will dieselben nur mit dem Donner der Schlacht besprechen.
Aber habt Ihr diese Rechte -- mgen sie nun wohl begrndet sein oder
nicht -- geprft? Steht es Euch zu, in dieser Streitsache zu Gericht zu
sitzen? Steht es Euch zu, das Urtheil zu fllen oder es zu vollstrecken?
Und worauf laufen diese leeren Ansprche, die so zweifelhaft sind und so
viel bestritten wurden, am Ende hinaus? Der Mensch hat berall, in der
ganzen Welt ein Recht auf Glckseligkeit. Dies ist das hchste Gesetz,
dies ist der beste Rechtsanspruch. Kolonisten ziehen nicht hinaus und
bebauen wilde Gegenden, vermehren die Macht und vergrern den Ruhm des
Mutterlandes, um von diesem unterdrckt zu werden. Und wenn sie
unterdrckt werden, so haben sie ein Recht, das Joch abzuschtteln, denn
das Joch wurde nicht fr den Menschen gemacht.

Und wer sagte Euch, da die Englnder das Aechtungs-Urtheil, das ber
die Amerikaner gesprochen wurde, unterzeichnet haben? Wackere Deutsche!
Schmht nicht durch einen solchen Verdacht eine Nation, die groe Mnner
und vortreffliche Gesetze hervorgebracht, die das heilige Feuer der
Freiheit so lange in ihrem Busen genhrt hat und deshalb Achtung und
Rcksicht verdient. Ach! Auf den britischen Inseln wie berall in der
Welt wiegelt eine kleine Zahl ehrgeiziger Menschen das Volk auf und
fhrt allgemeines Unglck herbei. Die Englnder wurden unglcklicher
Weise in einen Krieg mit ihren Brdern verwickelt, weil auch unter ihnen
der Despotismus seit einigen Jahren mit Erfolg die Freiheit bekmpfte.
Schmeichelt Euch nicht mit dem Gedanken, da Ihr die Sache der Englnder
vertheidigt. Ihr kmpft nur fr die Vergrerung der Macht gewisser
Minister, welche sie verachten und verabscheuen.

Wollt Ihr die wahren Beweggrnde kennen lernen, welche Euch die Waffen
in die Hand gaben? Eitler Luxus und bermige Verschwendung haben die
Finanzen der Frsten, die Euch beherrschen, zu Grunde gerichtet. Ihre
Hlfsquellen sind erschpft und das Vertrauen ihrer Nachbaren haben sie
zu oft getuscht, als da sie sich von Neuem an sie wenden knnten. Um
es wiederzugewinnen, mten sie auf jene verschwenderischen Ausgaben und
auf die tollen Gensse verzichten, deren Befriedigung ihre wichtigste
Beschftigung ist. Dazu knnen sie sich nicht entschlieen, das wollen
sie nicht thun. England braucht Soldaten und Geld und kauft beides zu
theueren Preisen. Eure Frsten beuten dieses augenblickliche Bedrfni
mit der grten Gier aus; sie heben Truppen aus, verkaufen sie und
liefern sie ab. Das ist die Bestimmung Eurer Armee, dies das Ziel, dem
Ihr entgegen geht. Euer Blut ist der Preis der Verderbtheit und der
Spielball des Ehrgeizes. Das Geld, welches der Schacher mit Eurem Leben
eintrgt, wird zur Bezahlung schndlicher Schulden verwendet oder zur
Kontrahirung neuer benutzt werden. Ein gieriger Wucherer, eine
verchtliche Maitresse oder ein gemeiner Komdiant wird die Guineen in
die Tasche schieben, welche gegen Euer Leben eingetauscht wurden.

O Ihr blinden Verschwender, die Ihr mit Menschenleben spielt und die
Frchte ihrer Arbeit und ihres Schweies vergeudet, spte Reue und
nagende Gewissensbisse werden Eure Henker sein; aber diese knnen das
Volk nicht trsten, das Ihr unter Eure Fe tretet. Ihr werdet Eure
Arbeiter und deren Ernten, Eure Soldaten und Unterthanen vermissen, Ihr
werdet weinen ber das Unheil, dessen Urheber Ihr gewesen und das Euch
selbst wie Euer ganzes Volk erdrcken wird. Ein furchtbarer Nachbar
lacht ber Eure Blindheit und bereitet sich vor, daraus Nutzen zu
ziehen. Er schmiedet bereits die Ketten, in die er Euch schlagen wird;
Ihr werdet unter der Last seines Joches seufzen und Euer Gewissen,
welches dann gerechter sein wird als Euer fhlloses Herz, wird die
rchende Furie des Uebels sein, welches Ihr gethan habt.

Und Ihr, betrogene, erniedrigte und verkaufte Vlker, Ihr solltet ber
Eure Irrthmer errthen! Lat den Schleier von Euren Augen fallen und
flieht den Boden, der vom Despotismus befleckt ist. Durchkreuzt das
Meer, flieht nach Amerika; aber umarmt Eure Brder, vertheidigt dieses
edle Volk gegen die bermthige Raubsucht seiner Verfolger, theilt sein
Glck und vermehrt seine Strke. Helft ihm durch Euren Flei und eignet
Euch seine Reichthmer an, indem Ihr sie vergrert; dies ist der Zweck
der Gesellschaft, dies ist die Pflicht des Menschen, den die Natur dazu
bestimmt hat, seinen Nchsten zu lieben, anstatt abzuschlachten. Lernt
von den Amerikanern die Kunst, frei und glcklich zu sein, die Kunst,
gesellschaftliche Einrichtungen zum Vortheile jedes Mitgliedes der
Gesellschaft zu verwenden. Verget in den gerumigen Zufluchtsttten,
welche sie der duldenden Menschheit erffnen, die Bethrung, deren
Theilnehmer und Opfer Ihr waret. Begreift, was wahre Gre, wahrer Ruhm
und wahres Glck ist. Mgen europische Vlker Euch beneiden und die
Migung der Brger der neuen Welt segnen, die darauf verzichten werden,
sie fr ihre Verbrechen zu bestrafen und ihre entvlkerten Gebiete zu
erobern, welche von tyrannischen Unterdrckern beherrscht und von den
Thrnen elender Sklaven befeuchtet werden.

Der Landgraf von Hessen, nicht zufrieden mit dem Aufkauf der
Mirabeau'schen Schrift, suchte diese sogar durch eine Antwort zu
widerlegen, welche den Titel fhrte: _Vernnftiger_ Rath an die Hessen
und sich selbstredend auf die feudalen Legitimittslehren sttzte.
Mirabeau entgegnete ihm aber in einer Erwiderung auf den vernnftigen
Rath, worin er, durch die Beweisfhrung des Gegners genthigt, mehr auf
die leitenden Grundstze eingeht. Wenn die Gewalt -- sagt er dort --
willkrlich und unterdrckend wird, wenn sie das Eigenthum angreift, zu
dessen Schutz sie eingesetzt ist, wenn sie den Vertrag bricht, welcher
ihr ihre Rechte sicherte und beschrnkte, dann wird der Widerstand
Pflicht und kann nicht Emprung heien. Wenn das nicht wahr ist, dann
sind die Hollnder sammt und sonders Verbrecher und Emprer. Wer sich
bemht, seine Freiheit wieder zu erlangen und fr dieselbe kmpft, der
bt ein gesetzliches Recht aus; die Emprung dagegen ist eine durchaus
gesetzliche Handlung. Das Verbrechen gegen die Freiheit der Vlker ist
die grte Unthat.

Gegen diese und hnliche Ausfhrungen lie der Landgraf durch seinen
Minister _Schlieffen_ Artikel in die hollndischen Zeitungen rcken,
welche damals die gelesensten, weil einzig zensurfreien, waren. Auf
Seiten Mirabeau's kmpfte noch der bekannte Abt Raynal, gegen den sich
bald die ganze Wuth des Angriffs richtete, weil seine historischen
Arbeiten ihm einen weitern Leserkreis sicherten, und er damals der
Bekanntere von Beiden war.

Uebrigens scheint Schlieffen sich Mirabeau gegenber nicht blo auf eine
literarische Fehde beschrnkt zu haben. Einige Anzeichen deuten vielmehr
darauf hin, da er an der Auslieferung seines Gegners durch die
Generalstaaten nicht unbetheiligt war. Mirabeau und Sophie waren am 7.
Oktober 1776 in Amsterdam angekommen und lebten hier still und
zurckgezogen, bis sie durch einen franzsischen Polizeispion entdeckt
und am 14. Mai 1777 verhaftet wurden. Der Avis aux Hessois war zu
Anfang 1777 erschienen. Nun behaupten zwar die Biographen Mirabeau's,
da lediglich der alte Marquis und die Eltern Sophie's die Verhaftung
der Flchtlinge verlangt und durch den franzsischen Minister Vergennes
untersttzt, auch bewirkt htten; allein die Quellen, die sie anfhren,
sind sehr lckenhaft und theilweise sogar ganz hinfllig. So ist es z.B.
unmglich, da am 14. Mai die Verhaftung auf Grund eines Urtheils htte
erfolgen knnen, welches, wie das in Pontarlier gegen Mirabeau und
Sophie erlassene, am 10. Mai 1777, also nur vier Tage frher
gesprochen war. Ein Erkenntni lag also noch nicht vor, als die
Auslieferungsverhandlungen begannen; es waren vielmehr nur
Familienrcksichten und persnliche Rache der nchsten Angehrigen,
welche mit Hlfe der franzsischen Diplomatie das betreffende Gesuch an
die Generalstaaten stellten. Eine Verpflichtung derselben konnte nicht
geltend gemacht werden; der Privatantrag eines franzsischen Grafen,
wenn er auch vom Minister untersttzt wurde, gab noch keinen Grund ab,
ihm willfhrig zu sein. Selbst befreundeteren Mchten als der damaligen
franzsischen Regierung gegenber, hatten die Generalstaaten ganz
besonders eiferschtig das Asylrecht gewahrt, und wenn ihnen zu jener
Zeit Mirabeau auch nur als eine gewhnliche katilinarische Existenz
galt, wie sie zu Dutzenden in Amsterdam lebten, so lag doch nach
hollndischer Anschauung keine Veranlassung vor, gegen ihn
einzuschreiten. Es mssen also noch andere Grnde mit untergelaufen
sein, welche das gegen Mirabeau heraufziehende Unheil zum Ausbruch und
den Becher zum Ueberlaufen brachten. Und sollten nicht gerade hier die
Klagen des kasseler Landgrafen und seines Ministers Schlieffen
Beschwerden die letzten Tropfen, wenn nicht die bestimmenden Faktoren
gewesen sein? Derartige Beeintrchtigungen des Geschfts, wie sie der
Rath an die Hessen enthielt, griffen den Landgrafen an seiner
empfindlichsten Seite an. Die Hollnder hatten alle Ursache, ihn zu
schonen; sie waren seine alten Kunden und Geschftsfreunde. Seine Brder
und Vorfahren hatten in hollndischen Diensten gestanden oder standen
noch darin; kurz die Generalstaaten thaten im eignen Interesse wohl
daran, einem so gewissenhaften Lieferanten sich gefllig zu zeigen.
Zudem war der Dienst, den er verlangte, nicht sehr gro; einem Mann wie
Mirabeau gegenber, der die herrschende Gewalt gegen sich hatte, konnte
man um so leichter ber Bedenken und Zweifel hinwegkommen, als
Frankreich's Minister ja auch thtig fr den die Auslieferung
verlangenden Vater mit eintrat.

Am 10. Mai 1777 schrieb der damalige amerikanische Geschftstrger in
Holland, C.W.T. Dumas aus Amsterdam an den Ausschu der auswrtigen
Angelegenheiten in Philadelphia (Dipl. Corresp. IX., 318), da der
Verfasser des Rathes an die Hessen verhaftet werden solle, was, wie
oben angegeben, wirklich einige Tage spter geschah. Warum, sagt der in
jeder Beziehung gut unterrichtete Dumas nicht, da Mirabeau
ausgeliefert werden solle, warum nennt er diesen, der in den politischen
Kreisen allgemein als Verfasser dieser Flugschrift bekannt war, nicht
mit seinem Namen und bezeichnet ihn kurzweg als politischen
Schriftsteller? Offenbar doch nur, weil er dessen persnliche
Verhltnisse nicht kannte oder weil er sie in einem politischen Berichte
fr ganz untergeordnet hielt, kurz, weil er die Verhaftung des Mannes in
eine sachliche Verbindung mit seiner Flugschrift brachte und weil diese
Angelegenheit fr seine Auftraggeber von groem politischen Interesse
war.

Nach Mirabeau kam Raynal an die Reihe, gegen den sich freilich nur mit
der Feder, wenn auch unglcklich polemisiren lie. Es ist schlimm --
sagt Schlieffen in einer 1782 franzsisch geschriebenen Antwort gegen
den Deklamateur Raynal, welche fglich als Muster der hessischen
wahren Philosophie gelten kann, -- da die Menschen sich unter
einander erwrgen; aber sie haben es von Nimrod an gethan bis auf Louis
XVI.; es ist schlimm, da sie zuweilen sich, ja ihre Unterthanen wegen
fremden Streites vermiethen, aber es ist immer so gewesen von den
Griechen an bis auf die Schweizer. Die 10,000 Griechen unter Xenophon
waren dem jungen Cyrus wegen der Bezahlung gefolgt. Xantippus, der
Besieger des Regulus, war ein lacedmonischer Sldling in Carthago.
Warum also unsere Zeitgenossen fr ein Vergehen verantwortlich machen,
welches zu allen Zeiten dasselbe war und in der menschlichen Natur zu
liegen scheint?

Im Mittelalter war die Gewohnheit, sich zu vermiethen, allgemein,
namentlich bei den Deutschen, daher auch der heutige hessische
Subsidien-Vertrag vielleicht der zehnte seit Anfang des Jahrhunderts.
Ende vorigen Jahrhunderts schickte Venedig die Hessen nach Griechenland
gegen die Trken; sie belagerten Athen und brachten ihrem Herrn fr
seine Museen Alterthmer von dort mit. Der Landgraf tritt also nur in
die Futapfen seiner Vorgnger; aber diese verminderten die Steuern
nicht, bauten nicht, erwiesen dem Lande keine Wohlthaten. Sein Volk
liebt ihn wie einen Segen spendenden Vater; seine Stnde errichten ihm
schon bei Lebzeiten eine Statue. Und diesen Frsten wagt ein Abb
Raynal, der ihn gar nicht kennt, geizig, geldgierig zu nennen!

Aber was geht dieser Krieg, heit es, deutsche Frsten an? Fr Anhalt
und Waldeck mag das der Fall sein; aber der Landgraf und Prinz von
Hessen, sowie der Herzog von Braunschweig sind mit dem englischen
Knigshause nahe verwandt; ihre Nachkommen knnen eines Tages den
englischen Thron besteigen.

Die Entfernung und das Klima schaden nichts. England, Frankreich und
Spanien fhren dort auch Krieg; die Hessen sind jetzt sechs Jahre dort
und haben verhltnimig nicht viel Leute verloren. Aber schadet diese
Entvlkerung dem Lande nicht? Sie wrde es vielleicht in einem groen
Lande thun. In einem kleinen Staate dagegen ist das Verhltni ein
anderes, so lange hier Hnde genug fr den Landbau und die Industrie
vorhanden sind. Die Hessen wrden, wie die Schweizer, auch sonst in's
Ausland wandern und somit dem Staate ohne Vortheil verloren gehen.
Mibruche beim Einstellen unter's Militr mgen wohl hie und da
vorkommen, allein das sind Ausnahmen. Wenn man den Deklamatoren
glauben wollte, so warteten diese uniformirten Sklaven, die von
barbarischen Herren zur Unterdrckung der Freiheit der neuen Welt
verkauft sind, nur auf die erste gnstige Gelegenheit, um ihre Ketten
abzuschtteln. Aber die drei bei Trenton gefangenen hessischen
Bataillone liefern den Beweis des Gegentheils; nur wenige von ihnen
haben sich unter den Amerikanern niedergelassen.

In den Augen dieser Zwitterphilosophen gilt diese Gleichgltigkeit der
deutschen Soldaten gegen die Reize einer Gottheit, die ihnen so schn
gemalt wird, als der tiefste Grad der Erniedrigung der menschlichen
Vortrefflichkeit. In den Augen des unterrichteten Mannes dagegen ist es
nur eine verschiedene Anschauungsweise; denn der Hesse sieht ohne
Zweifel, da der Amerikaner nicht freier ist, als er selbst; da ein vom
Kongre angestellter Oberst ein ebenso roher Vorgesetzter ist als der
vom Landgrafen ernannte, und da ein Richter von Germantown nicht besser
als ein Amtmann von Kassel oder Ziegenhayn ist.

Es handelt sich vor Allem um die individuelle Freiheit; sie ist berall
prekr und Vernderungen unterworfen, wie die Gesundheit. Das Individuum
ist in Amsterdam, Paris und Genf eben so frei, unterdrckt und beengt.
Aber hten wir uns, diese kostbare Freiheit mit der Sirene zu
verwechseln, die ihre Maske blos trgt, um die Unglcklichen zu
tuschen, die ihre verrtherische Stimme verfhrt, mit der gerhmten
politischen Freiheit mancher Staaten, welche der persnlichen Freiheit
hufig so schroff gegenber steht, wie der hrteste Despotismus. Die
Jahrbcher der Geschichte zeigen, da die republikanischen Regierungen
eben so tyrannisch und grausam sind als die monarchischen. Der
aufgeklrte Brger wei, woran er sich zu halten hat; aber der
unwissende Enthusiast, der Schwachkopf, der nicht nachdenken kann, lt
sich leicht vom Bilde dieser falschen Freiheitsgttin verfhren. Es ist
Zeit, da die _wahre Philosophie_ uns gegen die traurigen Verfhrungen
ihrer Bastardschwester schtze.

Grere Aufmerksamkeit als diese Zeitungs-Artikel und Abhandlungen
erregte jedoch der kleine Pamphletkrieg, der von den franzsischen
Feinden Englands und der deutschen Frsten von Holland aus gefhrt wurde
und sich die Aufgabe stellte, die Amerikaner immer wieder siegen zu
lassen oder die Frsten in den Augen des gebildeten Europa lcherlich
und verchtlich zu machen. Selbst Franklin schpfte in seinen Briefen in
die Heimath oft, ohne es nur zu wissen, aus dieser keineswegs reinen
Quelle, wenn er z.B. als neueste erfreuliche Thatsache die im vorigen
Kapitel erwhnte Anekdote meldet, da Friedrich der Groe von den Minden
passirenden Hessen den Viehzoll erhoben habe, weil sie ja als Vieh
verkauft seien, wie er denn auch allen Ernstes glaubte, da der Markgraf
von Anspach in Holland vom Pbel verfolgt und verhhnt worden sei. Die
englischen Oppositionszeitungen machten sich ein besonderes Geschft
daraus, diese vom Parteiinteresse erfundenen Anekdoten weiter zu
verbreiten. Natrlich fanden sie in der damaligen amerikanischen Presse
stets ihr getreues Echo.

Unter diesen zahllosen Tendenzlgen hat besonders ein Brief unverdientes
Aufsehen gemacht und sich bis auf den heutigen Tag erhalten, den der
Graf Schaumburg, Prinz von Hessen-Kassel, am 8. Februar 1777 aus Rom an
den Oberbefehlshaber der hessischen Truppen in Amerika, von Hohendorff,
geschrieben haben soll; er hat der kritik- und gedankenlosen
Geschichtsschreibung so viel Kopfzerbrechens verursacht, da die Frage
ob seiner Echtheit der Gegenstand verschiedener Artikel und Ausfhrungen
geworden ist. Dieser Brief scheint zuerst durch Lher's mehr
patriotisches als kritisches Werk ber die Geschichte der Deutschen in
Amerika in der Heimath bekannt geworden zu sein. Er lautet:

Baron Hohendorff! Ich erhielt zu Rom bei meiner Zurckkunft aus Neapel
Ihren Brief vom 27. Dez.v.J. Ich ersah daraus mit unaussprechlichem
Vergngen, welchen Muth meine Truppen entfalteten, und Sie knnen sich
meine Freude denken, als ich las, da von 1950 Hessen, die im Gefechte
waren, nur 300 entflohen. Da wren dann gerade 1650 erschlagen und ich
kann nicht genug Ihrer Klugheit anempfehlen, eine genaue Liste an
meinen Bevollmchtigten in London zu senden. Diese Vorsicht wrde um so
mehr nthig sein, als die dem englischen Minister zugesandte Liste
aufweist, da nur 1455 gefallen seien. Auf diesem Wege sollte ich
160,050 fl. verlieren. Nach der Rechnung des Lords von der Schatzkammer
wrde ich blos 483,450 fl. bekommen, statt 643,000 fl. Sie sehen wohl
ein, da ich in meiner Forderung durch einen Rechnungsfehler gekrnkt
werden soll, und Sie werden sich daher die uerste Mhe geben, zu
beweisen, da Ihre Liste genau ist und die seinige unrichtig. Der
britische Hof wendet ein, da nur 100 verwundet seien, fr welche sie
nicht den Preis von todten Leuten zu bezahlen brauchten.... Erinnern Sie
daran, da von den 300 Lazedmoniern, welche den Pa bei Thermopyl
vertheidigten, nicht Einer zurckkam. Ich wre glcklich, wenn ich
dasselbe von meinen braven Hessen sagen knnte. Sagen Sie Major Mindorf,
da ich auerordentlich unzufrieden bin mit seinem Benehmen, weil er die
300 Mann gerettet habe, welche von Trenton entflohen. Whrend des ganzen
Feldzugs sind nicht 10 von seinen Leuten gefallen. -- -- --

Wenn nur einer der Abschreiber sich die Mhe gegeben htte, den
hessen-kassel'schen Truppenlieferungs-Vertrag vom 31. Januar 1776
nachzulesen, so wrde er sofort den schlagendsten Beweis fr die
Unechtheit des obigen Briefes gefunden haben. Der Landgraf von Hessen
hatte es nmlich, wie wir bereits im vierten Kapitel gesehen haben, fr
vortheilhafter gehalten, den englischen Vorschlag, sich die Gefallenen
und Todten baar vergten zu lassen, nicht anzunehmen, weil er ohne
Kontrolle sein wollte und weil er dadurch, da er die nicht mehr
vorhandenen Soldaten auf der Prsenzliste noch eine Zeit lang
fortfhrte, mehr Geld in seine Tasche spielen konnte. Abgesehen von
diesem im Wesen der Sache liegenden Grunde, sind die ueren
Unwahrscheinlichkeiten nicht minder gro. Einmal gab es keinen Grafen
von Schaumburg, Prinzen von Hessen-Kassel, dann aber gab es weder einen
Herrn von Hohendorff, noch einen Major Mindorf, endlich aber war es zu
jener Zeit unmglich, da ein Brief vom 27. Dezember schon am 8. Februar
in Rom sein konnte. In England selbst traf die Hiobspost von der
Niederlage bei Trenton erst gegen Mitte Februar ein; eine direktere
Verbindung mit Europa existirte damals aber nicht.

Dieser Brief ist nichts als die amerikanische Verballhornung eines
franzsischen Pamphlets, welches offenbar aus den Mirabeau'schen
Kreisen hervorgegangen ist und im Anhang nachgelesen werden mag; er
erschien in den vierziger Jahren, zur Blthezeit der nativistischen
Bewegung, als ein Campaignpaper gegen die Fremden, besonders uns
Deutsche, und Herr Lher, scheint es, hat ihn auf Treu und Glauben als
echt angenommen und aus einer St. Louiser Zeitung abgeschrieben. In
Amerika glaubt man noch heute an seine Echtheit.

Uebrigens ist nichts unwahrer und verlogener, als die weinerliche
Sentimentalitt, mit welcher kleinstaatliche deutsche Offiziere fr den
Landgrafen von Hessen gerade wegen dieses Briefes in die Schranken
getreten sind. Als ob ein deutscher Frst einer so zynischen Offenheit
gar nicht fhig gewesen wre! Zu welchem Zwecke stiehlt er denn tausend
und aber tausend Unglckliche, als um Geld aus ihnen herauszuschlagen?
Zu welchem Ende bittet der Herzog von Braunschweig den englischen
Minister, die bei Saratoga geschlagenen Braunschweiger ja nicht in die
Heimath zurckzuschicken? Doch aus keinem andern Grunde, als um sich
durch die wahre Schilderung, welche die Zurckgekehrten voraussichtlich
von ihren Leiden in Amerika machen wrden, die Fortsetzung des
gewinnreichen Geschfts nicht zu verderben. Warum reist der Markgraf von
Anspach so eilig aus der Residenz ab, da er sogar seine Uhr auf dem
Tische liegen lt und nicht einmal ein frisches Hemd mitnimmt, ja,
warum begleitet er im rauhen Winter seine Truppen bis Holland? Einfach,
weil er eine neue Meuterei und den Verlust seiner Subsidien befrchtet
und weil er nicht beabsichtigt, einen so reichen in Aussicht stehenden
Gewinn fahren zu lassen. Die sittliche Entrstung ber den Verfasser
dieses monstrsen Briefes ist also gar nicht am Platze, dagegen ist
sie den Frsten gegenber, die Anla zu seiner Erfindung gegeben haben,
vollkommen gerechtfertigt. Der Pamphletist hat nur die logischen
Folgerungen aus den frstlichen Prmissen gezogen. Wer in Fleisch und
Blut handelt, will natrlich auch seine Waare bezahlt haben; je mehr er
erhlt, desto besser! Das ist ein einfaches Rechen-Exempel.
Aufstellungen und Berechnungen, welche den Gegenstand des fraglichen
Briefes bilden, wurden von den bei der Seelenverkuferei betheiligten
Frsten fast tglich beim englischen Ministerium eingereicht; sie
stritten sich jahrein, jahraus mit diesem um Pfennige, Groschen und
Thaler herum, und einem einzigen Todten wurde lediglich aus finanziellen
Grnden mehr Aufmerksamkeit erwiesen, als fnfzig Lebendigen. Der
Pamphletist hat also nichts gethan, als den gegebenen Fall in seinen
haarstrubenden Konsequenzen ausgefhrt und dadurch das Treiben der
deutschen Frsten in seiner ganzen Verchtlichkeit gezeigt.

Da brigens die Versicherungen dieser Herren von ihrer unbegrnzten
Treue, ihrem gehorsamen Ersterben, ihrer unterthnigen Verehrung der
hohen Tugenden ihres erhabenen und groherzigen Beschtzers, des Knigs
von England, in Wirklichkeit wenig oder vielmehr gar nichts bedeuteten,
da sie schnde Redensarten waren, um sich desto besser und glatter ein
gewinnbringendes Geschft zu sichern, diese Thatsache ergiebt sich ganz
unmittelbar aus einem Briefe, den Franklin am 9. August 1780 aus Passy
an den Prsidenten des Kongresses richtete. Der deutsche Frst --
schreibt er -- der mir vor einigen Monaten anbot, dem Kongre Truppen zu
liefern, dringt wiederholt auf Antwort. Ich machte ihm keine groe
Hoffnungen, sondern gab ihm zu verstehen, da Sie voraussichtlich einen
derartigen Vorschlag nicht annehmen wrden. (Franklin's Werke VIII.,
490.) Wer dieser von Franklin nicht genannte Frst war, ist ganz
gleichgltig. Er handelte jeden Falls im Einklang mit der Ueberlieferung
seiner Standesgenossen, welche -- siehe S.21 und 22 -- womglich ihre
Truppen an beide Krieg fhrenden Parteien verkauften. Wenn der
persnliche Ha gegen die Rebellen auch gro war, ihr Geld war nicht
schlechter als das englische, und wenn man einen guten Vertrag bekam, so
lag gar nichts daran, ob der verkaufte Soldat auf republikanischer oder
kniglicher Seite fiel.

In derselben vernichtenden Weise wie Mirabeau und seine politischen
Freunde spricht sich auf deutscher Seite Schiller in Kabale und Liebe
gegen den Soldatenhandel aus. Er hatte wie Mirabeau persnlich, wenn
auch nicht so lange Zeit, den Despotismus kennen gelernt und zeichnete
also nach der Natur. Die grausige Darstellung eines Zustandes, in
welchem der Privilegirte Alles wagen konnte, der Unglckliche Alles
verlieren mute, bildet den Vorwurf eines Stckes, dessen zweiter Akt
speziell auf die Unglcklichen zurckkommt, welche von ihren Frsten
nach Amerika verkauft waren. Es geschieht dies an der Stelle, wo die
gutherzige Lady Milford -- es ist charakteristisch fr die Zeit, da
eine fremde Maitresse die edelste Person an einem deutschen Hofe ist --
voll Verachtung und Entsetzen die Diamanten zurckweist, als sie
erfhrt, da sie mit dem fr die verkauften Soldaten gewonnenen Gelde
beschafft sind. Gestern -- sagt der Kammerdiener -- sind 7000
Landeskinder nach Amerika fort die zahlen Alles; ich habe auch ein paar
Shne darunter. Doch keine gezwungenen? fragt die Lady. O Gott nein
-- fhrt der Kammerdiener fort -- lauter Freiwillige! Es traten wohl
etliche vorlaute Bursche vor die Front und fragten den Obersten, wie
theuer der Frst das Joch Menschen verkaufe? Aber unser gndigster
Landesfrst lie alle Regimenter auf dem Paradeplatz aufmarschiren und
die Maulaffen niederschieen. Wir hrten die Bchsen knallen, sahen ihr
Gehirn auf's Pflaster spritzen, und die ganze Armee schrie: _Juchhe nach
Amerika!_ Die Herrlichkeit httet Ihr nicht versumen sollen, wie uns
die gellenden Trommeln verkndigten, es ist Zeit, und heulende Waisen
dort einen lebendigen Vater verfolgten, und hier eine wthende Mutter
lief, ihr sugendes Kind am Bajonette zu spieen, und wie man Braut und
Brutigam mit Sbelhieben auseinander ri, und wie Graubrte
verzweiflungsvoll dastanden und den Burschen noch zuletzt die Krcken
nachwarfen in die neue Welt! O! und mitunter das polternde
Wirbelschlagen, damit der Allwissende uns nicht sollte beten hren! --
-- Noch am Stadtthore drehten sie sich um und schrieen: Gott mit Euch,
Weib und Kinder! Es lebe unser Landesvater, am jngsten Gerichte sind
wir wieder da!

Als Modell des hier gezeichneten Landesvaters hat dem Dichter offenbar
der Markgraf von Anspach gedient, dessen Truppen sich beim Ausmarsche
emprten, whrend in Lady Milford eher die Grfin Franziska Hohenheim,
die Maitresse des wrtembergischen Herzogs, als Lady Craven, die
Maitresse des Anspachers, geschildert zu sein scheint. Es war brigens
ein Glck fr den jungen Dichter und fr Deutschland, da in Folge der
preuischen Chikanen Karl Eugen mit dem englischen Minister des Handels
nicht einig wurde, und da demnach die wrtembergischen Truppen zu Hause
blieben, denn sonst htte der junge Regimentsmedikus sehr leicht eine
Berufsreise nach Amerika antreten und die Studien zu seiner
Nadowessischen Todtenklage unter den Mohawks oder Mohikans machen
knnen.

Wenn Schiller auch die Stimmungen und Gefhle eines groen Theils der
gebildeten deutschen Jugend ausspricht, so verhielt sich Deutschland im
Ganzen doch gleichgltig gegen diese erzwungene Betheiligung seiner
Shne am amerikanischen Kriege. Eine eigentliche politische Ueberzeugung
und selbstndige politische Interessen, folglich politische Parteien,
gab es vor 1789 in Deutschland nicht. Politische Fragen im heutigen
Sinne des Wortes kannten damals selbst die bedeutendsten Geister der
Nation kaum. Es ist eine in dieser Beziehung hchst charakteristische
Erscheinung, da unser grter deutscher Dichter, der im ersten Jahre
des amerikanischen Krieges seinen Triumpheinzug in Weimar hielt und
gerade whrend desselben seinen Ruhm in Deutschland fest begrndete, da
_Goethe_ so wenig von den Ereignissen jenseits des Ozeans berhrt wurde,
da er sie hchstens zwei Mal vorbergehend erwhnt. Das eine Mal spielt
er ziemlich schchtern und versteckt auf den Soldatenhandel an. Es
geschieht dies, wie neuerdings berzeugend von Adolf Schll nachgewiesen
wurde, in dem 1781 verfaten Scherzgedichte: Das Neueste aus
Plundersweilen. Es wird hier gleich zu Anfang die Erweiterung des Ortes
und die Zunahme seiner Bevlkerung gerhmt, dann heit es:

    Und zwar mag es nicht etwa sein,
    Wie zwischen _Kassel und Weienstein_,
    Als wo man emsig und zu Hauf'
    Macht Vogelbauer auf den Kauf,
    Und sendet gegen fremdes Geld
    Die Vglein in die weite Welt.

Weienstein ist die jetzige Wilhelmshhe bei Kassel. In der Nhe befand
sich ein Gefngni, dessen Insassen mit der Anfertigung von Vogelkfigen
beschftigt wurden, welche man im Groen zu verkaufen pflegte. Whrend
man auf diese Weise dem auswrtigen Gefieder Quartiere schaffte, wurden
die werthvollsten und einheimischen Vgelein, die kriegsfhigen, jungen
Leute nach den norddeutschen Hfen getrieben, um in Amerika (der weiten
Welt) zu dienen. Dies ist der Sinn der obigen zahmen Satire, bei deren
Druck Goethe die Worte Kassel und Weienstein ausgelassen hatte, welche
erst Schll aus dem von ihm eingesehenen Original der Dichtung ergnzte.
Das andere Mal drckt sich Goethe weniger vorsichtig aus. Es ist dies im
siebenzehnten Buche von _Wahrheit und Dichtung_, wo er von seiner eben
mit Lili geschlossenen Verlobung sprechend (Es war ein seltsamer
Beschlu des hohen ber uns Waltenden, da ich in dem Verlaufe meines
wundersamen Lebensganges doch auch erfahren sollte, wie es einem
Brutigam zu Muthe sey. Ich darf wohl sagen, da es fr einen gesitteten
Mann die angenehmste aller Erinnerungen sey.) und zum Besondern
zurckkehrend, das ruhige Glck des Zeitungslesens preist und die
gebietenden Mchte der damaligen politischen Welt schildert. Nachdem er
Friedrich den Groen, Katharina II. und Gustav III. von Schweden
erwhnt, fhrt er, den Kampf des letztern mit seinem Adel berhrend,
fort:

Die Aristokraten, die er unterdrckt, werden nicht bedauert; denn die
Aristokratie berhaupt hatte keine Gunst bei dem Publikum, weil sie
ihrer Natur nach im Stillen wirkt und um desto sicherer ist, je weniger
sie von sich reden macht; und in diesem Falle dachte man von dem jungen
Knig um desto besser, weil er, um dem obersten Stande das Gleichgewicht
zu halten, die unteren begnstigen und an sich knpfen mute.

Noch lebhafter aber war die Welt interessirt, als ein ganzes Volk sich
zu befreien Miene machte. Schon frher hatte man demselben Schauspiel im
Kleinen gern zugesehen; Corsika war lange der Punkt gewesen, auf den
sich aller Augen richteten; Paoli, als er, sein patriotisches Vorhaben
nicht weiter durchzusetzen im Stande, durch Deutschland nach England
ging, zog aller Herzen an sich, es war ein schner, schlanker, blonder
Mann voll Anmuth und Freundlichkeit; ich sah ihn in dem Bethmann'schen
Hause, wo er kurze Zeit verweilte und den Neugierigen, die sich zu ihm
drngten, mit heiterer Geflligkeit begegnete. Nun aber sollten sich in
dem entfernteren Welttheile hnliche Auftritte wiederholen; man wnschte
den _Amerikanern_ alles Glck und die Namen _Franklin_ und _Washington_
fingen an, am politischen und kriegerischen Himmel zu glnzen und zu
funkeln. Manches zur Erleichterung der Menschheit war geschehen, und als
nun gar ein neuer wohlwollender Knig von Frankreich die besten
Absichten zeigte, sich selbst zur Beseitigung so mancher Mibruche und
zu den edelsten Zwecken zu beschrnken, eine regelmig auslangende
Staatswirthschaft einzufhren, sich aller willkrlichen Gewalt zu
begeben, und durch Ordnung, wie durch Recht allein zu herrschen; so
verbreitete sich die heiterste Hoffnung ber die ganze Welt, und die
zutrauliche Jugend glaubte sich und ihrem ganzen Zeitgeschlechte eine
schne, ja herrliche Zukunft versprechen zu drfen.

Eine dritte Stelle gehrt eigentlich nicht hierher; allein, da sie
Goethe's Bezugnahme auf Amerika aus dieser Periode abschliet, so mge
sie, da sie eine weitere Perspektive erffnet, hier noch einen Platz
finden. Lili, sagt er im neunzehnten Buche von Wahrheit und Dichtung,
hatte geuert, sie unternehme wohl aus Neigung zu mir, alle dermaligen
Zustnde und Verhltnisse aufzugeben und mit nach Amerika zu gehen.
Amerika war damals vielleicht noch mehr als jetzt das Eldorado
derjenigen, die in ihrer augenblicklichen Lage sich bedrngt fanden.
Soweit Goethe. _Klopstock_ und _Lessing_ zeigten ein kaum mehr als
oberflchliches Interesse fr den amerikanischen Krieg. Nur von _Kant_
wissen wir, da er auf's Lebhafteste Partei fr die Vereinigten Staaten
gegen England ergriff und da er durch die ruhige, berlegene Begrndung
seines Urtheils sogar einen bisher leidenschaftlichen Anhnger der
kniglichen Sache, seinen sptern Freund, den Englnder Green zu sich
herberzog.

Von den literarischen Zeitgenossen zweiten Ranges verherrlichten
_Nicolai_ und sein Kreis den amerikanischen Krieg in schwlstiger Prosa
und noch schwlstigerer Poesie, ber welche letztere, namentlich die
Oden, der Gttinger Professor _Schloezer_ mit Geist und Hohn die Lauge
seines Spottes ausschttete. Unter den damaligen Dichtern hat u.A. der
Schwabe _Schubart_ einige Lieder hinterlassen, welche begeistert die
amerikanische Revolution feiern: so das brigens sehr schwache
Freiheitslied eines Kolonisten, welches dadurch interessant ist, da den
damaligen Deutschen der noch viel weniger als unbedeutende alte Israel
Putnam als amerikanischer Freiheitsheld galt. Obschon 1776 geschrieben,
wird Washington nicht einmal mit dem bloen Namen erwhnt. Von den
deutschen Soldaten dagegen nahmen die hervorragensten Zeitgenossen kaum
Notiz. Nur in dem von G. Waitz verffentlichten Werke _Karoline_
(geborene Michaelis und spter verehlichte Bhmer, A.W. Schlegel und
Schelling) findet sich ein beredeter Schrei der Entrstung, welcher der
jugendlichen, noch nicht neunzehnjhrigen Briefstellerinn alle Ehre
macht. Sie war mit Frau Schloezer von Gttingen nach Kassel gefahren, um
dort deren von der Reise zurckgekehrten Mann, den genannten berhmten
Publizisten abzuholen. Ich habe Kassel gesehen, schreibt sie am 16.
April 1782 an eine Freundinn. Im Hinweg wohnten wir auch in Mnden einem
merkwrdigen, aber traurigen Schauspiel bei, der Einschiffung der
Truppen nach Amerika. Welch eine allgemeine mannigfaltige grause
Abschiedsszene! Die Gegend um Mnden ist so romantisch, da sie zu solch
einer Szene wie geschaffen zu sein scheint. Dir, liebe Louise, brauche
ich nicht zu sagen, wie mir Kassel gefallen hat; nur machte mich der
Gedanke unwillig, da der Landgraf in Mnden Menschen verkaufte, um in
Kassel Palste zu bauen. Wir logirten auf dem Knigsplatz. Die Kolonade,
wo ich die Wachtparade aufziehen und auch, mit allem Respekt
gesprochen, das Vieh, den Landgrafen sah, hat mir vorzglich gefallen.
Schloezer kam mitten in der Nacht.

Deutschlands Ton angebende Klassen endlich betrachteten diesen
Soldatenhandel einfach als ein frstliches Hoheitsrecht und fanden es
nicht einmal der Mhe werth, ein Wort darber zu verlieren. Nun sagt
zwar _Niebuhr_ in seiner Geschichte des Zeitalters der Revolution: Je
mehr die Subsidienkontrakte mit England gehssig und verflucht waren, um
desto mehr nahm man Antheil an der Sache Amerika's. Die Stimmung war so
sehr aus aller natrlichen Fassung gerckt, da die Nachricht von der
Gefangennehmung deutscher Truppen durch Washington 1776 allgemein Jubel
statt Schmerz erregte; allein der treibende Grund lag doch wohl mehr im
persnlichen Hasse und in persnlicher Erbitterung als in politischer
Erkenntni. Ein deutscher Schweizer, _Georg Mller_, Bruder des
Geschichtsschreibers Johannes Mller und nherer Freund Herders, trieb
-- allerdings ein einzig dastehendes Beispiel! -- seinen
schaffhausenschen Konservatismus so weit, da er ber England nach
Amerika gehen wollte, um gegen die Rebellen zu kmpfen. Im
entgegengesetzten Sinne lie sich der Bruder _Johannes Mller_, mit
einer sentimentalen Ueberschwnglichkeit der Unwissenheit, die spter
bei uns durch _Rotteck_ u.A. zum widerlichen Gemeinplatz breit getreten
wurde, ber den Unabhngigkeitskrieg aus: Von der andern Seite des
Weltmeeres, sagte er, leuchtete eine reizende Flamme der Freiheit mit
elektrischer Kraft fr die Westeuroper, mit anziehender Kraft fr die
empor, welche ihrer Nachkommenschaft Genu der Menschenrechte und
sichern Wohlstand verschaffen wollten.

Die Massen endlich waren so gedrckt, arm, unwissend und an blinden
Gehorsam gewhnt, da sie die Willkr ihrer Herrscher als eine Fgung
des Schicksals geduldig hinnahmen.




Elftes Kapitel.


Es ist schwer, wenn nicht unmglich, die Zahl der von jedem der
betheiligten Frsten gelieferten Soldaten ganz genau festzustellen, so
lange nicht smmtliche deutsche Archive dem Forscher geffnet werden.
Die englischen Quellen, so zuverlssig sie sich sonst auch in den
unbedeutendsten, die deutschen Miethstruppen betreffenden Einzelheiten
erweisen, reichen deshalb nicht berall aus, weil in ihnen sehr hufig
die Kontingente der einzelnen Staaten unter der allgemeinern Bezeichnung
deutsche Rekruten oder deutsche Verstrkungen zusammengefat sind.

Die von Schloezer in seinen Staatsanzeigen (VI, 521) zuerst
verffentlichte Berechnung ist, so viel sich nach den vorhandenen
Materialien beurtheilen lt, mit nur geringen Ausnahmen richtig. Sie
sttzt sich, wie aus der gleichlautenden Abschrift in den anspacher
Manual-Akten hervorgeht, auf den amtlichen Bericht des hannverschen
Majors Niemeyer vom Dragoner-Regiment v. Estorff, der als verordneter
Kommissar beim Transport die Ausschiffung der deutschen Truppen und
deren General-Return zu berwachen hatte. Nur bei Anspach findet sich
ein erheblicher Fehler, indem 717 vom Markgrafen gelieferte Rekruten und
Jger bei Berechnung des dortigen Kontingents ausgelassen, also im
Ganzen nur 1644 statt 2383 Mann aufgefhrt sind. Es bleibt ferner
fraglich, ob die Angabe bei Hanau korrekt ist, wo die Zahl der zu
verschiedenen Zeiten verkauften Soldaten zusammengezogen wurde; jeden
Falls kommt sie aber dem wirklichen Sachverhalt sehr nahe, wenn sie ihn
nicht vllig deckt; berhaupt stimmen im Wesentlichen die Angaben
Niemeyers mit den Berechnungen der englischen Musterungsoffiziere und
den sonstigen, vom Verfasser benutzten Quellen berein. Ganz unbedingt
zuverlssig sind sie aber, soweit die Zahl der zurckgekehrten Truppen
in Betracht kommt, da Niemeyer hier berall als der die Ausschiffung und
Weiterbefrderung leitende Beamte die Waffengattung und den jedesmaligen
Rang der Angehrigen der einzelnen Kontingente spezifizirt, whrend er
ber die frheren Einschiffungen nur von Hrensagen und auf Angaben
Dritter hin berichtet. Die von ihm und Schloezer mitgetheilten Zahlen,
nach Berichtigung der nachweisbaren Irrthmer, gehen aus der
nachstehenden Tabelle hervor. Darnach haben im Ganzen geliefert,
verloren und zurckerhalten:

  1) _Braunschweig_ als Subsidien   4,300
          Rekruten im Mrz  1777      224
             "     "  April 1778      475
             "     "  April 1779      286
             "     "  Mai   1780      266
             "     "  April 1782      172
                            -------------
                   Im Ganzen                             5,723 Mann.
                            -------------
  Zurckgekehrt im Herbst 1783           2,708
                   Verlust                     3,015


  2) _Hessen-Kassel_ als Subsidien 12,805
          Rekruten im Dzbr. 1777      403
              "    "  Mrz  1779      993
              "    "  Mai   1780      915
              "    "  April 1781      915
              "    "  April 1782      961
                            -------------
                   Im Ganzen                            16,992 Mann.
                            -------------
  Zurckgekehrt im Herbst 1783
  und Frhjahr 1784                      10,492
                       Verlust                  6,500


  3) _Hessen-Hanau_ als Subsidien   2,038
          Rekruten im April 1781       50
              "    "  April 1782      334
                            -------------
                   Im Ganzen                             2,422 Mann.
                            -------------
  Zurckgekehrt im Herbst 1783            1,441
                       Verlust                    981

  4) _Anspach_ als Subsidien        1,285
                   Rekruten 1777      318
                       "    1779      157
                       "    1780      152
                       "    1781      205
                       "    1782      236
                            -------------
                   Im Ganzen                             2,353 Mann.
  Zurckgekehrt im Herbst 1783           1,183
                            -------------
                       Verlust                  1,170


  5) _Waldeck_ als Subsidien          670
          Rekruten im April 1777       89
             "     "  Febr. 1778      140
             "     "  Mai   1779       23
             "     "  April 1781      144
             "     "  April 1782      159
                            -------------
                   Im Ganzen                             1,225 Mann.
                            -------------
  Zurckgekehrt im Herbst 1783            505
                       Verlust                    720


  6) _Anhalt-Zerbst_ als Subsidien    600
          Rekruten im April 1779       82
             "     "   Mai  1780       50
     Vermehrung und
          Rekruten im April 1781      420
                            -------------
                       Total                             1,160 Mann.
  Zurckgekehrt im Herbst 1783            984
                            -------------
                     Verlust                      176
                                       -----------------------------
              Im Ganzen zurckgekehrt  17,313
                        Total-Verlust          12,562

      Gesammtzahl der gelieferten Truppen               29,875 Mann.

Auch die fr jene Zeit kolossalen Geldzahlungen lassen sich nur
annhernd und mit groer Schwierigkeit feststellen. Es liegen zwar in
den Journals of the House of Commons die genau spezifizirten
Aufstellungen vor, welche das Kriegsministerium jhrlich dem Parlamente
zur Genehmigung vorlegen mute; indessen erstrecken sie sich nur auf den
ordentlichen Etat. Alle auerordentlichen Ausgaben muten besonders
bewilligt werden und finden sich in den sogenannten extraordinary
services der Kriegszahlmeister versteckt. Ihre Rechnungen nehmen jedes
Jahr zwischen zehn und vierzig Folioseiten ein und enthalten oft unter
ganz anderen Ueberschriften die den deutschen Frsten geschuldeten
auerordentlichen Summen. Nirgend begegnet man z.B. in diesen Rechnungen
der von Braunschweig ausbedungenen Zahlung fr die Todten und
Verwundeten. Es scheint, da die englischen Minister den Ansto
vermeiden wollten, dem sie sich durch offene Bezeichnung dieser Rubrik
ausgesetzt haben wrden; sie bringen deshalb auch nur Soldrckstnde in
Anrechnung. Whrend sich nun ziemlich annhernd feststellen lt, wie
viel England fr die deutsche Hlfsleistung zu zahlen hatte, kann
dagegen nicht mit Bestimmtheit ermittelt werden, wie viel von den
gezahlten Summen fr die Soldaten ausgegeben wurde, und wie viel in die
Taschen der Frsten flo.

In der hier folgenden Aufstellung sind zu Gunsten der letzteren daher
nur diejenigen Betrge berechnet, welche ihnen auf Grund der
betreffenden Vertrge rechtlich zukamen, d.h. die jhrlichen Subsidien
und die Werbegelder, soweit sie in dem englischen Etat berechnet worden.
Sie kommen hier allerdings nur in den ersten Jahren vor; indessen waren
sie spter nicht mehr so bedeutend als anfangs. Von ihnen muten die
Frsten allerdings die Rekrutirungskosten bestreiten, die namentlich
gegen Ende des Krieges immer mehr anschwollen; allein wenn man
andrerseits die englischen Zahlungen nicht in Anschlag bringt, welche
fr Todte und Verwundete entrichtet wurden, wenn man ferner bei
Hessen-Kassel die Selbstndigkeit in der Aufstellung seiner Etats in
Erwgung zieht, die jede Kontrolle unmglich machte, und wenn man
endlich die doppelte englische Lhnung nicht vergit, die in manchen
Fllen zwei Monate vor dem Abmarsch gezahlt werden mute, so erhalten
nach dieser Aufstellung die deutschen Frsten eher zu wenig als zu viel.
Der hessische Landgraf und sein Sohn setzten es auch sogar durch, da
ihnen fr ihre Offiziere Werbegelder bezahlt wurden. Natrlich steckten
die beiden Landesvter den Betrag in ihre eigene Tasche. So erhielt der
Landgraf am 12. Juni 1776 nachtrglich an Handgeld fr seine Offiziere
3992 Pfund, also 26,622 Thlr., wovon im Etat nichts steht. Fr die
Ausrstung und Equipirung der Soldaten zahlten sie nichts, sondern zogen
die Kosten dafr von der englischen Lhnung ab, indem sie den Soldaten
nur  von letzterer verabfolgten. Da nun jeder derselben 8 Pence per
Tag erhielt, so mute er sich einen Abzug von 2 Pence per Tag oder mehr
als 3 Pfund Sterling per Jahr gefallen lassen. Die zahllosen
Betrgereien aber, die sich smmtliche Lieferanten, namentlich der
Landgraf von Hessen-Kassel, oft in sehr ausgedehnter Weise ihren Truppen
gegenber zu Schulden kommen lieen, sind hier gar nicht in Anschlag
gebracht.

England zahlte also von 1775 bis 1785, da einzelne Subsidien noch zwei
Jahre nach der Rckkehr der Truppen fortdauerten, an etatsmig
verrechneten Ausgaben:

  fr die Soldaten                         an den

  Hannover       509,000. 16. 11
  Braunschweig    644,346. 14.  2    Herzog      178,689. --. 5
  Hessen Kassel 2,152,037.  5.  9   Landgrafen 1,254,197. 16. 3
  Hessen Hanau    273,304.  3.  1   Erbprinzen   137,512.  6. 5
  Waldeck          90,528.  3.  4   Frsten       57,788. 10. 3
  Anspach         211,026.  5.  7   Markgrafen   105,335.  4. 6
  Anhalt Zerbst    79,088. 18.  6    Frsten       43,052. 14. 9
                -------------------              --------------------
  Im Ganzen    3,959,332.  7.  6             1,776,575. 12. 9

Lhnung, Subsidien und ein Theil der Werbegelder belaufen sich also
zusammen auf Lstr. 5,735,908. --. 4.

Dazu kommen noch ber Lstr. 500,000 fr Verpflegung der Truppen in
Amerika, die Transportkosten hin und zurck, Gratifikationen,
Reisespesen der englischen Kommissare, Geschenke und Ersatz des
schadhaft gewordenen oder verloren gegangenen Materials, so da im
Ganzen wenigstens sieben Millionen Pfund Sterling oder annhernd fnfzig
Millionen preuische Thaler als Gesammtbetrag der englischen Kosten fr
die deutsche Hlfe nicht zu hoch gegriffen sind. Diese Summe macht aber
wenigstens 120-150 Millionen Thaler nach heutigem Geldeswerthe aus.

Man darf hierbei nicht auer Acht lassen, da die Frsten die ganzen
Subsidien fast ungeschmlert behielten, da sie whrend der Abwesenheit
ihrer Soldaten die Steuern und Lasten so gut wie gar nicht herabsetzten.
Wenn sie es berhaupt thaten, so erreichte die Verminderung noch nicht
einmal annhernd den Betrag der Zinsen, welche sie von den ihnen
jhrlich gezahlten englischen Kapitalien in Empfang nahmen. Verschiedene
der Soldatenhndler versprachen zwar beim Ausmarsch ihrer Truppen ihren
getreuen Unterthanen, die Lasten zu erleichtern, so oft es die
Bedrfnisse des Staates (d.h. Serenissimi) erlauben wrden, allein war
es ein Zufall oder ein Unglck? die Bedrfnisse erlaubten es eben
niemals. Wir haben im vierten Kapitel gesehen, da der Landgraf von
Hessen dem Lande den zur Kriegskasse flieenden Schreckenberger und die
Hlfte der erstmonatlichen Kriegs-Kontribution erlie, whrend der
Erbprinz von Hanau nur den Eltern und Frauen der Soldaten, sowie den
elternlosen Unteroffizieren und Gemeinen die Abgaben schenkte, der
brigen Bevlkerung aber nicht den geringsten Nachla bewilligte. Der
Braunschweiger verwandte alle seine Einnahmen aus dem Soldatenverkauf
auf seine noblen Passionen und Tilgung seiner Schulden. Da der
Waldecker und Zerbster den Sndenlohn als Ausflu ihres gttlichen
Rechts ohne jeden Abzug in ihre Taschen steckten, versteht sich ganz von
selbst. Der anspacher Markgraf endlich gab der Markgrafschaft Bayreuth
einen solchen Bettelpfennig von seinem reichen Gewinn ab, da er sich
wie der schndeste Hohn auf seine ersten freigebigen Versprechungen
ausnimmt. Die anspacher Manual-Akten enthalten die genauen Belege fr
diese schbige Finanzoperation Serenissimi, welche den besten
zahlenmigen Beweis landesvterlicher Zuneigung liefert und deshalb in
ihren Hauptzgen hier angefhrt werden soll.

Unmittelbar, nachdem Gemmingen den anspacher Vertrag mit Faucitt
abgeschlossen hatte, bat der bayreuthische Minister Seckendorff um die
Erleichterung der Markgrafschaft oberhalb des Gebirges. Seine
Forderungen waren bescheiden und billig. Er verlangte zunchst fr die
Landschaft den Erla der Summen, welche sie bisher fr das Militr
bezahlt hatte, wodurch man in den Stand gesetzt werde, die Abgaben um
wenigstens sechs Prozent zu verringern und namentlich die Brgerschaft
von Bayreuth zu erleichtern, welche tglich 45-50 Mann fr die Wachen
stellen mute, was bei 10 oder 15 Kreuzer pr. Mann jhrlich 4166 fl. 30
kr. resp. 4562 fl. 30 kr. ausmachte. Dann bat er whrend der Dauer der
englischen Subsidien fr die bayreuthische Finanzkammer um Belassung
derjenigen 25,000 fl., welche sie bis dahin der anspacher Landschaft
hatte zahlen mssen. Wenn nun unser gndigster Herr nur einen Theil des
Profits der Subsidien zur Zahlung der Schulden der anspacher
Finanzkammer bestimmt, und wenn die letztere, was sie durch den Abmarsch
der Truppen spart, zur Zahlung ihrer Schulden verwenden darf, so wird
man ber die Schnelligkeit erstaunen, mit welcher die smmtlichen
markgrflichen Kassen sich aus der Noth helfen werden. Die Folge davon
wre natrlich, da auch die anspacher Unterthanen in ihren Abgaben
erleichtert werden knnten. Sobald ich von den Absichten Serenissimi
wegen der Verwendung des direkt und indirekt aus diesem Vertrage
hervorgehenden Profits unterrichtet sein werde, will ich einen Plan ber
das Arrangement unserer Finanzen fr die beiden Hauptkassen und die
Erleichterung unserer Unterthanen entwerfen. Wenn der Markgraf unsere
Prinzipien annimmt, so knnen Unterthanen und Glubiger des Landes
dieses Unternehmen nur segnen. Alle Ungelegenheiten, die man davon
befrchtet, werden verschwinden, sobald eine ntzliche Verwendung der
englischen Gelder stattfindet und die durch die Abwesenheit unserer
Truppen bedingten Ersparnisse eintreten. Wenn Serenissimus bald und
womglich noch vor dem Abmarsch der Truppen erklrt, da seine
Unterthanen durch eine verhltnimige Verringerung der Abgaben
erleichtert werden sollen, so glaube ich, da diese gute Nachricht auf
die Shne der Unterthanen einen gnstigen Einflu ausben und den Klagen
ihrer Eltern ein Ende machen wird. Eine solche Erklrung wird zugleich
ein Trost fr das ganze Land sein und alle Beschwerden, allen Jammer
beseitigen.

Allein der Markgraf trat den verstndigen Absichten und Ansichten seiner
Minister nicht bei und hob die ersten 1285 Mann aus, ohne nur dem Lande
die geringste Gegenleistung zu versprechen. Erst im September 1777, als
er wieder zu neuen Aushebungen schreiten mute, erinnerte er sich, wie
er selbst wiederholt hervorgehoben, da die Ueberlassung der beiden
Infanterieregimenter in englischen Sold vornehmlich aus der Ursache
eingeleitet worden sei, um die Schulden der Obereinnehmerinn mglichst
bald tilgen zu knnen. In Folge dieser gndigsten Gesinnung wolle
Serenissimus Vorschlgen entgegensehen, wie viel den obergebirgischen
Landschafts- und Kmmerei-Kassen whrend der Zeit, da die Truppen in
englischem Solde stehen, von ihren Contribuendis erlassen werden knne.

Nach den Angaben der Minister hat die obergebirgische Landschaft
vertragsmig an verwilligten Subsidien und Militrbeitrgen jhrlich
127,485 fl. 36 kr., die obergebirgische Rentei aber jhrlich 25,000 fl.
zu leisten, von welchen Beitrgen das ganze bayreuthische Militr
unterhalten wird. Da nun ein theilweiser Erla dieser Kontribuenda der
Landschaft eine wesentliche Erleichterung gewhren wird, so schlgt der
Bericht vor, der Rentei die Hlfte d.h. 12,500 fl. und der
obergebirgischen Landschaft 40,000 fl. jhrlich whrend der Dauer des
englischen Subsidienvertrages nachzulassen. Es wird berechnet, da
dieses Erlasses ungeachtet, jhrlich etwa 100,000 fl. der Schulden der
Landschaft, welche, soweit sie abtragbar sind, sich auf 1,326,639 fl.
belaufen, aus den Einnahme-Ueberschssen abbezahlt werden knnen. Bei
dieser Berechnung sind die Einnahmen aus dem englischen Subsidienvertrag
auer Ansatz gelassen. Der Bericht weise nach, da die reinen Einnahmen
aus demselben mehr als 100,000 fl. jhrlich betragen. Es hnge natrlich
lediglich vom Ermessen Serenissimi ab, einen Theil auch dieser Einnahme
zur Tilgung der Schulden der Landschaft zu verwenden. Der Passus des
Reskriptes, in welchem die Vorschlge der Minister betreffs des Erlasses
an den Contribuendis genehmigt werden, lautet: Nachdem Serenissimus von
Wegen der in englischen Sold berlassenen Infanterie-Regimenter und der
hierdurch erziehlten Ersparn auch der obergebirgischen Landschaft
einen reellen Vortheil zuflen lassen wollen, als deklariren Sie
hierdurch der obergebirgischen Landschaft, an dem vertragsmigen
Subsidien- und Militr-Beytrag von jhrlich 127,485 fl. 36 kr.,
insolange gedachte Truppen in englischem Sold stehen, 40,000 fl. jedes
Jahr nachzulassen, welcher Nachla vom 1. Mrz ab seinen Anfang nehmen
darf. Die Obereinnehmerey soll jedoch auf die Abfhrung des brig
bleibenden Contribuendi von 87,485 fl. 36 kr. an die hiesige Landschaft
den sorgfltigen Bedacht nehmen. Die 40,500 fl. sollen zur
Schuldentilgung verwandt werden, und behlt sich Serenissimus vor, von
dem reinen Ueberschu der englischen Subsidien eventuell einen Theil zu
demselben Zwecke der Landschaft noch zukommen zu lassen. Durch ein
weiteres Reskript wurde auch der obergebirgischen Rentei die Hlfte
ihres Contribuendi von 25,000 fl. erlassen, hingegen sey die Abfhrung
des residui an die Obereinnehmerey sorgsamer Bedacht zu nehmen.

Also mit anderen Worten brauchte Bayreuth whrend des amerikanischen
Krieges nur 100,000 fl. (genau 99,985 fl. 36 kr.) statt der ihm
vertragsmig obliegenden 152,485 fl. 36 kr. an den Markgrafen zu
zahlen, whrend England fr jeden Soldaten, fr jeden Sohn des Landes
nicht allein smmtliche Kosten bestritt, sondern auch noch dem
Markgrafen Handgelder und Subsidien bewilligte. Derselbe Mensch, der aus
dem Blut seiner Unterthanen Millionen fr sich mnzte, verschmhte auch
ein kleines Geschftchen nicht; er lie sich seine Soldaten doppelt
bezahlen, erst von seinem Lande, dann von England und bewilligte jenen
nur einen Nachla von 52,500 fl. pr. Jahr. Ob Anspach auch in derselben
echt frstlichen Weise begnadigt wurde, geht aus den Akten nicht hervor;
indessen ist nicht anzunehmen, da es schlechter als Bayreuth behandelt
wurde.

Der Gesammtverlust der deutschen Truppen whrend eines beinahe
siebenjhrigen Krieges stellt sich auf etwas mehr als vierzig Prozent
der gesammten Mannschaft; von blo militrischem Gesichtspunkte aus
betrachtet ein durchaus gnstiges Verhltni, wenn man damit die
frheren oder spteren europischen Kriege vergleicht. Es war aber
England's Interesse, den deutschen Soldaten dieselbe gute Verpflegung
angedeihen und dieselbe hohe Lhnung zahlen zu lassen, welche seine
eigenen Angehrigen erhielten. Wenn trotzdem z.B. 300 hessische
Grenadiere in einem einzigen Frhjahr vom Faulfieber dahingerafft
wurden, so war dieses Unglck eine Folge des Mangels an Reinlichkeit und
guter Pflege, dessen sich die hessischen Grenadiere und Offiziere
schuldig machten. Im Gefecht sind verhltnimig wenige Leute gefallen,
wie denn berhaupt alle damals gelieferten Schlachten heutzutage nur als
ernstliche Plnkeleien gelten wrden; die Meisten kamen durch
klimatische Krankheiten, angestrengte Mrsche, bermige Strapazen und
Entbehrungen und ungewohnte Lebensweise um. In der Schlacht bei Monmuth
starben z.B. 28 hessische Grenadiere am Sonnenstich. Nach geschlossenem
Frieden blieben mehrere hundert Braunschweiger und Hessen mit
Genehmigung ihrer Vorgesetzten in Amerika. Ein Theil ging auch durch
Desertion verloren. Amerikanische und ihnen glubig nachschreibende
deutsche Schriftsteller haben vielfach die Ansicht verbreitet, als sei
der deutsche Soldat, wo sich nur eine Gelegenheit dazu geboten habe,
eiligst desertirt. Wenn je eine Angabe irrig war, so ist es diese. Die
Amerikaner hatten allerdings stark auf die Desertion der deutschen
Soldaten gerechnet und gaben sich alle mgliche Mhe, sie zu gewinnen;
indessen halfen ihre Bemhungen nicht viel. Schon Ende August 1776
passirte der Kongre einen Beschlu, worin er allen hessischen (d.h.
deutschen) Deserteuren ein ansehnliches Stck Land zur Ansiedelung
versprach. Franklin lie dieses Dokument in's Deutsche bersetzen und in
Staaten Island unter den dort lagernden Truppen vertheilen. Er schlug
dem General Gates vor, den Aufruf als Umschlag fr Tabackspackete zu
gebrauchen und ihn auf diese Weise denjenigen leicht zugnglich zu
machen, an deren Adresse er gerichtet war. Das Mittel zog aber nicht.
Ja, selbst in der Gefangenschaft blieben diese Leute mit einer, der
besten Sache wrdigen Treue bei ihren Fahnen und wiesen die lockendsten
Anerbietungen und Verheiungen zurck. So desertirten von den bei
Saratoga gefangen genommenen und zuerst in Cambridge bei Boston whrend
eines strengen Winters in Haft gehaltenen Braunschweigern kaum 80 Mann,
trotzdem da der franzsische Oberst Armand (Marquis de la Rouerie)
neben dem Lager der Gefangenen am Winterhill ein Werbebureau fr seine
Freikorps errichtet hatte und es, da er selbst des Deutschen mchtig
war, an Versuchungen zur Desertion nicht fehlen lie. Diejenigen
Deserteure, die sich von ihm hatten annehmen lassen, trieben ihre
Unverschmtheit so weit, da sie in ihren amerikanischen Uniformen zu
Pferde und zu Wagen zum Winterhill kamen und ungestraft ihre frheren
Kameraden auffordern durften, ihrem Elend durch Uebertreten zu ihnen ein
Ende zu machen. Im schroffen Gegensatze dazu steht allerdings ein nur
vereinzelt vorgekommener Fall, indem der Sergeant Flachshaar am 14.
September 1778 aus Newyork schreibt: Ich wei nicht, was es ist.
Verschiedene Hessen wissen ihre Ehre nicht zu estimiren, denn sie
desertiren so stark, da es eine Schande ist. Bei dem Marsche von
Philadelphia hierher sind allein an 400 Mann desertirt. Se. Exzellenz
der Herr Generallieutenant von Knyphausen haben dewegen auch schon
etliche vom hessischen Korps aufhngen lassen.

Trotz alledem war im Verlauf des Krieges die Desertion unter den
Deutschen geringer als unter den Englndern; namentlich hielten sich die
in Sd-Karolina und Georgia stehenden Regimenter trotz aller
Entbehrungen und Strapazen viel besser als jene. Unsere Quellen
enthalten die zahlreichsten Belege fr diese Thatsache. Wenn man
bedenkt, da z.B. im Februar 1782 wegen zu starker Desertion das zweite
Bataillon Delancey dem ersten und die Georgia Loyalisten den Kings
Rangers einverleibt wurden, ja da die durch diese Verschmelzung auer
Gage gesetzten englischen Offiziere zum Feinde bergingen, wenn man
ferner bedenkt, da von dem regulren englischen 60. Regiment innerhalb
drei Tagen sechszig Mann desertirten oder da ganze Posten und
Kavallerie-Patrouillen mit Sack und Pack sich aus dem Staube machte, so
erscheint die als ein ganz auerordentliches, einzig dastehendes
Ereigni gemeldete Desertion, welche drei und vierzig Mann des
hessischen Regiments Knoblauch vom 24. Januar bis 1. April 1782 aus
Savannah bewerkstelligten, verhltnimig noch gering. Die Desertion
betreffend -- schreibt am 21. Februar 1782 der Oberst Porbeck dem
Landgrafen -- glaube, da hieran die Hoffnung, von hier weggelegt zu
werden und noch immer nicht erfolgt, schuld ist, indem sich Jeder vor
der herannahenden grlichen Sommerhitze und dabei grassirendem bsen
Faulfieber auf's Aeuerste frchtet. Hierzu kommt noch, da die
bsgesinnten Einwohner der Stadt sich alle Mhe geben, zur Desertion zu
bereden. Der hiesige Kommandant hat in der Garnison bekannt machen
lassen, wenn einer von diesen Einwohnern ausgemacht werden knnte, vor
solchen Lstr. 40 zu zahlen und den Thter hngen zu lassen. An die
Negers, so Deserteurs eingebracht, hat jeder Kompagnie-Chef zwei Guinees
zur Aufmunterung dieser Leute bezahlt, damit solche desto aufmerksamer
sein mchten. Hierzu kommt noch: die neu errichteten Bataillons, so fast
mehren Theils aus weggelaufenen Rebellen bestehen und in hiesige Dienste
gezwungen werden, womit dieses (Knoblauchsches) Regiment Dienste thut,
veranlasset ebenfalls Befrderung der Desertion.

Zu ganz derselben Zeit, am 20. Februar 1782 hatte John Martin,
General-Kapitain und Gouverneur von Georgien, einen durch unzufriedene
Einwohner und liederliche Frauenzimmer der Stadt unter die deutschen
Soldaten vertheilten, auch in deutscher Sprache gedruckten Aufruf
erlassen, worin er jedem englischen und deutschen Deserteur 200 Acker
Land, eine gute Kuh und zwei Mutterschweine zum Geschenk verspricht, so
bald er Einwohner dieses Landes werden wollte.

Unter diesen Umstnden vermochten selbst die grausamsten Drohungen und
die strengsten Strafen dem einmal eingerissenen Uebel nicht vorzubeugen.
Die Englnder hingen jeden Deserteur, dessen sie habhaft wurden, die
deutschen Obersten lieen ihn ohne Weiteres erschieen, bertrafen sie
sogar noch an Freigebigkeit, indem sie den Hschern auer dem Fanggelde,
Alles schenkten, was der Deserteur auer der Waffe am Leibe und in den
Taschen trug. Bei einigen der Ergriffenen belief sich der vorgefundene
Baarbestand auf drei bis fnf Pfund, ein Beweis dafr, da ihre Flucht
schon lange vorher geplant war. Der Landgraf von Hessen billigte trotz
oder vielmehr wegen seiner Sparsamkeit das Verfahren seiner
Regimentskommandeure als das geringere von zwei Uebeln. In der
Nachbarschaft von Charleston und Savannah kam es zu vollstndigen
Menschenjagden mit obligaten Bluthunden und berittenen Hschern. Unter
den (jetzt in Marburg ruhenden) hessischen Papieren findet sich ein
kurzer Bericht, der in drren geschftlichen Worten ein ergreifendes
Drama entrollt.

Fnf Soldaten vom Regiment Knoblauch, drei geborene Hessen, ein
Brabander und ein Mannheimer, hatten zu Anfang Mrz 1782 ihre gemeinsame
Flucht verabredet. In der Nacht vom 8. zum 9. verlieen sie mit voller
Armatur Savannah und wandten sich landeinwrts. Inzwischen waren sie
verrathen worden. Berittene Milizen, unter Fhrung eines Kapitains
Bradley, verfolgten und entdeckten sie in der Nhe eines Swamp
(sumpfiges, hufig mit Bumen bewachsenes Terrain). Sie trieben die
Flchtlinge in den Sumpf hinein und umzingelten sie. Die Verfolgten
wehrten sich so gut sie konnten, suchten mit ihren Sbeln die Bluthunde
abzuwehren und gaben Feuer auf die in Mehrzahl auf sie eindringenden
Verfolger. Nach kurzem Gefecht fielen sie Alle und wurden in voller
Uniform in einem Loche verscharrt. Auer ihrem blichen Fanggelde
erhielten die Hscher noch drei und eine halbe Guinee, die sie aus den
Taschen der Leichen zusammengesucht hatten. Unter diesen Deserteuren
befand sich auch ein junger Mann aus Hatterode, der einzige Sohn einer
Wittwe, deren ltester Sohn kurz zuvor im Hospital in Savannah am Fieber
gestorben war. Die Mutter hatte endlich bei der heimathlichen Behrde
einige Monate vorher die Freigebung des Ueberlebenden bewirkt und dessen
Zurckbefrderung tagtglich erwartet. Jetzt erhielt sie die Nachricht
von dem Tode auch des zweiten Sohnes.

Auch die brigen deutschen Truppen hielten sich soldatisch tapfer und
blieben in ihrer sehr groen Mehrzahl selbst im Unglck ihrer Fahne
treu. Die nach der Uebergabe von Yorktown in Frederick in Maryland
internirten Anspacher verloren kaum den achten Theil durch Desertion,
obgleich sie fast zwei Jahre lang in Gefangenschaft schmachteten und
sehr schlecht gehalten wurden. Es ist ein hoher Beweis fr die
Tchtigkeit und Disziplin der hessischen Regimenter, da die Soldaten,
trotzdem da ihre Reihen in den letzten Jahren des Krieges mit allem
mglichen Gesindel ausgefllt wurden, in verhltnimig geringer Zahl
desertirten und standhaft bis an's Ende aushielten. Bei den kleineren
Kontingenten kamen allerdings mehr Desertionen vor, allein gleichwohl
waren sie klein im Verhltni zu den sich bietenden Gelegenheiten, zur
Unmglichkeit der Habhaftwerdung der Deserteure und berhaupt zum
Charakter der damaligen Heeres-Organisation. Diese Angabe sttzt sich
auf etwa vierzig Tagebcher von Offizieren, Unteroffizieren und
Gemeinen. Amerikanische Novellisten  la Cooper und deutsche
Tendenz-Schriftsteller werden zwar nicht mde, diese unglcklichen,
fremden Interessen geopferten Miethlinge als einen verchtlichen, kaum
des Widerstandes fhigen Haufen zu schildern; allein diese Phantasien
werden von den Thatsachen auf Schritt und Tritt Lgen gestraft. Die
hessische Infanterie jener Zeit war jedenfalls ebenso gut als die
preuische, die beste des Jahrhunderts. Sie hatte gemeinschaftlich mit
dieser die Schlachten des siebenjhrigen Krieges gewonnen und sich im
vorigen Jahrhundert in allen Theilen Europa's durch ihre Tapferkeit,
Disziplin und Unverwstlichkeit ausgezeichnet. Kaum in Amerika gelandet,
entscheidet sie hauptschlich durch ihre Bravour den Feldzug des Jahres
1776 zu Gunsten der Englnder. Die amerikanische Landbevlkerung hatte
einen solchen Schrecken vor den Hessen mit ihren Brenmtzen und
Zuckerhten, da sie dieselben als eine Art Menschenfresser frchtete,
und da Washington, um diese Vorurtheile zu brechen, einen Theil der bei
Trenton gefangenen Hessen durch die Straen Philadelphia's fhren und
dem Volke zeigen lie. Die Herren Hessen machen Unmglichkeiten
mglich, meinte der sich ihnen ergebende amerikanische Kommandant des
Forts Washington. Die Braunschweiger bewhrten in glcklichen und
unglcklichen Gefechten, bei Hobartstown, Bennington und Stillwater ihre
alte Tchtigkeit und Tapferkeit, und wahrlich, sie so wenig als die
Hanauer trifft der Vorwurf, da sie bei Saratoga in feindliche
Gefangenschaft fielen. Auch die kleineren Kontingente, namentlich die
Waldecker und Anspacher, schlugen sich sehr gut. Jene strmten im Verein
mit den Hessen Fort Washington und kmpften in den letzten Jahren des
Krieges tapfer mit den Englndern in Florida und am Missisippi gegen die
Spanier; die Anspacher aber hatten im Norden ehrenvollen Antheil an der
Eroberung der Festen Clinton und Montgomery und im Sden an den Siegen
des Lord Cornwallis, mit dem sie freilich zuletzt in Yorktown in
Gefangenschaft geriethen. Wo aber die Mannschaften nicht viel taugten
und lediglich zum Festungsdienst, wie z.B. die Zerbster, verwendet
wurden, waren die Offiziere desto tchtiger und durchgreifender.

Wenn die englischen Waffen gleichwohl unterlagen, so war es wahrlich
nicht die Schuld der deutschen Soldaten, sondern die Unfhigkeit der
verantwortlichen Offiziere und die Kurzsichtigkeit der englischen
Politik.

Es liegt natrlich auerhalb der Grnzen unsrer Aufgabe, die Mitwirkung
der deutschen Truppen auf den verschiedenen Kriegsschaupltzen Amerika's
eingehend zu schildern. Es mge deshalb die kurze Bemerkung gengen, da
die Hlfstruppen nie selbstndig auftraten, sondern den einzelnen
englischen Korps beigegeben waren und deshalb im Norden und Sden
berall mit zur Verwendung kamen. Wie an den Siegen des Jahres 1776 den
Lwenantheil, so hatten sie in der Folge auch an dem Unglck, welches
die englischen Waffen traf, ihr volles Ma. Wenn sich nun auch die
Hessen ihre Gefangennahme bei Trenton selbst zuzuschreiben hatten, so
sind die brigen Kontingente dagegen an den Kapitulationen unschuldig,
in welche sie mitverwickelt wurden. Es ist nicht zu viel gesagt, da der
leichtfertige Burgoyne sich bei Saratoga nicht wrde haben ergeben
mssen, wenn er zur rechten Zeit auf den wohlmotivirten Rath eines so
erfahrenen Generals wie Riedesel gehrt htte. So geriethen denn die
Braunschweiger und das hanauische Regiment in amerikanische
Gefangenschaft, in welcher sie bis zum Ende des Krieges bleiben muten.
Die Anspacher (1073 Mann stark), sowie die hessischen Regimenter
Erbprinz und Bose gehrten in den Jahren 1780 und 1781 zu Cornwallis'
Armee und muten sich endlich mit ihr bei Yorktown dem General
Washington ergeben. Unter den Gefangenen befand sich auch der damalige
Jgerhauptmann sptere General Ewald, ein ausgezeichneter Offizier und
Militrschriftsteller, der nach seiner Rckkehr zuerst in preuische und
spter in dnische Dienste trat und in der preuischen Armee den
Schtzendienst nach amerikanischem Muster ausbilden half. Whrend die
Zerbster in Kanada blieben, wurden die Waldecker im fernsten Sden
verwandt und auf dem Umwege ber Jamaica nach Florida geschickt. Hier
belagerten sie zu Anfang des Jahres 1781 Pensacola, wo beim Sturm auf
die Werke ihr Oberst Hanxleden fiel. Zwei ihrer Kompagnien, welche nach
Baton Rouge am Missisippi beordert waren, wurden von den Spaniern
gefangen genommen. Es mag hier als besondere Merkwrdigkeit erwhnt
werden, da die Waldecker unter den Indianern bei Pensacola einen
Landsmann, Namens Brandenstein aus Knigshagen fanden, welcher heimlich
aus dem Schlosse in Waldeck entwischt war und ihnen jetzt als
Dolmetscher gute Dienste leistete. Er stand als Huptling an der Spitze
von etwa 2000 Indianern, deren Tracht er trug und von denen er sich nur
durch seine Gesichtsfarbe und seinen Bart unterschied.

Von den Beschwerden und Entbehrungen, unter denen die Soldaten
namentlich im Sden litten, kann man sich in Europa kaum annhernd einen
Begriff machen. Im Sommer herrschte eine ebenso unertrgliche Hitze als
im Winter grimmige Klte; dabei gingen die langen Mrsche durch
unangebaute, meist unwirthliche Gegenden, in welchen nur ausnahmsweise
Lebensmittel aufzutreiben waren. Der Sonnenstich war nichts Seltenes;
die Soldaten wurden einige Mal auf dem Marsche oft wahnsinnig vor Durst,
aus Hunger machten sie sich aus dem fr ihre Zpfe bestimmten Puder
hufig einen Brei. Auch in den Garnisonen hatten sie meist schlechte
Verpflegung und nur ausnahmsweise frisches Fleisch. Dabei Ungeziefer am
Leibe und Ungeziefer in der Luft und am Boden, namentlich aber die
blutgierigen Muskito's, welche den armen Teufeln den Schlaf raubten. Das
Lagern in den Sumpfniederungen erzeugte heftige Fieber. Das schlechte
Trinkwasser war ohne Rum gar nicht zu genieen. Fr Bier und Wein,
welche den englischen Soldaten zugnglich waren, fehlte den Deutschen
das Geld. So stellte sich namentlich in den sdlichen Garnisonen eine
groe Sterblichkeit ein. Dazu kam die den deutschen Sldnern doppelt
gehssige Stimmung der Eingeborenen. Mit welcher Rcksichtslosigkeit
aber die armen Gefangenen behandelt wurden, mag in den treuen Berichten
der Frau v. Riedesel nachgelesen werden, welche deren Loos freiwillig
mehrere Jahre theilte. Es wrde unter diesen Umstnden ein Wunder sein,
da die Regimentsverbnde trotzalledem noch zusammenhielten, wenn nicht
eine grausame eiserne Disziplin den Dienst erzwungen htte. Da die
Soldaten, wenn sich nur eine Gelegenheit dazu bot, dagegen nicht blde
im Zugreifen und Zerstren waren, versteht sich bei dem damaligen
Heeres-Charakter ganz von selbst. Ihre grte Klage ist, da sich solche
Gelegenheiten so selten boten. Es findet sich in den anspacher
Manual-Akten die Beschreibung der Plnderung von Westfield und New
Brunswick im Staate New Jersey, die zugleich mit moralischen und
allgemeinen Betrachtungen durchflochten, das zu charakteristische
Produkt eines Landsknechts ist, als da sie hier nicht ihren Platz
verdiente.

Auf unserm letzten beschwerlichen Marsch -- schreibt der Soldat am 4.
Juli 1777 aus Staaten-Island -- htten wir eine ganze Stadt mit allem
mglichen Vieh, Kupfer und Zinn, mit dem feinsten Weizeug und allem
Hausrath versehen knnen. Unsere Leute haben mehr als zweihundert
Schweine erstochen und liegen lassen. Die Thrnen stehen mir in den
Augen, wenn ich das schne und glckliche Land betrachte und Zeuge sein
mu, wie Alles ruinirt wird. Es wird uns Alles Preis gegeben. Ich habe
mir einen ledernen Leibgurt machen lassen, um solchen mit Guineen zu
fllen. Ich kann Ihnen versichern, da der Theil von Amerika, worinnen
wir sind, und den wir durchmarschirt, mit allem Rechte mit einem
Paradiese knnte verglichen werden, wenn der Teuffel, der allein Schuld
ist, den Samen der Zwietracht nicht ausgestreut htte. Ewig Schade, da
Alles ruiniret und verheeret wird! Das Herz blutete mir, als wir von
Brunswick zurckmarschirten, wo unsere Grenadier-Kompagnieen die
Arriere-Garde machten und alle Huser in Brand stecken muten. Selbst in
Brunswick blieb kein Haus und Fenster ganz, alle Mobilien wurden auf die
Gasse geworfen, worunter das allerschnste weie Zeug, Zinn und Kupfer
war. Die Betten wurden aufgeschnitten und die Federn ausgeschttet. Aus
Mangel an Wagen konnten wir nichts mitnehmen, auer einige Grenadiers
haben Sackuhren, silberne Lffel, Thee- und Kaffee-Kannen mitgenommen.
Die meisten Huser sind herrlich und nach hollndischer Art gebaut, und
mit den feinsten Tapeten garniret. Nichts als die Pracht, Ueberflu und
Wollust hat die Leute zur Rebellion gebracht, denn kein angesessener
Einwohner arbeitet das Geringste; sie haben ihre Mohren, welche Sklaven
sind. Diese mssen das Land bearbeiten, und die Einwohner bringen ihr
Leben in Miggang zu. Wenn wir wieder kommen, so bringe ich Ihnen eine
schwarze Sklavinn mit.

Die gemeinen Soldaten bestanden eben, wie das bei der Art ihrer
Aufbringung nicht anders sein konnte, aus allen mglichen Individuen,
vom verlaufenen Mnch und verkommenen Offizier an bis zum Studenten,
Handwerker, Knstler und Bauern. Da aber selbst die gebildetsten unter
ihnen das an ihnen begangene Verbrechen nicht fhlten, fr diese
beklagenswerthe Erscheinung liefert den schlagendsten Beweis der bereits
angefhrte deutsche Dichter Johann Gottfried _Seume_. Derselbe war als
Student der Theologie zwischen dem kirchlichen Dogma und seinem Gewissen
in Widerspruch gerathen, und verlie, neunzehn Jahre alt, Leipzig, um in
Paris Mathematik zu studiren. Auf dem Wege dahin wurde er von
landgrflich hessischen Werbern aufgefangen und ohne Weiteres den nach
Amerika verkauften Rekruten einverleibt. Seume's Erzhlung seiner
Pressung und erzwungenen Reise nach Amerika ist einer der werthvollsten
und interessantesten Beitrge zur Geschichte des frstlichen
Menschenhandels. Zeigt sie auf der einen Seite, wie kein junger gut
gewachsener Reisender, mochte er nun Student oder Handwerker, Knstler
oder Kaufmann sein, seiner Freiheit sicher war und befrchten mute, in
die Hnde der Menschendiebe zu fallen, so beweist auf der andern Seite
die Ruhe und fast objektive Gleichgltigkeit, mit welcher Seume von
diesem frechen, gewaltsamen Eingriff in sein Leben spricht, wie wenig
Werth das Individuum seinem Ich beilegte, wie wenig selbst von den
gebildeteren Geistern der Zeit eine solche Rohheit empfunden wurde. Man
glaubt sich fast nach dem Knigreich Dahomey versetzt, wenn man diese
Diebsstckchen des hessischen Landgrafen liest. Man vergegenwrtige sich
nur die Thatsachen! Ein schsischer Student, der den hessischen
Landesvater kaum dem Namen nach kennt und ihm jedenfalls nichts zu Leide
gethan hat, wandert arglos auf der Landstrae nach Fulda. Dort wird er
berfallen, berwltigt und als Arrestant des Landgrafen nach dessen
Festung Ziegenhayn gebracht. Warum? Weil er die erforderliche Gre fr
einen Soldaten hat, weil also Geld aus ihm herauszuschlagen ist und weil
er die Frechheit besitzt, sich seiner Haut zu wehren, seine persnliche
Freiheit, das Einzige, was er auf der Welt sein nennt, zu vertheidigen.
Ein hnliches Schicksal mit Seume theilten hundert andere Unglckliche.
Als sie den an ihnen begangenen Gewaltakt durch ihre Selbstbefreiung
wieder shnen wollten, erlagen sie und wurden beim Gassenlaufen halb
todt geprgelt -- es war eine grelle Fleischerei, bemerkte Seume --
zum Galgen verurtheilt oder aus Gnade von demselben Landgrafen, der sie
schamlos gestohlen hatte, in Kassel in die Eisen geschmiedet. Wer nicht
an den Mihandlungen zu Grunde ging, ward dann wie ein Hring in's
Schiff eingepckelt und in dieser Lage zu keinem andern Zweck, als um
den Beutel des hessischen Menschendiebes zu fllen, bis an's und ber's
Meer geschafft.

Die schrecklichen Einzelheiten mge der Leser selbst in Seume's Leben
nachlesen und dann seine Schlsse aus der Erzhlung ziehen. Die
Theilnahmlosigkeit, die resignirte Ruhe, mit welcher Seume von sich
spricht und mit welcher er sein furchtbares Loos als eine humoristische
Schicksalstcke auffat, zeigt uns die emprende Wirkung dieser
kleinstaatlichen Willkr und Gewaltthtigkeit auf die Anschauung des
durch sie verwilderten deutschen Volkes. Ich ergab mich -- sagt Seume
-- in mein Schicksal und suchte das Beste daraus zu machen, so schlecht
es auch war. Mir zerri man meine akademische Inskription, als das
einzige Instrument meiner Legitimirung. Am Ende rgerte ich mich weiter
nicht; leben mu man berall; wo so Viele durchkommen, wirst Du auch.
Ueber den Ozean zu schwimmen, war fr einen jungen Kerl einladend genug,
und zu sehen gab es jenseits noch etwas. So dachte ich.

In diesem Tone geht's fort. Fr eine so harmlose idyllische Existenz
giebt es keinen Ha und keine Erbitterung, keinen Racheplan gegen den
Seelenverkufer und seine Henkersknechte, ja kaum eine Hoffnung auf
Erlsung. Seume begreift gar nicht das an ihm begangene Unrecht und mit
dem leichtsinnigen Troste, da das menschliche Leben kaum mehr als ein
schlechter Witz sei, hilft er sich ber eine Situation hinweg, die sich
in jedem individueller ausgeprgten Charakter zum tragischen Konflikte
auf Leben und Tod zugespitzt haben wrde. Folgerichtig bildet sich dann
spter in dem von den Gewalthabern der Heimath verfolgten und unter
harten Kmpfen zum Manne herangereiften Dulder der ohnmchtige Grimm
gegen die schlechte Wirklichkeit zur kulturfeindlichen Schwrmerei fr
wilde Natur und Freiheit aus. Er malt sich das Glck des Daseins unter
unverdorbenen, ursprnglichen Umgebungen in glnzenden Farben, macht, um
mglichst Naturmensch zu sein, Fureisen nach Schweden oder einen
Spaziergang nach Syracus, oder flchtet sich in die Wildni zu den
kanadischen Indianern, die eben, weil sie Europa's bertnchte
Hflichkeit nicht kennen, doch bessere Menschen sind als die Weien.
Diese schiefen Anschauungen  la Rousseau waren wahrer Balsam fr die
Zeitgenossen Seume's, welche eben angefangen hatten, den Widerspruch
zwischen ihren gedrckten brgerlichen Verhltnissen und ihren
himmelstrmenden Idealen zu erkennen, und vorlufig beim ersten Stadium
dieses geistigen Konflikts, bei einer schwchlichen Sentimentalitt
angekommen waren.

Fern sei es, deshalb einen Stein auf den wackern Seume zu werfen. Er hat
redlich gestrebt und trotz aller persnlichen trben Erfahrungen und
Widerwrtigkeiten den Glauben an die Menschheit nicht aufgegeben; allein
unser berechtigter Fluch treffe die Menschen und die Zeit, welche
energisch angelegte Naturen zu bloen Spielbllen des Schicksals
erniedrigten und selbst in der Brust der edleren Geister das Gefhl der
persnlichen Wrde und den Glauben an den Beruf ihrer Nation so
grndlich zu ersticken wuten, da sie ihre Ideale bei den Wilden suchen
muten. Leider hat Seume den mchtigen Aufschwung seiner Nation nicht
mehr erlebt, da er zur Zeit ihrer tiefsten Erniedrigung (1810) starb. In
einem wenig poetischen, aber politisch energischen Gedichte, welches er
in seinem Todesjahre an das deutsche Volk richtete, ist es wohlthuend,
seinen Ha und seine Verachtung der frstlichen Seelenverkufer,
wenigstens am Schlu seines Lebens, noch krftig betont zu sehen.[7]

Unser Ha wende sich darum auch heute noch gegen jene jmmerliche
Kleinstaaterei, welche nur zu lange einer groen Minderheit des
deutschen Volkes die Gelegenheit zur Bethtigung in der Heimath entzogen
und jene Abenteurersucht, jenes Landsknechtsthum erzeugt hat, welches
sich in allen fnf Welttheilen mit seinem gesinnungslosen Ubi bene, ibi
patria! an den Pranger stellt, welches hchstens einen leeren
Unterthanendnkel, aber selbstredend keine stolzen, eines mnnlichen
Ringens wrdige Ideale in der Brust des Einzelnen erzeugt und welches
uns bis vor Kurzem verhindert hat, uns zusammenzuraffen und ein
politisches Volk zu sein. Aus diesem Grunde ist der Deutsche auch noch
heute nur zu sehr reiner Privatmensch; er kennt in seiner groen
Majoritt nur vorbergehende Stimmungen, schwankende Gefhle oder
schwchliche Sentiments. Fr diese Mehrheit giebt es kein politisches
Gewissen, deshalb auch mit geringen Ausnahmen keine politische Pflicht.
In seiner Betheiligung an der Politik nimmt der Durchschnittsdeutsche
darum meistens die Miene eines vornehmen, herablassenden Gnners an, der
sich angeekelt und ermdet zurckzieht, sobald sich die Ereignisse nicht
seinem Wunsche gem entwickeln.

Wie dem aber auch sein mge, die deutschen Truppen zeigten sich berall,
wo sie in's Feuer kamen, tchtig und tapfer. Suffolk rhmt in besonderen
Belobungsschreiben an ihre Frsten, namentlich das Hanauer Regiment,
welches bei Saratoga mit gefangengenommen wurde, und die Anspacher,
welche bei Yorktown dasselbe traurige Loos traf. Da das englische
Ministerium sonst, wo es nur konnte, auf Seiten seiner Lieferanten
Fehler zu entdecken bemht war, um ihre Ansprche mglichst
herunterzuschrauben, so kann dieses Lob sicher als aufrichtig und wohl
verdient gelten. So erfreulich es nun auch im Interesse der
freiheitlichen Entwicklung der Menschheit ist, da unsere Landsleute in
jenem Kriege gemeinschaftlich mit den Englndern geschlagen wurden, und
so verdient und heilsam diese Niederlage auch war, so darf uns doch
diese Genugthuung nicht verhindern, der militrischen Tchtigkeit und
bei allen Gelegenheiten bewiesenen Tapferkeit der deutschen Soldaten
volle Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

Die Mehrzahl der deutschen Truppen wurde im Sommer und Herbst 1783 und
der kleinere Rest im Frhling 1784 wieder nach ihrer Heimath
eingeschifft. So trafen sie hier gegen Ende 1783 und im Laufe des Jahres
1784 wieder ein.




Zwlftes Kapitel.


Es bleibt uns zum Schlu noch brig, der deutschen Offiziere und ihres
Verhltnisses zum Kriege sowohl und ihren englischen Kameraden, als auch
zur Krone England und zu ihren Landesvtern zu gedenken.

In ihrer groen Mehrheit fhlten sie das Schiefe und Demthigende ihrer
Stellung nicht. Meist dem niedern Adel angehrend, der wenig mehr
gelernt hat als was er nothwendig fr's Lieutenants-Examen braucht, und
der seit Jahrhunderten fr Kost und Logis damals so gut seine Haut zu
Markte trug, wie noch heute, kannten sie, wie alle schlecht bezahlten
oder halb gebildeten Leute, gar nicht das Gefhl persnlicher Wrde und
Verantwortlichkeit. Sie waren stolz darauf, zu dienen und Landsknechte
zu sein, die sich auf das Gehei Serenissimi, ohne nach irgend einem
Grund zu fragen, an's andere Ende der Welt schaffen lassen und ebenso
gleichgltig fr die schlechteste wie fr die beste Sache kmpfen. Die
Lieutenants und die Subaltern-Offiziere jubelten, da sie aus ihren
langweiligen Garnisonen ausrcken durften, da sie von ihren Glubigern
vorlufig nicht weiter geqult werden konnten, und malten sich das ferne
Land in den glnzendsten Farben aus, wo ihre Phantasie Alles zu finden
hoffte, was sie zu Hause nicht hatten. Nichts ist erklrlicher als
diese freudige Stimmung, wenn man sich die Verhltnisse dieser
kleinstaatlichen Truppen im Friedensstande vergegenwrtigt. Zu Hause
berall Kleinlichkeit und Armseligkeit, karge Besoldung, kmmerliche
Verpflegung, schlechte Behausung und langweiliger Dienst; in der Fremde
dagegen ein bewegtes Kriegsleben mit seinem steten Wechsel, seinen
Anregungen und Anspannungen, ja ein unbekannter Kontinent mit tausend
neuen, Auge und Geist gleichmig einnehmenden Erscheinungen und
Vorkommnissen, endlich ein groer, lange nicht mehr gekannter
Armee-Verband, doppelte Lhnung und reichliche, ja verschwenderische
Verpflegung und Aussicht auf schnelle Befrderung! Welcher junge
Offizier htte da nicht mit Freuden zugegriffen und sich nicht glcklich
gepriesen, den Krieg in Amerika mitmachen zu drfen?

Kaum dort angekommen, wurde ihm aber die Kehrseite der Medaille
sichtbar. Statt des getrumten Reichthums berall fast Noth und Mangel,
statt der gehofften Kameradschaft kaltes zugeknpftes oder gar
hhnisches Wesen der englischen Offiziere, statt des raschen Avancements
geringe Verluste und meist langweiliger Dienst unter Strapazen und
Entbehrungen aller Art. Da alle Kapitains und Subalterne zu Fu gehen
mssen -- schreibt der Lieutenant v. Molitor am 4. July 1777 aus dem
Lager von Staaten Island an den Hauptmann v. Ellrodt in Anspach -- habe
ich Ihnen schon gemeldet. Die Theuerung ist enorm. Was man bei uns in
theueren Zeiten vor einen Konventionsthaler kauft, das mu man hier vor
eine Guinee bezahlen. Unsere Leute bekommen Tag vor Tag gesalzen
Schweinefleisch und alten Zwieback. So lange wir auf dem Lande sind,
haben sie erst zwei Mal frisch Fleisch bekommen. Noch mehr klagt der
Lieutenant Bartholomae in einem Briefe aus New-York am 9. Dezember 1779
an Gemmingen geschriebenen Briefe. Wir anspacher Jger sitzen auf
Spuytin Devil (gegenber dem nrdlichen Ende der Insel New-York).
Mchten Ew. Exzellenz ein Mittel ausfinden, wie ich auf gute Art
zurckkommen knnte. Ich mu hier schlechter als ein Bettler in
Deutschland leben, kann mir weder etwas sparen noch bei meinem
gegenwrtigen Dienste Ehre erwerben. Die groe Theuerung und Anschaffung
der Equipage ist nicht auszuhalten. Wie thricht war ich, den
amerikanischen Krieg mit dem deutschen zu vergleichen. Finden Sie ein
Mittel, wie ich nur mit Ehren aus diesem Fegefeuer, dieser Hlle erlst
werden kann. Bartholomae berechnet sein monatliches Einkommen auf
sechs Guineen und drei Thaler, welche ihm nach Abzug der doppelten
Provision bleiben. Davon gehen ab zwei Pfund fr den Vorschu, ein Pfund
fr den Bedienten, ein Thaler fr den Feldscheer oder Barbier, zwei
Thaler fr die Wscherinn; mithin bleiben drei Guineen fr Essen und
Trinken, Frhstck, Rauchen und Schnupftaback. Ein Pfund Fleisch kostet
1 fl. 8 kr., ein Pfund Butter dasselbe.

Andrerseits hatte keiner dieser Offiziere eine Ahnung von der Macht des
Volkes, von der Existenz einer Nationalkraft und den letzten Grnden der
amerikanischen Erhebung. Mit dem Augenblick, wo sie von England
bernommen wurden, fingen sie auch pflichtmig an, ber das
amerikanische Rebellengesindel zu schimpfen. In Amerika angelangt,
wunderten sie sich ber die Wohlhabenheit und den Reichthum des Farmers
und berichteten ganz naiv nach Hause, da eine Neu-Englnderin oder
Staaten Islnderin bessere Kleider, ja selbst ein feineres Benehmen
habe, als selbst manche junge adelige Dame in Deutschland. Namentlich
waren sie von der Schnheit und Eleganz der Frauen entzckt. Unter zehn
Mdchen finden sie kaum eins, welches nicht schn wre. Ihr Anzug --
meint Lieutenant v. Wllwarth, der auf diesem Gebiete ein Kenner zu sein
scheint -- ist der vortheilhafteste von der Welt, eine geschmackvolle
Vermittlung zwischen franzsischer und englischer Mode mit eigenen
Zuthaten: das giebt der angeborenen Schnheit ein um so reizenderes
Aussehen. Um so schlimmer war es mit dem politischen Urtheil der Herren
bestellt. So schrieben sie die Revolution nur dem Uebermuthe des
frechen Packs zu, dem es unter englischer Herrschaft zu gut gegangen
sei. Auch die hheren Offiziere zeigen nirgends ein Verstndni fr die
politischen Fragen, die sich im amerikanischen Kriege zur Entscheidung
drngten. Es sind manche interessante militrische Denkschriften von
ihnen erhalten, aber nirgend wird die Politik selbst nur als
untergeordneter oder beilufiger Faktor der Ereignisse erwhnt. Das Volk
hat rebellirt, also mu es mit der ultima ratio regis zur Raison
gebracht werden -- in diesen paar Worten erschpft sich die ganze
politische Anschauung der damaligen deutschen Offiziere. Da geht,
unmittelbar nach der Schlacht, die das Geschick eines ganzen Kontinents
entscheidet, ein deutscher Oberst am Meeresstrand spazieren, sucht
Muscheln und preis't die Allmacht des Schpfers. Ein anderer sieht von
den Hhen von Brooklyn aus, wie die ganze englische Flotte vor Anker
geht und sich anschickt, die Stadt zu bombardiren. Das groe ungewohnte
Schauspiel hat wenig oder gar keinen Reiz fr ihn, aber er vergleicht
New-York, das strahlende, Europa zugekehrte Auge Amerika's, mit
preuisch Minden, das ungefhr von derselben Gre und Ausdehnung sei.
Es klingt heutzutage wahrhaft komisch, wenn man diese Parallele zwischen
der grten und der reichsten Stadt der neuen Welt und zwischen dem
verschuldetsten rotten borough preuischer Offiziere liest. Ein Dritter
endlich erzhlt den Seinigen daheim, da der bei Brooklyn gefangen
genommene General Sullivan dem Metzgermeister Fischer in Rinteln auf's
Haar gleiche und schimpft ber die Mosquitos, die ihm die getrumten
Freuden in der neuen Welt gleich anfangs verleiden.

Dieses Kleben an Nebendingen, welches nur den engen Kreis der
persnlichen Interessen kennt, tritt uns, kaum zwei oder drei
nennenswerthe Ausnahmen abgerechnet, in den Aufzeichnungen der deutschen
Offiziere ber den amerikanischen Krieg berall entgegen. Der werthvolle
Aufschlu, den wir ber einzelne Ereignisse und Personen erhalten,
findet sich nur gelegentlich und meistens unter einem Haufen von
gleichgltigen Notizen versteckt. Politisches Urtheil hat Keiner der
Tagebuchschreiber.

Hie und da klagen sich denn die deutschen Generale und Obersten wohl
ihre Noth ber die Anmaungen der Englnder, die ihnen und den deutschen
Soldaten oft etwas zuviel zumuthen; Einzelne verfluchen den Dienst,
welcher ihnen so manche Entbehrung auferlegt und kaum einen Vortheil
dagegen bietet; ja in einem unbewachten Augenblicke malt sich sogar der
hessische General _Loos_ das philosophische Vergngen aus, einem
undankbaren, fhllosen Frsten und hochmthigen Minister trotzend, sagen
zu knnen: _Ich will Euch nicht lnger dienen!_ Zu der hhern
Anschauung jedoch, da dieser Dienst ein verchtlicher Schergendienst
und mit dem Selbstgefhl eines freien Mannes unvertrglich war, knnen
und wagen sich diese Herren nicht zu erheben; sie sind nur hie und da,
innerhalb der gegebenen und von ihnen gehorsam anerkannten
Dienstverhltnisse, mit der ihnen zu Theil werdenden Behandlung nicht
zufrieden.

So lange England siegreich war, und namentlich die deutschen Regimenter
seine Siege erringen halfen, ging natrlich Alles gut. Gleich nach der
ersten Niederlage aber traten, namentlich zwischen den Offizieren
Reibungen ein, die sich in der Folge fast tglich wiederholten. Unter
den englischen und deutschen Truppen -- lautet ein den preuischen
Ministern von W. Carmichael, dem amerikanischen Agenten, mitgetheiltes
Schreiben eines hochgestellten Englnders aus New-York vom 5. Januar
1777 -- ist keine gute Harmonie. Unsere Leute sagen, da zu Trenton die
drei Bataillons Hessen die Waffen zu frh niedergelegt und nicht so viel
Widerstand geleistet htten als sie htten knnen und sollen. Die Hessen
beklagen sich hingegen, da die frischen Lebensmittel unbillig vertheilt
werden und da sie nicht den gehrigen Antheil davon erhalten, auch da
man sie zu dem beschwerlichsten Dienst gebraucht, ihnen die
gefhrlichsten Posten giebt, und sie nicht gehrig soutenirt. Einer
unserer vornehmsten Offiziere antwortete hierauf unbedachtsamer Weise,
da der Knig sie von ihrem Herrn gekauft htte, um seine eigenen
Truppen zu schonen, wodurch die Hessen sehr beleidigt worden sind. Sie
fangen auch an, von ihrem Landgrafen mit ungeziemender Freiheit zu
reden, indem sie sagen, er habe kein Interesse bei diesem Kriege, und
verkaufe das Blut seiner Unterthanen, welches in Amerika vergossen
wrde, um das Geld in auswrtigen Lndern auf seine Vergngungen zu
verwenden.

Im gleichen Sinne uert sich ein Jahr spter vom deutschen Standpunkte
aus der anspachische Lieutenant v. Wllwarth, Vetter des Ministers
Gemmingen. Er bittet diesen darum, da er seine Rckkehr nach
Deutschland vermittle, zu einer Zeit, wo der eben ausbrechende bayrische
Erbfolgekrieg einem Offizier bessere Aussichten fr Auszeichnung und
Befrderung bot. Dieser mit feinem Humor und beiender Ironie
geschriebene Brief zeigt den ganzen Mimuth und die grndliche
Verachtung eines unabhngigen Charakters gegen den ihm zugemutheten
Dienst. Ein gewisser Lord in Schottland -- schreibt Wllwarth am 4. Mai
1778 aus Philadelphia -- hatte eine sehr sorgfltige Parforcejagd. Er
sah aber ein, da es patriotischer und vernnftiger fr sein Vaterland
gedacht sein wrde, bei dessen gegenwrtiger Verfassung solche
abzuschaffen und dafr ein Regiment zu werben, welches in des Knigs
Dienst treten sollte, um gegen die rebellischen Kolonieen auf seine
eigenen Kosten gebraucht zu werden. In England fand er keinen Kufer; er
lie deshalb auf Anrathen seiner Freunde seine ganze Hunde-Equipage in
eine teutsche Zeitung unter die zu verkaufenden Sachen setzen, in der
zuversichtlichen Hoffnung, da man in Teutschland mehr Hunde- als
Menschenliebe besitzt. Man behauptet, ein teutscher Reichsfrst habe ihm
dagegen ein Regiment Soldaten vertauschen wollen; allein letzteres,
glaube ich, ist erdichtet und halte die ganze Geschichte fr eine
Erdichtung. Doch knnen gndigster Herr Vetter sich nicht genug
vorstellen, mit welch einem Auge die vernnftigen und uninteressirten
Englnder das Betragen der teutschen Reichsfrsten ansehen. Und noch zum
grern Ruhme werden alle teutschen Truppen vor Leute angesehen, welche
zu viel in ihrem Vaterland gewesen sind und dessendwegen diese Umstnde
und Begebenheiten vor unsere glcklichste Ausflucht halten. Schlieen
also gndigster Herr Vetter hieraus nicht, da dieser Dienst ein Weg und
Feld der Ehre sein sollte.

Die Englnder sehen uns gar nicht davor an und knnen gar nicht
begreifen, wie ein Mann von Ehre seinen Ehrgeiz auf das treiben kann,
seine Haut vor Geld zu verkaufen. Alles, was wir in Ansehung unseres
Exerzierens voraus haben, ist in ihren Augen lcherlich und sehen uns
allein dazu tchtig an, diejenigen Posten zu besetzen, welche sie
erobern. Unsere Lage ist hchst unerquicklich; wir sind weder Fisch noch
Fleisch, weder halb noch ganz. Ich bin aber nicht gesonnen, noch lnger
unter meiner Charge aus Liebe vor Ihro Durchlaucht zu dienen, will also
lieber unter derselben in einem andern Dienste dienen und lieber nicht
in meiner jetzigen Stellung ein rapides (?) Glck machen.

Gemmingen nahm als vorurtheilsfreier Mann diesen Brief gut auf und
berief umgehend dessen Absender nach Europa zurck, wo dieser Mitte
Oktober landete.

So glcklich wie Wllwarth waren aber die wenigsten seiner Kameraden. Es
hatte nicht lange gewhrt, bis sie sich ihre traurige Lage klar gemacht
hatten, allein sie wandten sich mit der Bitte um Rckkehr in der Regel
vergebens an ihre Landesvter. Namentlich war der Landgraf von Hessen
selbst Kranken gegenber ein strenger Herr. Wenn er endlich
nothgedrungen seine Einwilligung zur Rckkehr ertheilen mute, so
verzgerte er gewhnlich die Uebermittlung so lange, da die Bittsteller
keinen Gebrauch mehr davon machen konnten, indem sie schon vorher
gestorben waren. Eine Luftvernderung, andere Umgebungen und bessere
Nahrung htten die Armen sicher am Leben erhalten. Bei den hessischen
Regimentern, die von 1779-1783 im Sden standen, reichten die Offiziere
fast wchentlich Entlassungsgesuche ein; nur einige wenige wurden
genehmigt; die Bittsteller aber fielen meistens dem Faulfieber zur
Beute. Andrer Seits kam es vor, da junge Fhndriche und Lieutenants
desertirten, weil sie nicht unbestimmte Zeit auf die Antwort aus Kassel
warten wollten, so z.B. ein Fhndrich Karl Wilhelm Kleinschmidt aus
Landau in Waldeck und ein Lieutenant Fhrer.

Zu diesen Uebelstnden gesellte sich nun bei den Hessen das schlechte
Avancement, das bei einzelnen Regimentern langsamer war als in den
heimischen Garnisonen. Nach der Niederlage bei Trenton (26. Dezember
1776) bis zum 19. November 1779 unterschrieb der Landgraf keine
Befrderung eines Offiziers der bei jenem unglcklichen Ereigni
betheiligten Regimenter. Selbst der Kommandeur des frher vom Obersten
Rall befehligten Grenadier-Regimentes war zuletzt ein Major, nachdem der
Obristlieutenant mit Tode abgegangen war. Bei der noch immer nicht in
vlliges Licht gesetzten fatalen Affaire von Trenton -- schrieb der
Landgraf am 11. August 1779 aus Hofgeismar an den Major Mathaeus -- kann
ich mich vor der Hand, und bis das Regiment durch wesentliche und
eklatante Proben seiner Tapferkeit sich meiner Gnade wieder gnzlich
wrdig gezeigt haben wird, zu keinem Avancement derer dabei mitgewesenen
Offiziers entschlieen. Des Herrn Majors gethaner Vorschlag wegen
Ernennung derer beyden Premier-Lieutenants Saltzmann und Stoebell zu
Stabskapitains hat also auch keine Statt finden knnen.

Unterm 10. Juli 1779 hatte der Major Endemann von der Betheiligung des
Regiments Trmbach an der Affaire bei Stonoferry berichtet, wo es sich
besonders auszeichnete, in dessen Folge es vom kommandirenden General
Provost durch Armeebefehl belobt wurde, und bat, die unglckliche
Trenton-Affaire nunmehr in die Tiefe gnzlicher Vergessenheit zu
versenken, hingegen dem Regimente die seither entzogene Gnade nach wie
vor zuzueignen geruhen zu wollen. Der Landgraf nahm aus Weienstein
unterm 19. November 1779 aus dieser Meldung Anla, dem Regiment nunmehr
wieder seine vorige Gnade zuzuwenden, auch ihm wieder Fahnen zu geben,
und die Avancements, welche zeither lediglich wegen der Burgoise von
Trenton zurckgeblieben, wiederum darin zu lassen. Inzwischen wird
dieses jedoch mein Ressentiment gegen diejenigen im Regiment nicht
aufheben, welche bei dieser fatalen Affaire nach geendigter Untersuchung
durch das befohlene Kriegsgericht etwa schuldig befunden werden sollen
und sich htten Ein oder Anderes zur Last kommen lassen.

Whrend die brigen Lieferanten die Korrespondenz mit ihren Truppen in
Amerika durch die Hnde ihrer Minister gehen lieen, nahm der Landgraf
von Hessen, wie wir bereits im vierten Kapitel, S.50, angedeutet haben,
an Allem Theil, was seine Offiziere betraf, und beantwortete die
Berichte seiner Regiments-Kommandeure und Generale immer umgehend
selbst. Aus diesem Briefwechsel geht hervor, da er stets sehr gut
unterrichtet war und da er genaues Buch ber alle Ereignisse auf dem
amerikanischen Kriegsschauplatze fhrte. Seine Antworten sind kurz, klar
und sachgem; sie enthalten kein Wort zu viel und tragen den Zuschnitt
des knappen preuischen Geschftsstils jener Zeit. Selten luft etwas
Privates mit unter. Er ist immer der hohe herablassende Kriegsherr,
der lobt und tadelt, zrnt und straft. Einmal, gegen Ende des Krieges,
bat der Landgraf den Obersten v. Porbeck um eine Sendung von
amerikanischen Merkwrdigkeiten, seltenen Vgeln, Indianer-Kleidern und
Waffen, fremden Gewchsen &c. Der Oberst antwortete am 31. Januar 1783
aus Cow Neck auf Long Island, da er zu seinem Bedauern keinen dieser
Gegenstnde beschaffen knne. Auerdem -- fgte er hinzu -- haben die
hiesigen Einwohner einen solchen Abscheu vor allen zur britischen Armee
gehrigen Leuten, da sie Niemanden, wenn sie auch wirklich etwas von
Raritten htten, davon zukommen lassen, und uns selbst die nthigen
Lebensmittel auf das Theuerste verkaufen.

Persnlich waren brigens die deutschen, namentlich hheren Offiziere,
Ehrenmnner in des Wortes vollster Bedeutung. Das englische Ministerium
lie es ihnen gegenber an Versprechungen und Versuchen, sie in sein
Interesse zu ziehen, nicht fehlen; allein sie waren unbestechlich und
ehrlich. Da sehr viel von der herzlichen Mitwirkung und der guten
Stimmung der deutschen Offiziere abhngt -- schreibt der Staatssekretr
Suffolk bereits am 12. Februar 1776 an seinen Agenten Faucitt -- und da
dieser Zweck am besten durch Mittheilungen ber ihren Charakter und ihre
Fhigkeiten erreicht werden kann, so verschaffen Sie sich darber
mglichst viel Einzelheiten. Ein anderer nicht minder wichtiger Punkt
ist der, da die Offiziere auf die Freigebigkeit des Knigs verwiesen
werden, wenn sie unseren Erwartungen entsprechen und weder durch
_parteiische und unzulssische Rcksicht auf die Erhaltung der von ihnen
befehligten Truppen_, noch durch Eiferschteleien unter einander oder
gegen die englischen Offiziere den Dienst stren oder unterbrechen. Ich
bevollmchtige Sie also, den betreffenden Offizieren die Freigebigkeit
und Gunst des Knigs fr den Fall der glcklichen Beendigung des Krieges
in Aussicht zu stellen und sie ber ihre Ansprche genau
auszuforschen. Faucitt verfehlte natrlich nicht, von dieser Vollmacht
den weitgehendsten Gebrauch zu machen und fragte bei Einzelnen, z.B.
Riedesel, Heister und Knyphausen an, in welcher Art sie die englische
Gunstbezeugung wnschten; allein er erhielt von ihnen die khle
einstimmige Antwort, da sie in Amerika aus eigenem Antriebe als gute
Soldaten ihre Pflicht thun wrden und da es ihrer Ehre zuwiderlaufe,
mit England ber auerordentliche Belohnungen zu unterhandeln.

Der General Heister, ein tapferer alter Haudegen, aber auf seine Wrde
eiferschtiger Korpsfhrer, bat nur fr den Fall, da er vor dem Feinde
bleiben sollte, um Bercksichtigung seiner Familie. Er wurde aber auf
Veranlassung des englischen Ministeriums schon zu Anfang 1777
zurckberufen, angeblich wegen der Niederlage bei Trenton, woran
brigens Heister ganz unschuldig war, in der That aber, weil er nicht
zugeben wollte, da seine Hessen immer und berall die gefhrlichsten,
exponirtesten Stellungen einnehmen und zu den blutigsten Angriffen
verwandt werden sollten. Suffolk nannte das im Sinne seines oben
mitgetheilten Schreibens unpraktisch und unzulssig. Er erklrte deshalb
dem Landgrafen von Hessen, da die Operationen des Heeres leiden wrden,
wenn Heister an der Spitze der Hessen bliebe, und versprach Schlieffen,
dem Minister und Unterhndler des Landgrafen, mehr als einen bloen Dank
in Worten, wenn er ihm in dieser Angelegenheit seine Hlfe zusagen
wollte. Der Weise von Windhausen ging sofort auf Suffolk's Wunsch ein
und setzte diesen auch beim Landgrafen durch. Der brave alte General
kehrte im Sommer 1777 nach Europa zurck, starb aber schon am 19.
November 1777 in Kassel aus Gram ber die ihm zu Theil gewordene
ungerechte Behandlung. Der Knig von England lie seiner Wittwe, die mit
ihren acht unversorgten, in Armuth zurckgelassenen Kindern vom
Landgrafen nur 600 Thlr. jhrliche Pension erhielt, ein Jahrgehalt von
200 Pfund Sterling auszahlen. Knyphausen, der bisher die zweite
hessische Division kommandirt hatte, wurde Heister's Nachfolger und
machte sich bei seinen englischen Vorgesetzten sehr beliebt, vielleicht
weil er weder Deutsche noch Englnder schonte. Er war einer der besten
Divisionsgenerale auf englischer Seite. Bekanntlich wurde das von ihm
erstrmte Fort Washington auf der Insel New-York ihm zu Ehren Fort
Knyphausen benannt. Als ein englischer Oberst einen Theil der hier
erbeuteten acht amerikanischen Fahnen fr sein Regiment begehrte, stie
Knyphausen sie verchtlich mit dem Fue weg und erwiderte: Meinetwegen
nehmt sie alle und wischt Euch den H---- damit ab! Von seinen Soldaten
konnte er jede Leistung verlangen, weil er berall selbst mit dabei war
und weder Gefahr noch Strapazen scheute. Gegen Ende des Krieges wurde
General Loberg der Nachfolger Knyphausen's. Der braunschweigische
General Riedesel ist durch die von seiner tapfern Frau und Begleiterin
geschriebene sog. Berufsreise und die Biographie von Eelking als ein
tchtiger und umsichtiger Offizier, humaner Vorgesetzter und edler
Charakter allgemein bekannt geworden. Die brigen Kontingente hatten
keine Generale, sondern nur Obersten an ihrer Spitze.

Eine Unart dieser Mnner, die zugleich durch die Mode der Zeit bedingt
war, bestand in dem Gebrauch des Franzsischen als ihrer
Geschftssprache; dabei drckten sie sich durchaus schlecht und
inkorrekt aus. Das Kchenlatein der Mnche ist klassisches Latein im
Verhltni zum Franzsischen der deutschen Generale und Obersten. So
schrieb, um hier nur ein Beispiel herauszugreifen, u.A. einmal Riedesel
an den Earl von Suffolk: Le courier, qui prendra cette lettre avec.
Und Riedesel war sogar noch einer der kleinsten Verbrecher am Genius der
franzsischen Sprache!

Whrend somit keiner der nach Amerika gesandten deutschen Offiziere
einen pekuniren Vortheil zog -- der doppelte Sold ging mehr als ein
Mal bei den theuren Preisen der nothwendigen Bedrfnisse darauf --
erhielt mit Ausnahme der bei derartigen Verhandlungen blichen
Kanzleigeschenke nur Schlieffen in Gestalt verschiedener Baarzahlungen
von je 330 Pfund und schlielich einer Pension von 300 Pfund, eine
Belohnung von England. Diese letztere wurde ihm angeblich dafr
bewilligt, da er einige Zeit vor der Schlacht bei Minden in Osnabrck
mehrere wichtige, der verbndeten Armee gehrige Magazine gerettet
habe, in der That aber ward sie fr seine bei Abschlu und Ausfhrung
des Truppenlieferungs-Vertrages sowie bei der Absetzung Heister's
geleistete Hlfe ausgeworfen. Schlieffen selbst wunderte sich anfangs
ber das pltzlich so gut gewordene Gedchtni und eine so lebhaft,
wenn auch spt, zu Tage tretende Dankbarkeit des englischen
Ministeriums, begriff aber sehr schnell, da dieses nur unter einem so
unschuldigen Titel die Genehmigung des Parlaments erlangen knne. Er
erinnerte sich also bald sehr genau seiner wichtigen Dienste,
erluterte, da ohne ihn der Sieg in der Schlacht bei Minden gar
nicht mglich gewesen sein wrde und bezog die Pension lnger als
vierzig Jahre bis zu seinem erst 1825 erfolgten Tode.

Auer Schlieffen und den unmittelbar Betheiligten selbst gewann in der
Folge auch das Haus Rothschild an den englischen Millionen, welche
England den hessischen Frsten fr ihre Soldaten gezahlt hatte. Es ist
eine interessante Thatsache, da sich der erste Ursprung des Reichthums
und der Weltstellung der Rothschilds indirekt auf diesen Handel
zurckfhren lt. Der alte Landgraf und sptere Kurfrst von
Hessen-Kassel hatte nmlich den Begrnder des Hauses Rothschild, Mayer
Amschel, schon lange vor der franzsischen Revolution durch Geschfte in
alten Mnzen kennen gelernt und benutzte denselben als Agenten, um seine
Zinsen aus der Londoner Bank zu erheben, welche dort von den in Folge
der Menschenfleischlieferungen von England gezahlten Kapitalien fllig
wurden. M.A. Rothschild zog fr diese Summen Wechsel auf das englische
Bankierhaus van Notten, welches Vollmacht des Landgrafen zur Erhebung
der Zinsen hatte. Beim Jahresschlu berechnete sich Rothschild mit dem
Landgrafen und hatte, abgesehen von der nicht unbedeutenden Provision,
auch noch den Nutzen, fortwhrend mit den Geldern des Landgrafen
spekuliren zu knnen, was er auch in seiner unermdlichen und
scharfsinnigen Weise mit dem glcklichsten Erfolge that. Die Erwerbung
ungeheurer Summen wurde dem M.A. Rothschild spter dadurch mglich, da
es ihm gelang, den Landgrafen dazu zu bewegen, da er die Vollmacht dem
Hause van Notten entzog und dieselbe dem zweiten Sohne Rothschild's,
Nathan, bertrug, der auf Grund derselben Kapital und Zinsen einzog. Als
nun die englische Regierung ihre Armee in Spanien zu unterhalten hatte
und kein englischer Bankier die Lieferung des Geldes von England nach
Spanien bernehmen wollte, da bernahm M.A. Rothschild diese Lieferung
gegen hohe Provision und leistete mit den unter Einwilligung des
Eigenthmers erhobenen landgrflichen Fonds die geforderte Kaution, bei
der Niemand sein eigenes Vermgen wagen wollte. Das Glck begnstigte
Rothschild's Unternehmen, die Geldsendungen kamen unversehrt an. Auf
diese Weise verdiente Rothschild whrend der Dauer des spanischen
Feldzuges, also whrend acht Jahren, jhrlich mehrere Millionen. Die
Mglichkeit, eine so hohe Kaution zu leisten und die pnktliche
Geschftsbesorgung veranlaten hierauf die englische Regierung,
den europischen Frsten die enormen Subsidien whrend des
Kontinentalkrieges durch das Haus Rothschild zu bermitteln, wodurch
dessen Ansehen und Reichthum zusehends wuchsen. Von dieser Zeit an,
namentlich seit dem Wiener Frieden, nahmen die Rothschild's Theil an
allen groen Geldoperationen und Anleihen der wieder eingesetzten
Dynastien und wurden von Tag zu Tage mchtiger.

Auch Frankreich betheiligte sich am amerikanischen Kriege, allein mit
geringeren Opfern an Menschen und auf der den deutschen Frsten
entgegengesetzten Seite. Whrend diese lediglich aus Rcksicht auf ihren
Beutel als gefgige und willenlose Werkzeuge einer an sich schlechten
und unglcklichen Politik keine politischen Zwecke und Interessen
kannten, eroberte dagegen Frankreich mit den 6000 Mann, die es der
jungen Republik zu Hlfe schickte, seine durch den siebenjhrigen Krieg
erschtterte Weltmachtstellung wieder. Frankreich lie es sich zwar
Millionen ber Millionen kosten, es gewann dafr aber Ansehen, Ehre und
Macht. Deutschland nahm Millionen und Millionen ein; es verlor aber
dadurch den letzten Rest von politischer Bedeutung und sank zum Spott
von Freund und Feind herab. Die paar tausend Franzosen, die unter
Rochambeau die Taufpathen eines mchtigen Freistaates wurden, haben
bewirkt, da, so lange es Vereinigte Staaten von Amerika geben wird, die
franzsischen Waffen und der franzsische Name in der Union jeder Zeit
geehrt und gefeiert dastehen werden. Die 30,000 Deutschen dagegen haben
als die bezahlten Schergen englischer Anmaungen nicht allein sich den
Ha zugezogen, der in erster Linie das Mutterland traf, sondern zu
diesem Ha noch die Verachtung auf sich geladen, welcher sich Jeder
aussetzt, der sich um ein schndes Trinkgeld zur Unterdrckung der
Freiheit mibrauchen lt. Von dem Augenblicke an, sagt der
hochverdiente amerikanische Geschichtsschreiber G.W. Greene, in welchem
der erste Hesse seinen Fu auf amerikanischen Boden setzte, wurde die
Wiederaufnahme des alten kindlichen Verhltnisses zum Mutterlande
unmglich. Noch heute ist im Munde eines Amerikaners der Name _Hesse_
eines der verchtlichsten Schimpfworte, welches einen feilen,
verkuflichen Menschen bezeichnet, und noch heute leidet unser Volk
unter dem Fluche jenes nichtswrdigen Handels[8]. Denn in dem
internationalen Verkehr handelt es sich nicht um die Ansichten, Wnsche
und Bestrebungen der ein Volk bildenden Individuen, sondern um den
Ausdruck, den sein inneres nationales Leben in der Politik
_thatschlich_ gewinnt. Darum knnen auch im vorliegenden Falle nicht
Schiller, Kant, noch Friedrich der Groe unsre Vertheidigung bernehmen
und unsre Nation von aller Schuld rein waschen, denn das Ausland wiegt
uns nach dem, was die Frsten gesndigt haben.

Bleibt es unter diesen Umstnden ein Trost sich sagen zu knnen, da
wenigstens die also verkauften Soldaten tchtig und tapfer waren und dem
alten militrischen Rufe der Heimath in Amerika alle Ehre machten? Wohl
schwerlich! Jede tapfere That, die sie verrichteten, jeder Erfolg, den
sie mit dem Einsatz ihres Lebens erkmpften, war fr das Vaterland
verloren oder wenigstens nicht errungen. Wohl hat der amerikanische
Krieg herrliche Thaten der Einzelnen gesehen, die, fr eine bessere
Sache vollbracht, den Namen ihrer Urheber in Lied und Sage verherrlicht
und fr alle Zeiten als volksthmliche Gestalten verewigt htten; aber
es war der Fluch der bsen That der Frsten, da selbst die
Heldengestalten unter den verkauften Truppen ungenannt und ungekannt in
ein ruhmloses Grab sanken. Der hessische Oberst Rall, der allerdings
durch seine bermthige Verachtung des Rebellenpacks die Katastrophe
bei Trenton veranlate und dadurch die entscheidende Wendung des Krieges
herbei fhrte, gilt namentlich den Amerikanern als ein kopfloser und
unfhiger Offizier; allein er war in Wirklichkeit einer der tchtigsten
und tapfersten Befehlshaber. Seine englischen Kameraden nannten ihn nur
den hessischen Lwen, und fr die Amerikaner war er der leibhaftige
Schrecken. Um seine Niederlage nicht zu berleben, strzte er sich in
das heieste Gefecht und fiel wenigstens mit Ehren. Wer, auer dem engen
Kreise kriegsgeschichtlicher Fachschriftsteller, kennt heute noch die
tapferen Jgerstckchen des Hauptmanns _Emmerich_ in Amerika, desselben
sptern Obersten Emmerich, welcher am 18. Juli 1809, selbst ein Rebell,
auf dem groen Forst bei Kassel von den Napoleonischen Schergen
erschossen wurde und wie ein Held starb; wer meldet den Ruhm des
umsichtigen und khnen _Ewald_, wer wei vom heldenmthigen Hauptmann
_Schaller_, der mit dreiig Mann einen Posten gegen einen ihm
fnfzigfach berlegenen Feind glcklich vertheidigte und als Fremder
nicht einmal eine ffentliche Anerkennung fr seine That erhielt, weil
der kommandirende General Schaller's unfhigem Vorgesetzten, einem
englischen Major, nicht wehe thun wollte; wer kmmert sich wohl um den
tapfern waldecker Obersten _Hanxleden_, der an der Spitze seiner Truppen
unter den Mauern von Pensacola fiel und um den waldecker Hauptmann
_Stierlin_, den die tdtliche Kugel traf, als er eben an der Spitze
seiner Kompagnie eine Redoute erstiegen hatte? Wer endlich hat vom
braven Sergeanten _Rbenknig_ gehrt, der gleich dem Kapitain d'Assas
vom franzsischen Regiment d'Auvergne, in der Gewalt des Feindes und von
diesem mit augenblicklichem Tode bedroht, trotzdem seine Pflicht hher
achtete als sein Leben und sein Regiment durch seinen Zuruf rettete? Den
Franzosen rhmt Geschichte und Gedicht; sein dankbares Vaterland nahm
sich sogar in der Revolution seiner Wittwe und Kinder an; den Namen des
braven hessischen Unteroffiziers dagegen meldet kein Lied, kein
Heldenbuch.

Ja, selbst _Donop_ ist vergessen, der tapfere hessische Oberst, der uns
den tragischen Schmerz des Helden ber seinen frhen Tod und ber seine
Hinopferung fr fremde Zwecke ergreifend vor Augen fhrt. Er hatte, als
einer der beliebtesten und geachtetsten Offiziere und der beste
Brigadier der Armee, nach Rall's Tode das Kommando ber die Jger und
Grenadiere erhalten und im Oktober 1777 an der Spitze seiner Brigade, zu
Fu und mit dem Degen in der Hand, den Sturm gegen Fort Redbank am
Delaware unternommen, um es, nach dem von Knyphausen bei Fort Washington
gegebenen Beispiele, auf seinen Namen umzutaufen. Bei diesem Angriff
wurde er aber zurckgeschlagen und von einer Kugel zu Boden gestreckt.
Hlflos lag er unter einem Haufen Leichen, als der Vertheidiger des
Forts, der franzsische Ingenieur-Hauptmann Mauduit de Duplessis, ihn
fand und in das benachbarte Haus eines Qukers schaffen lie, wo der
Sterbende noch drei Tage mit dem Tode rang. Dort auf dem Schmerzenslager
in der einfachen Qukerwohnung und im Frieden des amerikanischen Waldes,
fern von dem Flitter und Tand der Welt, schwebten zum letzten Male die
Bilder der Vergangenheit, der Glanz seiner Jugend, die Pracht der
europischen Hfe und die stolzen Ziele seines Ehrgeizes vor dem Geiste
des tapfern, erst sieben und dreiigjhrigen Soldaten vorber. Sein
Blick klrte sich, und sein Verstand unterschied zwischen dem Wesen und
Schein seines Lebens. Ich bin zufrieden -- sprach er zu dem ihn sorgsam
pflegenden Duplessis in dessen Muttersprache -- ich sterbe in den Armen
der Ehre selbst: ein jhes Ende fr eine schne Laufbahn; aber ich
falle als das Opfer meines Ehrgeizes und der Habsucht meines
Frsten![9]

Doch so trostlos als diese Reflexion eines Sterbenden ist das letzte
Wort unsrer Geschichte nicht!

Wenden wir uns von den Opfern, welche fr eine ihnen aufgedrungene Sache
fern von der Heimath gestorben oder ohne Gewinn fr sich und Andere in's
Vaterland zurckgekehrt sind, zu einem jungen Soldaten, der, unter
Tausenden der einzige selbstndige und denkende Kopf, den amerikanischen
Krieg in seiner ganzen Tragweite als einen Sieg des bewaffneten Volkes
gegen ein durch Gewalt, List und Betrug geworbenes Heer erkannte, und
welcher in Amerika zuerst aus eigener Anschauung lernte, ein wie
mchtiger Verbndeter die Begeisterung zu werden vermag, wenn die
rechten Mittel ergriffen werden, sie zu wecken, und wenn der zndende
Gedanke da ist, fr welchen die Masse sich erwrmen lt. Jahrzehnte
muten vergehen, bis ihm im Verlaufe der deutschen Geschichte die
Gelegenheit reifte, den Krieg nach amerikanischen Grundstzen zu
organisiren und, von den amerikanischen Milizen ausgehend, dieser
Volksbewaffnung in der preuischen Landwehr den vollendetsten Ausdruck
schaffen zu helfen; aber dieser Krieg wurde durch jene Grundstze und
den Geist ihrer Ausfhrung, trotzdem da die Frsten sich hemmend und
strend an ihn hingen, zu einem der grten und edelsten, welche die
neuere Geschichte kennt.

In dem damals kaum drei und zwanzigjhrigen, unbekannten und wenig
hervorstechenden anspachschen Lieutenant _Neithard v. Gneisenau_ ahnte
der englische General, der ihn zur Rckkehr einschiffte, wohl nicht den
groen Strategen, den genialen Schlachtendenker, welcher kaum ein
Menschenalter spter ber Wellington's ursprnglich engbegrenzten Plan
einer, Napoleon vor Brssel zu liefernden Vertheidigungsschlacht
hinausging und diese, durch seine Dispositionen fr das Eingreifen der
preuischen Truppen, zur Vernichtungsschlacht bei Waterloo, zum
Weltgericht ber das brutale erste Kaiserreich erhob.

Und noch jngst im amerikanischen Brgerkriege, durch einen neuen
Rckschlag in der Geschichte, traten mehr als 200,000 deutsche
_Freiwillige_ fr dieselbe Republik in Waffen, gegen welche deutsche
Landesvter 30,000 Sldner zu kmpfen _gezwungen_ hatten. Die wehrhaften
Shne Deutschlands in der Fremde haben das Verbrechen seiner Frsten
glnzend geshnt.

Bei uns in der Heimath aber giebt es seit den letzten glorreichen
Feldzgen keine Sldner mehr, sondern nur noch das deutsche Volk in
Waffen, welches, wenn es sein mu, mannhaft fr Haus und Heerd kmpfen
und sich siegreich gegen seine Neider und Feinde zu behaupten wissen
wird.




Anhang.

I.

Der Erbprinz von Hessen-Kassel an Knig Georg III.

(State Paper Office, Holland Vol. 592.)


                                            Hanau, ce 19. Aot 1775.

     Sire,

     L'Epoque prsente que les troubles suscits par les sujets de V.
     M^{t} dans une autre partie du monde ont fait natre, rallume le
     zle et l'attachement de tous ceux qui pnetrs de vos bonts,
     Sire, ne cessent de faire les voeux les plus ardens pour la
     felicit et le repos du meilleur des Rois.

    Anim de ces sentiments que mon respect soumis et mon attachement
    inviolable pour sa Personne me dictent, je supplie V. M^{t}
    d'agrer favorablement que dans cet instant ou Elle paroit desirer
    des trouppes Allemandes, j'ose lui offrir sans la moindre condition
    et  ses ordres mon Regiment d'Infanterie compos de cinq cent
    hommes, tous enfants du pay que la protection de V. M^t m'assure
    uniquement et tous prts  sacrifier avec moi leur vie et leur sang
    pour son service.

     Daignz me pardonner la libert que je prens et regarder
     l'intention et non la chose mme. Que ne puisse-je offrir 20 mille
     hommes  V. M^{t}, ce seroit avec le mme empressement. Qu'il lui
     plaise donc de disposer entirement de mon Regiment  quel tems et
     o Elle ordonnera. Il est tout prt au premier clin d'oeuil qu'Elle
     daignera m'en faire donner,


II.

Der Erbprinz von Hessen-Kassel an Sir Joseph Yorke.

(S.P.O. Holland, Vol. 592.)

                                             Hanau, ce 20. Aot 1775.

     Monsieur. En m'adressant  Votre Excellence au moment prsent je
     profite de son amiti sur laquelle je fais toujours le plus grand
     fond et en la priant de remettre l'incluse  Sa Majest le Roi vous
     obligerez quelqu'un dont tous les sentimens les plus vifs vous sont
     acquis pour toujours Monsieur; la copie ci-jointe vous mettra au
     fait du sujet contenu dans la lettre susdite. La reconnaissance la
     plus soumise pour toutes les bonts que le Roi a eu pour moi et en
     aucune faon mon intert me determine  cette demarche. Si Votre
     Excellence trouvait qu'il fut necessaire de l'adresser au Ministre
     de ce Departement en Angleterre, je le laisse uniquement  votre
     decision, n'aiant pas l'honneur de connatre celui qui en est
     charg. Je n'ai voulu que donner  Sa Majest une faible preuve de
     mon respect et de mon attachement, ne demandant rien que d'avoir le
     bonheur de lui tre en quelque faon utile pour toutes ses bonts
     infinies  mon gard, et que je n'ai encore jamais pu mriter.

     Si vous vous souvenez encore un peu, Monsieur, de quelqu'un qui
     sait estimer votre amiti, vous voudrez bien tre aussi persuad
     que rien ne changera la consideration la plus distingue et
     l'amiti la plus constante avec lesquels j'ai l'honneur d'tre pour
     ma vie

                              Monsieur de Votre Excellence
                  le trs humble, trs obeissant Serviteur et fidele ami

                               _Guillaume P. H. D'Hesse._


III.

Der Frst von Waldeck an den Earl von Suffolk.

(S. P. O. German States, Vol. 101.)

                                      Arolsen, ce 13. Novembre 1775.

     Attach de coeur et d'me au monarque dont votre Excellence a le
     bonheur d'tre le ministre, je crois de mon devoir de faire tout ce
     que mes faibles moyens me permettent, pour tacher de lui prouver du
     moins ma bonne volont, quand il s'agit de son service. Je prends
     donc la libert, Mylord, de vous supplier d'assurer Sa Majest
     qu'au cas que des circonstances quelconques la mettent dans le cas
     d'avoir besoin de troupes trangres je regarderai comme une faveur
     de sa part, de vouloir accepter un regiment de 600 hommes[10],
     compos d'officiers et de soldats qui ainci que leur prince ne
     demanderont certainement pas mieux que de trouver l'occasion de se
     sacrifier pour elle.

     J'ai l'honneur d'tre avec la consideration la plus parfaite,
     Mylord, votre trs humble et trs obissant serviteur

                                         _Frdric P. de Waldeck._


IV.

Earl von Suffolk an den Frsten von Waldeck.

(S. P. O. German States, Vol. 101.)

                                      St. James, ce 24. Novembre 1775.

        Monseigneur!

     Je n'ai pas manqu un seul instant de rendre compte au roi du
     contenu de la lettre que Votre Altesse Serenissime a daign
     m'honorer. Sa Majest m'ordonne de vous assurer, Monseigneur,
     qu'elle est trs sensible  la manire noble dans laquelle Votre
     Altesse Serenissime fait l'offre de ses troupes. La situation des
     affaires demandera une force considrable en Amrique avec toute la
     promptitude possible; et le regiment de votre Altesse Serenissime
     fera une augmentation bien desirable  l'arme qui y est destine.
     J'ai donc les ordres du Roy d'informer V. A. S. que Sa Majest
     accepte avec bien de remercimens le secours que vous venez
     d'offrir; et j'espre que V. A. S. me permettra dans peu de tems
     lui crire de nouveau sur ce sujet, et de lui renouveller les
     assurances du profond respect, avec lequel j'ai l'honneur d'tre
     etc. etc.


V.

Der Frst von Waldeck an den Earl von Suffolk.

(S. P. O. German States, Vol. 101.)

                                         Arolsen, ce 30. Decembre 1775.

     La lettre que Votre Excellence m'a fait l'honneur de m'crire m'est
     parvenue Vendredi dernier. L'ide de trouver peut-tre une occasion
     de prouver  Sa Majest mon inviolable attachement, me pntre
     exactement de la joie la plus vive et la plus pure. Comptez donc,
     Mylord, je vous en supplie que je ferai tout ce qui dependra de moi
     pour faire convenir Mr. Faucitt de la ralit de ces sentimens.
     J'ai l'honneur etc. etc.


VI.

Georg III. an den Frsten von Waldeck und gleichlautend an den Prinzen
von Hanau.

(S. P. O. German States, Vol. 102.)

                                            St. James, January 2. 1776.

          Mon cousin,

     En consquence de ce que mon principal Secretaire d'Etat, le Comte
     de Suffolk, a eu l'honneur de vous crire en mon nom, j'ai charg
     le Col. Faucitt de se rendre  votre cour de vous prsenter cette
     lettre de ma part et de ritrer les assurances de ma sensibilit,
     pour la manire noble avec laquelle vous avez bien voulu m'offrir
     vos troupes. Je les accepte avec bien des remercimens et ayant muni
     le Col. Faucitt des plein-pouvoirs ncessaires pour conclure une
     convention avec vous, je vous prie de donner crance entire  ce
     qu'il vous dira en mon nom, surtout quand il vous donnera des
     assurances de l'amiti et de l'estime, avec lesquelles je suis etc.
     etc.


VII.

Herzog Carl von Braunschweig an Knig Georg III.

(S. P. O. German States, Vol. 101.)

                                        Brunsvic, ce 5. Decembre 1775.

         Sire,

     Le Ministre plnipotentiaire de votre Majest, Colonel Faucitt m'a
     remis la lettre dont elle m'a honor, en date du 14. Novembre. Rien
     ne pouvait tre plus satisfaisant pour moi que de recevoir les
     assurances flatteuses de la continuation de ses bonts. Mon
     empressement  aller au devant de tout ce que vous desirez, Sire,
     doit dj tre connu de Votre Majest et elle daignera se
     rappeller qu'a cet gard ma conduite durant la dernire guerre a
     t invariable. Je serai certainement empress  concourir aux
     voeux de votre Majest dans l'poque prsente, et je le ferai avec
     tout le zle que m'inspirent les sentimens qui m'attachent  elle.

     J'ai ordonn au Conseiller Priv de Feronce d'entrer incessament en
     confrence avec le Ministre de Votre Majest, et je lui ai enjoint
     d'acclrer le travail autant que possible.

     Votre Majest peut tre persuade que je me prterai avec toute la
     facilit imaginable  tout ce qui sera executable dans les
     circonstances actuelles. Permettez moi, Sire, d'assurer Votre
     Majest que je serais au comble de ma joie, si j'avais de
     frequentes occasions de la convaincre que rien n'egale les
     sentimens du trs-profond respect avec le quel je suis, Sire, de
     Votre Majest le trs humble, trs obissant et devou Cousin et
     serviteur

                                      _Charles Duc de Brunsvic-Oels._


VIII.

Der Erbprinz von Hessen-Kassel an den Knig Georg III.

(S. P. O. Germain States, Vol. 103.)

                                                Hanau, ce 17. Mars 1776.

     C'est avec ce respect et ce zle sans bornes que les ordres de
     Votre Majest m'inspirent  jamais, que je viens de fair partir
     avant-hier le 15. de ce mois mon rgiment destin  servir dans son
     arme. Le Colonel Faucitt m'ayant averti que le jour de dpart
     devoit tre accler autant que possible, je n'ai pas prdu un
     instant pour cet effet. La liste ci-jointe que j'ose mettre devant
     Votre Majest presentera l'tat du rgiment, comme j'en ai fait la
     revue Vendredi dernier, ainsi que les noms des officiers avec la
     date de leur patentes.

     Puissiez-vous, Sire, avoir lieu d'tre satisfait des faibles
     preuves que j'ai desir de vous donner de mon devouement
     respectueux, de ma reconnaissance soumise. J'ose encore ritrer
     que mon ardeur inexprimable d'tre utile  son service peut seule
     tre nomme et non la chose mme.

     Permettez, Sire, que venant d'apprendre que le Landgrave, mon pre,
     fournit  votre Majest un Corps d'artillerie, j'ose lui offrir une
     compagnie de 120 hommes de cette espce appartenant jusqu'ici  mon
     rgiment. J'en ai dj fait la proposition au Colonel Faucitt, mais
     comme il n'avait pas d'ordre de prendre de l'artillerie en
     subsides, il n'a pas pu y entrer alors.

     Des que j'apprendrai les intentions de Votre Majest  cet grad
     cette compagnie pourra incessement marcher  ses ordres.

     C'est avec etc. etc.


IX.

Der Erbprinz von Hessen an den Earl v. Suffolk.

(S. P. O. German States, Vol. 104.)

                                                Hanau, 1. May 1776.

         My Lord!

     The luck I have had to be able to show in some manner my utmost
     respect and gratitude to the best of Kings by offering my troops to
     His Majesty's service gives me a very agreeable opportunity of
     thanking you, Mylord, for all your kindness and friendship to me
     upon that occasion and begging your pardon for all the trouble I
     may have provided you in this regard.

     My only wishes are that all the officers and soldiers of my
     regiment, now to His Majesty's ordres, may be animated of the same
     respectful attachment and utmost zeal I shall ever bear for the
     king, my generous protector and magnanimous support. May the end
     they shall fight for answer to the kings upper contentment, and
     your laudable endeavors, My Lord, be granted by the most happiest
     issue. The continuation of your friendship to me, Sir, which I
     desire very much assures your goodnes and protection to my troops.
     I ask in their names this favor from you and hope they will deserve
     it.

     Excuse me, Sir, if I am not strong enough in the English language
     for to explain as I should the utmost consideration and sincere
     esteem with which I am for ever, Mylord, your most humble and very
     obedient servant

                                            _William H. P. of Hesse._


X.

Suffolk an den Erbprinzen von Hessen.

(S. P. O. German States, Vol. 104.)

                                            St. James, May 14. 1776.

     Sir,

     I am too deeply penetrated by the notice Your Serene Highness is
     pleased to take of me, not to beg your acceptance of my humble
     acknowlegdments for your great condescension. The experience I have
     had of your Serene Highnesses sincere and affectionate attachment
     to the King has impressed indelible marks of gratitude and
     veneration on my breast. But proud as I shall be to show them upon
     all occasions, I am happy to assure your Serene Highness from a
     perfect knowledge of his Majesty's sentiments, that there is in
     this country a more powerful supporter of Your Serene Highnesses
     interests and a better advocate for any object you can recommend
     than any minister, be he ever so zealous, whom Your Serene Highness
     may honor with your commands.

     Your troops, Sir, than which none can be finer or in a more
     complete condition, will certainly meet with every degree of
     protection and encouragement, and I make no doubt under the
     Blessing of God, share the high reputation of having preserved the
     lustre of that crown from which you are descended, the glory of
     that Monarch to whom in blood and principles you are so nearly
     allied, and the welfare of that nation of whose language your
     Highness has in so flattering and so accurate a manner shown your
     hereditary knowledge.

     Permit me, Sir, to repeat the profound respect with which I have
     the honor etc. etc.


XI.

Der Erbprinz von Hessen-Nassau an den Earl von Suffolk.

(S. P. O. German States, Vol. 105.)

                                               Hanau, 21. July 1776.

     Sir,

     I can make no better use of your friendship and goodness to me than
     in recommending you, Mylord, the propositions which my private
     Counsellor Malsburg directs in my name to you. My attachment and
     most humble respect to the best of kings removes all idea of
     interest in me. His Majesty's particular goodness assures me that
     he would take ill, the desire I have to stay in a certain military
     relation with his service even after the present treaty's
     expiration.

     I hope, Mylord, you will find I do not ask too much, and in this
     regard I beg you to support this affair with your utmost credit. My
     gratitude will be without end, and shall only be compared to the
     greatest consideration --, I have the honor to be with for ever,
     Mylord, your most humble and very obliged servant

                                           _William H.P. of Hesse._


XII.

Malsburg an den Earl von Suffolk.

(S.P.O. German States, Vol. 105.)

                                           Hanau, 27. Novembre 1776.

     -- -- L'assurance des bonts et graces de ce Monarque magnanime
     (George III.) que votre Excellence lui renouvelle  cette occasion
     (Subsidien fr Artillerie) en augmente infiniment le prix et
     pntre S.A.S. de la reconnaissance la plus vive. Son attachement
     soumis  Sa Majest ne connait point de bornes, et Monseigneur le
     Prince Hrditaire vient d'en donner une nouvelle marque par
     l'offre que j'ai fait par son ordre  Mr. le Col. Faucitt d'un
     corps de chasseurs que S.A.S. compte de lever et de fournir pour le
     service du roi, si l'on en a besoin encore. Je ne doute pas que
     Votre Excellence en sera dj instruite par son rapport et mon
     Maitre attend la dessus le plutt qu'il sera possible les ordres de
     Sa Majest pour pouvoir faire les arrangemens ncessaires  ce
     sujet.


XIII.

Der Erbprinz von Hanau an den Earl von Suffolk.

                                             Hanau, 4. December 1776.

         Sir,

     The kings gracious determination about the subsidy relative to my
     Artillery in his Majesty's service gives me a new proof of his
     goodness to me, especially as it does not deprive me of all hopes
     in seeing once succeed the project I had the honor to direct to
     you, Mylord, and which I have so much reasons to wish.

     The offer, Malsburg made you, Sir, in my name of a corps of
     Chasseurs for the kings service in America demands only a positive
     and prompt resolution. My attachment for the best of kings is the
     only thing which can determinate me to this new undertaking. Col.
     Faucitt will have told you how I work when I once have a hint of
     the kings intentions. If I have soon your answer, I'll begin
     immediately. I refer myself to Malsburg's letter to you, Mylord,
     and have the honor to be forever with the utmost consideration and
     greatest friendship, Mylord, your most humble and obedient servant
     and attached friend

                                        _William H.P. of Hesse._

     _P.Scr._ If perhaps there are no chasseurs wanting in Canada, those
     I offer can serve in New York under Gen. Howe, as the king pleases.


XIV.

Oeffentlicher in Querfolio gedruckter Anschlag in den frstlich
Anhalt-Zerbstischen Landen.

(_Schlzer's_ Staats-Anzeigen, Heft 53, Seite 120.)

     Nachdem Sr. Hochfrstl. Durchlaucht, unser gndigster Frst und
     Herr, gemessenst und wiederholt verboten wissen wollen, da Niemand
     Hchstdenenselben nachzulaufen, oder durch unmittelbaren Antritt
     Hchstdieselben zu behelligen sich unterstehen solle: so wird
     solches allen und jeden, bei Vermeidung unnachbleiblicher Andung,
     und besonders der Dienerschaft bei Strafe der Cassation, hiermit
     untersagt.

     Dat. Zerbst, 1. Mrz 1788.

                        Aus Frstl. Landes-Regierung hieselbst.

                            _(L.S.) Johann August Carl von Kalitsch._


XV.

Reskript an die Dienerschaft

$vom 1. April 1792.$

(_Schlzer's_ Staats-Anzeigen, Heft 69, Seite 125.)

     Ser^{mus} haben geruhet, den schon vorhin, durch ffentliche
     Anschlge publizirten hchsten Befel, da Hchstdenenselben niemand
     nachlaufen, und einer unmittelbaren Behelligung sich unterfangen
     solle, dahin zu erstrecken, da schrfest und nachdrcklichst allen
     Civil- und Militr-Personen, so in herrschaftlichen Diensten
     stehen, angedeutet werde, da der Erste, so sich unterstehen
     mchte, Hchstdenenselben nachzulaufen, nicht allein seines
     Dienstes verlustig seyn, sondern auch bestraft werden, und die
     Familien, so solche angehren, responsabel seyn, und sich an solche
     gehalten, auch am Ersten, wenn solche Befele und Warnungen nicht
     helfen, ein hartes Exempel statuirt werden soll. Wornach &c.


XVI.

Der Frst von Anhalt-Zerbst an Sir Joseph Yorke.

(Wrtlich.)

(S.P.O. Holland, Vol. 601.)

                                               Le 29^e. Avril 1777.
            Votre Excellence,
            Toujours sous le Secret.

     La Lettre du 21^e. d'Avril dont V.E. m'a honor est un nouveau
     temoignage de ses sentiments envers moi; permettez moi de vous en
     rendre mille graces et remercimens; cela vous resemble, c'est
     toujours notre ancienne connaissance qui vous fait agir, ayez la
     bont de continuer ainsi, soiez persuad du parfait desir de mon
     ct de vous temoigner en toute occasion tout de mme ce qui
     pourrait contribuer  vous montrer des sentimens et desir de vous
     obliger, je le saisirai dans toute occasion avec empressement,
     ardemment, avec zle et satisfaction infinie.

     Ayez la bont de ne pas perdre de vue d'honorer de conversation
     notre _Cicerone_ (Mr. Gunther  Leyde), il a de l'esprit et trs
     honnte homme, amusant pour fair ressouvenir et mettre au fait, je
     le recommande  Votre Excellence.

     Je suis charm que V. E. reoit avec plaisir tel detail; je suis
     pareillement vain que V. E. voit avec plaisir que S. A. Mons^r. Mon
     Beau Frre lui ecrive en tout cas s'il le juge  propos dont je ne
     doute pas. -- V. E. dit n'avoir sugger l'Article des Cousins que
     pour rendre la masse de la maison plus respectable aux yeux de ceux
     avec qui l'on voudroit traiter. Je crois entendre par la que V. E.
     veut dire de rendre aux yeux des Ennemis plus respectable la masse
     des Troupes de quelques Branches de la Maison par le plus grand
     nombre. S. A. le Landgrave de Hesse  Cassel croit sans doute les
     siennes respectables sans le concours des autres Branches de Hesse;
     sur le chapitre des affaires de sa maison je pense de mme mais
     sacher que les Cousins ne sont  ce qu'il paroit gueres jaloux de
     tel honeur et que j'en doute, joint  la lenteur d'agir. J'excepte
     S. A. Mons^r. mon beau frre d'Anhalt  Bernbourg (dont j'ai pris
     souvent la libert de vous parler en m'arretant sur cet article feu
     mon Pre en auroit fait autant, et le feu Prince Leopold d'Anhalt
     Dessau, et feu le Pre de mon Beau Frre) qui penseroit peut-tre
     comme moi -- De telle manire m'entendez vous, que V. E. aura la
     bont de croire qu'on ne veut (sur les Cousins) avoir de
     superiorit, ni ascendant ne croiez pas je vous prie que c'est la
     vanit, mais la verit, mais pas envie de primer, mais on prtend
     qu'on voit ce qu'on peut seul.

     Acte d'appel au _Cicerone_ et  tout _Cicerone_ tel qu'on voudra.
     On n'a ni l'honneur d'tre Vassal ni Esclave de Messrs. les Cousins
     tous ensemble, tout aussi peu que S. A. le Landgrave de Hesse
     Cassel l'est des autres de Hesse. Raillerie  part on ne peut
     comprendre qui peut avoir sugger de pareille ide au public;
     seroit ce ceux qui font les progrs en Canada et des Rebelles? Je
     puis agir sans tous ces Messrs. la les Cousins, je le repete, et
     ceux la peuvant en faire autant de mme, tant qu'il leur plaira,
     s'ils peuvent; par faute de pouvoir placer bien des gens, ils me
     font l'honneur de me les recommander souvent, quoique d'ailleurs
     nous n'ayons pas grande Connexion, marque tacite que de notre ct,
     l'on est plus en tat de donner des Troupes qu'Eux.

     On doute que chs ces Messieurs tous ensemble il puisse partir et
     arriver des Vaisseaux pour Chine, Japon ou o l'on voudra comme
     chs nous, ni mettre tant de monde sous les armes comme on a
     toujours chs nous, ou qu'en badinant seulement on met surpi chs
     nous; on doute donc de ces avantages, et beaucoup d'autres, tant
     pour le militaire que pour le Civil chs ces Messieurs Cousins tous
     ensemble. A moins de compter pour avantages les Juifs de Dessau, et
     le pays de Table de cot, les premiers pour fournir du plet aux
     Troupes, ou de la fausse Monnoye du Juif Ephraim et Comp^{ie}. et
     avoir un Cour de Courtiers, et le second d'y faire provision de
     sable pour lenter des Vaisseaux Marchands.

     Quatre Frres  Dessau avoient entre eux plus de 600 Chiens par
     force, logs chs les Bourgeois de Dessau. Belle Garnison! et au
     premier Coup de Fouet ou de Cors de Chasse, cette Canaille se
     rassembloit comme les Troupes au Coup de Tambour. Diable! si on
     pouvoit faire courir les Amriquains comme cela, ce ne serait pas
     mauvais; mais il faut des Troupes. Car pour l'article des hommes,
     c'est une question et problme de Pirrhuisme  repondre. -- S. A.
     Mr. mon Beau Frre s'il s'en avise, je le repete, pourroit avoir
     bien du monde, c'est le seul en tat de le faire, il m'a permis
     d'enlever depuis long tems chs lui; avec feu son Pre j'ai eu
     souvent conversation sur tel sujet, aussi il toit comme son fils
     fort port pour l'amiti; je dois dire cela avec verit.

     Permettez donc Acte d'Appel au _Cicerone_ sur cet Article, comme
     les quatre Eveques de France sur la _Bulle renigenitre_ du Pape et
     que sur l'Article des Cousins on ne pretend point tre mel avec
     ces Messrs. l, tout aussi peu que Son A. le Landgrave de Hesse
     Cassel veut l'tre avec les autres de Hesse, sans que le Landgrave
     aye peur de perdre en agissant seul de son cot avec ses Troupes,
     sans mlange des Cousins des autres Branches de Hesse, pour rendre
     la masse plus respectable vis- vis des Ennemis.

     En attendant je remercie de nouveau trs humblement V.E. des
     assurances qu'elle fait de recevoir toujours avec plaisir mon
     griffonage; mais je sai fort bien qu'on peut parler  coeur ouvert
      un Anglais tel que V.E., et en l'ancienne connoissance met un
     vernis et fait grace  mon stile long et ennuiant, de dire peu en
     beaucoup de paroles, comme les Chanceleries Allemandes des Cours,
     comme il vous sera bien connu par dessus le march. Je fais donc de
     nouveau mille remercimens, et rens graces  V.E. d'avoir reu avec
     bont mes Lettres et mme Badinages du 26. et 27. Mars, de meme que
     les precedentes; la satisfaction qu'elle m'en marque me rend
     orgeuilleux.

     Elle sait que Mr. Faucitt m'a repondu quelque fois, mais il auroit
     bien mieux valu hater plus pour parvenir  conclusion, qu' la
     moutarde des Complimens, et qu'on eut perdu moins de tems  mettre
     les mains dans la poche, au lieu de faire agir mon monde 
     remplacer des garnisons  la place des Troupes  tirer des dites
     Garnisons contre les Ennemis; sans compter autre chose trop long 
     detailler cette pice  V.E. Je suis sur que V.E. desire qu'il y
     ait long temps que tout fut conclu; continuez je vous prie d'y
     contribuer j'ecris en consequence o besoin est.

     Elle croit donc qu'il n'est necessaire  Brunswic, en tel cas qu'on
     attend que quelqu'un de votre Cour, et qu'un des miens s'y trouve,
     il faut savoir davantage.

     J'ai l'honneur au reste d'tre avec considration infinie de V.E.
     etc. etc.

       *       *       *       *       *

     P. S. A ma lettre du 29. Avril 1777, V.E. excusera; en secret je
     vous avertis et qu'on continue comme convenue; dans le moment il
     vient avis avec un _Cicerone_, autre que le notre la bas chs vous;
     sur quoi je ne puis me dispenser d'envoier un Gentilhomme avec un
     Scretaire, preced du dit _Cicerone_ pour Londres en droiture (en
     public sous un autre pretexte)  My Lord Barrington, que My Lord
     dirige la chose ulterieurement; car on m'avise de le faire pour
     hter la conclusion touchant les Troupes; permettez de vous en
     faire un dtail une autre fois, on dit qu' cette heure il s'agit
     de beaucoup de monde. C'est sans compliment V.E. qui a aid, et ne
     peux l'attribuer qu' cela, c'est un tour d'amiti de sa part,
     permettez du moins d'en tmoigner mes sincres remercimens, me
     reservant d'en tmoigner ma reconnaissance davantage.

     Je vous supplie, ne me faites pas languir d'ecrire, ni notre
     _Cicerone_ de vous faire sa Cour, dont il gemit de ne l'avoir fait
     qu'une fois.


XVII.

Oberst August Sigmund v. Koeseritz an -- --[11]

(Wrtlich.)

(S.P.O. German States, Vol. 108.)

                                              Zerbst, 20. Mai 1777.

                Monsieur,

     Vos lettres du 14. et 16. j'ai l'honneur de les accuser; Vous
     voudrez bien continuer le secret et de ne point envoyer de lettres
     dorenavant que sous un autre couvert et cachet.

     Vous sentez bien que c'est par ordre du Prince que je vous crit;
     car celui-ci que vous aviez crit n'a pas le pouvoir que j'ai sur
     cet article  cette heure, dont on pourra vous informer une autre
     fois.

     J'espre qu'on aura bientt nouvelle de Londres, car le Prince, y a
     envoy pour conclure sur nouvelles reues au Prince d'y envoyer
     pour conclure.

        On y conclura premirement hommes:

                       Pour premire colonne 2200
                       ou pour le total      3560
                       ou pour               1600  pied

     et la reste aprs. Ce le plan de faire qu'on conviendra

                premirement  Londres ou 1600
                                       ou 2200

     et aprs la reste, et on peut de faon qu'on peut commencer avec
     les 2200 sera le mieux.

     Si Monsieur veut le deguiser et donner un entrevue il pourrait
     venir  Muling et de Muling  Zerbst voir les troupes Infanterie et
     Cavalerie.

     Monsieur ne seroit-il pas possible que nous convenions ensemble
     nous donc jusqu' la conclusion  Londres? Vous preniez 4
     compagnies de Grenadiers selon le pied du Prince et 2 canons, sans
     autre compliment  rabattre sur conclusion  Londres. Ainsi qu'un
     bataillon blanc Regiment Fusillier  rabattre sur la conclusion a
     faire et 2 canons et la solde a convenir  Londres.

     Ce n'est que pour mieux presser pour montrer combien on peut rendre
     plaisir sans attendre la conclusion qu'on espere bientot arriver
     pour pouvoir donner la reste des troupes, on commence pour cela,
     etant Monsieur Votre tres humble et tres obissant

                                                  serviteur
                                         _Aug. Sigmund de Koeseritz_
                                                   Colonel.


XVIII.

Der Frst von Anhalt-Zerbst an Sir Joseph Yorke.

(Wrtlich).

(S.P.O. Holland, Vol. 606.)

                                                       Dec. 10. 1777.

              Votre Excellence,
                  Pardonnez  la hate, point de Crmonie.

     Les Andes du Perou, Cordellaras  passer vaudroit autant. Permettez
     pour texte de mon Proue, disoit un Predicateur, mes freres coutez
     avec attention et conviction de Coeur.

     Pour presser au moins quelque chose, on envoye pour escalader les
     montagnes et glaces et nieges du Hartz, un bataillon de Grenadiers,
     et ce qu'on peut ramasser des Chasseurs qu'on peut toujours
     renforcer. Ces Sacrez Seigneurs de la Chasse! Comme les Grenadiers
     ont meilleures jambes que d'autres, ils y grimperont donc comme des
     Singes par Eimbeck et Celerfeld. Je vous prie regardez les Cartes
     un peu, la ci-jointe note guidera un peu pour ne pas toucher
     terrain trs Prussien. Donc on envoye ces Messrs les Grenadiers o
     ils trouveront mauvais chemins ils n'ont qu' se servir de leurs
     bonnets pour passer et remplir les trous et vuides dans le chemin.
     Je les envoye donc sur les Bras, ou plutot entre les bras de notre
     ami M. Faucitt par Mhlhausen, pour les diriger ou sur l'Elbe ou
     sur le Weser et Jever, o il lui plaira aprs. M. Faucitt a raison
     il jette feu et flammes contre les Prussiens, dont vous tes le
     seul amusement.

     Pour les 2 Bataillons Fusiliers on les fait attendre, seulement
     pour rendre tout plus ridicule; permettez que la Russie s'en mle,
     et presse et force cela vouz aurez bonne revanch par moins aussi.
     Les Prussiens s'en mordront des doigts avec leur finesse ou
     trahison. Jusques  cela ne tardera pas comme vous savez, la Russie
     engagera la chere Prusse  ne pas refuser l'Elbe, ni faire pomper
     l'air de cette rivire par quelque machine pneumatique et
     electrique pour empecher le passage usit jusqu'ici et qui ne m'a
     pas encore t refus qu'en faveur de vos interets, et par
     consequent interets communs de vous autres, de l'Empereur l'Empire
     et autres.

     Pour ne pas tre long et ennuyant  mon ordinaire je finis cette
     Lettre, profitant de votre permission de vous griffoner souvent,
     j'ose assurer que je suis  toujours avec une consideration infinie
     de V. E. etc. etc.

                                        Note du 12. Decembre 1777.

     Excusez que j'ecrive  la hate. Je vous prie que votre Ministre en
     Russie agisse aussi de son ct et fasse sentir tout. Quand mme la
     rquisition Russe soit parti pour la Prusse que votre Ministre
     agisse nonobstant.


XIX.

Feronce an Faucitt.

(S.P.O. German States, Vol. 109.)

                                       Brunswic, ce 23. Decembre 1777.

Der Anfang dieses Briefes handelt von der Gefangennahme Burgoyne's bei
Saratoga, bei welcher sich bekanntlich ein braunschweigisches Korps
befand, dann heit es weiter:

     -- -- -- Si on nous seconde comme on le peut et comme on le doit en
     vertu du trait, nous nous remettrons bientot sur pied, je vous
     prie, mon cher Gnral, de fair avec moi une observation analogue 
     cette poque, il faut absolument ne point fair revenir ces pauvres
     capitulants en Allemagne, ils seront mcontents et leurs
     exagerations degouteront tout le monde de votre guerre d'Amrique,
     faites aller ces restes  une de vos isles en Amrique, deposez les
     en Europe dans quelqu'une de vos isles celle de Wight par exemple,
     on y enverrait les recrues, les armes et vous aurez moins de frais
     et perdrez moins de temps. Je vous prie, mon cher Gnral, de
     reflchir sur ce que je vous dis et si vous vous interessez  cette
     cause comme vous l'avez toujours fait, touchez en quelque chose 
     Mylord Suffolk qui a trop de pntration pour ne pas sentir que cet
     arrangement serait trs salutaire au service du roi. --


XX.

Feronce an Faucitt.

(S.P.O. German Papers, Vol. 110.)

                                       Brunsvic, ce 23. Fevrier 1778.

     L'incertitude dans laquelle nous sommes  l'egard du sort de nos
     trouppes qui ont capitul  Saratoga, n'empeche pas Msgr. le Duc de
     Brunsvic de s'occuper de tous les moins propres  rendre utile au
     service de Sa Majest Brittannique le reste de ses trouppes qui se
     trouve en Canada; S.A.S. est tres persuade que le Ministre
     Brittannique fera son possible pour hater l'echange des trouppes
     qui ont capitul et Msgr. le Duc est trop pursuad de la
     bienveuillance de Sa Majest Brittannique et de la prudence de son
     Ministere pour supposer qu'on puisse jamais songer  faire passer
     en Allemagne les trouppes Allemandes qui ont capitul, le renvoi de
     ces trouppes dans cet etat de delabrement produiroit les effets les
     plus facheux et feroit la sensation la plus douloureuse. Afin de
     tirer au moins quelque partie des Trouppes de Brunsvic qui sont
     restes en Canada et  Ticonderoga, notre intention seroit d'en
     former trois regimens, chacun d'environ six cent hommes, y compris
     les officiers et bas officiers necessaires, les recrues qui sont
     prets  partir d'ici seront suffisans pour fournir  ce qui manque
     pour completter ces trois regimens et pour les porter  bien pres
     de six cent hommes chacun; ces trois regimens seroient commands ad
     interim, par trois Lieutenants Colonels des Trouppes de Brunsvic
     qui se trouvent actuellement en Canada et qui sont Messieurs
     d'Ehrencreuz, de Barner et Pretorius, il seroit fort  desirer
     qu'avant l'ouverture de la Campagne on trouvat moien d'echanger le
     Colonel Specht qui pourvoit passer en Canada pour commander ces
     trois regimens; nous aurons soin de faire partir avec nos recrues
     tout ce qui sera necessaire pour armer et equipper complettement
     ces trois regimens qui se trouveront en etat de faire la campagne
     ds le moment ou les recrues sont debarqus.


XXI.

Lettre du Landgrave de Hesse au Commandant de ses Troupes en Amrique.

(Aus Band Nr. 600 der Flugschriften in der Bibliothek der Historical
Society of New York City.)

(Das Original ist auf sechs Seiten Oktav ohne Angabe des Druckorts mit
sehr groen Buchstaben gedruckt; der nachfolgende Abdruck mit allen
seinen Fehlern ist wrtlich.)

     Monsieur le Baron de Hogendorff je ne puis asss vous tmoigner
     combien la Relation que vouz mavz Envoy m'a combl de joye -- l'a
     conduite de mes hessois qui se sont fait Immols si heroiquement
     pour une cause qui nous est si Etrangere, confirme toute l'opinion
     que javois de leurs bravoure, et Justifie l'Espoir que javois
     fonde sur leur attachement  mes Inters -- mais je ne puis
     pardonner aux nouvellistes Anglois d'avoir diminu si fort, le
     nombre de nos morts -- pourquoy n'avoir, pas a voue franchement,
     qu'aulieu de neuf cent nous en avons perdu 1700! En verit je ne
     trouverois Gure mon Compte  ce calcule, et je ne puis l'attribuer
     qu- un motif trs Interress de leurs part -- ces Messieurs
     Croyent-ils donc, que trentes Guinns dplus, ou de moins me sont
     Indiffrents! et cela, aprs un voiage aussi couteux, que celuy que
     je viens de faire, et qui, m'a fait contracter tant de nouvelles
     dettes -- -- non, mon cher, que votre Zle pour mon service, et vos
     desirs, pour contribuer a mes plaisirs Redoublent defforts en
     secondant par tous les moiens possibles, toutes les Occasion qui
     pourois se presenter pour animer, de plus en plus mes fidelles
     sujets  se sacrifier _Jusqu'au dernier mme_. Pour Repondre  ds
     vus aussi lgitime, que ncessaires.

     Temoigns bien de m'apart au Colonnel, M... combien je suis
     mcontent de la conduite qu'il  tenu jusqu'ici, -- quoy? Le seul
     de tous nos corps qui n'a perdue qu'un seul homme jusqu'a prsent
     -- c'est, ce couvrir de honte, et Redoubler mes peines; -- la
     Signora F... que je viens, d'Engager en _Italie_ va me couter au
     dela de Cinq cents Guines par an, et puis ces Anglois, voudroient
     encore mechicaner sur les blesss, et les estropis -- mais non ils
     me les payeront selon le mme Tarif fix pour les morts -- si non,
     jaime mieux, quils Imitent l'Exemple de ceux qui se sont laisss
     prendre  _Trenton_ -- en effets --  quoy me serviroient ces
     miserables! ici? Ils ne sont plus bon  Rien, d'ailleurs, ces
     maudits Rebelles qui, tirent toujours si bas, les auront sans doute
     Rendus Impuissants, mais qant  cla, les Jsuites que j'ai envie
     d'appller dans mes etats, s'en acquitteront mille, et mille fois
     mieux, et Rparront bientt, toute la depopulation, qui ne s'y
     manifeste dej que trop, c'est un Expedient que m'a donn  Rome,
     le Cardinal T... qui m'a promis de me menager cette affaire avec
     tonte la dexterit Imaginable, -- Vous ne sauriez croire (matil
     dit;) combien la vu de tant de belles Guines Ranime la Vigueur.
     Or quoy qu'il en arrive jouissons du prsent et ne nous mettons pas
     en peine du Reste; sur ce, je prie Dieu, qu'il vous tienne Monsieur
     le Baron de Hogendorff en sa sainte et bonne garde,

                                                      Cassel 1777.


XXII.

Translation[12] of a treaty between His Majesty and the Landgrave of
Hesse Cassel.

     His Britannic Majesty being desirous of employing in his service a
     body of twelve thousand men of the troops of His most Serene
     Highness the reigning Landgrave of Hesse Cassel, and that prince
     full of attachment for His Majesty, desiring nothing more than to
     give him proofs of it, His Majesty, in order to settle the objects,
     relative to this alliance has thought proper to send to Cassel the
     Sieur William Faucitt his minister plenipotentiary and colonel in
     his service, and His most Serene Highness has named, on his part
     for the same purpose, the Baron Martin Erneste de Schlieffen, his
     minister of state, lieutenant general and knight of his orders, who
     being furnished with requisite full powers, have agreed that the
     treaties formerly concluded between Great Britain and Hesse, shall
     be made the basis of the present treaty, and to adopt as much of
     them as shall be applicable to the present circumstances, or to
     determine by new articles such points as must be settled otherwise,
     every thing that shall not be differently regulated, shall be
     deemed to subsist in full force, as it shall appear to be declared
     in the abovementioned treaties, and as it is not possible to
     specify each particular case, every thing that shall not be found
     regulated in a precise manner, neither in the present treaty nor in
     the former treaties, ought to be settled with equity and good
     faith, conformably to the same principles which were agreed on by
     each part to be pursued for regulating all such cases, whether
     during or after the last war.

     I. There shall be therefore, by virtue of this treaty between his
     Majesty the King of Great Britain and his most Serene Highness the
     Landgrave of Hesse Cassel, their successors and heirs, a strict
     friendship, and a sincere, firm and constant union, in so much that
     the one shall consider the interests of the other as his own, and
     shall apply himself with good faith to advance them to the utmost,
     and to prevent and avert mutually all trouble and loss.

     II. To this end it is agreed, that all former treaties principally
     of guaranty, be deemed to be renewed and confirmed by the present
     treaty in all their points, articles and clauses, and shall be of
     the same force as if they were herein inserted, word for word, so
     far as it not derogated from them by the present treaty.

     III. This body of twelwe thousand men, of the troops of Hesse,
     which is to be employed in His Brittannic Majesty's service, shall
     consist of four battallions of grenadiers, of four companies each,
     fifteen battallions of Infantry, of five companies each, and two
     companies of chasseurs, the whole provided with general and other
     necessary officers. This corps shall be completely equipped and
     provided with tents, and all accoutrements of which it may stand in
     need; in a word shall be put upon the best footing possible, and
     none shall be admitted into it but men fit for service, and
     acknowledged for such by His Britannic Majesty's commissary.
     Formerly the signature of the treaties has usually preceded, by
     some time, the term of the requisition for the march of the troops,
     but as in the present circumstances there is no time to be lost,
     the day of signature of the present treaty is deemed to be also the
     term of the requisition, and three battalions of grenadiers, six
     battalions of Infantry, with one company of chasseurs, shall be in
     a condition to pass in review before His Britannic Majesty's
     commissary on the fourteenth of February, and shall begin to march
     on the day following the fifteenth of February, for the place of
     embarkation. The rest shall be ready in four weeks after, if
     possible and march in like manner.

     This body of troops shall not be separated, unless reasons of war
     require it, but shall remain under the orders of the general to
     whom His most Serene Highness has entrusted the command, and the
     second division shall be conducted to the same places only where
     the first shall actually be, if not contrary to the plan of
     operations.

     IV. Each battalion of this body of troops shall be provided with
     two pieces of field artillery, with the officers, gunners and other
     persons, and the train thereunto belonging, if his Majesty is
     desirous of it.

     V. Toward defraying the expence in which the most Serene Landgrave
     shall be engaged, for the arming and putting in condition the said
     corps of twelve thousand men, His Majesty the King of Great Britain
     promises to pay to His most Serene Highness, for each foot soldier
     thirty crown banco levy money, as well for the Infantry as for the
     chasseurs, or artillery, if there should be any, the sum total of
     which shall be ascertained according to the number of men composing
     this corps, and as they have been reckoned in former alliances.

     The sum of one hundred and eighty thousand crowns banco valued as
     in the following article, shall be paid on account of this levy
     money on the tenth of February, and the residue shall be paid, when
     the second division of this corps shall begin their march.

     VI. In all the former treaties a certain number of years is
     stipulated for their duration, but in the present His Britannic
     Majesty choosing rather not to engage himself for any longer time
     than he shall have occasion for these troops, consents instead
     thereof that the subsidy shall be double from the day of the
     signature of this treaty to its expiration, that is to say, that it
     shall amount for this body of twelve thousand men to the sum of
     four hundred and fifty thousand crowns banco per annum, the crown
     reckoned at fifty three sols of Holland, or at four shilling and
     nine pence three farthings English money, and that the subsidy
     shall continue upon this foot during all the time that this body of
     troops shall remain in British pay. His Britannic Majesty engages
     also to give notice to the most Serene Landgrave of its termination
     twelwe months or a whole year before it shall take place, which
     notice shall not even be given before this body of troops is
     returned, and actually is arrived in the dominions of the said
     prince, namely in Hesse, properly so called. His Majesty shall
     continue equally to this corps the pay and other emoluments for the
     remainder of the month in which it shall repass the frontiers of
     Hesse, and His most Serene Highness reserves to himself on his side
     the liberty of recalling his troops at the end of four years, if
     they are not sent back before, or to agree with His Britannic
     Majesty at the end of that time for another term.

     VII. With regard to the pay and treatment, as well ordinary as
     extraordinary, of the said troops, they shall be put on the same
     foot, in all respects, with the national British troops, and His
     Majesty's departement of war shall deliver without delay to that of
     His most Serene Highness, an exact and faithful state of the pay
     and treatment enjoyed by those troops, which pay and treatment, in
     consideration that His most Serene Highness could not put this
     corps in a condition to march in so short a time without
     extraordinary expences, shall commence for the first division on
     the first of February, and for the second, seven days before it
     shall begin to march, and shall be paid into the military chest of
     Hesse, without any abatement or deduction, to be distributed
     according to the arrangements which shall be made for that purpose,
     and the sum of twenty thousand pounds sterling shall be advanced
     immediately on account of the said pay.

     VIII.[13] If it should happen unfortunately that any regiment or
     company of the said corps should be ruined or destroyed either by
     accidents on the sea or otherwise, in the whole or in part, or that
     the pieces of artillery or other effects with which they shall be
     provided, should be taken by the enemy, or lost on the sea, His
     Majesty the King of Great Britain shall cause to be paid the
     expences of the necessary recruits, as well as the price of the
     said field pieces and effects, in order forthwith to reinstate the
     artillery or the said regiments and companies, and the said
     recruits shall be settled likewise on the foot of those which were
     furnished to the Hessian officers by virtue of the treaty of 1702,
     article the fifth, to the end that the corps may be always
     preserved and sent back in as good a state as it was delivered in,
     the recruits annually necessary shall be sent to the English
     Commissary, disciplined and compleetly equipped, at the place of
     embarkation, at such time as His Britannic Majesty shall appoint.

     IX. In Europe His Majesty shall make use of this body of troops by
     land wherever he shall judge proper, but North America is the only
     country of the other parts of the globe where this body of troops
     shall be employed. They shall not serve on the sea, and they shall
     enjoy, in all things without any restriction what soever, the same
     pay and emoluments as are enjoyed by the English troops.

     X. In case the Most Serene Landgrave should be attacked or
     disturbed in the possession of his dominions, His Britannic Majesty
     promises and engages to give him all the succour that it shall be
     in his power to _afford_ (original _de donner_) which succour shall
     be continued to him until he shall have obtained an entire security
     and just indemnification: as the most Serene Landgrave promises
     likewise on his part, that in case His Majesty the King of Great
     Britain is attacked or disturbed in his kingdoms, dominions, lands,
     provinces or towns, he will _give him_ (original, _lui prtera_) in
     like manner all the succour that it shall be in his power _to
     afford_ (Original _de donner_) which succour shall likewise be
     continued to him, until he shall have obtained a good and
     advantageous peace.

     XI. In order to render this alliance and union the more perfect and
     to leave no doubt with the parties about the certainty of the
     succour which they have to expect by virtue of this treaty, it is
     expressly agreed, that to judge for the future whether the case of
     this alliance and the stipulated succour exists or not, it shall
     suffice, that either of the parties is actually attacked by force
     of arms, without his having first used open force against him who
     attackes him.

     XII. The sick of the Hessian corps shall remain under the care of
     their physicians, surgeons, and other persons appointed for that
     purpose, under the orders of the general commanding the corps of
     that nation, and every thing shall be allowed them, that His
     Majesty allows to his own troops.

     XIII. All the Hessian deserters shall be faithfully given up
     wherever they shall be discovered in the places dependent on His
     Britannic Majesty, and above all as far as it is possible, no
     person whatever of that nation shall be permitted to establish
     himself in America, without the consent of his sovereign.

     XIV. All the transports of the troops, as well for the effects,
     shall be at the expence of His Britannic Majesty, and none
     belonging to the said corps shall pay any postage of letters, in
     consideration of the distance of the places.

     XV. The treaty shall be ratified by the high contracting parties,
     and the ratifications thereof shall be exchanged as soon as
     possible.

     In witness whereof, we the undersigned, furnished with the full
     power of His Majesty the King of Great Britain, on one part, and of
     His most Serene Highness the reigning Landgrave of Hesse Cassel on
     the other part, have signed the present treaty and have caused the
     seals of our arms to be put thereto. Done at Cassell the fifteenth
     of January in the year 1776.

             _L.S. William Faucitt.      L.S. M. de Schlieffen._


XXIII.

Friedrich der Groe an den Markgrafen Karl Alexander von
Brandenburg-Bayreuth.

(Anspacher Manual-Akten I, 190.)

                                    Potsdam, ce 24. Octobre 1777.

       Monsieur mon Neveu!

     J'avoue  Votre Altesse Serenissime, que Je ne pense jamais  la
     guerre actuelle en Amrique sans tre frapp de l'empressement de
     quelques princes d'Allemagne, de sacrifier leurs Trouppes  une
     querelle qui ne les regarde pas. Mon tonnement augmente mme quand
     Je Me rappelle de l'histoire ancienne, cet eloignement sage et
     gnral dans Nos Anctres, de prodiguer le sang allemand pour la
     defense des droits etrangers et qui passa mme en loi dans le corps
     Germanique.

     Mais Je M'apperois que Mon patriotisme M'emporte; et Je reviens 
     la lettre de Votre Altesse Serenissime du 14. qui l'a si fort
     ranim. Elle y demande le passage libre des recrues et bagages
     qu'Elle veut envoyer au Corps de ses Trouppes au service de la
     Grande Brtagne et Je prends la libert de lui faire observer que
     si Elle veut les faire passer en Angleterre, elles n'auront pas
     seulement besoin de traverser Mes Etats et qu'Elle pourra leur
     faire prendre une toute plus courte pour les faire embarquer. Je
     soumets mme cette ide au jugement de Votre Altesse Serenissime et
     Je ne suis pas moins avec toute la tendresse que Je Lui dois,
     Monsieur Mon Neveu, de Votre Altesse Serenissime le bon Oncle

_Fdric._




Sinnentstellender Druckfehler.


S. 90, Zeile 12 v.o. lie _euphemistisch_ statt euphonistisch.


Buchdruckerei von Gustav Schade (Otto Francke) in Berlin.




Funoten

[1] Eine Banko-Krone war in englischer Mnze vier Shilling
9-3/4 Pence, eine deutsche Krone drei Shilling 6-6/7 Pence.

[2] Ein Schreckenberger betrgt 6 Albus und 6 Heller; 32 Albus,
deren jeder 12 Heller hat, sind 1 Thaler Pr.; ein Schreckenberger ist
also etwa 6 Sgr.Pr.Ct. und von jedem Hundert Gulden der zu bezahlenden
Steuern wurde ein solcher Schreckenberger bezahlt. (Schlzer's
Briefwechsel VIII. 388.)

[3] Patrioten schauen mit Entzcken
    Seinem Flug durch seine Himmel nach,
    Und aus froher Unterthanen Blicken
    Rieselt Wonne -- schwillt -- und wird ein Bach.

    Alle Snger unsers Landes hauchen
    Mit dem Flammenodem in's Gedicht,
    Und die Knstler mhen sich zu tauchen
    Ihre Pinsel in des Festes Licht.

    Ha, Thalia! -- mit dem Dank des Waisen,
    Mit der Wittwe Lachen durch den Flor,
    Mit den Wolken, die gen Himmel kreisen,
    Steig' auch deine Opferwolk' empor.

    Nher am Altare will ich knieen; --
    Denn, o Karl! wenn Kunstgefhle hier,
    Wenn der Tugend hhre Triebe glhen,
    Hier in dieser Brust; -- so dank' ich's Dir!

           *       *       *       *       *

    So nimm denn unsern Dank,
      Erhabner Karl,
    Eine Opferschale voll Freudenthrnen!

           *       *       *       *       *

    Wir singen in jauchzenden Tnen
    Dem Kenner des Groen und Schnen
    Den schallenden hohen Pan, --
    Dem Wger groer Verdienste,
    Dem Schutzgeist schchterner Knste
    Tnt unser Chor himmelan! --

[4] Die Kniginn, eine geborene Mecklenburg-Strelitzische
Prinzessinn, schreibt wrtlich: Je me suis acquitte de la commission
du Margrave d'Anspach tout de mme comme vous avez fait. Le cher Roy,
ayant toutes les troupes qui lui faut, ne pense plus en augmenter ce
nombre; ainsi vous ferez, scavoir cela avec tous les compliments et la
politesse qui vous sont naturell, an den gehrigen Orthen.

[5] Franklin schreibt d.d. Paris, 1. Mai 1777 an John Winthrop:
The king of Prussia's humour of obliging those princes to pay him the
same toll per head for the men they drive through his dominions as used
to he paid him for their cattle, because they were sold as such is
generally spoken of with approbation as a just reproof of those
tyrants. Works VIII., 215. Was hier als Thatsache erzhlt wird, ist
nichts als eine jener zahllosen tendenzisen Anekdoten, die zu jener
Zeit in Holland oder den Pariser Salons fabrizirt wurden. Franklin
glaubte sie vielleicht, weil sie seinen Wnschen entsprach;
wahrscheinlich hat er sie aber selbst gemacht.

[6] Avis aux Hessois et autres Peuples de l'Allemagne. Vendus
par leurs Princes  l'Angleterre. -- A. Clves chez Bertol. 1777, 8. Das
Motto lautet: Quis furor iste novus? quo nunc quo tenditis -- --? Heu
miseri cives! non hostem inimicaque castra -- Vestras spes uritis.
_Virgilius_. (Sollte heien: miserae cives, siehe Aeneis V., 671; die
Weiber wollten die Schiffe verbrennen.)

[7] Trennung, Eigennutz und Knechtswuth haben
    Allen ffentlichen Sinn begraben,
    Da der Deutsche nur in Horden lebt,
    Und da dummheitstrunken diese Horden
    Um die Wette sich fr Fremde morden,
    Da die mildre Menschheit weint und bebt.

    Unsre Edlen suchen fremde Ketten,
    Wer soll nun das Vaterland erretten?
    Jeder theilt sich gierig in den Raub.
    Wo der blinde Eigennutz gebietet,
    Wo man fr Obolen Sldner miethet,
    Bleibt man fr den Ruf der Ehre taub.

(Werke I, 316. Ausgabe von 1825.)

[8] So sagt u.A. noch eine Ende Februar 1864 erlassene Adresse
des Kongresses der Rebellenstaaten an die sdliche Bevlkerung: The
administration (of Lincoln) has been able thus far by its legions of
Hessian mercenaries to overawe the masses, to control the elections
and to establish an arbitrary despotism.

[9] Herr v. Eelking erklrt S.224 im ersten Bande seiner
Hlfstruppen diese letzte Aeuerung Donop's, nachdem er die erste
Hlfte der Duplessis'schen Aufzeichnung als wahr angenommen, fr
kleinmthig und im Widerspruche mit dem Charakter des Sterbenden
stehend. Auch erwhne sein Adjutant eben so wenig etwas davon, als
irgend eins der zahlreichen Offizierstagebcher. Abgesehen davon, da es
willkrlich ist, eine Zeugenaussage zu zerreien, so steht so viel fest,
da hchstens Donop's Adjutant und kein andrer deutscher Offizier
gegenwrtig gewesen sein konnte, da wir aber nicht wissen, ob er
wirklich gegenwrtig gewesen ist und Franzsisch verstand. Dann aber
wird sich ein deutscher Adjutant, wie damals so auch heut zu Tage, wohl
hten, solche Liebeserklrungen unter die Leute zu bringen oder gar
Serenissimo zu melden. Derartige Etourderien werden von diesen Herren
am liebsten im Interesse des eigenen Avancements oder, wie der
Kunstausdruck lautet, des hchsten Dienstes todtgeschwiegen. Wre ein
amerikanischer Farmer oder ein sonst mit den europischen Verhltnissen
unbekannter Berichterstatter der Gewhrsmann der obigen Aeuerung, so
knnte man vielleicht mit Recht an ihrer Echtheit zweifeln. Mauduit ist
aber eine untadelhafte Autoritt. Er erzhlt nur Thatsachen, ohne jede
Tendenz und zwar als Augen- und Ohrenzeuge. Es ist deshalb auch nicht
der mindeste Grund vorhanden, seine Mittheilung willkrlich zu
zerstckeln, sondern man mu sie ganz und ungetheilt als echt annehmen.
Hier mgen seine eigenen Worte folgen: -- Une voix s'lva du milieu des
cadavres et dit en Anglais: Qui que vous soyez, tirez moi d'ici!
C'tait celle du Colonel Donop. Mr. de Mauduit le fit prendre par ses
soldats, et le fit porter dans le fort, o il ne tarda pas d'tre
reconnu. Il avait la hanche fracasse. -- -- Je suis content --
repliqua Donop en se servant de notre langue, -- je meurs entre les bras
de l'honneur mme. C'est finir de bonne heure une belle carrire, mais
je meurs victime de mon ambition et de l'avarice de mon souverain.
(Voyages de Mr. le Marquis de Chastelluc dans l'Amrique septentrionale,
Paris 1788, I, 288). Auch der damals im amerikanischen Hauptquartier
sich befindende General Jobann Kalb schreibt am 2. November 1777 an den
Herzog von Broglio, da Oberst Donop tief betrauert von seinen Soldaten
gefallen sei und da seine letzten Worte gewesen, er sterbe als Opfer
der Habgier seines Frsten. (Leben des amerikanischen Generals Johann
_Kalb_ von Friedrich Kapp. S.123.)

[10] Eine wissentliche Unwahrheit; das Regiment sollte erst
ausgehoben werden.

[11] Faucitt sagt in seinem Briefe vom 27. Juni 1777 an Suffolk
ber das obige Schreiben: Der einliegende Brief ist vom 20. Mai statt
20. Juni datirt; sein Stil zeigt, da er the handiwork of His Serene
Highness himself (von Sr. Durchlaucht selbst verbt) ist.

[12] Aus dem Franzsischen.

[13] Der mit diesem . korrespondirende elfte . des
braunschweiger Vertrags enthielt noch folgende Bestimmung, die man in
smmtlichen spteren Vertrgen, wegen des durch sie erregten Unwillens,
fallen lie: According to custom, three wounded men shall be reckoned as
one killed, a man killed shall be paid for at the rate of levy money
(thirty crown banco = 51 Thlr. 15 Sgr.).




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  | Einquartirung -- Einquartierung                                  |
  | geborener -- geborner                                            |
  | Grenzen -- Grnzen                                               |
  | hanauischen -- hanauschen                                        |
  | Kassler -- Kasseler                                              |
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  | Kolonien -- Kolonieen                                            |
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  | S. 102 "venachlssigt" durch "vernachlssigt" ersetzt.           |
  | S. 106 "Gesandschaft" durch "Gesandtschaft" ersetzt.             |
  | S. 114 "Kostbarbeiten" durch "Kostbarkeiten" ersetzt.            |
  | S. 117 Anfangsanfhrungszeichen bei Reitzensteins Zitat          |
  |        eingefgt.                                                |
  | S. 118 "Fiedrich" durch "Friedrich" ersetzt.                     |
  | S. 119 "franzsiche" durch "franzsische" ersetzt.               |
  | S. 137 "patriachalische" durch "patriarchalische" ersetzt.       |
  | S. 139 "Jahrhunders" durch "Jahrhunderts" ersetzt.               |
  | S. 145 "uberaus" durch "beraus" ersetzt.                        |
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  |         ersetzt.                                                 |
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  | S. 215 "Unterhanen" durch "Unterthanen" ersetzt.                 |
  | S. 225 "Widerspuch" durch "Widerspruch" ersetzt.                 |
  | S. 226 "Dummheitstrunken" durch "dummheitstrunken" ersetzt       |
  |        (Fu0note).                                                |
  | S. 228 "Kammeradschaft" durch "Kameradschaft" ersetzt.           |
  | S. 228 "Verflegung" durch "Verpflegung" ersetzt.                 |
  | S. 238 "wiener Frieden" durch "Wiener Frieden" ersetzt.          |
  | S. 240 "Vertheider" durch "Vertheidiger" ersetzt.                |
  |                                                                  |
  | Nicht korrigierte Rechtschreibung:                               |
  |                                                                  |
  | S. 53  "erwiederte" (Zitat)                                      |
  | S. 68  "homours and dispositions" (Zitat, unklar ob "humours"    |
  |         gemeint war)                                             |
  | S. 105 "Exellenz" (Zitat)                                        |
  | S. 113 "Darlehne" (Zitat)                                        |
  | S. 127 "Reisaus" (Zitat)                                         |
  | S. 130 "Gantz", "Duchlauchten", "gantzen" (Zitat)                |
  | S. 181 "Pensylvanien" (Zitat)                                    |
  | S. 220 "Missisippi" (so in lteren Brockhaus und Herder)         |
  | S. 234 "unzulssische" (Zitat)                                   |
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End of the Project Gutenberg EBook of Der Soldatenhandel deutscher Frsten
nach Amerika, by Friedrich Kapp

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER SOLDATENHANDEL DEUTSCHER ***

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or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
Defect you cause.

Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of
computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
from people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
www.gutenberg.org Section 3. Information about the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
volunteers and employees are scattered throughout numerous
locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
date contact information can be found at the Foundation's web site and
official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:

    Dr. Gregory B. Newby
    Chief Executive and Director
    gbnewby@pglaf.org

Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment. Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements. We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations. To
donate, please visit: www.gutenberg.org/donate

Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
freely shared with anyone. For forty years, he produced and
distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
edition.

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facility: www.gutenberg.org

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