The Project Gutenberg EBook of Die Kakomonade, by Simon Nicolas Henri Linguet

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Title: Die Kakomonade
       Ein Nachla vom Doktor Panglos, als ein Supplement des Kandide

Author: Simon Nicolas Henri Linguet

Release Date: March 6, 2012 [EBook #39043]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE KAKOMONADE ***




Produced by Jens Sadowski





Die
Kakomonade,

ein Nachla
vom Doktor Panglos,

als ein Supplement

des Kandide,

von

Linguet.

Nach der zweiten vermehrten Ausgabe bersetzt.

Berlin, 1786.










Buchhndlernachricht.


Es leben zwo berchtigte Schwestern in der Welt, welche mit voller Gewalt
auf derselben regieren. Man ist gesinnet, von der Einen derselben die
Geschichte ihres Lebenslaufes hier vorzulegen. Dem Leser wirds gar nicht
schwer fallen, zu errathen, wer die sei, von der man spricht, sobald er
weis -- was wir ihm eben sagen -- da man jene, von der die Rede nicht ist,
nach unserer franzsischen Mundart gemeinhin die petite vrole nenne[*].

Diese nun hat sich vor undenklicher Zeit in Europen ausgebreitet; der
andern aber gelang es nur erst um viele Jahrhunderte spter, in diesem
Welttheile festen Fu zu fassen; indessen mag man sie fr
Zwillingsschwestern ansehen, und ihr Alter beinah so weit hinaussetzen, als
das Alter der Welt. Es ist wahrscheinlich, da sie bei ihrer Geburt zu
einer Zeit mit Noe sich in das Universum theilten. Die Eine nahm die linke,
die Andere die rechte Seite desselben in ihren Besitz. Sie zogen mit den
Shnen dieses Patriarchen herum, und schlugen in Wsten, denen es an
nichts, als an Bewohnern fehlte, ihren Wohnsitz auf.

[Funote *: Wrtlich geteutscht die kleine Pocke; Die groe Verole, ihre
Schwester, von der sichs hier eigentlich handelt, ist ein Frauenzimmer von
solcher Artigkeit, da sie sich immer balsamt, und parfmt; und von solcher
Ehrwrdigkeit, da sie auch den ausgelassensten Lstling, sobald er sie
kennen lernt, voll Ehrfurcht zurckhlt, sich an sie zu wagen. Anmerk. des
Uibersetzers.]

Die Kleine nahm das grte Stck fr sich: Das ganze feste Land des
Alterthums ward ihr Reich; Afrika, Asien, und Europa fielen unter ihre
Bothmssigkeit. Ihre vornehmste Beschfftigung war, die Menschengestalten,
die sich da befanden, zu verderben; aber vorzglich bte sie sich in ewigen
Kriegen gegen die Schnheit.

Die Andere trieb Anfangs ihren Ehrgeiz nicht so weit: sie begngte sich,
den Zepter ber Amerika zu fhren: Da pflegte sie des Umgangs mit den
Schlangen, und allem kriechenden Ungeziefer, welche diesen schnen Theil
der Welt verheeren: allein der Theil, auf welchen sie ihre Gewalt
ausbrechen lie, war nicht das Gesicht; sondern sie griff unmittelbar das
an, was die Schnheit ntzlich, oder schtzbar macht.

So lebten sie ber fnf tausend Jahre, einsam, jede in ihrem Aufenthalte.
Nur erst im fnfzehnten Jahrhunderte kam sie die Lust an, sich zu besuchen,
da sie zu ihrer Reise die spanischen Flotten sehr gemchlich fanden. Sie
muten keine Ursache gefunden haben, es sich gereuen zu lassen: von dieser
Zeit an scheinen sie den Entschlu gefat zu haben, sich nimmer wieder zu
verlassen. Sie verglichen sich, ihre Schtze gemeinschaftlich anzulegen.
Ohne Unterschied, und ohne Eifersucht herrschen sie nun beide zusammen ber
die vier Theile dieser unteren Welt, wo, wie es ein Haufen erlauchter
Philosophen beweist, alles gut ist. Der Vergleich dieser beiden Schwestern
hat die Masse des allgemeinen Guten um ein Ansehnliches vermehrt; ob man
gleich gestehen mu, da einige einzelne Uibel daraus erwuchsen.

Diese zu mildern, ja zum Theile gar zu unterdrcken, scheint die Absicht
gewesen zu sein, welche sich der Verfasser dieses Werkes durch dasselbe zu
erreichen bestrebet hat. Wir glaubten wahrzunehmen, da er hierzu eben so
sichre, als leichte Mittel an die Hand gab; und man wird sich von der Sache
sogleich gute Begriffe machen, sobald man wissen wird, der Verfasser sei
der Herr Doktor Panglos, Feldprediger des Freiherrn von
Donnerstrunkshausen, und Hofmeister des Kandide.

Seine Abentheuer sind Jedermann bekannt, aber Niemand weis Etwas von seinen
Schriften. Man weis, da er eben sowohl, als sein Zgling, auf den Befehl
der heiligen Hermandad den Staupbesen bekam, und, was noch mehr ist,
gehangen wurde. Seine Unglcksflle sind, Dank sei es der Feder des
berhmten Herrn Ralph, seines Mitbruders in der Metaphysik, zum Besitze der
Unsterblichkeit gelangt; hingegen zweifelte man nicht, da es ihm nicht am
Ktzel, oder an der Zeit gefehlet habe[*], ein Autor zu werden; dennoch ist
die eine unlugbare Wahrheit; und hier theilen wir eine seiner Arbeiten
mit, die uns wrdig genug schien, die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich
zu heften.

[Funote *: Eine seltsame, dunkle Verkettung der Gedanken! -- Ich mte zu
weitluftig werden, und behalte mir vor, diese, und die nachfolgenden
Anmerkungen am Ende des Werkchens auszufhren. Anm. des Uibersetzers.]

Es hlt schwer, ihren Zeitpunkt genau zu bestimmen; unterdessen ist es doch
ziemlich wahrscheinlich, da sie der Doktor damal verfate, als er sich bei
dem Wiedertufer Jakob aufhielt[*]. ohne Zweifel wars diese heilsame
Einsamkeit, wo Herr Panglos sichs zum Geschfte, machte, ber die Ursache
nachzudenken, von der er da die Wirkungen empfand. Voll von seinem
Gegenstande, machte er sich das Vergngen, die treffenden Bemerkungen, die
ihm sein Zustand darboth, zu Papier zu setzen. Er kam dabei, wie man weis,
um ein Aug, und um ein Ohr. Doch rettete er sein Manuskript, und dieses
kostbare Stck Werk kam in der Folge unter allen dem Strmen, die das Leben
dieses groen Philosophen verfolgten, mit heiler Haut davon.

[Funote *: Sieh den Kandide, oder die beste Welt, 4. Kapitel.]

Diese Strme waren mit der Epoche, womit Herr Ralph seine Geschichte
beschliet, nicht, wie man etwa denken konnte, vorber. Die mhsame
Vereinigung, welche die Noth unter allen Gefhrten Kandidens veranlat
hatte, war von kurzer Dauer. Die kluge Alte war das Band der Gesellschaft:
sie starb, und das Gebude, zu dem sie so viel beigetragen hatte, zerfiel
mit ihrem Tode.

Kunegunde, ihres guten Rathes beraubt, begieng eine Thorheit auf die andre.
Die letzte davon war, da sie bei Barzellona mit einem Korsaren auf dem
mittellndischen Meere kreuzen schiffte. Bald darauf machte sich auch
Kandide, blo von Martinen begleitet, unsichtbar, ohne Zweifel nicht so
viel, um seiner theuern Hlfte wieder habhaft, als um des Verdrusses, da
er sie geheurathet hatte, los zu werden.

Der Bruder Giroflee gieng einige Zeit vorher unter die Janitscharen.
Panglos reiste mit Paquetten ab, um, falls er ihn treffen konnte, seinem
Zglinge Trost einzusprechen. Die kleine Mayerei blieb das Eigenthum des
einzigen Kakambo, der zufolge des Kaim Akan von Konstantinopel, nachher
Oberrichter geworden ist, aber trotz dieser Wrde, sich so gut, als seine
Herrschaften, neuen Unglcksfllen ausgesetzt fand.

Der Doktor, und seine Gefhrtinn bestanden ein klein griechisch
Kaufmannsschiff, um darauf nach Smirna zu fahren, wo sie sich Rechnung
machten, einige Schiffe zu finden, um nach Europa zu kommen, in der
Hoffnung, da Kandide diese Strasse eingeschlagen htte. Unglcklicherweise
hatte an der Kste von Mar di Marmora Paquette wieder Lebhaftigkeit, und
Farbe gewonnen. Der Patron wrdigte sie seiner Aufmerksamkeit. Dieser
eifrige Muselmann fand sie wei, wie eine Lilie, und frisch wie eine Rose,
und sah sie fr eine Zirkassierinn an, die aus irgend einem Serrail
entwischet wre. Er trug Bedenken, so viele Reize den Unbeschnittenen
zuzufhren. Statt also, sie zu Smirna ans Land zu setzen, fhrte er sie in
Aegypten, wo er sie um tausend Zekine an den Bascha von Kairo verkaufte.

Mittels einer sehr sinnreichen, und der Schule eines Leibnitz ganz wrdigen
Verkleidung fand Panglos den Weg, sie zu entfhren. Sie durchstrichen
hierauf ganz Asien. Die Kette ihrer Begebenheiten zog sie bis nach China,
wo sie Kunegundens Bruder, Herrn Baron von Donnerstrunkshausen wieder
fanden. Der war noch immer der alte Starrkopf, der alte Jesuite. Er gab
sich hier, wie man im Verfolge dieses Werkes sehn wird, mit dem Gewerbe
ntzlicher Knste ab. Endlich trafen sie nach einer Menge neuer Mrsche,
und mehr, oder minder trauriger Trennungen zu Paris wieder zusammen.
Paquette gab sich hier einen indianischen Namen. Durch diesen Kniff, und
durch die Neugierde, die sie gegen sich erregte, machte sie in kurzer Zeit
ihr Glck, trotz dem, da ihre Reisen sie etwas gebrunet hatten.

In ihrem Glcke verlor sie Panglosen nicht aus dem Gedchtnisse. Sie gab
ihm bis zu seinem Tode, der sich den 11ten Dezember des vorigen Jahres
ereignete, seinen Unterhalt. Er hatte ziemlich schnell das Franzsische
begriffen, und das Werk, das wir hier herausgeben, selbst in diese Sprache
bersetzt. Er hat es, wie man sehen wird, seiner Wohlthterinn zugeeignet,
und diese hat uns das Mannuskript davon mitgetheilt.

Man fand unter seinen Papieren viele andere Bemerkungen, in sehr guter
Ordnung. Sie enthalten alle seine Reisen von der ersten von Konstantinopel
aus angefangen.

Frulein Paquette bernahm selbst die Sorge, sie durch sichre Hnde an
Herrn Ralph gelangen zu lassen; und wir wissen ganz zuverllich, da
dieser Gelehrte des Vorhabens ist daraus einen Zweiten Theil zur besten
Welt zu verfassen, dessen Ausgabe nicht lange ausbleiben wird. Hierbei
bedienen wir uns mit Vergngen der Gelegenheit, das Publikum aus einem
Irrthume zu ziehn. Man hat bei einigen nachgedruckten Ausgaben der besten
Welt auf den Titel gesetzt, da Herr Ralph gestorben wre. Ja man fhrte
sogar den Ort und das Jahr dieses Vorfalls an, der, wie man sagt, sich zu
Minden im Jahre Christi 1759. ergeben hat.

Ohne Zweifel kmmt dieses Gercht von des Herrn Doktors Feinden her. Sie
gaben vor, er htte sein Leben auf einem Schlachtfelde geendigt, gewi nur,
um verstehen zu geben, da er vor Furcht gestorben. Diese Nachricht ist
falsch. Der unsterbliche Herr Ralph befindet sich, zum Verdrusse seiner
Neider, noch bei den besten Krften. Die Herausgabe des zweiten Theils
seines Werkes wird davon eine Probe seyn. Um ihn erscheinen zu lassen,
erwartet er nur noch die Landkarten, womit er ihn versehen will; eine
Vorsicht, deren Auerachtlassung beim ersten Theile er sehr bedauert.

Vom Verdienste des Doktor Panglos, als Schriftstellers, wird das Publikum
das Urtheil sprechen. Wir zweifeln nicht, da man dieses Werk seines Ruhmes
wrdig finden werde. Was uns Anfangs befremdete, war nur der Gegenstand
desselben. Herr Ralph nannte das Kind, das sein Held aus seinen Versuchen
in der Experimentalphisik erhielt, ohne Umschnitte beim rechten Namen.
Allein selbst dieser soll, nachdem er es im Franzsischen zu einer
vollstndigen, Kenntni gebracht, und die Doppelsinnigkeiten, und die
falsche Delikatesse dieser Sprache nher eingesehen hatte, es, wie man uns
versicherte, nie gewagt haben, sich die Freiheit seines Geschichtschreibers
zu erlauben. Er suchte Wendungen, und gab seinem Buche den ehrbaren Namen,
den wir ihm hier beibehalten haben.

Man kann sich einbilden, da diese Herabstimmung, ihm vieles kostete. Wir
haben in seinen Schriften davon Proben gefunden. Er hatte sogar gegen diese
sogenannte Delikatesse eine Abhandlung angefangen, wobei wir sehr bedauern,
da er sie nicht zu Ende bringen konnte. Der Herr Doktor machte sich
darinnen mit einem seiner wrdigen Nachdrucke gegen diese lcherliche
Wohlanstndigkeit auf, welche die Artigkeit mehr in den Worten, als in den
Dingen sucht, und sich ber Ausdrcke, aber nicht ber die Begriffe
entrstet. Er legte lebhaft seine Befremdung an den Tag, da rechtschaffne
Leute in Europa sich nicht getrauen, eine Ursache, von der sie alle Tage
die Wirkung zu befahren haben, bei ihrem Namen zu nennen. Er sprach ber
diesen Gegenstand als ein erfahrungsvoller Philosoph, und als ein
vollkommener Leibnizianer.

Unterdessen wollen wir zur Rechtfertigung der Franzosen, bemerken, da sie
nicht die Einzigen sind, die sich auf diese unvernnftige
Gewissenhaftigkeit etwas zu Gute thun knnen. Die Italiner haben beinahe
die nmliche Schwachheit: sie nennen die grere Schwester der kleineren
Pocke mal Francese, obgleich sie unstreitig weder an der Seine, noch an der
Rhone brtig ist. Wahr ists, sie besucht diese Flsse fters, und unterhlt
sich vorzglich mit den Nymphen, die diese Gestade verschnern; aber doch
ist sie da nicht geboren, und die wlsche Paraphrase ist weder richtig an
sich selbst, noch artig im Bezuge auf die benachbarten Vlker.

Die Spanier sollten mit dem Namen und der Sache besser bekannt seyn;
indessen weichen sie dem Begriffe davon so viel mglich aus. Sie bezeichnen
sie mit dem feinen Ausdrucke purgacion. Wenn man daher jenseits der
Pyrenen spricht: el seor marqus, el seor conde, el seor duque tiene
las purgaciones, so will die nicht sagen, da diese Herrn Arzneien
eingenommen, sondern da sie ihrer sehr nthig haben. Diese kleine
Untreuheit ist doch verzeihlicher, als jene, deren man sich im Lande des
Vesuvs bedient.

Uibrigens ist diese abgeschmackte Kleingeistigkeit nicht bei allen Vlkern
die Folge eines vagen Vorurtheils, wovon man nie versuchet htte, einen
Grund anzugeben. Groe Schriftsteller haben sich bemhet, sie zu heben, und
sogar zu rechtfertigen. Unter andern kann man hierber den berhmten Herrn
Abb Desfontaines in seinem ein und sechzigsten Briefe seiner Beobachtungen
ber die Schriften unsrer Zeit anfhren.

Der Herr Abb untersucht sehr sorgfltig, und mit all dem kritischen
Geiste, den er besa, worinn die sogenannte Keuschheit unsrer heut zu
tgigen Sprachen ihren Grund habe. Das Christenthum, und die Moral der
Europer, sagt er, machen sie so gewissenhaft in ihren Worten, da im
Gegentheile das Griechische und Latein, welches von heidnischen Vlkern
gesprochen wurde, weit freier ist.

Wir bitten den Herrn Abb um Vergebung; allein wir sind nicht seiner
Meinung; und was noch mehr ist, wir haben so gar sehr gute Grnde, es nicht
zu seyn.

Der erste ist das Ansehn des Herrn Panglos, der sich ganz ffentlich fr
die entgegengesetzte Meinung erklrt, wie man in der Sammlung seiner Werke
sehn wird, wenn man anders jemal das Fragment, von dem wir sprachen,
darinnen mit heraus giebt. Der zweite Grund ist der, da die Moral der
Heiden nicht lockerer war, als die unsrige. Die wahren Begriffe von
Schande, und Ehre findet man eben sowohl in ihren guten Schriften, als in
unsern Kasuisten entwickelt. Uiberdie haben die Moral und Religion nur auf
unsre Handlungen Einflu. Es ist ausgemacht, da die Sprache nicht ihr
Gegenstand ist, oder da sie wenigstens sehr wenig darauf achten. Gott
selbst hat, wie bekannt, sich gewrdigt, die hebrische Sprache anzunehmen;
und dennoch ist diese unter allen Sprachen die unflthigste, will sagen,
die einfacheste in ihren Begriffen, und die nachdrcklichste in ihren
Ausdrcken.

Der Journalist denkt nicht, da die Vter der beiden Kirchen Eingebungen
vom heiligen Geiste hatten, und wenigstens eben so gut, als wir, in der
christlichen Moral unterrichtet wurden. Indessen erlaubten sie sich doch,
Zergliederungen zu machen, denen das Geschraubte unserer Sprache bei einer
Uibersetzung den Schein einer Unlauterkeit giebt, da sie doch an sich
selbst nichts mehr, als natrlich, sind. Die Tugend zeigt sich in ihren
Schriften manchmal mit einer Rstung, wovor in den unsrigen das Laster
errthen wrde. Sollten sich die Brger in Paris, die sich in Kupfer
stechen lassen, darum getrauen, zu glauben, ber diese groen Mnner
erhaben zu sein?

Sehen wir uns ja vor, die scheinbare Grobheit der Alten, und selbst der
Heiden, zu verachten. Wir haben einen heiligern Gottesdienst; aber unsre
Sitten sind darum nicht reiner. Lassen wir uns ja nicht den dummen Stolz
einkommen, zu glauben, da es die Erhabenheit unserer Glaubenslehren sei,
die der Freiheit unserer Gesprche einen Zaum anlegt. Man mte erstaunen,
wenn die Moral Strke genug htte, die Sprache zu reinigen, und dennoch
nichts ber die Sitten vermchte; da es der Religion gelungen habe, den
wahren Namen der Heldinn des Herrn Panglos zu verbannen, da sie aber ihrem
Laufe kein Hinderni setzen konnte.

Weit gefehlt, da die Sittsamkeit der kauderwlschen Europer die Frucht
einer chten Sittsamkeit wre, so ist sie vielmehr der Beweis einer tiefen
Verderbtheit. Man schont der Ohren, weil man sonst nichts mehr zu schonen
brig hat. Die heiligen Vter, welche die Gottheit, deren Geschichte wir
bekannt machen, nicht zu frchten gehabt htten, wrden sich erlaubet
haben, von ihr ohne Umschweife, und ohne Bedenklichkeiten zu sprechen.
Unsre Leute von Welt, die fast unaufhrlich unter ihrem Zepter stehn,
zittern, wenn sie nur ihren Namen hren; So, wie die Einwohner von Siam es
nicht wagen, den Namen des Despoten ber die Zunge zu lassen, der sie mit
der unbeschrnktesten Gewalt beherrschet.

Doch mu man, wenn man fr sie schreibt, auf diese alberne Delikatesse
Rcksicht nehmen. Man mu einen Gegenstand, vor dessen nackten Anblicke sie
sich scheuen, mit einem durchsichtigen Schleier berdecken. Man mu sich
zufrieden geben, die furchtbare Macht, deren Thaten man lesen wird, unter
einem allegorischen Namen aufzufhren. Diese Nothwendigkeit wars, die den
Herrn Doktor veranlate, den geheimnireichen Ausdruck: Kakomonade zu
ersinnen.

Man erkennt daran den Eifer des Lehrmeisters Kandidens fr die Lehre des
grten Metaphysikers von Deutschland. Das blosse Wort Monade, erinnert uns
auf den Ruhm seines Erfinders zurck, und, wenn der selige Liebhaber von
Frulein Paquette auf den Gedanken fiel, es mit dem Beiworte Kako, das, wie
man sieht, von dem Griechischen kakos herkmmt, und soviel, als bse,
unbequem heit, zu verbinden; so ist die ein Merkmaal von dem Scharfsinne
seines Geistes, und von der Richtigkeit seiner Urtheilskraft. In der That
ist auch von allen Leibnitzischen Monaden keine lstiger, als diese, und
das Beiwort ist also mit ganz vorzglicher Richtigkeit ausgewhlt.

NB. NB. Bei dieser zweiten Ausgabe hat man dem Werke einen Brief
beigerckt, der sich auch unter den Schriften des Herrn Doktors vorgefunden
hat, und ber den nmlichen Gegenstand lautet. Er ist ebenfalls von eben
den Absichten der Menschlichkeit, und Wohlthtigkeit ganz voll, und wir
glaubten daher, ihn dem Publikum nicht vorenthalten zu drfen.




Die Kakomonade.





Schreiben an Frulein Therese Julie Klementine Paquette.


Sie zwingen mich also, Frulein, und ich soll Sie durchaus
verunsterblichen? Sie wollen, meine Erkenntlichkeit soll Ihren Namen auf
die Nachwelt bertragen? In einem dicken philosophischen Buche, gedruckt in
unsern Tagen, haben Sie gelesen, da die Phrynen, und die Aspasien ganz
leicht die Sokraten, und Platone aufwogen; und mit Rechte hat Ihnen dieser
artige Ausspruch Muth eingeflt.

Wahrscheinlich war Aspasia nicht so schn, als Sie, und Phryne hatte nicht
die Geschicklichkeit, die Grazie. Sie kehren die Kpfe zu Paris, wie jene
zu Athen oder Theben, um; und also haben Sie Recht, sich fr eine Erbinn
dieser berhmten Schnen zu halten. Und sie verlangen den Besitz ihres
Ruhmes, wie ihrer Talente; ihres Rufes, wie ihrer glcklichen Unternehmung
fr sich.

Die Eine derselben gab, wie man weis, den Philosophen ihres Zeitalters
Unterricht in der Beredtsamkeit. Sie lehrte sie die Kunst, mit Sanftheit
den Geist der Menschen zu regieren. Der berhmte Lehrmeister des Alcibiades
studirte unter ihr, und er schmte sich nicht zu gestehn, wie viel Dank er
ihr wisse. Sie wars, von welcher Sokrates die erhabenen Lehren empfieng,
die er in der Folge mit so vieler Sorgfalt seinem jungen Schler einprgte.

Die Andere verlangte von ihren Liebhabern, da sie, wenn sie zu ihr kmen,
ihr einen harten Stein behndigten. Der war das Zeichen, auf welches ihre
Thre sich ffnete. Auch verwahrte sie, sagt man, sehr sorgfltig die
Modelle davon. Aus dieser wunderbaren Sammlung lie sie, zum Zeitvertreibe
in ihrem Alter, eine sehr hohe Pyramide bauen, und die Reisenden haben
dieses Denkmaal mit Rechte unter die sieben Weltwunder gezhlet.

Sie, mein Frulein, Sie gebrauchen sich keiner Worte, um die Kunst zu
lehren, die Herzen zu besiegen. Wenn Sie diesen groen Unterricht
ertheilen, so ertheilen Sie ihn Ihren Gespielinnen, so ertheilen Sie ihn
durch Ihr Beispiel. Sie fordern von denen, die es nach Ihrer Huld verlangt,
eben keinen Stein ab; nicht als ob Sie vielleicht weniger, als eine andere,
auf Pyramiden achteten, oder als ob Sie weniger Geschick besssen, eine zu
errichten; nein, sondern das Klima in Frankreich ist von jenem in
Griechenland verschieden.

Attika, und Beotien waren drre und unfruchtbare Lnder, die Steine wuchsen
da im Uiberflusse. Ein artig Frauenzimmer durfte nur die Hand ausstrecken,
um welche zu finden. Der Marmor dehnte sich, um so zu sagen, demselben von
selbst entgegen.

Sie leben in einem glcklicheren Erdstriche, und dennoch haben Sie eben
diese Vortheile nicht. In Paris, und in dessen Umkreise nehmen die Steine
mit jedem Tage ab. Die Menge, welche man in den Palsten dieser Hauptstadt
tglich verbraucht, macht die ganze Art dieser Naturprodukte zu nichte.
Brchte man ihrer nicht von Zeit zu Zeit aus dem Schatze der Provinzen
einige dahin, so ist zu vermuthen, da sich diese Stadt derselben bald ganz
beraubt sehen wrde.

Sie, mein Frulein, halten sich weislich an die allgemeinen, und
unausweichlichen Gesetze der Natur. Wie viele Andre sind eigensinnig genug,
hartnckig gegen ihre Schwche zu kmpfen! Sie haben keine andere Sorge,
als wie Sie sich fr dieselbe entschdigen knnen. Gerne lassen Sie den
Mnnern den Stein nach, wenn Sie Ihnen diesen nur mit recht viel Gold
ersetzen.

Auch wissen Sie sich hierbey so zu nehmen, da Sie nie was verlieren. Man
weis, welche Kunst Sie gebrauchen, die Opfer, die man Ihnen macht,
miteinander zu vereinbaren. Niemanden ists unbekannt, mit welcher Einsicht
Sie die verschiedenen Gattungen derselben zusammen auswhlen. Sie ahmen
jenen geschickten Wirthen nach, die aus mehrern mittelmigen Weinen ein
vortrefliches Getrnke bereiten.

Sie migen die Schwachheit eines Parisers durch den Trotz eines
Provenzalen, und die Schaalheit eines Einwohners von Marais durch den Saft
eines Burgunders. Sie verbinden den brausenden Schaum des Champagners mit
Amerika's Wrme, und die Dumpfheit des Deutschen mit der Feinheit des
Italiners. Da Sie so die Fehler jeder Nazion durch die Zumischung der
entgegengesetzten Tugenden verbessern, da Sie die Ungeschmacktheit der
Einen durch das Beiende der Andern lindern, so sind Sie so glcklich, sich
eine Reihe hchst angenehmer Lebenstage, und eine ununterbrochene Fortdauer
von Vergngungen zu verschaffen.

Ihre Bescheidenheit will der Nachwelt die Denkmaale Ihrer Triumphe gerne
schenken; jedoch, mte man die Anzahl all derer, die Sie ihr noch htten
hinterlassen knnen in die Rechnung bringen; so glaube ich, alle Phrynen
des Alterthtums wrden sich nicht beygehen lassen, Ihnen das Geringste
streitig zu machen; so viele Grnde also berechtigen Sie, sich ber die
alten und neuen Sokraten erhaben zu glauben!

Indessen mu man gestehen, dieser so groe Ruhm wird von einigen Ungemachen
etwas aufgewogen, und verliert von seinem Glanze. Mit Vergngen sehen Sie
die Ankunft der Schtze, die der Geiz den Bergen der neuen Welt entwhlt,
und welche die Thorheit auf den Sopha's von Europa zerstreuet, bey sich.
Eine Danae, ffnen Sie den Schoo diesem kostbaren Regen, dessen Werth und
Nutzen Ihnen so wohlbekannt ist.

Unglcklicherweise macht er fters in der alten Welt gewisse
Vollkommenheiten aufzusprossen, welche die Natur blo fr die neue
bestimmet hatte. Die kostbare Pflanze derselben brachte uns 1493. der
Genueser Christoph Kolombo mit dem Gold aus San Domingo, und, wie wir wohl
wissen, seit dieser Zeit haben sie sich mit einer verwundernswrdigen
Fruchtbarkeit ausgebreitet.

Die jngere von zwoen Schwestern, die beynahe einerley Namen fhren,
scheint es am weitesten gebracht zu haben. Seit fast zweyhundert Jahren
arbeitet sie ohne Unterla an der Ausbreitung ihres Reiches; und da ihr
alle Unternehmungen glckten, hat sie vorzglich ihrer verschwenderischen
Freygebigkeit zu danken. Gleich den staatsklugen Eroberern gewann sie eine
Menge Landes, weil sie mit ihren Geschenken nicht haushlterisch war.

Nicht, als ob man im Grunde so erpicht darauf wre. Wenige Personen sind
aufgelegt, sie freywillig sich zu wnschen; allein sie verbindet, wenn sie
sie anbeut, damit einen so verfhrerischen Reiz, da die mitrauischsten
Herzen manchmal genug zu thun haben, sich dagegen zu verwahren. Man
empfngt sie, ohne es fast nur gewahr zu werden; und was dabei das
verdrielichste ist, wenn man sich damit beschwert fhlt, so ist man nicht
immer im Stande, sie sich vom Halse zu schaffen.

Man bringt sie nicht einmal los, wenn man ihren Kreislauf befrdert. Sie
haben die Eigenschaft, sich zu vervielfltigen, ohne die Quelle, aus der
sie entsprungen sind, zu schwchen; gerade, wie eine brennende Wachsterze
tausend andere anzuznden dienen kann, ohne im mindesten von ihrem Licht,
und dem Feuer, das sie verzehrt, zu verlieren.

Gewi, mein Frulein, ein schreckliches Migeschick! Sie wnschten wohl,
man mchte ihm abhelfen knnen. Auch ich wnsch es von ganzem Herzen.
Suchen wir miteinander die Mittel auf. Die Ehre davon will ich Ihnen gerne
lassen.

Die griechischen Lustmdchen zeichneten sich, die Eine durch den Zauber
ihres Verstandes, die andre durch die Anmuth ihres Tanzes, und diese durch
ihre Schnheit aus. Was Sie betrift, so wnsche ich, da Sie Ihren Namen
durch der Menschheit geleistete Dienste verewigen. Ihre Geflligkeit gegen
sie, kennt man bereits zur Gnge. Man wird sich nicht befremden, da Sie,
zum Tempel des Ruhmes zu kommen, diesen Weg gewhlet haben.

Wie viel man nicht von dieser Menschheit redet! Unsre philosophischen Tage
geben ihr ein so herrliches Licht! Sie sehen sie von Stockholm bis
Lissabon, von den Grnzen des Mogol bis London sich mit so groem Glanz
entwickeln. Es sind nur eben sieben volle Jahre, whrend deren wir uns mit
aller nur mglichen Artigkeit, und Leutseligleit herumgeschlagen haben; und
alle Menschen, welche diese ganze Zeit hindurch in den Land- und
Seegefechten verstmmelt, erschossen, gebraten, oder zermalmet worden,
beliefen sich doch nicht hher, als auf eine Million.

Die Krankheiten, Mhseligheiten, und Siechenhuser nahmen ihrer nicht mehr,
als zwo Millionen weg. Von Berlin an der Spree bis Villa-Veilha, an den
Gestaden des Tagus, rechnet man nicht ganz zwanzig tausend Quadratmeilen,
die in jedem Betrachte mit fnfzehn oder zwanzig Millionen zweifssiger
federloser Geschpfe verwstet, und von Helden in Jammer oder Verzweiflung
gebracht worden sind.

Unsre Untersuchungen htten in keiner Zeit erscheinen knnen, wo die
Menschheit grere Fortschritte gemacht htte. Unmglich htte man dazu
gnstigere Umstnde whlen knnen. Eilen wir also, sie ans Tageslicht zu
bringen; warten wir nicht, bis wieder die Barbarei zurckkehrt. Wollen wir
von ihren Rasereien gegen das Menschengeschlecht aus dem Zustande
urtheilen, in dem es sich in einem erleuchteten, und philosophischen
Jahrhunderte befindet, so wrden wir Gefahr laufen, auf der Erde keine
Menschen mehr zu finden, die uns anhren knnten.

Vergeben Sie mir, Frulein, wenn ich in der Folge dieses Werkes mich nicht
mehr an Sie verwende. Sie sind es, denen ich es zueigne; aber die
Menschheit ists, der sich es heilige. Ich hab es mit dem Unterrichte der
Vlker, mit der Heilung der Menschen von ihren Irrthmern zu thun. Es kmmt
darauf an, den Dienst der Venus zu reinigen, die gefhrliche Luft, die ihre
Tempel erfllt, zu zerstreuen, und sogar ihre Altre zu subern.

In der Behandlung der zur Erreichung dieses Zweckes nthigen Shnopfer,
werde ich nicht mehr von Ihnen reden; aber denken an Sie werd' ich
unaufhrlich. Ich werde dem Anscheine nach Ihre Reize aus dem Gesichte
verlieren; aber mein Gegenstand wird mich immer zur Gnge auf dieselben
zurckfhren.

Ich will mit aller Bedachtsamkeit untersuchen, welche Mittel uns zum Ziele
fhren knnten, die Macht des Feindes, ber den wir uns beklagen, zu
strzen. Es wird nicht bel gethan seyn, zuvor ein paar Worte von seiner
Natur und Geburt zu sagen. Ich werde bis auf seinen Ursprung zurckgehn,
und einen Auszug seiner Geschichte geben mssen. Die Medaillen dieser
Begebenheit bestehen noch; aber die Epoche derselben scheint in Dunkel
gehllt. Es wre sehr ntzlich, sehr rhmlich, wenn es uns, sie
festzusetzen, gelnge.

Uibrigens wird sie weder Befremden, noch Furcht befallen bei dem Namen
Kakomonade, dessen ich mich bedient habe, um diese grausame Feindinn
umzukleiden, sie, die ich mich nicht getrauet htte, anders zu nennen. Wahr
ist es, dieses Wort ist ganz griechisch; allein die Sache, die es
bezeichnet, ist ganz franzsisch, und also unseren Damen so wenig
unverstndlich, da sie viel mehr ein wichtiges Ingredienz guter
Gesellschaften ist. Uiber die sind Sie auch mit Leibnitzens Sprache
bekannt. Ich habe Sie gelehrt, was in dem Verstande dieses
unvergleichlichen Mannes eine Monade sey. Von Ihnen Ihrerseits habe ich
gelernt, diesen Namen durch das Beiwort Kako zu verlngern, das ich ohne
Sie nie erfunden htte. Sie werden mich also ohne Schwierigkeit verstehn,
und ich gehe ohne Besorgni zur Sache.




Erstes Kapitel.



Von der Natur der Kakomonade.

Was ist die Kakomonade? Wo kmmt die Kakomonade her? Zwo groe, und
erhabene Fragen! Lange schon haben trefliche Gelehrte die Tiefsinnigkeit,
und den Nutzen derselben gefhlet. Sie haben sich bestrebet, sie
aufzulsen. Vielleicht krnte ihre Bemhungen noch kein sehr glnzender
Erfolg; allein wenigstens fhrten sie doch uns auf diese Strasse. Nur an
uns liegt es nun, auf ihren Pfaden in dem Lande, das sie durchliefen,
fortzuwandeln, und, wenn wir knnen, darinnen weiter zu gehen, als sie.

Erste Beobachtungen haben sie gelehrt, da die Kakomonade ein Gift[*] sey.
Uiber den Sinn dieses Wortes in dieser Anwendung ist man nicht ganz einig.
Allein, wo man keine deutlichen Begriffe haben kann, da ists bei allen
Arten Wissenschaften viel, da man sich einen Ausdruck auffinde, der nichts
sagt. Man hat weit weniger Mhe, ihn auf alle mglichen Sisteme passend zu
machen, und daher ist die Kakomonade ein Gift.

[Funote *: (Anmerkung der Verleger). Im Manuskripte steht ein krftigerer
Ausdruck. Sicher ist er jener, der unter den Meistern dieser Kunst wirklich
gebraucht wird. Wir sehen ihn hier verhllet, und so bei, da man ihn nach
der zerstreuten Ordnung seiner Bestandtheile auch verkennen kann, wenn man
will. V. I. R. V. S. Wer seine Augen nicht darauf wenden will, hat die
Freiheit, ihn zu bergehen: wer ihn hingegen ohne Schaudern besichtigt,
kann ihn durchaus an die Stelle des Giftes setzen.]

Noch mehr: dieses Gift ist phlogistisch, korrosiv, gerinnend, und fix[*].
Phlogistisch, denn es verursacht Entzndungen. Als korrosiv greift es die
Haut an, frit sie auf, und trennt ihren Zusammenhang. Als gerinnend,
stillt es den Lauf der Feuchtigkeiten, welche die Natur zu freiem Umlaufe
bestimmet hatte. Endlich, weil es fix ist, lt, es sich so schwer
vertreiben. Und die ist die ganze Theorie von der Kakomonade, von einem
ihrer besten Historiker entwickelt. Sie ist, wie man sieht, deutlich,
bndig, und falich.

Die Quacksalber mischten sich manche mal ins Spiel, und gaben eine andre
an. So erschien Anno 1727 ein sehr berhmter zu Paris. Dieser behauptete,
alle menschlichen Schwachheiten, und die, mit denen wirs zu thun haben, wie
alle andere, wrden durch kleine Thierchen erzeugt, die sich ins Blut
eindrngen. Seinem Sisteme zufolge war das, was wir Arzneimittel nennen,
ein Kompositum von andern kleinen Thierchen, als unvershnlichen Feinden
der ersten. Diese jagten ihre Gegner tapfer fort.

[Funote *: Sieh die gelehrte Abhandlung des Herrn A * * de morbis
veneris.]

So war der Krper eines Kranken ein Schlachtfeld, wo Wunder der Tapferkeit
geschahen. Das Fieber fhrte darauf seine leichten Geschwader an; die
Kakomonade ihre gerinnende Infanterie. Bald sah man die Fakultt
heranrcken in schwerer Rstung, mit Bataillonen von Quecksilber, und
Chinarinde. Sie lie die verschiedenen Korps dieser frchterlichen Miliz
allmlig aufmarschiren. Man schlug sich lange mit Lebhaftigkeit herum, bis
die Thierchen der Chinarinde ber die des Fiebers die Oberhand erhielten,
oder bis die korrosiven Wrmchen durch die metallischen Insekten vertrieben
wurden, wenn anders nicht, welches zum ftersten geschah, sich das
Schlachtfeld selbst, unter dem Drucke von so heftigen Gewaltthtigkeiten
erliegend, in die Erde versenkte, welche Uiberwinder und Uiberwundene sammt
ihnen verschlang.

Hatte diese Idee keine Wahrheit zum Grunde, so war sie wenigstens
unterhaltlich. Aber die Steifheit der regierenden Doktoren hat sie
verbannt. Entrstet, da sie sich durch sie dahin gebracht sahen, nichts
weiter, als die Obersten ber ein Regiment Sensbltter und Rhabarbar zu
sein, machten sie allen diesen kleinen Armeen, die man ihnen anzufhren
gab, den Garaus. Sie wollten lieber die Oberhupter einiger blinden
Krperchen bleiben, als zahlreiche und beseelte Legionen kommandiren. Sie
wollten die Harmonie in den Feuchtigkeiten dem Zufalle lieber mit ganz
materiellen Werkzeugen, als nach einer guten Ordnung, unter einer Bedeckung
von thtigen, wohldisziplinirten Truppen einrumen. Heit das nicht, wie
man ihnen vorwirft, die Unthtigkeit der Bewegung, den Tod dem Leben
vorziehen?

Man kann dieses System nicht genug bedauern: es htte Gelegenheit zu den
unterhaltendsten Hypothesen gegeben. Die Metaphysik, die Physik, die
Philosophie und Arzneykunde haben ungereimtere, aber keine angenehmere
aufzuweisen. Indessen mu man sich ber dessen Verlust eben wohl trsten,
und sich mit einer Menge grosser Mnner daran halten, nmlich, da die
Kakamonade ein korrosives, gerinnendes, phlogistisches, und fixes Gift sey.




Zweites Kapitel.



Vom Ursprunge der Kakomonade.

Vom Ursprunge der Kakomonade sind wir nicht sowohl unterrichtet, wie von
ihrer Natur: die Wirkung kennen wir besser, als die Ursache. So viel ist
gewi, da jene heut zu Tage nur das Resultat der Vergemeinschaftung mit
einer unbehutsamen, oder unglcklichen Person ist. Den Keim davon bringen
wir nicht schon bey unserer Geburt mit. Die Natur gab uns nur blo das
Vermgen, ihn anzunehmen.

Dennoch mu sie sich einstens in dem ersten Menschen, der sich davon
ergriffen fhlte, von selbst hervorgebracht haben. Da Gott, da er den Adam
schuf, ihn nicht aus seiner Hand damit ausstattete, ist wohl auer Zweifel.
Das hchste Wesen bildete ihn zur Zeugung, und gab ihm somit so gesunde, so
vollkommene Organe, als es seine Bettgenoinn nur wnschen konnte.

Trug sich diefalls hierinn eine Vernderung zu, so ists wahrscheinlich ein
unglckliches Individuum von seiner Nachkommenschaft, das die Erstlinge
derselben bekommen haben wird. Aber was kann von dieser sonderbaren
Entwicklung die Ursache gewesen seyn? Die Luft? die Nahrungsmittel? oder
der Mibrauch des Vergngens?

Das Klima derjenigen Lnder, die man fr das Vaterland der Kakomonade
ansieht, ist nicht ungesnder, als das in den Gegenden, wo sie sich nur
durch den Vorschub der Menschen eingeschlichen hat. Ihre Produkte, weit
gefehlt, da sie gefhrlich wren, so sind sie fr uns vielmehr sichere
Hilfsmittel gegen manche Krankheit; und die Ausgelassenheit ist nur eine
Tochter der Prasserei und des Reichthums. Nun wute man von diesen beiden
Geieln unseres Geschlechtes gewi nichts in jenem Lande, wo wir unsere
Geiel holten, welche in dem unsrigen oft auf sie folgt, und sie bestrafet.

Dennoch sind diese drei Ursachen, die einzigen, welche auf ihre Entstehung
Einflu gehabt haben knnen. Jede derselben fand warme Vertheidiger. Einige
sagten, die Luft allein sei genug gewesen, in der Insel Hispaniola das Gift
hervorzubringen, das heut zu Tage in allen andern Lndern die Zeugungen
angreift; allein es ist einleuchtend, da sie sich geirret haben.

Seit zweyhundert Jahren, und darber, giebt die Erfahrung den Beweis, da
man zu San Domingo diese Frucht nicht anders rnte, und se, als wie in
Frankreich. Sie wchst dort, wie hier, im Schooe des Vergngens. Man
behlt da ein freyes, reines Blut, so lange man sich begngt, frische Luft
zu schpfen. Htte diese ja was Pestisches an sich, so wrde sie es seit
der Eroberung den Europern eben sowohl, als den Eingebohrnen des Landes
haben zu fhlen gegeben. Die findet sich nicht, und also ist dieses Sistem
nicht anzunehmen.

Andere behaupteten, diese Eigenschaft wre ausschlielich den
Menschenfressern vermge ihrer Nahrungsmittel gegeben, gleich als ob das
menschliche Fleisch schon von selbst ein Gift wre. Die Vlker, welch
dergleichen minder hfliche Feyerlichkeiten halten, sind viel seltener, als
man sichs einbildet. Uiberdies mu ihnen ihre Lebensart viele Strke, und
hiemit Gesundheit geben. Daher es denn sehr ungereimt ist, zu denken, da
ihr Fleisch, wenn es durch den Magen ihrer Feinde wandert, da die Kraft,
sie zu vergiften, annehmen knne.

Zwar wre dieses eine ziemlich erlaubte Rache; allein, wenn man am
Bratspiee steckt, pflegt man sich nicht mehr zu rchen. Sollte der
Hinterschlgel eines Karaiben den ehrlichen Leuten, die sich einander damit
beschenkten, Nachwehen haben erregen knnen, so mten nur die ihm
benachbarten Theile sich nicht in gutem Stand befunden haben; ein Umstand,
der, wie man sieht, die Schwierigkeit nicht aufhebt.

Ein geschickter Arzt hat in einem dicken Buche ber diesen Gegenstand das
dritte Sistem ergriffen. Seiner Meinung nach ist es das Uebermaa der
Vergngungen in warmen Lndern, und die wenige Wahl in den zu derer Genue
geeigneten Augenblicken, welche die Kakomonade auf der Welt eingefhret
haben. Er erzhlt ber diese Materie sehr sonderbare Geschichten.

Die Weibsleute im Knigreiche Melinda, sagt er nach Tavernier, sind
einmal im Monate so gefhrlich, da, wenn ein Europer das Unglck hat,
sich an einem Platze aufzuhalten, wo eines derselben in dieser fatalen Zeit
gepisset hat, er davon das Fieber, Kopfschmerzen, und manchmal die Pest
bekommt. Ich gestehe, da ich die Stelle las, wnschte ich von
Herzensgrunde, es mchte sich nie ein melindisches Frauengimmer beigehen
lassen, sich unter meinem Fenster aufzuhalten.

Zum Glcke gesteht H. A., da er diesen Zug anfhrt, selbst ein, da er auf
unsre Klima nicht passet; dennoch beharret er nichts destoweniger auf der
Meinung, da zwischen dem Ursprunge der Kakomonade, und zwischen dem
pestischen Einflusse dieser gebrunten zanguebarischen Schnheiten ein sehr
genaues Verhltni Statt haben me. Er besteht hartnckig auf der
Behauptung, da dieser der zureichende Grund des andern war. Man kann auch
in seinem Werke selbst sehen, mit welcher Strke und Bndigkeit er darber
rsonnirt.

Nur ist es wunderbar, da man durch das Gebude hnlicher Sisteme dahin
kommt, die Kakomonade zu verbannen; wie wenn die barbarischen Worte, mit
denen man sie erklrt, helle, und unbestreitbare Wahrheiten bedeuteten.

Just so berechnet man die Finsternien, indem man die Planeten als kleine
Theilchen betrachtet, welche die Sonne ausschneuzte, da zur Zeit der
Schpfung ein grosser Komet an derselben sich rieb. So bentzt man den
Kompa durch die Erklrung der Abweichungen seiner Nadel, die an einem Ende
mit dem Magnete bestrichen ist. So ermdet man nicht, in dem Magen einen
guten Saft hervor zu bringen, unter bestndigem Streite, ob er durch
Auflsung, oder Ghrung, oder Vertreibung entstehe.

Man mu es gestehen, wir haben leicht machen. Die Fortschritte des
menschlichen Geistes in jeder Art stecken sich selber ihre Grnzen aus:
eine Wahrheit, ber die sich nicht streiten lt. Allein so einleuchtend
sie ist, so mu mans nicht bey ihrer Erwgung bewenden lassen; man mu
nicht unterlassen, in den Kalender zu sehn, wenn man den Sonnenstand wissen
will, und auf den Kompa, wenn man die Ksten aus dem Gesichte verlohren
hat. Man mu nicht anstehn, seinen Magen zu fllen, wenn man hungerig ist,
und sich an die Zubereitung des Quecksilbers zu wenden, wenn man einer
Aehnlichkeit zwischen unserm Klima, und jenem von Amerika gewahr wird.




Drittes Kapitel.



Ob wir das Recht haben, bei der Betrachtung der Uebel, die uns die
Kakomonade verursacht, uns ber die Natur zu beklagen.

Wenn ja irgend etwas dem Anscheine nach den Menschen das Recht geben kann,
ber die Natur zu murren, so ist es gewi diese Geiel, mit welcher sie sie
schlgt. Sie hat sie mit Vergngungen vereinbart, von denen sie die
Fortdauer ihres Geschlechtes abhngen lt. An die Seite der grten aller
Reizungen hat sie die grte aller Gefahren gestellet. So setzte sie uns
auf den Zweiweg, entweder ihre Absichten nicht zu erfllen, oder dafr, da
wir sie erfllten, immer in der Furcht zu sein, bestrafet zu werden.

Bei den andern Empfindnissen hat sie die Strafe wenigstens nur mit dem
Uibermaae verbunden. Der Wein macht kein Kopfweh, auer man trinket
zuviel. Der Magen leidet nicht, so lange man mig it. Das Auge wird nicht
verwundet, auer es heftet den Blick an zu schimmernde Gegenstnde.

Aber das nothwendigste, das schtzbarste Sinnglied, das Sinnglied, welches
dem Menschen eines der Gerechtsame der Gottheit mittheilt, die ist eben
dasjenige, dessen auch miger Gebrauch die grte Reue, und das
empfindlichste Nachweh, verursachen kann. Nur einen Augenblick braucht es,
um das ordentlichste Leben zu vergiften.

Das hchste Wesen, sagen die Dichter, hat das Gute und Bse in zwoen Tonnen
bei sich. Aus diesen schpft es mit vollen Hnden, so wie ihm die Laune
kmmt, die Geschenke, die es unter unser kleines Ameisenhufchen austheilt.
Die Kakomonade war unstreitig mit von den Hefen in der Tonne des Bsen; und
an dem Tage, wo wir sie erhielten, leerte Jupiter das eine seiner Fsser
aus.

Dennoch mssen wir, bevor wir gegen die Natur Klage stellen, und sie
ungerecht nennen, einen Blick auf die Geschichte werfen. Htte diese
zrtliche Mutter die Absicht gehabt, uns die Geiel, ber die wir seufzen,
zu ersparen; htte sie sich bestrebt, sie in einem kleinen Winkel eines
unbekannten Landes zu verbergen; htte sie zwischen uns, und dieses
traurige Land fnfzehnhundert Meilen strmische Meere geworfen; htte sie
sich Mhe gegeben, uns alle erdenklichen Mittel, dahin zu kommen, zu
entziehn; so wren wir ihr fr so weise, so liebvolle Vorsichten unsre
Dankbarkeit schuldig.

Htte in der Folge blo unser unruhiger Geist diese Vorsichten vereitelt;
wren wir mitten durch fast unberwindliche Hindernisse zu dem bittern
Becher, der das Gift, wovon sie uns abhielt, in sich schlo, eingedrungen;
wre es wahr, da, wir geeilet htten, darinnen unsere Lippen zu netzen,
ungeachtet aller der schrecklichen Gegenstnde, die uns davon htten
entfernen sollen; so wrde ganz gewi von unserer Seite die Natur keinen
Vorwurf verdienen.

Wir allein wrden strafbar seyn, da wir ihre Verordnungen verletzt htten.
Wir wrden billig gestrafet werden, da wir ein Geheimni entdecket htten,
welches ihre Nachsicht uns verbergen wollte. Die nun wird uns die
Geschichte lehren. Da werden wir vielleicht die Rechtfertigung der
Vorsehung erblicken.

Die Erzhlung der Begebenheiten der Vorzeit wird uns zeigen, wie sehr sie
fr uns ob der Unglcksflle besorgt war, die uns nun drcken. Wir werden
gezwungen seyn, einzugestehn, da, um uns so unglcklich zu machen, als wir
es sind, wir sie in ihrem letzten Wehrplatze dazu nthigen muten. Wir
werden bekennen, da ihre Sorgfalt hinlnglich gewesen wre, um unsere Ruhe
zu grnden, wenn nicht unsre Vermessenheit in jeder Art weiter gienge, als
ihre Gte.




Viertes Kapitel.



Ob die Alten die Kakomonade kannten?

Man hat sich gewaltig ermdet, die eigentliche Epoche dieser Begebenheit
aufzufinden. Die Kakomonade hat in mehr als einem Verstande die Geduld, und
den Scharfsinn der Kommentatoren auf die Probe gesetzt. Einige davon eignen
die Ehre, sie auf uns gebracht zu haben, den Griechen und Rmern zu. Sie
sehen sie in geraden Linien aus Asien in Europa, von Athen nach Rom, aus
Wlschland in Frankreich bergehn.

Sie legen ihr verschiedene Masken bei, derer sie sich nach und nach bedient
habe, bis sie auf diejenige kam, in der sie bei unsern Tagen erscheint.
Ihrem Sisteme zufolge mute sie sich bei dieser wohl befunden haben; denn
sie trgt sie schon in die dreihundert Jahre, ohne da sie zu abgentzt
schiene. Doch, man mu gestehn, da diese Meinung nicht zuzugeben sey. Man
sieht offenbar, da die Alten, glcklicher und weiser, als wir, oder
wenigstens den Absichten der Natur getreuer, nie die Strafe empfanden, die
wir erdulden.

Homer ist genau, sogar bis zu Kleinigkeiten. Er brachte in sein Gedicht
alles, was er von der Medizin, Anatomie, Geographie, und Physik wute. Er
berichtet uns, da man zu seiner Zeit ein Leckergetrnk aus in Wein
geriebenem Kse machte. Er spricht oft von der Venus. Er erzhlt, wie sie
Diomedes mit einer Lanze tief verwundete. Htte er an dieser Gttinn das
Geheimni gekannt, das sie seit dem in Amerika besa; ohne Zweifel htte er
sie davon Gebrauch machen lassen, um sich an dem Helden zu rchen. Er htte
den Gott Merkur mit seinen goldgeflgelten Fssen aufgefhrt, wie er sie
mit der Heilung beschftigte.

Diese Allegorie wrde nicht die unsinnreicheste seines Gedichtes gewesen
seyn. Sie wre uns soviel richtiger gewesen, da Merkur wirklich von der
Gegenpartei der Venus war. Kann man wohl glauben, da dieser gttliche
Dichter die Gelegenheit versumet htte, sie an den Ufern des Simois
Angesichte der Griechen und Trojaner sich schlagen zu lassen? Wre das
nicht eben der Fall gewesen, wo er htte vorstellen knnen, wie die Erde
und das Meer in der Erwartung des Erfolges erschttert wren, und die ganze
Natur bei dem Anblicke eines Kampfes sich theilte, der ihr Schicksal
entscheiden sollte?

Wie Schade doch, da nicht Homer selbst in Person ber diese Materie auf
einer der zykladischen Inseln Erfahrungen machen konnte? Er htte seine
beiden Gedichte damit bereichert. Madame Dacier wre uns erschpflich
gewesen, in ihren Noten ber diesen interessanten Gegenstand. Eine derlei
Erdichtung, in die Iliade verwebt, wre fr die Kommentatoren der vorigen
und knftigen Jahrhunderte eine ewige Quelle von Zustzen, Anmerkungen, und
lehrreichen Geznken geworden.

Es ist offenbar, da es Homer angebracht haben wrde, wenn er es gekonnt
htte. Htten die Gtter oder die Menschen zu seiner Zeit die Kakomonade
gekannt, so wrde er davon gesprochen haben. Sein Stillschweigen ist ein
unstreitiger Beweis, da bei der Belagerung Trojens, und lange Zeit
darnach, Venus noch unschuldig war: sie lie sich selbst verwunden, ohne
wieder zu verwunden.

In den sptern Jahrhunderten lebten Hyppokrates, und nach ihm Galen in eben
der Unwissenheit. Das Quecksilber schien ihnen nur in Rcksicht seiner
Schwere, und seiner Flssigkeit ihrer Aufmerksamkeit wrdig. Die Helden,
derer Gesundheit sie zu regieren hatten, waren nicht vernnftiger, als die
unsern. Sie waren eben so lustig, eben so prchtig. Man hat uns das Detail
ihrer Thaten in jeder Art aufbewahret. Wir wissen, wie sie ihre
Liebesromane spielten, und wie sie ihre eisernen Lanzen schwangen. Aber wir
sehen nicht, da sie das andre Metall gebrauchten, zu welchem unsere
Krieger so oft ihre Zuflucht nehmen.

Csar war ohne Widerspruch ein groer Mann. Man nannte ihn den Ehemann
aller Weiber, und das Eheweib aller Mnner. Wren diese vorbergehenden
Beilager damal einem Ungefhr unterworfen gewesen; kann man wohl glauben,
da man, nachdem er derselben so viele gefeyert hatte, gefunden haben
wrde, da er damit nichts anders, als nur die fallende Sucht, gewonnen
habe?

Vom August sagt man wohl, da er sich oft vor dem Feuer frottiren lie;
dieses knnte verdchtig scheinen. Aber es war ein Striegel, womit man ihn
frottirte; und der ists nun nicht mehr. Er fand, wie Suetonius sagt, kein
anders Mittel, um seine Gesundheit zu erhalten, und seine Haut zu jcken.

Weder Tibor, noch Kaligula, noch Nero, noch alle jene Wunder der Geilheit,
denen die Beherrscherinn der Nazionen so lange unterworfen war, haben sich
je des Quecksilbers gebraucht. Man sieht keinen, griechischen, oder
rmischen Dichter, seine Kraft besingen. Sogar diejenigen, die sich durch
ihre Ausschweifungen verewiget haben, nennen keine Strafe, die mit ihren
Unmigkeiten verbunden gewesen wren.

Ovid, in seiner Kunst zu lieben, zeigt alles an, was man von der Seite
einer Buhlinn zu frchten haben kann, er spricht von den Gefahren, die mit
dem Umgange mit einer herumstreifenden Schnen verknpfet sind. Ohne
Zweifel war hier der Augenblick, der Kakomonade, wenn sie auf ihn gekommen
war, eine Stelle einzurumen. Indessen sagt er kein Wort davon.

Horaz entrstet sich ber einen Knoblauch, der ihn in die Zunge gebissen.
Htt' er wohl vergessen, in einer schnen Schreibart eine Verwnschung auf
das Quecksilber zu machen, wenn er davon gejckt worden wre? Voll
Nervigkeit, und ohne Umschweife sagt er einem alten Mtterchen Grobheiten,
die sich die franzsische Politesse nicht einmal zu Sinne kommen lassen
kann; htte er ihr nicht die Kakomonade angewnscht, wenn sie zu seiner
Zeit bei guten Gesellschaften im Gebrauch gewesen wre?

Eben das kann man von den Tibullen, den Katullen, den Gallussen sagen,
welche die schdlichen Orte besangen, und besuchten, und also ohne Zweifel
die Gefahren derselben, wenn sich deren gefunden htten, beweinet haben
wrden. Sie theilten in sanfter Ruhe sich in die Gunstbezeugungen ihrer
Mtressen mit dem Publikum; und klagten sie zuweilen ber ihre
Unbestndigkeit, so kam es nicht daher, weil sie fr sie unangenehme Folgen
gehabt hat.

Es ist daher klar, da die Korinnen, die Lesbien, die Lykorissen, sonst
weit unter den, * * * und den * * *, diesen dennoch in einem Punkte
berlegen waren. Es bedurfte vielleicht nicht grerer Mhe, um sie sich zu
unterwerfen; aber gewi weniger, um sie zu vergessen. Wenn man sich an ihre
Gunstbezeugungen erinnerte, so dachte man nur an das Vergngen, sie
genossen zu haben. Man suchte keine Spezifika auf, um leichter das
Gedchtni zu verlieren, und man sah keine heilreichen Geschpfe mit ihren
Rezepten die Mauern Roms tapeziren.




Fnftes Kapitel.



Ob Job mit der Kakomonade in einem persnlichen Verhltnisse stand?

Da man dieser Heldinn die Ehre nicht zueignen konnte, mit den Helden der
weltlichen Geschichte zu thun gehabt zu haben, so gab man sich Mhe, sie
dadurch zu entschdigen, da man sie unter die Helden der heiligen
Geschichte aufnahm. Ein erlauchter Benediktiner verfate ihr einen sehr
ehrwrdigen Stammbaum. Er schreibt ihr eine sehr nahe Verbindung mit dem
berhmten Job zu, und lt in gerader Linie sie von demselben absteigen.

Ohne Zweifel wrde man nicht erwartet haben, diesen Zug seiner Erudizion in
einem Kommentar ber die Bibel zu finden. Inde, da der Jnger des heiligen
Benedikt so eine Materie in einem ganz zur Erbauung bestimmten Buche ohne
Skrupel behandeln konnte; mu man mirs erlauben, in dem meinigen seine
Schlsse auseinander zu setzen. Wenn so ein Gegenstand unter seiner Feder,
und an der Stelle, wohin er ihn setzte, kein Skandal verursachet hat, mu
man sich nicht befremden, ihn hier zu erblicken, wo er sich viel
natrlicher findet.

Der gelehrte Bruder Dom Calmet also, setzte in die Reihe der Ahnen der
Kakomonade den tugendhaften Job, der sie seiner Seits von seiner Frau
hatte, und die sie ohne Zweifel vom Teufel bekommen haben mochte. Aber
wahrhaftig, es wre wirklich genug fr einen so heiligen Mann, da er eine
so bse Frau gehabt hat; wozu die Vermuthung, da er ber die Verhhnungen
von ihr auch noch ein ander Ding empfieng?

Es ist wahr, er sa auf einem Misthaufen, und fhlte sich seine Sfte nicht
recht in Ordnung. Er sagt selbst, sein Fleisch wre mit Geschwren bedeckt,
seine Haut wre ganz ausgedrret, sein Blut wre geronnen wie Kse; welches
nach Hrn. A. -- -- -- -- mit den drei Hauptsimptomen bereinkmmt, von
welchen er uns seine Beschreibung gemacht hat.

Wahr ist auch, da, um den Job zu trsten, drei von seinen Freunden sieben
Tage und sieben Nchte lang, ohne nur ein Wort zu sprechen, bei ihm
blieben.

Wahr ist ferner, da nach diesem langen Stillschweigen Eliphaz, einer von
ihnen durch Seitenwendungen seinen lieben Freund beschuldigt, er habe sich
der Ungerechtigkeit ergeben, und den Schmerzen geset, dessen Frucht er nun
rnte. Er wirft ihm in figrlichen Ausdrcken vor, er habe Huser von Koth
geliebt, derer Grundfesten nichts taugten, und habe da etwas sehr dem
Aussatz hnliches erbeutet.

Unterdessen erweist dies alles noch nicht, da der Teufel vor vier tausend
Jahren nach Amerika reiste, sich da ein Krnchen von der Kakomonade zu
holen, um damit einen armen Tropf van Kalder zu inokuliren. Man sieht
wohl, da die Krankheit desselben korrosiv, phlogistisch und koagulirend
war; aber es ist ja doch nicht ausgemacht, da diese drei Eigenschaften
ausschlielich nur mit einer einzigen Art Mibehagens verknpft sind.

Wrde wohl der Geschichtschreiber Jobs vergessen haben, vom Gifte zu
sprechen, wenn ers damit zu thun gehabt htte? Wrde er nicht den
Standpunkt der Krankheit angezeigt haben? Er berichtet uns, da der
Leidende seine Wunden mit Scherben trocknete. Ich berufe mich auf alle,
welche zu unsern Zeiten ihre eigene Erfahrung in derlei Fllen aufgeklret
hat, ob sie sich je beygehen lieen, so eine Scharpie zu brauchen.

Ueber die scheint es nicht, da sich Job der Bestrafung, von der die Rede
ist, ausgesetzt habe. Seine innigsten Freunde, nachdem sie ihm allerley
Unbilden gesagt, und ihren stummen Trost gegeben hatten, gestehen ein, da
er mit unverheuratheten Frauenzimmern wenig zu schaffen hatte: Viduas
dimisisti vacuas; woraus erhellet, da er ein behutsamer Mann war.

Er selbst ruft auf: wo ist die Zeit, da ich meine Fe wusch? wo ich ber
mein Haupt meine Leuchte setzte? wo die Jugend, wenn sie mich sah, vor
Schaam sich verbarg? Wo die Greise vor Verwunderung stehen blieben? Hat
sich da mein Herz um ein Weib betrogen; habe ich getrachtet, mich in eine
Thre zu schleichen, die meinem Freunde gehrte; so mge meine Gattinn die
-- -- -- eines andern werden; mgen alle meine Nachbarn -- -- -- -- ! --
Wahrlich! das ist gar nicht die Sprache eines Ausschweiflings, der verdient
htte, an den Schtzen von Amerika Theil zu haben.

Was den Kommentator hintergangen haben kann, mag dieses seyn, da dieses
Muster der Geduld bekennt, da die Fulni sein Vater, und die Wrmer seine
Mutter, und seine Schwester seyn. Der gelehrte Benediktiner glaubte
vermuthlich, die Kakomonade konnte in so einer Familie wohl an ihrem Platze
stehn. Allein das ist nur eine Wahrscheinlichkeit; und sie ist nicht
wichtig genug, uns zu bestimmen, da wir denken sollten, Job habe sich
jemal in dem Falle befunden, der Fligkeiten des Barometers zu bedrfen.




Sechstes Kapitel.



Ob der Aussatz mit der Kakomonade einerlei Ding gewesen?

Leute, welche in der Geschichte der Kreuzzge sehr bewandert sind, weil sie
sahen, mit welcher Hitze diese ungestmmen Krieger auf dem Schutte von
Jerusalem die Tchter der Sarazenen geschndet haben, und ber die
ungehalten ber den Anblick, da das Reich der Kakomonade so beschrnkt
seyn sollte, kamen auf den Gedanken, ihr zum Wohnplatze Palestinen
anzuweisen. Sie wollten sie mit dem Aussatze vermengen, der, wie man weis,
der ganze Nutzen war, den man aus den auferbulichen, aber grausamen
Feldzgen des zwlften und dreizehnten Jahrhunderts davon trug.

Der Aussatz war eine kleine Unplichkeit, die sich ber die Haut
verbreitete. Er vernderte ihre Farbe, ohne doch Narben nachzulassen. Er
bersete die Auenseite des Leibes mit grossen Blasen, die in der That so
wei waren, wie der schnste Alabaster, die aber nur ein heftiges Jcken,
und eine starke Begierde verursachten sich zu kratzen.

Er war weder unter den Griechen, noch unter den Rmern, weder bei den
Galliern, noch Deutschen, weder bei den Asiaten, Persern, Siriern &c.
bekannt; sondern er scheint eine ausschlielich eigene Krankheit in
Palestina gewesen zu seyn. Die Einwohner dieses Landes allein sind es,
welche die Natur selbst mit diesem Vorzuge ausgestattet hatte, wobei sie
ihnen zugleich das Vermgen lie, ihn den vorwitzigen Proseliten, so, wie
die Beschneidung, mitzutheilen.

Die Juden hatten schon die Gewohnheit, unter bestndigem Kratzen, in die
verschiedenen Gegenden der Welt herum handeln zu gehen; allein sie scheinen
nichts auer ihren Waaren unterlassen zu haben. Sie waren schon damal eben
so suisch, eben solche Wucherer, eben so verachtet, wie sie es heutiges
Tages sind. Sie waren die einzigen, denen die Religion aus der Reinlichkeit
eine Pflicht machte. Sie waren die einzigen, die sie vernachligten; und
nur bey ihnen allein auch fand man Menschen, welche mit weissen Flecken,
die den Ktzel reizten, berdecket waren.

Entgegengesetzte Sitten sicherten die Fremden vor den Folgen, welche ein
ordentlicher Umgang mit dieser Nation haben knnte; Die Rmer verbrannten
den Tempel, erwrgten die Priester, schleiften Jerusalem, und hatten
dennoch keinen Theil an diesem Jucken: der hufige Gebrauch des Bades, und
die Reinlichkeit, auf welche sie grosse Stcken hielten, verwahrte sie
davor.

Sie giengen nach Europa damal ber, als unsere Vorfahren sich im Jordan zu
waschen giengen. Sie giengen bei dem Oelberge sich die Brust zu schlagen.
Sie blieben kurze Zeit, aber doch lange genug, um so gut, als die Kinder
Israel, sich kratzen zu lernen. Sie kamen nach Frankreich zurck ganz
bedeckt mit Palmen und Aussatz.

Da sie viel schwitzten, sich selten badeten, und ihre Oekonomie ihnen nicht
erlaubte, fters ihre grobtchenen Kleider zu waschen, so bermachten sie
auf lange Zeit ihrer Nachkommenschaft die Gewohnheit, einen milchfrbigen
Grind an der Haut zu tragen, und ihn fein manierlich mit den Fingerspitzen
zu kratzen. Die war damal der Wohlstand der Leute von feinerer Welt, wie
heut zu Tage einen Taback zu prsentiren, oder mit den Stockqustchen zu
spielen.

Der allgemein gewordene Gebrauch der Leinwand machte, da diese kostbare
Gewohnheit verschwand. Sie erneuert sich nur noch an gewissen
vorbergehenden Ungemchlichkeiten, wie zum Beispiel in der P -- -- -- der
grssern Gattung. Man knnte sie sehr billig fr einen Abkmmling, oder
wenigstens fr eine sehr nahe Verwandte des Aussatzes halten. Und hiermit
ists alles, was uns die Geschichte von dieser Krankheit, welche die
Kreuzzge in Europa so empor gebracht haben, berichtet.

Nach den Merkmalen, die sie karakterisiren, kann man sie durchaus mit der
Kakomonade nicht vermengen. Die weissen Flecken, das Jucken begleiten diese
nicht; und es scheint auch nicht, da sie sie je begleitet haben. Wenn
diese einiges Jucken verursacht, so ists innerlich, und ein wenig an den
Lenden; zeigt sie sich von auen, und nimmt eine Farbe an, so wei man zur
Genge, da es nicht die ihrer Wesenheit nach der Jungferschaft geheiligte
Weie ist.

Weiter, so griff der Aussatz nicht die Erzeugung an. Wenn er ihr nicht
gnstig war, so ist wenigstens gewi, da er ihr keinen Schaden that. Es
scheint sogar, da er die Zeugungsorgane strkte. Es gab in dieser Zeit
Frauen, die es nach jenen der Ausstzigen lsterte, und man sah sich das
Sprichwort bewhren, das Sprichwort: Unglck ist doch zu etwas gut.

Man liest in einem gereimten Gedichte des zwlften Jahrhunderts diese zween
Verse:

   Felix, atque ortu vere dicenda beato,
   Vivere qu potuit leproso juncta marito.

Indessen das Gesetz verordnete, diese armen Leute aus ihrem Hause zu jagen,
bestrebte sich so die Natur, ihnen die Mittel zu bieten, wie sie da mit
Ehren bleiben konnten. Die ist nicht das einzigemal, wo die Gesetze und
die Natur sich mit einander im Widerspruche fanden.

Ein sehr berhmter Arzt hat durch einen schnen Schlu erwiesen, da von
dem Aussatze diese Wirkung nothwendig erfolgen msse. Die Kakomonade hat
diesen Vortheil bei weitem nicht. Man kann also schlieen, da sie
miteinander nichts gemein haben.

Die einzige Aehnlichkeit, die ich an ihnen sehe, ist, da sie alle beide
nach eben so ungerechten, als blutigen Feldzgen in Europa berpflanzet
worden sind. Die Kreuzzge, und die Verheerung der Insel Hispaniola sind
die Epochen der zwoen grten Plagen, mit denen das Menschengeschlecht seit
der Erbsnde her in Europa heimgesucht worden ist. Es scheint, ob htte die
Natur den Lndern, die wir usurpiren wollten, vorsetzlich um uns zu strafen
etwas mitgetheilet, womit sie das Blut ihrer unbarmherzigen Eroberer
anpesten sollten.

Dennoch wird uns die Beispiel nicht bessern. Man spricht von unentdeckten
Lndern, von neuen noch unbekannten Welten an der Sderseite. Der Geiz ist
auf dieses ihm so schmeichelhafte Gercht schon aufgewacht. Man hat sich
gewagt, sie zu suchen. Die Nebel, und vielleicht das Mitleid der Vorsicht
haben uns ihnen bisher entzogen. Man darf alles welten; wenn wir sie je
entdecken, so fhren wir dort unsere Habsucht, und unsere Grausamkeit ein,
und sie beschenken uns zur Wiedervergeltung mit einer dritten Plage, womit
wir sehr sorgfltiglich unser Klima zu bereichern suchen werden.

Dem sei, wie ihm wolle; aus dem Vorhergehenden sieht man brigens, da die
Kakomonade in Rcksicht unser kein gar grosses Alterthum hat. Wie sehr man
sich auch bestrebt, die Ehre ihrer Geburt den frhern Jahrhunderten
zuzueignen; so setzen sich Vernunft und Wahrheit dagegen. Alle
Vernnfteleien, und alle Erzhlungen in dieser Hinsicht sind falsch. Keine
ist gegrndet, auer derjenigen, welche die Rckkunft des Christophorus
Kolumbus in Europa als den Zeitpunkt angiebt, in welchem die Vergngungen
der Liebe da gefhrlich zu werden begannen.




Siebentes Kapitel.



Ob gewisse Vorschriften, die eine groe Kniginn einem ordentlichen
Hause gab, die vorstehende Behauptung ber die Epoche der Kakomonade
umstossen knnen?

Bei der Unternehmung dieses wahrheitvollen Werkes machte ich mir die
genaueste Aufrichtigkeit zum Gesetze. Daher mu ich selbst jene Dinge
anfhren, die meinem Sisteme entgegen zu stehen scheinen. Nun scheint die
durch gewisse Vorschriften erschttert, die um das Ende des vierzehnten
Jahrhunderts von einer groen tugendvollen Kniginn einem erbaulichen Hause
gegeben worden sind. Ich hielt fr gut, sie vollstndig anzufhren, damit
jene, die etwa versucht werden mchten, sie zu lesen, sich desto besser
unterrichten knnten.


Vorschriften, welche die Kniginn Johanna die Erste, Kniginn beider
Sizilien, und Grfinn von Provence einem Mdchenkloster zu Avignon gegeben
hat.


1.

Im Jahre tausend dreihundert sieben und vierzig hat unsere gute Kniginn
Johanna erlaubet, in Avignon ein B -- -- -- zu erbauen. Sie will nicht, da
alle galanten Weibsleute sich in der Stadt ausbreiten; sondern sie
befiehlt, sich in dem Hause verschlossen in halten, und, um kennbar zu
seyn, auf der linken Achsel ein rothes Nestel zu tragen.


2.

Item: Wenn einem Mdchen eine Schwachheit zustie, und sie sich mehrere
erlauben will, so soll der erste Gerichtsdiener sie, unter dem Arme bei dem
Schlage der Trommel mit dem rothen Nestel auf der Achsel, durch die Stadt
fhren, und sie zu den brigen in das Haus einquartiren; Er soll ihr
verbieten, sich auer dem Hause in der Stadt sehen zu lassen, unter der
Strafe, da sie das erstemal heimlich gepeitscht, das zweitemal ffentlich
gepeitscht, und auf den Schub gegeben werden wrde.


3.

Unsere gute Kniginn befiehlt, das Haus soll in der Gasse der gebrochenen
Brcke, nahe am Kloster der Augustinerbrder bis zum steinernen Thore
erbauet werden, und an der nmlichen Seite eine Thre haben, wo Jedermann
hindurchgehen, die man aber doch mit einem Schlssel versperren, knne,
damit die Jugend die Mdchen nicht zu besuchen vermge, auer mit der
Erlaubni der btissinn, oder Vorsteherinn, die alle Jahre durch die
Brgermeister ernennt werden soll. Sie soll die Jugend ermahnen, kein
Aufsehens zu machen, und die Mdchen nicht zu krnken. Sonst wrde sie, bei
der mindesten Klage, die sich gegen sie erheben wrde, mit dem Schritte aus
dem Haufe, durch den Gerichtsdiener in Verhaft gefhret werden.


4.

Die Kniginn will, da alle Sonnabende die Superiorinn, und ein von den
Brgermeistern abgeschickter Barbier alle Mdchen, die sich in dem B -- --
-- befinden werden, visitiren soll; und findet sich eine darunter, fr
welche die Metier verdrliche Folgen gehabt hat; so soll diese von den
andern abgesondert, sie soll in einem abgelegenen Orte eingewohnt werden,
damit Niemand zu ihr knne, und man bei der Jugend gewisse Zuflle verhte.


5.

Item: So sich ein Mdchen fnde, das schwanger wrde, da soll die
Vorsteherinn wachen, da sie ihre Frucht nicht abtreibe; auch soll sie die
Brgermeister davon berichten, damit sie das Kind versorgen.


6.

Item: Die Vorsteherinn soll am Charfreitag, und Charsamstag, wie auch an
dem glorreichen heiligen Ostertag Niemanden den Eintritt in das Haus
gestatten, bei Strafe der Kassazion, und ffentlichen Stupung.


7.

Item: Die Kniginn will, da die Mdchen alle unter einander ohne
Znkereien und ohne Eifersucht leben; da sie sich nichts entwenden, und
sich nicht raufen, sondern sich wie Schwestern lieben sollen. So eine Klage
entsteht, so hat die Vorsteherinn sie unter sich zu vergleichen, und sie
sollen schuldig seyn, auf ihren Ausspruch sich zu beruhigen.


8.

Item: So ein Mdchen einen Diebstahl begangen hat, da soll die Vorsteherinn
sie das Gestohlene in Gte zurckgeben heien. Sollte sich die Diebinn der
Zurckgabe weigern, so wird sie das erstemal von einem Gerichtsdiener auf
einem Zimmer, im Rckfalle aber durch den Scharfrichter in der ganzen Stadt
gestupet werden.


9.

Item: Die Vorsteherinn soll keinen Juden annehmen. Im Falle sich einer
fnde, der sich durch List hineinsthle, und mit einem der Mdchen bekannt
wre, der soll eingezogen, und dann ffentlich durch die Stadt gepeitschet
werden.

                                * * *

Wenn man den letzten Artikel liest, so kann man nicht genug die Delikatesse
des Sammlers der Gesetze bewundern. Er wollte die unglubigen Juden eines
Hilfsmittels berauben, welches fr die glubigen Christen bereitet war.
Vielleicht wollte er diese verirrten Unglcklichen wie wilde Thiere
behandeln, die man mit Hunger und Durst bndiget. Das wre ein seltsamer
Weg, sie in den Schoo der Kirche zu fhren. Doch, man weis es ja; es gab
Jahrhunderte, wo man allerhand Wege einschlug, um das Herz des Menschen zu
unterjochen.

Wie Johanna diese so ntzliche Einrichtung machte, mochte sie beilufig
drei und zwanzig Jahre haben. Vielleicht wird man schwer glauben wollen,
da eine Prinzessinn von diesem Alter darauf bedacht gewesen sey, sich zur
Gesetzgeberinn einer derlei Stiftung zu machen. Aber, wenn man dabei
bedenkt, da diese schne Kniginn damal schon einen Ehemann, der ihr
mifiel, aufhngen lie; da sie dreien anderen, derer sie nach und nach
mde ward, das nmliche Schicksal bestimmte; da sie in der groen, Kunst,
sich so von eckelhaften Mnnern zu befreien, keine ihres Gleichen hatte,
als die Kniginn Maria Stuard, deren Tod den Umstehenden Thrnen erzwang,
und die ganze Christenheit auferbaute: -- so wird man weniger erstaunen,
da sich Johanna so frhzeitig mit den Vergngungen ihrer Unterthanen
beschfftigt habe.

Uibrigens waren die Gesetze, denen sie die Werkzeuge derselben unterwarf,
sehr weise; und es wre zu wnschen, da man sie berall annhme, und da
unter andern die Visitation nicht vergessen wrde. Denn die menschliche
Schwachheit scheint einmal doch von den Frsten einige Nachsicht, besonders
aber ihre Aufmerksamkeit auf die Erleichterung, die man ihr bereitet, zu
erheischen. Und sie sind auch im Gewissen verbunden, sorgfltig zu wachen,
um bei der Jugend gewisse Zuflle zu verhten.

Diese Untersuchung scheint dem, was ich bisher gesagt, zu widersprechen,
und die Epoche der Kakomonade frher anzusetzen. Wenn man schon seit dem
vierzehnten Jahrhunderte mit den ffentlichen Lustmdchen sich in Acht
nehmen mute, so folgt daraus, da auch ihre Waare schon eine koagulirende
oder korrosive Wirkung an sich hatte. Und so knnte man vermuthen, da sie
schon seit jener Zeit der Unbequemlichkeit unterworfen waren, die hier der
Gegenstand unsrer tiefsinnigsten Untersuchungen sind.

Unterdessen sieht man, wenn man es recht erwgt, da aus diesem Zuge der
Geschichte sich gegen meine Grundstze kein Widerspruch ergiebt. Brge
dafr ist mir der hochgelehrte Arzt, der mir einen Theil der seltsamen
Bemerkungen an die Hand gab, mit denen mein Buch bereichert ist. Er
beweiset bis zur Evidenz, da der vierte Artikel der Kniginn Johanna jene,
die mit mir gleich denken, nicht aus der Fassung bringen darf. Vor dem
fnfzehnten Jahrhundert konnten die Gegenstnde der Zrtlichkeit dieser
schnen Kniginn andern Ungemachen ausgesetzt seyn, als diejenigen sind,
die durch eine unbekannte Ursache auf San Domingo hervorgebracht wurden.

Man weis zur Gnge, da auch noch in unsern Tagen die Kakomonade nicht die
einzige gefhrliche Macht ist, welche an solchen Orten, wie jene waren, die
die Grfinn von Avignon in ihren Schutz nahm, herrschet. Nichts also kann
die Feste meiner Grundstze erschttern. Es ist evident, da bis zum Ende
des fnfzehnten Jahrhunderts die Vergngungen wenig ansteckend waren. Man
konnte sich ihnen noch ohne viele Furcht berlassen, als ein Italiner es
fr gut fand, die Kakomonade Europen, und durch Europen der ganzen Welt
mitzutheilen.




Achtes Kapitel.



Einfhrung der Kakomonade in Europa, und in Frankreich.

Dreihundert Jahre sind es, da uns ein Genueser das Glck verschaffte,
Amerika zu kennen. Man ist nicht im Stande, sich genug bei den Vortheilen
aufzuhalten, die uns daraus zugeflossen sind. Diese Entdeckung brachte uns
das Vergngen zu Wege, auf unsern Kleidern Tressen zu tragen, und um das
Dreifache mehr fr das Brod -- zu bezahlen. Seit diesem glcklichen
Augenblicke ists, da unsre Frauenzimmer Papageien, und unsre Matrosen den
Scharbock haben. Seit dieser Zeit fand man sich in Europa in den Stand
gesetzt, Jahr fr Jahr nach allen Regeln zweimal hundert tausend Menschen
zu erwrgen, anstatt, da zuvor die durch das Kriegs- und Vlkerrecht
gesetzgekrftigten Massakres sich hchstens auf beilufig sechzig tausend
beliefen.

Das erste Schiff, welches so, mit den Produkten der neuen Welt befrachtet,
in Spanien anlandete, erregte da ein allgemeines Erstaunen. Man ward nicht
mde, die Helden zu bewundern, welche so weit her, und mitten durch so
groe Gefahren, neue Quellen fr die Glckseligkeit des
Menschengeschlechtes geholet hatten. Man ward entzckt, da man die Frucht
ihrer Arbeiten erblickte.

Auf dem Verdecke, und an den fr das Auge angenehmsten Orten nahm man kurze
Gewnder von rothen Federn wahr, die mit dem Blute der Indianer gemalet
waren; Ohrringe, an denen die Spitzen der Ohren hiengen, von denen man sie
abgerissen hatte; Ringe, die man sammt den Fingern ihrer vormaligen
Besitzer mit bergefhret hatte; goldne Nasenringe sammt den Nasen, die
lange Zeit damit sich gebrstet hatten.

Die Argonauten des sechszehnten Jahrhunderts pochten mehr auf Muth, als auf
Geduld, um sich desto geschwinder den Schmuck der Karaiben zuzueignen,
raubten sie mit einem den Schmuck, und den Theil des Krpers, an dem er
befestiget war, ab. Alles, was die Ehre hatte, mit Golde bedeckt zu seyn,
blieb sammt seiner Zierde unter den Hnden der Sieger. Die geschah, um die
Zeit zu ersparen, mit welcher die Eroberer aller Jahrhunderte gewaltig
geizten. Diese Oekonomie both eine berflssige Ladung fr ein Schiff, das
nach Spanien kam, um da die Beute aus einem andern Welttheile auszukramen.

Whrend dieses Schauspiel alle Augen auf sich zog, ward man der Kakomonade,
die hinter so vielen kostbaren Gepcken verborgen lag, nicht gewahr. Sie
machte sich fertig, festen Fu zu fassen, und whlte sich schon ihre
Wohnungen mitten unter dem Haufen, der sie umgab. Sie hatte sich bald
ausgeschifft, und folgte dem Christoph und Martin Kolumbus bis nach Hofe,
wo eine tugendhafte Kniginn, Namens Isabelle, den Thron besa, von dem sie
so eben ihren Bruder herabgestossen hatte.

Diese weise Prinzessinn mit ihrem Gemahle, dem aufrichtigen, gromthigen
Ferdinand dem Katholischen, hatte dem Knige von Neapel, ihrem Blutsfreunde
geschworen, ihn zu beschtzen. In der Folge fanden sie, da es edler,
anstndiger, und gerechter wre, ihn auszuplndern. Sie lieen also zu
Barzellona zu diesem Felszuge ihre Trouppen die Schiffe besteigen.

Die Trouppen giengen unter Seegel mit einer ganz neuen Gattung von
Provisionen. Einen Hauptartikel davon machte die Kakomonade, ob sie gleich
in die Verzeichnisse der Proviantmeister nicht eingetragen war. Sie reiste
zu gleicher Zeit mit der Armee. In Italien, dessen Landesgebruche ihr
nicht gnstig waren, machte sie Anfangs schlechte Progressen. Aber zu ihrem
Glcke hatte sich Karl der Achte in den Kopf gesetzt, den heiligen Vater
Alexander den Sechsten zu Rom zu besuchen.

Jedermann weis, wie unntz, und prchtig dieser Feldzug war. Die
franzsischen Ritter entwickelten da den wunderbarsten und fruchtlosesten
Heldenmuth. Reienden Fluges brachten sie Mailand, Florenz, Rom, Neapel,
und die Kakomonade an sich; aber von allen Eroberungen, war diese letzte,
die sie am liebsten aufgegeben htten, die einzige, die ihnen blieb. Bei
ihrer Heimkehr, berpflanzten sie sie in ihr Vaterland, wo die franzsische
Galanterie sie mit allen Ehren empfieng; und die war beinah der einzige
Nutzen, der unsern Verfahren aus einem so herrlichen Feldzuge zuflo.




Neuntes Kapitel.



Verschiedene Reisen der Kakomonade.

Indessen die alte Bewohnerinn von Amerika sich so unter dem Gefolge einer
Menge wackerer Krieger den Eingang in Frankreich fnete; entwischte sie von
Zeit zu Zeit, um auch in den brigen Theilen der Erde Kolonien anzulegen.
Sie schwamm die Rhone hinunter um in der Themse zu ankern. Sie ma die
Pireneen zurck, um queer durch Spanien in Portugal zu eilen. Sie schifte
sich zu Lisabon ein, um von Goa Besitz zu nehmen, den sie gemeinschaftlich
mit der heiligen Inquisition noch behauptet.

Von Kadix reiste sie nach Fez in Mauritanien mit einigen Juden oder
Mahometanern, welche der religiose Ferdinand, der Katholische in seinem
Reiche nicht dulden wollte. Sie drang mitten durch die Sandberge von Afrika
bis zur Zone torrida ein. Sie wagte sich ohne Furcht unter jene
schrecklichen Weiber der melindischen Kste. Sie breitete sich aus von dem
Ursprunge des Senegal an bis zur Kafferei, und von Monomotapa bis an die
Mndung des Nil. Sie wurzelte berall mit den Jesuiten, die dem ungeachtet
nicht ihre eifrigsten Missionarien waren. Unermdet, wie sie, aber in einer
andern Art, fate sie geschwinder als sie in den betrchtlichsten
Wechselstuben Fu. Sie hinterlie einsichtige Faktoren, die sichs angelegen
hielten, die Anzahl ihrer lockeren Gesellen zu vermehren.

Mit mehr Bequemlichkeit begab sie sich durch Marseille nach Syrien und
Aegypten. Sie durchsuchte die morgenlndischen Handelspltze. Die eisernen
Gitter am Serail machten sie knirschen vor Zorn. Rthe berzog ihr das
Gesicht bei dem Anblicke von einem Haufen Menschengestalten, die, nicht nur
unfhig sie mitzutheilen, sie nicht einmal anzunehmen im Stande waren.
Unterdessen fand sie doch mittels der miethbaren Zirkassierinnen, die hier
nicht seltner, als anderswo sind, und mit denen das Gesetz Mahomets den
Umgang den Unbeschnittenen eben sowohl als den Glubigen gestattet, einen
Eingang bis zu den stolzen Muselmnnern von der Sekte Omars.

Liebreich bersetzten sie diese zu den Ketzern von der Sekte des Aly,
welche sie fhrten zu den Unterthanen des Mogul, die da anbeten den Brama
und den Visthnu, welche sich Mhe gaben, sie mit Binsen zu versehen, um sie
nach Makao und Nangazoni zu den Theologen des Fo und des Kaka zu
bersetzen.

Auf ihrem Wege stie sie an die Kste von Malabar. Sie nahm in den
Philippinen und Moluken unter dem Schatten der Ananas und Kokusbume
Erfrischungen zu sich. Sie nhrte sich da von Mukatnien, und Zimmet.
Nachdem sie so die Ende der Welt durchwandert hatte, betrachtete sie mit
Bewunderung den weiten Bezirk ihrer Macht.

Es giebt, sagte sie mit Entzcken, rothe und erzfrbige, milch- und
pomeranzenfrbige, aschgraue und kohlschwarze Menschen, und all das gehrt
mein.

Man findet ihrer, die mit dem Safte von Trauben, von Aepfeln oder von
Gerste, der durch die Ghrung sauerte, sich berauschen; andere, die mit
eben diesem Safte, den sie durch das Feuer distilliren, sich leckerhaft
vergiften; andere die einen braunen, und ungesunden Staub in die Nase
stopfen; andere, die mit Baumblttern Kalk fressen; andere, die ihre
Nachbarn stupen, oder erwrgen lassen; und all das gehrt mein.

Man sieht Weibsleute, die sich kaleinirtes Bley ber das Gesicht schmieren;
andre, die sich die Wangen, oder Arme mit Indigo, frben; andere, die ihren
Hals zeigen; andere, die nichts, als allein ihren Hintern blo tragen;
andere, die sich parfmiren, und frisiren, um Liebhaber an sich zu locken;
andere, die dieselben, wenn sie sich zu gewissen Zeiten bei ihnen
aufhalten, mit der Pest beschenken; und all das gehrt mein.

O tapfrer und berhmter Christoph Kolumbus! o ihr meine getreuen, und
vielgeliebten Kastilianer! ewiger Segen sey mit euch, die ihr mein
Geschlecht, wie den Sand am Meere, und meine Nachkommenschaft wie die
Sterne am Himmel vermehret habt. Mgen die Schtze, des Potosi fr euch so
unerschpflich werden, wie die meinigen! mchtet ihr unaufhrlich eben so
die Sttzen meines Reiches seyn knnen, wie ihr die ersten Verbreiter
desselben waret!

Nachdem sie sich so von ihrer Dankbarkeit, und von ihren Eroberungen
Rechenschaft gegeben hatte, begab sich die Kakomonade auf den Weg, um neue
zu machen, oder um die alten fester zu grnden; Das Fuhrwerk, dessen sie
sich bediente, war sanft. Kein Wunder, da sie nach so langwierigen, und so
schnellen Reisen dennoch im Stande war, nach Frankreich zurckzukommen, das
sie zum Mittelpunkte ihres Reiches bestimmet zu haben schien.

Man mu nicht vergessen, da sie bey jeder ihrer Wanderschaften die
Kleidungsart, und den Namen der Nation annahm, von welcher sie abreisete.
In Frankreich war sie eine Neapolitanerinn, zu Neapel und Madrid eine
Franzsin, zu Lisabon eine Kastilianerinn, zu Nangazaqui eine Portugiesinn,
zu Ispahan eine Trkinn, und zu Konstantinopel[*] wieder eine Franzsinn.
Vielleicht giebt es nichts so schnes, als der Anblick ist, wie sie ber
Gebirge und Meere setzte, sich vom Adamspik auf die Spitzen des Imaus
schwang, und von den Ufern von Kalifornien nach Madagaskar flog. Wir
glaubten, da dieses Schauspiel wenigstens sein Kapitel verdiente.

[Funote *: (Anmerkung der Verleger.) Wir drfen nicht bergen, da dieses
Vorgehen des Doktors ziemlich offenbar demjenigen widerspricht, das ihm
sein Geschichtschreiber im 4. Kap. des Optimism in den Mund legt. Dieser
lt Herrn Panglo mit den eignen Worten sagen, da die Trken, die
Indianer, die Chineser, die Perser, die Samiten die F -- -- noch nicht
kennen; sondern da es nur lediglich einen zureichenden Grund gebe, vermg
welchen sie sie in einigen Jahrhunderten kennen wrden. Das ist eine
triftige Autoritt. Indessen glaubten wir doch nicht, da sie der unsers
Manuscripts vorzuziehen wre. Gott behte, da wir Herrn Ralph eines
Irrthums oder einer Untreue beschuldigen wollten; aber die Memoires, nach
denen er gearbeitet hat, konnten nicht genau seyn; und ber die hatte auch
sein Held zu der Zeit, wo er ihn sprechen lt, noch nicht alle jene
Einsichten erlangt, welche ihm neue Reisen in der Folgezeit erworben
haben.]




Zehntes Kapitel.



Von dem Ursprunge der Percken.

Wir sahen die Kakomonade durch eine schne Pforte in Frankreich eingehn.
Sie sumte nicht, der ganzen Nation Beweise ihrer Dankbarkeit zu geben. Sie
breitete sich daselbst bis zum Uebermaa aus. Wenn man den Geschichtbchern
der damaligen Zeit Glauben beimessen will, so nahm sie F -- -- E -- -- --
sich zur Seite auf den Thron. Es kostete ihn nur fnfhundert Thaler, sein
Zpflein, und die Haare. Doch fand er bald Ersatz fr sein Leisereden, und
um sich das Haupt wohl zu bedecken.

Die erfinderischen Kpfe, womit Frankreich von jeher angefllt war, litten
es nicht lange, da ihr Knig so weit gebracht seyn sollte, keine andere
Koeffre, auer einer Schafmtze zu haben. Sie machten bald eine weit
edlere, deren Stof vom Menschen selbst genommen war. Geschickte Hnde
verfertigten jene sinnreichen Zpfe, welche dem Werke der Natur nachahmend
die schmucklose Glatze einer Hirnschaale mit einem Walde von Haaren
besetzen, die sie selber nicht hervorgebracht hat.

Es hat Jemand gesagt, wenn ein Knig einugig wre, so knnte unter den
Hofleuten leicht die Mode aufkommen, nur ein Aug zu tragen. Das Beispiel F
-- E -- war nicht so schwer, nachzuahmen. Er hatte das Vergngen, seine
Unterthanen in die Wette ihm folgen zu sehn. Wenige Zeit darauf sah man von
der Rhone an bis zur Maas keine andern, als falsche Haare, und vernahm
keine anderen, als erstickte Stimmen.

Seit dem hatten wir Knige, welche ihr Zpflein nicht verloren, und derer
Stimmen sich wieder eingefunden haben; dennoch sind die Percken ungeachtet
aller Verfolgung der Geistlichkeit geblieben. Diese hoch- und
wohlehrwrdigen Glieder der Kirche schienen lange Zeit ber die
Unanstndigkeit, welche sie hervorgebracht hat, entrstet. Sie untersagten
allen ihren Dienern den Gebrauch derselben, und es ist noch nicht lange,
da ein kahlkpfiger Priester nur mit vieler Mhe von seinem Erzbischofe
die Erlaubni erhielt, sich dieses Hilfsmittels, das erfahrnern Personen
noch verdchtig scheinen kann, unschuldig zu gebrauchen.

Die Noth hat in der Folge die Laien nachsichtiger gemacht; allein die
Mnche haben den nicht gar ehrsamen Ursprung der Percken nicht vergessen.
Sie sind noch itzt aus allen Klstern verbannt, oder wenigstens doch aus
jenen, die da einen groen Geruch von Regelmssigkeit von sich geben
wollen.

Die Karmeliter, die sich wegen ihres Standes, und aus freier Willkhr der
Keuschheit weihn, duldeten unter sich nicht einen Haarschmuck, der seinen
Ursprung nicht ihr zu danken hat. Die Kapuziner, zufrieden, natrliche
Haare in ihrem Gesichte zu tragen, achteten nicht darauf, sich erborgte auf
den Kopf zu pflanzen. Die andern Mendikanten, der Mssigkeit, und ihrer
Regel getreu, wie die Franziskaner, oder der Nettigkeit ergeben, wie die
Baarfsser &c. wollten ein Gut nicht haben, von dem der groe heilige Franz
nie etwas gewut hat.

Vielleicht frchteten sie, der Gebrauch desselben mchte den Verdacht
erregen, als htten sie ebenfalls Wundmaalen von einer andern Art, als jene
ihres verehrungswrdigen Patriarchen waren. Vielleicht auch schreckte sie
der Gebrauch des Kammes ab, dessen ein geschorener Kopf entbriget ist.
Wenigstens ist gewi, da sie ohne alle Unruhe kunstverstndige Barbierer
bei den Burinnen in den Drfern die Schur vornehmen sehn; und wenn sie
diese allein, oder abseits antreffen, so sind es niemal Haare, was sie sich
von ihnen erbitten wollen.

Indessen war diese ausgemachte Verachtung dennoch ihrem Gegenstande nicht
schdlich. Die Percken, durch ein knigliches Bedrfni veranlat,
scheinen dadurch in den Augen der europischen Nazionen nur veredelt worden
zu seyn. Lange Zeit ma man ihr Volumen nach der Wrde, oder Fhigkeit des
Gegenstandes ab, welcher sich damit schmcken sollte. Vorzglich bei Hofe
schtzte man diese Art, den Werth der Menschen zu bestimmen, hoch. Man
konnte versichert seyn, da eine Masse Haare von drei Schuhen in das
Gevierte ein erhabneres Verdienst ankndigte, als dasjenige war, das nur
eine Masse von zween Schuhen bestimmte.

Diese Zeit war die Zeit unsrer Herrlichkeit. Es scheint, als wre die Ehre
unsrer gegenwrtigen Reiche, gleich der Strke Samsons, mit
geheimnireichen Zpfen verbunden gewesen, vor denen das Schwert Ehrfurcht
haben sollte. Wir haben gestattet, da die unheilige Scheere der Philister
sie berhrte. Die Mode, als eine zweite Dalila, legte ihre Hand an die
erhabenen Hllen, welche den Augen des gemeinen Mannes die Weisheit, und
den Tiefsinn der Bemerkungen unsrer Vter entzogen.

Man weis auch, was daraus entstanden ist. Nach dieser fatalen Operazion
wachten unsre itzigen Vlker auf ohne Strke, und ohne Herzhaftigkeit. Seit
dem die kleinen Percken auf den Kpfen sitzen, brachten sie denselben nur
kleine Einsichten hervor. Die leichten Haaraufstze lieen die Substanz
evaporiren, welche zuvor die weiten Hauptdecken da nhrten. Von der Zeit an
haben sich unsre Gehirnchen volatilisirt, so wie sich bei ungeschickten
Distillirern die Geister flssiger Krper zerstreuen, wenn der Helm und die
Distillirflasche nicht recht wohl verpichet sind.

Das Gebieth der Percken hat sich also vermindert; aber die Macht ihrer
Mutter hat es sich nicht. Mit jedem Tage sieht man noch ihre Fortschritte
sich vermehren.

   Der Arme dessen Htte Stroh und Rohr bedeckt,
      Erkennet ihre Macht;

   Sie wird vom Krieger, nicht vom Thor der Burg verschreckt,
      Wo der des Knigs wacht.

Aus dem Vorhergesagten sieht man, da die Kakomonade ein gemeinschaftlicher
Feind ist, wider den man sich zu vereinigen hat. Sie macht sich gleich
feindlich an den Szepter, und an den Hirtenstab. Der Szepter und der
Hirtenstab also mssen gleich eifrig zusammen stehn, sie aus dem Felde zu
schlagen. Zu diesem Endzwecke hat man schon verschiedene Mittel versucht,
aber alle wenig wirksam, alle unzureichend.




Eilftes Kapitel.



Hilfsmittel, derer man sich gegen die Anflle der Kakomonade bedient.
Warum nicht die Aerzte den Kampf mit ihr wagen?

Die Geschichte erzhlt, da bei der ersten Schlacht zwischen den Rmern und
Griechen, diese, da sie die Sieger blieben, sich zur Unterhaltung mit der
Untersuchung der Wunden beschftigten, welche ihre Kriegsgenossen, die im
Gemenge umgekommen waren, empfangen hatten. Sie entdeckten gespaltene
Kpfe, abgehauene Arme, und an Brust, und Rcken durchschossene Krper. Die
Geschichte setzt hinzu, da so, wie ihre Waffen sie nur etwas aufritzten,
sie den Gedanken nicht aushalten konnten, sich mit Leuten zu schlagen, die
solche Hiebe austheilten. Der bloe Anblick eines italinischen Sbels
machte in der Folge sie zittern; und dieser Schrecken, trug nicht wenig
bei, ganz Griechenland der Macht der Rmer unterwrfig zu machen.

Man kann sagen, da es bei der Ankunft unsrer Reisenden das nmliche
Bewandni hatte. Die Doktoren hatten sich mit den Brgerinnen unsrer
Himmelsstriche vertraut. Sie kurirten ohne Anstand die Unverdaulichkeiten,
die Fieber, und andere Krankheiten, welche durch unsere Wehen ihre
Glcksgter befestigten. Aber das Vertrauen auf ihre Kunst fiel bei dem
Anblicke eines Gesichtes, wovon Hyppokrates keine Zge anatomirt hatte. Bei
der Herannherung dieses furchtbaren und unbekannten Feindes sah man sie
die Flucht ergreifen.

Es ist wahr; ihre Gegenwart kndigte sich durch etwas schreckliche Zeichen
an. Man lie seine Nase im Schnupftuche zurck. Man spuckte seine Zunge
aus, und die Drsen, die sie strken. Wenn man einen Stein werfen wollte,
so erstaunte man, da man seinen Arm hinweggeschleudert habe. Man fand sich
ganz in den Zustand der Wchter des Serails versetzt, denen die Vorsicht
der Trken das Vermgen nimmt, auch nur den Schatten eines Verdachts
erregen zu knnen. Man sah eine so schreckliche neue Erscheinung als die
strkste Waffe des Todes an. Man berredete sich, das Menschengeschlecht
sei durch diese neue Art, mit der es angegriffen wurde, seinem Untergange
nahe gebracht.

Um das Maa der Furcht vollzufllen, bildete man sich ein, sie wre so
ansteckend als die Pest. Man wute nicht, da es nur eine Art gbe, sich
ihr auszusetzen, und da man immer die Freiheit htte, sich davor zu
verwahren. Das Mitrauen war in die ganze Gesellschaft verbreitet. Jeder
zitterte fr seine Person. Unbarmherzig entfernte man sich von den
Unglcklichen, die damit geschlagen schienen. Gleichzeitige Schriftsteller
gestehen, da viele davon, welche man aus allgemeiner Furcht verlassen
hatte, in der Tiefe der Wlder zu Grunde giengen.

In dieser allgemeinen Beklommenheit verlor die Fakultt ihren Kopf,
Eskulap, aus seiner Fassung gebracht, hrte auf, Orakelsprche zu geben.
Das war keiner jener Augenblicke mehr, wo mit lauem Wasser, und einem
Strome von Beredtsamkeit ein Doktor aus der Kraft der Natur sich seine Ehre
machen konnte. Hier blieb sie in der Unthtigkeit; sie wurde auf der Stelle
berwltigt. Mit groem Geschrei rief sie die Kunst zu Hilfe, und die
betroffene, gedemthigte Kunst konnte nur ihr unntzes Mitleid an sie
verschwendet. Es fiel ihr gar nicht ein, eine Gegnerinn zu verfolgen, die
sie sich nicht einmal zu besichtigen wagte.

Unterdessen wurde mit der Zeit durch die Gewohnheit ans Schauspiel sein
Eindruck vermindert. Leute ohne Namen, Scharlatane, frecher, oder
gewinnschtiger, als die Doktoren, fanden sich zu einem Kampfe ein, dessen
Sieg sie treflich bereichern mte. Fr den Erfolg konnten sie nicht
stehen, aber wenigstens brachten sie doch die Hofnung aufs Geld.

Man machte Versuche; man wagte Eintrichterungen von Sften; man erholte
sich bei chymischen Zubereitungen Raths; man zog China und Amerika zur
Steuer; man bannte den Hyppokrates ins Leben; dennoch erhielt man keine
Kenntnisse, und zankte sich schon mit vieler Hitze ber die Mittel, sich
dieselben zu verschaffen.

Endlich kam bei dieser Gelegenheit, wie bei allen andern, das Ungefhr der
Wissenschaft zu Hilfe. Man hatte eine flige Materie unter den Hnden,
wei wie Silber, und schwerer, als es; aber bekannt, durch ihre
Eigenschaft, sich an die andern Metalle anzuhngen, und selbst unter die
Metalle gerechnet, ohne da man viel wute, warum. Niemand konnte sich
einfallen lassen, da die mit Fette abgetrieben, und auf die Haut gelegt,
oder mit andern Ingredienzien, die seine Wirksamkeit migen konnten,
vermischt, und zu trinken gegeben, den glcklichen Erfolg haben sollte,
diese Fremdlinginn, deren Aufenthalt ihren Gastfreunden so verderblich war,
zur Flucht zu zwingen.

Wirklich behauptet man, da manche sehr erfahrne Araber in einigen
Umstnden sich dessen schon bedienet haben. Sie brauchen es, sagt man, um
die Luse zu tdten, um die Zittermaale zu vertreiben, um das Jcken, und
andre Krankheiten der Haut zu stillen. Aber in Europa wute man von ihrer
Methode nichts. Und htten auch Avicenna, oder Serapion davon geredet, so
wars darum unsern Vorfahren um nichts leichter zu errathen, da das, was
gegen die Luse gut war, es auch gegen die Kakomonade sey. Was man brigens
Gewisses weis, ist, da die Entdeckung davon gemacht wurde, da man sie
annahm, und da sie von glcklichem Erfolge war.

Der Ruf davon sumte nicht, sich zu verbreiten. Von allen Seiten ntzte man
es. Das Sonderbare dabei war, da sich die Fakultt mit all ihrer Macht
dagegen setzte. Es war nicht ihr Wille, da man ein Hilfsmittel suchte. Sie
schien nach ihrer Gewohnheit nur dazu mit Muthe gewaffnet, um das Gefundene
zu bekmpfen. Ganz Europa erscholl von den Deklamazionen gegen dieses
ntzliche Fluidum, das sie blo in die Barometres verbannet wissen wollte.
Es stand nicht bei ihr, da sich nicht die Obrigkeit ins Mittel legte, um
den Gebrauch davon zu verbieten.

So sah man die Brechmittel heftig von den Vorfahren derjenigen verschrien,
die sie heut zu Tage verordnen. So donnerte man mit der grten Entrstung
wider die Chinarinde, wider die Ipekakuana &c. auf eben jenen Lehrsthlen,
wo man itzt ihre Heilkrfte mit Enthusiasmus zergliedert. So fand in unsern
Tagen unter Leuten, die fr weise gelten, die Inokulazion unvershnliche
Feinde. Zu Doktoren angenommene Aerzte haben eine Schrift unterzeichnet, wo
man sagt, man sollte die Fremden auf ihre eigene Gefahr die Probe damit
machen lassen. Schwerlich vielleicht wrde man treffendere Beispiele von
Inkonsequenzen anfhren knnen, zu denen Leidenschaft und Sttzkpfigkeit
sogar unterrichtete Leute bringen knnen. Die Mode und Meinung sind in
allen Dingen die Kniginnen der Welt; aber das Quecksilber hatte durch
seine Ntzlichkeit gewi nicht verdient, ihrer Kaprize unterworfen zu
werden.

Man bestritt es nicht lange. Bald darauf, nachdem man versucht hatte, ihm
den Stab zu brechen, sah man sich gentiget, es zu gebrauchen. Die
Fakultt, von dessen Beistand versichert, wollte sich nun wieder den
Unglcklichen nahen, an denen sie auf gewisse Art zur Verrtherinn geworden
war. Aber der Platz war erobert. Eine Nebenbuhlerinn, von ihr lange Zeit
verachtet, hatte sich des Augenblicks ihres Schreckens bemchtigt.

Da die Zeichen des Unglcks, dem man abhelfen sollte, sich von Aussen
zeigten, und die herrschende Fakultt sie zu frchten schien, so hatte eine
andre, minder furchtsame, und thtigere Fakultt sie sich zugeeignet. Diese
war die Erste, die mit einiger Methode den Gebrauch des flssigen Silbers
wagte, das, in den Hnden der Empiriker, vielleicht eben so viel bse, als
gute Wirkungen machte. Sie bemeisterte sich des Zutrauens des Publikums;
und als die andern, von ihrem Schrecken zurckgekommen, einen Posten, mit
dem sie schalten zu knnen glaubten, wieder einnehmen wollten, waren ihre
Bemhungen darum vergeblich.

Eine Miene, reicher als die von Peru, ffnete sich hier. Die Usurpatoren
behielten bis auf den heutigen Tag das Recht, beinah allein daran zu
arbeiten. Die herrschenden Doktoren sehen sich mit Verdru von der Quelle
so vieler Reichthmer ausgeschlossen. Oft versuchen sies, sich dazu hinein
zu stehlen; aber man gestattet ihnen nicht, die kostbare Komposizion zu
verfertigen; welche die Fremde ihres Thrones beraubt, und das Geld der
Kranken an sich zieht. Man erlaubt ihnen blo nur, ber die Theorie zu
rsoniren, die nichts einbringt; nur am Einfahrt der Mine lt man sie
landen. Man gestattet ihnen, die Arbeiten, wenn sie es knnen, aufzuklren;
aber das Graben darinnen, das allein nur Gewinnst trgt, ist ihnen gnzlich
untersagt.


Nachricht der Verleger zum folgenden Kapitel.

Wir ersuchen delikate Augen vorlufig, das ganze folgende Kapitel zu
berschlagen, obgleich es das lehrreichste im ganzen Werke ist. Ungeachtet
der Begierde, die Herr Panglos hatte, die Sache auf eine ehrbare Art zu
verschleyern, so ist es ihm vermuthlich nicht mglich gewesen, sie in
diesem Dialoge zu mildern, wo er uns das Gesprch der redenden Personen
anfhrt. Er wrde gegen die Wahrscheinlichkeit und Wahrheit verstossen
haben, wenn er an ihren Ausdrcken etwas gendert htte. Dennoch mu man
darum nicht glauben, da sie emprend seyn. Sie haben nur die in einer
hnlichen Materie unvermeidliche Energie. Sies sind mit all der
Behutsamkeit behandelt, welche man von den zween erlauchten Mnnern, die
auf dem Schauplatz erscheinen, erwarten kann.




Zwlftes Kapitel.



Dialog zwischen einem Mandarin, und dem Herrn Baron von
Donnerstrunkshausen, ber den Gebrauch des Quecksilbers in dem Falle, von
dem die Rede ist.

Das Metal, von dem so eben die Rede war, ist unstreitig der einzige Damm,
den man den Einbrchen der Kakomonade mit Nutzen entgegen setzen kann. Es
begngt sich sogar nicht damit, da es ihre weitern Umsichgriffe hemmt,
sondern es dringt bis zu ihrer Quelle ein. Es greift sie an, drngt, und
entwurzelt sie. Dewegen ist es auch bei weitem dem Golde vorzuziehn, das
nicht allein die Krankheiten nicht heilt, sondern im Gegentheile die
Leichtigkeit vermehret, sie alle an sich zu bringen.

Wenn man die Augen auf den folgenden kurzen Dialog wirft, wird man einen
Begriff sowohl von seiner Wirksamkeit, als von den verschiedenen Arten, es
zu zubereiten, und von ihren Folgen haben. Zween Mnner fhren das
Gesprch. Der Eine davon ist eine von den litterarischen
Magistratspersonen, die man in China Kolaos nennt, und die sich die
Europer, ohne davon den zureichenden Grund zu wissen, beifallen lieen,
Mandarine zu nennen. Der zweite ist der Sohn meines nochgeehrten Herrn, des
Herrn Baron von Donnerstrunkshausen. Ich hatte das Vergngen, ihn zu Peking
wieder anzutreffen, im Jahre unser Heils 1761. Er fieng da an zu Wrden zu
steigen. Er hatte mit einem Mandarin vom dritten Range folgende Unterredung
gepflogen, und die Gte, sie mir mitzutheilen.

Der Mandarin. -- Guten Tag, Eure Hochwrden. Ich lie mich in meiner
lakirten, unausgezierten Snfte hieherbringen. Ich habe nur blo dreiig
Reuter bei mir, und achtzehn Tambours. Haben Sie mich entschuldigt darber,
ich wnschte Sie inkognito zu sehen.

Der Baron. Wren wir wohl so glcklich, Eurer Excellenz dienen zu knnen?

Mandarin. Ja, Sie knnen mir einen groen Gefallen thun.

Baron. Wollten Dieselben in der pneumatischen Maschine eine Katze den Geist
aufgeben, oder mit der elektrischen Nadel den Donner ableiten sehn?

Mandarin. Nein, das fhrte mich nicht her.

Baron. Wollten Dieselben einiger Ballen roher Seide, einiges alten
Porzellan los werden, und sie nach Europa schicken? Es ist hohe Zeit, Eure
Excellenz; ich mchte es rathen. Sie werden bald im Preise fallen, seit dem
erfahrne Chimisten dieses Geheimni entdecket haben.

Mandarin. Das kmmert mich gar nicht.

Baron. Wollten Sie etwa zur Beichte gehn, und auf die Frbitte des heiligen
Ignazius von Lojola, des seligen Franziskus Regis, des groen heiligen
Franziskus von Gonzaga, der sich eine feuchte Leinwand auf die Brust legte,
damit ihm von der Liebe Gottes sein Herz nicht in Flammen gerieth,
Verzeihung Ihrer Snden erhalten?

Mandarin. Ei mein! Von all dem will ich nichts. Sie sollen mich blo nur
lehren, was fr eines Geheimnisses Sie in den andern Lndern sich bedienen,
wenn Sie die -- -- -- -- haben.

Baron. Ach! ach! Eure Excellenz -- Wir! -- Die? -- -- -- Pfuy doch! --

Mandarin. Meiner Treue, Eure Hochwrden, ich habe sie, ich, -- wie ich mit
Ihnen rede. Nichts desto weniger habe ich alle meine Prfungen mit Ehren
bestanden. Ich ward bei dem grossen Konkurse im ersten Jahre der Regierung
Fontchins aufgenommen. Ich fhre den Pinsel so gut als Einer im
Kaiserthume: der Schnheit meiner Schrift bin ich meine Stelle schuldig,
und doch habe ich die -- -- -- -- Warum sollten nicht auch sie sie zuweilen
haben?

Baron. Aber Eure Excellenz vergessen, was fr ein Kleid ich zu tragen die
Ehre habe. Man hat uns wohl in einigen Orten vorgeworfen, da wir dem
Menschen viele Uibel zufgen; aber eines zu vertrauten Umganges mit den
Frauenzimmern hat man uns nie geziehen.

Mandarin. Bei, meiner Seele! desto besser fr sie! Da ich nicht auch immer
so klug war! So fnde ich mich nicht in der Verlegenheit, die mir itzt die
Ehre Ihrer Gegenwart verschaffet. Auf dem letzten Schiffe, das Ihnen
Purpurtcher, Rosenkrnze, Uhren, und Orgeln brachte, fand sich ein sehr
schnes Frauenzimmer. Haben Sie nicht von ihr reden gehrt?

Baron. Kein Wort. Wir kmmern uns um so Neuigkeiten nicht. Es maskirt sich
der Teufel, Eure Excellenz, in dergleichen Gesichter.

Mandarin. Mag seyn, aber da ist er trefflich verkappt. In dem Augenblicke
der Ausschiffung befand ich mich eben am Borde. Ich sah dieses Frauenzimmer
aus der Chalouppe steigen. Sie hatte so ein schn Stmpfnschen! Ihre
Augenlieder schlo sie mit so viel Anmuth! Ihr Mund war so schn gespalten,
zog sich so angenehm durchschnitten von einem Ohre zum andern! Und einen
Fu, einen Fu, Eure Hochwrden! -- Mein Daumen htte ihren ganzen
Pantoffel ausgefllt. Ich zweifle, ob man vom Flusse der Unmglichkeit an,
bis zum Flusse der Vergessenheit, je etwas schners gesehen habe.

Baron. Dennoch geht der Raum zwischen diesen beiden Flssen ziemlich in die
Lnge.

Mandarin. Macht nichts. Wie ich diesen kleinen Fu sah, bewunderte ich die
Oekonomie der Natur. Welche Wonnen, sagte ich bei mir selbst, wenn an allen
Theilen die Verhltnisse genau beobachtet sind!

Ich wurde bald gewahr, da die Natur dem Falle unterworfen sey, sich zu
vergessen, und ich wollte wnschen, ich htte auer ber diesen Punkt,
keine Erfahrung gemacht. Die schne Fremde wurde von einem Bootsknechte
gehohnneckt. So bald sie wute, ich sey der Gouverneur, bath sie mich um
Rache. Ich schlug ihr Bedingnisse vor; sie nahm sie an. Ich lie den
Bootsknecht abstrafen. Ich hielt mich fr den glcklichsten Menschen. Der
arme Teufel hatte die P -- -- --, und ich, geistlicher Vater, ich bekam
noch viel was rgers.

Baron. Gott straft Eure Excellenz. Er will nicht, da man sich gegen das
Weibsvolk zu gefllig erzeige. Er hat gesagt: Non moechaberis, und Sie
leiden billig -- --

Mandarin. Ich weis nicht, geistlicher Herr, ob es Gott ist, der mich krank
gemacht hat; aber das seh ich wohl, da Menschen mich gesund machen mssen.
Unsere Aerzte wollen mich nicht annehmen; man sagt, Sie seyn sehr
geschickt; Sind Sie es bis auf den Grad, da Sie mir ein Mittel hierinn
verrathen knnen? Ich nehme Ihnen sechs und dreiig Dutzend Rosenkrnze ab,
und gebe Ihnen hundert Pfunde Thee Peko, der noch nicht gesotten worden
seyn soll.

Baron. Gut, wollen sehn. Ob wir gleich den Krankheiten wenig unterworfen
sind, so haben wir doch immer allerhand Mittel bei uns, so, wie eine Menge
anderer Dinge, die wir fr uns nicht brauchen, sondern nur andern zukommen
lassen. Hier kommts nur darauf an, da wir eine Heilungsart whlen.

Mandarin. Mir scheint aber, es wre die bekannteste, und beste anzunehmen.

Baron. Das ist bald gesagt; aber halten Sie die Wahl fr eben so leicht!
Von allen Arten, die ich kenne, ist keine einzige, die nicht durch groe
Namen, durch starke Beispiele, und durch schne Schlsse untersttzt, und
bestritten wre.

Mandarin. Die Namen, und Schlsse sind nichts. Man mu sich nur an die
Beispiele halten.

Baron. Ja in China. Aber es giebt Lnder, wo man ganz anders denkt. Wenn
etwas nur halbwegs ntzlich scheint, so fragt man sogleich, von wenn das
herrhre. Daraus zieht man denn in der Folge durch eine Kette von Schlssen
den Beweis, da es bse sey; Und giebt man dessen Gte zu, so geschieht es
immer so spt, als mglich. -- Nun, nach welcher Art wollen Sie sich
behandeln lassen? Durch Frikzionen?

Mandarin. Was verstehn Sie dadurch?

Baron. Ich nehme ein wenig von jener Salbe, die man das Neapolitanum nennt.
Sie besteht aus Fette, und Merkurius. Damit reibe ich Ihnen alle Tage einen
gewissen Theil des Leibes. Nach vierzig Tagen werden sie sich mit einer
lichten Rinde berzogen finden, von der Ferse an bis ber die Achsel, und
vom Schulterbeine bis an die Fingerspitzen. Sie werden fett, stinkend, sich
selbst unertrglich seyn.

Mandarin. Aber doch endlich genesen?

Baron. Man darf es hoffen.

Mandarin. Ist keine Inkonvenienz dabei zu frchten?

Baron. Sie vergeben. Ihr Kopf wird ungeheuer anschwellen; ihre Zhne werden
locker werden, und vielleicht ausfallen. Ihr Zahnfleisch und die Gurgel
werden voll Geschwre seyn. Sie werden eine schreckliche Menge Speichel von
sich geben. Sie knnen dabei um ein Aug, um einen Arm, um ein Bein, oder um
das Zpflein[*] kommen, wie der hchstheilige Knig F -- -- E -- --
glorreichen Andenkens, und viele andere, die, bei weniger Ruhm, kein
besseres Glck genossen.

Mandarin. Lieber Pater! Ich bedanke mich fr die Frikzionen.

[Funote *: Lettres de Gul Patin. let. 133.]

Baron. Man knnte sie migen, und sie ihnen nur verlschend beibringen.
Man mte Sie immer frottiren, aber sparsamer. Sie mten mir manchmal
Milch nehmen, um die Wirkung des Merkurs, wenn sie zu stark wre,
aufzuhalten. Sie werden weniger, spucken, weniger geschwellen, weniger
stinken. Die ist bequemer.

Mandarin. In eine Gefahr dabei?

Baron. Die grte wre, da Sie nicht gesund wrden.

Mandarin. Oh! oh!

Baron. Ohne Widerspruch. Je sanfter die Arztnei seyn wird, desto weniger
wird sie wirken. Die wohlthtigen Kgelchen werden in die vom Gifte
schwangern Theile nicht so tief eindringen knnen. Dieses darf nur ein
wenig berflssig seyn, so wird genug davon zurcke bleiben, um Sie bald
noch rger zuzurichten, als Sie es sind. Fnf oder sechs Jahre nach einigen
leichten Tagen werden Sie sich neuerdings krank befinden, wie ein sehr
geschickter Professor der Beredtsamkeit an der Universitt zu Paris sich
irgendwo ausdrckt.

Mandarin. Das ist traurig! Ach, mein Freund! wer htte die bei dem
Anblicke eines so kleinen Fusses gesagt?

Baron. Reden Sie von ihm nichts Bses: nicht er wars, der Sie verwundet
hat. -- Uibrigens verzweifeln sie nicht. Sie knnten auch versuchen, sich
zu ruchern.

Mandarin. Wie geschieht die?

Baron. Sie mten sich ganz nackt in eine Schachtel von Tannenholz setzen,
die wohl verschlossen wrde, und wo Ihnen nur der Kopf heraus stnde. Unter
das Ges wrde Ihnen eine Glutpfanne mit lebendigen Kohlen und Merkurius
darauf gesetzt. Diese durch das Feuer volatilisirte, und durch die
Maschine, und einen sie berdeckenden groen Mantel rund um Sie
zurckgehaltene Flssigkeit wrde Ihnen nach und nach in die Poros
eindringen. Sie wrden sehr schwitzen, und vielleicht wrden Sie sich
endlich geheilet finden. Man weis Leute, denen diese Methode zu Statten
kam.

Mandarin. Mir behagt sie nicht. -- -- Aber es ist doch sonderbar: Sie sind
so ein geschickter Mann, und alle Ihre Geheimnisse laufen darauf hinaus,
Einem den Kopf geschwollen zu machen, oder nur eine ungewisse Genesung zu
verschaffen, oder eine Glutpfanne unter den Arsch zu setzen.

Baron. Halten Sie, ich bin noch nicht fertig. Man knnte Ihnen Panaces, und
verschiedene Mineralien brauchen; man knnte Ihnen einen aufgelsten
Merkur, oder Gold- und Silbertinkturen geben. Die alles habe ich nicht:
aber unser Bruder Apotheker wird Ihnen die Sache machen, wenn Sie wollen.

Mandarin. Ei zum Plunder lassen Sie das, was man thun knnte, bei Seite,
und sagen Sie mir, was ich thun soll.

Baron. Wollen Sie sich mir vertrauen? Sie sehen dieses kleine rothe
Schchtelchen; an Ihrer Stelle wrde ich mich an dieses halten.

Mandarin. Es sind eine Menge graue Kgelchen darinnen. Wie heien Sie die?

Baron. In Europa nennt man sie Kaiserpillen. Herr Kaiser ist ein deutscher
Praktikus, und mein Landsmann, der eine ganz neue Komposition gegen die
Krankheit, ber die Sie sich beklagen, erfunden hat. Glauben Sie mir, und
brauchen Sie sein Rezept. Ich will Ihnen dazu die Anleitung geben, und Sie
werden sicher genesen.

Mandarin. Sind Sie dessen auch gewi?

Baron. So gewi, da ich die hundert Pfunde Thee nur erst nach Ihrer
Herstellung verlange.

Mandarin. Ich verlasse mich auf Ihr Wort. Ich will mich an die rothen
Schchtelchen halten. Wohlan, ich will meine Kur auf der Stelle anfangen.
Sie haben von meiner Erkenntlichkeit Alles zu erwarten.




Dreizehntes Kapitel.



Erstaunliche Progressen der Kakomonade. Mittel, sich ihrer zu
entledigen.

Man hat hier oben gesehen, da die Gesellen Seiner Hochwrden des Herrn
Baron von Donnerstrunkshausen, das Geheimni und den Namen des Herrn Kaiser
mit dem Blitzpulver, den Agnus Dei, und den Bataverthrnen bis in China
brachten. Man hrte ihn in wenig Worten diesen so berufenen Pillen ihre
Lobrede halten, und seinem Proseliten ihren Gebrauch anempfehlen. Die
scheint ein Bichen demjenigen zu widersprechen, was wir im zehnten Kapitel
sagten. Da findet man, da alle ersonnenen Hilfsmittel sehr wenig ergiebig,
und unzureichend seyn.

Allein wir sprachen von ihrer Unzureichlichkeit in Rcksicht des
Menschengeschlechts im Allgemeinen, in Rcksicht der Totalitt der Zuflle,
die sie im Allgemeinen, und nicht im Bezuge auf jedes einzle Individuum, zu
frchten haben. Gewi ists, da man so glcklich war, die Partikuliers
wieder herzustellen. Man wscht sie von dem Unrath, den sie unvorsichtig an
sich gezogen haben, ab; man nimmt ihnen, was sie bekamen; man giebt ihnen
wieder, was sie verloren, sogar die Unschuld beinah, die, gleich der
Gelegenheit, nur von vorne behaaret ist, und die man, wenn man sie einmal
entwischen lie, nicht mehr erhaschet.

Aber das menschliche Geschlecht wird darum nicht weniger angegriffen. Die
Kakomonade, der Hyder in der Fabel gleich, verlor kaum einen Kopf, als sie
dafr schon andre zehn erhlt. Unterdessen, als hundert Kranke sich
bemhen, ihrer los zu werden, so suchen sie tausend begierig auf, so, da,
trotz den Fluthen von Quecksilber, mit denen man Europa berschwemmt, die
Nothwendigkeit seines Gebrauchs mit jedem Tage dringender, und
empfindlicher wird. Man wird nie so glcklich seyn, sich davon zu befreien,
auer das Ungeheuer, das uns das Eingeweid auffrit, wird mit Einem
Streiche zermalmet. Sie ist, wie wir sagten, eine Hyder, die sich eben
durch ihren Verlust vervielfltigt. Um sie auszurotten, mu man mit
einemmale alle ihre Kpfe abhauen. Um sie zu hindern, nachzuwachsen, mu
man auf der Stelle Schwert und Feuer dagegen brauchen.

Die Regierungen werden, so bald sie das Herz haben werden, es zu wollen,
Herkulesse werden, im Stande, diese heroische, und heilsame Operation
auszufhren. Hierzu wird es von ihrer Seite nur darauf ankommen,
Vorsichten, die man fr diesen Gegenstand schon lange getroffen hat, und
die durch die Einstimmigkeit der alten Vlker in viel minder wichtigen
Gelegenheiten autorisirt worden sind, wieder zu erneuern und vorzglich auf
ihre Ausfhrung zu wachen.

Die Ausstzigen bei den Juden waren aus dem Umkreise der Stdte verbannt.
Todesgefahr drohete denjenigen, die es wagten, sich hinein zu begeben. Man
nahm ihnen die Verwaltung der Geschfte ab. Man sonderte sie von der
menschlichen Gesellschaft aus; und ob es gleich ein Vorzug ihres Staates
war, das Band der Ehe, wie mans gesehen hat, fester zu knpfen, so foderte
man doch, da sie ihre Gaben, und ihr Jcken weiter tragen sollen.

Diese weise Politik ward in der Folge in allen Lndern, denen ihre
Erhaltung nahe gieng, nachgeahmet. Selbst in Frankreich gebrauchte man sich
ihrer Anfangs gegen den Aussatz, als es diesem gefiel, von den Gestaden des
todten an die des mittellndischen Meeres zu bersiedeln, und er sich vom
Jordan an die Seine begeben hatte. Man dachte ihrer auch in der Folge bei
der ersten Ausschiffung seiner Nebenbuhlerinn aus Amerika. Die
unermdlichen Obrigkeiten, welche fr die Ruhe, und Sicherheit der Bewohner
von Paris Sorge tragen, lieen gegen dieses Erzeugni von St. Domingo die
strengsten Verordnungen ergehn. Sie verbothen die Uibermachung desselben in
das Innere der Stadt, und suchten die schleunige Ausfuhr damit zu
erleichtern. Vor dem Jahre 1498. findet man Polizeiverordnungen, die diesen
Gegenstand zum Ziele haben.

Sie gebieten allen Personen, welche eines Verstndnisses mit der Prinzessin
von Amerika verdchtig sind, jedermann, wer es immer sey, der sich durch
ihre Listen berraschen lie, binnen vier und zwanzig Stunden Paris zu
verlassen bei Strafe des Strangs. Man berichtet, da sich bei dem Thore,
bei welchen ihnen geboten wre, hinauszugehn, Austheiler finden werden mit
dem Auftrage, Jedermann vier Pariser Sols zu reichen, um sie wegen der
Reisekosten zu entschdigen. Selbst die Reichen, und die Eingebornen des
Lands werden von den Strassen ausgeschlossen unter der Strafe, wenn sie
betreten wrden, in den Flu geworfen zu werden[*]. Man sperrt sie, wenn
sie Huser haben, darinnen, und wenn sie keine Huser haben, in
ffentlichen, zu diesem Gebrauche bestimmten Gebuden ein. Man bernimmt
die Last, sie mit Lebensmitteln, und mit allem Beistande zu versehen, den
ihr Zustand fordert, bis sie das Joch der Feindinn abgeschworen haben, und
sich in einem Stande befinden, in der Gesellschaft auftreten zu knnen,
ohne zu errthen, oder ihr Unruhe zu machen.

[Funote *: Sieh die registres du Parlement & du Chatelet.]

Das sind die Verordnungen, die man, doch mit einigen Modifikazionen, wieder
in den Schwang zu bringen eilen mu. Es ist sehr wohl gethan, da man alle
jene, die, nach einer bestimmten, zu den Reinigungen einberaumten
Zeitfrist, mit Unreinigkeit zu erscheinen wagen werden, mit dem Strange
bestraft. Aber genug wr es nicht, wenn man ihnen vier Parisersols zu ihrer
Reise geben wollte. Alles, was man damit gewinnen wrde, wre, da sie die
Kakomonade Jeder in seinem Lande zu pflanzen abgeschickt wrden. Sie wrde
sich da vervielfltigen, wenn das Land ihrer Verbreitung nur ein wenig
gnstig wre. Die Frchte davon wrde man sehr bald in einem Schwalle gegen
die Hauptstadt zurckflieen sehn.

Es ist also nicht damit gethan, da man die Unterthanen der Fremden
ausjagt. Man thut viel sicherer, und viel vernnftiger, wenn man sie dieser
lstigen Unterthnigkeit entreit. Man mu ihnen Freisttten erffnen, wo
sie sich ohne Zwang in Freiheit sehen knnen, und wo die Leichtigkeit, ihre
Bande zu zerbrechen, in ihnen hierzu das Verlangen erwecket. Man mu in
jeder Stadt, oder in, jedem Flecken, einen betrchtlichen Ort, ein Haus
errichten, wo jeder Bsser, er sey wer er wolle, aufgenommen, und zur Busse
zugelassen werden knne. Man mu da die Freiheit haben, zu zahlen, oder
nicht zu zahlen, bekannt, oder unbekannt zu bleiben. Man mu den Eintritt
darein allen Leuten, von allen Altern und Stnden, sogar in Masken, wenn
sich solche darstellen, gestatten. Da es im Wesentlichen nicht das Gesicht
ist, das der Hilfe bedarf, so erhellet, da die Krankenwrter, um denen,
die ihren Beistand suchen, zu helfen, ihre Gesichter nicht zu kennen
brauchen.




Vierzehntes Kapitel.



Antwort auf einige Einwrfe, die man gegen die Mittel, die Kakomonade
zu unterdrcken, machen knnte.

Ohne Zweifel wird man gegen diese Einrichtung Lrmen erheben. Man wird
sagen, zu einer Zeit, wo der Staat kein Gold hat, um seine Bedrfnisse zu
bestreiten, knnte er fr diese seine Glieder unmglich so das Quecksilber
verschwenden. Die so reden mchten, wren wohl ziemlich grausame Politiker,
oder Rsonneurs, die von der chten Oekonomie ziemlich schlecht
unterrichtet wren.

Wenn zu Marseille die Pest wre, wrde wohl die Drftigkeit des Staats
hindern, Trouppen marschiren zu lassen? Wrde man kein Geld finden, das man
dahin senden knnte, entweder der Stadt zu Hilfe zu kommen, oder die
Gemeinschaft mit ihr abzuschneiden? Nun ist die Kakomonade aber wirklich
noch viel schlimmer, als die Pest.

Diese greift nur das gegenwrtige Geschlecht an; jene vernichtet, oder
entchtet wenigstens fast immer sich auch die zuknftigen Geschlechter. Die
Eine nimmt einen schrecklichen Anfang; die Klugheit kann sich davor
verwahren; man hat gewisse Vorsichten, um sie abzuhalten. Die andere ist
immer vom Vergngen begleitet; sie macht ihren Anfang mit der Verblendung
der Klugheit, und ihr Ende mit ihrem Untergange. Sie hat also viel mehr
Leichtigkeit, sich auszubreiten. Sie zieht viel traurigere Folgen nach
sich. Sie heischt daher von den Regierungen eine viel grere Sorgfalt.

Diese Sorgfalt wrde eben nicht so kostspielig seyn, als man sich
einbildet. Erstlich hat man die Ausstzigenhuser der Alten, von denen man
die Stiftungen, und das Bauwerk zu diesem ntzlichen Gegenstande annehmen
knnte. Die hiee den Sinn der Stifter befolgen. Die Kakomonade hat die
Stelle des Aussatzes angenommen. Sie mu die Frchte dieses reichen
Nachlasses beziehen. Man kann ihr ihre Ansprche nicht streitig machen.

Uiberdie, wer zweifelt, da bei dem ersten Gerchte von diesem Vorschlage
nicht das allgemeine Mitleid erwachen werde? Wie viele Frsten der Kirche,
wie viele wachsame Hirten, wrden sich mit einem uneigenntzigen Eifer
bestreben, eine Zufluchtssttte gegen Uibel zu schaffen, worunter sie
leiden, sobald ihre Schflein davon angegriffen sind? Wie viele andchtige
Schwestern wrden nicht ihrem Beispiele folgen! Mit welcher Beredtsamkeit
wrden nicht die Direktoren die Nothwendigkeit predigen, Einrichtungen zu
vervielfltigen, die bestimmet sind, Schwachheiten zu verbergen, oder die
Kraft wieder in den Stand zu setzen, ohne Gefahr ihres Gleichen
hervorzubringen! Gewi ists, diese Zufluchtsrter wrden in kurzer Zeit, so
wie die volkreichsten, auch die begtertsten Huser im ganzen Knigreiche
seyn. Sie wrden bald der bequemste Stappelort seyn, um das Joch der
Kakomonade abzulegen, so wie L -- -- -- bisher der sicherste gewesen ist,
sich dasselbe aufzubrden.

Die Leichtigkeit des ersten Verfahrens wrde die Weigerung, sich dahin zu
verstehen zum Verbrechen machen. Die Gerechtigkeit wrde nur nach aller
Billigkeit handeln, wenn sie gegen jene, die davon berwiesen wren, die
Todesstrafe verhngte. Unterdessen giebt es zarte Herzen, bei denen die
Sanftmuth in Schwachheit bergeht. Sie werden sich ber diese strenge
Verordnung entrsten, sie werden zwischen der Strafe und dem Verbrechen
kein Verhltni sehen.

Es ist so s, so natrlich, werden sie sagen, die Gefahren zu wagen, derer
Folge sie ist. Sollt es gerecht seyn, den Irrthum eines Augenblicks mit
einer so schmhlichen Zchtigung zu ahnden? Sollte man sich entschlieen
knnen, gegen ein vernnftiges Wesen den Tod zu verhngen, weil es seines
Lebens nicht ordentlich geno? Was man ihnen antworten knnte, ist dieses.

Ich gebe Ihnen zu, meine Herrn! mein Rath mag strenge scheinen. Aber
untersuchen Sie, was unter Ihren Augen vorgeht. Wer sind jene Armseligen,
die sie dort mit den rothen Kappen auf den Galeeren sehn? Wer sind jene,
derer Hinrichtung so viel Volks auf den freyen Platz spornt? Unter ihnen
befinden sich Leute, die Schwrzer, Betrger waren. Das Gesetz waffnet sich
mit einer unbeugsamen Schrfe, und verurtheilt sie ohne Barmherzigkeit!

Nun ich bitte Sie, giebt es wohl eine schrecklichere Schwrzerei, als die
Kakomonade? Kann man die Einfhrung ihrer Geschenke mit der Einfhrung
eines Hollndertobaks oder Spaniols in Vergleichung ziehen? Die Kutzenelle,
so roth sie ist, kann sie die Vergleichung mit gewissen Purpurknpfchen
ertragen, welche die Ehrbarkeit nicht nennen lt.

Wenn Sie ohne Anstand arme Leute, die Ihnen fr wohlfeilen Preis weis nicht
welch braunen, gelben, oder feuerfarbenen Staub brachten, rudern lassen,
hngen und rdern; was sind Sie wohl denen schuldig, welche sich
erdreusten, die Quelle der Vergngungen zu vergiften? Was werden Sie jenen
Frevlern nicht anthun, die es wagen, in das Heiligthum der Wohllust
Betrbnis, und Thrnen in die Wohnung der Freude zu bringen?

Die aufgeklrte Menschheit gebietet ohne Zweifel ihre Bestrafung zum Wohle
der leidenden Menschheit. Man mu alle ohne zu schwanken eine bestimmte
Zeit festsetzen, nach welcher Niemand mehr angenommen werde, der sich
angiebt, mit einem Ungemache behaftet zu seyn, wovon er sich wird haben
entledigen knnen. Man mu die Kakomonade wie eine auslndische Waare
ansehen, und die, bei denen sie gefunden wird, ohne Barmherzigkeit
konfisziren.




Fnfzehntes Kapitel.



Nthige Vorsichten gegen die Wiederkunft der Kakomonade, und Schlu
des Werks.

Aber auch damit wr es nicht gethan, da man die verdchtigen Wirkungen
hemmte. Man mte auch Vorkehrungen treffen, ihren Eingang zu verhindern.
Man mte Amtsstuben, Gerichtsdiener, und Wchter haben, die ber Paquette,
wo diese traurige Gattung Kontrebandwaaren sich verbergen lt, zu wachen
htten; und fr die habe ich gesorgt.

Der durch seine groe Nase berufene Kaiser Heliogabal oder Elagabal, sagt
man, habe einen Frauenzimmersenat errichtet. Diese erlauchte Gesellschaft
hatte ber alle weiblichen Angelegenheiten zu richten. Vor ihr brachte man
all die kleinen Znkereien, die huslichen Kltschereien, die
Uiberwerfungen der Verliebten an. Sie gab auch den Ausschlag ber die
Moden, den Haarputz, und den Anzug von allen Arten. Diese Politik, wnschte
ich, sollte man in Paris, in ganz Frankreich, ja sogar in ganz Europa
nachahmen knnen.

Uiberall hat man da einen Haufen Wachen aufgestellt, um fr die Vortheile
der Pchter die Aufsicht zu tragen. Man erblicket Ketten von Aufsehern, die
sich von allen Seiten die Hnde reichen, am die Betrger hindann zu halten,
und ihre Schlauigkeit zu berlisten. Es besteht das innigste Band unter den
Rotten, welche die Grenzen und die reichen Gesellschaften beschtzen, die
im Mittelpunkte die Frchte ihrer Sorgen rnten. Knnte man diese Polizei
nicht auch bei der Einrichtung, von der hier die Rede ist, sich zum Muster
nehmen?

Man bildete in den Hauptstdten Breaux von einer Anzahl unterrichteter
Mdchen, die im * * * sich Erfahrungen gesammelt htten. Sie wren weder
die drei Grazien, noch die neun Musen. So knnte man sie aus vierzig, wie
die Academie Franaise, oder aus sechzig, wie die allgemeine Pachtung,
zusammensetzen. Den Eintritt dazu htten nur die besten Erfahrungen. Die
Gebtesten in den Geschften des Magazins, die Vertrautesten mit den
Kennzeichen des Betrugs, und also die bei allem Scharfsinne der
Schleichhndler Geschicktesten, sie zu entdecken.

Nach Art dieses Hauptamts bildete man sonderheitliche in den Stdten der
Provinz, und auf allen Strassen; welches zwischen dem Haupte und den
Gliedern eine eben so ntzliche als lehrreiche Korrespondenz unterhalten
wrde. Diese fruchtbaren Versammlungen hielten alle Tage des Morgens und
Abends ihre Sitzungen. Jeder Fremde, der an der Grnze ankommt, wre
gehalten, da seinen Ausweis zu machen.

Hier wrde er ohne Schonung untersuchet. Man wrde ihm nach seinem
Zustande, einen Geleitsbrief ausfertigen, oder die verbotene Waare unter
Siegel verzeichnen, damit man nicht eher davon Gebrauch machen knne, bis
sie im Rekonwaleszentenhause, wohin sie abgegeben wrde, ausgeruchert
wre.

Von dieser Zeremonie wre das schne Geschlecht nicht ausgenommen. Anfangs
wrde sie lstig scheinen; man wrde sich aber bald daran gewhnen. Hat man
sich doch gewhnt, vor jedem Thore grobe, und manchmal treulose Hnde ins
Felleisen spazieren, alles darinn umkehren, und was da verschlossen war,
oft unwiederbringlich verderben zu sehn. Es wrde nicht lange brauchen, um
sich zu gewhnen, linke Hnde zu fhlen, die eine lange Uibung abgerichtet
htte, noch dazu ihre Berhrungen angenehm zu machen.

Es ist anzumerken, da man durch eine solche Zusammensetzung eines Amtes
von aufgeklrten, und dafr bekannten Frauenzimmern den Ungemchlichkeiten
vorbeugen wrde, die aus jeder andern Administrazion entstnden. Kein
Frauenzimmer drfte sich schmen, der Untersuchung von Personen ihres
Geschlechts zu unterliegen; und man wrde keine Mannsperson finden, die
sich weigern mchte, sich vor den Augen eines von seiner Erfahrung so
berufenen Tribunals zu produziren. Es fnde sich also ganz keine
Schwierigkeit. Die Schamhaftigkeit, und Gesundheit der beyden Geschlechte
wre dadurch in Sicherheit vor den Anstssigkeiten, die das eine khn, oder
das andere schchtern machen knnten.

Das ist also der Entwurf meines Projektes. Ich unterziehe es den Einsichten
der Politiker, die in unserm philosophischen Jahrhunderte so zahlreich
geworden sind. Ich kann versichern, da ich einzig das allgemeine Beste und
das Wohl der ganzen Welt, die mein Vaterland geworden ist, zum Augenmerke
hatte. Ich wnsche, da er unter die Hnde von Leuten komme, die an der
gehrigen Stelle sitzen; wnsche, da ihr persnliches Interesse sie
bestimme, sich seiner anzunehmen, und dem allgemeinen Frommen Hand zu
bieten.

Was Sie betrifft, mein Frulein, wenn man ihn je annimmt, so wird man nie
vergessen, da es Ihr Namen war, unter welchem er zum erstenmal erschien.
Ganz Paris wird Sie laut zur Annahme einer Stelle auffodern, deren Ihre
Bemhungen sie schon so wrdig machten. Mit einer unnennbaren Freude werde
ich an der Spitze des erlauchten Senats, wovon ich den Plan entwarf, Sie
glnzen sehn. Sie werden die Aufseherinn von den Waffen Zylherens, und die
Wegweiserinn des Amors werden. Sie werden die Jugend lehren, ohne Gefahr
auf dem strmischen Ozean der Vergngungen zu segeln, indem Sie ihr mit der
Geschicklichkeit, die ihnen die Erfahrung giebt, das Steuerruder lenken.
Sie werden ihr zeigen den Klippen auszuweichen, die Ihres Gleichen, wie ein
groer Mann sagt, oft durch ihre Schiffbrche bezeichnet haben.




Ein Brief als ein Supplement zu diesem Werke.


         An M. L. A * * *.


Uiber die Ursachen, die zu der schrecklichen Vermehrung der Kakomonade
beitragen.

Bisher, lieber Freund, hab ich nur gescherzet. Lachend schrieb ich die
Geschichte von einer der grten Geieln des menschlichen Geschlechtes. Es
ist sehr seltsam, da die Gewohnheit es nur den Aerzten erlaubt, davon
ernsthaft zu reden, und da, in der feineren Welt, die ble Laune nicht die
Wirkung einer Ursache sein kann, die doch so sehr dazu gemacht ist, sie
hervor zubringen.

Sehr zuverlssig ist die die Folge jenes seltsamen Durcheinanders, den man
in unsern Sitten und Gewohnheiten wahrnimmt. Sobald Jemanden das Fieber
befllt, sobald er schlecht geschlafen hat, oder einen Abend nicht mit der
gewhnlichen Leichtigkeit ausspuckt; gleich sind mit dem nchsten Morgen
die Bedienten von allen vier Winden in Bewegung; sein Threpocher kommt
nimmer zur Ruhe, und sein Portier hat nicht Worte genug, fr all die
hflichen Bothen, die aus ganz Paris ihn zu fragen kommen, wie der Herr
diese Nacht sich befunden habe.

Ward nun aber der nmliche Mensch das Spiel einer jungen Spitzbbinn, --
und ach! wie viel giebt es ihrer! -- Bleiben ihm nagende Erinnerungen eines
zrtlichen Rendezvous; sieht er sich bei dem Abschiede aus den Armen der
Venus gezwungen, einen Gott um Hilfe zu flehen, der bei den Alten die
Gnaden der Gttinn austheilte, der aber bei uns zu nichts weiter dient, als
sie uns aus dem Gedchtnisse zu bringen; da sieht man ihn ohne alle Unruhe
erbleichen, abzehren, und versiechen. Er mu die Sorgfalt, die er fr seine
Gesundheit trgt, verbergen, gerade als ob es eine bse Handlung wre; und
wenn irgend ein besonderer Freund ihn von Zeit zu Zeit befragt, so
geschieht die immer mit einem spttischen Mitleid, das ihn noch mehr
demthigt, als selbst sein Zustand.

Ja, wird man sagen, das ist eine Frucht der Ausgelassenheit. Die Schande
ist ein heilsamer Wermuth, den die Wohlanstndigkeit in dieselbe giet, um
sie den Unvorsichtigen, die versucht werden, sie zu pflcken, zu verleiden.
Dieser scheinbare Widerspruch ist ein Zug der Weisheit. Man hat groe
Ursache, Krankheiten, die eine unzertrennliche Folge der Schwachheiten der
Natur sind, zu bemitleiden; aber auch nur Verachtung gegen diejenigen
blicken zu lassen, die einen Mibrauch ihrer Gutthaten verknden.

Ach! lassen Sie uns, mein lieber Freund, diesem Gegenstande nicht ins Innre
dringen. Diese Frucht ist eine Geburt der Ausgelassenheit, ich wills
glauben, aber sie mu dem Hundszahne gleichen, und berall ohne Unterschied
wachsen, wie dieses Kraut, in einem bsen Erdreich sowohl, als in einem
guten. Man rntet sie an so vielen Orten, die das Wappen der Tugend fhren,
da man wahrhaftig auf nichts schwren darf; und vorzglich an derlei
Pltzen sind die Schilde betrgerisch. La Fontaine sagte:

   Unterm Jungfern-Unterrckchen kann
      Eben so viel Schnheit wohnen,
   Als so mancher gute Ehemann
      Findet unterm Hemde bei Madonnen.

Aber gestehn Sie es nur ein, da es, wenigstens in unsern Tagen, nicht die
Schnheit allein ist, die da allenthalben so gleich ausgetheilt wohnt; und
da die Ungemchlichkeiten, die sie furchtbar machen, mit nicht weniger
Gleichheit ausgetheilet sind.

Doch, das befremdet mich nicht, sondern, worber ich mich wundere, was ich
nicht begreife, ist die Sicherheit, mit welcher wir mitten unter so vielen
Gefahren leben. Offenbar sehn wir die Kakomonade mit den nmlichen Augen
an, wie die angesteckten Dnste zu Paris, die man daberall einathmet, und
an die man sich, trotz ihrer Anpestung, gewhnet: allein zwischen ihnen
beiden herrscht ein himmelweiter Unterschied.

Wenigstens trgt die Polizei doch einige Sorge, um das letztere zu mindern:
Man kehrt die Gassen: man schafft den Mist weg; die Arbeit eines Tages
macht das verschwinden, was die Verzehrung eines Tages von Unreinigkeiten
hinterlassen hat. Aber ists mit dem andern Gegenstande auch so? Leider!
nein. In Rcksicht desselben trgt man entweder gar keine Sorge, oder die,
die man dafr hat, ist so schwach, da sie, anstatt dem Uibel abzuhelfen,
nicht einmal im Stande ist, seinen weitern Umsichgriffen Einhalt zu thun.

Unterdessen ist es hohe Zeit, da die Regierungen aus der Lethargie, worinn
sie ber diesen Artikel zu liegen scheinen, erwachen. Mit welcher Ruhe sehn
sie nicht das Uibel sich reiend um sie her verbreiten! Die Bevlkerung,
von dieser Pest bis auf die Wurzeln angegriffen, verwelkt und vertrocknet.
Man kann es merken, wie das menschliche Geschlecht an Anzahl und Strke
abnimmt, Uiberall findet man unzhlige Menschen, mit denen es soweit kam,
da sie die traurigen Gedenkzeichen von den Graden ihrer Prfung, die sie
seit ihrer Kindheit gleich den Metallen durchwandelten, welche die Chemie,
so bald sie aus dem Schmelztigel kommen, durch gewaltsame Operazionen
entnaturt, ihr ganzes Leben hindurch behalten.

So lange die Krankheit nur in den Stdten herumgieng, war diese
Nachlssigkeit noch einiger Maaen zu entschuldigen. Aufgeklrte Politiker
konnten weniger davor erschrecken, so lange sie nur mssigen
Gterbesitzern, oder unarbeitsamen Brgern drohte. Vieleicht drfte man
sich noch itzt nicht sehr entrsten, wenn sie sich inner die Mauern der
Stdte beschrnkte, wenn sie sich begngte, daselbst die Ausschweifungen
einer herabgewrdigten Jugend, oder eines schwrmerischen Alters zu
strafen. Sie griffe dann nur Menschen an, die dieses Namens nicht werth
sind, und die wre fr das menschliche Geschlecht ein kleiner Verlust.

Aber zum Unglcke bindet sie sich hieran nicht; und fllt sehr oft in die
Drfer hinaus. Da greift sie unsern armen Stamm unter dem Strohdach an, das
doch noch etwas seinen Adel, und seine Kraft erhlt. Sie findet keine
Schwierigkeit, sich da niederzulassen. Die Unwissenheit, und vor allen die
Armuth erleichtern die Geflligkeiten, durch die sie sich fortpflanzt, und
verbannen hiemit die Mittel, die sie unterdrcken knnten.

Die Zeit ist vorbei, wo man das Land als den Freiort der Unschuld, als die
Zufluchtssttte schuldloser Ergtzungen ansehn konnte. Mit Rechte lobten
unsre alten Dichter seine Schnheiten, und Annehmlichkeiten; sie rhmten
die Sicherheit der Wlder, die es umgeben; das Grn der Matten, die es
schmcken; die Klarheit der Gewsser, die es befeuchten, die Blthe der
Nymphen, die es verschnern. Die unsrigen sieht man so was nicht mehr thun.

Nicht, als ob wir nicht auch noch Wlder, Gewsser, Matten, und Nymphen
htten: aber bei uns ists keine Diana mehr, die in unsern Wldern jaget;
keine Venus mehr, die sich in unsern Bchen bespiegelt; keine Flora, die in
ihrem Laufe auf dem Grase ausglitscht. Die Stelle dieser Gttinnen hat die
Kakomonade eingenommen. Alles, was vormals diente, die Vergngungen, zu
umschleiern, und zu vergrern, dient nun unter ihren Hnden zu nichts
mehr, als nur die Gelegenheiten zur Reue zu vermehren; und wenn noch ein
khner Faun es wagt, die Schferinnen ins Gehlze zu verfolgen, so fhlt er
sich bald mit einer ganz andern Wunde geschlagen, als wie sie Amors Pfeile
schlugen.

Welche Macht knnte doch eine so traurige Metamorphose in Gegenden
verursachen, die von dem Verderbnisse so entfernt sind? Wie kann da jenes
der Schein der Tugend verhllen, was anderswo nur die Folge der
Ausgelassenheit ist? Wie geht es doch zu, da oft die Simplizitt selber
denen gefhrlich wird, die sich schmeicheln, sie zu mibrauchen? Man kann
hiervon drei sehr dunkle, aber sehr wirksame Ursachen angeben, welche die
Hauptbeweggrnde der Verwstung sind, welche die Kakomonade auf dem Lande
hervorbringt.

Die erste davon ist jene ungeheure Anzahl Kinder, die mit jedem Tage aus
den groen Stdten fortziehn, um sich auf viele Meilen in die Runde,
auszubreiten. Sie begehren da von ihnen gemietheten Nhrmttern jenen
Beistand, den ihnen die Eltern, von denen sie das Leben haben, versagen.
Die ist oft ein Glck fr sie. Sie wrden das Leben, das sie erst
empfiengen, bald verlieren, wenn man sie nicht hurtig aus dem angepesteten
Schoosse entfernte, in welchem sie es schpften: aber dieses Glck wird
sehr traurig fr den mitleidigen Schoo derjenigen, die sich wrdigen, sie
zu sich aufzunehmen.

Fr die Milch, die sie daraus saugen, strmen sie das Gift darein, vor dem
sie ihre Unschuld nicht retten konnte. Mit diesem Augenblicke wird die
eheliche Zrtlichkeit ein Netz, worinn der Gatte sehr bald sich fngt. Er
wird zum Zeitvertreibe mit einer Seuche behaftet, die er nicht frchten
konnte, da sie fr ihn mitten in den Armen der Weisheit, und der
Fruchtbarkeit entspro. Wenn sich die Merkmaale davon sehen lassen, so hlt
die Schamhaftigkeit fters ihre Entdeckung zurck, und fast immer steht die
Drftigkeit der Abhilfe derselben im Wege. Die Nothwendigkeit einer
mhsamen Arbeit vermehret und verschlimmert die Symptomen derselben. Die
Schwachheit, die die Einen mit sich bringen, macht, da die Frchte der
andern nicht hinreichen werden. Die Bedrfnisse vervielfltigen sich nach
dem Maae, nach welchem die Krfte sich verlieren; endlich, wenn die
armselige Familie eine Zeitlang in Elend und Verzweiflung geschmachtet hat,
erwartet sie in irgend einem Siechenhause ihre Vernichtung.

Nicht ein Zug ist hier bertrieben, sondern es ist die ein sehr wahres,
ein sehr lebhaftes Gemlde von dem, was sich alle Tage um uns herum
zutrgt. Man findet keinen Dorfpriester, keinen Landjunker in den
Provinzen, der nicht die Wahrheit davon erkennte. Die ist die Gestalt der
ersten Quelle der Entvlkerung der Drfer, welche die Krankheit, von der
hier die Rede ist, verursacht.

Doch, es sind es nicht die Kinder in der Wiege allein, durch die sie sich
da einschleicht. Auch jene parfmirten Puppen, jene fnf und
zwanzigjhrigen Greise, welche ein grausames Loos bei Zeiten reich, und zu
mssigen Herren gemacht hat, mssen ihr mittelbar zu ihren Absichten
dienen. Sie fhren fters die Langeweile, die sie aufzehrt, die
Eckelhaftigkeit, die ihnen das Herz abdrckt, auf ihren Landgtern mit sich
spazieren. Aus Furcht, sie mchten in diesem neuen Aufenthalte sich selbst
gelassen sein, sind sie sehr besorgt, all den Prunk, und Firlefanz des
Luxus, der sie in den Stdten, aus denen sie sich flchten, tdtet, mit
sich dahin nachzuschleppen.

Ein zahlreicher Hofstaat, eine prchtige Equipage ist ihr Geleite bis in
die Mitte der lndlichen Einfalt. Es gefllt ihnen, ihre groben, und
verbordirten Bedienten, die sie schlecht bedienen, mitten unter demthigen,
und mit Ktteln angethanen Landleuten, die sich nur von ferne sie
anzublicken, getrauen, glnzen zu sehn. Es ist ihnen lieb, in den
Vorzimmern ihrer Lustschlsser mehr unntze Thunichtse zu zhlen, als sie
arbeitsame Unterthanen auf dem Felde haben.

Dieses lcherliche Grothun, dieser unertrgliche Stolz wre doch noch ein
leidliches Uibel, wenn es nichts weiter schadete, als die Kleingeistigteit
des Ortsherrn zu nhren. Aber was ihn erst wirklich schrecklich macht, ist
die, da er die Zgellosigkeit der Bedienten begnstigt, und die Folgen
davon ins Unendliche vermehret. Die Kakomonade macht sie zu neuen
Prometheussen, die sie mit ihrer Fackel bewaffnet; auf ihren Befehl ziehn
sie aus, die Bildsulen, womit das Land erfllet ist, mit einer
verderblichen Flamme zu beleben, die sie nicht von den Strahlen der Sonne
entwendet haben.

Die drei Viertheile der Menschen, die sich bei uns zur Dienstbarkeit
verschreiben, sind durch ihren Stand Mssiggnger, und aus Noth Hagestolze.
Eine vollkommene Unabhnglichkeit ist das erste Bedingni, welches der
Luxus fordert, um sie zu den Wrden der Livree zuzulassen, und er macht
diese Forderung nur, um sie sich selbst zum Opfer zu bringen. Er will die
Herrschaft ber seine Unterthanen mit Niemandem theilen. Er macht Ansprche
ber Sklaven zu gebieten, die auer ihm keinen Herrn haben sollen. Er meint
sich hierdurch Unruhen zu ersparen. Er bildet sich ein, sich dadurch eines
hurtigern Dienstes, einer genaueren Treue zu versichern.

Ich weis nicht, ob er es damit wohl macht; was ich gewi weis, ist, da
dieser Haufen arbeitloser, einsamer Bedienten, berall, wo er sie nur zu
finden glaubt, Gesellschaften aufsucht. Ihr Temperament treibt sie zu
lebhaften Vergngungen, und ihr Anzug bringt sie in Gesellschaften, wo
ihnen diese leicht gemacht werden. Von dieser Seite der Wonnen des
Ehestandes beraubt, von der andern zur Ausbung seiner Geschffte
eingeladen, berlassen sie sich einem Umgange, der ihnen seine Vergngungen
gewhrt, ohne seine Beschwerden zu haben. In diesem schndlichen Mibrauche
der Krfte der Natur folgen sie den Absichten, und oft dem Beispiele ihrer
Herren.

Ihr gegenwrtiges Bedrfnis macht sie taub fr die Folgen der Zukunft. Man
weis, was man, von der Gattung Weibsleute, auf die sie sich beschrnken
mssen, zu erwarten hat, und in kurzer Seit erlangen sie die Erfahrung
davon. Dadurch werden sie kecker, so, wie ein Mensch, dessen Kleid schon
einmal durchnt ist, sich desto weniger gegen den Regen sperret. Die Kraft
ihrer Jugend erhlt sie eine Zeitlang. Die Schuldigkeit, vor der Herrschaft
zu erscheinen, oder gar die Mittellosigkeit, wehrt es ihnen, auf ihre
Heilung zu denken. Sie mssen ihrem Herrn berall, wo es seine Kaprize
immer hin will, folgen, und man stellt sich auf seinen Wink, es mag um den
Krper stehn, wie es wolle. So ist indessen der Trupp beschaffen, mit
welchem der Reiche sich brstet, auf seiner Herrschaft zu erscheinen, wenn
er sich wrdigt, sie mit seiner Gegenwart zu beehren.

Ist er nun einmal auf dem Dorfe, so sind seine Bedienten, in der Kleidung
oft besser bestellt, als er, Leute von Wichtigkeit. Ihre Borden werden nun
ein Ehrenzeichen. Sie behaupten unter diesen Leuten ohne Widerspruch den
vornehmsten Rang, und ziehen alle Augen auf sich. Das Prchtige ihres
Anzugs, ihr Bau, der Vorrang, den sie ber die Landleute affektiren,
unterwirft ihnen sehr bald die Mdchen auf dem Lande, die auf alles
aufmerksam sind.

Und dann wehe der Tugend, die sich mit einem Bichen Reiz, und Anmuth
waffnet; wehe der Unschuld, welche die Jugend schmcket, und welche die
Grazien dieses Alters vielmehr schwchen, als beschtzen! Wie bald ist sie
verfhrt, und vergiftet! Die ihrer geno, -- nichts bleibt der
Unglcklichen, auer ein unaustilgbarer Jammer, und schndliche Schmerzen.
Ihr Ende ist -- sie bringt, oft ohne es selbst zu wissen, dem Hymen Blumen
zu, die auf ihrem Erdreiche nicht wachsen sollten, und die die Liebe auf
ewig verbannen, und es ist noch ein Glck; wenn sie der Versuchung nicht
nachgiebt, in die Stadt zu ziehn, um mit den Reizen, die sie zu Grunde
gerichtet haben, ein Gewerbe zu treiben, und die Folgen ihrer Schwachheit
mit dem Publikum zu theilen!

So arbeiten denn ungeheure Armeen, unter der Uniforme der Sklaverei, daran,
in den Schlund der Hauptstdte das Gift, das darinnen ghret, zurck zu
gieen, und in diesem Geschfte mu man ihnen noch eine andere Klasse von
Sklaven beigesellen, die an sich selbst edler, obgleich in der Sache selbst
sehr wenig in Betrachtung gezogen sind; jene Automaten mu man ihnen
zugesellen, die mit zu dem Machwerk eines so genannten Regimentes gehren,
und derer Ressorts, wenn sie einmal zugenommen haben, ihnen eine ziemliche
Geschicklichkeit geben, eine gewisse Anzahl Bewegungen zu machen, die unter
dem Namen Exercizien bekannt sind.

Diese, begabt mit der ausschlieenden Befugni, eine Flinte, oder eine
Bajonette zu fhren, haben noch in einem hheren Grade jene, berall die
traurigen Geschenke, von denen wir sprechen, anzunehmen, und mitzutheilen
Durch ihre Mitwirkung dringet sich die Kakomonade in die entlegensten
Provinzen ein. Sie erffnen ihr einen Weg in Gegenden, wohin selbst das
Gold kaum einen Eingang findet.

Offenbar sind dieses Laster, die sie gegen das menschliche Geschlecht
begehn; doch lt es sich schwer entscheiden, ob sie dabei mehr strafbar,
als unglcklich sind. Gewi ists, da der Ehestand fr den Soldaten sich
nicht schicke. Noch gewisser, da der Zlibat ihm die Ausschweifung
nothwendig macht. Nicht weniger gewi ists, da diese Ausschweifung fr
ihn, und fr alle Lnder, die er durchzieht, die schrecklichsten Folgen
habe. Um sich davon zu berzeugen, darf man nur den Zustand der Pltze, wo
Krieg ist, und ihre Gegenden umher betrachten.

Tglich schleicht sich da, trotz aller Wachen, die ihn beobachten, ein
verkappter Feind hinein. Er herrscht da mit grerer Macht, als die
Statthalter des Knigs. Die Wachsamkeit derselben, ihn hindanzuhalten, ist
unntz. Er ist sogar mit den Offizieren, die man dahin beordern knnte,
verstanden. Uiber die, wie wollte man junge Leute hindern, sich einem
Gelste zu ergeben, das der Mssigang, aus dem sie sich eine Ehre machen,
bei ihnen genhrt hat? Wie wollte man Begierden unterdrcken, die ein,
lange Zeit, bezhmtes Temperament, oder die Gewohnheit der Ausschweifung
wthig gemacht hat? Weder die Bestrafung so einer Unglcklichen, die sie
anpestet, noch die langwierigen Peinen, womit sie die Schwachheit eines
Augenblicks abbssen mssen, werden sie je vor dem Rckfalle bewahren. Ein
Soldat glaubt, er sei da, um des Gegenwrtigen zu genieen: seine
Bestimmung ist, den Gefahren Trotz zu bieten, und er rechnet sichs zum
Verdienste an, ihnen in jeder Gestalt zu trotzen.

Was noch trauriger ist: da sich der Soldat so selbst verderbt, verderbt er
auch andere mit. Er erhlt, wie Midas, die Eigenschaft, allem, was er
berhrt, die Kraft, die er empfangen hat, mitzutheilen. Und so wird eine
Armee selbst in Feindes Lande dadurch viel verderblicher, als die
schrecklichste Verwstung des Krieges. Nicht das, was sie daraus forttrgt,
sondern das, was sie darinnen lt, schlgt ihm eine unheilbare Wunde.

Wahr ists; sie empfngt dafr bald ihre Strafe. Das Weibervolk dieses
Landes bewaffnen sich ihrerseits gleichfalls mit der Plage, die sie
verletzet hat, wie Montesquieus Prsident vom Despotismus sagt, da er sich
mit seinen eigenen Ketten bewaffnet, und dadurch desto schreckbarer wird.
Damit, schlagen, sie bei ihrem Durchmarsche die Soldaten, die sich davor
verwahrt, oder davon entlediget haben. Dieser mrderische Kriegslauf
unterhlt unter den Truppen eine weit furchtbarere Pest, als die best
eingerichtete Artillerie.

Auch dieses wissen alle, die die letzten Feldzge mitgemacht haben. Die
deutschen Bauerndirnen waren, wie die rmischen Frauen, die sicherste
Vormauer ihres Vaterlandes geworden. Die Geflligkeit der kirre gewordenen
Hessinnen war mehr zu frchten, als das Schwert ihrer vaterlndischen
Helden. Eine einzige Westphlerinn brachte mehr Unordnungen aus, und fllte
die Spitler mehr an, als die Armee von einem ganzen Detachement
Hanovrianer.


Lieber Freund, sehen Sie hier wirkliche, offenbare Thatsachen, an denen
sich nicht zweifeln lt. Sie geschehn vor unsern Augen, und leider! sind
der Zeugen nur zu viele, die die Wirklichkeit davon bestttigen knnen.
Unter allen den Reformazionsgegenstnden, womit man sich in diesem
philosophischen Jahrhunderte beschftigt, ist vielleicht dieser der
einzige, woran man nicht denkt, da er doch wahrlich der allerwesentlichste
ist. Die brigen interessiren nur die moralische Glckseligkeit der
Menschen, inde dieser sich mit ihrer phisischen Existenz befat. Die
Mibruche bei den Finanzen und in der politischen Verfassung werden ganz
gewi bertrieben. Die Uibel, die daraus entstehn, lassen sich vielleicht
bezweifeln, oder es knnten wenigstens die Verbesserungen derselben sehr
leicht noch trauriger ausfallen. Allein hier stehts mit der Sache ganz
anders. Das Uibel ist gewi, die Nothwendigkeit, ihm zu steuern, ist
dringend, und die Anwendung des Heilmittels dagegen wre ohne Widerrede der
ntzlichste Dienst, den man der Menschheit erzeigen knnte.







End of Project Gutenberg's Die Kakomonade, by Simon Nicolas Henri Linguet

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both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

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work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


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